Inhaltsverzeichnis
Abk ürzungen 4
1. Einleitung 6
1.1. Ziel und Legitimation der Arbeit 6
1.2. Methode 7
1.3. Die Quellen 9
2. Biographische Angaben zu L. Ron Hubbard 9
3. Abriss über die wichtigsten Forschungsstationen von Dianetik und Scientology 9
4. KSW - „Erhaltung der korrekten Technologie“ 10
5. Dianetik 14
5.1. Definition des Begriffes Dianetik 14
5.2. Allgemeine Theorien der Dianetik 15
5.2.1. Das grundlegende Axiom „Überlebe “ 15
5.2.2. Theta-MEST-Theorie 16
5.2.3. Die Tonskala (tone scale) 17
5.2.4. Die zweite Dynamik, Hubbard und die Sexualität 20
5.2.5. Das ARK-Dreieck 23
5.3. Der reaktive Mind 24
5.3.1. Das Engramm 26
5.3.2. Das Lock 27
5.3.3 Das Secondary/ Secondary-Engramm 29
5.3.4. Dramatisation 29
5.3.5. Valenz 29
5.3.6. Schaltkreise bzw. Dämonen 30
5.4. Das Dianetik-Verfahren 30
6. Das E-Meter 32
7. Clear, Komplikationen in der Begriffsbestimmung 40
8. Übergang von Dianetik zu Scientology 51
8.1.0. Frühere Leben 51
8.1.1. Mission in die Zeit 52
8.1.2. Haben Sie vor diesem Leben gelebt? 53
8.3. Implantate 56
8.3.1. Implantate in History of Man 1952 58
8.4. Der Thetan 62
8.5. Exteriorisation 64
2
9. Scientology 65
9.1. Defintion des Begriffes Scientology 65
9.2. Positives Auditing - Negatives Auditing 66
9.3. SOP - ein Scientology-Verfahren 69
9.3.1. Kreatives Auditing für Stufe IV 74
9.3.2. Kreatives Auditing für Stufe III - Spacation 76
9.3.3. Auditing für Stufe I - Body-Lifting 78
9.3.4. Der umgekehrte Vektor 80
9.4. GP-MAuditing, Implantat-Auditing 82
9.5. Definition des Begriffes OT 86
9.6. OT I-III 87
9.7. Alte OT-Stufen IV-VIII und die unteren Scientology-Grade 91
9.8. Die neuen OT-Stufen IV-VII (NOTs) 94
9.9. Kontrolle - eine allgemeine Scientology-Theorie 100
10. Hubbard und seine Quellen 102
10.1. Richard Semon 102
10.2. Alfred Graf von Korzybski 103
10.3. Aleister Crowley (Edward Alexander Crowley) 104
11. Schlussbetrachtung und Ausblick 106
Bibliographie 110
3
Abkürzungen
Buch- und Zeitschriftentitel
AUD CATMO S.C.S. CCHs COHA DASTD DBZVF DMSMH
EEMB EES EMÜ EZSK FDS FOT HOA HOM HYLBTL
IFR
KSW
MIT MMTD NSOL PDC PDCLs PRO-TR RADS
SA Scn 8-8008 SOS TBODAS UEM
A-R-C ARK AO 4
BT
C/S C.C.H.
EnMEST Entheta
FN GPM HCOB Hubbard Communication Office Bulletin HCOPL
MEST NED NOTs OT
OT I-VIII PC Preclear Pre-OT
PAB R2-12 Routine 2-12 R3-N Routine 3-N ScnAD
SOP SH Spec S.C.S. TA T.R. VGIs 5
1. Einleitung
1.1. Ziel und Legitimation der Arbeit
In der Literatur stand bisher die Scientology-Kirche als Organisation im Mittelpunkt, wobei die Autoren entweder ehemalige Kunden oder Mitarbeiter waren, die sich betrogen und ausgenutzt oder Sektenexperten seitens der evangelischen Kirche o.a. Gruppen, die sich zum Schutz der Öffentlichkeit berufen fühlten. Daneben beschrieben Journalisten, einzelne Religionswissenschaftler oder Soziologen dieses Phänomen von verschiedenen Gesichtspunkten aus. Mynarek bemerkt z.B. in seinem Buch Die Neue Inquisition. Sektenjagd in Deutschland. Mentalität, Motivation, Methoden kirchlicher und staatlicher Sektenbeauftragter (Mynarek, 1999) die Ungleichbehandlung religiöser Gruppierungen in Deutschland durch den Staat 1 . Genauere Analysen der Texte, sozusagen der Bibel der Dianetik und Scientology sind mir außer einzelner, allgemeiner oder punktueller Darstellungen nicht bekannt. Daher möchte ich versuchen, mich dem zu nähern, was die theoretische Grundlage der Scientology-Bewegung darstellt.
Der Initiator der Dianetik- und Scientology-Bewegung benutzt den Begriff Wissenschaft, wenn er von Dianetics The Modern Science Of Mental Health, Science Of Survival oder Have You Lived Bevor This Life, A Scientific Survey spricht. Sein Selbstverständnis ist das eines Forschers und Dianetik und Scientology wird in der Art und Weise einer wissenschaftlichen Disziplin, bzw. eines Studienfaches an einer sogenannten Akademie studiert. Daraus ergibt sich die Berechtigung zu einer Analyse seiner Texte in Hinblick auf die angewandten Forschungs- und Argumentationsmethoden.
Im Fortgang meiner Arbeit hat sich gezeigt, dass sich ein Argument für die A-Religiosität, deren Nachweis nicht Ziel dieser Arbeit war, aus der Entwicklung der Dianetik- und Scientology-Texte formulieren lässt und die z.B. mit dem Buddhismus vergleichbare Konstellation, dass Scientologen über Jahre einen bestimmten Bewusstseinzustand erreichen wollen, eher einer „unfreiwilligen Religiosität“ gleicht. Hierzu verweise ich auf die
1 Vgl. - In der Bild am Sonntag: „Franz Josef Jung (CDU) [Bundesverteidigungsminister]. Der nämlich verbot Tom Cruise jetzt ganz humorlos, seinen geplanten Stauffenberg-Film in Berlin an Originalschauplätzen zu drehen. Wie die Berliner „BZ“ berichtete, verweigerte Jung auf Rat der CDU/CSU-Sektenexpertin Antje Blumenthal [Bundestagsabgeordnete] die Dreherlaubnis im Berliner Bendlerblock. Expertin Blumenthal in der „B.Z.“ „Die Drehgenehmigung für den ranghohen Scientologen in einem Bundesgebäude wäre einer bundespolitischen Anerkennung der Sekte gleichgekommen“ (Bams, 24.06.2007). Im gleichen Verlag, am gleichen Tag wird korrekter gesagt, dass es sich lediglich um eine Absichtserklärung von Jung handele: „Ein Ministeriumssprecher sagte auf Anfrage, dass bislang kein Antrag der Produktion vorliege“ (morgenpost.de, 24.06.2007, 21:42h). Die Drehgenehmigung wurde dann doch gegeben: „Finanzminister Steinbrück und Verteidigungsminister Jung lehnten eine Drehgenehmigung im Bendlerblock ab. Am Ende setzte sich das Kanzleramt durch“ (Spiegel Online, 15.09.2007).
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Schlussbemerkungen. Generell jedoch möchte ich die komplizierte Diskussion, ob Dianetik und Scientology eine Religion sei oder nicht, umgehen, nicht nur, weil der Begriff Religion selbst in der Religionswissenschaft kontrovers diskutiert und an sich sehr weit gefasst werden kann, sondern auch, weil der Selbstanspruch, eine Wissenschaft zu sein, in den Schriften von Hubbard im Vergleich zum Anspruch, eine Religion zu sein, grob geschätzt 95% ausmacht. Da aber Hubbard über Dinge verhandelt, die eindeutig in den metaphysischen Bereich hineinreichen, kann die Charakterisierung zumindest von Scientology als eine religiöse Weltanschauung nicht wirklich geleugnet werden. Jeder Religionswissenschaftler wird von vornherein sagen, dass es doch klar sei, was bei einer solchen Untersuchung im Hinblick auf Wissenschaftlichkeit herauskäme. Aber genau diese voreingenommene Einschätzung ist einer der Gründe, warum es bisher keine genaueren Untersuchungen der Schriften von Dianetik und Scientology im Hinblick auf ihren Wissenschaftsanspruch gibt. Daher stelle ich mich mit dieser Arbeit zum Anfang auf den fiktiven Standpunkt, dass Hubbard in seiner Behauptung, eine Wissenschaft und eine Religion bzw. angewandte Philosophie zugleich geschaffen zu haben und untersuche, ob das von ihm geschaffene religiöse Schrifttum tatsächlich Anzeichen einer wissenschaftlichen Herangehensweise trägt.
