4.2.1 Die Ausbildung der Elementarvolksschullehrer. 46
4.2.2 Die Ausbildung der Progymnasiallehrer 47
4.2.3 Die Ausbildung der Gymnasiallehrer 47
4.2.4 Der Lehrer. 48
5. Die Lehrerbildung in der Zeit von 1989 bis 2000. 49
5.1 Die Ausbildung der Unterstufen- und Oberstufenlehrer in Bulgarien. 50
5.2 Aktuelle Diskussionen und Entwicklungsperspektiven. 52
5.3 Das Pädagogische Institut der Ausbildung der Progymnasiallehrer
„Dotscho Mihailov“ Silistra. 53
5.4 Lehrerbildung an der Pädagogischen Fakultät der Technischen
Universit ät Russe 56
6. Stjepan Basaricek und seine „Pedagogia“ 59
6.1 Stjepan Basaricek (1848- 1918) 59
6.2 Zum Herbartianismus als pädagogischer Strömung 60
6.3 „Pedagogia“ (1880-1884) 61
6.3.1 „Erziehung oder Allgemeine Pädagogik“ - I. Teil 63
6.3.2 „Didaktik“ 3
6.3.3 „Methodik“ 4
6. 3.4 „Geschichte der Pädagogik“ 9
7. Dokumentation: Bulgarische Unterrichtswerke für die Lehrerausbildung. 3
7. 1 „Der Sammelband von Probelektionen“ 3
7.1.1 Die Katze 3
7.1.2 Der Fuchs. 10
7.2 „Die praktische Einleitung für Elemeltarvolksschullehrer“ 14
7.2.1 Aufsatz „Der Löwe“ 15
7.2.2 Rechnen 17
8. Zusammenfassung. 22
9. Literaturverzeichnis 25
9.1 Gedrückte Quellen 25
9.1.1 Gesetze. 25
9.1.2 Unterrichtswerke 26
9.2 Sekundärliteratur..................................................................................... 26 10. Anhang ....................................................................................................... 31
1. Einleitung
In meiner Arbeit mit dem Titel „(Volksschul-) Lehrerausbildung in Bulgarien im 20. Jahrhundert“ beschäftige ich mich mit der Frage, wie hat sich die Volksschullehrerausbildung im 20. Jahrhundert in Bulgarien entwickelt und welche pädagogischen Strömungen und Ideen auf die Lehrerausbildung wirkten.
Am Ende des 19. und am Anfang des 20. Jahrhunderts verbreiteten sich in Europa und in den USA die neuen Reformideen. Ob sie in Bulgarien eingeführt wurden oder hat die bulgarische Lehrerausbildung einen eigenen Weg gefunden hat und die Reformideen nur eine isolierte Erscheinung blieben, versucht diese Arbeit zu erörtern.
Die Grundlage des Kapitels über das bulgarische Bildungswesen nach der Befreiung bilden die Strukturen des Volkschulwesens, des Mittelschulwesens und des Hochschulwesens, die die wichtigsten Tendenzen der bulgarischen Lehrerausbildung aufweisen. Die Lehrerbildung wurde innerhalb der Bildungsstruktur und Gesetzgebung des Bildungssystems im angegebenen Zeitraum organisiert.
Das nächste Kapitel beschäftigt sich mit der pädagogischen Ausbildung in Bulgarien in der Zeit von 1878 bis 1944, wobei die Ausbildung der Elementarvolksschullehrer, der Progymnasiallehrer und der Gymnasiallehrer erläutert wird. Die Autorin dieser Arbeit vertritt die These, dass an den Pädagogischen Schulen einerseits die Elementarvolksschullehrer ausgebildet, sowie andererseits die herbartianischen Ideen am meisten verbreitet wurden. Es wird versucht, schon in diesem Abschnitt die Wirkung herbartianischer Pädagogik auf die pädagogische Ausbildung in Bulgarien aufzuzeigen. Es wird der Herbartianismus in Bulgarien angezeigt sowie die Etappen und Richtlinien der herbartiansichen Pädagogik. Der Herbartianismus wird sowohl als pädagogische Strömung als auch als Praxis in der Lehrerausbildung erörtert, die als parallele
Prozesse mit der Kritik am Herbartianismus und Formalstufentheorie in Bulgarien verliefen. Es gibt kein anderes System in Bulgarien, das so verschiedene wissenschaftliche Diskussionen und Auseinandersetzungen in den Periodika und unter der Lehrerschaft ausgelöst hat, wie der Herbartianismus. Deswegen will die vorliegende Arbeit dazu beitragen die Rezeption und Wirkung der Pädagogik Wilhelm Reins auf die Lehrerausbildung in Bulgarien näher zu erläutern.
Das folgende Kapitel zeigt wie die Lehrerausbildung in der Zeit der Sozialismus in Bulgarien verlief, wobei die Ausbildung der Lehrer für die Minderheitenschulen eine Besonderheit der Periode aufweist, die wenig erforscht ist. Dem Abschnitt der Lehrerausbildung in der Zeit von 1989 bis 2000 folgt der Hauptteil der Arbeit, wo die aktuellen Diskussionen der Lehrerausbildung geklärt werden. Hierbei wird auch auf die Entwicklungsperspektiven Bezug genommen um zu verdeutlichen inwiefern die gegenwärtige Lehrerausbildung ist und in welcher Relation sie zu den anderen Bereichen stand. Als Exkurs wird hier die Geschichte des Pädagogischen Instituts der Ausbildung der Progymnasiallehrer in Silistra dargestellt um zu verdeutlichen, dass diese Ausbildungsanstalt eine wichtige Rolle in der Volkschullehrerausbildung in Bulgarien gespielt hat, wo die herbartianischen Ideen aufgenommen wurden und danach unterrichtet wurde.
Im sechsten Kapitel werden der kroatische Pädagoge Stjepan Basaricek und der Herbartianismus als pädagogische Strömung erörtert. Erst in den letzten 15 Jahren wurden die historisch-pädagogischen Untersuchungen durchgeführt, die den Namen von Stepan Basaricek vorwiegend auf Kroatien und Bulgarien beschränkten. Es wird die Frage zu klären sein, inwieweit seine Pedagogia auf der bulgarischen Lehrerausbildung eine Wirkung hatte. Als Interessengebiet werden hier die Übersetzungen der Inhaltsverzeichnisse den vierten Teilen der Pädagogia dargestellt, wobei wiederum der Einfluss und die Folgen der For-malstufentheorie in Hinblick auf der Lehrerausbildung erörtert sind. Die Arbeit dokumentiert die Vielseitigkeit, aber auch die Gefahren herbartiani- scher Theorie und Praxis und belegt, dass Herbartianismus in Bulgarien eine
pädagogische Strömung war, die auf die Lehrerausbildung in Bulgarien bis zum 1944 seine Wirkung hatte.
