Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 3
2. Hauptteil. 3
2.1 Geschichtlicher Hintergrund. 3
2.2 Raum- und Zeitempfinden des „religiösen“ Menschen 5
2.3 Grundprämissen von Schüler und Lehrer 6
2.4 Argumentationsmethodik im historischen Kontext 7
3. Schlussreflexion. 11
4. Literaturverzeichnis. 12
2
1 Einleitung
In der vorliegenden Hausarbeit wird die religionsphilosophische Methodik von Mircea Eliade in seiner Intention verdeutlicht, indem der historische Kontext sowie Einfluss durch die Lehrperson, Nae Ionescu, Betrachtung finden.
Zur Veranschaulichung verhilft Eliades Schrift Das Heilige und das Profane. Vom Wesen des Religiösen.
Es ist nicht Ziel, die Personen Eliade und Ionescu gegenüberzustellen, um Unterscheidbarkeit zu definieren, sondern vielmehr Eliades gedankliche Wurzeln aufzuzeigen, um sie an Zitaten des oben genannten Buches zu bestätigen. Unterscheidbarkeit hat Hannelore Müller in ihrer Dissertation 1 erarbeitet, welche in der vorliegenden Arbeit als Grundlage diente. Schon aus dem Grund der Verfügbarkeit von schriftlichen Nachlässen Ionescus - die durch praktizierte Lebensphilosophie spärlich und wenn nur in rumänischer Sprache vorliegen - war ich für die vorliegende Betrachtung auf das Werk Hannelore Müllers angewiesen.
Die Autorin, selber rumänischer Herkunft, integriert frühe biographische Ereignisse nachvollziehbar in Eliades spätes Gedankensystem. Sie erhält dadurch Begründungen für seine Vorgehensweisen und Begrifflichkeiten, wie z. B. von „heilig“, „homo religiosus“, „archaisch“ usw., bei denen andere Autoren in Spekulationen verfallen, ungenau werden. 2 Um dennoch Reflexion zu bewahren, habe ich anhand der Menge der Schriften über Eliade Literatur verwendet, die im Seminar Bearbeitung fand. Dazu Material, welches die Methodik Eliades und deren kritische Beurteilung zum Hauptthema haben. Andere Werke als das Behandelte von Eliade selbst lagen mir vor, werden aber nur am Rande Erwähnung finden können. Die von Eliade verwendeten (Fach-)Begriffe sind durchgehend als Verweis mit Anführungsstrichen gekennzeichnet.
2 Hauptteil
2.1 Geschichtlicher Hintergrund
Wer sich der Thematik um Mircea Eliade annähern will, sollte den kulturellen Kontext seiner frühen Heimat betrachten. Dabei findet sich ein Rumänien vor, welches seit Vereinigung der Fürstentümer Moldau und Walachei zum Nationalstaat (1918) fortlaufend politisch instabil bleibt. 3 Zu jener Zeit war in europäischen Ländern die
1 Müller, Hannelore: Der frühe Mircea Eliade. Sein rumänischer Hintergrund und die Anfänge seiner universalistischen Religionsphilosophie. Anhang mit Quellentexten. (Marburger Religionsgeschichtliche Beiträge, Bd. 3). Rainer Flasche (Hg.). Münster: Lit Verlag. 2004.
2 Alliband leitet Eliades Intention des Begriffs “Heilig” einfach aus einer Wörterbuchdefinition ab (Alliband 1983: 64).
3 Müller 2004: 42.
3
Staatscharakterbildung mit der jeweiligen historischen Besinnung auf Werte, Normen, Symbole usw. weitestgehend abgeschlossen und hatte in ihren gesellschaftlicher Ausprägungen nur noch den „Höhepunkt“ zu erreichen.
Der Zusammenhang lässt erahnen, welcher Ehrgeiz in Eliade 1927 steckt „rumänische Kultur“, später nationale Identität 4 , schaffen zu wollen. Die zu diesem Zwecke, während seines Philosophiestudiums, vom ihm erschaffene Vereinigung vom Kommilitonen, die „junge Generation“, bestätigt dies. 5 Jener kulturelle Aktivismus und die spätere Politisierung sei auf die Lehrperson Nae Ionescu zurückzuführen, so Müller. 6 Der orthodoxe Philosophieprofessor Nae Ionescu verfolgt eine empirische Methode der Religions- bzw. Lebensphilosophie, die mehrere Wirklichkeitsebenen mit unterschiedlichem Realitätsgrad zum „Absoluten“ postuliert. 7 Jede Wirklichkeitsebene erfordere demnach eine eigene Untersuchungsmethodik. Konsequenterweise mündet dieses Modell in Relativierung von Rationalismus und Positivismus, stellt also somit (irrationales) Erleben in den Vordergrund. Bloßes Erleben stürze den Menschen jedoch in existentielles Drama, welches im Sündenfall wurzelt und ein göttliches Abhängigkeitsgefühl bestimme. Spirituelles Gleichwicht und postuliertes metaphysisches Bedürfnis könne nur lebensbejahend durch Glauben, Liebe sowie religiöses Erleben Befriedigung finden. 8 Gerade metaphysisches Bedürfnis und absolute Realität als Bedingungen sind bei Eliade im Begriff des „homo religiosus“ vorzufinden.
„[...] der homo religiosus glaubt immer an die Existenz einer absoluten Realität, an die Existenz des Heiligen, das diese unsere Welt transzendiert, sich aber in dieser Welt offenbart und sie dadurch heilig und real macht. [...] Der moderne areligiöse Mensch nimmt eine neue existentielle Situation auf sich: er betrachtet sich nur als Subjekt und Agens der Geschichte, und er Verweigert sich dem Transzendenten.“ 9
Der „moderne Mensch“ stellt für Eliade eine rationalisierte, pragmatische und in Gedanken kausal-mechanisierte Daseinsform des „In-der-Welt-Seins“ dar, für die „ein Physiologischer Akt - Ernährung, Sexualität usw. - nur noch ein organisches Phänomen“ darstellt. 10 Die Gegenüberstellung dieser zwei Existensweisen hat seinen Ursprung in den 30er Jahren des 20. Jh., von „Modernisten“ und „Traditionalisten“, geführten Debatte um nationale Identität. „Modernisten“ als Befürworter des lateinischen Konstituens der Industrialisierung bzw. Liberalisierung, so wie „Traditionalisten“, stehend für Orthodoxie mit
4 Im Zeitraum seiner Mitgliedschaft in der „ Eisernen Garde“.
5 Die „Junge Generation“ verstand sich als Bote von rumänischer Kultur in Form einer neuen Tradition von Mystizismus, Werteordnung und Orthodoxie. Mitte der 30er Jahre folgten Mitglieder, darunter auch M. Eliade, Nae Ionescu in die rechtsextremistische „Eiserne Garde“.
6 Ebd.: XIIV; 17; 35 f.; 42.
7 Eliades frühes Interesse an Alchemie und Mystik findet hier seine Bestätigung.
8 Ebd.: 7f. ; 10.
9 Eliade 2008: 147 f.
10 Ebd.: 11.
4
Arbeit zitieren:
André Witt, 2009, Mircea Eliade. Methodik und Intention seines Schaffens., München, GRIN Verlag GmbH
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