Michaels sagt, dass sich die moderne Religionswissenschaft in der Regel nicht mehr als Religionskritik verstehe (Michaels, 1997:7). Diese Arbeit würde demnach von der Ausnahme Gebrauch machen. Gemäß der Tradition der Aufklärung, aus welcher die Religionswissenschaft in Europa durch Infragestellung der christlichen Offenbarungsreligion hervorging (Kohl, 1988:231), soll diese Arbeit gleichfalls den Charakter der Offenbarung, welcher sich nicht durch den Verweis auf eine Gottheit oder anderer metaphysischer Entitäten, sondern durch die Vernunft und die wissenschaftliche Herangehensweise des Religionsstifters auszeichnen soll, analysieren.
1.2. Methode
Die Auswahl der zitierten Materialien geschah nicht nach dem Prinzip der Vollständigkeit, sondern nach dem Gesichtspunkt, Beispiel-Texte aus den Hauptstationen der Entwicklung der Lehren Hubbards heranzuziehen. Diese Herangehensweise führt dazu, dass ich mit den Philadelphia Doctorate Course ein Werk ausführlicher diskutiere, welches in der CoS selbst nicht mehr oder nur am Rande der offiziellen Auditingroute 2 verwendet wird. Diese
2 Die Auditingroute ist die sogenannte Brücke (FDS, 1977:15) und bedeutet die Gesamtheit aller Auditingstufen, also dianetischer bzw. scientologischer Beratungspakete, die ein Kunde der Scientology in
Anspruch nehmen kann, wenn er die sogenannte „völlige Freiheit“ erreichen will (DBZVF, 3 1990 [1986]). Die Philadelphia Doctorate Course Lectures, d.h. die 76 erklärenden Vorträge zum Buch Scientology 8-8008 werden
7
Vortragsreihe ist zum Verständnis des gesamten Auditinggebäudes von den untersten Stufen der Dianetik bis zu den obersten Stufen der Scientology von zentraler Bedeutung. Jene sogenannten Scientlogy-Grade 3 sollen dagegen bewusst marginal oder gar nicht behandelt werden. Die mir am wichtigsten für diese Arbeit erscheinenden Definitionen von Hubbard werde ich so vollständig wie möglich wiedergeben, um den Verlauf der Veränderungen derselben zu dokumentieren. In Bezug auf das Werk Hubbards, welches viele Inkongruenzen enthält, besteht die Gefahr, durch Herausgreifen einzelner Definitionen, ein falsches Bild zu produzieren. Hubbard scheint ein Eklektiker par excellence zu sein. Quellenangaben gibt es bei ihm allerdings bis auf wenige Ausnahmen grundsätzlich nicht. Das Aufspüren dieser Quellen ist nicht Thema dieser Arbeit, doch ließen sich nachgetragene Bemerkungen zu diesem Thema aufgrund intensiverer Recherche nicht umgehen. Eine ausführliche Untersuchung der Quellen des Gesamtwerkes Hubbards ist noch ein Desiderat. Zwei Hauptkriterien sollen bei der Auswertung der Texte eine Rolle spielen. Inwiefern ist die Darstellung der Lehre so beschaffen, dass sie wissenschaftlich überprüft werden kann und wie ist es um die systemimmanente Plausibilität der Lehre selbst bestellt? Fragen, ob es frühere Leben gibt oder nicht, ob Scientology-Lehren wahr oder unwahr sind, stehen nicht zur Disposition. Unter systemimmanenter Plausibilität verstehe ich die Kopplung von verschiedenen Aussagen in einen relativ logischen Zusammenhang, ohne dass dabei der Wahrheitsgehalt der einzelnen Aussagen in Betracht gezogen werden soll. Es handelt sich dabei um eine Begutachtung eines Systems und nicht um die Beurteilung von „Wahrheiten“. Der Nachdruck liegt auf Stimmigkeit, nicht auf Richtigkeit.
Aufgrund der Fülle der Fachbegriffe kann eine Darstellung der Begriffe und Lehren nicht in dem Maße stattfinden, dass sie für jemanden, der nur wenig oder gar nichts von Hubbard gelesen hat, hilfreich sein würde. Somit muss ich Grundkenntnisse voraussetzen, um dem Thema dieser Arbeit im Rahmen des begrenzten Seitenkontingentes annährend gerecht zu werden. Die Arbeit ist keine Einführung in die Scientology, dennoch hoffe ich, das meiste klar genug dargestellt zu haben.
als nicht obligatorischer Zusatzkurs bzw. in Form von CDs (früher Kassetten), die man sich privat anhören kann, verkauft.
3 Aufgrund der einiger Recherchen im Internet gehe ich davon aus, dass Hubbard u.a. die „totale Freiheit“, das „Postulat“ den „Purification-Rundown“, die „Grade“ und das Kreuz von Aleister Crowley übernommen hat. Frenschowski’s (1999:8) Schlussfolgerung: “Nevertheless it remains quite obvious that Hubbard did not take
much inspiration from Crowley and Parsons” ist falsch, Corydon’s ( 3 1996:382) Einschätzung: “The parallels between Hubbard’s work and those of Crowley could fill an entire book” richtig (s. mehr unter 9.3. Fussn.).
8
1.3. Die Quellen
Aufgrund des Umstandes, dass ich hauptsächlich mit den Originalquellen arbeite, ergibt sich die Notwendigkeit der Abweichung von der textinternen Zitierweise, in welcher der Name des Verfassers angegeben wird, da in diesem Falle zum Großteil immer der gleiche Name erscheinen würde. Daher gebe ich an den Stellen, wo Hubbard zitiert wird, lediglich die Abkürzung des jeweiligen Werkes, die im Abkürzungsverzeichnis aufgeführt ist, oder das entsprechende HCOB bzw. den HCOPL an. In vielen Fällen hat sich für mich die Anti-Scientology-Literatur als zuverlässig und nicht nur sensationsgierig dargestellt, sodass ich sie sekundierend benutzen werde.
2. Biographische Angaben zu L. Ron Hubbard
Lafayette Ron Hubbard wurde 1911 in Tilden, Nebraska, als Sohn eines Marinekapitäns geboren. Später brach er sein Studium ab und finanzierte sich durch schriftstellerische Tätigkeiten. Nach dem zweiten Weltkrieg, in dem er als Marine-Offizier diente, war er kurze Zeit im Okkultorden Ordo Templi Orientis engagiert, [womit die vielen Bezüge der Scientlogy-Kirche und ihrer Schriften zu Aleister Crowley u.a. eine Erklärung finden]. 1950 veröffentlicht er den Bestseller Dianetics the Modern Science of Mental Health. Die daraufhin einsetzende Dianetik-Bewegung wird u.a. durch den Ölmillionär Purcell unterstützt, das Hubbard-Elektrometer gewinnt als Messgerät für den Hautwiderstand im Auditing an Bedeutung. 1955 wird die erste Scientology-Kirche in Washington eingetragen. Vier Jahre danach zieht der Hauptsitz der Kirche nach England. In den Folgejahren versuchte Hubbard vergeblich in England, Südafrika und Australien dauerhaftes Wohnrecht zu erhalten, weshalb er auf die hohe See [mit seinen sogenannten Sea Org Membern] ausgewichen sei. Wo er die letzten sechs Lebensjahre [er war ständig auf der Flucht vor dem FBI (Corydon, 3 1996 [ 1 1987], Miller, 1987 u.a)] verbrachte, wussten wohl nur wenige. Bis zu seinem Tod soll er Science Fiction geschrieben haben. Hierzu gehören der Bestseller „Battlefield Earth“ und das zehnbändige Werk „Mission Earth“. Er starb am 24. Januar 1986 an den Folgen eines Blutsturzes in Kalifornien (Neft, 2001).
