Inhaltsverzeichnis
1 - Einleitung 1
2 - Handeln, Handlung und Entwurf 2
3 - Rationalität und Alltagswelt 4
3.1 - Genese Der Rationalität bei Schütz 4
3.2 - Handlungsmuster des Alltags als Vorbild der Wissenschaft 5
3.3 - Bedingungen für und Abgrenzung rationalen Handelns 7
3.4 - Wissenschaftliche Modelle der Sozialwelt 9
3.5 - Rationale Handlungen im Alltag 13
4 - Fazit 15
X - Literaturverzeichnis 17
1 Einleitung
„Der Begriff der Rationalität in der Wissenschaft ist einer der schillerndsten und vieldeutigsten.“ 1 Dieser Satz von Jürgen Schmidt benennt sowohl das Thema dieser Arbeit, als auch ein Problem der Wissenschaft. Die Wissenschaft und vor allem die Sozialwissenschaft strebt nach einer Eindeutigkeit ihrer Begriffe. Deshalb werden diese genau definiert, von anderen Begriffen abgegrenzt und in Zusammenhang mit weiteren Begriffen dieser Art gebracht. Das Problem ist, dass jede wissenschaftliche Schule und viele Wissenschaftler untereinander verschiedenen Definitionen für die selben Begriffe verwenden. Teilweise wird nur ein Detail einer anderen Definition verändert, teilweise aber auch ein vollkommen unterschiedlicher Schwerpunkt gesetzt. Auch Alfred Schütz (*13.04.1899, Wien; †20.05.1959, New York City) hat sich mit einigen Begriffen auseinandergesetzt, von denen die Rationalität in der vorliegenden Arbeit untersucht werden soll.
Schütz versuchte eine phänomenologisch begründete Soziologie zu etablieren, wobei er von Max Weber ausging, der die Soziologie als strenge Wissenschaft auf handlungstheoretischer Basis begründete. Weitere Prägung erhielt das Werk von Schütz durch Bergson, von dem er seine Sinnbegriffe entlehnte, Husserl (Phänomenologie), Whitehead, Mead, von Mises und Parsons 2 . Er entwickelte eine Soziologie des Alltags, in der er die gegebenen Situationen nicht als unveränderlich ansah, sondern als durch die Menschen veränderbare Tatsachen. Der Begriff der Rationalität hängt somit eng mit den Begriffen des Alltags und des Handelns zusammen, weshalb diese auch in die Untersuchung mit eingehen. Da durch den Alltag das Hauptthema von Schütz` Werk in die Betrachtung einfließt, gäbe es zahlreiche Möglichkeiten die Arbeit auszuweiten. Begriffe wie die Intersubjektivität, die Reziprozität, die verschiedenen Motive oder die unterschiedlichen Sichtweisen auf Handlungen und die Sozialwelt können, wie andere Themen auch, in diesem ______________
1 Schmidt, Jürgen: 2000, S. 74
2 Endreß, Martin: 2006, S. 27 - 45
1
Zusammenhang nicht weiter erläutert werden, da sie zwar unmittelbar mit der Betrachtung des Alltags einhergehen, für die Rationalität allerdings nicht von elementarer Bedeutung sind. Es wird ebenfalls nicht auf die Verstrickung der Rationalität wie sie von Schütz begründet wird und der Rational Choice Theorie eingegangen, wie dies zum Beispiel Hartmut getan hat, da hier ausschließlich das Werk von Schütz betrachtet werden soll. Die Auswirkungen seiner Theorie und seiner Begriffe auf andere Wissenschaftler sind zwar genauso wichtig wie die Theorie selbst, doch können sie, wie die oben genannten weiteren Themen, hier nicht untersucht werden.
Die Betrachtung von Schütz` Theorie beginnt mit den Begriffen Handeln, Handlung und Entwurf, da diese für die weiterführende Untersuchung von besonderer Wichtigkeit sind, weil Rationalität immer in Verbindung mit dem Alltag und somit auch mit dem Handeln der Menschen innerhalb des Alltags gebracht wird. Außerdem sind diese Begriffe auch für die Modelle der Sozialwelt von Bedeutung. Im nächsten Schritt soll das Thema der Rationalität und der Alltagswelt untersucht werden. Hierzu wird zunächst als Grundlage der Schützsche Begriff der Rationalität generiert, um danach auf die Handlungsmuster des Alltag einzugehen, die als Vorlage für die Muster der Soziologie dienen. Nach diesen einleitenden Betrachtungen wird der Begriff des rationalen Handelns näher definiert und abgegrenzt, damit auch in diesem Bereich eine Eindeutigkeit erlangt wird. Schließlich werden noch die wissenschaftlichen Modelle der Sozialwelt eingeführt, definiert, eingegrenzt und deren Nutzen herausgestellt, bevor geklärt wird in welcher Form rationales Handeln auch im Alltag möglich ist oder nicht.
