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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Tod im Film Noir
3. Die Erzählstruktur des Film Noir
4. Der Stil der Schwarzen Serie
5. Analyse der Todesmomente anhand von Filmbeispielen
5.1 DOUBLE INDEMNITY - Billy Wilder
5.2 THE WOMAN IN THE WINDOW - Fritz Lang
5.3 THE POSTMAN ALWAYS RINGS TWICE - Tay Garnett
6. Fazit
- 3 -1. Einleitung
In den 40er und 50er Jahren entstand eine Serie von Filmen, die sich in die verschiedenen Genreproduktionen, wie z.B. Komödien, Western, Melodramen, nicht richtig einordnen ließen. 1 Französische Filmkritiker prägten für diese Filme den Namen Film Noir, welcher mit 'Schwarzer Serie' übersetzt wurde. Das Leben der amerikanischen Bevölkerung war geprägt von Enttäuschungen, Depressionen und Unsicherheiten und diese 'dunklen Seiten' des Zweiten Weltkrieges wurden verfilmt. Der Krieg verursachte auch gravierende gesellschaftliche Veränderungen. Die Rolle der Frau änderte sich grundlegend. Die Frauen im Film, Femmes Fatales, sind gefühlskalt, attraktiv, unberechenbar, machtstrebend und manipulativ. Häufig ist der Mann stets der Leidende und wird von der Femme Fatale für ihr Zwecke benutzt.
Die Basis vieler Filme waren Kurzgeschichten, Zeitungsartikel und die hartgesottene Kriminalliteratur (hard-boiled school of fiction). Regisseure, wie Alfred Hitchcock, Billy Wilder, Fritz Lang und Robert Siodmak, prägten die dunkle, gewalttätige Serie, welche sich stark vom ursprünglichen Hollywoodkino abgrenzte. In der vorliegenden Arbeit sollen nun charakteristische Merkmale und Elemente des Film Noir heraus gearbeitet werden. Explizit werde ich mich auf die Todesdarstellungen in der Serie Noir beziehen und diese analysieren. Da es den Umfang einer Hausarbeit sprengen würde, konzentriere ich mich auf die Filme DOUBLE INDEMNITY, THE WOMAN IN THE WINDOW und THE POSTMAN ALWAYS RINGS TWICE. Dies sollen keine allumfassenden Filmanalysen werden, viel mehr interessieren bei den Todesmomenten die Montage, 'mise en scene' , die Figurenkonstellation und die audiovisuelle Ebene.
Das Ziel dieser Arbeit ist es die Unterschiede der Darstellungen des Todes zu anderen Genres und heutigen Filmen zu verdeutlichen und die Besonderheit des Film Noir zu erschließen.
1 Steinbauer-Grötsch, Barbara: Die lange Nacht der Schatten. Film noir und Filmexil.(Berlin 2000), S.11.
- 4 -2. Der Tod im Film Noir
Pessimismus, Angst, Schuld und Hoffnungslosigkeit sind Attribute, die die Reihe der so genannten Schwarzen Serie beschreiben. Die Filme sind geprägt von Verbrechen, wie Raub und Betrug, welche sehr häufig in einem Tötungsdelikt enden. Oftmalig muss dieses Delikt nicht real geschehen, sondern wird geträumt oder geplant. „Die Motive der Personen sind Lebensgier, Lust, Haß, Neid, Ehrgeiz, Eifersucht und Verzweiflung, und ihre Gefühle setzen sich zusammen aus Angst, Beunruhigung, Leidenschaft, Wehmut und Trauer.“ 1 Der typisch pessimistische Antiheld des Film Noir ist seinem sozialen Umfeld weitgehend entfremdet und muss sich mit der Anonymität der Großstadt herumschlagen. Oft entstehen auch Beziehungen zwischen Mann und Frau aufgrund eines Mordes, d.h. das Scheitern der Beziehungen ist vorprogrammiert. „Gegenseitiges Misstrauen, tödlicher Hass oder die Last der Vergangenheit lassen der Liebe keinen Lebensraum.“ 2 Das gleiche Schicksal erfährt die Familie in diesen Filmen.
