Inhaltsverzeichnis
Einleitung 1. 1
2. „Le Sacre du Printemps“
2.1. Entstehungs- und Aufführungsgeschichte 2
2.2. Handlung 2
2.3. Musik 3
3. Verschiedene Choreographien
3.1. Choreographie von Millicent Hudson 4
3.2. Choreographie von Maurice Béjart 7
3.3. Choreographie von Pina Bausch 10
Vergleich 4. 12
Schlussbemerkung 5 16
1
1. Einleitung
„Beim Sacre wurde ich von keinem System irgendwelcher Art geleitet [...] Ich hatte nur mein Ohr als Hilfe. Ich hörte, und ich schrieb, was ich hörte. Ich war das Gefäß, durch das der
Sacre hindurchging.“ (Strawinsky, 1962, S.1) 1
Mit „Le Sacre du Printemps“ schuf Strawinsky eines der wichtigsten Orchesterwerke des zwanzigsten Jahrhunderts und verursachte 1913 mit der Uraufführung in Paris einen der berühmtesten Theaterskandale. Das Entsetzen des Premierenpublikums wandelte sich jedoch schnell in Faszination für das komplexe und geheimnisvolle Werk um. Die Gewaltigkeit und Ausdrucksstärke der Musik, gepaart mit der fremden und mystischen Welt der slawischen Opferrituale, brachte der „Sacre“ einen Einschnitt in der neuen Musik. Als erster setzte sich der Tänzer und Choreograph Nijinsky 1913 mit der Musik Strawinskys auseinander, ihm folgten aber seit dem zahlreiche weitere berühmte Choreographen. Mit Pina Bausch und Maurice Béjarts Interpretation erleben wir neben Nijinsky zwei völlig andere Möglichkeiten Strawinskys „Sacre“ tänzerisch umzusetzen.
Exemplarisch am Opfertanz, als Höhepunkt des Balletts, sollen im Folgenden diese drei Interpretationen miteinander verglichen werden, unterschiedliche Ansätze, andersartiger Umgang mit der Musik, aber auch Ähnlichkeiten herausgestellt werden.
1 aus Strawinsky, Igor and Craft, Robert (1962): Expositions and Developments, London aus
www.lichtensteiger.de/sacre.html
2
2. „Le Sacre du Printemps“
2.1. Entstehungs- und Aufführungsgeschichte
Noch während der Arbeit an seinem Feuervogel-Ballett im Jahre 1910, hatte Strawinsky die Vision eines heidnischen Rituals: Im Kreise alter, weiser Männer tanzt ein junges Mädchen ihren Todestanz, um schließlich dem Gott des Frühlings geopfert zu werden und ihn somit günstig zu stimmen.
Strawinskys alter Freund und Maler Nicholas Roerich und auch Sergej Diaghilew, der Leiter der „Ballets Russes“, waren von der Idee begeistert und drängten ihn zur weiteren Ausarbeitung. Da ihm das Sujet aber zu diesem Zeitpunkt noch zu komplex und wenig greifbar schien, widmete sich der Komponist zunächst seinem neuen Ballett „Petruschka“. Unmittelbar nach der erfolgreichen Uraufführung im Jahre 1911 in Paris zog sich Strawinsky zurück, um an seinem dritten Ballett „Sacre du Printemps“ zu arbeiten. Mit Nikolas Roerich zusammen legte er die einzelnen Szenen fest und beauftragte ihn schließlich auch, das Bühnenbild zu gestalten. Als Choreograph kam einzig der Tänzer der „Ballets Russes“, Waslaw Nijinsky, in Frage, der mit seiner letzten Choreographie von Debussys „Prélude à l´apres-midi d`un faune“ einen Skandal ausgelöst hatte, denn „als Musiker besaß der Tänzer keinerlei Vorkenntnisse, und als Persönlichkeit war er von einer nur schwer zu beschreibenden Naivität […]“ (Burde, 1982, S.78). Die Uraufführung am 29.Mai 1913 im Théatre des Champs-Elysées wurde schließlich zu einem Chaos. Spekulationen, den Grund des Scheiterns betreffend, waren zum einen, die Choreographie habe zu überladen und unübersichtlich gewirkt. Aus heutiger Sicht allerdings wird vermutet, dass Strawinsky mit seiner für das westliche Publikum ungewohnten Rhythmik und Nijinsky mit seiner komplexen Choreographie das Pariser Publikum überforderten. Nach drei Pariser und drei Londoner Aufführungen wurde Nijinskys Choreographie schließlich abgesetzt.
