Inhaltsverzeichnis:
Seite :
1. Einleitung und Fragestellung 2
2. Begriffserklärung 2
3. Ursprung der Bruderschaft 4
4. Einordnung der Bruderschaft 6
5. Gründungsphase 6
5.1. Beispiel Werler Kaland 7
5.2. Beispiel Bielefelder Kaland 7
5.3. Beispiel Göttinger Georgs-Kaland 8
6. Priester oder Laienbruderschaft 9
7. Quellenauswahl Urkundenbuch von Groningen 11
8. Statuten 12
8.1. Statuten Bielefelder Kaland 12
8.1. Statuten Groningen 14
9. Organisationsform und Aufgaben 15
9.1. Versammlungen 15
9.2. Tägliche Leistungen 16
10. Mahlpraxis 17
10.1. Beispiel Werler Kaland 18
10.2. Beispiel Bielefelder Kaland 18
11. Äußere Wahrnehmung 19
12. Devotio Moderna 20
13. Kritik und Auflösung 21
14. Fazit 21
Literatur - und Quellenauswahl
1. Einleitung und Fragestellung
Bruderschaften hatten innerhalb des Mittelalters eine wichtige Bedeutung, wobei eben diese sich in ihrer Form, Orientierung und Wirkung teilweise erheblich unterscheiden. Das Augenmerk dieser Seminararbeit richtet sich jedoch nur auf einen spezifischen, religiös geprägten, Bruderschafts-Typ, welcher sich wiederrum in verschiedenen Teilbereichen auffächert. Basierend auf den Seminartitel „Religion und Frömmigkeit im Spätmittelalter am Niederrhein“ wird ein Themenbereich aus diesem Komplex behandelt. Der Teiltitel der Seminararbeit „Kalands- und Priesterbruderschaften“ bezieht sich letztendlich auf eine Organisationsform einer Bruderschaft, deren Kriterien in den folgenden Abschnitten genauer untersucht werden. Der zeitliche Schwerpunkt des Spätmittelalters wird in diesem Kontext berücksichtigt, die örtliche Zentrierung auf den Niederrhein jedoch erweitert um das Phänomen des Kalands besser beschrieben zu können. Eine hierbei sich ergebende Fragestellung besteht darin, inwieweit eine Unterscheidung der Mitgliederpräsenz von Priestern, Laien sowie Männern und Frauen generell bei diesem anscheinenden Sammelbegriff möglich ist und welche Rolle die Toten-Memoria innehat.
2. Begriffserklärung
Kalands- und Priesterbruderschaften bezeichnen in der Literatur zuweilen häufig dieselben Personengruppierungen, daher ist es leider nicht möglich einen „Stereotypen“ eines allgemeingültigen Kalands im Spätmittelalter zu formulieren, da „verschiedene Typen von Priesterbruderschaften“ darunter fallen 1 . Wie bereits
angedeutet, kann das Begriffspaar „Kaland- und Priesterbruderschaften“ nicht real voneinander getrennt werden, da diese eng miteinander verbunden waren, bzw. im Sprachgebrauch nicht unterschieden wurden.
Die allgemeine Wortbedeutung „Caland“ leitet sich von dem Sprachgebrauch der „heydnischen Römer“, hinsichtlich der Beschreibung einer Versammlung an „einen ieden ersten Tag eines ieglichen Monats im Jahr“ und fundiert neben der lateinischen
11 Prietzel, Malte: Die Kalande im südlichen Niedersachsen. Zur Entstehung und Entwicklung von
Priesterbruderschaften im Spätmittelalter, in: Veröffentlichungen des Max-Planck Instituts für
Geschichte 117, Göttingen 1995, S. 35; (im Folgenden zitiert als: Prietzel, Kalande Niedersachsen).
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Bedeutung auf einer Ableitung aus dem griechischen „voco“; „ich ruf[...]e zusammen“ 2 .
