Inhaltsverzeichnis
1.) Einleitung 3
2.) Überblick über eine strategische Partnerschaft. 3
3.) Das chinesische Engagement im Sudan. 5
4.) Chinesische Investitionen im Sudan 6
5.) Die Darfur-Krise 8
6.) Chinesische Waffenlieferungen an den Sudan 9
7.) Der Darfur-Konflikt in der Perzeption der Öffentlichkeit. 10
8.) Schlussbemerkung 11
9.) Literaturverzeichnis 13
9.1. Literatur. 13
9.2. Internet 13
2
1.) Einleitung
Die intensive Kooperation zwischen der Volksrepublik China und dem Sudan ist in jüngster Zeit der Gegenstand kontrovers geführter Diskussionen.
Menschenrechtsaktivisten prangern die, ihrer Meinung nach, fatale ökonomische und militärische Unterstützung des autoritären sudanesischen Regimes durch die Volksrepublik an. Die chinesische Führung spricht dagegen von regulären bilateralen Beziehungen zweier souveräner Staaten und verbittet sich eine Einmischung Dritter. Seit dem Ausbruch der Darfur-Krise 2003 wurden die Beziehungen zwischen China und dem Sudan auch zunehmend in Konferenzen der Vereinten Nationen behandelt. Seinen vorläufigen medialen Höhepunkt fand die Auseinandersetzung aber in der Absage Steven Spielbergs, einen Eröffnungstrailer für die in Peking ausgetragenen Olympischen Spiele 2008 zu redigieren. Der bereits erwartete negative Bescheid Spielbergs wurde nicht zuletzt durch den massiven Druck von seinen Schauspielerkollegen, allen voran von Mia Farrow ausgelöst, die die Wettkämpfe mit dem Begriff der „Völkermordspiele“ versah. Die Verwendung derart drastischer Termini bezeugt die Intensität der Debatten um das Thema, aber sind sie gegenüber der Politik der Volksrepublik auch zu rechtfertigen? Mit dieser Fragestellung möchte ich mich in der folgenden Seminararbeit befassen und gebe zunächst einen Überblick über den Themenkomplex der Beziehungen des Sudan zur Volksrepublik China.
2.) Überblick über eine strategische Partnerschaft
Die sudanesisch-chinesischen Beziehungen begannen drei Jahre nach der sudanesischen Unabhängigkeit, im Jahre 1959, als sich beide Staaten durch den Kampf gegen den Kolonialismus und Imperialismus vereint sahen und gegenseitige diplomatische Beziehungen aufnahmen. 1
Während es in den Jahrzehnten danach aber nur sporadische diplomatische Kontakte gab, kam es in den 90er Jahren zu einer Revitalisierung der Beziehungen mit einem Schwerpunkt auf wirtschaftlicher Basis. Die bilateralen Kontakte haben sich seitdem zu einer regelrechten strategischen Partnerschaft entwickelt.
1 Faath, Sigrid, „Nordafrika/Nahost und die VR China. Pragmatische Beziehungen auf Erfolgskurs“, April 2002, 5 Seiten, Zugriff: 22.02.2008 unter http://www.wuquf.de/wuquf-online-analyse-5.pdf
3
Für die chinesische Seite ist der Sudan wirtschaftlich gesehen von herausragender Bedeutung, da das Reich der Mitte bis zu 8% seiner Erdölexporte aus dem Sahel-Staat bezieht, die den Motor für das ungebrochene Wirtschaftswachstum Chinas darstellen. 2 Der Sudan auf der anderen Seite, kann sich mit Hilfe chinesischer Devisen Technologien und Rüstungsgüter einkaufen. Da die USA und die meisten westlichen Staaten ein Waffenembargo über den Sudan verhängt habe, kauft das Regime al-Baschir vorrangig bei der Volksrepublik China selbst ein, womit sich ein monetärer Kreislauf zugunsten der Chinesen schließt.
