Im folgenden soll, ausgehend von einer kurzen Bestandsaufnahme sexuellen Verhaltens von Kindern, Jugendlichen und Migranten, aufgezeigt werden, welche Probleme und Konsequenzen sich für die Sexualpädagogik ableiten lassen. Außerdem wird recherchiert, welche Informationsmaterialien zwei wichtige Institutionen zur sexuellen Aufklärungsarbeit, die Bundeszentrale für gesellschaftliche Aufklärung und ProFamilia, anbieten.
Die literarische Basis bildet die Monografie von Uwe Sielert, „Einführung in die Sexualpädagogik“ 6 , diverse sexualwissenschaftliche Studien und Informationen aus dem Internet.
1.1. Begriffsklärungen
Für die verschiedenen, verwendeten Begriffe, wie „Sexualität“, „Sexualpädagogik“ usw. verweise ich hiermit auf die Arbeit meiner Referatspartnerin Franziska Kern, da sich diese Hausarbeit thematisch daran anschließt.
2. Sexualität bei Kindern
„Noch vor wenigen Jahren“ 7 wurde der Mensch erst im Jugendalter als sexuelles Wesen (an)erkannt, Sexualität bei Kindern war ein Tabuthema.
Zu welchen Ergebnissen führt es, wenn angehende Pädagogen im Jahre 2007 über die sexuelle Entwicklung von Kindern befragt werden?
Tabelle 2.a. 8 ist das Ergebnis einer kurzen, nichtwissenschaftlichen Befragung in einem Seminar für angehende Pädagogen. Die Ergebnisse werden zur Veranschaulichung kurz vorgestellt.
Insgesamt sind vier von elf Fragen richtig beantwortet worden, nämlich dass die sexuelle Entwicklung des Menschen vor der Geburt beginnt, dass der Mensch ab dem ersten Lebensjahr körperliche Lust empfindet und die Sexualorgane wahrgenommen werden, und dass sich das Interesse an den Sexualorganen ab dem zweiten Lebensjahr entwickelt. Einige Fragen wurden mit einer zu geringen Jahreszahl beantwortet, inbesondere die Frage nach der Entwicklung von Gefühlen, die von den Seminarteilnehmern mit zwei Jahren
Jungen auf dem Weg in die Pubertät“, Weinheim: Juventa 2000, S. 95.
6 Sielert, U.: „Einführung in die Sexualpädagogik“, Weinheim/Basel: Beltz Verlag 2005.
7 Ebd., S. 101.
8 Siehe Anhang, S.15.
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angegeben wurde, tatsächlich aber erst um das fünfte Lebensjahr anzusetzen ist. 9 Bleiben die Fragen, die mit einer zu hohen Jahreszahl oder gar nicht beantwortet wurden:
Diese kleine Bestandsaufnahme lässt erkennen, dass unter den befragten Pädagogen zwar schon vieles über die Sexualität von Kindern bekannt ist, aber auf Fragen, die eindeutig sexuelle Handlungen thematisieren (Orgasmusfähigkeit, Selbstbefriedigung, sexuelles Interesse an der Sache an sich bzw. anderen Menschen) ein paar Jahren zuviel geschätzt wurden. Dieses Ergebnis stützt die These Sielerts, dass Sexualität bisher -und immer noch!- zum Lebensabschnitt der Pubertät gezählt wird. 10
2.1. Probleme für die Sexualpädagogik
Das Hauptproblem für die Sexualpädagogik in bezug auf das Kindesalter, besteht darin, dass das traditionelle Denken, Sexualität sei nur zur Fortpflanzung erlaubt und insgesamt als problematisch einzustufen, dazu führt, Kinder vor allem Sexuellen zu bewahren und sexuelle Handlungen der Kinder zu ignorieren. Kindern werde damit aber die Möglichkeit genommen, eigene (Intimitäts)Grenzen zu erkennen und zu verbalisieren, so dass sie sich nicht gegen möglichen Missbrauch wehren können. 11
Plausibel wird diese Annahme vor allem dadurch, dass nebst ersten sexuellen Interesse auch die Sprachentwicklung um das zweite Lebensjahr einsetzt. 12 Wenn im Elternhaus das Thema Sexualität ignoriert würde, so wüßte das Kind wahrscheinlich nicht einmal, wie es seine Geschlechtsorgane bezeichnen soll, geschweige denn, sexuelle Übergriffe zu verbalisieren. Damit wäre das Kind schutzlos ausgeliefert.
