I
Heinrich-Heine Universität
Historisches Seminar II
Proseminar: Die Darstellung des WK I in ausgewählten internationalen Dokumentarfilmen Semester: SS 2002
Gefallenengedenken und Totenkult am Beispiel der Düsseldorfer
39er Denkmäler
Name: Marc Zivojinovic
II
Inhaltsverzeichnis und Gliederung:
1.0.Einleitung. 1
2.0.Der Weg zum ersten 39er Denkmal. 2
2.1.Grundsteinlegung am Volkstrauertag. 3
2.2.Die Enthüllung des ersten 39er Denkmals. 4
2.3.Der Denkmalsstreit. 5
3.0.Denkmalsturz und nationalsozialistische Denkmalspolitik. 7
3.1.Der Weg zum zweiten 39er Denkmal. 8
3.2.Formsprache und Aussage des zweiten 39er Denkmals. 11
4.0. Die Wiederaufstellung des 39er Denkmals von Rübsam. 12
5.0. Das 39er Denkmal am Reeser Platz in der Nachkriegszeit. 12
6.0. Schlussbemerkung. 13
7.0. Literatur und Quellen. 15
7.1. Literaturnachweis. 15
7.2. Quellen 15
1
1.0. Einleitung
In dieser Seminararbeit soll der Umgang mit dem Gedenken an den ersten Weltkrieg und seine Opfer anhand der beiden 39er Denkmäler in Düsseldorf aufgezeigt werden. Die Denkmäler eignen sich meines Erachtens besonders für eine eingehende Analyse der verschiedenen politischen-kulturellen Erinnerungstraditionen und ihrer jeweiligen Formgebung, da sie sowohl die Erinnerungskultur der Weimarer Republik als auch den Totenkult des nationalsozialistischen Regimes veranschaulichen und auf die politischen Kulturen verweisen können.
Die bewegte Geschichte der beiden Denkmäler steht hierbei exemplarisch für den nicht zu überbrückenden Widerspruch zwischen demokratischen und diktatorischen Konzeptionen des Gefallenengedenkens. In der Arbeit wird die Entstehungsgeschichte der Denkmäler und ihrer jeweiligen Ausschreibung (Wettbewerbe) berücksichtigt. Daneben wird versucht zu ergründen, wie die Denkmäler zum Zeitpunkt ihrer Enthüllung wirkten bzw. ob sie die erhoffte Wirkung zu erzielen vermochten.
Zudem wird gezeigt, welcher unterschiedlichen Interpretationen der Frage nach dem Sinn der Opfer bzw. ihres Opfertodes, die verschiedenen Systeme anhingen und, ob das Gedenken an die Gefallenen politisch nutzbar gemacht wurde.
Die Beschäftigung mit Denkmälern, ihrer Wirkung und Zielsetzung, ist mittlerweile in der Geschichtswissenschaft durchaus etabliert. Wenn sie auch erst im Gefolge der Aufarbeitung der Geschehnisse des zweiten Weltkrieges an Intensität zugenommen hat, finden sich auch Arbeiten aus der Zwischenkriegszeit, in der die Errichtung von Kriegerdenkmälern geradezu boomte.
Für die Geschichtswissenschaft ergeben sich aus der Analyse von Denkmälern, als Über-lieferungsform historischer Ereignisse, wertvolle Impulse, da sie, wie Johann Gustav Droysen bereits 1857 erkannte, als spezifische Quellenform verstanden werden müssen. Droysen charakterisierte die Denkmäler dabei als Mischform der beiden anderen Gattungen (Überreste und Quellen), weil sie Überreste aus einer vergangenen Zeit seien und doch Zeugnis über bestimmte Vorgänge ablegen sollten. 1
Die Erkenntnis, dass jede Denkmalsform auf die soziale und politische Lage verweist, in der sie entstanden ist, dient im folgenden als Fundament der Analyse. 2 Dabei werden die gesellschaftlichen Bedingungen, die politischen Absichten, aber auch die Aussage der Denkmäler berücksichtigt.
