1 - EINLEITUNG
Das Altsein und das fortschreitende Älterwerden sind in unserer heutigen Gesellschaft ein an Bedeutung gewinnender Bestandteil des Lebens, und es wird bereits zwischen jungen Alten, alten Alten und Hochaltrigen unterschieden. Noch vor etwa 200 Jahren war die Lebenserwartung deutlich geringer, die Lebensphase des Alters somit kürzer und in Bezug auf das Verhältnis der drei Altersgruppen (Kinder bzw. Heranwachsende, Erwachsene und alte Menschen) gab es einen niedrigen Altersdurchschnitt, was bedeutet, dass es mehr junge als alte Menschen gab. Heutzutage gewinnt die Lebensphase des Alters an Bedeutung, da sie sich ausweitet, und alte Menschen somit immer älter werden. Zukunftsprognosen bestätigen diesen Verlauf, bei dem der Altersdurchschnitt steigen wird und die Bevölkerungszahl sinken wird. Die hat zur Folge, dass es immer mehr alte Menschen und immer weniger junge Menschen in Deutschland geben wird. Zudem besteht die Altersgesellschaft zum größten Teil aus Frauen. Dies ist auf die unterschiedlichen Lebenserwartungen von Frauen und Männern zurückzuführen. Diese zwei Trends zeichnen sich bereits heute ab. Doch was für Folgen hat dieser bereits bestehende Trend, der sich in den kommenden Jahrzehnten noch verstärken wird? Diese Arbeit wird diese Fragestellung mit besonderer Konzentration auf die Lebenssituation älterer Frauen bearbeiten, und erläutern, welchen wesentlichen Herausforderungen sich ältere Frauen stellen müssen, und wie hierzu künftige Lösungsansätze bzw. Präventionsmaßnahmen aussehen können. Denn vor allem Frauen sind von den Problemen des Alters betroffen und haben es deutlich schwerer als Männer (Backes 2002: 130). Beginnend mit dem demographischen Wandel wird diese Arbeit erläutern, aus welchen Gründen sich die Struktur der Gesellschaft zu einer femininen Altengesellschaft verändert. Im Hauptteil dieser Arbeit, der sich von Kapitel 3 bis 5 erstreckt, werden die wesentlichen Herausforderungen von alten Frauen dargestellt. Hier stellt Kapitel 3 die finanzielle sowie die erwerbstätige Situation vor der Pensionierung dar, und beleuchtet aus welchen Gründen das Hausfrauendasein ein Altersrisiko ist, und warum eine kontinuierliche Vollerwerbstätigkeit wichtig ist. Anschließend folgt in Kapitel 4 die Veranschaulichung des sozialen Umfelds in Bezug auf inner- und äußerfamiliäre Sozialbeziehungen, sowie des Frauenschicksals der Verwitwung. Den Hauptteil beendet dann Kapitel 5 mit der Pflegebedürftigkeit im Alter, und zeigt auf, warum die Pflegebedürftigkeit zu einer Abhängigkeit gegenüber Pflegeinstitutionen und familienfremden Menschen wird. Diese Arbeit schließt mit der
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Darstellung ab, welche Stellung ältere Frauen in unserer heutigen und zukünftigen Gesellschaft einnehmen werden, und inwiefern die Folgen des Strukturwandels, die zu einer femininen Altengesellschaft führen, und die Herausforderungen älterer Frauen zu einer Herausforderung für die gesamte Gesellschaft werden.
2 - AUSWEITUNG DER LEBENSPHASE DES ALTERNS - FEMINISIERUNG DES ALTERS
Wie schon in Kapitel 1 vorweggenommen, wird die Gesellschaft aus überwiegend alten Menschen bestehen, die weiblich sind. Dieses Kapitel erläutert, aus welchen Gründen sich dieser Wandel vollzogen hat und warum er fortschreitet.
