Warum nur Kleinkredite für Frauen?
Inhaltsverzeichnis
Zusammenfassung. - 3 -
1. Einleitung - 4 -
2. Die Grameen Bank - 5 -
2.1. Vom Feldexperiment zur Gründung der Grameen Bank - 5 -
2.2. Besonderheiten der Bank - 6 -
2.3. Organisation - 6 -
2.4. Richtlinien der Bank - The 16 Decisions - 8 -
2.5. Kreditvergabe - 10 -
2.6. Kreditverwendung. - 10 -
3. Schlussbemerkung - 12 -
4. Literaturverzeichnis. - 14 -
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Warum nur Kleinkredite für Frauen? Zusammenfassung
Die vorliegende Hausarbeit ist eine Ausarbeitung des Referatsthemas „Warum nur Kleinkredite für Frauen?“.
Dabei beschränke ich mich auf meinen Teil des Referats „Die Grameen Bank in Bangladesch.“
Der Fokus der Arbeit liegt auf der Förderung von Frauen durch Kleinkredite in Bangladesch. Vorgestellt und kritisch betrachtet werden soll hierbei die Grameen Bank. Dabei wird zunächst einleitend auf die Bedeutung von Frauen im ruralen Raum hingewiesen. Nach einem knappen Abriss zur Historie der Bank wird auf die Besonderheiten dieser aufmerksam gemacht. Anschließend soll die Organisation, sowie die Kreditvergabe undverwendung kurz erläutert werden.
Allgemein festgehalten werden kann, dass Mikrofinanzierung zwar einen Teil zur Armutsbekämpfung und zum „Empowerment“ von Frauen leisten kann, jedoch keine Wunder vollbringt und Geschlechterverhältnisse nicht überwinden kann. Dazu müssen, neben Veränderungen auf der Mikro-, auch Strukturen auf der Makroebene angetastet werden, die bislang unberührt bleiben.
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Warum nur Kleinkredite für Frauen?
1. Einleitung
Frauen leisten weltweit den größten Anteil an der Ernährungssicherung und können damit als die „eigentlichen Produzentinnen von Grundnahrungsmitteln“ (TEHERANNI-KRÖNNER 2000) bezeichnet werden. Die Bedeutung von Frauen im agrarischen Raum wurde lange Zeit ignoriert und die klassische Agrarwissenschaft trug dazu bei, Geschlechterbilder und Stereotype zu konstruieren, diese verfestigen zu lassen und auf andere Gesellschaften zu übertragen.
Die dänische Ökonomin Ester Boserup wies 1970 in ihrer Studie „Woman's Role in Economic Development“ eindrucksvoll auf die Bedeutung von Frauen in der Landwirtschaft hin. In ihrer Ausführung wird unter anderem deutlich, dass besonders in agrarisch dünn besiedelten Gebieten, in denen wenig technische Hilfsmittel zur Verfügung stehen, Frauen den größten Teil der landwirtschaftlichen Arbeit leisten (Vgl. ANDORFER 1995). Damit sind es vorwiegend Frauen, die die Sicherung des Subsistenzniveaus für ihre Familien übernehmen. Jedoch treten oftmals Schwierigkeiten, wie zum Beispiel mangelndes Kapital für den Erwerb von Saatgut oder für den Aufbau eines Kleingewerbes um wirtschaften zu können, auf.
Da das herkömmliche Bankprinzip bei der Kreditvergabe Bonität voraussetzt, sind besonders Frauen häufig als direkte Kreditnehmer_innen ausgeschlossen, da meist Männer Erwerbsarbeiten nachgehen und über das familiäre Kapital verfügen. Diese Benachteiligung trifft Frauen in Entwicklungsländern besonders hart. Denn zu einer ökonomischen Separation kommt oftmals eine landesspezifische und strukturelle Benachteiligung hinzu. Dies bedeutet, dass die Stellung von Frauen in ruralen Gesellschaften auch durch repressive Traditionen, die religiös legitimiert werden, determiniert ist.
Durch Appelle kann diese Situation nicht verändert werden. Seit den 80er Jahren existiert in der feministischen Entwicklungspolitik das Empowerment-Konzept 1 . (ANDORFER 1995).
1 Empowerment ist gleichbedeutend mit Ermächtigung oder Befähigung
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Warum nur Kleinkredite für Frauen?