Im letzten Kapitel werden die Dokumentationen aus bulgarischen Unterrichtswerken für die Lehrerausbildung als besonderes Beispiel aufgeführt und die Untersuchungsergebnisse dargestellt.
Abschließend werden die erörterten Thesen noch einmal zusammengefasst und in den Gesamtkontext eingepasst.
2. Das bulgarische Schulwesen nach der Befreiung
2.2 Vorgeschichte
Aus der Zeit der Bedrückung wuchsen im Volkscharakter des Bulgaren zwei wesentlichen Merkmale, die Entwicklung des Schulwesens und Jugenderziehung beeinflussten. Einerseits war der beinahe, fieberhafte Drang nach Bildung und eine außergewöhnliche Lernfreudigkeit, anderseits eine entstandene durch die alles gleichmachende jahrhunderdlange Fremdherrschaft demokratische Einstellung, mit dem sich entwickelten Gefühl der Gleichheit aller Volksgenossen. Gleich nach der Befreiung sah es der bulgarische Staat als eine ersten Pflichten an, die heranwachsende Volksbildung zu sichern. In allen Orten wurden mit staatlichen Mitteln Schulen gegründet und die Kinder aller Untertanen, ohne Ansehen ihrer Nationalität, ihrer Religion oder ihres Standes, sollten dort eine Bildung erhalten. Obwohl die Anfänge schwer und die Mittel beschränkt waren, war der Weg für eine allgemeine bulgarische Volksschule frei.
Als Bulgarien ihre Schule neu aufbaute, ließ sie auch den Fremden im Lande, den Türken, den Armenier, den Griechen, Juden, Protestanten und Katholiken ihre eigenen Schulen frei und ungehindert. Sie konnten von bulgarischer Lernfreudigkeit nur lernen.
Die Vorbereitung der Lehrer und ihrer Ausbildung war eine der wichtigsten Aufgaben der neuen bulgarischen Gesellschaft. Die These, dass die Fortschritte in dem bulgarischen Bildungswesen nur durch Vorbereitung von genug erfahrenen Lehrern zu erreichen sind, wurde von allen vertreten. Die allmähliche Entwicklung des bulgarischen Schulwesens, seine Annäherung an die gegenwärtigen pädagogischen Theorien und Praxis erforderten ständige Fortbildung der Lehrer. Nicht wenig von denen haben ihre Qualifikation durch ein Selbst-
studium und den Kontakten mit den ausgebildeten und erfahrenen Lehrern erlangt. Die besten und berühmten Lehrer nach der Befreiung bekamen ihre Ausbildung in russischen und anderen europäischen Universitäten. Nach Auffassung von Dimitrov (Dimitrov, Angel: Die Untersuchungen zu der bulgarischen Geschichte. B. VI. Probleme der bulgarischen Wiedergeburt. Sofia. 1981, S. 234) bekamen manche von den bulgarischen Studenten zu dieser Zeit ihrer Ausbildung in Tschechien und Kroatien (damals gehörten diese zum Österreichischen Reich) Die beiden Länder boten passende Bedingungen für Ausbildung der bulgarischen Jugendlichen. Den wichtigsten Verdienst, damit viele Bulgaren ihrer Ausbildung fortsetzten hatte Hristo Danov (Dimitrov, S. 235), der in seiner Zeitschrift „Letostrui“ die Vorteile von einer solchen Ausbildung darlegte mit dem Grund, dass die in den beiden Ländern erworbene Ausbildung den slawischen Geist mit guten Ergebnissne der gegenwärtigen europäischen Kultur verbindet. Also nicht zufällig suchten die bulgarischen Studenten nach der Befreiung ihrer Ausbildungswege in Europa. Der Beweis dafür ist die Tatsache, dass 12 Bulgaren in der Wiener Pädagogischen Schule ihre Lehrerbildung bekamen. (Dimitrov, S. 237). Deshalb wurde ihre Tätigkeit als Träger der europäischen Kultur hoch geschätzt, weil sie die neuesten Unterrichtsmethoden kannten und die Sprachen der führenden Kulturnationen beherrschten.
Im Folgenden wird das bulgarische Schulwesen zu dieser Zeit dargestellt. Das bulgarische Schulwesen gliedert sich in Volksschulwesen, Mittelschulwesen und Hochschulwesen.
2.2 Volksschulwesen
Die bulgarische Volksschule gliedert sich ihrem Aufbau nach in Kindergarten, Grundschule und Progymnasium. Nach Nikoltschov zu dem Volksschulwesen gehört auch die Fortbildungsschule.
2.2.1 Vor der Schulzeit (Kindergarten)
Nach dem Schulgesetz von 1892 sollten die Kindergärten als Vorbereitungsanstalten für die Volkschule dienen.
Der Kindergarten wird in zwei Abteilungen geteilt: Untere- für die Kinder vom 3.-5. und Obere- vom 5.-7jährige Kinder und sowohl vom Staat als auch von Gemeinden eröffnet. Durch Spiele, Lieder, Sandfertigkeiten u. a. sorgten die Grundschullehrerinnen und Kindergärtnerinnen für die Entwicklung der kleinen Kinder. Nikoltschov führt auf, dass die Kindergärten in Bulgarien eine ganz neue, von außen her verpflanzte Einrichtung sind, deswegen arbeitet das Ministerium energisch daran die neue Lehrkräfte heranzubilden.
2.2.2 Die Volksschule
Alle Kinder vom 6.-12. (resp.7.-13.) Jahre sind von dem Gesetz verpflichtet, die Volksschule zu besuchen.