2.1 - Demographischer Wandel - Höhere Lebenserwartungen
Das Altern ist ein evolutionsbedingter, natürlicher Prozess, dem jedes Lebewesen unterliegt. Anders als noch vor einigen Jahrhunderten werden Menschen heutzutage immer älter. Die durchschnittliche Lebenserwartung von Männern sowie Frauen ist gestiegen. So hatten Jungen, die im Jahre 1871/1881 im Deutschen Reich geboren wurden, eine durchschnittliche Lebenserwartung von 35,6 Jahren und Mädchen von 38,4 Jahren, wobei die Lebenserwartung im Alter von 10 Jahren deutlich höher lag mit 46,5 Jahren bei Jungen und 48,2 Jahren bei Mädchen (Statistisches Bundesamt et al. 2008: 22). Diese unterschiedlichen Daten sind auf die damalige hohe Kindersterblichkeit zurückzuführen. Die Lebenserwartung für Mädchen, die im Jahr 2004/2006 geboren wurden, liegt bei 82,1 Jahren und für Jungen bei 76,6 Jahren (ebd.). So wurden Menschen im 19. Jahrhundert durchschnittlich 40-60 Jahre alt. Heute liegt dieser Wert schon bei ca. 75-82 Jahren. Folglich hat sich die Lebenserwatung von 1871 bis 2004 in etwa verdoppelt. Daher wird ein Junge oder ein Mädchen, das im Jahre 2010 geboren wurde, sogar eine noch höhere Lebenserwartung haben, also solche, die 2004/2006 geboren wurden. Darüber hinaus erreichen immer mehr Menschen das Alter von 100 Jahren, und altern über dieses Alter hinaus. Folglich steigt auch die Zahl der Hochaltrigen. In der vorindustriellen Zeit hatten Darstellungen der Alterstruktur die Form einer Pyramide, und hohe Geburten- und Sterbeziffern lagen vor (Voges 2008:
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18). Durch einen gesünderen Lebensstil, der bedingt ist durch globale Handelswege, die es ermöglichen zu jeder Jahreszeit diverse Obst, Gemüse und Getreidearten zu konsumieren, sowie durch Möglichkeiten Lebensmittel länger frisch und haltbar zu machen, und eine bessere medizinische Versorgung, die dem technischen Fortschritt zugrunde liegt, steigt die Lebenserwartung kontinuierlich. Dieser gesündere Lebensstil und die bessere medizinische Versorgung bewirken, dass das Sterberisiko sinkt, und dementsprechend die Lebenserwartung steigt. Somit altern alte Menschen langsamer bzw. die Phase des Alters weitet sich aus. Was früher „alt“ war, ist heute jünger, da die Lebenserwartung und die Altenzeit im Lebenslauf zunehmen. Die Phase des Alters erstreckt sich dann von 65 Jahren bis zu über 100 Jahren. Der mit dem Begriff ‚Alter’ einhergehende Prozess des körperlichen Abbaus bzw. der Verschlechterung des körperlichen Zustands wird verlangsamt. Menschen altern körperlich nicht in demselben Maße, wie sie chronologisch altern, aufgrund von medizinischen Verbesserungen und einer ausgewogeneren Versorgung mit Nahrungsmitteln. Dementsprechend wird der Prozess des Alterns gebremst und der Körper altert langsamer. Infolge der Verbesserungen weitet sich die Phase des Alters aus, und es leben immer mehr alte Menschen in unserer Gesellschaft, deren Zahl weiterhin stetig steigt.
2.2 - Strukturwandel des Alters - Veränderung der Gesellschaft hin zu einer femininen Altengesellschaft?