Die Empowerment-Strategie für Frauen in Entwicklungsländern beinhaltet die Formierung von Spar-und Kreditgruppen.
In Bangladesch, einem der ärmsten Länder der Welt (JWB 2007), wurde die Mikrofinanzierung durch den Ökonomieprofessor Muhammad Yunus 1983 mit der Gründung der Grameen Bank institutionalisiert. Nachfolgend soll die Organisation und die Arbeitsweise der Bank vorgestellt und beleuchtet werden, inwiefern diese Bank als „Frauenbank“ angesehen werden kann.
2. Die Grameen Bank 2
2.1. Vom Feldexperiment zur Gründung der Grameen Bank
Die Idee der Mikrokredite geht auf ein Feldexperiment des Ökonomieprofessors Mohammad Yunus von 1976 zurück. Yunus wollte die Möglichkeiten eines Finanzsystems im ländlichen und verarmten Bangladesch überprüfen. So hatte das Projekt von Beginn an das Ziel Menschen, „die zu wenig Land besaßen, um ihr Subsistenzniveau mit der Tätigkeit als Kleinbauern aufrecht erhalten zu können“ (SPRODOFSKY 1995), zu unterstützen. Die Resultate seiner Beobachtungen waren wie er am 26. Juni 1997 in Frankfurt konstatierte eindeutig: Besonders Frauen leisten unter „den denkbar widrigsten Umständen“ (SPIEGEL, 2006) jeden Tag Managementaufgaben um das Subsistenzniveau für ihre Familien aufrechterhalten zu können. Somit sprach Yunus den armen Menschen besondere Fähigkeiten zu und erkannte Möglichkeiten, diesen durch die Vergabe von Kleinkrediten zu helfen. Mit der Unterstützung der Zentralbank des Landes war es in den Jahren 1976 bis 1979 möglich, das Grameen-Bank-Projekt auf mehrere Regionen auszudehnen. Als unabhängige Bank etablierte sich die Grameen Bank erst 1983.
Die Bank gehört, wie es auf der Weibseite von Grameen heißt, den Kreditnehmer_innen selbst:
2 Grameen bedeutet übersetzt etwa „Dorf“.
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Warum nur Kleinkredite für Frauen?
2.2. Besonderheiten der Bank
Der wesentliche Unterschied zu herkömmlichen Banken ist, das die Grameen Bank, anders als andere Organisationen wie zum Beispiel die Weltbank, ihre Arbeitsweise ganz konkret auf die Bedürfnisse der armen Menschen zugeschnitten hat. Während die Weltbank häufig Druck auf ihre Schuldner ausübt und den Kreditfluss oft an Bedingungen knüpft 3 , werden die Kleinkredite insbesondere Personen und Familien zu Teil, die als faktisch landlos gelten 4 und „deren Eigentum den Wert von 0,42 ha kultivierbaren Boden zum ortsüblichen Preis nicht überschreitet.“ (SPRODOFSKY 1995)
Darüber hinaus finden sich Kontaktmöglichkeiten zur Bank nicht nur im Umkreis der Ballungsräume, wie etwa um die Hauptstadt Dhaka, sondern vielmehr in den ländlichen Gebieten und Dörfern. Petra Huber bezeichnet diese „Orientierung auf den ländlichen Raum“ (HUBER 2002) als ein wesentliches Merkmal der Arbeitsweise der Bank. Dadurch können auch Menschen erreicht werden, die durch eine eingeschränkte Mobilität von Kreditprogrammen ausgeschlossen wären. Dies bedeutet, die Bank wartet nicht bis die Menschen zu ihr kommen, sondern sie bietet Kontakte vor Ort an. Begründet wird dieses Vorgehen im Annual Report von 2005:
2.3. Organisation
Die Orientierung auf den ruralen Raum zeigt sich auch durch die Organisation der Bank, deren Ausrichtung stark dezentral ist. Die schlechte Infrastruktur im ländlichen Bangladesch macht nach SPRODOFSY ein mehrstufiges und horizontal ausgerichtetes Kommunikations-und Kontrollsystem nötig. Dabei wird die Arbeit direkt in den Dörfern geleistet. Auf der kleinsten lokalen Ebene, den Branch Offices, finden die laufenden Kreditgeschäfte statt.