Neben dem Begriff Kaland sind weitere Titulierungen, wie: Kaland-Brüder in deutschen Texten, Fratres Calendarii in lateinischen Ausführungen, Kalands Brethren in englisch sprachigem Raum oder Kalendenbroederschap in der Niederlande gebräuchlich. Diese nehmen jedoch natürlich keine allgemeine zwingende Repräsentativität für den Sprach- sowie Deutungsgebrauch im Spätmittelalter ein.
Die Bruderschaften entstanden „im 13. Jahrhundert [...]“ und waren „Bruderschaften von Geistlichen und Laien, die sich Fraterniatates Kalendarum (= Kalandsbruderschaften) nannten, weil sie immer an einem festliegenden Datum 3 zusammentraten“ . Die Gruppierungen, die diese im jährlichen Turnus stattfindenden Versammlungen vollzogen, wurden „in der gesprochenen Sprache Bruderschaft, Schwesterschaft, Gilde, Kaland oder Graal genannt“, hier wird ersichtlich, dass ebenfalls Frauengruppierungen derart auftraten bzw. Kalande auch aus Frauen und Männern bestanden 4 .
Der älteste Kaland wurde in Laer, Westfalen, mit einem Gründungsdatum um 1279 betitelt, des Weiteren existierte um 1350 diese Form der Bruderschaft in jeder 5 . Die Ausbreitung war neben Deutschland auch in den Niederlanden, größeren Stadt
Dänemark, Norwegen, Ungarn und Frankreich zu erkennen 6 .
2 Blumberg, Christian Gotth: Kurtze Abbildung des Kalandes, oder derer so genannten Kaland-
Bruderschafften, Chemnitz 1721, Kapitel 1, S. 1; (im Folgenden zitiert als: Blumberg, Abbildung des
Kalandes).
3 Preising, Rudolf: Der Werler Kaland und seine Mitglieder. Ein Blick in die gesellschaftliche
Schichtung des Werler Bürgertums vergangener Jahrhunderte, in: Schriften der Stadt Werl, Reihe A,
Historisch-wissenschaftliche Beiträge Heft 3, Werl 1958, S. 7-8; (im Folgenden zitiert als: Preising,
Werler Kaland).
4 Helmert, Theodor: Der große Kaland am Dom zu Münster im 14. bis 16. Jahrhundert. Inaugural
Dissertation, Münster 1979, S. 1; (im Folgenden zitier als: Helmert, der große Kaland).
5 Stupperich, Robert: Art. Bruderschaften/ Schwesterschaften/ Kommunitäten, in: TRE7, Berlin 1981,
S. 195-206.
6 http://www.textmanuscripts.com/manuscript_description.php?id=2949&%20cat=History+%26+Liter
ature&#, S.3; (im Folgenden zitiert als: textmanuscripts, Kalands Brethren).
3
3. Ursprung der Bruderschaft
Ursprünglich basierten diese Bruderschaften auf eine „Versammlung der Dekanatsgeistlichen unter dem Vorsitz des Archdiakons oder Archipresbyters“ und war demnach eine Zusammenkunft, die zur „rein kirchlichen Beratungen“ diente und „in der Regel am Monatsersten statt“ fanden 7 . Die Bruderschaften wurden häufig nach ihrem Sitz, bzw. des Sitzes des jeweiligen Archdiakonats benannt 8 . Hier lässt
sich von der Versammlung, bzw. Bruderschaft noch als eine Art Priester-Bruderschaft sprechen, da im Sinne einer kirchlichen Beratung nur Priester zugelassen waren.