3. Abriss über die wichtigsten Forschungsstationen von Dianetik und Scientology
1938 Excalibur - das grundlegende Gesetz des Lebens heißt „Überlebe!“ 1948 Dianetics. The original thesis
9
1950 Dianetics. The Modern Science of Mental Health
1951 Self Analysis
1952 Scientology 8-80
1954 The Phoenix Lectures (Gründung der ersten Scientology-Kirche) 1955 Dianetik 55 (von mir) 1959 E-Meter-Experimente mit Pflanzen 1961 Beginn des Saint Hill Special Briefing Course 1966 Bekanntgabe des ersten Clear’s in Saint Hill
1967 OT III, die Feuerwand, (Gründung der Sea Organisation) 1968 altes OT IV, V, VI, (Atack, 1990:177) 1970 OT VII, OT VIII 1978 New Era Dianetics (NED), NED for OTs (NOTs), die neuen OT-StufenIV-VII
Diese Angaben enstammen bis auf die kursiven Einschübe und dem Jahr 1968 dem Buch Mission into Time (MIT, 1973 [1968]: 3-24).
4. KSW - „Erhaltung der korrekten Technologie“
Innerhalb der Auditoren-Ausbildung gibt es seitens der Qualifikationsabteilung einer Scientology-Organisation strengste Kontrollen bezüglich des korrekten Studiums der Materialien. Jeder, der zum ersten Mal in einer Scientology-Akademie sitzt, wird sich einem enormen Druck ausgesetzt fühlen, da die Kursüberwacher 4 keinen Widerspruch zu den Studieninhalten von Hubbard dulden. 5 Wenn ein Student mit etwas nicht übereinstimmt, gilt generell, dass es an seinen eigenen Missverständnissen liege (KSW-Serie, 1982). Die
4 Kursüberwacher - Person, die überwacht, dass die Studenten ihren Kurs (Selbststudium) ohne Missverständnisse absolvieren. Er lehrt nicht, sondern kontrolliert lediglich (DASTD, 1975:414).
5 Der Verfasser hat selbst einige Kurse in einer sogenannten Klasse IV-Organisation belegt.
10
sogenannte Studiertechnologie befasst sich daher fast ausschließlich mit der Phänomenologie der Missverständnisse (vgl. Kap.10). Hierzu zitiere ich aus dem wohl bekanntesten Policybrief 6 innerhalb von Scientology, der in jedem Kurspack der Scientology-Akademie als erste Schrift jedes Mal neu zu studieren und von einem anderen Studenten mit einem Checkout 7 auf korrektes Verstehen hin zu überprüfen ist. Man könnte sagen, dass der Inhalt dieses HCOPLs dem Studierenden in einer Unerbittlichkeit und Strenge nahegebracht wird, als handele es sich um eine Frage von Leben und Tod:
„Note: Neglect of this Pol Ltr has caused great hardship on staffs, has cost countles millions and made it necessary in 1970 to engage in all out International effort to restore basic Scientology over the world. Within 5 years after the issue of this PL with me off the lines, violation had almost destroyed orgs. “Quickie grades”[ 8 ] entered in and denied gain to tens of thousend of cases. Therfore actions which neglect or violate this Policy Letter are HIGH CRIMES resulting in Comm Evs [ 9 ] on ADMINISTRATORS and EXECUTIVES. It is not “entirely a tech matter” as its neglect destroys orgs and causend a 2 year slump. IT IS THE BUSINESS OF EVERY STAFF MEMBER to enforce it” (HCOPL, 2 15.07.1970 [ 1 07.02.1965]:1).
Die folgenden zehn Anweisungen beziehen sich auf alle Bereiche der Dianetik und Scientology. Jeder Mitarbeiter ist strengstens dazu angehalten, exakt das zu tun, was Hubbard in seinen Referenzen und Büchern vorgeschrieben hat und zwar ohne die kleinste Abänderung. Auditing ist keine individuelle Psychotherapie, sondern eine exakt vorgegebene Routine bzw. Handlungsanweisung, die an jedem PC 10 entsprechend seiner Fallstufe 11 ausgeführt wird. Diese zehn Regeln sollen eine uneingeschränkte wachsame Grundhaltung gegenüber der fehlerlosen Technologie Hubbards sicherstellen:
„Getting the correct technology applied consists of:
Two: Three: Four: Five: Six: Seven: Eight: Nine: Ten: 6 HCOPL, Verwaltungsrichtlinie von L.Ron Hubbard persönlich geschrieben und daher bindend für jeden Mitarbeiter ein Scientology-Organisation (MMTD, 1976:265)
7 Checkout - Überprüfung eines Studenten, die auf dem Kursplan (Checksheet) vorgesehen ist (DASTD, 1975:68)
8 Quickie grades - schnell und oberflächliches Auditing (DASTD, 1975:331)
9 Comm Ev - Commitee of Evidence - Komitee der Beweisaufnahme, das bei Verstößen von Richtlinien, die Hubbard herausgegeben hat, zwecks Schuldfindung zusammentrifft (ESE, 1998)
10 PC - Pre-Clear, eine Person, die noch nicht Clear ist (DMSMH, 1987 [ 1 1950])
11 Fallstufe - gemäß der Klassifizierungs-,Gradierungs-, und Bewusstseinskarte der Stufen und Zertifikate abgeschlossenes Auditing. Mit der jeweiligen Auditingstufe, sagt Hubbard, hätte man ein entsprechendes Bewusstsein bzw. spezifische Fähigkeiten, d.h. eine bestimmte Fallstufe erlangt (DASTD, 1975:403)
11
Hubbard begründet seine Forderung nach Loyalität zu seiner Technology damit, dass eine Gruppe niemals etwas Vernünftiges zustande bringen könne, weil der gemeinsame Nenner einer Gruppe die reaktive Bank sei (vgl. 5.3.). Nur Individuen seien zu konstruktiven Ideen fähig und würden in der Regel für diese von Gruppen keine Zustimmung finden. Gemäß seinen Beobachtungen würden in 100 000 zu 20 Fällen Gruppen eine schlechte Technologie entwickeln, um eine gute Technologie zu vernichten. Er sagt:
„This point will, of course, be attacked as “unpopular”, “egoistical” and “undemocratic”. It very well may be. But it is also a survival point. And I don’t see that popular measures, self-abnegation and democracy have done anything for Man but push him further into the mud” (ebd:2). „This is a deadly serious activity. And if we miss getting out of the trap now, we may never again have another chance. Remember, this is our first chance to do so in all the endless trillions of years of the past. Don’t muff it now because it seems unpleasant or unsocial to do Seven, Eight, Nie and Ten. Do them and we’ll win” (ebd:5).
Die endlosen Billionen 12 Jahre währende Gefangenschaft im Kreis der Wiedergeburten zeigen den Einfluss der indischen Philosophie 13 auf die westlichen Geistesströmungen. Die Falle erinnert an die Gefangenschaft im ewigen Kreislauf von Tod und Wiedergeburt, wie er die gesamte indische religiös philosophische Literatur durchzieht. Mit dem Text Keeping Scientology Working (KSW) betont er, dass er es alleine geschafft hätte, einen Weg aus der “Falle”, der Bank zu finden: “We will not speculate here on why this was so or how I came to rise above the bank” (ebd:3). Er erwähnt an dieser Stelle niemanden, von dem er sich inspirieren ließ. Nur in den früheren Dianetik-Ausgaben der Bücher Dianetics, the modern science of mental health oder Science of survival, finden wir eine Danksagung an honorige Forschervorfahren (vgl. 10):
„Acknowledgement is made to fifty-thousand years of thinking men without whose speculations and observations the creation and construction of Dianetics would not have been possible. Credit in particular is due to: Anaxagoras, Aristotle, Socrates, Plato, Euclid, Lucretius, Roger Bacon, Isaac Newton, van Leeuwenhoek, Voltaire, Thomas Paine, Thomas Jefferson, Rene Descartes, James Clerk Maxwel, Charot, Herbert Spencer, William James, Sigmund Freud, Cmdr Thomson (MG) USN, William A.White, Will Durant, Count Alfred Korzybski and my instructors in atomic and molecular phenomena, mathematics and the humanities at George Washington University and at Princeton”(SOS, 11 1968 [ 1 1951]).