Diesen Branch Offices sind so genannte Area Offices übergeordnet, welche als höchste Instanz bei der Kreditbewilligung fungieren. Die Kreditverwendung wird sporadisch von
3 Die Weltbank war durch ihre Privatisierungsforderungen an der Schliessung der staatlichen Jute-Fabrik
Adamjee Jute Mills in Bangladesch maßgeblich beteiligt. Im März 1995 wollte die Weltbank die zugesicherten
Gelder nur überweisen, wenn die fünf staatlichen Fabriken geschlossen würden. Das Projekt hat der
Bevölkerung nachhaltig geschadet und Bangladesch noch höher verschuldet.(MUHAMMAD ANU 2003)
4 Als faktisch landlos gelten Menschen und Familien, die weniger als 0,2 ha kultivierbaren Boden besitzen
(SPRODOWSKY 1995)
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Warum nur Kleinkredite für Frauen?
Mitarbeitern der Offices überprüft. Etwa zehn Branch Offices unterstehen einem Area Office. Die Zonal Offices kontrollieren und evaluieren die Arbeit in den Area- und Branch Offices, während die Zentrale in Dhaka, das Head Office, die Außenbeziehungen der Bank regelt. Nach SPRODOFSKY existierten im Sommer 1993 10.43 Branch Offices, „die jeweils im Schnitt 1.500 Kreditnehmer in 32.767 Dörfern in 55 der 64 Distrikte Bangladeschs betreuten.“ Im Jahre 2005 hatte die Bank bereits 5,6 Millionen Mitglieder 5 , 1735 Branches, 59912 an Kreditprogrammen teilnehmende Dörfer, 166 Areas und 21 Zonal Offices. (ANNUAL REPORT 2005)
Die Grafik zeigt einen enormen Zuwachs der Mitglieder seit 1983. So verzeichnet die Bank im Jahr 2003 mehr als drei Millionen Mitglieder. Interessant ist die Entwicklung der Mitgliederzahlen seit 2003 bis 2008. So gibt die aktuelle Statistik vom Februar 2008 eine Mitgliederzahl von 7,49 Millionen an, wovon 7,2 Millionen weiblichen Geschlechts sind. 6 (GRAMEEN 2008)
Damit hat sich die Anzahl der Mitglieder innerhalb von 5 Jahren verdoppelt. Dies lässt den Schluss zu, dass die Grameen Bank in kürzerer Zeit mehr Mitglieder und damit Frauen erreicht hat, diese zu einer Kreditaufnahme ermutigt und damit zu Kleinunternehmer_innen gemacht hat. Dies kann aus Gender-Perspektive als Erfolg gewertet werden. Jedoch bedeutet der Zugang zu den Krediten für die Frauen nicht automatisch ein
5 96 % der Mitglieder waren 2005 Frauen, im Februar 2008 stieg der Frauenanteil um einen Prozentpunkt an.
6 Insgesamt entspricht dies einem Frauenanteil von 97 %.
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Warum nur Kleinkredite für Frauen?
höheres Einkommen und ein Weg aus den „sozialen Normen einer patriarchalischen Gesellschaft und den Geschlechterverhältnissenn.“ (KROPP 2001) Denn die Wiederholungskredite können die Kreditnehmer_innen auch in Schwierigkeiten bringen, wenn diese Probleme bei der Rückzahlung haben. Seit den 90er Jahren haben sich in Bangladesch zahlreiche Nichtregierungsorganisationen (NRO) etabliert, die ebenfalls Kleinkreditprogramme bieten und zielgruppenorientiert arbeitet. 7 Frauen kombinieren so oft mehrere Programme der Finanzierung und verschulden sich, was wiederum in Abhängigkeiten führen kann. Folgendes Beispiel verdeutlicht diese Problematik:
2.4. Richtlinien der Bank - The 16 Decisions
Die Bank selbst stellt sich auf ihrer Webseite als ein Unternehmen vor, das auf die üblichen Sicherheiten verzichtet und stattdessen auf gegenseitiges Vertrauen, Übernahme von Verantwortung der Kreditnehmer_innen setzt. (Vgl. GRAMEEN 2008) Um sicherzustellen, dass sich die Kleinkredite in einer intakten sozialen Umgebung entwickeln können, entwickelten die Kreditnehmer_innen der Grameen Bank aus eigener Initiative einen „an der Lebenspraxis orientierten Wertekanon.“ (SPIEGEL 2006) Diese 16 Regeln sollen den Familien und Kreditnehmer_innen Halt geben und Solidarität zur Bank ausdrücken. Alle Kreditnehmer_innen verpflichten sich die Decisions zu befolgen.
