haben alle Gegenstände, die nicht lebendig sind, auch kein geistiges Wesen. Als zweites hat geistig etwas mit dem Verstand und dem Denken zu tun. Geht man nach dieser Definition, schließt das auch die Tier- und Pflanzenwelt aus, solange nicht bewiesen ist, dass sie die Eigenschaften des Denkens besitzen. Übrig bleibt dann nur noch der Mensch als geistiges Wesen. Allerdings gesteht Benjamin allen Gegenständen ein geistiges Wesen zu in dem Sinne, dass der Mensch es erkennen und in der Sprache ausdrücken kann. Der Grundgedanke ist, dass etwas da sein muss, das sich mitteilen kann. Egal ob es ein Ding ist, das nicht denken kann oder eben ein Mensch mit einem geistigen Innenleben.
Benjamin unterscheidet das geistige vom sprachlichen Wesen und schreibt, dass das geistige Wesen nur dann „mit dem sprachlichen identisch“ 2 ist, wenn es mitteilbar ist. An einer späteren Stelle im Text, setzt er die Sprache mit dem geistigen Wesen der Menschen gleich. 3 Die menschliche Sprache besteht aus einer Aneinanderreihung von Lauten. Wäre das geistige Wesen des Menschen gleich seiner Sprache, dann würde das bedeuten, dass der Mensch sein komplettes inneres Geistesleben mitteilen kann. Allerdings wird mir wohl jeder darin zustimmen, dass es oft Dinge gibt, für die einem die Worte fehlen. Oder auch Dinge, die wir nicht greifen können, weil sie in unserem Unterbewusstsein liegen und die vielleicht niemals hervorgeholt werden. Im Menschen steckt mehr als das, was er in Lauten ausdrücken kann. Außerdem stellt sich für mich die Frage wie Benjamin stumme Menschen bewertet, da sie ihr geistiges Wesen eben nicht in Lauten ausdrücken können.
Sprache ist zum Mitteilen da, also wird auch jemand oder etwas benötigt, dem der Inhalt mitgeteilt wird. Ohne Empfänger wären Mitteilungen nicht nötig. Benjamin stellt sich die Frage, wem die einzelnen Dinge und der Mensch sich mitteilen. Für ihn ist klar, dass sich die Gegenstände und auch die Tiere dem Menschen ausrichten. Würden die Tiere sich ausschließlich dem Menschen mitteilen, würde das bedeuten, dass sie alleine für den Menschen geschaffen sind und für ihn leben. Allerdings wird es ihnen relativ egal sein, dass da ein Mensch ist, der ihnen Bezeichnungen gibt, die sie nicht kennen. Sie führen ihr eigenes Leben, auch wenn sie sich dessen nicht bewusst sind und nur nach ihren Trieben leben.
2 ebd. S. 142.
3 ebd. S. 144.
2
Wahrscheinlich würden sie auch weiterexistieren, wenn der Mensch nicht mehr vorhanden ist. Pflanzen teilen sich zwar den Menschen mit, aber zum Beispiel auch den Bienen, um bestäubt zu werden, um zu blühen und um sich dann später vermehren zu können. Tiere teilen sich ihren Artgenossen mit - ebenfalls um sich fortzupflanzen. Die Ansicht, dass sich die Natur und die Tiere ausschließlich den Menschen mitteilen, ist nicht haltbar. Benjamin bestreitet, dass dieser Vorgang ein Anthropomorphismus, eine Vermenschlichung ist, aber genau das ist es, weil er den Menschen in das Zentrum der Natur stellt.
Auf die Frage, wem sich der Mensch mitteilt, antwortet Benjamin nicht, wie es zu erwarten ist, den anderen Menschen. Nach seiner Auffassung teilt der Mensch sich Gott mit und zwar in den Namen. Ich möchte erwähnen, dass eine Unterscheidung zwischen Worten und Namen von Benjamin in seinem Text angeführt wird, wobei die Namen auf einer höheren Ebene stehen. Sein Grundgedanke ist, dass die Menschen ihre Sprache von Gott haben. Was aber bleibt, wenn man sich nicht auf Gott stützen kann oder will? Gerade in unserer heutigen Zeit, in der der Glaube an Gott abnimmt, ist Benjamins Vorstellung nicht mehr nachvollziehbar und für nichtgläubige Menschen wird Benjamins Begründung wertlos sein. Ich lehne seine Auffassung ebenfalls ab und ziehe eine evolutionstheoretische Begründung vor. Demnach hat sich die Sprache, wie auch der Mensch, über viele Jahrtausende zu dem entwickelt was sie heute sind. Ob sie sich zufällig gebildet hat, ist für dieses Thema hier gleichgültig. Die Entwicklung des Menschen hat auch die Entwicklung des Sprachorgans mitgebracht und die Verständigung über Laute, aus denen später eine komplexere Sprache entstanden ist. Das, was wir heute unter menschlicher Sprache verstehen, gründet sich auf Konventionen. Auch wenn es genau das ist, was Benjamin ablehnt und als „die bürgerliche Auffassung der Sprache“ 4 bezeichnet, die eine „Unhaltbarkeit und Leere in sich trägt“ 5 .
Benjamin argumentiert weiter, dass die menschliche Sprache, die sich wie schon erwähnt in Lauten ausdrückt, eine vollkommene Sprache ist, da sie uns von Gott gegeben wurde. Aber wer legt fest, dass gerade unsere Sprache vollkommen ist und dass andere Sprachen hinter ihr zurückbleiben? Der Mensch alleine nimmt sich das Recht heraus, diesen Schritt zu machen. Schließlich kann ihm niemand
4 ebd. S. 144.
5 ebd. S. 144.
3
Arbeit zitieren:
Carolin Wiechert, 2007, Was ist Sprache?, München, GRIN Verlag GmbH
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