Nicht nur der Rückgang des Sterberisikos bedingt, dass die Zahl der alten Menschen steigt, sondern auch der anwährende Geburtenrückgang in Deutschland. Pro Familie gibt es weniger Neugeborene und auch die Zahl der kinderlosen Familien steigt. Je entwickelter ein Land ist, desto niedriger ist die Geburtenrate. Die Entscheidung, ob man Kinder bekommen möchte, ist individueller geworden, da Kinder nicht mehr der Alterssicherung oder als Arbeitskraft zur Unterstützung der Familie dienen. Auch der Arbeitswandel und die Möglichkeit für Frauen selbstständig zu arbeiten in Unabhängigkeit vom Mann, lässt den persönlichen Erfolg in den Vordergrund treten, und für Kinder ist so oft weniger bis gar keine Zeit vorhanden. Frauen sehen sich nicht mehr ausschließlich in der Rolle der Hausfrau und Mutter und wollen auch selbstständig arbeiten. In unserer heutigen Gesellschaft stellt sich auch häufig die Frage, ob der
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Kinderwunsch oder die Karriere Vorrang hat. Somit werden Kinder zu einem nachrangigen Wunsch, der auch oft auch als ‚Luxus’ bezeichnet wird, da sich der Kinderwunsch zu einer persönlichen Entscheidung entwickelt hat, und rein ökonomisch betrachtet für Eltern eher eine Belastung als einen Vorteil darstellt. So sind Kinder heute in den USA und Deutschland ein relatives Armutsrisiko, da in der Regel zwei Einkommen als ökonomische Basis erforderlich sind (Bertram 2000: 22). Fehlt eines dieser Einkommen, da ein Elternteil die Erzieherrolle und Hausarbeit zugunsten der Kinder übernommen hat, steigt das Risiko, arm zu sein. Auch Alleinerziehende sind überwiegend von Armut betroffen (ebd. 21). Kinder können die eigene Beteiligung an der gesellschaftlichen Prosperität verringern (Thieme 2008: 77). So gebärt jede Frau in Deutschland im Durchschnitt nur noch 1,4 Kinder. Dieser Wert verhaart seit Jahren auf diesem Niveau und keine signifikante Steigerung lässt sich abzeichnen. Dies hat zur Folge, dass Frauen weniger Kinder zur Welt bringen, als es nötig wäre, um ihre Generation zahlenmäßig zu ersetzen (Statistisches Bundesamt et al. 2008: 22). Ein weiterer folgenschwerer Prozess tritt ein, da diese zahlenmäßig geringere Generation nun weniger Mädchen hervorbringt, die später potentielle Mütter sind (ebd.). Durch das Sinken der Anzahl an gebärfähigen Frauen durch die schwachen Geburtenjahrgänge wird es einen langfristigen Rückgang der jungen Bevölkerung geben und die Geburtenrate sinkt weiter. Das Verhältnis der Altersgruppen verändert sich dahin, dass es überwiegend alte Menschen gibt, von denen es immer mehr Menschen gibt, die über 100 Jahre alt werden, und dass die Zahl der jungen Bevölkerung stetig abnehmen wird. Auch dass die Gesellschaft schrumpfen wird, das dadurch bedingt ist, dass weniger Menschen pro Jahr geboren werden, als sterben, wirkt sich zum Vorteil für den Bevölkerungsanteil der Alten aus: ihre Zahl steigt. Laut dem Datenreport von 2008 (ebd. 13) waren im Jahr 2006 20% der Bevölkerung unter 20 Jahren alt, 20% der Bevölkerung 65 Jahre und älter, und 60% im erwerbsfähigen Alter (20 - 65 Jahre). Von den 20% der Bevölkerung die alt sind, sind rund 5% hochbetagt (80 Jahre und älter) (ebd.). Laut Vorausrechnungen werden im Jahr 2050 nur noch 50% der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter sein, 30 % werden 65 Jahre und älter sein, und nur noch 15 % werden jünger als 20 sein (ebd. 23). Wie die Daten zeigen, wird sich diese Entwicklung fortsetzen, so dass sich die deutsche Gesellschaft hin zu einer Altengesellschaft entwickeln wird. Diese Entwicklung hat bereits begonnen. Wie der Vergleich der unterschiedlichen Lebenserwartungen von Männern und Frauen in Kapitel 2.1 bereits zeigt, werden Frauen im Durchschnitt älter als Männer. Bereits im 19. Jahrhundert
