keine eindeutig monotheistische, „männliche“ Gottesvorstellung gab. Abschließen möchte ich mit der Frage, ob und warum es möglich wäre, Themen der feministischen Theologie im Religionsunterricht zu verwenden.
2. Schöpfungsarten
Die Bibel kennt verschiedene Schöpfungsberichte aus unterschiedlichen Denktraditionen. Für die Theologie bedeutet dies, dass nicht nach einem einzig „richtigen“ Schöpfungsvorgang in der Bibel zu suchen ist, sondern Schöpfungsvorstellungen unterschiedlicher Art gleichberechtigt nebeneinander stehen können. Um die Schöpfungsgeschehen terminologisch voneinander zu unterscheiden, sollen hier die wesentlichen Begrifflichkeiten vorgestellt werden.
2.1. Creatio Prima/Creatio Continua/Creatio ex Nihilo
Schöpfung kann terminologisch in drei verschiedene Arten unterteilt werden. Die Creatio Prima, so zum Beispiel in Genesis 1, ist eine Initialschöpfung. Gott hat die Schöpfung am Anfang der Zeit geschaffen und es erfolgen nach diesem Zeitpunkt keine weiteren Eingriffe in das Geschehen. In der Creatio Continua bleibt Gott dagegen in der Welt präsent. Er greift in die Schöpfung ein und kann sie dadurch verbessern und erhalten. Die Creatio ex Nihilo bezieht sich auf die Schöpfung der Welt aus dem „Nichts“, von der aber erst in jüngeren Büchern (z.B. 2 Makk.) zu lesen ist. 1
2.2. Weltschöpfung und Menschenschöpfung
Die Weltschöpfung ist eine Vorstellung aus dem vorderen Orient und aus dem Alten Griechenland. Auch hier gibt es verschiedene Möglichkeiten einer Weltschöpfung, die gleichberechtigt nebeneinander existieren können. Wie der Name schon impliziert wird lediglich die Welt geschaffen und beispielsweise noch nicht der Kosmos. Die Weltschöpfung kann auf unterschiedliche Art und Weise von statten gehen. Es kann eine „ungeformte Masse“ vom Schöpfergott sortiert und geordnet werden, der die
1 Ahn, Georg [u.a.]: „Schöpfer/Schöpfung“, in: TRE, Bd. 30, Berlin/New York: Walter de Gruyter 1999, S. 250-296; Friedli, Richard [u.a.]: „Schöpfung“, in: Betz, Dieter [u.a. Hrsg.]: RGG4, Bd. 7, Tübingen: Mohr Siebeck 2004, S. 967-990.
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Schöpfungsordnung ewig inhärent ist (z.B. Deuterojesaja). In der Konfliktschöpfung entsteht die Welt aus einem Kampf zwischen einem feindlichen, agressiven Urmonster und dem ordnungsliebenden Schöpfergott. Das Urzeitmonster wird bei dem Kampf allerdings nicht getötet, sondern bleibt, für lange Zeit außer Kraft gesetzt, weiterhin in der Schöpfung existent. Die Wortschöpfung begegnet uns beispielweise im Johannesevangelium. Die Vorstellung einer Wortschöpfung, - was ausgesprochen wird, sei „da“- , ist aber schon viel älter als das Johannesevangelium und erstmals in sumerischen Schöpfungsmythen schriftlich fixiert worden.
Der Gedanke an eine Menschenschöpfung folgt erst einige Zeit nach der Idee einer Weltschöpfung. Menschen werden meistens aus Ton von einem „Handwerkergott“ geschafften, der das Wesen durch ein göttliches Element (Atem/Lufthauch) belebt, so zum Beispiel in mesopotamischen Schöpfungsmythen durch den Gott Ea oder bei Genesis 1. 2
3. Feminismus und Theologie
Die Bezeichnung „feministische Theologie“ ist aus den Wörtern „Feminismus“ und „Theologie“ zusammengesetzt. Daher möchte ich zuerst auf diese zwei Begriffe eingehen, bevor die feministische Theologie dargestellt wird. Meiner Meinung nach ist ausgehend von der Theologie die Strömung der Befreiungstheologie grundlegend für das Aufkommen theologisch-feministischer Fragen. So steht auch in der Fachliteratur die Befreiungstheologie oft in Zusammenhang mit der feministischen Theologie.
