Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis I
Abbildungsverzeichnis II
1 Einleitung 1
2 Theorie: Das Konflikteskalationsmodell von Glasl 2
2.1 Erste Ebene - Win-Win“ 3
2.1.1 Stufe eins: Verhärtung 3
2.1.2 Stufe zwei: Debatte 3
2.1.3 Stufe drei: Taten statt Worte 4
2.2 Zweite Ebene - Win-Lose“ 4
2.2.1 Stufe vier: Images und Koalitionen 4
2.2.2 Stufe fünf: Gesichtsverlust 5
2.2.3 Stufe sechs: Drohstrategien 5
2.3 Dritte Ebene - Lose-Lose“ 6
2.3.1 Stufe sieben: Begrenzte Vernichtungsschläge 6
2.3.2 Stufe acht: Zersplitterung 6
2.3.3 Stufe neun: Gemeinsam in den Abgrund 6
3 Praxisanwendung: Der Konflikt zwischen Manz und Marti in der Novelle Romeo
und Julia auf dem Dorfe“ von Gottfried Keller 7
3.1 Inhaltliche Übersicht 7
3.2 Der Konflikt zwischen Manz und Marti 7
3.2.1 Win-Win“: Ausgangssituation und Streit um den Acker 7
3.2.2 Win-Lose“: Verhärtung der Fronten und Feindschaft der Familien 9
3.2.3 Lose-Lose“: Niedergang der beiden Bauern 10
4 Diskussion: Anwendbarkeit des Modells auf den literarischen Konflikt 12
Literatur III
I
Abbildungsverzeichnis
1 Konflikteskalation nach Glasl . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2 2 Der Streit der Bauern im Konflikteskalationsmodell nach Glasl . . . . . . . . . 11
Titelblatt:
Würtenberger, E. (1919). Die Kinder Sali und Vrenchen. Schweizerland, vol.5 Nr. 9/10, 1919
II
1 Einleitung
Am 12. September 2009 wurde der 50-jährige Manager Dominik Brunner am S-Bahnhof Solln von zwei Jugendlichen niedergeschlagen und verstarb wenig später im Krankenhaus. Er hatte vier Schüler vor einer Gruppe aggressiver Jugendlicher schützen wollen. Derzeit ist das genaue Geschehen noch nicht vollständig geklärt (Kastner, 2010a). Gesichert ist jedoch: ”Zeugen beschreiben eine Eskalation, beginnend mit ersten, vergleichsweise harmlosen Schlägen an der Donnersbergerbrücke, über verbales, halbstarkes Hickhack im Zug bis zu den tödlichen Tritten in Solln.“(Kastner, 2010b).
Wie kann es sein, dass ein scheinbar geringfügiger Anlass zu einem derartigen Gewaltausbruch führen kann? Nicht nur in solchen Ausnahmesituationen, auch in zwischenmenschlichen Konflikten erfolgt häufig ein rasantes und heftiges Hochschaukeln der Ereignisse. Dieser Prozess erscheint auf den ersten Blick rätselhaft und nicht nachvollziehbar. Trotz aller Unterschiede eskalieren viele Konflikte jedoch auf ähnliche Art und Weise.
Bis 1975 gab es wenige Versuche, den Prozess der Konflikteskalation in einem geeigneten Modell zu beschreiben (Glasl, 2010). Danach entstanden mehrere unterschiedliche Ansätze. Pondy unterscheidet beispielsweise fünf Phases des Konflikteskalationsprozesses. Diese Stufen werden zyklisch durchlaufen (Pondy, 1967). Wright beschreibt vier Eskalationsphasen bei internationalen Krisen (Wright, 1965). Sehr viele Stufen weist das Modell von Kahn auf: in 44 Einzelstufen wird hier auf das Konfliktgeschehen zwischen Atommächten eingegangen (Kahn, 1965, in Glasl, 2010). Glasl empfand diese Modelle aus unterschiedlichen Gründen jedoch als noch nicht ausreichend geeignet für sein Ziel, Konflikte im mikro- oder meso-sozialen Rahmen (also zwischen Einzelpersonen sowie kleinen bis mittelgroßen Gruppen) zu analysieren. Somit entwickelte er sein neunstufiges Modell, das heute das wohl bekannteste zur Konflikteskalation darstellt. Es entstand aus der Auseinandersetzung mit Literatur zur Konfliktdynamik sowie der Beobachtung und Analyse von mehr als 300 Praxisfällen (Glasl, 2010).
In dieser Arbeit wird zuerst das Konflikteskalationsmodell von Friedrich Glasl vorgestellt. Anschließend wird das theoretische Modell auf ein Praxisbeispiel angewendet, um die Übertragbarkeit des Modells auf einen bestimmten Kontext zu untersuchen. Die Wahl fiel hierbei auf den Konkflikt zwischen den Bauern Manz und Marti in der Novelle ”Romeo und Julia auf dem Dorfe“ von Gottfried Keller. Neben einer Beschreibung der Eskalation des Konfliktes zwischen den zwei Bauern wird die Novelle auf Parallelen zum theoretischen Hintergrund hin analysiert. Abschließend wird die Auswahl einer literatischen Quelle als Anwendungsfall begründet, die Frage der Anwendbarkeit psychologischer Modelle auf literarische Werke diskutiert sowie ein Ausblick auf weitere Studien dieser Art gegeben.
1
2 Theorie: Das Konflikteskalationsmodell von Glasl
Das Konflikteskalationsmodell von Glasl beschreibt den Prozess der Konflikteskalation in drei Ebenen, die zusammen neun Stufen umfassen (vgl. Abbildung 1). Von Stufe zu Stufe schreitet die Eskalation des Konflikts weiter fort. Die Schwellen zwischen den einzelnen Stufen markieren typische Einstellungsänderungen oder Handlungen der Akteure, die zu einer weiteren Verschärfung des Konflikts führen (Glasl, 2010).
Glasl macht in seinem Buch deutlich, dass sein Stufenmodell einen Vorgang mit hoher Eigendynamik beschreiben soll:
”Im Gegensatz zu den meisten anderen Autoren stellen wir den Eskalationsprozess
als eine Abwärtsbewegung dar: Er ist eine Bewegung über Stromschnellen, die zu
einer zunehmenden sozialen Turbulenz führt.“
(Glasl, 2010, S.233)
Das Abgleiten in den Konflikt löst bei den Akteuren häufig Handlungen aus, deren Folgen sie nicht unter Kontrolle haben. Somit können Verhaltensweisen, die durch eine bestimmte Konfliktphase ausgelöst werden, eine Beschleunigung des Eskalationsprozesses fördern. Zudem werden die Handlungsalternativen der Akteure eingeengt, da sie schrittweise Möglichkeiten zur Kommunikation oder Kompromissbildung verlieren oder aufgeben (Glasl, 2010). Dabei sollte beachtet werden, dass einzelne Stufen auch übersprungen und wiederholt werden können (Mahlmann, 2001).
Um die Konflikteskalation im Modell von Glasl näher zu erläutern, sollen im Folgenden die einzelnen Ebenen und Stufen des Modells genauer vorgestellt werden.
Arbeit zitieren:
Vanessa Glunz, 2010, Anwendung des Konflikteskalationsmodells von Glasl auf die Novelle "Romeo und Julia auf dem Dorfe", München, GRIN Verlag GmbH
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