7 Das Modell der Grameen Bank wird weitgehend als „institutionelles Design“ betrachtet und deren
Arbeitsweise in anderen NROs übertragen. Ein Beispiel dafür ist das Projekt SAMPRETTI, der NETZ-
Organisation.
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Warum nur Kleinkredite für Frauen?
Die Bank erinnert gelegentlich an die Selbstverpflichtungen, jedoch werden diese nicht kontrolliert. (Vgl. SPIEGEL 2006) Die 16 Regeln lauten:
1. We shall follow and advance the four principles of Grameen Bank --- Discipline, Unity, Courage and Hard work - in all walks of our lives.
2. Prosperity we shall bring to our families.
3. We shall not live in dilapidated houses. We shall repair our houses and work towards constructing new houses at the earliest.
4. We shall grow vegetables all the year round. We shall eat plenty of them and sell the surplus.
5. During the plantation seasons, we shall plant as many seedlings as possible.
6. We shall plan to keep our families small. We shall minimize our expenditures. We shall look after our health.
7. We shall educate our children and ensure that they can earn to pay for their education.
8. We shall always keep our children and the environment clean.
9. We shall build and use pit-latrines.
10. We shall drink water from tubewells. If it is not available, we shall boil water or use alum.
11. We shall not take any dowry at our sons' weddings, neither shall we give any dowry at our daughters wedding. We shall keep our centre free from the curse of dowry. We shall not practice child marriage.
12. We shall not inflict any injustice on anyone, neither shall we allow anyone to do so.
13. We shall collectively undertake bigger investments for higher incomes.
14. We shall always be ready to help each other. If anyone is in difficulty, we shall all help him or her.
15. If we come to know of any breach of discipline in any centre, we shall all go there and help restore discipline.
16. We shall take part in all social activities collectively. Betrachtet man sich die Regeln, so muten diese auf den ersten Blick befremdlich an. Aus einem eurozentrischen Blickwinkel könnten einige Regeln als Eingriff in die Privatsphäre gedeutet werden. So stellt sich beispielsweise die elfte Regel eindeutig gegen den landesüblichen Brauch der Mitgift bei der Heirat von Töchtern, die für ihre Familie oftmals eine „ökonomische Belastung“ (SPRODOFSKY 1995) darstellen. Insgesamt betrachtet lassen sich die Regelungen in drei Kategorien einteilen: Gesundheits-und Hygienemaßnahmen (Regel: 4, 5, 6, 8, 9, 10), Soziales Verhalten (Regel: 1, 3, 12, 14, 15, 16), Wohlstand (Regel. 2, 7, 11, 13).
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2.5. Kreditvergabe
Um einen Kredit 8 zu erhalten, müssen sich fünf Interesent_innen zu einer nach Geschlechtern getrennten Gruppe zusammenfinden. Nach der Gruppenbildung erhalten die zukünftigen Kreditnehmer_innen ein mindestens einwöchiges Schulungsprogramm um die Arbeitsweise der Bank kennen zu lernen. Während der „Prüfungsphase“ werden die Werte der Grameen Bank vermittelt und die Ernsthaftigkeit der Gruppe durch mündliche Prüfungen getestet. Erst nach erfolgreichem Bestehen erfolgt die Anerkennung der Gruppe durch einen Area Manager. Da die Bankmitarbeiter_innen sich sehr autoritär präsentieren, vermutet SPRODOFSKY, dass sich besonders „schüchterne und an Gehorsam gewöhnte Frauen“ (SPRODOFSKY 1995) an die Regeln der Bank halten. Die aktuelle Statistik des Auswärtigen Amtes gibt an, dass 90 % der Bevölkerung in Bangladesch muslimischen Glaubens sind. Da in muslimischen Glaubensgemeinschaften häufig stark patriarchale Strukturen herrschen, liegt dieser Schluss nahe. Als Finanztechnologie wird der Kleingruppenansatz verwendet: Die Gruppe haftet gesamtschuldnerisch und verpflichtet sich zu wöchentlichen Rückzahlungen. (HUBER 2002) Spareinklagen müssen getätigt werden und innerhalb einer Frist soll die geliehene Summe, die zum landesüblichen Zinssatz von bis zu 20 % verzinst wird, abgelöst sein. Die Kleinkredite werden in die Kategorien Basic Loans, Flexible Loans, Housing Loans und Education Loans eingeteilt.