Die Befreiungstheologie hat ihren Ursprung Mitte des 20. Jahrhunderts, insbesondere in Lateinamerika und Afrika. Entstanden aus politischen Weltanschauungen wie dem Kommunismus, der Verschärfung von wirtschaftlicher Ausbeutung und sozialer Ungerechtigkeit und als Reaktion auf das II Vatikanische Konzil, fordern Befreiungstheologen eine „Dezentrierung“ der (katholischen) Kirche. Die Funktion der Kirche sei an erster Stelle den Armen zu helfen und somit die konkrete Nachfolge Jesu Christi anzutreten. Erst an zweiter Stelle stehe die Theologie, als „kritische, im Licht des Wortes ausgeübte Reflexion über die theologische Praxis“ 3 .
2 Ahn, Schöpfer/Schöpfung, TRE 30, 1999, S. 250-296.
3 Brandt, Hermann: „II/5.2. Theologie der Befreiung“, in: Balz, Horst [u.a.], TRE, Bd. 30, Berlin/New
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Es verwundert nicht, dass die theologischen Anliegen von Frauen und Männern innerhalb der femistischen Theologie oft in Zusammenhang mit der „Befreiungstheologie“ gesehen werden, geht es doch auch hier in erster Linie um den Versuch die Theologie von überkommenen Männer- und Frauenbildern zu „befreien“. Dieser Versuch ist eine notwendige theologische Weiterentwicklung feministischen Gedankenguts von Frauen des 19. bis 21. Jahrhunderts, wie Clara Zetkin, Helene Lage, Simone de Beauvoir, Alice Schwarzer und Judith Butler, daher sollen hier die wesentlichen Aspekte feministischen Gedankenguts kurz genannt werden.
Wie in der feministischen Theologie, sind die Schwerpunkte innerhalb des Feminismus sehr facettenreich. Grundlegend lassen sich aber zwei Strömungen unterscheiden. In der einen Strömung wird davon ausgegangen, dass das Geschlecht eine gesellschaftlich konstruierte Kategorie (zur Unterdrückung von Frauen) darstellt. Gleiche Rechte und Pflichten würden konsequenterweise die Gleichberechtigung von Mann und Frau zur Folge haben. Die andere Strömung verneint die These eines sozial konstruierten Geschlechts nicht, geht jedoch noch einen Schritt weiter, indem sie danach fragt, was die ursprüngliche, sozial dekonstruierte, „weibliche Natur“ ist. Die soziale Realität wird als androzentrisches Konstrukt wahrgenommen. Die einfache Übertragung der von Männern geschaffenen Rechte auf Frauen berge die Gefahr zum kompletten Verlust der „weiblichen Natur“ zu führen. 4
3.1. Feministische Theologie
Der grundlegende Ansatz feministischer Theologie ist jedes Gebiet der Theologie kritisch zu hinterfragen, denn sie geht davon aus, dass es sich bei der klassischen Theologie in erster Linie um die Darstellungsweise und Interpretation europäischer, weißer Männer handelt.
Die feministische Theologie orientiert sich dabei am traditionellen Aufbau der theologischen Fächer und untersucht diese aus ihrem spezifisch weiblichen Blickwinkel. Für die Fächer Altes und Neues Testament geht es darum, patriarchalische Strukturen der Bibel und patriarchalische Auslegungstraditionen kenntlich zu machen. Innerhalb der Kirchengeschichte wird der Schwerpunkt auf die Geschichte von Frauen gelegt. Feministische Systematik beschäftigt sich damit, Glaubensgrundsätze auf patriarchalische York: Walter de Gruyter 2002, S. 308.
4 Heine, Susanne: „II5.1. Feministische Theologie“, in: Balz, Horst [u.a.], TRE, Bd. 33, Berlin/New York: Walter de Gruyter 2002, S. 300-306.
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und androzentrische Prägung hin zu untersuchen. In der Praktischen Theologie will feministische Theologie die Umsetzung ihrer theoretischen Konzepte erreichen, so zum Beispiel für die Seelsorge oder für den Religionsunterricht. Ein großes Problem der feministischen Theologie ist, dass sie sich ihres weiblichzentrierten Forschungsstandpunkts durchaus bewusst ist. Daher wird oft schon im Vorfeld um der wissenschaftlichen Objektivität willen darauf hingewiesen, dass es sich um eine weibliche Perspektive handle. Es liegt auf der Hand, dass ein solches Vorgehen einige Schwierigkeiten für die breite wissenschaftliche Akzeptanz aufweist, da Objektivität allgemeinhin als Schlüsselkriterium für wissenschaftliches Arbeiten gilt. 5
3.2. Feministisches Interesse am Alten Testament
Für die Erforschung des Alte Testaments gibt es verschiedene feministisch-theologische Ansatzpunkte. Ich beziehe mich im Folgenden auf die Darstellung von Marie-Theres Wacker. 6
In ihrem Beitrag „Gefährliche Erinnerungen. Feministische Blicke auf die hebräische Bibel“ gibt sie einen guten Überblick über Schwierigkeiten und Möglichkeiten des Faches für die feministische Theologieforschung. Einerseits handle es sich bei dem Alten Testament um eine „fremde Welt“, die auf Grund der zeitlichen Distanz schwer zu erforschen sei. Andererseits stehe die hebräische Bibel gleichermaßen im Interesse von Judentum und Christentum, worin Wacker eine Chance sieht, die herrschende Lehrmeinung (von europäischen, weißen Männern) grundlegend zu hinterfragen. Frauengestalten im Alten Testament fänden bei feministischen Theologen und Theologinnen ein besonderes Interesse. Auch für Nicht-Theologen sei die Auseinandersetzung und Erforschung der Frauengestalten interessant, hier im Hinblick auf die Sozialgeschichte des Alten Israels.