Vergleichen wir die Herausgabedaten der KSW1 mit dem von mir hier verwendeten Dianetik-Buch, stellen wir fest, dass diese zusammenfallen. Daraus schließe ich, dass die Widmungen in den Büchern, die ja in der Öffentlichkeit im Gegensatz zu KSW1 verkauft wurden, seine
12 Amerikanisch = Billion, engl. = Trillion, in Saint Hill geschrieben, könnte es für die Engländer auch Trillionen heißen
13 „Schwer ist es für ein Geschöpf, die Geburt in menschlicher Gestalt zu erlangen. Schwerer ist es, Körperkraft und Willensstärke, noch schwerer Reinheit zu erlangen. Schwerer noch als dieses ist der Wunsch, ein geistiges Leben zu führen. Das allerschwerste ist das Verständnis der Schriften. Nicht zu erlangen aber ist die Unterscheidung zwischen Atman und dem Nicht-Atman, die unmittelbare Erkenntnis des Atman selbst, die immerwährende Vereinigung mit Brahman und die endgültige Befreiung - es sei denn durch die Verdienste von hundert Billionen rechgelebter Inkarnationen“ (Shankara, 1981:39 [500-750 n.Chr.].
12
Bindung an anerkannte Wissenschaftler und damit die Wissenschaftswelt dokumentieren sollten (vgl. 5. Goodwins Merkmale einer Pseudowissenschft), während zur gleichen Zeit in den internen nur für Scientologen gedachten Kursmaterialien die Originalität und Einzigartigkeit des Forschers Hubbard im Mittelpunkt standen. Mit der gescheiterten Bemühung, Dianetik zur Anerkennung bei der Psychoanalytischen Vereinigung in Amerika zu verhelfen 14 , organisierte Hubbard seine Forschung von da an auf eigenes Risiko und mit eigenem Geld. Er kümmerte sich bis auf einzelne Ausnahmen weniger um ein wissenschaftliches Outfit seiner Forschungen, wie in seinen Anfangswerken durch Verwendung von Tabellen, Statistiken, und der Erwähnung von Probanden ansatzweise zu erkennen ist (DMSMH, 1987 [ 1 1950], SOS, 11 1968 [ 1 1951]). Daher ist eine Kritik z.B. von MIT nach wissenschaftlichen Kriterien problematisch. Seine Werke sind ab einer bestimmten Zeit nur noch für Sympathisanten bzw. Scientologen und nicht für Universitäten oder neutrale Gruppen geschrieben worden. Er setzt eine bestimmte Weltanschauung bei der Leser - und Hörerschaft voraus, wie z.B. dass es frühere Leben gäbe usw. Was versteht Hubbard unter der „Falle“ in seinem KSW1-HCOPL konkret? Um u.a. diese Frage zu beantworten, werde ich jetzt den Versuch unternehmen, chronologisch seine Vorstellungen vom menschlichen Geist und den zu seiner Rehabilitation entwickelten Verfahren vorzustellen, indem ich die markantesten Stationen seiner Forschungen durchlaufen und damit einen Bogen von den Dianetikanfängen bis zu den OT-Stufen, insbesondere zu den sogenannten NOTs schlagen werde. Es sollen nur Lichter an den Plätzen dieses umfangereichen Schrifttums, das der Entwicklung von Auditing-Verfahren gewidmet war, aufgestellt werden, die mir persönlich signifikant erscheinen.
14 „In September of 1950, the American Psychological Association called on psychologists not to use dianetic therapy, “in the public interest.” Struggling to maintain circumspection, the Association unanimously adopted a resolution at the last session of a meeting of its council of representatives which stated that, While suspendingjedgment concerning the eventuel validity of the claims mad by the author of ‘Dianetics,’ the association calls attention to the fact that these claims are not supported by empirical evidence of the sort required for the establishment of scientific generalizations. In the public interest, the association, in the absence of such evidence, recommends to its members that the use of the techniques peculiar to Dianetics be limited to scientific investigations designed to test the validity of the claims” (Malko, 1970:56).
13
5. Dianetik
5.1. Definition des Begriffes Dianetik
Dianetik ist in ihrem Auftreten und Anspruch eine Therapie bzw. Heilpraktik mit wissenschaftlichem Hintergrund. Einrichtungen, die Dianetik anbieten, heißen nicht Dianetik-Kirche, sondern Dianetikzentrum oder Dianetic Foundation usw. In der Regel findet aber professionelles Dianetik-Auditing (d.h. unter Verwendung des E-Meters) in Räumen einer Scientology-Organisation statt. Hubbard definiert Dianetik wie folgt:
„DIANETICS. 1. DIA (Greek) through, NOUS (Greek) soul deals with a system of mental image pictures in relation to psychic (spiritual) trauma. The mental image pictures are believed on the basis of personal revelation to be comprising mental activity created and formed by the spirit, and not by the body or brain. (BPL 24 Sept 73 V) 2. Dn addresses the body. Thus Dn is used to knock out and erase illnesses, unwanted sensations, misemotion, somatics, pain, etc. Dn came before Scn. It disposed of body illness and the difficulties a thetan was having with his body. (HCOB 22 Apr 69) 3. a technology that runs and erases locks[s. 5.3.2], secondaries[5.3.3] and engramms[5.3.1.] and their chains[5.3.1]. (HCOB 17 Apr 69) 4. Dn could be called a study of man. Dn and Scn, up to the point of stable exteriorization [8.5.], operate in exactly the same field with exactly the same tools. It is only after man is sufficiently exteriorized to become a spirit that we depart from Dn; for here, considering man as a spirit, we must enter the field of religion. (PAB 42) 5. a precision science. It stems from the study and codification of survival. (COHA, p. 148) 6. a system of coordinated axioms which resolve problems concerning human behavior and psychosomatic illnesses … 7. Dn is not psychiatry. It ist not psychoanalysis. It ist not psychology. It is not personal relations. It is not hypnotism. It ist a science of mind. (DMSMH, p. 168) 8. the route from aberrated of aberrated and ill human to capable human. (HCOB 3 Apr 66) Abbr. Dn.” (DASTD, 2 1975:115, Unterstreichung von mir).
Die Unterscheidung zwischen Dianetik und Scientology ist aufgrund der ersten Definition nicht einfach und hat offensichtlich unter den Akademiestudenten immer wieder für Verwirrung gesorgt, denn das Dianetik-Auditing wendet sich indirekt auch an den Thetan bzw. die Seele (vgl. Definition 1). Der wesentliche Unterschied, der verstanden werden soll, bestünde darin, dass Dianetik nur für psychosomatisch bedingte Gebrechen eingesetzt würde (HCOB, 22.04.1969). Die Tatsache, dass Scientology-Auditing auch psychosomatische Gebrechen beseitigen soll (vgl. Kap. 9.3. und 9.8.), ist einer der Gründe, warum diese beiden Bereiche später von Akademiestudenten vermengt wurden und Hubbard immer wieder Anstrengungen unternahm, diese beiden Bereiche als getrennt zu definieren. 15 Hubbard verspricht mit der Dianetik folgendes:
„Of what must a science of mind be composed? 1. An answer to the goal of thougt. 2. A single source of all insanities, psychoses, …neuroses, …compulsion, …repressions…an social derangments. 3. Invariant scientific evidence as to the basic nature und functional background of the human mind. 4. Techniques, the art of application, by which the discovered single source, could be invariably cured; ruling out, of course, the insanities of malformed, deleted or pathologically 15 injured brains or nervous
15 Vgl. HCOBs des NED-Packs
14
systems and, pariticularly, iatrogenic psychoses (those caused by doctors and involving the destruction of the living brain itself). 5. Methods of prevention of mental derangement, 6. The cause and cure of all psychosomatic… ills, which number, some say, 70 percent of man’s listed ailments” (DMSMH, 1987 [ 1 1950]:10-11).
Im ersten Augenblick klingen die Forderungen phantastisch und der Leser weiß hier schon, was ihm vorgeführt werden soll, nämlich, dass Dianetik diese in Gänze erfüllen wird. Es ist der Traum eines jeden Forschers innerhalb der Psychologie. Goodwin schreibt, dass die Beschreibung, Vorhersage, Erklärung und Kontrolle von Verhalten die Ziele der modernen Psychology seien (Goodwin: 2 1998:22-23). Die Dianetik hat laut Hubbard diese Ziele erreicht (DMSMH, 1987 [1950]:11-12).
Goodwin gibt aber auch Merkmale einer Pseudowissenschaft an, und zwar folgende: Der Versuch, die eigenen Forschungen als wahre Wissenschaft zu zeigen, das Ausweichen vor der Überprüfung mit Gegenuntersuchungen, eine Beweisführung, die auf Hören und Sagen beruht, zu unspezifische Aussagen, die keine klare Überprüfung zulassen und schließlich Simplifizierung komplexer Vorgänge (ebd:22-23). Die Simplifizierung und die Beanspruchung des Titels „Wissenschaft“ (s.o. Definition 2 und 7) können in den Formulierungen von 1. und 2. vermutet werden.