9 Dies ist ein überraschendes Ergebnis, welches wahrscheinlich auf vorherige Themen im Seminar zurückzuführen ist, als es um die Entwicklung von Empfindungen und Gefühlen ging.
10 Sielert, Einführung, 2005, S. 101ff.
11 Ebd., S. 101ff.
12 Ebd., S. 185.
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2.2. Konsequenzen für die Sexualpädagogik
Aus diesem Problem ergeben sich nach Sielert folgende Konsequenzen. Es ist sehr wichtig, wie die Eltern mit Sexualität umgehen. Dies sollte positiv und wohlwollend geschehen, aber gleichermaßen auch abgrenzend. Zum Beispiel wäre es im Falle der Masturbation angemessen, dem Kind zu vermitteln, dass Masturbation nichts schlimmes oder abnormales sei, ein solches Tun aber besser alleine im Zimmer geschehen sollte. Ähnliches gilt für harmlose „Doktorspiele“ und anderes, denn: „(w)enn schon Kinder lernen, ihren Körper, körperliche Berührungen mit anderen sowie Sehnsüchte und Verliebtheit als Kraft spendende zu erleben, stärkt das ihre Identität, ihren Eigensinn und ihr Selbstbewußtsein. Das macht auch weniger anfällig für Missbrauch. Bedürftige Kinder sind bevorzugte und willige Opfer für Täter. Ein positives Körpergefühl kann als Frühwarnsystem gegen Grenzüberschreitungen dienen.“ 13
2.3. Medien zum Thema Sexualität bei Kindern
Auf der Internetseiten der BZgA 14 finden sich Broschüren, Arbeitsmaterial und eine CD zum Thema, die zum Teil kostenlos bestellt werden können.
Eine der Broschüren trägt den Titel „Körper, Liebe, Doktorspiele.1.-3. Lebensjahr“ (sowie 4.-6. Lebensjahr) und wird folgendermaßen beschrieben: „Diese Broschüren informieren Eltern, wie sie ihr Kind beim Entdecken seines Körpers, bei der Erfahrungen seiner sinnlichen Fähigkeiten und seiner Sexualität unterstützen können. Sie beinhalten die Darstellung der psychischen und geschlechtlichen Entwicklung ihres Kindes und beispielhafte Situationen in den verschiedenen Altersphasen. Darüber hinaus werden ausführliche Hinweise gegeben, wie Eltern auf die Fragen ihrer Kinder reagieren können und es in seiner Beziehungs- und Liebesfähigkeit, aber auch in seiner Identität als Mädchen oder Junge fördern können. Die Broschüre stellt die psychosexuelle Entwicklung eines Kindes von der Geburt bis zum sechsten Lebensjahr dar. Sie ist entsprechend dem Lebensalter in zwei Teilbände (1. bis 3. Lebensjahr und 4. bis 6. Lebensjahr) gegliedert.“ 15 Die Broschüre bietet damit genau die Informationen, die nach Sielert für eine reibungslose sexuelle und selbstbewußte Entwicklung von Kindern hilfreich sind. Das Heft ist derzeit vergriffen, was darauf hindeutet, dass hier gerade ein großer Informationsbedarf besteht. Außerdem hat die BZgA eine „Kindergartenbox - Entdecken, Schauen, Fühlen!“ und eine
13 Ebd., S. 168.
14 Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, siehe: www.BZgA.de
15 http://www.bzga.de/?uid=ad944ab20d36a15da5612fd82e876b02&id=medien&sid=72&ab=10
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Arbeit zitieren:
Marie Wolf, 2007, Liebe im Kindes- und Jugendalter , München, GRIN Verlag GmbH
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DOI
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