Die Aufgabe der bulgarischen Volksschule ist, den Grundstein zu einer harmonisch entwickelten Persönlichkeit zu legen, ein nützlicher Teil der menschlichen Gesellschaft zu werden und zu einem Studium notwendiges Wissen zu geben. Nach Willmann (Lexikon der Pädagogik, Bulgarien, S. 601) 1909 bis 1910 gab es in Bulgarien 4700 Volksschulen (darunter 1283 private), die insgesamt von 453443 Kindern (262194 Knaben und 191249 Mädchen) besucht und von 10285 Lehrern (6243 Lehrer und 4042 Lehrerinnen) unterrichtet wurden. Die Zahlen weisen auf einen Fortschritt hin, den das Land gemacht hat. Die Volksschule hat sich rasch entwickelt, was ein Beweis dafür ist, dass bulgarische Nation lebensfähig und der Freiheit würdig sei (Fußnote hier)
Nikoltschov (S.822, Enzyklopädisches Handbuch der Pädagogik) wies darauf hin, dass auch der Lehrer mit seiner Persönlichkeit auf die Charakterbildung des Schülers wirken kann. Die Schüler sind verpflichtet, jeden Sonn- und Festtag mit dem Lehrer in die Kirche zu gehen und dem Gottesdienst beizuwoh- nen. Die Schulreisen und Spaziergänge als Neuigkeit für Bulgarien sind auch
empfohlen. In Betracht kommt auch die Körperpflege, die für die gegenwärtige Schule von Bedeutung ist. Für die Entwicklung des Körpers werden große Forschritte im Bereich des Turnens gemacht. Nikoltschov führ weiter auf, dass die Schüler die Schule sauber halten sollen. Obwohl die Schulbänke ganz primitiv und unbequem sind, kommt es nicht in Frage, weil es Geldmittel fehlen.
Die eigentliche Volkschule umfasst zwei Teile: die vierjährige Grundschule und das Progymnasium.
In der Grundschule mussten alle Kinder eintreten, die bis 31. Dezember des laufenden Jahres das Alter von sieben Jahren erreicht haben und geistig und körperlich normal entwickeln sind. Für geistig zurückgebliebene und nicht normale Kinder werden Hilfsschulen eingewichtet. Der Unterricht in den Grundschulen dauert vier Jahre. Es werden die Fächer wie Religion, Sittenlehre, bulgarische Sprache, Rechnen und praktische Geometrie, Heimatkunde in Verbindung mit Staatsbürgerkunde, Wirtschaftslehre, Naturkunde, Zeichnen, Singen, Turnen, Handarbeit und Sandarbeit unterrichtet. Es wird nach einem genau festgelegten Plan gearbeitet, wobei die Lehrer nach Rücksprache mit den Schulinspektoren den Lehrplan heimatgebunden gestalten können. Die Schule beginnt am 15. September und endet in den Städten am 12. Juli, in den Dörfern einen Monat früher. Es wurde versucht das Lernen einer fremden Sprache erst in der Grundschule mit mehreren Wochenstunden zu beginnen, was heute schon Realität ist. Die Wahl der fremden Sprache wird wie heute den Schulen überlassen.
Das Progymnasium dauert drei Jahre und danach wird die Volksbildung beendet. 1898/1899 gab es in Bulgarien nur 84 Progymnasien, 1909/10 dagegen 273 und 1910/11 schon 315, die von 52186 Schülern und Schülerinnen besucht und von 2049 Lehrer geleitet wurden. (Nikoltschov /Willmann/,S. 602) Es wurden dieselbe Fächer wie in der Grundschule unterrichtet, slawische Kir- chensprache, Gesundheitslehre, Schönschreiben und fremde Sprachen-
Deutsch und Französisch werden auch unterrichtet. Es werden die Schüler angenommen, die erfolgreich die Grundschule beendet haben.
Die Schulen sind gemischt, d.h. Knaben und Mädchen lernen zusammen. Nach dem siebenjährigen Kurs an der Volksschule und vorgeschriebener Prüfung können die Schüler ihre Bildung am Gymnasium, am Realgymnasium, an der Realschule, an einer Handels- oder landwirtschaftlichen Schule und an Werkschulen fortsetzen. Nach Schröter (Bulgariens Schule eins und jetzt, S. 320) gehen die meisten Schüler an die verschiedenen Gymnasien um weiter zu lernen. Er ist der Auffassung, dass der Bulgare, sei er reich oder arm, den Wunsch nach Hochschulbildung in seinem Herzen trage. Das verursacht beim Staat große Sorgen und hat sowohl die Überfüllung der Schulen, wo zu viele Schüler in die Beamtenlaufbahn und die akademischen Berufe hinein drängten, als auch eine arbeitslose Intelligenz zur Folge. Dieser Prozess ist auch heutzutage in Bulgarien zu beobachten. Alle Schulen sind von der Kirche unabhängig. Es muss auch erwähnt werden, dass der bulgarischer Lehrer seinen Schülern gegenüber sehr freundlich ist. Die körperlichen Strafen sind verboten, die Strafarbeiten kennt man auch nicht. Ein paar Mal im Jahr treffen sich Lehrer und Eltern um sich über die verschiedenen Fragen der Disziplin, die Erziehung und den Unterricht aussprechen zu können. Am Schluss des Schuljahres werden Aufstellungen eingerichtet, in welchen der Elternschaft gezeigt wird, was die Schüler im Laufe des Schuljahres geleistet haben. Unter der Aufsicht von Lehrern und Schulärzten bestehen für die Sommerferien Schülerkolonien, in der die armen Schüler kostenlos aufgenommen werden.
2.2.3 Die Fortbildungsschule
Die Fortbildungsschule ist eine Erbschaft der früheren Periode. Obwohl sie eine Trägerin der Bildung und der Kultur war, blieb sie nach der Befreiung isoliert. Trotz der Anstrengungen ist es ihr nicht gelungen, einen bedeutenden Schritt vorwärts zu machen. Das Gesetz verpflichtet alle Volksschullehrer A-
bends- und Sonntagsfortbildungsschulen zu veranstalten. Nikoltschov weist darauf hin, dass der bulgarische Lehrerverein für die Verwirklichung des Ideals arbeitete, aber doch sind die Resultate nicht angemessen. Der Autor stellt eine Vermutung her, dass die bulgarische Lehrerschaft sehr jung für solche Unternehmungen ist, welche bei dieser sonderbaren Erscheinung zutreffen. Die große Anzahl der Lehrerinnen sei auch eine Ursache des Zustandes der Fortbildungsschule.
2.3 Das Mittelschulwesen (höhere Schulen)
Alle Schulen, die zwischen der Volksschule und Universität liegen, werden allgemein mit dem Begriff Mittelschule bezeichnet. Die Aufgaben der Mittelschule sind: die Überlieferung von allgemeinen und speziellen Kenntnissen und die Vorbereitung zum höheren Studium. Die Mittelschule besteht aus Gymnasien und Fachschulen.