2.6. Kreditverwendung
Die nachstehende Grafik zeigt die sieben übergeordneten Kategorien der Kreditverwendung, wie sie im ANNUAL REPORT von 2005 dargestellt wird. Deutlich hervor sticht der Handel mit 27 %, die beiden Kategorien Kleingewerbe und Viehhaltung bzw. Fischerei stellen mit ca. 20 % einen weiteren wichtigen Bestandteil dar. (Vgl. ANNUAL REPORT 2005)
8 Der durchschnittliche Kleinkredit beträgt 150 US Dollar.
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Zu Beachten ist, dass die Grafik die Verwendung der Gelder für Kleingewerbe im Allgemeinen zeigt und keine Auskunft über Geschlechtsspezifiken gibt. Die Bank listet jedoch die geschlechtsspezifische Verwendung auf. So zeigen die „Top 25 items for which Members took Microenterprise Loans“(EBD.) eine detaillierte Aufsplittung der oben genannten Kategorien. Die Priorität der Investitionen beider Geschlechter nehmen der Verkauf von Lebensmitteln in „Grocery Shops“, sowie die Haltung von Kühen ein. Insgesamt reichen die Tätigkeiten beispielsweise über den Anbau und den Handel von Nutzpflanzen wie z.B. Paddy 9 oder Zwiebeln, den Handel mit Bambus, Kleidungs- und Webstücken, Holzarbeiten, sowie über die Zucht und der Verkauf von Fischen oder Mastvieh. Der Vergleich der beiden Kategorien „female members“ und „male members“ in Bezug auf die Kreditverwendung zeigt lediglich eine Verschiebung der Tätigkeiten an. So steht an dritter Position bei den weiblichen Kreditnehmer_innen das so genannte „Village Phone“ 10 , während dieses bei den männlichen Kreditnehmern erst an elfter Stelle genant wird. Eine Erklärung dafür könnte die bereits erwähnte partielle Mobilität von Frauen sein. Diese sind häufig auf Grund finanzieller oder familiärer Gegebenheiten nicht in der Lage sich fortzubewegen. Wie die Studie des ZEF Bonn (Zentrum für Entwicklungsforschung) von 1999 belegt, führen die „Village Phones“, neben der allgemeinen Verbesserung der Kommunikation, zu einer „Produktivitätssteigerung durch die Senkung der Transaktionskosten in den armen Haushalten.“(ZEF 1999) Ebenso belegt die Studie, dass das Ansehen der Frauen im Dorf, die diese Telefone anbieten, erheblich gestärkt wird.
9 Als Paddy wird roher und ungeschälter Reis bezeichnet.
10 Das Village Phone ist ein Leasing-Konzept der Grameen Bank mit dem Ziel, den Kreditnehmer_innen durch
die Bereitstellung von Mobiltelefonen den Zugang zum Informationsmarkt zu ermöglichen.
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3. Schlussbemerkung
Mikrofinanzierung hat sich im Verlauf der letzten beiden Jahrzehnte als eine entscheidende Maßnahme zur Armutsbekämpfung und als Instrument zur Frauenförderung in Entwicklungsländern etabliert. Die Erfahrungen mit Mikrokrediten in Bangladesch hat gezeigt, dass Frauen zuverlässige Kreditnehmer_innen sind, was die enorm hohe Rückzahlrate der Kredite durch Frauen belegt. Diese liegt bei 98 %. Positiv zu werten ist, dass Frauen nicht nur die größte Gruppe der Kreditnehmer_innen und damit auch Inhaber_innen der Bank sind, sondern dass selbst im Vorstand der Grameen Bank das weibliche Geschlecht dominiert.