Leonid Massine präsentierte das Ballett mit der ersten Neueinstudierung 1920 nach den schlechten Kritiken der Uraufführung erneut und brachte es mit Martha Graham auch in den USA auf die Bühne. Danach folgten zahlreiche weitere Choreographien von Mary Wigman, Pina Bausch, Aurel von Milloss u.v.a. Strawinskys Ballett fand auch in anderen Bereichen Gefallen und wurde zum Beispiel zur Begleitmusik des Walt Disney Trickfilms „Fantasia“.
2.2. Handlung
„Le sacre du printemps - Bilder aus dem heidnischen Russland“ ist in zwei Teile gegliedert, zum einen „Die Anbetung der Erde“ und zum anderen „Das Opfer“.
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Dem ersten Teil voran steht eine Introduktion, in der Strawinsky dem Orchester „die Furcht anvertraut, die jeden feinempfindlichen Geist vor der Macht der Elemente überkommt […], so muss das ganze Orchester die Geburt des Frühlings wiedergeben.“ (Regitz, 1956, S.530) In der ersten Szene, den „Vorboten des Frühlings“, werden Jünglinge von einer uralten Frau in die Mysterien der Natur eingeweiht. Sie „erheben sich allmählich und tanzend stampfend das Leben aus der Erde heraus“ (ebd., S. 531). Im „Entführungsspiel“ und „Frühlingsreigen“ werden die Mädchen von den Jünglingen erobert. Sie tanzen zunächst friedlich miteinander, steigern sich später in einen Rausch und damit Kampf der Geschlechter. In den letzten Szenen des ersten Teils, dem „Spiel der streitenden Stämme“, dem „Aufzug des Weisen“ und der „Anbetung der Erde“ tanzen die Männer ein Kampfspiel, bei dessen Höhepunkt der Alte eingreift und mit „beschwörenden Gesten die Erde“ (ebd., S.531) anbetet. Im zweiten Teil „Das Opfer“ wird im „Reigen der Jungfrauen“ ein Mädchen zur Opferung an die Erde auserkoren. In der „Verherrlichung der Auserwählten“ tanzen die Jünglinge und Mädchen ekstatisch in einem Kreis um die Auserwählte. In den letzten Szenen „Anrufung der Urväter“, „Weihetanz der Urväter“ und „Opfertanz“ werden die Urväter zunächst mit einem Ritualtanz beschwört. Daraufhin tanzt die Auserwählte ihren Opfertanz bis sie tot zusammenbricht und von den Männern „im Schoß der Erde geborgen“ (ebd., S. 532) wird.
2.3. Die Musik
Grundsätzlich ist zu sagen, dass Strawinskys Musik aus drei Ebenen besteht. Es sind zum einen die weiblichen Gesänge, die hier vom Orchester übernommen werden und das Melodische der Komposition widerspiegeln. Zum zweiten repräsentieren die wilden Tänze das Rhythmische und schließlich die Prozessionen, die für das Majestätische des Balletts stehen (vgl. Dokumentation, 1993). Ebenso typisch für Strawinskys Musik sind die vielen Taktsprünge und die Aneinanderreihung verschiedener Rhythmen. Dies bewirkt die Lebendigkeit und das außergewöhnliche rhythmische Erleben des Stücks. Der Höhepunkt des „Sacre du Printemps“ ist der Opfertanz der Auserwählten am Schluss des Stückes. Hier wird schließlich das junge Mädchen geopfert, um die Geister des Frühlings zu beschwören und damit das gemeinschaftliche Wohl zu sichern.