5.2. Allgemeine Theorien der Dianetik
5.2.1. Das grundlegende Axiom „Überlebe!“
Hubbard schreibt, dass Dianetik eine auf Axiomen aufgebaute heuristische 16 Wissenschaft sei. Hierzu zähle das erste grundlegende Axiom, dass allen Energieformen dieses Universums der Wille zum Überleben zugrunde liege. Diesen Willen nennt er dynamic principle of existence (DTOT, 5 1976:13-4 [ 1 1951]). Er sagt, dass sich dieses Wissen ausschließlich auf den Bereich des „Wissbaren“ beziehe und eine Beschäftigung mit nebulösen Dingen wie Spiritismus, Deismus, Telepathie, Hellsehen oder die menschliche Seele nicht notwendig sei 17 :
„The field of thougt may be divided into two areas which have been classified as the “knowable“and the “unknowable”. We are here concerned only with the “knowable”. In the “unknowable” we place that data which we do not need to know in order to solve the problem of improving or resolving
16 Heuristisch - „…die Heuristik betreffend; -es Prinzip: Arbeitshypothese als Hilfsmittel der Forschung; vorläufige Annahme zum Zweck des besseren Verständnisses eines Sachverhaltes“ (Duden. Das große Fremdwörterbuch, 1994)
17 Die Distanzierung von „nebulösen Dingen“ ist ebenfalls dem Wunsch nach Anerkennung der Wissenschaftlichkeit von Dianetik zuzuordnen, besonders deshalb, weil sich Hubbard nach (vermutl. auch vor) dem zweiten Weltkrieg intensiv mit solchen Dingen beschäftigte und diese zwei Jahre nach diesem Zitat in Form der Einführung Crowleyschen Gedankengutes in das Auditing (vgl. 10.3.) integrierte, was zur Entstehung von Scientology führte.
15
aberrations of the human mind. By thus splitting the broad field of thougth, we need not now concern ourselves with such indefinites as spiritualism, deism, telepathy, clairvoyance, or, for instance, the human soul” (ebd.:14).
Aus dem ersten grundlegenden Axiom ergäben sich weitere Axiome. So z.B. diese, dass der Zweck des Verstandes sei, Probleme, die mit dem Überleben zusammenhängen, zu lösen oder den Organismus, die Art und ihre Symbionten oder das Leben in seinem Streben nach Überleben zu steuern und dass der Verstand dabei erfolgreich sein oder versagen könne.Das Prädikat gut definiert er mit der Gesamtheit aller Bestrebungen, die eine Entität beim erfolgreichen Überleben unterstützen, das Prädikat böse bezieht er auf entgegengesetzte Bestrebungen. Glück sei demgemäß Erfolg im Hinblick auf die Erreichung von optimalem Überleben einer Person selbst, seiner Nachkommen, seiner Gruppe, Rasse und seiner Symbionten 18 . Hubbard stellt eine Skala auf, an deren unterem Ende der Tod und deren oberen Ende das unvorstellbare Extrem der Unsterblichkeit lägen. Zwischen diesen zwei Extremen gäbe es einen Mittelbereich, in dem bloßen Existieren ohne Hoffnung auf Erfolg oder Angst vor Misserfolg vorhanden sei, während oberhalb von diesem Bereich kleine Erfolge, Freuden und Triumphe und unterhalb von diesem Mittelbereich kleine Irrtümer, Unfälle und Niederlagen stattfänden (ebd:14-21).
5.2.2. Theta-MEST-Theorie
Hubbard unterteilt das Weltgeschehen in die zwei Bereiche: MEST (matter, energy, space, time (vgl. 10.2.)) und Theta (Denken, freie Lebensenergie, Lebenskraft, der Geist o.ä. (DASTD, 1975:248/429). Wie MEST durch Kohäsionskräfte zusammengehalten werde, bestehe. Theta aus den drei Bausteinen Affinität (Liebe zu etwas), Realität (Übereinstimmung mit jemanden über etwas) und Kommunikation (mit jemandem oder etwas). Die Hauptfunktion von Theta sei, MEST zu verändern. Dies geschehe dadurch, dass es in MEST eindringe und es in bewegliche kleine Einheiten verwandle. Je komplizierter die Lebensformen würden, desto größer seien auch die Veränderungen in MEST. Bei jedem Zusammenprall mit MEST lerne Theta etwas hinzu. Dabei werde das Theta durcheinander gebracht, d.h. enturbuliert. Habe das Maß an Enturbulation einen bestimmten Bereich überschritten, nutze Theta den Mechanismus des Todes, um sich aus MEST wieder zurückzuziehen und zu befreien. Spätestens ab der Einführung der Theorie von „früheren
18 Die Betonung des Begriffes „Überleben“ lässt den Einfluss der evolutionistischen Biologie vermuten, den Hubbard von den Texten Semons in seine früheren Dianetikbücher hat einfließen lassen, ohne dass er selbst zu dieser Art von Denken irgendeinen Bezug hat (vgl. Kap. 5.3.1/2.).
16
Leben“, also ein Jahr später, bekommt die Theta-MEST-Theorie genau an dieser Stelle einen Riss, weil dort die Vorstellung vorausgesetzt wird, dass sich Traumata (vgl. Kap. 8.3. Implantate) aus früheren Leben im gegenwärtigen Leben auswirken würden, d.h. die Tode laut Hubbard offensichtlich keine befreiende Wirkung auf Theta haben. Dianetik, welche Hubbard in diesem Zusammenhang für mich in überraschender Weise wie Scientology auch eine Wissenschaft des Denkens nennt, habe nun als erste Wissenschaft die Möglichkeit, enturbuliertes Theta noch während eines Lebens zu befreien und in reines Theta zu verwandeln. Eine weitere Grundannahme besteht darin, dass Theta die Eigenschaft besitze, in der Nähe von Entheta, also enturbuliertem Theta, welches mengenmäßig dem Theta überlegen sei, zu enturbulieren, d.h. sich in Entheta zu verwandeln. Im umgekehrten Mengenverhältnis, werde Entheta in Theta verwandelt. Mit anderen Worten, wenn die Menge an Vernunft die Menge an Unvernunft überwiege, werde sich die Vernunft durchsetzten und umgekehrt die Unvernunft. Ein ähnlicher Vorgang spiele sich ab, wenn MEST auf EnMEST stoße oder auch Theta auf MEST, Entheta auf MEST oder EnMEST stoße usw. Entheta wirke sich verschlechternd auf MEST als auch auf Theta, EnMEST negativ auf MEST als auch auf Theta aus (SOS, 11 1968:35ff [ 1 1951]). Eines der wichtigsten Parameter im Dianetik-Auditing zur Diagnose des Mengenverhältnisses zwischen Theta und Entheta ist die Tonskala. Je weniger Theta im Körper des Menschen sei, desto tiefer sei der Mensch auf der Tonskala einzuordnen. Die Aufgabe des Auditors bestehe nun darin, das Verhältnis zu Gunsten von Theta zu verändern, also Theta zu befreien bzw. Entheta in Theta zu verwandeln. Es ist im Rahmen dieser Theorie folgerichtig, anzunehmen, dass der Körper, der den MEST-Teil des Menschen darstellt, um so mehr EnMEST in sich trägt, d.h. krank wird, je mehr Entheta (s. unter 5.3. Bestandteile des reaktiven Mindes) in ihm vorhanden ist. Hubbard hat hierzu eine Tabelle erstellt, mit welcher man Menschen gemäß diesem Mischungsverhältnis zwischen Theta und Entheta genau einschätzen könne.