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wiesen Frauen eine höhere Lebenserwartung auf. Gründe hierfür liegen in der schweren körperlichen Belastung von Männern bedingt durch typische Männerberufe wie den des Handwerkers oder den des Bergbauarbeiters. Frauen hingegen waren einige Jahrhunderte zuvor ausschließlich für die Familie sowie für den Haushalt zuständig, und auch typische Frauenberufe (Erzieherin, Krankenschwester, Friseurin) stellen heutzutage keine solche Belastung für den Körper da, als typische Männerberufe. Auch wenn im Jahre 2006 durchschnittlich mehr Jungen als Mädchen geboren wurden (auf 100 Mädchen kommen 106 Jungen), gleicht sich dieser Wert in der Altersgruppe der 50- bis unter 60-Jährigen wieder aus, da Männer statistisch betrachtet nicht so alt werden wie Frauen (ebd. 13). Dies hängt auch damit zusammen, dass Männer häufiger an Infektionskrankheiten, Herz-Kreislauf Erkrankungen, Störungen des Hormonsystems und des Stoffwechsels, und Krankheiten des Verdauungssystems sterben (Voges 2008: 20). Frauen sterben hingegen seltener an diesen Erkrankungen aufgrund hormonaler und immunbiologischer Unterschiede (ebd.). So überwiegt die Anzahl der Frauen in den höheren Altersgruppen. Von den 60- bis 70-jährigen Personen sind ca. 52% weiblich, bei den 70- bis unter 80-Jährigen sind es 58%, und bei den über 80-Jährigen beträgt der Frauenanteil sogar 72% (Statistisches Bundesamt et al. 2008: 13). So besteht die Altersgesellschaft zu ca. 2/3, und bei über 80-Jährigen sogar zu ¾ aus Frauen. Noch vor etwa 100 Jahren war das Verhältnis von Männern und Frauen ausgeglichen, wie Bevölkerungsdarstellungen in Pyramidenform von 1900 zeigen. Aktuelle Bevölkerungsdarstellungen aus Deutschland, die eher wie zerzauste Wettertannen aussehen (ebd.), stellen den Frauenüberschuss im Alter und den Männerüberschuss in jungen Jahren dar. Demzufolge gibt es immer mehr alte Menschen, die weiblich sind, und dementsprechend spricht man auch von der Feminisierung des Alters, da die, die alt sind, überwiegend weiblich sind. Somit sind auch vor allem Frauen von den Problemen des höheren Alters betroffen. So spricht man auch von der Feminisierung der Armut, was Bezug nimmt auf die Armut alter Frauen. Aber auch der Verlust des Partners ist weitgehend ein weibliches Altersschicksal, sowie die Abhängigkeit gegenüber Pflegeeinrichtungen. Insbesondere für die gesamte Gesellschaft und die Politik stellt dieser Strukturwandel eine große und zukünftige Veränderung dar. Auf diese Veränderung und die Herausforderungen von alten Frauen werden die folgenden Kapitel eingehen.
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3 - DIE LEBENSSITUATION VON ÄLTEREN FRAUEN
Dadurch, dass die Bevölkerungsgruppe der alten Menschen von Frauen dominiert ist, ergeben sich für sie neue Probleme und Herausforderungen die sich in den kommenden Jahren verstärken werden. Dieses Kapitel beleuchtet die finanzielle Situation von alten Frauen, geht näher auf das Hausfrauendasein als Risiko ein, und beschreibt den Übergang in den Lebensabschnitt des Ruhestands von Frauen, die vollzeitbeschäftigt waren und Frauen die teilzeitbeschäftigt waren.
3.1 - Der Schritt in den Ruhestand - Erwerbstätige Frauen in Vollzeit- und Teilzeitarbeitsverhältnissen
Über eine lange Zeit betrachtete man Altersprobleme als rein männlich konzentrierten Bereich, da das Ausscheiden aus der Erwerbsarbeit mit seinen entstehenden Konsequenzen als rein männliche Altersprobleme angesehen wurden, da Frauen im ‚Normalfall’ (eines Hausfrauendaseins) in ihrer gewohnten Lebensweise weiterleben würden, und so keinen gravierenden Umstellungen vom Erwerbsleben in den Ruhestand ausgesetzt seien (Backes 2002: 111). Mittlerweile hat sich diese Sicht geändert und es wird zwischen Geschlechtern im Alter unterschieden. Der Übergang in die Zeit jenseits der Erwerbsarbeit wird für Frauen immer wichtiger, wobei sich die Rolle der Frau als Krisenbewältigerin der Pensionierung des Mannes abschwächen wird (Backes 2002: 125). Dies ergibt sich zum einem