Inhaltsverzeichnis
1.) E i n l e i t u n g S 3
2.) Die Ursachen des Konfliktes 4
3.) Die Beziehung der Volksrepublik China zu Vietnam 6
3.1. Vietnam in traditioneller chinesischer Perzeption 6
3.2. Die sozialistischen Bruderstaaten 6
4.) Das militärische Potenzial der Kontrahenten 8
5.) D e r K r i e g s v e r l a u f S 1 0
5.1. Die Strategie der Volksbefreiungsarmee 10
5.2. Der vietnamesische Widerstand 10
6.) Der Waffenstillstand 11
7.) Die Entwicklung hin zur Normalisierung der Beziehungen 12
8.) Schlussbetrachtung 13
9.) Quellenverzeichnis 15
9 1 L i t e r a t u r S 1 5
9 2 I n t e r n e t S 1 5
2
„Es ist besser ein paar Jahre französischen Dung zu riechen, als chinesischen Dung mehrere Generationen lang“
Begründung Ho Chi Minhs, die Teilnahme chinesischer Freiwilliger 1953 im ersten Indochinakrieg gegen Frankreich abzulehnen. 1
1.) Einleitung
Nach den Auseinandersetzungen der Volksrepublik China mit Indien in Sikkim 1965 und mit der Sowjetunion am Ussuri 1969, die eher lokal ausgetragene Konflikte darstellten, vertrat der Vorsitzende des Politbüros Deng Xiaoping mit der Anfang 1979 begonnenen Invasion in Vietnam ein weiteres Mal eine offensive chinesische Außenpolitik. Seiner Meinung nach sollte Asien und der Welt die Stärke der Volksrepublik und ihres Militärs, der Volksbefreiungsarmee (VBA) vor Augen geführt werden. Dengs Intention bestand außerdem darin, die nach dem erfolgreich beendeten Krieg mit den USA allzu selbstsicher auftretenden Vietnamesen, daran zu erinnern, dass man in Peking das Land zwischen dem Roten Fluss und dem Mekong-Delta nach wie vor zur chinesischen Einflusszone zählte. 2 Dass sich diese zeitlich begrenzte Strafexpedition zu einem regelrechten konventionellen Krieg entwickeln würde, der auf beiden Seiten Zehntausende von Toten forderte und das Image der VBA erheblich beschädigen würde, war auf chinesischer Seite nicht für möglich gehalten worden.
Als sich die chinesischen Truppen nach einem knappen Monat verlustreicher Kämpfe wieder zurückzogen, sollte dies erhebliche Konsequenzen nicht nur für die Umstrukturierung und Neuaufstellung der VBA in den 80er Jahren haben, sondern auch der vorerst letzte Krieg Chinas überhaupt bleiben.
Während die VBA den in sie gesetzten Erwartungen nicht gerecht wurde, erstaunte Vietnam einmal mehr die Welt, indem es nach Frankreich und den USA, auch den Aggressor Volksrepublik China zurückschlug.
Wie es zu der folgenschweren Invasion Chinas in Vietnam kam, wie diese verlief und welche Konsequenzen sich daraus ergaben, darauf will ich in meiner folgenden Seminararbeit eingehen.
1 Vgl. Finkelstein David Michael, Chinese warfighting. The PLA experience since 1949, New York, 2003,
S. 234
2 Vgl. Finkelstein, ebd., S. 218
3
2.) Die Ursachen des Konfliktes
Die Ursachen für den Angriff der Volksrepublik auf Vietnam basierten auf einer Vielzahl von Gründen, von denen die meisten außenpolitischer Natur waren.
So war Vietnam die dominierende Militärmacht in Südostasien und hatte seit den Tagen des Champa Reiches den Status einer Hegemonialmacht in dieser geostrategisch bedeutenden Region inne. Die Volksrepublik aber sah in Vietnam noch immer den ehemaligen Vasallenstaat des Reiches der Mitte und argwöhnte im zunehmend selbstbewusster auftretenden Vietnam einen Bruch mit traditionellen Beziehungsstrukturen. Eine Neuorientierung Vietnams weg von China, hin zur Sowjetunion, wurde befürchtet. 3 Da China aber traditionellerweise Südostasien als seinen Hinterhof betrachtete und seine Beziehungen zu Laos, Vietnam, Kambodscha und Birma 4 wie das Verhältnis von Eltern zu Kindern formulierte, konnte diese Abwendung Vietnams unter keinen Umständen toleriert werden. 5
Die Tatsache, dass das ebenfalls kommunistische Vietnam, das aus den beiden Kriegen gegen die Franzosen von 1950-1954 und gegen die Amerikaner von 1964-1975 siegreich hervorgegangen war, nun seinerseits eine expansionistische Außenpolitik betrieb, irritierte die Chinesen im Besonderen.
