Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung und Fragestellung 3
2. Die Hamas 3
2.1. Eine religiöse Organisation 4
2.2. Eine politische Organisation 5
2.2.1. Wahlbeteiligung 7
2.2.2. Ideologien 7
2.2.3. Politik und Charta 9
2.2.4. Kritische Betrachtung 11
2.3. Eine soziale Organisation 12
2.3.1. Karitas 13
2.3.2. Kritische Betrachtung 14
3. Terrorismus 15
4. Kampf und Terror 16
5. Kampf und Karitas als gemeinsame Faktoren 17
6. Fazit 21
Literaturangaben
2
1. Einleitung
In den Medien wird von der Hamas zumeist nur als terroristische Bewegung gesprochen, demnach fällt ihr Name häufig nur in Verbindung mit Selbstmordattentaten oder Verbindung mit Konflikten mit Israel. Seit der gewonnen Wahl im Jahr 2006 wird die Hamas mit ihren beiden Flügeln in der Literatur jedoch zunehmend dual, quasi als terroristische und politisch-soziale Bewegung wahrgenommen, weshalb in dieser Seminararbeit die Hamas als religiöse, politische und soziale Bewegung unter Rücksichtnahme auf den militanten Flügel untersucht wird. Ferner wird eine Verbindung zwischen dem verstärkt proklamierten karitativen Handeln und der fortwährenden terroristischen Aktivität hergestellt, um damit versucht zu beantworten, welchen Stellenwert und Nutzen die Karitas für die Hamas hat. Dabei wird auf den fundamentalistischen sowie pragmatischen Anklang der Bewegung eingegangen und eine Parallelität hinsichtlich der Dualität von der Gewalt und der Karitas aufgezeigt. Ebenfalls werden die Ansichten verschiedener Autoren bezüglich der Auseinandersetzung mit der Hamas im aktuellen Kontext wiedergegeben, wobei der Schwerpunkt hier auf den politischen sowie sozialen Faktoren gelegt wird.
2. Die Hamas
In diesem Abschnitt wir das Gesamtbild der Hamas grob in drei Teile zerlegt, welche religiöse, politische und soziale Faktoren behandeln. Eine stringente Trennung dieser drei Bereiche ist jedoch aufgrund des komplexen Netzwerkes dieser Faktoren nur bedingt möglich. Insbesondere durch die zunehmende Vielschichtigkeit seiner Mitglieder, kann die Hamas nicht mehr als reine fundamentalistische Bewegung gesehenen werden, was sich unter anderem in dem politischen Bestreben und mit den, im Jahr 2006, gewonnen Wahlen zusehends verdeutlicht, so dass die Hamas weiterhin fundamentalistisch aber nun auch pragmatisch zu sprechen bzw. zu handeln begonnen hat 1 . Diese Tendenz der Dualität wird
insbesondere im Unterpunkt über die verschiedenen Ideologien näher behandelt. Die Hamas Bewegung wird in der ausgewählten Literatur zumeist als terroristische Bewegung wahrgenommen, wobei zum Teil die jeweiligen Autoren ihre Positionen positiver darstellen, wenn sie den aktuellen politischen Kurs der Hamas beleuchten. Die unterschiedliche Argumentation wird in der folgenden Bearbeitung näher gekennzeichnet.
1 Vgl. Monachem, Klein: Hamas in Power, in: The Middle East Journal, hrsg. v. Middle East Institute/ Harvey P. Hall, Washington 2007 S. 442 (,im Folgenden zitiert als: Monachem, Hamas in Power).
3
Neben ihren terroristischen Aktivitäten errichtete die Bewegung in den vergangenen Jahren seit ihrer Gründung ein enges Netz an sozialen Einrichtungen, wodurch sie dadurch besonders bei den ärmeren Bevölkerungsteilen und Flüchtlingslagern Sympathisanten sammeln konnte und der These von Flug folgernd, aus eben diesen Lagern „viele der Selbstmordattentäter rekrutierte“ 2 .
Die Hamas werde nach Bröning und Meyer, in den Medien häufig als starre und dogmatische Einheit wahrgenommen und in Untersuchungen daher häufig nur in den Bewertungskriterien hinsichtlich der Entwicklung als moderat oder radikal betrachtet, ohne den nach der Wahl entstandenen „Transformationsprozess der Organisation von einer terroristisch agierenden politisch-sozialen Bewegung hin zu einem pragmatischen Akteur 3 von Staatlichkeit“ zu berücksichtigen . Sofern tatsächlich ein Wandlungsprozess fernzuhalten ist, wird in den folgenden Kapiteln näher untersucht.