„9 der 13 Mitgieder des Direktoriums werden jeweils aus den Reihen der Kreditnehmer_innen gewählt, die zugleich Genossen der Bank sind, die übrigen sind neben Yunus selbst noch drei Vertreter aus Regierung und Wissenschaft.“(SPIEGEL 2006)
Neben den uneigennützigen Interessen der Bank ist zu beachten, dass es sich bei der Grameen Bank trotz allem um ein Unternehmen handelt, das wirtschaftlich arbeitet. So fuhr das Unternehmen Grameen Bank im Jahr 2005 einen Gesamtgewinn von 15,21 Millionen US Dollar 11 ein. (ANNUAL REPORT 2005) Die Gewinne ergeben sich aus den Zinssätzen für die Kredite. Jedoch ist die Transparenz, mit der die Bank arbeitet, sehr lobenswert. Der Jährliche Report gibt genaue Informationen, wie viele Gelder ausgegeben wurden und schlüsselt die Verwendung dieser auf. Positiv ist zudem die jährliche Evaluation der Grameen Bank in Bezug auf die Armutsreduktion. Um den Erfolg der Armutsbekämpfung zu ermitteln, hat die Bank zehn Indikatoren entworfen. Als Anhaltspunkt für Armut gelten zum Beispiel genügend Kleidung, überdachte Häuser mit Betten oder der Schulbesuch von über 6-Jährigen Kindern.
Ein vehementer Gegner des „Systems“ Grameen Bank ist Jeffrey Tucker, der Leiter des Ludwig von Mises Instituts in den USA. Dieser kritisiert die Grameen Bank in nahezu allen Punkten. So ist er der Meinung, Grameen sei überhaupt keine Bank, sondern könne „ohne Regierungssubventionen und Finanztricks nicht bestehen.“ (TUCKER 2006) Ebenso
11 15,21 Millionen US Dollar entsprechen 100.441.986 Millionen Taka.
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Warum nur Kleinkredite für Frauen?
verurteilt Tucker die 16 Regeln der Bank, die wie er sagt, ideologisch seien und massiv in das Privatleben der Menschen eingriffen.
Den hohen Frauenanteil der Bank sieht er nicht als Fortschritt:
“Yunus wird gelobt, weil 93% von Grameens Kreditnehmern Frauen sind. Doch diese Tatsache ist auch eine Folge ihrer sozialen Agenda. Yunus - und die internationalen Organisationen, die ihn finanzierensind zu dem Schluss gekommen, dass Bevölkerungswachstum und Heiraten die Grundursachen der Armut in Bangladesh sind. Frauen, die Teil von Grameen werden, „emanzipieren“ sich von Familie und Biologie und versklaven sich dafür selbst an Grameen.“ (TUCKER 2006)
Jedoch wäre eine objektivere Beurteilung der Bank sinnvoller, als ein konsequentes Ablehnen aller Maßnahmen durch die Grameen Bank. Auch Gender-Evaluationen werden durch Tucker nicht ausreichend berücksichtigt. Studien wie z.B. der Evaluationsbericht „Managing to Empower“ von Susan Holcombe von 1995 sind hier umfassender, da sie auch soziökonomische Aspekte betrachtet.
Die Frauen im ländlichen Bangladesh haben gezeigt, dass sie wirtschaftlich und ökonomisch denken und handeln können. Dennoch müssen Frauen erst in die Beweispflicht gehen, während bei Männern diese Fähigkeit vorausgesetzt. So positiv die Entwicklung des Mikrokredits sich auf den ersten Blick für Frauen darstellt, eine Überwindung des Geschlechterverhältnisses in den betroffen Gebieten wird dadurch nicht herbeigeführt. Mit Hilfe der Grameen Bank konnten in Bangladesch viele Prozesse der
Mikroebenebeeinflusst werden. Dies ist wichtig, kann aber nur einen ersten Schritt darstellen. Im Zeitalter der Globalisierung genügt es nicht, dass Familien ihr Subsistenzniveau halten können, sondern es müssen grundlegende Strukturen der Makroebene angetastet werden. 12 Dazu bedarf es mehr als Mikrofinanzierung. Ein Land wie Bangladesch kann sich nur entwickeln, wenn auch großflächige Investitionen unterstützt werden, die vor Ort neue Arbeitsplätze schaffen. Bei dieser notwendigen Finanzierung können Erfahrungen der Grameen Bank mit einfließen. Muhammad Yunus postulierte im Jahr des Mikrokredits mehrmals „microcredit is a human right.“(YUNUS 2005) Dieses sollte auch für Frauen und nicht nur in Bangladesch gelten.
