Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung 2
II. Die holozäne Küstenentwicklung des Persisch-Arabischen Golfs (Folkert Veenhuis) 3
1. Der Persisch-Arabische Golf - Geographische Daten 3
2. Die Küstenentwicklung des Persisch-Arabischen Golfs 4
2.1 Die Auswirkungen der Küstenentwicklung auf den Menschen 5
2.2 Die Gründe für den Meeresspiegelanstieg 6
III. Die Sumerische Stadt Ur (Michael Jan Riepe) 10
1. Einleitung 10
2. Forschungsgeschichte 11
3. Zur Lage Urs in heutiger Zeit und im 4./3. Jahrtausend vor Christus 11
4. Chronologie Urs 12
4.1 Obed-Zeit 12
4.2 1. Dynastie von Ur /Frühdynastische Zeit (2645 - 2460 vor Christus) 14
4.3 2. Dynastie von Ur 17
4.4 Akkadische und Gutaeische Okkupation (2334-2112 vor Christus) 17
4.5 3. Dynastie von Ur / Sumerische Renaissance (2112-2004 vor Christus) 18
5. Niedergang der 3. Dynastie von Ur 22
IV. Zusammenfassung 25
V. Literaturverzeichnis 26
1
I. Einleitung
Die Erde ist seit Millionen von Jahren durch schwankende Meeresspiegelstände gekennzeichnet. Diese sich immer wieder veränderten Meeresspiegelniveaus haben nicht nur Auswirkungen auf die anliegenden Küsten in den entsprechenden Regionen, sondern auch auf die in den Regionen lebenden Menschen. Diese Arbeit setzt sich genau mit diesem Wechselspiel zwischen Mensch und Naturkräften auseinander und soll anhand des Persisch-Arabischen Golfs und der sumerischen Stadt Ur genauer dargestellt werden. Um diese beiden Schwerpunkte besser miteinander zu verknüpfen, ist der erste Teil über den Persisch-Arabischen Golf aus geographischer Sicht betrachtet worden. Der Teil über die Stadt Ur wurde unter archäologischen Gesichtspunkten betrachtet.
Die Arbeit beginnt zuerst mit einer geographischen Einordnung des Gebietes. In diesem Teil wird kurz die Lage, Größe, Geomorphologie etc. des Persisch-Arabischen Golfs beschrieben. Anschließend wird auf die Küstenentwicklung des Golfs eingegangen. In diesem Teil werden zuerst die theoretischen Ansätze der Transgression vorgestellt und dann später neuere Forschungsergebnisse dargestellt. Um eine Verbindung zu dem archäologischen Teil zu schaffen, wird genauer auf die vermuteten Küstenlinien im Holozän eingegangen. Anhand dieser sollte dann deutlich werden, inwieweit die sumerische Stadt Ur Meereszugang hatte. Der Zweite Teil der Arbeit geht genauer auf die Entwicklung Stadt Ur unter Berücksichtigung wirtschaftlicher, ökologischer und politscher respektive militärischer Gesichtspunkte ein. Zu Beginn wird die neuzeitliche Forschungsgeschichte Urs erklärt. Im Anschluss daran wird die Entwicklung Urs von der Obed-Zeit in der 2. Hälfte des 5. Jahrtausends vor Christus bis zur 3. Dynastie von Ur am Ende des 3. Jahrtausends chronologisch aufgearbeitet. Die Arbeit schließt mit dem Untergang Urs ab und versucht einen umfassenden Überblick über die mannigfaltigen Gründe für den Niedergang zu geben, wobei auch das Absinken des Meeresspiegels des Persisch-arabischen Golfs hier besondere Berücksichtigung finden muss!