Das Gymnasium nach Nikoltschov (Enzykl. Handbuch…, S. 824) ist die am besten ausgestattete Schule in Bulgarien, für welche der Staat am meisten ge-sorgt hat. Das Ruder der Entwicklung jedes Volkes ist in den Händen der gebildeten Menschen. Solche gab es zurzeit in Bulgarien wenige, deswegen wurden eine Anzahl Gymnasien für Knaben und Mädchen gegründet. Die Reform setzte sich leicht durch und „mit einem Schlag besaß Bulgarien das, wonach viele Kulturländer sich sehnen: das Mädchengymnasium.“ (Nikoltschov, S. 824, Enzyklop. Handbuch der Pädagogik).
Das Gymnasium schließt sich an das Progymnasium an und dauert fünf Jahre. Man unterscheidet drei Typen von Gymnasien: mit Latein und Griechisch (klassisches Gymnasium), nur mit Latein (halbklassisches Gymnasium) und ohne die alten Sprachen (Realgymnasium). Die Lehrplänen weisen die folgende Lehrfächer mit der Gesamtzahl der wöchentlichen Lehrstunden währen des 5jährigen Kursus auf: (Anlage Tabelle, S. 603, Nikoltschov (/Willmann/). Die Gymnasiallehrer wurden direkt von dem Unterrichtsministerium angestellt und zwar nur dann, wenn sie eine Universität ordentlich absolvieren haben.
Die Lehrpläne werden von dem Unterrichtsministerium ausgearbeitet und unterscheiden sich wesentlich. Das 1897 in Kraft getretene Gesetz für die höhere Mädchenbildung unterteilt die Unterrichtzeit an den Mädchengymnasien in zwei Kursen: Der untere dauert fünf Jahre, der obere zwei Jahre, der entweder eine allgemeine oder eine speziell- pädagogische Ausbildung gab. Der Zweck des unteren Kursus ist, gebildete Mütter zu erziehen, derjenige des oberen Kursus ist zum Universität vorzubereiten. Gleichgestellt mit den Gymnasien sind auch die Pädagogischen Schülen, d. h. Lehrerseminare, die Lehrer für die Volksschulen ausbildeten. Die Lehrpläne sind wie das Realgymnasium und stellen in den zweiten vorletzten Klassen die pädagogische Theorie und Praxis in den Vordergrund. 1911/12 gab es in Bulgarien 18 Knabengymnasien, 13 Mädchengymnasien, fünf Pädagogische Schulen für Knaben und vier für Mädchen, die von 10965 Knaben und 6786 Mädchen besucht sind und von 929 Lehrern geleitet sind. (Nikoltschov, S. 603,/Willmann/ Der Kursus des Gymnasiums wird mit einer Reifeprüfung abgeschlossen. Die Fachschulen geben entweder eine professionell-theoretische oder eine rein professionell-praktische Ausbildung. Die ersten haben einen 3jährigen Kurs und bauen auf der Grundlage des Progymnasiums weiter, z.B: das Theologische Seminar, das Technikum, die Musikschule, die Militärschule, die Handelsschule, Oberackerbauschulen, die Malerschule u. a. Die anderen sind hauptsächlich Gewerbeschulen, in der die Kandidaten aufgenommen wurden, die mindestens Volksschulbildung aufwiesen.
Die höheren pädagogischen Schulen nahmen nur die Abiturienten der Gymnasien und der Pädagogischen Schulen als Schüler auf, die für zwei Jahren als Lehrer der Progymnasien ausgebildet wurden. Die Kurse gliedern sich in historisch-philologischen und eine physikalisch-mathematischen Fakultät, wo Pädagogik und eine moderne Sprache (Deutsch oder Französisch) obligatorisch sind.
2.4 Das Hochschulwesen
Vor dem Jahre 1888 mussten die Bulgaren, welche mit der Ausbildung nicht zufrieden waren, ins Ausland gehen. Da Bulgarien zu dieser Zeit zurückgeblieben war, brauchte der junge Staat sowohl die westeuropäische Wissenschaft als auch westeuropäische Kultur. Obwohl die Zahl der bulgarischen Studenten an einigen Universitäten, wie Wien, Genf, Moskau, Kiev, Montpellier, Leipzig u. a. sehr groß war, waren alle diese Kräfte nicht ausreichend, um den Bedarf des Staates abzudecken. Dies und der Drang nach Wissen waren die Gründe dafür, dass das Unterrichtsministerium eine heimliche Alma Mater gründete.
Die Universität zu Sofia wurde 1888 unter dem Namen Hochschule eröffnet und von Anfang an auf das Prinzip der Lehr- und Lernfreiheit gestellt. Sie wurde 1904 zur Universität erhoben, wobei nach Nikoltschov (S. 829, Enzyklopädisches Handbuch der Päd.) die Universitäten Deutschlands, Belgiens und der Schweiz bei der Verfassung der bulgarischen Hochschule als Muster angenommen worden sind.
Das Unterrichtsministerium war die oberste Schulbehörde des Landes, dessen Budget für Schul- und Kulturzwecke eingesetzt wurde.
Zusammenfassend ist folgendes zu bemerken: Das moderne bulgarische Bildungswesen entstand in der ersten Hälfte des 19. Jahrhundert- die erste westliche bulgarische Schule wurde 1835 in Gabrovo gegründet: und war Ausdruck des erwachenden Nationalbewusstsein der Bulgaren. Die demokratischen Tendenzen des bulgarischen Bildungswesens fanden 1879 Eingang in die liberale Verfassung von Turnovo, die die allgemeine Schulpflicht und die einheitliche Grundschule für alle Kinder festlegte. Diese demokratische Tradition der bulgarischen Bildungswesens, die vor allem von der Lehrerschaft getragen wurde verschwand nie, obwohl sie durch zentralistische Tendenzen beeinflussten wurden.