Die sogenannten Priesterkalenden werden etwa im 9. Jahrhundert, z.B. im fränkischen Osten, namentlich erwähnt und bezeichnen eine „ Versammlung der Priester an den Monatsanfängen“, welche typische Merkmale des Kalendenfestes tragen; „1) das divinum mysterium, das Meßopfer, in dessen Rahmen das Totengedächtnis gehalten wurde, und 2) das prandium oder convivium, das 9 gemeinsame Essen und Trinken“ . Wichtig ist bei dieser Zuordnung hinsichtlich der Fragestellung zu beachten, dass es sich hierbei um „Kalenden“, d.h. „alte Priestergemeinschaften“ handelt und somit schon einmal die Bezeichnung „Priesterbruderschaft“ als solche stützt 10 . Diese werden u.a. ebenfalls als „Wurzel für
die Landkapitel des 13. Jahrhunderts“ gesehen. Die Öffnung Laien gegenüber fand erst im Nachhinein statt und wird später detailierter behandelt. Diese zuvor benannte geistliche Konferenz, welche in relativ kurzen zeitlichen Abständen tagte, wurde durch eine „jährlich einmal stattfindende gesellschaftliche 11 Festfeier mit Entrichtung von Almosen“ abgelöst . Der Wandel von den Priester-
Bruderschaften zu Kalandsbruderschaften vollzog sich letztendlich durch die Zulassung von Laien, wobei auch hier die Übergänge und Zuordnungen der Mitglieder in ihrer Funktion zu vermerken sind 12 .Hierbei ist jedoch zu beachten, dass
je nach Region neben männlichen Laien auch Frauen zugelassen wurden, wobei die
7 Preising, Werler Kaland, S. 8.
8 Prietzel, Georgs Kaland, S. 52.
9 Helmert, der große Kaland, 23-32.
10 Helmert, der große Kaland, S. 32.
11 Preising, Werler Kaland, S. 8.
12 Preising, Werler Kaland, S. 8.
4
Unterscheidung zwischen einem Mitglied oder einem Spender bzw. „Sympathisanten“ der Bruderschaft häufig nicht eindeutig waren 13 .
Meist gab es innerhalb der spätmittelalterlichen Städte mehrere religiöse Bruderschaften, am Beispiel Göttingens sind mindestens drei aufzuweisen, wobei der Georgs-Kaland der größte und vermögendste Kaland war und im Kontext der Stadt 14 . Das Göttingen in dieser Ausarbeitung nur diese Bruderschaft behandelt wird Vermögen dieser Bruderschaft betrug bei dessen Auflösung nach der Reformation 12.000 Gulden 15 . Dies wiederum verdeutlicht eine starke wirtschaftliche Präsenz, welche aktiv von den Kalandsbrüdern ausgeübt wird, da diese intern u.a. die Zielsetzung hatten das Kalandsvermögen zu mehren.
Die Verbreitung dieser Form der Bruderschaften war insbesondere im 13.Jahrhundert festzustellen und erstreckte sich „in ganz Norddeutschland, von Westfalen bis Pommern, und sogar im Deutschordensland“ und entstand ursprünglich häufig „in 16 . Bindung an das Niederkirchenwesen“
Wichtig ist jedoch ebenfalls zu beachten, dass keine „Gleichstellung der Kalande mit 17 jenen Kalenden“ vorliegt, da Kalande alle Schichten der Bevölkerung umfassen ,
so dass zumindest teilweise eine Trennung zwischen der Bezeichnung „Priesterbruderschaft“ und „Kalandsbruderschaft“ möglich ist. Die Bruderschaften, obgleich einer Priester- oder Laienbruderschaft, dienten zumeist 18 . „In größeren Städten der „Verfolgung von geistlichen oder religiösen Zwecken“ sind Bruderschaften“ teilweise schon vor dem 12. Jahrhundert entstanden, die größere Anzahl der Gründungen vollzog sich „seit der Mitte des 14. Jahrhunderts bis in das 15. Jahrhundert hinein“ 19 .