2
II. Die holozäne Küstenentwicklung des Persisch-Arabischen
Golfs (Folkert Veenhuis)
1. Der Persisch-Arabische Golf - Geographische Daten
Der fast landumschlossene Persisch-Arabische Golf ist ca. 1.000 km lang und ca. 200-300 km breit, besitzt eine mittlere Tiefe von 35 m, sowie eine maximale Tiefe von ca. 100 m. 1 Der persische Golf liegt zwischen dem Zagros-Gebirge im Nordosten und der arabischen Plattform im Südwesten, womit er ein Gebiet mit einer Gesamtgröße von 226.000 km² umfasst. Im Südosten ist der Persisch-Arabische Golf durch die Straße von Hormuz, die zwischen dem Südiran und Musandam Peninsula liegt, mit dem Golf von Oman verbunden. 2
Untiefen und Salzstock-Inseln (sog. Sabkahs), von denen viele eine vulkanische Charakteristik aufweisen, übersät. Diese Sabkahbildungen entstehen auf Grund der hohen Evaporation in dem 10 bis 20 m flachen Gewässer des Persischen Golfs. Die iranische Küste ist geradlinig und felsig und mit einem Gradienten von 175 cm/km sehr steil, während im Gegensatz dazu die flache Arabische Küste nur einen Gradienten von 35 cm/km besitzt. 3 Die Wassertiefe des Golfs wird durch die tektonische Belastung des Zagros Gebirges in Richtung Nordosten hin tiefer. Während die Arabische Plattform südwestlich des Golfs liegt, befindet sich wobei die Mesopotamische Senke im Nordwesten dieses. Die Flüsse Tigris und
1 Purser, S. 3
2 Uchupi, S. 2
3 Ebd., S. 2
3
Euphrat entspringen zwar beide in der Südtürkei, treffen aber erst am südöstlichen Ende dieser aufeinander. Zusammen mit dem Fluss Karun, dessen Oberlauf im Zagros Gebirge liegt, bilden diese beiden Flüsse das Tigris-Euphrat-Delta und den Shatt el-Arab, bei dem er sich um einen Meeresarm am oberen Ende des Persischen Golfs handelt. 4 Der durchschnittliche Salzgehalt im Persisch-Arabischen Golf liegt bei ca. 37 bis 40 % und kommt durch die hohe Evaporationsrate in diesem Bereich zustande. Im flachen Wasser des Golfs wird sogar ein Gehalt von 40 bis 50% erreicht. 5
2. Die Küstenentwicklung des Persisch-Arabischen Golfs
Der Anstieg des Meeresspiegels im Persisch-Arabischen Golf begann vor ca. 15000 Jahren und erreichte sein heutiges Niveau vor ca. 6.000 Jahren. Der exakte Beginn des Meeresspiegelanstiegs, sowie sein Ende können jedoch nicht genau datiert werden. Es ist allerdings bekannt, dass in der Postglazialen Zeit eine zweitweise sehr schnell vorangehende Verlagerung der Küstenlinien des Persisch-Arabischen Golfs, die zeitweise sehr schnell voranging, mit sich brachte. Das Ergebnis waren verschiedene Typen der Seichtwasser Fazien, die heute den Boden des Golfes in eine anscheinend zufällige Abfolge von tieferem zu seichterem Gewässer bilden und eine stratigraphische Sequenz von älteren zu jüngeren Sedimenten repräsentieren. Das Gebiet des Persischen Golfs lag zur Zeit des letzten Hochglazials, in dem die größte Ausdehnung der Eismassen stattfand, trocken und war nur ein flaches Flusstal des Shatt el-Arab. 6