Ausschlaggebend war vor allem der Wunsch Hanois ein südostasiatisches Verteidigungsbündnis mit Laos und Kambodscha zu schließen. Ein solches Bündnis hätte sich durchaus konträr zu chinesischen Interessen entwickeln können, da der lokale Hegemon Vietnam ohne Zweifel die Führung unter den drei Staaten übernommen hätte. 6 Seit sich die Volksrepublik China und die Sowjetunion ab Anfang der 70er Jahre einen Machtkampf um die Führungsrolle im sozialistischen Block lieferten, der im Schisma des Weltkommunismus endete, fühlte sich China trotz Annäherung an die USA zunehmend isoliert. 7
Im Norden drohte die Sowjetunion, die seit dem Zwischenfall auf der Zhen Bao Insel, zahlreiche Divisionen entlang der chinesischen Grenze stationiert hatte, in Südkorea und Taiwan lagen die Stützpunkte der Amerikaner, während im Südwesten die Inder nach einer Revision der Grenzen in Sikkim schielten.
3 Vgl. Finkelstein, ebd., S. 219
4 Heute unter dem Namen Myanmar bekannt
5 Vgl. Finkelstein, a.a.O., S. 234
6 Vgl. Becker Elizabeth, When the war was over. Cambodia and the Khmer Rouge revolution,
New York 2003, S. 75
7 Tatsächlich nahmen beide Staaten erst am 01. Januar 1979 diplomatische Beziehungen auf. Diese Kontakte
wurden erst in den 80er Jahren intensiviert.
4
Die mit China verbündeten Länder, wie etwa das von einem kommunistischem Regime stalinistischer Prägung regierte Nordkorea oder das durch die Volksrepublik protegierte Regime Pol Pots in Kambodscha, nahmen sich dagegen ausnahmslos schwach aus. Die Chinesen sahen mit Befremden, dass Vietnam von der Sowjetunion mit modernen Waffen aufgerüstet wurde und als die PAVN 8 schließlich im Januar 1979 in Kambodscha einmarschierte, die Hauptstadt Phnom Penh eroberte und das Regime von Pol Pot stürzte, war für die chinesische Führung das Maß voll. 9
Gründe für die VBA eine Strafaktion in Vietnam durchzuführen, gab es aber auch durch die ungesicherten Land- und Seegrenzen.
So beanspruchten neben Taiwan, Malaysia und den Philippinen beide Staaten die Oberhoheit über die Spratly Inseln. Die auch Nansha genannte Inselgruppe, die aufgrund von Erdölvorkommen sehr bedeutend ist, wurde von Saigon aus bereits 1975 zum Teil besetzt. Neben Nansha, stritt sich die Volksrepublik mit Vietnam aber auch um die als Xisha, oder Paracel Inseln bekannte Inselgruppe. Als die Volksrepublik 1974 begann, die traditionell von Vietnam dominierten Inseln militärisch zu besetzen, gab es auf vietnamesischer Seite die ersten Toten. 10
Ebenso wie die ungenau definierten Seegrenzen, befand sich auch die Landgrenze in einem weitgehende amorphen Zustand. Zwar hatten die Franzosen 1887 333 Grenzsteine entlang der 797 Meilen langen Grenze gesetzt, doch waren diese durch den Zahn der Zeit zum großen Teil verfallen oder vom Dschungel überwuchert. Auch hatten die Chinesen einige Grenzsteine bereits eigenmächtig nach Süden verschoben. 11
Zuletzt sei noch die Vermutung genannt, dass Deng Xiaoping, der das schwere innenpolitische Erbe Maos angetreten hatte, mit der Invasion in Vietnam einen außenpolitischen Befreiungsschlag geplant habe. Diese Theorie kann aber nicht belegt werden, da dementsprechende Beweise bisher ausblieben.
8 Die Abkürzung PAVN steht für „People’s Army of Vietnam“, und bezeichnet die Streitkräfte Vietnams
9 Vgl. Becker Elizabeth, a.a.O., S. 433
10 Vgl. Graff, David Andrew, A military history of China, Kansas 2002, S. 281
11 Vgl. Finkelstein, a.a.O., S. 224
5
Arbeit zitieren:
Sandino Rothenbücher, 2006, Der chinesisch-vietnamesische Krieg (17.02.1979 - 27.03.1979), München, GRIN Verlag GmbH
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