Musikalisch lässt sich der Opfertanz in A B A C A gliedern. Die Teile unterscheiden sich durch verschiedene signalartige rhythmische und melodische Motive. Teil A (Z. 142 bis Z. 148) ist geprägt von der Unregelmäßigkeit der Taktarten (3/16 Takt abwechselnd mit 2/16 Takt) und der daraus entstehenden Hektik. Unterbrochen wird dies immer wieder von einem dramatischem Zwischenruf aller Instrumente im fortissimo.
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Teil B (Z. 149 bis Z. 166) beginnt dagegen sehr ruhig im piano, ständige Taktwechsel vermitteln allerdings auch hier Unregelmäßigkeit. Das kennzeichnende Motiv sind drei chromatisch abwärtsgerichtete Töne, die in allen Instrumenten abwechselnd auftreten und dem Ganzen einen sehr bedrängenden, einschüchternden Charakter verleihen. Am Ende steigern sich die Piccoloflöten und Violine durch schnelle 32tel-Läufe bis ins Ekstatische. Auf den sich wiederholenden Teil A (Z. 167 bis Z. 173) folgt Teil C (Z. 174 bis Z. 179), der sich durch die sehr dominanten Schlaginstrumente und Blechbläser bedrohlich steigert und auch durch kurze Aufschreie (aufwärtsgerichete 16tel-Läufe) verschiedener Instrumente nicht unterbrochen werden kann.
Beim letzten Teil handelt es sich um einen sehr stark variierten Teil A (Z. 180 bis Z. 201). Viele verschiedene Rhythmen und Melodien werden übereinander gelegt und vermischen sich zu einer auf den ersten Blick chaotischen, bedrohlichen Masse.
3. Verschiedene Choreographien
3.1. Choreographie von Millicent Hudson (1989)
Die misslungene Uraufführung des „Sacre du Printemps“ 1913 sei auf die Überforderung des Publikums zurückzuführen und nicht auf das fehlende Verständnis Nijinskijs für Musik. Nijinskij habe das Publikum überschätzt, die Choreographie sei zur damaligen Zeit zu neu und exzentrisch gewesen (vgl. Hudson, Dokumentation, 1993). Genau aus diesem Grund widmete sich die Choreographin Millicent Hudson 1989 der Nachkonstruktion von Nijinskys Originalchoreographie. Der Designer und Kunsthistoriker Kenneth Archer stellte nach alten Aufzeichnungen von Nijinsky und Roerich die Kostüme und das Bühnenbild wieder her. Das Orchester des Prager Nationaltheaters und das weltweit renommierte „Joffrey Ballet“, das schon einige vergessene Originalchoreographien der „Ballets Russes“, wie Massines „Parade“ oder Balanchines „Cotillon“ in seinem Repertoire hatte, feierte schließlich 1989 mit der Rekonstruktion des „Le Sacre du Printemps“ Premiere. Bei dieser Produktion wurde nicht nur die Originalchoreographie von Nijinsky nachempfunden, sondern auch die Originalkostüme, sowie das Bühnenbild. Im ersten Teil, der „Anbetung der Erde“, bewegen sich die Tänzer vor einer grünen, idyllischen Hügellandschaft mit blauem Himmel. Im zweiten Teil gleicht die Bühne einer Landschaft bei Mondschein. Die Hügel im Hintergrund lassen sich nur noch erahnen und die Tänzer tanzen, von sehr kaltem Licht beleuchtet, wie im Schein des Vollmondes. Die Kostüme erinnern an traditionelle, folkloristisch russische Trachten. Die Männer tragen weite Hosen und Hemden mit folkloristischen Mustern, dazu einen Hut. Die Weisen
Arbeit zitieren:
Sophie Hummel, 2006, Strawinsky „Le Sacre du Printemps“, München, GRIN Verlag GmbH
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