Die Schauplätze der Filme (Büros, alte Fabrikhallen, geringwertige Hotelzimmer, karge Grundstücke) spiegeln die Gefühlswelt der Antihelden und ebenso den alltäglichen Verfall der Stadt wider.
Am häufigsten sterben Personen im Film Noir durch Schusswechsel, Gift, Messerattacken, Autounfälle und Totschlag. Der Tod tritt oftmalig in der Spätphase eines Filmes auf, da er für die Personen meistens die letzte Lösung für ihre Probleme darstellt. „Sie sind zu Verbrechern, zu Mördern geworden und haben keine Chance, sich auch nur einen Stehplatz in der Gesellschaft zurückzuerobern.“ 3
3. Die Erzählstruktur des Film Noir
Im Film Noir gibt es zwei wesentliche Erzählstrukturen. Einerseits „die labyrinthische der Dedektivstories und [andererseits] die retrospektive mit Rückblende und Off-Erzählung“ 4 . Bei beiden Strukturen endet der Zuschauer in Desorientierung und Distanz, aber er wird auch an die Handlung gebunden, d.h. die Strukturen zielen auf dasselbe Ergebnis ab. Der Erzählvorgang bleibt vordergründig im Film Noir, denn häufig wird man schon am Anfang der Filme über den wesentlichen Inhalt in Kenntnis gesetzt.
1 Werner, Paul: Film noir. Die Schattenspiele der „schwarzen Serie“.(Frankfurt am Main 1985), S. 10.
2 Ders.: Film Noir und Neo-Noir.(München 2000), S.15.
3 Ebd., S.72.
4 Ebd., S.75.
- 5 -Die erste Erzählstruktur, die der Detektivstories, beginnt meist damit, dass eine suchende Hauptfigur einen Auftrag bzw. einen Hinweis bekommt und diesen nachgehen möchte. Dies scheint zuerst leicht erledigt, nimmt aber im Laufe des Geschehens größere Dimensionen an. Nun stürzt sich diese Figur immer tiefer in Gefahr und entdeckt mehr Besonderheiten, welche den Auftrag betreffen und verstrickt sich in diese. Da die Hauptfigur nun orientierungslos, irritiert und im Geschehen verloren wirkt, wird dies auf den Zuschauer übertragen. „Die Detektivfilme sind [...] auf die Neugier der Zuschauer hin konzipiert, deren Befriedigung immer weiter hinausgezögert und endlich doch gewährt wird.“ 1 Doch bei dieser Struktur herrscht die Gewalt bzw. der Tod nur in ein oder zwei Szenen vor. In diesen Momenten überschlagen sich die Ereignisse und anschließend übernimmt der Detektiv wieder die Führungsrolle. Die Position, in der sich der Detektiv befindet, verändert sich immer nur für kurze Momente. Die Lage der anderen Figuren (Femmes Fatales, Verbrechern, Mördern, Opfern) verändert sich und wird zunehmend schwieriger und komplizierter. Am Ende eines solchen Filmes bleibt der Pessimismus bei den Figuren, doch der Detektiv ist derselbe wie am Anfang.
Die zweite Erzählstruktur beginnt damit, dass der „Höhepunkt“ des Filmes, wie z.B. der Tod einer Person, schon von Anfang an Preis gegeben wird. Der Getötete, der Komplize oder der Mörder erzählen, wie es zu diesen Mord gekommen ist und lassen die Geschichte Revue passieren. Oft befinden sich die Erzähler in einer Situation, welche auswegslos erscheint und über die sie keine Kontrolle mehr haben. Damit soll dem Zuschauer „die Unausweichlichkeit eines Schicksals“ 2 verdeutlicht werden und es wird Distanz zu den Figuren aufgebaut. Doch der Zuschauer wird irritiert, denn er weiß nicht genau, ob er durch die Rückblende (flashbacks) und die Off-Erzählungen (voice-over eines Ich-Erzählers) den Bildern bzw. den Worten glauben kann. Die Off-Erzählung kommt häufig einem Geständnis gleich, welche aber auch durch dessen Erzähler variiert werden kann. Somit kann der Zuschauer sich nicht konkret orientieren und dadurch wird für ihn wieder Spannung erzeugt. In einigen Filmen wird auch eine Rückblende innerhalb der Rückblende verwendet; eine so genannte doppelte Rückblendestruktur, wie z.B. in den Film Noir THE ENFORCER von Bretaigne Windust.