2 Handeln, Handlung und Entwurf
Das Thema der Rationalität ist bei Schütz eng mit dem Handeln der Menschen in der Sozialwelt verbunden. Er musste im Laufe seiner Arbeiten jedoch eine Unterscheidung zwischen den Begriffen des Handelns und der Handlung einführen, da Schütz sich in
2
dieser Hinsicht auf die Sinnbegriffe von Henri Bergson fixierte 3 . „Der Begriff 'Handeln' soll einen ablaufenden Prozeß menschlichen Verhaltens bezeichnen der vom Handelnden vorgezeichnet wurde, anders gesagt, der auf einem vorgefassten Entwurf beruht. Der Begriff 'Handlung' soll das Ergebnis dieses ablaufenden Prozesses, also das vollzogene Handeln kennzeichnen.“ 4
In diesem Zitat ist ein weiterer Begriff enthalten, der Entwurf, der jedem Handeln und jeder Handlung vorangeht. Beim Entwerfen oder Phantasieren geht der Mensch von der abgeschlossenen Handlung aus und entwickelt die Schritte, die ihn zu seinem Ziel führen - Schütz nennt dies den modo futuri exacti. Hierbei geht man immer von seinem aktuellen Wissen aus, kann also nicht alle Folgen, Nebenfolgen oder Schwierigkeiten bei der Ausführung des Handelns voraussagen und in seinen Entwurf miteinbeziehen. Nur die ihm bekannten Mittel, die ihn zu seinem Ziel führen, kann der später Handelnde gegeneinander abwägen und die für ihn beste Möglichkeit auswählen.
Hier liegt der Unterschied des Entwurfs zum Handeln 5 . Das Entwerfen von Handeln kann immer revidiert werden, weshalb man sich die beste Alternative aussuchen kann 6 . Handeln beinhaltet hingegen den Vorsatz zur Handlung. Sobald dieser vorliegt endet jedes Handeln mit einer Handlung. Nach Schütz kann Handeln entweder verdeckt oder offen sein. Ersteres beinhaltet jedes Handeln, das von Anderen nicht gesehen wird, also auch das gedankliche Handeln, zum Beispiel das Nachdenken eines Wissenschaftlers über das ihm gestellte Problem. Doch auch verdecktes Handeln führt zwangsläufig zu einer Handlung, da hier der Vorsatz zur Handlung besteht, der beim offenen Handeln durch eine ausgeführte Aktion sichtbar enthalten ist. Verdecktes Handeln muss nicht unbedingt die Ausführung des vorher entworfenen Plans sein, sondern kann auch das Verwerfen des Planes und folglich das Nichts tun sein.
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3 Grathoff, Richard: 1978, S. 400
4 Schütz, Alfred: 1971b, S. 77
5 Schütz, Alfred: 1971a, S. 20 - 25
6 Schütz, Alfred: 1972, S. 37 ff
3
3 Rationalität und Alltagswelt
Das Leitthema von Alfred Schütz, die Soziologie des Alltags, fließt auch maßgeblich in das Thema der Rationalität mit ein. Hier untersucht er was rationales Handeln ist, inwieweit das alltägliche Handeln diesen Ansprüchen genügt und ob Handeln im Alltag überhaupt rational sein kann. Hierzu soll zunächst die Genese des Begriffes der Rationalität, wie Schütz ihn verwendet, nachvollzogen werden, um die folgenden Kapitel richtig einordnen zu können. Danach werden die Handlungsmuster des Alltags untersucht, welche laut Schütz Vorlage und Gegenstand jeder sozialwissenschaftlichen Untersuchung sind. Daran anschließend wird der von Schütz gebrauchte Begriff der Rationalität genauer abgesteckt. Hier wird geklärt, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit eine Handlung rational sein kann und wie sich rationales Handeln von anderen Handelnstypen des Alltags unterscheidet. Als Viertes werden die wissenschaftlichen Modelle der Sozialwelt betrachtet, also wie diese Modelle aufgebaut sind, welche Bedingungen sie erfüllen müssen und welchen Stellenwert sie für die Untersuchung des Alltags haben. Zum Schluss wird untersucht, ob und wie rationales Handeln im Alltag möglich ist.
3.1 Genese der Rationalität bei Schütz
Nach Max Weber ist Handeln dann rational, wenn der Handelnde alle seine Mittel und Ziele, sowie die Folgen und Nebenfolgen, die durch sein Handeln entstehen, kennt. Außerdem sieht er rationales Handeln als einen Idealtypus an, der auf Basis empirischer Anschauungen gewonnen wurde und durch die Realität nicht erreichbar sei. Schütz bedient sich unter anderem Webers Auffassung, wobei er nicht zwischen zweckrationalem und wertrationalem Handeln unterscheidet, da dies für sein Modell nur unterschiedliche Motive des Handelns bedeute 7 .
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7 Schütz, Alfred: 1993, S. 337 f
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Arbeit zitieren:
Manuel Pietzko, 2009, Rationalität und rationales Handeln im Alltag bei Alfred Schütz, München, GRIN Verlag GmbH
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