Das autoritäre, von internationalen Embargos und Bürgerkriegen angeschlagene Regime in Khartoum kann sich darüber hinaus auf seinen chinesischen Partner in Sachen internationaler Protektion verlassen. So blockte die Volksrepublik mit ihrem Veto-Recht im UN-Sicherheitsrat regelmäßig amerikanische oder britische Forderungen nach verschärften Sanktionen ab. Bis zum Sommer 2007 verhinderte sie außerdem die Entsendung einer UN-Friedenstruppe. 3
Obwohl die Gesamthandelsbilanz des Sudan 2007 negativ ausgefallen ist, stellt sie sich gegenüber China als positiv dar. So ist die VR China für 17,7% aller sudanesischen Importe bis zum Dezember 2007 verantwortlich und damit der wichtigste Importpartner des afrikanischen Staates. Auf der anderen Seite exportierte der Sudan 31% seiner gesamten Jahresproduktion, deren Großteil Öl und Ölderivate ausmachen, in die Volksrepublik, die somit nach Japan den zweitwichtigsten Handelspartner des Wüstenstaates darstellt. 4 Durch seinen rasanten wirtschaftlichen Aufschwung ist die Volksrepublik mehr denn je auf das sudanesische Erdöl angewiesen. Während China im Jahre 1994 noch 94% seines Bedarfs aus der eigenen Ölförderung decken konnte, musste man im Jahre 2004 bereits ein Drittel des jährlich benötigten Erdöls importieren. Da China mittlerweile nach den USA der weltweit zweitgrößte Ölkonsument ist und die chinesische Wirtschaft ungebrochen auf Wachstumskurs ist, wird erwartet, dass die Volksrepublik im Jahre 2020 zwei Drittel ihres Ölbedarfes importieren muss. 5
2 Reuters, “Sudan sees 520.00 bpd oil output in 2007“, in Sudan Tribune, 7 March 2007. Zugriff: 16.02.2008 unter http://www.sudantribune.com/spip.php?article20634
3 The Washington Post: “Responsible China?”, in The Washington Post, 06.09.2006 Zugriff: 21.02.2008 unter http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2006/09/05/AR2006090501187.html
4 GHORFA (Arab-German Chamber of Commerce and Industry): “Witschaftsdaten Sudan”, 12/2007, 3 Seiten, Zugriff: 22.02.2008 unter http://www.ghorfa.net/pdf/laenderprofil/Wirtschaftsdaten_Sudan_12-07.pdf
5 The Washington Post: “Responsible China?”
4
3.) Das chinesische Engagement im Sudan
Obwohl die wirtschaftlichen Beziehungen beider Staaten natürlich eine breite Palette an Import- und Exportprodukten umfassen, dreht sich de facto doch alles um den weltweit begehrtesten Rohstoff, das Erdöl. Eine Gelegenheit die chinesische Ölförderung im Sudan genauer zu untersuchen.
Die Geschichte der Ölförderung im Sudan ist vergleichsweise kurz. Obwohl reiche Ölvorkommen schon seit der Antike bekannt waren, rückten die Ölfelder im Süden des Sudan erst in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts in den Blickwinkel der Öffentlichkeit. Der Sudan selbst, war als einer der ärmsten Staaten der Welt nicht in der Lage, seine Bodenschätze durch eigene Fördermittel auszubeuten. Noch 1980 wurde daran gezweifelt, ob der Sudan jemals Erdöl im größeren Stil würde exportieren können. 6 Als der Rohstoff Öl in den 60er Jahren zunehmend an Bedeutung gewann, und 1973 die erste Ölkrise stattfand, drängten westliche Ölkonzerne, die noch weitgehend unentwickelten afrikanischen Ölreserven zu erschließen. Im Sudan etablierte sich 1974 die amerikanische Chevron Corporation, die mit der französische Firma Total bald einen Konkurrenten erhielt. Nachdem sich beide Firmen 1984 nach Rebellenangriffen und politischem Druck zurückziehen mussten, drängten dann kanadische (Talisman), österreichische (OMV) und schwedische (Lundin Oil AG) Firmen nach. Diese Konzerne profitierten durch den Bürgerkrieg im Südsudan, wie ein Bericht des Human Rights Watch nahe legt: „Der Zusammenhang zwischen Krieg und Vertreibungskampagne zur Entwicklung des Ölsektors ist offensichtlich: Die Ölgebiete, in denen die Bevölkerung gezielt vertrieben wurde, sind diejenigen, in denen eine Konzession genehmigt und eine Pipeline fertiggestellt wurde“. 