Diese Erzählstruktur erzeugt durch Rückblenden und Off-Erzählungen ein hohes Maß an Subjektivität. Dies geschieht aber auch durch Traumsequenzen und Visionen. Ein wichtige Rolle spielen Träume bei den Filmen der Schwarzen Serie
1 Werner, Paul: Film Noir und Neo-Noir.(München 2000), S.70.
2 Ebd., S.74.
- 6 -zwischen 1945 und 1947. „Bürger, Verbrecher, Femmes fatales und verlassene Geliebte, Privatdetektive und Vertreter der staatlichen Ordnung werden permanent von Träumen heimgesucht, die Ausdruck ihrer unterdrückten Ängste, Wünsche und Begehren sind.“ 1
4. Der Stil der Schwarzen Serie
Der Film Noir hat eine Sonderstellung in der amerikanischen Filmgeschichte aufgrund seines Stils. Dieser zeichnet sich durch die Sorgfalt bei der Mise en scènce (der „innere Aufbau des Bildes auf der Leinwand“ 2 ) und dem Ideenreichtum bei der Montage aus. Ich werde nur einige Schwerpunkte dieses Stils erläutern. Im Film Noir werden Gestaltungsmittel besonders eingesetzt, um den Pessimismus der Welt im Film deutlich zu machen. Ein markantes Merkmal ist der Beleuchtungsstil und die spezielle Einsetzung von Licht und Schatten. Zum Beispiel werden nur die Augenpartien oder das Gesicht von unten beleuchtet. Dies soll eine bedrohende Atmosphäre schaffen. Oft sieht man nur die Schatten bzw. die Silhouetten einer Person. Um das Auge des Zuschauers auf wichtige Elemente auf der Leinwand zu leiten, werden fast unmerklich Spotlichter (punktuelle Beleuchtungen) eingesetzt. Doch die Dunkelheit herrscht in diesen Filmen vor, was man auch an der bevorzugten Drehzeit erahnen kann. Die „Szenen bei Tag sind im Film Noir meist ausgeleuchtet, als ob sie nachts spielten.“ 3 Die auffallenden Schattenmuster (z.B. Muster von Gefängnisgittern) deuten auf das drohende Schicksal der Figuren hin und strukturieren zugleich den Bildaufbau. In vielen Filmen der Schwarzen Serie sind Schatten und Silhouetten Symbole des Todes (z.B. in THE KILLERS von Robert Siodmak). Aber dennoch deuten sie nicht nur auf Gefahr hin, sondern geben auch einen gewissen 'Schutz' für die Personen im Film vor dem Licht. Allerdings finden diese Schattenspiele erst durch die extreme Schärfentiefe Beachtung. Dabei kommen „auch kleinen Gegenständen im Vordergrund die gleiche Wichtigkeit zu [...] wie den Personen im Mittel- oder den Raumbegrenzungen im Hintergrund.“ 4 Durch die Schärfentiefe wird der Zuschauer in die Handlung stärker einbezogen und es werden Bezüge innerhalb des Filmes aufgestellt, die nun leichter zu erkennen sind.
Um die Verlorenheit und Hilflosigkeit der Figuren deutlicher darzustellen, wird ein
1 Steinbauer-Grötsch, Barbara: Die lange Nacht der Schatten. Film noir und Filmexil.(Berlin 2000), S.130.
2 Werner, Paul: Film Noir und Neo-Noir.(München 2000), S.95.
3 Ebd., S.97.
4 Ebd., S.103.
Arbeit zitieren:
Sophie Bartholome, 2008, Film Noir, München, GRIN Verlag GmbH
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