2.1. Eine religiöse Organisation
Bereits im ersten Unterpunkt über die Religiosität der Bewegung bzw. ihrer Mitglieder, wird wiederum auf grundlegende Einstellungen und Haltungen verwiesen, welche sich auf ein breiteres Themenfeld, als die der religiösen Argumentation, beschränken. Generell lässt sich eine starke Verknüpfung zwischen einer religiösen Argumentation bzw. Legitimation und der tatsächlichen sozialen wie terroristischen Handlung erkennen. So habe die islamische Ideologie, nach Menachem Klein, die Bewegung nicht davor bewahrt von einer 4 . Es wird trotz einer fundamentalistischen zu einer radikalen Haltung zu wechseln
politischen sowie teilweisen gesellschaftlichen Öffnung dem Westen gegenüber versucht jegliche säkulare Tendenz in den Einflüssen der westlichen Kultur auf die religiös geprägte palästinensische Bevölkerung abzuhalten, was in den folgenden Abschnitten detailierter behandelt wird.
Nach Richardson wenden sich insbesondere militante islamische Bewegungen radikal gegen die Globalisierung und versuchen den äußeren Einfluss zu unterdrücken und sich vielmehr auf das traditionelle islamische Recht, der Scharia, zurückzubesinnen, wobei ein
2 Flug, Noah/ Schäuble, Martin: Die Geschichte der Israelis und Palästinenser, München 2007, S. 128 (, im Folgenden zitiert als: Flug/Schäuble, Israelis und Palästinenser).
3 Bröning, Michael/ Meyer, Henrik: Halb zog es sie, halb sank sie hin. Die Hamas entwickelt sich langsam zur staatstragenden Organisation, in: Internationale Wirtschaft. Theorie und Politik der Außenwirtschaft 64 9/10, 8. akt. Auflage, hrsg. v. Paul R. Krugman/ Maurice Obstfeld, München 2009, S. 32 (, im Folgenden zitiert als: Bröning/Meyer, Hamas als staatstragende Organisation). 4 Vgl. Monachem, Hamas in Power, S. 442.
4
Paradoxon entsteht, da sich dieselben Gruppierungen ebenfalls zur Verbreitung ihrer
Ideologien an den Instrumenten der Globalisierung bedienen 5 Bezogen auf die Hamas
strebt der fundamentalistische Teil weiterhin eine vormoderne Vision an, welche auf den
Inhalten der Charta fußt, wohingegen die Bewegung selbst sich „ultramoderner Mittel
bedient , das Internet nutzt , um zu kommunizieren, zu rekrutieren, zu mobilisieren,
zu organisieren und sogar Spenden einzutreiben“ 6
Insbesondere die Gründungscharta von 1988 verweist auf den religiösen Hintergrund der
Islamischen Widerstandsbewegung:
„Gott ist ihr der Bewegung Ziel, der Gesandte Gottes ist ihr Vorbild, der Koran die
Verfassung, der Dschihad ist ihr Weg, und der Tod für die Sache Gottes ist ihr erhabenster
Wunsch Wenn die Feinde etwas vom Land der Muslime usurpieren , wird der
Dschihad zu einer individuellen Pflicht für jeden Muslim. Um der Usurpation Palästinas
durch die Juden zu begegnen, muss das Banner des Dschihad erhoben werden. Dies
erfordert die Verbreitung des islamischen Bewusstseins unter den Massen - auf lokaler,
7
arabischer und islamischer Ebene“
Die religiös fundierte Propaganda nutzt somit religiös aufgeladene Symbole und
Formulierungen , um gegenüber der islamische Anhängerschaft bzw. Bevölkerung die
Kampfhandlungen und Terroranschläge der Hamas zu legitimieren und darüberhinaus auch
zu diesen zu mobilisieren.