5.2.3. Die Tonskala (tone scale)
Zu dieser Tabelle hat Hubbard extra ein eigenes Buch verfasst, das den Namen Wissenschaft des Überlebens, die Vorhersage menschlichen Verhaltens (SOS) trägt. In diesem ordnet Hubbard unter anderem eine Anzahl von allgemein bekannten Emotionen in ein streng hierarchisch geordnetes System ein. Danach hat jede Emotion einen festen Platz in einer Skala von Tod bis Begeisterung. Von Tod aufsteigend in Richtung unendliches Überleben
17
käme zuerst Apathie, dem folge tiefe Trauer, dann Günstigstimmen 19 , Mitleid, Angst, versteckte Feindseligkeit, Wut, Schmerz, Antagonismus 20 , Langeweile, Konservatismus und schließlich Begeisterung 21 :
“THE TONE SCALE
[…] 4.0 Cheerfulness 3.0 Conservatism 2.5 Boredom 2.0 Antagonism 1.5 Anger (Overt Hostility) 1.1 Covert Hostility
1.0 Fear 0.5 Grief 0.2 Apathy“ (Scn 0-8, 1970:45).
Zwischen diesen Stufen gäbe es viele Zwischenstufen (s. sogenannte vollständige Tonskala im SOS). Der Stufe „Tod“ hat Hubbard die Zahl 0, der Begeisterung die Zahl 4 zugewiesen. Die genaue Mitte läge in etwa bei Antagonismus, dem er die Zahl 2 zuwies. Die Grundannahme, die Hubbard aus der Beobachtung vieler PC’s abgeleitet haben will, ist die, dass sich die Emotionen in einer Auditing-Sitzung nicht beliebig, z.B. von Apathie auf Konservatismus verändern würden:
„The tone scale denotes numerically, first the status of an engramm in reactiv mind, next is erasure of reduction, and provides a measure for sanity in an individual. The derivation of this scale is clinical and is based upon observation of engrams being worked. When an engram is located and developed, the extreme range it can follow begins with apathy, develops into anger (or the various facets of antagonism), proceeds into boredom, and arrives at last in cheerfulness or vanishes utterly” (DTOT, 5 1976 [ 1 1951]:59).
Wenn jemand sich aus der Apathie herausbewege, um zu Konservatismus zu gelangen, passiere er jede Emotion, die zwischen diesen beiden Emotionen liege. Ein Apathiefall würde also auf dem Weg der Befreiung seines Theta’s zuerst Gram, dann, wenn noch mehr Theta
19 Günstigstimmen - Emotion, unterhalb von Angst, man versucht eine andere Person wohlgesonnen zu stimmen
20 Antagonismus - Emotion, mit der eine Person ständig gegen andere Personen vorgeht, aber sie noch nicht wie bei Wut sofort zu vernichten versucht.
21 Einem Indologen fällt sofort die Parallele zu den drei gunas (u.a. Grundeigenschaften allen Daseins) auf. „Der Bergründer des Sāmkhya-Systems [Kapila] erkannte als die für den Menschen wichtigsten Eigenschaften aller Dinge, dass sie entweder Freude, Schmerz oder Gleichgültigkeit (Apathie, Bestürzung) erwecken. Die Freude coordinierte sich ihm mit den Begriffen des Lichtes und der Leichtheit, der Schmerz mit denen der Anregung und Beweglichkeit (Thätigkeit), die Apathie mit denen der Schwere und Hemmung“, ... so äußert sich das Sattva im Object durch Licht und Leichtheit, im Subjekt als Tugend, Wohlwollen, Glück, Heiterkeit u.s.w.; das Rajas in der Welt der Objecte in Kraft und Bewegung, im Subject als jede Art von Schmerz, Angst, Leidenschaft, Bosheit u.s.w., aber auch als Ehrgeiz, Streben und Thätigkeit; das Tamas in der Welt der Objekte als Schwere, Starrheit und Dunkel, im Subject als Kleinmut, Furcht, Stumpfsinn, Trägheit, Bewusstlosigkeit u.s.w. Das Sattva dominirt in der Welt der Götter, das Rajas in der der Menschen, das Tamas im Tier-, Pflanzen-und Mineralreich“ (Garbe, 1896:19-21). Hubbard wird die Umsetzung dieser Anschauungen in seine Theorie vermutlich nicht selbst vorgenommen haben, sondern von Crowley oder irgendwelchen anderen Personden, die mit der indischen Philosophie vertraut waren.
18
aus einem Engramm befreit wurde, Angst, dann Wut usw. entwickeln. Emotionen könnten dabei sehr schnell durchlaufen werden, aber die Reihefolge bliebe bestehen. Es wäre gemäß dieser Theorie unmöglich, dass während einer Entladung, also einer Freisetzung von Theta auf einer Emotionsstufe wie z.B. Hass die Stufe tiefe Trauer folgte, da diese unter Hass angesiedelt sei. Wäre jemand wütend, folgt als nächst höhere Tonstufe erst einmal Antagonismus oder Langeweile und nicht Heiterkeit, bzw. Begeisterung. Der Schritt zu Begeisterung wäre z.B. von der Emotionsstufe starkes Interesse wesentlich leichter zu bewerkstelligen, als von der Emotionsstufe Antagonismus aus. Tonskala ist der deutsche Begriff für tone scale und tone wird hier im Sinne von Niveau gebraucht. Die Emotion sei also lediglich ein, allerdings sehr leicht erkennbarer Parameter der Tonskala von Theta, es gäbe viel mehr Parameter für diese (SOS, 11 1968 [ 1 1951]:48ff). „The tone scale measures the ability of a human being to cope with the problems that arise for him. As such, it indicates also his emotional feeling and tone“(NOTL, 5 1968 [1951]:99). Hubbard hat zur Hilfestellung für Auditoren eine Tabelle zur Einstufung des Menschen und für Dianetik-Auditing aufgestellt, in der er neben der Skala für Emotionen noch 43 andere Skalen deterministisch angeordnet hat. Im Prinzip stellten all diese Spalten jeweils Eigenschaften von Theta da. So findet man z.B. die Eigenschaft „Fähigkeit, Vergnügen in der Gegenwart zu erleben“. Auf der Tonstufe 4, also bei einer Person, welche die meiste Zeit heiter ist, heißt es z.B. „Findet das Dasein randvoll von Vergnügen“ unter Emotion „Tatendrang, Überschwang“, unter Affinität „Liebe, stark und nach außen gerichtet“, unter Stufe der Hypnotisierbarkeit „Unmöglich ohne Drogen zu hypnotisieren“, unter Umgang mit Wahrheit „Hoher Begriff von Wahrheit“, unter Mutniveau „Hohes Mutniveau“. Den 44 Spalten (Eigenschaften von Theta und MEST) sind 11 Tonstufen zugeordnet. Wenn von diesen 451 Feldern jeweils nur eines an einer Person erkannt wäre, könne man von da aus sämtliche restlichen 43 Eigenschaften bzw. Fähigkeiten der Person ermitteln. Je nachdem, wo sich die Person befinde, müsse das Auditing-Verfahren ausgewählt werden, welches ihre Fähigkeiten nicht übersteige. So finden wir den Eintrag unter der Spalte Engramme, in der Zeile Tonstufe 1,1: „Berühren Sie auf dieser Stufe nie ein Engramm.“ Schauen wir entlang dieser Tonstufe weiter unter der Spalte Emotion nach, finden wir versteckte Feindseligkeit. Jetzt wissen wir, bei einen 1,1er 22 darf man nicht Engramme auditieren, weil er zu wenig freies Theta, nämlich laut Tabelle nur 10 % im Vergleich zu seinem Potential an Entheta besäße. Wir erfahren weiter aus den angrenzenden Spalten, dass er sich gewöhnlich schlecht konzentrieren könne; dass er andere zerstöre, und zwar durch
22 Im SOS eine Person, die chronisch versteckt feindselig sei (ebd.:276ff); In CoS eine Art Slang-Ausdruck für jemanden, der vom Charakter her chronisch heimtückig sei. 1.1 ist die entsprechende Zeile auf der Karte von WdÜ.
19
heimtückische Mittel; dass er nicht nur der Neigung unterläge, alles wörtlich aufzunehmen, sondern dieser Neigung durch gezwungenen Humor auszuweichen suche; dass er endokrine und neurologische Krankheiten besitze; dass Fröhlichkeit meist gezwungen sei; da wirkliches Vergnügen jenseits seiner Reichweite liege usw.. Das gesamte Buch SOS, das wichtigste unter den Dianetik-Büchern, erklärt nun jedes der 451 Kästchen ausführlich und scheint aufgrund seiner Art, klare Aussagen zu treffen, insbesondere, was die genaue Vorhersage von Wahrnehmungsfähigkeiten wie Sonik, Visio angeht, für Tests, besonders Gegentests wie sie Goodwin in seinem Buch Research in Psychology. Methods and Design verlangt, geeignet zu sein. Unter den 44 Parametern lassen sich solche finden, die einfach und sicher zu verifizieren sind, da sie nicht ohne weiteres veränderbar sind, wie z.B. Krankheit, Sprechvermögen o.a.. Gemäß dieser Tabelle könnte man Patienten mit verschiedenen Krankheiten darauf hin testen, ob sich zu der jeweiligen Krankheit die entsprechende Unfähigkeit z.B. beim bildlichen Erinnern im Gegensatz zu gesunden Menschen ergäbe oder nicht.