13 Helmert, große Kaland, S. 80.
14 Prietzel, Malte: Der Göttinger Georgs-Kaland. Eine Bruderschaft als Kreditinstitut und
stiftsähnliche Pfründanstalt, in: Göttinger Jahrbuch 37, hrsg. v. Geschichtsverein für Göttingen und
Umgebung e. V., Göttingen 1989, S. 51; (im Folgenden zitiert als: Prietzel, Georgs Kaland).
15 Prietzel, Georgs Kaland, S. 51.
16 Prietzel, Georgs Kaland, S. 52.
17 Helmert, der große Kaland, S. 46.
18 Militzer, Klaus: Bruderschaften als Ausdruck der Volksfrömmigkeit und des Wegs zu Gott und in
das Paradies, in: Revista Mirabilia 2, e-Journals für Geschichte der Antike und des Mittelalters, S. 1;
(im Folgenden zitiert als: Militzer, Bruderschaften Volksfrömmigkeit).
19 Militzer, Bruderschaften Volksfrömmigkeit, S. 2.
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4. Einordnung der Bruderschaft
Die Bruderschaften waren meistens „überpfarrliche Einrichtungen“, so dass diese nicht „der Aufsicht und Leitung des jeweiligen Pfarrers“ unterstanden, wodurch die Anordnungen des Kalandsbuches ebenfalls darauf ausgelegt war mögliche Konflikte zu vermeiden, doch waren auch häufig die ansässigen „Pfarrer und ihre Kapläne“ Kalandsbrüder 20 . Daher kann ein Kaland zunächst teilweise auch als eine Form des Zusammenschlusses unter ortsansässigen und ortsnahen Geistlichen gesehen werden. Bei einem Vergleich mit anderen mittelalterlichen Bruderschaften nimmt der Kaland neben seinem Vermögen auch einen wichtigen gesellschaftlichen Faktor ein, da sich während der jährlichen Versammlung „Geistliche wie Laien, Männer und Frauen, Gebildete und Ungebildete, Adel, Patriziat wie Bürgertum […] zu einer Gemeinschaft (trafen), in der alle unter dem gleichen Gesetz standen“, was sich u. a. 21 . Diese „Gleichheit in den Mitgliederverzeichnissen des Kaland gut erkennen lässt unter Brüdern“, die sie sich daraus vermuten lässt erscheint jedoch sehr trügerisch, wenn die Mitgliedsbeiträge und sonstige finanzielle Regelungen untersucht werden. Daher ist am Beispiel des Werler Kalands zu erkennen, dass die Mitglieder meist aus „den ältesten, angesehensten und begütertsten Familien der Stadt Werl oder ihrer näheren bzw. ferneren Umgebung“ stammen, was wiederum mit den „Forderungen 22 “ einer jeden Mitgliedschaft zu tun haben könnte 23 an den Geldbeutel .
5. Gründungsphase
Die Gründungsphasen haben zwar teilweise Ähnlichkeiten untereinander, unterscheiden sich jedoch auch in wichtigen Aspekten, da die dort formulierten Statuten häufig Aufschluss darüber geben, ob Laien zugelassen werden oder nicht und welche gesellschaftlichen Schichten sich dieser anschließen konnten, wegen den damit verbundenen Kosten. In der Seminararbeit werden unterschiedliche Kalande aus verschiedenen Städten behandelt: Der Kaland aus Werl liegt im Kreis Soest und
20 Preising, Werler Kaland, S. 15.
21 Preising, Werler Kaland, S. 18.
22 Diese beziehen sich u.a. auf ein Eintrittsgeld, den Sterbegulden sowie den Spenden am Kalandstage,
welche sich natürlich durch mehrfache Mitgliedschaften potentiell vergrößern. Darüber hinaus musste
jedes Mitglied zumindest einmal die Aufgabe des Schaffners am Kalandstag und die damit
verbundenen Kosten tragen.
23 Preising, Werler Kaland, S. 22.
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Arbeit zitieren:
Damian Tylla, 2009, Kalands- und Priesterbruderschaften, München, GRIN Verlag GmbH
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