daraus, dass Frauen zum größten Teil selbst erwerbstätig sind, und selbst mit den bevorstehenden Umstrukturierungen durch die Berufausgabe konfrontiert sind. Aber der Übergang von der Erwerbsarbeit in den Ruhestand wird von Frauen anders erlebt als von Männern aufgrund von überwiegenden Tätigkeiten in geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen, diskontinuierlichen Berufsbiographien, aber auch durch die Konstruktion des sozialen Geschlechts. Während sex das rein biologische Geschlecht darstellt, ist gender das sozial konstruierte Geschlecht, dass die Differenz im Rollenverhalten, in der Lebensführung, in Einstellungen, Bedürfnissen, Fähigkeiten und Lebensbedingungen von Frauen und Männern darstellt (Sickendiek 1999: 150). Dies sagt aus, dass Frauen anders vergesellschaftet werden als Männer, und ein differenziertes Rollenverhalten entsteht. Frauen gehen eher weniger qualifizierten Tätigkeiten nach, wobei Männer mehrfach
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qualifizierten Tätigkeiten nachgehen (Datenreport 2008: 133). Vor allem Frauen die heute alt sind, hatten einen geringeren Ausbildungs- und Bildungsstand als Männer. Dies wirkt sich auch auf die spätere Rente und das Einkommen aus, da Frauen im Durchschnitt wesentlich weniger verdienen als Männer, und durch die weniger qualifizierten Berufe stärker von Arbeitslosigkeit betroffen sind. Aber auch die Rollenzuschreibung der Hausfrau und Mutter beeinträchtigt Frauen im Erwerbsleben. Dies trifft für Frauen zu, die heute alt sind und auch für einen großen Teil der Frauen, die die nächste Generation der Alten darstellen wird. Frauen gehen mit steigendem Alter überwiegend keiner Vollzeitbeschäftigung, sondern einer Teilzeitbeschäftigung bzw. einer geringfügigen Beschäftigung nach. Vor allem Frauen, die heute alt sind, gingen überhaupt keiner Erwerbsarbeit nach, wenn sie aus einer sozial höheren Schicht stammten. Die meisten Frauen, die heute alt sind, gingen Nebentätigkeiten nach, um zum Lohn des Mannes dazuzuverdienen.
„Geschlechtsspezifische Arbeitsteilung bedeutete für die Mehrzahl der heute alten Frauen, dass die Ehefrauen- und Mutterrolle primär war (und z. T. noch ist) und Erwerbsarbeit - zumindest von der Norm her - nicht der eigenständigen Existenzsicherung zu dienen hatte. Sie war eher für den ‚Notfall’ vorgesehen, wenn der Mann ‚ausfiel’ oder sein Einkommen nicht ausreichte“ (Backes 2002: 115).
Gründe hierfür liegen zum einen in der gesetzlichen Grundlage, die es Frauen, die heute alt sind, nicht ermöglicht hat, einer Vollzeitarbeit nachzugehen. Laut BGB §1356 von 1900 waren Frauen ausschließlich für den Haushalt zuständig (Helwig 1997). Selbst eine Änderung des Paragraphen im Jahre 1958 führte nur zu einer schrittweisen Verbesserung. Frauen waren weiterhin für den Haushalt zuständig, durften aber einer Erwerbsarbeit nachgehen, wenn diese nicht in Konflikt mit ‚ihrer’ Hausarbeit stand (ebd.). Erst die Änderung des Paragraphen im Jahre 1977 löste die Hausarbeit gesetzlich von der Frau. So ermöglichte es ihr einer Vollzeitarbeit nachgehen zu können, da nun der Haushalt von beiden Ehegatten zu führen war, außer man einigte sich, wer allein für den Haushalt zu sorgen hat (ebd.). Somit waren Frauen, die heute alt sind, mehrheitlich gar nicht in der Lage einer Vollzeitbeschäftigung nachzugehen, denn selbst die Änderung des Paragraphen im Jahre 1958 befreite sie nicht von der Hausarbeit, und so war es unmöglich den ganzen Tag über erwerbstätig zu sein. Allerdings wurde aber die Möglichkeit zum Nebenverdienst geschaffen. Problematisch stellt sich die Situation nach der Gesetzesänderung von 1977 dar, denn allein anhand dieser Änderung
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Arbeit zitieren:
Milena Pollmanns, 2010, Die alternde Gesellschaft, oder: Die Feminisierung des Alters , München, GRIN Verlag GmbH
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