5.2.4. Die zweite Dynamik, Hubbard und die Sexualität
Einen Kontrollverlust (vgl. 9.9.) musste Hubbard bei seinem homosexuellen Sohn Quentin hinnehmen. Kein Auditing, keine RPF-Erziehungsmaßnahme 23 konnte dessen „Krankheit“ heilen und ihm vom Selbstmord abbringen (Miller, 1987:344-347; Pignotti, 1989). In der deutschen Fachwortsammlung 3 1979, welche die Definition vom DSTD 1975 übernommen hat, heißt es, dass die zweite Dynamik 24 der Drang zum Dasein als eine sexuelle oder bisexuelle Unternehmung und dem Buch Scientology. The fundamental of thought FOT, 1956(?):36-38 entnommen sei. Die hier erwähnte Bisexualität widerspricht aber der Tabelle in Science of Survival 11 1968 [ 1 1951] und der dazugehörigen Erklärung Spalte P Sexual Behaviour, Attidude Toward Children ( 11 1968:114ff [ 1 1951], in welcher Perversionen, bzw. abwegige Praktiken im untersten Bereich der Tonskala bei 1.1., der versteckten Feindseeligkeit angesiedelt werden und „großes Interesse am anderen Geschlecht“ einer Stufe, die über dem Gesellschaftlichen Niveau (dieses liege bei 1.1 s. folgendes Zitat), nämlich auf 3,5 , dem starken Interesse, bzw. Dianetik-Release läge, zuzuordnen sei.
23 RPF - Rehabilitation Project Force ist eine Art Strafkompanie der Sea Org, in der Sea Org Mitglieder, die sich als Feinde von Scientology entpuppt haben oder anderweitig nicht den Anforderungen der Organisation entsprechen mit harter Arbeit, Ethikmaßnahmen und Auditing wider auf Linie gebracht werden sollen (Haack, 1982:308ff).
24 Hubbard unterscheidet acht Dynamiken, d.h. Triebkräften mit denen ein Mensch überleben könne, für sich selbst, mit einem Geschlechtspartner, bzw. Lebenspartner, einer Gruppe, der Menschheit, mit Tieren und Pflanzen, mit dem physikalischen Universum, mit anderen Thetanen, mit Gott oder der Unendlichkeit (DYN, 1980:32-33).
20
“It will be noted, in observing the behavior of human beings, and on this chart of the tone scale, that promiscuity, perversion, sadism, and irregular practices fall far down the line. Free Love falls, also, in this very low band; since man is relatively monogamous and since it is non-survival not to have a well ordered system for the creation and upbringing of children, by families. A society which falls into this 1.1 band of the tone scale can be expected to abuse sex, to be promiscuous, to misuse and maltreat children, and to act, in short, much in the way current cultures are acting […] At 1.1 on the tone scale
we enter the area of the most vicious reversal of the second dynamic. Here we have promiscuity, perversion, sadism, and irregular practices. We have no enjoyment of the sex act but a hectic anxiety about it. The sex act cannot truly be enjoyed whether performed regularly or irregularly. Here is Free Love, easy marriage and quick divorce, and general sexual disaster. People at this level on the second dynamic are intensely dangerous in the society, since aberration is contagious. A society which
reaches this level is on its way out of history, as went the Greeks, as went the Romans, as goes modern European and American culture” (SOS,
11
1968 [
1
1951]:115-116, Unterstreichung von mir).
Seine eigenen schnellen Heiratsentschlüsse musste Hubbard hier vergessen haben, sowie seine Aktivitäten im OTO 25 und seine Begeisterung für Lehren Crowleys, die grundsätzliche Freiheit von eingrenzender gesellschaftlicher Moral propagieren (Crowley, 1973 [1911-1929]). Da die Definitionen im DSTD 1975 zusammengestellt wurden, muss davon ausgegangen werden, dass die Erwähnung von Bisexualität ca. bis zu diesem Zeitpunkt kein sehr großes Problem dargestellt hatte 26 . Aber in der Ausgabe von FOT 1988 finden wir das Wort Bisexualität nicht mehr. Stattdessen heißt es: “The second dynamic is the urge toward existence as a sexual activity” (1988 [1956]:40). Laut dem Autor von SuperScio, sei Hubbard in den 60iger Jahren toleranter gewesen. Er schreibt:
“WHAT IS: The CofS is currently anti-homosexual. Practicing homosexuals are currently blocked from upper levels. WHAT ISN'T: This was not the case until sometime in the 1980s. The only early reference by Ron was that thetans basically don't have a sex (there aren't male and female thetans). It was believed that people became homosexual due to mental charge of some sort (such as a bad incident that might need to be run out), but when this charge was removed, they tended to become bisexual (no longer blocked from heterosexual relations) rather than abandoning homosexuality. There was even an idea circulating among staff in the 1960s that everyone should try a homosexual experience once just to get your TRs in on it (in other words, get your confront up on it). I know a few who tried it on this basis and even one girl who decided that she liked being gay better. However, most of us (including myself) felt that just because you hadn't screwed a gorilla, it didn't mean that you had to go and do it just to get your TRs in. Even so, the place was liberal and safe for alternative lifestyles. The idea of removing mental charge was that nobody would be prejudiced or much bothered by anything as long as no one was getting hurt. WHAT IS: The Sea Org is currently pushing a very conservative sexual morality. SO members can be put into liability (a lower ethics condition with amends projects etc.) for sleeping with someone outside of marriage. WHAT ISN'T: This is again the reverse of the early attitude which was exceedingly liberal. Basically, there were no rules until the 1965 policy "Student's guide to acceptable behavior" and the sexual rules in this were canceled in
1967 by the policy "New Second Dynamic Rules" (the first dynamic is self, the second dynamic is
25 „Then Hubbard comes along and starts having affairs with one girl after another in the house and finally fastens on to Betty. I couldn’t believe it was happening. There he was, living off Parsons’ largesse and making out with his girlfriend right in front of him” (Miller, 1987:117) Ordo Templi Orientis - Orientalischer Templer-Orden, okkultistische Geheimgesellschaft, dem irgendwann Crowley vorsteht.
26 In der deutschen Ausgabe von Dynamics and the Tone Scale heißt es 1980 noch: „Die Zweite Dynamik ist der Drang zum Dasein als eine sexuelle Unternehmung oder eine Unternehmung in bezug auf zwei Geschlechter“ (DYN, 1980:32).
21
sex/family/children, the third dynamic is groups, etc.) which says there are no rules except that ethics can hold you responsible if you mess up somebody's case” (Ogger, 1996).
In den neuen Regeln für die zweite Dynamic heißt es: “Alle Ethik-Anordnungen, die jetzt in Kraft sind und sich auf die zweite Dynamik beziehen, sind aufgehoben ... Einer der grundlegendsten Bereiche von Aberration im Menschen ist die zweite Dynamik. Auditing, nicht Disziplin, ist das Einzige, was eine Aberration solcher Stärker auslöscht“ (HCOPL, 11.08.1967). Abgesehen davon, dass Hubbard zehn Jahre zuvor die übermäßige Betonung von Sex in der Psychoanalyse kritisierte 27 , lässt das Zitat vermuten, dass es zu Lockerungen in der Sexual-Moral gekommen war, denen Hubbard mit rigiden Regeln beizukommen versuchte, die er dann aber wieder zurücknahm. Ogger schreibt weiter:
”Interestingly enough, when they started pushing strict sexual mores, a LRH technical bulletin came out called "Pain and Sex". This is actually from the 1952 tapes (see the technique 88 lectures) and is out of context. Pain and sex were indeed bundled up together by implants and thetans have committed many overts in the area, but Ron's advise at that time was not to abandon sex but simply to run out the incidents” (Ogger, 1996).