Die ersten Theorien besagten, dass sich die Spitze des Persischen Golfs weiter nach Norden zu seiner derzeitigen Position verlagert habe und ein stufenweiser Rückzug daraufhin erfolgt sei, der während der prähistorischen und historischen Zeit durch eine Delta Progradation verursacht worden sei. Beke platzierte 1835 den nördlichen Grenzbereich des Persischen Golf Inlands der Mesopotamischen Ebene weiter Richtung Samara, die 100 km nördlich von Bagdad liegt. De Morgan erstellte 1900 zwei Karten, auf denen die vermutete Position der früheren Küstenlinie des Persischen Golfs zwischen den Städten Basra und al-Amara gelegen haben soll. Lees und Falcon behaupteten hingegen 1952, dass es seit dem frühen Holozän keinen Beweis für eine Überschwemmung mit einer anschließenden Delta Progradation mehr gab. Sie schlugen vor, ein tektonisch bedingter Anstieg könne lokale Überschwemmungen hervorgerufen haben. Dieses tektonische Szenario von Lees und Falkon wurde in den 1970ern
4 Ebd.,S.2
5 Teller et al., S. 297
6 Sarntheim, S. 260
4
unter anderen von Purser, Larsen und Evans stark kritisiert. Diese Autoren behaupteten, dass die Shatt el-Arab Region mehr durch eustatische Meeresspiegelschwankungen und Delta Progradationen beeinflusst worden sei, als durch tektonische Ereignisse. Macfadyen und Vita-Finzi schlugen auf der Basis von faunalen Beweisen und der gegenwärtigen Hammar Formation, eine Fortsetng einer Marinen Bucht bis zum Inland al-Amara vor, aus der innerhalb der historischen Periode eine gesamte Delta Progradation über eine Distanz von ca. 150 bis 180 km gefolgt sei. Bei späteren Untersuchungen konnte festgestellt werden, dass die Shatt el -Arab Region eher durch Holozäne Meeresspiegelschwankungen, als durch tektonische Ereignisse geprägt wurde. Dalongeville und Sanlaville nahmen 1987 allerdings an, der Meeresspiegel im Persischen Becken sei vor 14.000 Jahren angestiegen. Vor 9.000 sowie 6.000 Jahren war der Anstieg besonders schnell und erreichte vor ca. 6.300 Jahre das maximale Niveau, das 1 oder 2 m über dem heutigen Meeresspiegelstand lag. Nach diesem Maximum sank der Meeresspiegel allmählich auf das heutige Niveau ab. Dalongville und Sanlaville ermittelten für die Periode 6.000 bis 1.000 v. Chr. vier Meeresspiegelhochstände (Transgressionen) und vier Meeresspiegeltiefstände (Regressionen) für die Zeit zwischen 4.500 bis 200 v. Chr.. Die Meeresspiegel-Indexpunkte wurden in drei verschiedenen Regionen entlang des Persischen Golfs gesammelt: in Kuwait mit der Insel Failaka, in Bahrain und in Sharjah (Vereinigte Arabische Emirate). Zur Bestimmung des Wasserhochstandes entlang der Insel Failaka und dem Wassertiefstand entlang der Küstenlinie von Bahrain, wurden der Rankenfußkrebs „Chatamales“ und die Wurmart „Annelids“ als biologische Meeresspiegel-Indikatoren genutzt. Diese sicheren biologischen Indikatoren sind in den meisten Fällen ein zuverlässiger Anhaltspunkt für Meeresspiegelschwankungen. Jedoch muss der Bereich ihrer Populationsgrenze kritisch betrachtet werden. Trotz der verschiedenen regionalen Zusammenhänge wird angenommen, die Meeresspiegelschwankungen wären alle zeitgleich in den Regionen passiert und ausschließlich durch eustatische Veränderungen verursacht worden. Dennoch erkannten die Autoren, dass ihre Daten nicht präzise genug waren, um ihre Vermutung zu bestätigen, die Meeresspiegelschwankungen wären in allen drei Regionen identisch gewesen. 7
2.1 Die Auswirkungen der Küstenentwicklung auf den Menschen
Am Ende des letzten Glazials überflutete eine große Transgression, die bis zu 400 km ins Inland hinein reichte, die Spitze des Persischen Golfs und formte damit die derzeitige