7 Als sich schließlich auch die westlichen Ölkonzerne auf den Druck von Menschenrechtsorganisationen in den 90er Jahren zurückziehen mussten, verkauften sie ihre Fördergebiete an Staaten, die im Bezug auf Menschenrechte offenbar geringere Skrupel hatten, namentlich an indische, malaysische und vor allem an chinesische Konzerne. 8 Die Chinesen hatten bereits seit Anfang der 90er Jahre versucht, Lizenzen für ihren absehbar steigenden Ölkonsum zu erwerben. Die angestrebten sibirischen Ölfelder sicherten
6 Vgl. Eitner Kurt u. Munir D. Ahmed, Republik Sudan. Probleme eines Entwicklungslandes an Hand ausgewählter Bereiche, Deutsches Orient-Institut, Hamburg 1980, S. 87
7 Wagner, Jürgen, „Der Sudan als Spielball der Mächte“, Zugriff: 21.02.2008 unter http://www.connection-ev.de/Afrika/sud_wagner05.html
8 Harman, Danna, “IN SUDAN, CHINA FOCUSES ON OIL WELLS, NOT LOCAL NEEDS”, in The Christian Science Monitor. 25 June 2007, 4 Seiten, Zugriff: 22.02.2008, unter http://www.csmonitor.com/2007/0625/p11s01-woaf.html?page=2
5
Arbeit zitieren:
Sandino Rothenbücher, 2008, Die chinesisch-sudanesische Kooperation, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Bedeutung für den afrikanische...
Politik - Internationale Politik - Region: Afrika
Hausarbeit (Hauptseminar), 33 Seiten
Muslime in der VR China in der Zeit ab 1949
Politik - Internationale Politik - Region: Ferner Osten
Seminararbeit, 11 Seiten
Das Dayton-Abkommen und seine Umsetzung
Politik - Internationale Politik - Thema: Frieden und Konflikte, Sicherheit
Hausarbeit (Hauptseminar), 23 Seiten
China – Russland - EU - USA: Potentialdaten im Vergleich
Die Globalisierung und die Ent...
Politik - Internationale Politik - Thema: Globalisierung, pol. Ökonomie
Hausarbeit, 13 Seiten
Productive Power - Towards a Discursive Concept of Power in Internatio...
Politik - Internationale Politik - Allgemeines und Theorien
Seminararbeit, 23 Seiten
Politik - Politische Systeme - Allgemeines und Vergleiche
Seminararbeit, 16 Seiten
Die Chuch'e Ideologie als Staatsreligion in Nordkorea: Entstehung,...
Politik - Internationale Politik - Region: Sonstige Staaten
Seminararbeit, 23 Seiten
China und Afrika - Strategische Partnerschaft oder Neokolonialismus?
Politik - Politische Systeme - Allgemeines und Vergleiche
Bachelorarbeit, 54 Seiten
China`s Beitritt zur WTO - Chancen und Risiken
VWL - Außenhandelstheorie, Außenhandelspolitik
Seminararbeit, 22 Seiten
Politik - Internationale Politik - Thema: Int. Organisationen u. Verbände
Seminararbeit, 14 Seiten
Analyse und Vergleich politischer Systeme: Das Beispiel USA und Bundes...
Politik - Internationale Politik - Region: USA
Hausarbeit, 14 Seiten
Geld in der modernen Kultur-Stile des Lebens nach Georg Simmel
Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen
Hausarbeit, 18 Seiten
Die Chuch'e-Ideologie in Nordkorea
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Hausarbeit, 16 Seiten
Die Vereinten Nationen im Menschenrechtsdilemma
Der Konflikt in Darfur im Spie...
Politik - Internationale Politik - Thema: Völkerrecht und Menschenrechte
Hausarbeit (Hauptseminar), 54 Seiten
Das Dayton-Friedensabkommen: Ein Ungeliebter Frieden
Inwiefern wurde das Dayton-Fri...
Politik - Internationale Politik - Thema: Frieden und Konflikte, Sicherheit
Seminararbeit, 18 Seiten
Sandino Rothenbücher hat einen neuen Text hochgeladen
Die Regierung von Konfliktgebieten durch die Vereinten Nationen
Simon Friedrich Wilhelm Wollenberg
Die Reform der Vereinten Nationen - Bilanz und Perspektiven
Johannes Varwick, Andreas Zimmermann
0 Kommentare