3. Die pädagogische Ausbildung in Bulgarien in der Zeit von 1878 bis 1944
In der Zeit nach der Befreiung fehlten in vielen von den neuen eröffneten Schulen gut vorbereitete Lehrer. Obwohl an mehreren Orten als Notbehelf die pädagogischen Ferienkurse eingerichtet waren, fehlte die gründliche Bedeutung für die qualitative Verbesserung des Lehrerstandes. Nikoltschov (Enzyklopädisches Handbuch der Pädagogik, S. 809) führt auf, dass sogar vielen Gemeinden solche Lehrer eingestellt wurden, „die eine ordentliche Volksschule noch nicht bis zum Ende besucht hatten, die also das Material für die Volksschule nicht beherrschen, und die natürlich nichts von der Arbeit in der Schule wussten“(Nikoltschov, S. 809, Enzy. Handbuch) Dieser Mangel an tüchtigen Lehrern wurde von den ersten bulgarischen Unterrichtsministern frühzeitig eingesehen. Es wurden meist den armen, aber tüchtigen und fleißigen Schülern Stipendien gegeben unter der Verpflichtung nachher, mindestens solange sie das Staatsstipendium erhalten haben, Lehrer zu werden. Es wurden reiche Stipendien nicht nur für die höheren Schulen im Lande, sondern auch für die verschiedensten Spezialisten an den ausländischen Universitäten abgegeben. Diese Fortschritte der Schule führten zu der Reform, die gleichzeitig mit der Vereinigung von Ostrumelien (Südbulgarien) und Fürstentum Bulgarien sich vollzog.
So wurden nach der Befreiung von osmanischer Herrschaft (1878) auf dem Territorium Bulgariens die Grundlagen für ein staatliches Bildungssystem festgelegt. Der obligatorische Elementarunterricht für alle Kinder vom sechsten bis zum zwölften Lebensjahr wurde innerhalb einer entsprechenden Gesetzgebung eingeführt. Mit dem Gesetz von 1921 kam es zur Grundschul- pflicht, d. h. Besuch von vier Jahren Anfangsschule und drei Jahren Progym-
nasium. Diese Neuregelung konnte in Bulgarien schwer durchgesetzt werden, weil es an materiellen und personellen Bedingungen fehlte. Etwa 100 000 Kinder besuchten zwischen 1923 und 1944 überhaupt keine Schule, weil bis 1944 in 1600 Ortschaften Bulgariens keine Schulen eingerichtet wurden 1 . An Mittelschulen existierten Gymnasien mit fünfjähriger klassischer und Realabteilungen, die nach Geschlecht getrennt waren. Ihre Anzahl wurde bis 1944 von 60 auf 30 reduziert. An ihrer Stelle traten dreijährige Gymnasien. Als allgemein bildende Mittelschulen, die sich am Beruf des Lehrers orientierten, galten noch die pädagogischen Schulen. Das Berufsbildungssystem entstand entsprechend der verschiedenen Zweige der Produktion des Landes.
Die Lehrerbildung wurde innerhalb dieser Struktur und Gesetzgebung des Bildungssystems im angegebenen Zeitraum organisiert. Die Anfangsschullehrer wurden von den pädagogischen Schulen ausgebildet, die Progymnasiallehrer nach 1909 von den entsprechenden Lehrerinstituten und die Gymnasiallehrer von der Hochschule in Sofia, die 1888 gegründet wurde.
Im Folgenden werden verschiedene Stufen der Lehrerausbildung, die in Bulgarien in der Zeit von 1878 bis 1944 zu treffen waren, aufgeführt.
3.1 Die Ausbildung der Elementarvolksschullehrer
Die erste Aufgabe des Unterrichtsministeriums war es, die Elementarvolkschullehrer auszubilden. Bis 1883 wurden in Bulgarien 39 pädagogischen Kursen mit 3500 Studenten eröffnet. (Ivanov, Boris,S-53:In: Narodna Prosveta. 1957/11,Sofia) Obwohl die eröffneten pädagogische Kurse rechtzeitig in Erscheinung getreten waren, waren sie unreichend.
1 Tschavdarova, Albena (2003): Die pädagogische Bildung in Bulgarien zwischen Herbartianis-
mus und politischen Umbrüchen. In: Coriand, Rotraud: Herbartianische Konzepte der Lehrer-
bildung. Geschichte oder Herausforderung. Klinkhardt. Bad Heilbrunn/ Obb. S. 101- 115
In der Zeit von 1878 bis 1944 verstand man unter dem Begriff Elementarvolksschullehrer einen Lehrer, der in der vierjährigen Elementarschule unterrichtet. Bis zum Jahre 1921 war die Anfangsschule die einzige Pflichtschule und infolge dessen die Massenschule in Bulgarien. Die Autorin dieser Arbeit vertritt die These, dass an der Pädagogischen Schulen einerseits die Elementarvolksschullehrer ausgebildet sowie andererseits die herbartianische Ideen am meisten verbreitet wurden. Albena Tschavdarova und Nikoltschov ( Enzyklopädisches Handbuch) vertreten auch dieselbe These. Die erste Pädagogische Schule in Bulgarien wurde im 1881 in Schumen gegründet. Es folgten weitere in Kasanlak (1883), Küstendil (1885), Lom (1888), Silistra (1890), die für eine bessere und gründliche Vorbereitung der zukünftigen Lehrer zu sorgen hatten. Nikoltschov wies darauf hin, dass die Gymnasien zu Philippopel und Sliven und die jährlichen Ferienkurse gut gebildete Lehrer lieferten, die „mit frischem Mut die Arbeit der Schule aufnahmen und sie mit Erfolg weiterführten“ (Nikoltschov, S. 810, Enzyklopädisches Handbuch der Pädagogik)
Die Mehrzahl der Abiturienten der staatspädagogischen Schulen und Gymnasien widmete sich dem Lehrerberuf und dadurch wurde die Arbeit in der Schule gesichert. Die Nothelfer, auf die ich vorher hingewiesen habe, traten zurück und wurden durch gut ausgebildete Lehrer ersetzt. Im Jahre 1890/91 haben 441 Lehrer den Kurs einer höheren Schule (staatspädagogische Schule, theologischen Seminar oder Gymnasium) absolviert Dadurch werden die Fortschritte, die das bulgarische Bildungswesen gemacht hat, deutlich. Es ist dabei zu bemerken, dass die Lehrerinnenausbildung nicht an diesen Schulen stattfand, sondern an Mädchengymnasien, die nach dem Gesetz von 1905 gleichberechtigt waren. Wegen der politischen Umstände wurden in Bulgarien bis 1932 alle Pädagogischen Schulen geschlossen, wobei es nur 13 Jugend- und sechs Mädchenschulen gab, die als vollständige Mittelschulen mit fünfjähriger Ausbildung und Abiturabschluss existierten.