Das HCOB Pain and Sex wurde erst am 26.08.1982 herausgegeben und scheint sehr wohl eine generelle Absage an Sex zu intendieren:
„There are two items in this universe that cause more trouble than many others cobinded. One is PAIN. The other is SEX…. They may have applications but they are used by destructive beings in great volume to cave others in. Despite the false data of Freud, psychologists, psychiatrists and other criminals, they are not native to a being. They are only artificial wave lengths. They have exact
frequencies that can be manufactured. A being or a mahine can synthesize either one […] Sex is a lock on and perversion of the „joy of creation“, which involves a whole being and expands him, but by using just one ware length, sex, this can be perverted and he contracts […] Go into an asylum or a prison and look at the increasing institutional [hier merkt er nicht, dass er wie Freud selbst alle Unbill auf die Ursache Sex bezieht] population and know what you are looking at. In the main, these are pain and sex addicts, decadent and degraded and no longer capable […] These are data which emerged from recent thorough research of the whole track. This is not theory or some strange opinion. It is provable eletronic fact. The waves are just synthesized […] As both, pain and sex could have messed up your life, the above may be some answers you’ve been looking for” (HCOB, 26.08.1982, Unterstreichung von mir).
Neben dem Umstand, dass sich die Behauptungen nahtlos an Hubbards galaktischen Verschwörer-Theorien (vgl. 8.3.) anschließen, ist eine Einteilung in natürliche, d.h. integrierte und künstliche, d.h. isolierte Wellen schwer nachvollziehbar. In gewisser Weise legt sich
27 “However, to one who has adventured amongst barbarian peoples and who has inspected aberration in its many guises, the concentration on sex as the sole offender as pretended in the “libido theory” of Sigmund Freud becomes unreal. Races which have no sexual inhibitions of any kind are yet aberrated. In fact I know of several savage races which find so little meaning in sex that they do not even bother to trace ancestry seriously, and when they do wish to connect themselves with a family connect themselves on the mother’s side, as one can be fairly certain what woman bore him when one is uncertain as to who influenced the birth from the masculine side. Yet these races, free as the wind on the second dynamic, are yet intensely aberrated in other quarters. Some are aberrated on the eighth dynamic of God, some on the first of self. The American Indian, for instance, is enormously aberrated in the field of animals, but not much inhibited in the field of sex” (PAP Nr. 9, 10.07.1956).
22
Hubbard auf „Sex = künstlich und schlecht“ fest und nimmt eine Haltung ein, die dem starken Interesse an Sex seines Clears im SOS widerspricht.
Mit dieser Erörterung beanspruche ich nicht, das Thema dieses Kapitels umfänglich behandelt zu haben. Der spekulative Charakter und die Wechselhaftigkeit der Aussagen Hubbards zum Thema Zweite Dynamik können jedoch nicht übersehen werden.
5.2.5. Das ARK-Dreieck
Wie bereits im Kapitel über die Tonskala und die Tabelle der Einstellungen dargestellt, geht Hubbard von unterschiedlichen Fall-Stufen der Menschen aus. Hubbard setzt nun die drei Parameter Affinität (Verbundenheitsgefühl), Realität und Kommunikation mit besonderem Nachdruck in ein Abhängigkeitsverhältnis. Er sagt, dass man z.B. mit einer Person nur dann richtig kommunizieren könne, wenn man sich dem Affinitätsniveau, bzw. der Emotionsstufe der anderen Person anpasse. Gleichfalls könne z.B. keine gemeinsame Realität (z.B. Übereinstimmung über irgendein Gesprächsthema) mit jemand aufgebaut werden, dessen Affinitätsstufe gerade Zorn sei. “As people descend the tone scale they become more and more difficult to communicate with, and things with which they will agree become more and more solid. Thus we have friendly discourse high on the scale and war at the bottom. Where the affinity level is hate, the agreement is solid matter, and the communications . . . bullets” (FOT, 1988[1956:45ff).
Der Erfolg in einer Kommunikation hänge laut Hubbard nicht davon ab, wie hochtonig man selbst sei, sondern davon, wie sehr man sich der Tonstufe des anderen so annähern könne, dass der andere die ausgesendete Kommunikation überhaupt verstehe. So müsse z.B. bei der Herausgabe einer Zeitung die Tonstufe der Bevölkerung beachtet werden. Würde man die Zeitung mit zuviel konstruktiven Beiträgen versehen, während die Tonstufe der Bevölkerung weit unter dem Level liegt, welcher konstruktive Ideen akzeptieren könnte, wäre der Absatz der Zeitung gefährdet. Dementsprechend ließe sich umgekehrt die emotionale Tonstufe einer Gesellschaft ziemlich genau ermitteln, indem man untersuche, was in ihren gesellschaftlichen Druckerzeugnissen publiziert würde, da diese Erzeugnisse
von Faktoren wie Werbeleuten und Auflagehöhe direkt abhängig seien. (PDCLs, Bd.7, 2 1984 [1952]:30).
Auswertung
Zusammenfassend möchte ich festhalten, dass Hubbard in dem Zeitraum von 1938 - 1950 (in der Zeit, als das Manuskript für Dianetics: The original thesis laut Vorwort als das Resultat einer Untersuchung entstanden sei, die bereits 1932 begonnen wurde) zumindest nach eigenen
23
Worten Wert darauf legte, den Bereich des Denkens in einen wissbaren und unwissbaren Bereich einzuteilen wie es Goodwin in dem Abschnitt Empirical Questions (Goodwin: 2 1998:13-14) verlangt. Die sogenannte Tonskala lässt sich theoretisch ohne Mühe mit der Theta-MEST-Hypothese vereinen und zeigt meines Erachtens keine groben Mängel, was die systemimmanente Plausibilität betrifft. Im Bereich der sogenannten zweiten Dynamik gibt es theoretische Unstimmigkeiten und Vakanzen.
Die Theta-MEST-Theorie verliert innerhalb der späteren Scientology-Theorien an Bedeutung, weil aus dem Theta-Substanz-Begriff von SOS ein Theta-Körper, bzw. ein Theta-Wesen und dann der Thetan (s. Kap. 8.4.) wird. Die Lebensenergie, die Hubbard mit „Denken“ gleichsetzt, wird dort personifiziert, d.h. zur Seele und so zum zentralen Angriffspunkt für die Verfahren von Scientology.
5.3. Der reaktive Mind
“The reactive mind is possessed by everyone. No human being examined anywhere was discovered to be without one or without aberrative content in his engram bank, the reservoir of data which serves the reactive mind. What does this mind do? It shuts off hearing recall. It places vocal circuits in the mind. It makes people tone-deaf. It makes people stutter. It does anything and everything that can be found in any list of mental ills: psychoses, neuroses, compulsions, repressions...What can it do? It can give a man arthritis, bursitis, asthma, allergies, sinusitis, coronary trouble, high blood pressure, and so on down the whole catalogue of psycho-somatic ills, adding a few more which were never specifically classified as psycho-somatic, such as the common cold […] Discharge the content of this mind’s bank and the arthritis vanishes, myopia gets better, heart illness decreases, asthma disappears, stomachs function properly, and the whole catalogue of ills goes away and stays away. Discharge the reactive engram bank and the schizophrenic faces reality at last, the manic-depressive sets forth to accomplish things, the neurotic stops clinging to books which tell him how much he needs his neuroses and begins to live, the woman stops snapping at her children and the dipsomaniac can drink when he likes and stop. These are scientific facts. They compare invariably with observed experience” (DMSMH, 1987 [ 1 1950]:71-72, Unterstreichung von mir).
In diesen Aussagen wird der umfassende Anspruch, den Hubbard mit Dianetik erhebt, deutlich. Viele, ja beinahe sämtliche Krankheiten sind für ihn psychosomatisch verursacht, ohne dass hierfür wissenschaftliche Untersuchungen vorliegen bzw. von ihm vorgenommen wurden. Er behauptet dies schlicht und hat somit eine Begründung, weshalb Dianetik darauf angewendet werden könnte. Die Betonung, dass seine Aussagen wissenschaftlich belegt seien, finden wir besonders im DMSMH und SOS. Im Folgenden sollen die Grundbausteine des reaktiven Verstandes erläutert werden. In diesem Kontext spricht Hubbard von Engrammbank, weil er die Vorstellung von gespeicherten Daten wie in einer Bibliothek 28 ,
28 Dementsprechend spricht Hubbard in der frühen Dianetik von einem Archivar des PC, der den Auditoren bei der Auffindung eines Geschehnisses in der „Datenverarbeitungsanlage“ helfen würde (DMSMH, deutsch, 1984:512).
24
Arbeit zitieren:
Tilo Müller, 2007, Dianetik und Scientology in ihrem Anspruch als Wissenschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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