12 Gemeint ist hiermit zum Beispiel das Einführen rechtlicher Rahmenbedingungen durch den Staat. Denn dieser
zeichnet sich sowohl durch ungenügende Transparenz und rechtliche Unsicherheiten aus, als auch durch
mangelndes Desinteresse die eigene Bevölkerung zu unterstützen.
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Warum nur Kleinkredite für Frauen?
4. Literaturverzeichnis
Gedruckte Quellen ANDORFER, Veronika (1995):
Von der Integration zum Empowerment : zur Frauenförderung in der Entwicklungspolitik, Verl. Für Interkulturelle Kommunikation, Frankfurt am Main, S. 11-65 BAYES, Abdul, BRAUN, Joachim von, AKHTER, Rasheda (1999):
Village Pay Phones and Poverty Reduction: Insights from a Grameen Bank, Initiative in Bangladesh, ZEF - Discussion Papers On Development Policy No. 8, Center for Development Research, Bonn, S. 2-42 BOSERUP, Ester (1970):
Woman's Role in Economic Development, Allen & Unwin., London HUBER, Petra Sybille (2002):
Die Evaluierung von Kleinkreditprogrammen als Sonderfall einer Evaluierung der Entwicklungshilfe, Wirtschaftsuniv., Dipl.-Arb., Wien HOLCOMBE, Susan Higinbotham (1995):
Managing to Empower : the Grameen Bank's Experience of Poverty Alleviation, University Pr. [u.a.], Dhaka, S. 36-53 (Experiences of grassroots development) SPIEGEL, Peter (2006):
Muhammad Yunus - Banker der Armen : der )ULHGHQVQREHOSUHLVWUlger ; sein Leben, seine Vision, seine Wirkung. Herder, Freiburg im Breisgau [u.a.], S. 7-83. SPRODOFSKY, Gabriela (1995):
Die Grameen Bank - Ein Kreditprogramm für Frauen. In: Frauen in der Olndlichen Entwicklung : Tagungsbericht ; 16. - 18. Juni 1994, Humboldt-8QLYHUVLWlt zu Berlin, Landwirtschaftlich-*lrtnerische )DNXOWlt. [Uta Altmann und Parto Teherani-.U|nner (Hrsg.)], Humboldt-Univ., Landwirtschaftlich- *lrtnerische Fak.,Berlin, S. 92-104 ( Frauen in der Olndlichen Entwicklung ; H. 1)
THEHERANNI-KRÖNNER, Parto (2000):
Agarwissenschaften. In: Gender-Studien : eine Einführung, Hrsg. Von Christina von Braun und Inge Stephan, Stuttgart (u.a.), Metzler, S. 217-230
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Warum nur Kleinkredite für Frauen? Elektronische Quellen GRAMEEN - Banking for the Poor URL: http://www.grameen-info.org/ (Stand 31.03.2008) GRAMEEN BANK: Annual Report 2005:
URL: http://www.grameen-info.org/annualreport/annualreport2005/GB-2005.pdf [PDF] (Stand 31.03.2008)
JAHRESWIRTSCHAFTSBERICHT Bangadesch 2006/2007:
URL: www.auwi-bayern.de/awp/base/inhalte/Laender/Anhaenge/bangladesch_bericht_31_10_07.pdf [PDF] (Stand 31.03.2008) KROPP, Erhard (2001):
Armutsbekämpfung durch Sparen und Kredit : Die Rolle von Nichtregierungsorganisationen. In: NETZ, Bangladesch Zeitschrift, 01/2001, S. 2-7
URL: www.netz-bangladesh.de/pics/download/ZS_Kreditprogramme.pdf [PDF] (Stand 31.03.2008) MUHAMMAD, Anu (2003):
Von Schwindlern und Abzockern: Wie die Jute-Industrie in Bangladesch ruiniert wurde. In: NETZ, Bangladesch Zeitschrift, 02/2003, S. 9-13
URL: www.bangladesch.org/pics/download/ZS_Globalisierung.rtf [RTF] (Stand 31.03.2008) TUCKER, Jeffrey (2006):
Der Mikrokredit-Kult, Institut für Wertewirtschaft, Wien URL: http://wertewirtschaft.org/magazin/?id=3526 (Stand 31.03.2008)
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Arbeit zitieren:
B.A. Ramona Hunkler, 2008, Warum nur Kleinkredite für Frauen? , München, GRIN Verlag GmbH
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