Inhalt
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1. Einleitung 1
2. Das Genre Daily Soap
2.1 Formale Charakteristika 2
2.2 Inhaltliche Charakteristika
2.2.1 Themen und Charaktere 4
2.2.2 Realitätskonstruktion 6
3. Der Uses-and-Gratifications - Approach 7
4. Medienrezeption von Jugendlichen 9
5. Bedürfnisbefriedigung bei der Rezeption von Daily Soaps
5.1 Kognitive Bedürfnisse 10
5.2 Emotionale Bedürfnisse 11
5.3 Bedürfnisse nach Linderung sozialer Spannungen und Probleme 12
5.4 Sozial-interaktive Bedürfnisse 13
5.5 Zeitbezogene Bedürfnisse 14
6. Fazit 15
7. Literatur 17
1
1. Einleitung
„Soap Operas“ - oder auf Deutsch „Seifenoper“ - heißt eines der beliebtesten Fernsehgenres bei Jugendlichen. Der Name ist auf die Entstehungsgeschichte der Soaps zurückzuführen. Ende der zwanziger Jahre entwickelten sich in den Vereinigten Staaten so genannte „radio serials“ - mehrteilige Hörspiele, die sich an den Bedürfnissen der Hauptzielgruppe Hausfrauen orientierten. 1 Da einer der Hauptsponsoren dieser Serials der Waschmittelhersteller Procter & Gamble war, wurden dessen Produkte oft in die Handlung eingewoben und namentlich in der Sendung genannt. 2 Daraufhin bekamen die Serials den Spitznamen „Soap Operas“. 3
In den fünfziger Jahren konnte sich das Format auch im neuen Medium Fernsehen durchsetzen. Zu Beginn der neunziger Jahre wurden sind Jugendliche als Zielgruppe von Soaps zunehmend in den Vordergrund gerückt. 4 In Deutschland startete 1985 die „Lindenstraße“ auf ARD - die erste Serie, die keine abgeschlossenen Einzelfolgen beinhaltete und auf Endlosigkeit angelegt war. Da sie aber nicht täglich - nicht „daily“ - ausgestrahlt wird, zählt man sie nicht zu den Daily Soaps.
Die erste deutsche Daily Soap heißt „Gute Zeiten schlechte Zeiten“ und startete am 11. Mai 1992 auf RTL. 5 Bis heute wurden 4313 6 Folgen dieser Soap ausgestrahlt. Werktags sehen mehr als 14 Millionen Menschen Daily Soaps 7 eine enorme Anzahl. Zudem schauen Jugendliche oft mehrere Soaps täglich, was dadurch ermöglicht wird, dass es keine zeitlichen Überschneidungen gibt. 8 Durch die auf Endlosigkeit angelegt Handlung ist es meist der Fall, dass die häufige Soap-Rezeption mit der Sendungstreue korreliert - das heißt: Wer einmal anfängt, kann nicht mehr aufhören. 24,4 % der Jugendlichen haben sogar manchmal das Gefühl, nach einer Daily Soap süchtig zu sein - so ein Ergebnis einer Studie von
1 Vgl. Göttlich / Nieland (2001a). S. 143.
2 Vgl. Hickethier (2007). S. 196.
3 Aufgrund der täglichen Ausstrahlung hat sich auch der Name „Daily Soaps“ entwickelt.
4 Vgl. Simon (2004). S. 18f.
5 Vgl. Cippitelli (2001). S. 12.
6 http://gzsz.rtl.de/cms/html/de/pub/serie.phtml Stand 29.08.2009
7 Vgl. Cippitelli (2001). S. 12.
8 Vgl. Göttlich / Nieland (2001b). S. 29.
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Jeannine Simon aus dem Jahre 2004. 9 Das starke Interesse von Jugendlichen an Daily Soaps verstärkt folglich deren Wirkung auf die Rezipienten. Zurzeit werden außer „Gute Zeiten schlechte Zeiten“ noch „Verbotene Liebe“ und „Marienhof“ auf ARD und „Unter Uns“ und „Alles was zählt“ auf RTL angeboten.
Die vorliegende Arbeit behandelt das Genre „Daily Soap“ und die Bedürfnisse, die Jugendliche durch deren Rezeption zu befriedigen versuchen. Dabei wird zunächst das Genre charakterisiert. Im Folgenden wird der „Uses-and-Gratifications“ - Approach beschrieben, der als Grundlage für das Verständnis der Bedürfnisbefriedigung dient. Daraufhin werden die grundlegenden Verhaltensmuster von Jugendlichen bei der Fernsehrezeption dargestellt. Zuletzt werden Bedürfnisse dargelegt, die Jugendliche bei der Rezeption von Daily Soaps befriedigen wollen.
2. Das Genre „Daily Soap“
Um die Bedürfnisbefriedigung von Jugendlichen bei der Soap-Rezeption behandeln zu können, ist es zunächst notwendig, das Genre Daily Soap näher zu bestimmen.
Zu Beginn wird auf die formalen Stilmittel in Soaps eingegangen.