Durch die (Neu)Erforschung des Alten Testaments aus Frauenperspektive könne auch der, in der Theologie oft vernachlässigte, Bezug zur Gegenwart hergestellt werden, denn die feministische Theologie ließe die dringende Frage nach konkreten, gegenwärtigen Unrechtsverhältnissen nicht außer acht. Außerdem ginge es bei der Suche nach vergessenen oder vernachlässigten Frauengestalten auch um die Suche nach Gott selbst,
5 Meyer-Wilmes, Hedwig [u.a.]: „Feminismus/Feministische Theologie“, in: Betz, Dieter [u.a. Hrsg.]: RGG4, Bd. 3, Tübingen: Mohr Siebeck 2004, S. 66-75.
6 Wacker, Marie-Theres[Hrsg.]: „Theologie feministisch. Disziplinen Schwerpunkte Richtungen“, Düsseldorf: Patmos Verlag 1988.
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weil die (weiblichen) Metaphern für Gott im Alten Testament im Interesse der Forschung stünden. Hier zu nennen sind vor allen Dingen Metaphern Gottes aus dem Bereich des Mütterlichen und in Gestalt der göttlichen Weisheit. Wacker schließt ihre Darstellung mit dem Ausblick darauf, dass die Metaphern darauf hinzudeuten scheinen, dass im Alten Israel eine nicht-monotheistische Weltanschauung existierte, welche ein weiblichkosmisches Götterbild umfasste. 7
Insbesondere der von Wacker genannte Aspekt der Aktualität und des Gegenwartsbezuges feministischer Theologieforschung birgt meiner Meinung nach ein hohes Potential für die Thematisierung im Religionsunterricht.
4. Die Bibel in gerechter Sprache
Die Bibel in gerechter Sprache ist im Jahr 2006 im Buchhandel erschienen. Nach einem langen und schwierigen organisatorischen Vorlauf wird im Jahre 2001 mit der Arbeit begonnen. Insgesamt 52 Menschen, die meisten aus Deutschland und mit protestantischem Hintergrund, sind für die Übersetzung verantwortlich. Die Verfasser wollen mit der Bibel in gerechter Sprache eine Ergänzung zu den bisher erschienenen Übersetzungen liefern. Ein Grund für die Übersetzung ist, dass sich Sprache verändert und es daher notwendig macht Begriffe zu überdenken. Die Neuübersetzung in „gerechter“ Sprache ist aber auch ein Versuch, den Ursprungstext 8 möglichst umfassend und genau wiederzugeben. Besonders schön wird dies eingangs an der hebräischen Übersetzung für lev deutlich gemacht. Bisher lediglich mit „Herz“ übersetzt, soll in der Bibel in gerechter Sprache nun auch zu lesen und zu verstehen sein, dass die hebräische Bedeutung „Herz“ nicht nur die Gefühle sondern auch die Verstandskräfte des Menschen mit einschließt.
Im biblischen Text selbst finden sich immer wieder Verweise, die auf derartige Übersetzungsschwierigkeiten und Übersetzungsalternativen aufmerksam machen. Besondere Probleme bereitet der Anspruch einer umfassenden und genauen Übersetzung
7 Ebd., S. 19ff.
8 Für das Alte Testament gilt der masoretische Text in der Fassung der Biblica Hebraica Stuttgartensia (hg. v. Karl Elliger (Wilhelm Rudolph, Stuttgart 1990 u.ö.), das Neue Testament folgt der wissenschafltichen Rekonstruktion der Septuaginta (Nestle-Aland, Novum Testamentum Graece, 27. Auflage, Stuttgart 2001). Siehe: Bail, Ulrike [u.a. Hrsg.]: „Die Bibel in gerechter Sprache“, Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus 2006, S. 12.
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Arbeit zitieren:
Marie Wolf, 2007, Gott und die Weisheit: Ein gemeinsamer Schöpfungsakt, München, GRIN Verlag GmbH
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