1 Wolfgang Hardwig (Hrsg.): Über das Studium der Geschichte, München 1990, S. 72 f.
2 Reinhart Koselleck, Michael Jeismann (Hrsg.): Der politische Totenkult. Kriegerdenkmäler in der Moderne, München 1994, S. 10
2
2.0 Der Weg zum ersten 39er Denkmal
Bevor im weiteren Verlauf dieser Arbeit die Geschichte der beiden 39er Denkmäler analysiert wird, ist festzustellen, wessen Gedenken diese gewidmet wurden. Es handelt sich hierbei um die drei Abteilungen des 39er Regiments: das Füsilier-Regiment 39 General Ludendorff, das Landwehr-Infantrie-Regiment 39 und Reserve-Infantrie-Regiment 39 (im folgenden kurz 39er genannt).
Bereits 1818 gründete der preußische König Friedrich Wilhelm III das erste 39er Infaterie Regiment, das 1860 in Niederrheinisches Füsilierregiment umbenannt wurde und im deutschen „Bruderkrieg“ 1866 erstmalig zum Einsatz gelangte. 3 Im Verlauf des Ersten Weltkrieges waren die Regimenter an unterschiedlichen Positionen, zunächst an der Westfront, später auch an der Ostfront, eingesetzt. Bei den Kampfhandlungen tat sich das Füsilier-Regiment bei seinen Einsätzen unter anderem bei Verdun besonders hervor. 4 Aber auch die Landwehr-Reserve Abteilung wurde im Verlauf des Krieges zunehmend in Anspruch genommen, auch wenn sie zunächst nur als Besatzung für Brüssel vorgesehen war, wo sie durch häufigen Quartierwechsel der Bevölkerung eine stärkere Besatzung der Stadt vorzuspielen hatte, als diese tatsächlich der Fall war. 5 Während des Krieges hatten die Regimenter Verluste von fast 7000 Mann zu beklagen, derer man nach dem Krieg gedenken wollte. 6
Da dem „Verein ehemaliger 39er zu Düsseldorf“, der bereits 1886 gegründet worden war, nach dem Ende des Ersten Weltkrieges zunächst jegliche Tätigkeit auf Grund eines generellen Verbotes soldatischer Vereinigungen in den besetzten Gebieten untersagt worden war, konnte das Anliegen erst ab 1925 vorangetrieben werden. Regiments- wie Kriegervereine waren nach dem Ersten Weltkrieg in ganz Deutschland entstanden und widmeten sich, neben dem Erhalt des Kameradschaftsgefühles, in den meisten Fällen dem Gedenken an die gefallenen Kameraden. 7
Zu diesem Zweck wurde auch bei den 39ern ein Denkmalausschuss gegründet, der mit den Planungen für das neue Ehrenmal betraut war, das gleichzeitig auch Ersatz für das erste 39er Denkmal von 1893 sein sollte, welches während des Krieges eingeschmolzen worden war.
3 Jutta Pitzen: Jupp Rübsam 1896 - 1976, Krefeld 1991, S. 56
4 Susanne Brandt: Trauer und fortgesetzter Krieg, in: Jost Düffler (Hrsg.): Der verlorene Frieden, Essen 2002, S. 256
5 Hans Stockhausen: Das Landwehr-Infatrie-Regiment Nr. 39 im Weltkriege, in: Festbuch zur Fahnenweihe des Kameradschaftl. Vereins des ehem. Landwehr-Inf._Regts. Nr. 39, Düsseldorf 1924, S. 13ff.
6 Brandt: Trauer und fortgesetzter Krieg, S. 256
7 Gerhard Schneider: „...nicht umsonst gefallen“?. Kriegerdenkmäler und Kriegstotenkult in Hannover, Hannover 1991, S. 180
Arbeit zitieren:
Marc Zivojinovic, 2002, Gefallenengedenken und Totenkult am Beispiel der Düsseldorfer 39er Denkmäler, München, GRIN Verlag GmbH
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