2.1 Formale Charakteristika
Eine allgemeingültige Definition des Genres liegt zwar nicht vor, allerdings lässt sich durch die Gemeinsamkeiten der Soaps das Genre charakterisieren. In jeder Daily Soap wird „eine fiktionale Fortsetzungsgeschichte seriell erzählt“ 10 . Die narrative Struktur der Soaps ist bestimmt von ihrem Endloscharakter. 11 Es werden circa drei bis vier Handlungsstränge parallel erzählt, dabei beginnen und enden sie
9 Vgl. Simon (2004). S. 172.
10 Simon (2004). S. 15.
11 Vgl. Göttlich / Nieland (2001a). S. 142.
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nie zum selben Zeitpunkt. 12 Die verschiedenen Handlungsstränge werden in einem Zopfmuster miteinander verflochten. 13 Eine Soap wird werktäglich immer zur gleichen Uhrzeit ausgestrahlt.
Eine Sendung erstreckt sich meist über eine halbe Stunde und beinhaltet bis zu 20 Sequenzen, was einen schnellen Sequenzwechsel zur Folge hat. Dieser kompensiert die nur langsam voranschreitende Handlung und lässt so den Eindruck entstehen, dass das Geschehen der Sendung ereignisreich ist. 14 Um für jeden Tag eine Sendung fertig zu stellen, ist nur eine kurze Produktionszeit möglich. 15 Außerdem verfügt eine Soap nur über ein geringes finanzielles Budget. So kostet im Durchschnitt eine Sendeminute Soap circa 3500€, eine Sendeminute „Tatort“ hingegen 13000€. 16
Am Ende jeder Folge wird ein Spannungsbogen zum Höhepunkt geführt, das Genremerkmal der Daily Soap tritt in Erscheinung - der so genannte Cliffhanger, d.h. eine dramatische Situation wie zum Beispiel ein Geständnis, ein Unfall, eine überraschende Entdeckung. 17 Gezeigt wird die Reaktion des betroffenen Protagonisten in einer Großaufnahme, um seine Emotionen möglichst greifbar und offensichtlich erscheinen zu lassen. Er stellt diese mit theatralischer Mimik und Gestik dar und hält sie unnatürlich lange. Die oft überzogen wirkende Reaktion soll die Dramatik verstärken und so das Verlangen des Zuschauers, die nächste Folge zu sehen, steigern. 18
In der nächsten Folge wird die Handlung im so genannten „Cliff-Pickup“ wieder aufgenommen und schafft so eine Verknüpfung zwischen den einzelnen Folgen. 19
Eine Soap ist sehr dialoglastig. Dies hat verschiedene Gründe: Die vielen Dialoge, die sich meist mit zwischenmenschlichen Problemen beschäftigen, ermöglichen das Aufzeigen verschiedener Sichtweisen auf eine Situation. So wird für den Zuschauer zusätzliche Identifikationsfläche geschaffen. 20 Die Ereignisse in Soaps werden oft nicht gezeigt, sondern berichtet und in Dialogen zusammengefasst und
12 Vgl. Magin (2005). S. 17.
13 Vgl. Göttlich / Nieland (2001a). S. 152.
14 Vgl. Hickethier (2007). S. 197.
15 Vgl. Simon (2004). S. 15.
16 Vgl. Simon (2004). S. 34.
17 Vgl. Magin (2005). S. 18.
18 Vgl. Göttlich / Nieland (2001b). S. 25.
19 Vgl. Schmitz (2006). S. 24.
20 Vgl. Magin (2005). S. 18.
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reflektiert. 21 Dies ist zum Einen günstiger in der Produktion, zum Anderen erleichtert es den Einstieg, wenn beispielsweise ein Rezipient eine Folge verpasst hat. 22
Frauen bilden die Hauptzielgruppe von Daily Soaps, da sie sich mehr für alltägliche und zwischenmenschliche Probleme interessieren. 23 24 Infolgedessen treten Frauen in Daily Soaps vermehrt auf, um mehr Identifikationsfläche für weibliche Zuschauer zu schaffen. 25
2.2 Inhaltliche Charakteristika
Im folgenden Abschnitt werden inhaltliche Merkmale dargelegt, die typisch für eine deutsche Daily Soap sind. Zunächst wird auf die Themen und die Charaktere der Soaps eingegangen, dann werden die Faktoren dargestellt, die eine Soap realistisch erscheinen lassen.
2.2.1 Themen und Charaktere
Die Themen in Soaps sind dadurch bestimmt, dass „es nie vollkommenes Glück gibt, sondern Probleme und Schwierigkeiten, Schicksalsschläge und Zufälle das Leben bestimmen.“ 26 Die grundlegenden menschlichen Beziehungen - Familie, Liebe, Arbeit, Freundschaft und Feindschaft - werden thematisiert. Die wichtigsten Themen werden zyklisch wiederholt. 27 Zentral sind Beziehungsprobleme und Gefühlschaos, die sich meist um spektakuläre Krisensituationen und Normverstöße drehen. Typisch sind zum Beispiel homosexuelle Liebe, verfrühte Schwangerschaft, Seitensprünge, Drogensucht,
21 Vgl. Hickethier (2007). S. 197.
22 Vgl. Simon (2004). S.48f.
23 Vgl. Magin (2005). S. 27. 24 Vgl. Götz (2002). S. 18.
25 Vgl. Götz (2001). S. 191.
26 Klaus (1998). S. 333.
27 Vgl. Baranowski (2002). S. 62.
Arbeit zitieren:
Nina Klippel, 2009, Die Befriedigung von Bedürfnissen Jugendlicher bei der Rezeption von Daily Soaps, München, GRIN Verlag GmbH
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