Die Ausbildungsdauer, die Aufnahmebedingungen und die Lehrpläne für die Pädagogischen Schulen änderten sich entsprechend der Volksschulgesetze. Die Ausbildung bis 1896 dauerte drei Jahre. Danach wurde sie durch die Verordnung über die Dauer und Aufnahme der Schüler in die Pädagogischen Schulen (1896) auf vier Jahre und später durch das Volksbildungsgesetz (1909) 2 auf fünf Jahre erhöht. Die Ausbildung schloss an die Grundschule (1.-7. Klasse) an.
Das Volksbildungsgesetz von 1921 3 veränderte die Struktur des Bildungswesens in Bulgarien. Die Realschule dauerte zehn Jahre und die Ausbildung an der Pädagogischen Schule umfasste zwei Jahre. Ein neues Bildungsgesetz (1924) sollte die Pädagogischen Schulen wiederum in fünfjährige Mittelschulen umgebaut wurden. Das Gesetz von 1940 4 löste die Pädagogischen Schulen auf. Das hatte die Einrichtung von fünf Pädagogischen Instituten für Elementarlehrer zur Folge, deren Ausbildung vier Jahre dauerte und auf einem Gymnasialabschluss ohne Abitur (neun Jahre) aufbaute. Die Aufnahme an den Pädagogischen Schulen wurde durch Beschlüsse 5 des Ministeriums der Volksbildung geregelt. Im Vergleich mit den Gymnasien waren die Schulen kostenlos. Alle Kandidaten mussten bulgarische Staatsangehörigkeit haben, geeignet für den Lehrerberuf und medizinisch geprüft sein. Damit sollten die begrenzten Aufnahmebedingungen eine strenge Auswahl der künftigen Lehrer gewährleisten.
Im betrachteten Zeitraum ist auch eine Vereinheitlichung des Lehrplaninhaltes der Pädagogischen Schulen festzustellen. Es wurden insgesamt 15 Lehrpläne eingeführt, die folgende charakteristische Merkmale aufweisen:
2 Zakon za narodnoto prosvestenie (Gesetz über die Volksbildung). Erlass Nr. 77 von
27.02.1909. In: Darchaven vestnik (Staatszeitung) Nr. 50, 1909
3 Zakon za narodnoto prosvestenie (Gesetz über die Volksbildung). In: Darshaven vestnik
(DV) Nr. 87, 1921
4 Zakon za institutite za natschalni utschiteli ot 1940. (Gesetz über die Institutite für Grung schul-
lehrer). In: DV Nr.40, 1940
5 Tschavdarova, Ablena, S. 103
- Die Pädagogischen Schulen waren mittlere allgemein bildende Einrichtungen, die pädagogisch-didaktisches Wissen vertiefen und schulpraktisch ausbilden. Diese Stellung wurde mit dem Argument begründet, dass Allgemeinbildung als Basis einer beruflichen Qualifizierung dienen sollte. Darüber hinaus müssten die Lehrer über ein umfassendes Wissen verfügen, da sie in allen Fächern an der Elementarschule unterrichten würden.
- Ein zweites Merkmal der Lehrpläne der Pädagogischen Schulen war, dass die Ausbildung fachwissenschaftlich und schulpraktisch erfolgte. Zu den fachwissenschaftlichen Disziplinen gehörten Pädagogik und „ihre Hilfswissenschaften“ 6 wie Logik, Ethik, Psychologie, philosophisches Propädeutikum. Hospitationen und Probelektionen waren Be-standteilen des Praktikums. Die Unterrichtsfächer wurden gruppiert und mit unterschiedlicher Stundenzahl pro Woche im Lehrplan vorgegeben. Zum Beispiel wurde im Lehrplan von 1940 (Beschluss N. 3845 des Ministeriums für Volksbildung vom 19.09.1940) für die Pädagogische Institute eine spezialisierte Vorbereitung festgelegt. Die Ausbildung umfasste die Disziplinen wie Allgemeine Pädagogik, Geschichte der Pädagogik, Methodik, Didaktik, Schulleitung, Pädologie, philosophisches Propädeutikum, Hospitieren, Konferenz und Praxis.
- Als ein weiteres Merkmal sollte die öffentliche Funktion des Lehrers durch die Vermittlung von praktischem Wissen über Haushalt, Hygiene, Medizin gerecht werden. Die Lehrer wurden oft in solchen Ortschaften eingestellt, wo sie die einzigen gebildeten Menschen waren. Aus diesen Merkmalen folgt, dass die Lehrpläne für die Ausbildung der Elementarvolkschullehrer in diesem Zeitraum eine Einheitlichkeit aufweisen. Es wurde sowohl die fachwissenschaftliche als auch praktische Ausbildung des Lehrers berücksichtigt. Für die praktische Ausbildung der Lehramtskandidaten
stellte das Ministerium zur Verfügung die Übungsschulen, die keiner speziellen Ordnung unterworfen waren.
Auch den Abschluss an einer Pädagogischen Schule wurde durch die bulgarische Gesetzgebung vereinfacht. Die Lehramtsprüfung umfasste das Gebiet der Pädagogik und bestand aus einem „theoretischen“ und einem „praktischen“ Teil, die sowohl schriftlich, als auch mündlich zu absolvieren waren. Die Kandidaten, die ein allgemein bildendes Gymnasium oder eine Landwirtschaftsschule besucht haben und für den Einsatz in ländlichen Ortschaften vorgesehen waren, wurden zu einer Lehramtprüfung zugelassen.
3.2 Die Ausbildung der Progymnasiallehrer
Die Ausbildung der Lehrer in Bulgarien wurde verbessert.
Nikoltschov vertritt die These, dass die qualitative Verbesserung der bulgarischen Schule in der Zeit der Befreiung hauptsächlich der Gründung der Staatspädagogischen Schulen zu verdanken ist. Einerseits die feste Organisation dieser Schulen, die Lehrerbegünstigung durch das Militärdienstgesetz und die reichen durch das Ministerium für die Schulen bewilligte Stipendien haben dazu beigetragen, der bulgarischen Volksschule in kurzer Zeit eine große Anzahl gut gebildeter Lehrer zu liefern. Andererseits wurde eine breite Grundlage der pädagogischen Theorie geschaffen.