7 Heyvaert, S. 85 f.
5
Küstenlinie. Vor ca. 6.000 Jahren progradierte das Shatt el-Arab Delta in Richtung Süden bis zu seiner heutigen Position. Diese Ereignisse hatten Auswirkungen auf die frühen Besiedelungen und die Entstehung der Zivilisation im Tigris-Eupraht Tal. Die Küstenebenen, die vor 6.000 Jahren von Menschen noch bewohnt waren, liegen heute entweder unter dem Wasser des Golfs oder unter Sedimenten der niedrigeren aluvialen Ebene. 8 Werden die Entwicklung der Stadtstaaten und die Anfänge der Zivilisation betrachtet, so sind die verstärkte Zentralisation, Organisation und Spezialisation in erster Linie das Ergebnis des Fortschritts in der Viehzucht und im Ackerbau. Die Flussauen und die Küstenebenen besitzen eine ressourcenreiche Umgebung und haben dadurch wahrscheinlich die frühe Entwicklung der menschlichen Industrie begünstigt. Hingegen sind die Auswirkungen der frühen Menschheit auf diese Umgebungen nur schwer nachvollziehbar. Die Gründe hierfür sind die dramatisch wechselnden Umweltbedingungen, die zudem auch die archäologischen Beweise zerstört haben. Seit dem Ende der letzten Glazialen Periode stieg der Meeresspiegel über 100 m an und überschwemmte die Lebensräume der frühen Menschen an den damaligen Küsten. Nirgendwo ist der Effekt der Küstenprozesse dramatischer, sei es in Bezug auf ihre Größe oder aber in der Auswirkung von menschlicher Entwicklung, als in der Mesopotamischen Ebene. Diese Region ist für ihr flaches, tief liegendes Gelände, für die Hauptflüsse Tigris, Euphrat und Karun, sowie für die frühen Vorkommen menschlicher Zivilisation in Stadtstaaten bekannt. 9
2.2 Die Gründe für den Meeresspiegelanstieg
Eustatische Meeresspiegelschwankungen können entweder durch Veränderungen der Kapazität des Meeresbeckens oder durch das Volumen des Wassers, welches das Becken aufgenommen hat, verursacht worden sein. Im Quartär sind Veränderungen des Meeresspiegels mit dem Wachsen und dem Abnehmen der Gletscher verknüpft. Die einzelnen Meeresspiegelpositionen konnten anhand von Küstenüberresten, wie zum Beispiel Stränden, Sümpfen und Korallenriffen, kartiert werden. Während der letzten Wisconsin Eiszeit befand sich der Meeresspiegel mehr als 100 m über dem heutigen. Vor ca. 18.000 Jahren begann der Meeresspiegel zu einer anscheinend schwankenden Höhe anzusteigen. Es gibt aber einige plausible Gründe für den Mangel an Übereinstimmung für Holozäne Meeresspiegel. So könnten schwache und nicht erkannte tektonische Veränderungen erste Seeküsten in einigen Gebieten gehoben oder abgesenkt haben. In diesem Zusammenhang müssen
8 vgl. Cooke 1986, S. 15
9 vgl. Ebd., S. 15
6
(die beiden äußeren) zu Grunde legt, sondern auch die oszillierende Kurve des Persischen Golfs nach Kassler (1973) mit einbezieht. Seine Annahmen über die Transgression basieren auf morphologischen und geologischen Gegebenheiten sowie archäologischen Funden. Morphologisch-geologische Anhaltspunkte sind entstandene Strandoberflächen, die während der Meeresspiegelstillstände entstanden sind. Diese Oberflächen wurden zwischen den
Schichten des urzeitlichen Meeresspiegels und Höhen von +5 m festgestellt und auf die Zeit vor 6.000 bis 4.000 Jahren datiert. Mit der Hilfe von Isotopendaten aus Eisbohrkernen kommt
Meeresspiegelanstieg lokal unter starken Oszillationen stattgefunden haben muss und übriggebliebene Strandflächen in Mesopotamien die Folge sind. Cooke vermutet die Küstenlinie, zur Zeit des Klimaoptimums vor 6.000 Jahren, im Gegensatz zu der heutigen ca. 400 km weiter nördlicher. Die Breite der damaligen Meereszunge soll bei ca. 60 km und die maximale Tiefe bei ca. 45 m gelegen haben. Vor 6.000 Jahren
zog sich dann das Meer zurück und der Deltavorbau begann. Cooke hat, wie in Abbildung 3 zu erkennen ist, die Transgression in drei Phasen unterteilt: die erste Phase war vor 11.500 bis 9.500 Jahren (A), die zweite vor 9.000 bis 7.500 Jahren (B) und die dritte Phase vor 6.000 Jahren (C). 11
10 vgl. Cooke 1986, S. 15 f.
11 vgl. Ebd., S. 19 7
Arbeit zitieren:
Michael Jan Riepe, Folkert Veenhuis, 2009, Die sumerische Stadt Ur und die holozäne Küstenentwicklung des Persisch-Arabischen Golfes, München, GRIN Verlag GmbH
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