2.2. Eine politische Organisation
Nach ihrer Gründung 1987 stand die Hamas vor dem Problem, „in einem bereits
überfüllten politischen Feld konkurrierender militanter Gruppen eine eigene Nische zu
8 So musste sich der Spätankömmling, nach Hoffmann, nicht nur gegen die
finden “
konkurrierenden terroristischen Organisationen abgrenzen und sich als palästinensische
Befreiungsbewegung etablieren, sondern auch gegenüber der „mächtigen
Vertretungskörperschaft, der Palästinensischen Befreiungsorganisation PLO , die zur
vorherrschenden Kraft in der palästinensischen Politik aufgestiegen war“ behaupten 9
5 Vgl. Richardson, Louise: Was Terroristen wollen. Die Ursachen der Gewalt und wie wir sie bekämpfen
k önnen, aus dem Englischen von Hartmut Schickert, in: Bundeszentrale für politische Bildung Schriftenreihe
Band 679, Bonn 2007, S. 94-95 (, im Folgenden zitiert als: Richardson, Was Terroristen wollen)
6 Richardson, Was Terroristen wollen, S. 95.
7 Flug/Schäuble, Israelis und Palästinenser, S. 127-128.
8 Hoffman, Bruce: Terrorismus. Der unerklärte Krieg. Neue Gefahren politischer Gewalt, aus dem Englischen
von Klaus Kochmann, Frankfurt am Main 2008, S. 231 (, im Folgenden zitiert als: Hoffman, Der unerklärte
Krieg )
9 Hoffman, Der unerklärte Krieg, S. 231.
5
Hoffmann stellt weiter die These auf, dass die Hamas Bewegung bereits 1998 10 „bis zu 70 Prozent der Bevölkerung im Westjordanland und im Gaza-Streifen hinter sich hat“, was unter anderem durch die Hinwendung zum Selbstmordterrorismus, „der gleichsam zum Markenzeichen der Organisation wurde“ ermöglicht worden sei 11 . Hierbei steht jedoch wahrscheinlich vielmehr die vermittelte Aktivität im aktuellen Geschehen im Vordergrund, da der größere Zulauf an Sympathisanten sicherlich eher durch Politik und Karitas entstanden ist. Der Bezug zum religiös gerechtfertigten Selbstmordterrorismus kann dieser, nach Hoffman, gegebenenfalls auf die „Rivalitäten zwischen palästinischen Terroristengruppen [geführt werden] [...] [wer die] die meisten Selbstmordattentäter mobilisieren und einsetzen konnte um die Unterstützung der palästinensischen Bevölkerung zu gewinnen“ 12 .
Zuvor hatte die Hamas mit ihrer Partei schon im Jahr 2004/2005 politische Erfolge durch einen hohen Stimmenzufluss in den Kommunalwahlen aufweisen können, doch wurde ihr 13 . Nach Reformprogramm mit dem sie zur Wahl angetreten war, bisweilen nicht umgesetzt der Wahlniederlage der Fatah folgten bewaffnete innerpalästinensische
Auseinandersetzungen, welche im Juni 2007 durch die gewaltsame Machtübernahme der Hamas ihren Höhepunkt fand und seitdem die palästinensischen Gebiete politisch gespalten sind 14 .
Doch wurde, nach Muriel Asseburg, „in Europa und in den USA übersehen, dass bei der Hamas in den letzten Jahren ein bedeutender Strategiewandel stattgefunden hat“ und zwar von einer militanten Widerstandsbewegung hin zu der Beteiligung am politischen System 15 der palästinensischen Autonomiebehörde . Hierbei zeigt sich, dass die Hamas zwar
innerhalb der palästinensischen Gebiete als politische Partei zu etablieren versucht und mit politischen sowie sozialen Mitteln versucht ihre Ziele umzusetzen, was die These Asseburgs unterstützt. Dennoch wird insbesondere im fünften Kapitel darauf verwiesen, dass die Hamas weiterhin einen militärischen Zweig unterhält und terroristische Aktionen, zumeist außerhalb ihres politischen Gebietes, ausführt, was wiederrum zwar auf einen
10 Die angegebene prozentuale Angabe des Autors stützt sich wahrscheinlich auf Werte des Veröffentlichungszeitraumes um 1998.
11 Hoffman, Der unerklärte Krieg, S. 231.
12 Hoffman, Der unerklärte Krieg, S. 242.
13 Asseburg, Muriel (Hrsg): Moderate Islamisten als Reformakteure. Rahmenbedingungen und programmatischer Wandel, in: Moderate Islamisten als Reformakteure, Schriftenreihe Band 716 Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2008, S. 81 (im Folgenden zitiert als: Asseburg, Moderate Islamisten).
14 Asseburg, Moderate Islamisten, S. 81. 15 Asseburg, Moderate Islamisten, S. 18.
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Arbeit zitieren:
Damian Tylla, 2010, Kampf und Karitas, die Doppelgesichtigkeit der Hamas, München, GRIN Verlag GmbH
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