Das neu eingeführte Schulsystem von 1909 bestand aus einer siebenjährigen Grundschule (einer vierjährige Elementarschule und einem dreijähriges Gymnasium) und einem fünfjährigen Gymnasium.
Die Ausbildung der Progymnasiallehrer fand an den neu gegründeten Höheren Pädagogischen Anstalten statt, wo die Kandidaten nach dem Abitur eine zweijährige Ausbildung ohne Aufnahmeprüfung und kostenlos absolvierten. Statt den Begriff Pädagogischer Anstalt wurde von manchen Autoren (Schröter, S. 322/, Nikoltschov: In: Willmann, S. 603) den Begriff Seminar verwendet. Sol-
che gab es damals in den Städten Plovdiv und Dupniza. Diese Pädagogischen Anstalten wurden entsprechend dem Schulgesetz von 1921 in Lehrerinstitute umbenannt. Sie behaltenen die Studiendauer. Die pädagogischen Fächer wurden nach dem Lehrplan 6 (Fußnote Tschavdarova, Albena, S. 105, zitiert nach Tschakarov 1967, S. 189) in die historisch- philologische und mathematischphysikalische Zweige mit gleiche Wochenstunden eingerichtet: fünf in die Pädagogik, fünf in die Hospitieren, vier in die Praktikum und zwei in die Konferenz. Außerdem wurden auch die Fächer wie Hygiene, Medizin, Haushalt und eine Fremdsprache nach Wahl gelernt.
Nach 1924 wurden die Lehrerinstitute stark reduziert und bis 1944 gab es in Bulgarien insgesamt nur noch vier. Obwohl sie bis 1951 die einzige Anstalten für die Lehrerausbildung der Progymnasiallehrer waren, hatten sie mehr als 7000 Absolventen.
3.3 Die Ausbildung der Gymnasiallehrer
Die ersten Gymnasien wurden 1880 eingerichtet und die Ausbildung der Lehrer, erfolgte im Ausland- Zagreb, Wien, Leipzig, Odessa wie schon erwähnt wurde.
Die erste Hochschule in Bulgarien gründete sich 1888 in Sofia mit dem Ziel einen Hochschulabschluss zu ermöglichen und Lehrer für die höheren Schulen auszubilden. Ab 1894 wurde an der historisch-philologischen Fakultät Philosophie und Pädagogik unterrichtet. 1904 erfolgte ein integrierter Studiengang Philosophie und Pädagogik und 1923 etablierte sich der selbstständige Studiengang Pädagogik, der bis heute existiert.
In ihrer Untersuchung stellte Tschavdarova fest, dass erst seit 1898 die Gymnasiallehrer Geschichte der Pädagogik und seit den darauf folgenden Studienjahren auch in anderen pädagogischen nicht obligatorische Disziplinen studierten. Die Frage nach der pädagogischen Ausbildung der Gymnasiallehrer löste pädagogische Diskussionen in der Öffentlichkeit aus, die durch Auffassung
von dem pädagogischen Funktionär I. Plachkov zum Ausdruck kamen: „Unter uns wurde die Meinung verbreitet, dass die pädagogische Vorbereitung nur für die Elementarvolksschullehrer geeignet ist (…). Eine solche Ausbildung für die Gymnasiallehrer wurde von ihnen als Schande aufgefasst (…). In ihren Kreisen wurde über die Pädagogik mit Verachtung gesprochen“ (1898, S.1). Obwohl diese Kritik, betrug die Anzahl der immatrikulierten Studierenden und der Zuhörer im Sommersemester 1899 auf 298, von denen 158 der historischphilologischen Fakultät angehören, 68 der physikalisch-mathematischen und 72 der juristischen. ( Nikoltschov, S. 829). Im Vergleich zu den großen ausländischen Universitäten ist der Besuch der Sofioter Universität nicht gerade „hoffnungsvoll“, aber der Autor stellt seine Vermutungen, dass alle sind der Meinung auf dem richtigen Weg zu sein. Das ist ein Beweis dafür, dass die Notwendigkeit von der qualifizierten Lehrerausbildung gleich von den bulgarischen Pädagogen erkannt wurde.
Die vereinheitliche Ausbildung der Gymnasiallehrer in Theorie und Praxis wurde erst mit dem Gesetz von 1921 geregelt, indem die Kandidaten Pädagogik, Methodik und Didaktik studieren, Probelektionen unterrichten und hospitieren konnten.
Eine Ungerechtigkeit ist hier zu erwähnen. Ein Studium an der Sofioter Universität war für die Absolventen der Pädagogischen Schulen nicht erstattet Sie durften sich auch nicht für den Studiengang Philosophie und Pädagogik als ordentliche Studenten immatrikulieren. Diese Situation wurde breit debattiert und erst nach 1921 überwunden. Sie lässt sich mit der Autonomie der Universität erklären. Als Begründung des Akademischen Rats gegen die so genannten „Pädagogisten“ ( Tschavdarova, S.107) wurde die Verfügung der keine umfassende allgemein bildende Vorbereitung der Absolventen angeführt. Bei einem Vergleich der beiden Lehrpläne zeigt sich die geringere Zahl der Stunden in Mathematik und eine Fremdsprache, die Wahlfach war. Die Anerkennung der allgemein Schulreife der Pädagogisten konnte durch zusätzliche Prü- fungen das Problem lösen.
3.4 Die Wirkung herbartianischer Pädagogik auf die pä-
dagogische Ausbildung der Lehrer
Dieses Kapitel bezieht sich auf den neusten Forschungsstand, der die Wirkung herbartianischer Pädagogik auf die pädagogische Ausbildung der Lehrer in Bulgarien betrifft. In der vorliegenden Arbeit werden die Auffassungen von den bulgarischen Wissenschaftlern Radev, Atanasov, Tschakarov, Tschavdarova aufgeführt, die sich mit dem Thema Herbartianismus in der Lehrerausbildung in Bulgarien beschäftigten.
