Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
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2. Die Kastration
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2.1 Körperliche Folgen
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2.2 Gesellschaftliche Folgen
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3. Der Film FARINELLI - IL CASTRATO
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3.1 Männlichkeit in Bezug auf die Selbstwahrnehmung
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3.2 Männlichkeit in Bezug auf Frauen
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4. Fazit
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Literaturverzeichnis
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2
1. Einleitung
Die Existenz der Gesangskastraten des 17. und 18. Jahrhunderts war lange Zeit in Vergessenheit geraten und ist teilweise sogar geleugnet worden. So ranken sich viele Mythen um die Kastraten. Doch erst in den letzten Jahren ist das Kastratentum wieder in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt. Insbesondere der Film FARINELLI - IL CASTRATO von Gérard Corbiau aus dem Jahr 1994, der den Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit bildet, hat viel dazu beigetragen und erscheint als ‘postmoderne‘ Rezeption des Kastratenphänomens. Hauptaugenmerk bei dieser Arbeit wird dabei die Darstellung der Männlichkeit in dem eben genannten Film sein.
2. Die Kastration
Die Kastration im Dienste der Musik breitete sich in Europa und hier vor allem in Italien erstmals seit der Mitte des 16. Jahrhunderts aus. Mehr als dreihundert Jahre lang wurden Kinder gequält und verstümmelt, nur damit ihre hohen Stimmen erhalten blieben. 1 8 - 9 Jahre alte Jungen wurden vor Erreichung der Pubertät und des Stimmbruchs operiert. Sie wurden mit Opium betäubt und einige Zeit in ein sehr heißes-oder in ein Eisbad gesetzt, bis sie gefühllos waren. Dann wurden die Kanäle, die zu den Hoden führen (Keimdrüsen) durchgeschnitten, so dass die Hoden im Laufe der Zeit zusammenschrumpften und verschwanden. So konnte der Prozess der geschlechtlichen Entwicklung ausgeschaltet, der Stimmbruch vermieden werden und eine hohe ‘Knabenstimme’ blieb erhalten. 2 Das ganze erfolgte ohne Desinfektion und unter primitivsten Bedingungen lediglich mit einer Art Spezialinstrument, dem sog. ‘Castratori‘. Nicht selten kam das operierte Kind in der Folgezeit qualvoll ums Leben, wenn es nicht schon unmittelbar an den Folgen des Eingriffs verblutete. Die Prozedur fand unter höchster Geheimhaltung statt, da solche Verstümmelungen verboten waren. 3
2.1 Körperliche Folgen
Durch die Ausschaltung der Keimdrüsen bleibt der Wachstumsschub der Pubertät aus,
1 Vgl. Hubert Ortkemper: Engel wider Willen. Die Welt der Kastraten. Eine andere Operngeschichte. München 1995. S. 7
2 Vgl. Ortkemper: Engel wider Willen. S. 18 f.
3 Vgl. ebd. S. 20
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weshalb die Reifung der Knochen auch verzögert stattfindet. So waren die Kastraten meist extrem groß und neigten oft zur Fettleibigkeit. Auf vielen Karikaturen aus dem 18. Jahrhundert sind Kastraten entweder als ‘spindeldürre Latten’ oder als ‘kugelrunde Fettwänste’ dargestellt. 4 Die sekundären Geschlechtsmerkmale wie Bartwuchs und Körperbehaarung waren bei den Kastraten nur schwach oder gar nicht ausgeprägt. Viele bekamen auch an Brust und Hüften weibliche Rundungen. 5 Sie waren im Körperbau sowie in ihren Gebärden den Frauen sehr ähnlich. 6 Die Operation hatte ihnen die hohe Stimme bewahrt und ihnen gleichzeitig das Geschlecht genommen.
2.2 Gesellschaftliche Folgen
Die gesellschaftliche Stellung der berühmten Gesangskastraten lag zwischen größter Bewunderung auf der Bühne und absoluter Missachtung im Privatleben. Auf der einen Seite wurden sie von anderen als Stimmwunder verehrt, auf der anderen Seite sah man sie nie als gleichwertig an. Auch wenn die Kastraten auf der Bühne umjubelt wurden, galten sie außerhalb des Theaters in der Gesellschaft als Außenseiter und nicht als gleichwertige Bürger. Für alle Kastraten, egal ob bekannt oder unbekannt, gab es ein unerschöpfliches Repertoire von Schimpfwörtern durch die die Kastraten die ganze Verachtung der restlichen Gesellschaft spüren konnten. Darunter z.B. Ausdrücke wie “evirato” (Entmannter), “castrone” (Schafskopf; Ähnlichkeit zum Wort “castrato”), “kapaun” (gemästeter Truthahn) oder gar “caglione” (Hoden/ Dummkopf). 7 Als Liebhaber aber waren sie sehr begehrt, denn sie hatten die Fähigkeit, Kinder zu zeugen, gänzlich verloren. Sie wurden auch oft als besonders gutaussehend oder überaus schön bezeichnet, so das es kein Wunder ist, dass viele Frauen und gelegentlich auch Männer die Sänger anhimmelten. 8
4 Vgl. ebd.: S. 40
5 Vgl. ebd.: S. 42
6 Vgl. Michael Malkiewicz: Zur Darstellung der Figur des Kastraten. In: Gabriele Brandstetter/ Sibylle Peters (Hrsg.): De Figura. München 2002. S. 305
7 Vgl. Sibylle Unser: Der Kastrat und seine Männlichkeit. Gesangskastraten im 17. Und 18. Jahrhundert. Hamburg 2009. S. 45 f.
8 Vgl. Ortkemper, S. 42
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Arbeit zitieren:
Christina Vollmert, 2010, Das Geschlechterbild der Kastratensänger , München, GRIN Verlag GmbH
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