3.4.1 Herbartianismus in Bulgarien
Die herbartianische (reinische) Ideen und pädagogischen Auffassungen waren herrschend in Bulgarien und sie wurden offiziell vom Ministerium für Volksbildung in einer 30jährigen Zeitspanne anerkannt. Es gibt auch kein anderes System in Bulgarien nach Tschavdarova (S. 87, Herbartianismus in Bulgarien- die Rezeptions- und Wirkungsgeschichte der Pädagogik Willchelm Reins. In: Rotraud, Coriand/ Michael, Winkler (Hrsg.).Der Herbartianismus- die vergessene Wischenschaftsgeschichte. 1998. Deutscher Studien Verlag. Weinheim.), das Objekt so verschiedener wissenschaftlicher Diskussionen und Auseinandersetzungen in den Periodika und unter der Lehrerschaft wurde. Daraus entsteht ein Paradox, weil gerade die herbartianische (reinische) Pädagogik am wenigstens erforscht und objektiv eingeschätzt ist. Damit will die vorliegende Arbeit dazu beitragen, die Wirkung und Rezeption der Wilchelm Reins Pädagogik mehr zu erläutern. Tschavdarova ist der Auffassung, dass die herbartiantische Pädagogik auf die pädagogische Ausbildung der Lehrer in Bulgarien eine bestimmte Wirkung hat. Die selbe Auffassung vertritt Nikoltschov ( Enzyklopäd. Handbuch, S. 826)in Bezug auf die Lehrerausbildung für die Volksschule und für die Beschaffung der Grundlage der pädagogischen Theorien. Der Autor weist darauf hin, dass sich die Herbartianische Ansichten besonders schnell in Bulgarien
verbreiteten, weil sie von dem Unterrichtsministerium selbst als Maßstab der guten pädagogischen Vorbereitung betrachtet werden. Die Anhänger der Herbart- Zillerschen Pädagogik haben versucht die bulgarische Volksschule ganz für die wissenschaftliche Pädagogik zu gewinnen. Aber „die Ansichten und Lehrsätze des großen Meisters nicht rein verpflanzt sind, sondern in Form einer kroatisch- österreichischen Umgestaltung und Bearbeitung, die neben den echten, wissenschaftlichen Gedanken auch viele unechte aufgenommen hat“ (Nikoltschov, S. 826, Enzyklopädisches Handbuch der Pädagogik). Die Lehrer kennten die Theorie der formalen Stufen, aber ihre praktische Anwendung bei dem Unterricht war „mechanisiert“. Die Lehrer wollten nach der Formalstufen unterrichten, ohne sich die Frage nach der Auswahl und Anordnung des Lehrstoffes vorgelegt zu haben und den methodischen Einheiten eine feste Abgrenzung zu geben. Die Schablone, dass in jeder Stunde unbedingt wiederholt, dargeboten, vergleichen, abstrahiert und angewandt werden, galt lange als Gesetz. Seitdem die Pädagogik an den staatspädagogischen Schulen aus den ausgebildeten die ihre Kenntnisse aus der Quelle selbst schöpfenden Lehrern ausging, wurde dieses Problem überwunden.
3.4.1.1 Etappen und Richtlinien der herbartianistischen Päda
gogik in Bulgarien
Aus der Entwicklung der bulgarischen Historiographie der herbartianische Pädagogik nach Auffassung von Radev gab es zwei Wellen, in dem man deutlich wird, dass die herbartianische Ideen eine Wirkung auf bulgarischer Lehrerausbildung ausübten. Tschavdarova geht davon aus, dass es um drei Etappen handelt. Im Folgenden werden die Auffassungen von beiden Wissenschaftlern ausführlich dargestellt.
Nach Radev ist die erste Welle nach 1882 in Südrumelien in Erscheinung getreten. Dieser Prozess ist von Ivan Bakalov (1860- 1933) sehr gut beschrieben, aber die Genauigkeiten fehlen in der Aufführung. Bakalov studiert zuerst an der Fürstlichen Akademie für Lehrerausbildung in Zagreb (Kralevska uchi-
telska Preparazia, gegründet 1849). Danach studiert er Philosophie und Sozialwissenschaft in Genf. Im 1881 traf Bakalov etwa 30 bulgarische Schüler, die dort studierten. Radev führt weiter auf, dass in diesem Periode Stjepan Basaricek, ein kroatischer Anhänger der Herbartsideen und evolutionäre Positivismus von H. Spencer, Pädagogik unterrichtete. Die bulgarischen Schüler kehrten sich in ihrer Heimat von 1883 bis 1885. Nach 1886 verliert Zagreb die Bedeutung als Ausbildungsort für bulgarischen Jugendlichen.(Radev, P: Herbart und Herbartianismus. Plovdiv. 1993, S. 52) Die bekannte Namen aus dieser Gruppe sind: Z. Dimitrov und B. Dimitrov (aus Sliven), I. Gudev (einer der Übersetzern von Basaricek, aus Gradez, Bezirk Sliven), D. Stoilov( aus Kotel), H. Stefanov ( aus Medven, Bezirk Sliven), R. Bogdanov und B. Ikonomov aus Haskovo.
Ein weiterer Teil dieser Welle kommt in Bulgarien aus Wien. Im 1874 reiste Phelix Kaniz durch Bulgarien durch um die guten Elementarvolksschüler zu sammeln, die ihrer Ausbildung in Wien fortsetzen konnten. Sie beendeten dort Gymnasium und dann Wiener Pedagogium, das zu dieser Zeit von dem österreichischen Pädagogen, Anhänger der Pestalozzi und Gegner der Herbartianismus Friedrich Dietes (1829-1896)gelernt wurde. Radev führt eine interessante Tatsache auf: zwei von den besten Dietesschülern- T. Benev (1861-?) und T.P. Minev( 1861-?), waren nach ihrem Rückkehr in Bulgarien die Anhänger und Verbreiteter an Herbartianismus. Ein möglicher Grund dafür kann die gute Beherrschung der deutschen Sprache sein.
Die zweite Welle der Anhänger der Herbart ist in Bulgarien nach 1898 festzustellen. Das sind hauptsächlich die Reins Schüler, die in Jena studiert hatten: V, Manov (1875-1945), B. Nikoltschov (1873- ?), P. Mitev, S. Velev (1869-1913), K. Svrakov (1872-1954) u. a. Die bulgarischen Herbartianisten (genau gesagt „Reinisten“) sind hoch gebildeten und mit europäischem Selbstbewusstsein Menschen. Radev führt weiter auf, dass die Reinisten viel Übersetzungen, eigene Bücher, private pädagogische Zeitungen hinterließen, was auch Tschavdarova bestätigt.
Arbeit zitieren:
Danka Todorova, 2006, (Volksschul-) Lehrerausbildung in Bulgarien im 20. Jahrhundert , München, GRIN Verlag GmbH
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