Kann der Staat die Wirtschaft steuern? Ein Vergleich der Theorien von Niklas Luhmann und Richard Münch 1. Inhaltsverzeichnis 1. Inhaltsverzeichnis ………………………………………………………. 2 2. Einleitung ………………………………………………………………... 3 a. Themenbegründung 3 b. Begriffsbestimmungen 4 i. Politik 4 ii. Wirtschaft 4
3. Niklas Luhmann …...……………………………………………………. 4 a. Soziale Systeme 4
b. Politik im Sozialen System 5
c. Wirtschaft im Sozialen System 6 d. Steuerungsmöglichkeit 7
4. Richard Münch …..……………………………………………………… 10 a. Kommunikationsgesellschaft 10
b. Politik in der Kommunikationsgesellschaft 11
c. Wirtschaft in der Kommunikationsgesellschaft 12 d. Steuerungsmöglichkeit 13
5. Gegenüberstellung …………………………………………………….. 15 a. Überschneidungen 15 b. Differenzen 15
6. Ausblick ………………………………………………………………….. 16 7. Literaturverzeichnis …………………………………………………….. 19
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Kann der Staat die Wirtschaft steuern? Ein Vergleich der Theorien von Niklas Luhmann und Richard Münch 2. Einleitung
Soziologische Gegenwartsdiagnosen sind Momentaufnahmen der Gesellschaft. Sie erörtern, wo die Gesellschaft steht und in welche Richtung sie sich entwickelt. Einige sind verbunden mit konkreten Hinweisen, mit dem Versuch auf diese Entwicklung einzuwirken, andere geben sich mit dem bloßen Abbilden des Status zufrieden.
Niklas Luhmann wurde am achten Dezember 1927 in Lüneburg geboren und lehrte von 1968 bis 1993 an der Universität Bielefeld. Von ihm stammt eine Systemtheorie, die umfassend jeden Ablauf in der Gesellschaft erfasst und als Kommunikation einem spezifischen Teilbereich zuordnet. In seinem Werk „Soziale Systeme“ von 1987 erläuterte er die Grundzüge der Theorie und ergänzte in den folgenden dreißig Jahren Aufsätze und Bücher zu den wichtigsten Teilbereichen. Niklas Luhmann verstarb am 6. November 1998.
Richard Münch wurde am dreizehnten Mai 1945 in Niefern bei Pforzheim geboren und unterrichtet (nach verschiedenen Zwischenstationen ab 1972) seit 1995 an der Otto-Friedrich-Universität in Bamberg. Seine Theorie der Kommunikationsgesellschaft beschäftigt sich in erster Linie mit den Auswirkungen der immer weiter expandierenden Kommunikation auf die Gesellschaft. Er blickt ebenfalls auf zahlreiche Veröffentlichungen zurück, wobei für diese Arbeit vor allem die „Dialektik der Kommunikationsgesellschaft“ von 1991 und die „Dynamik der Kommunikationsgesellschaft“ von 1995 von Bedeutung sind.
a. Themenbegründung
Luhmanns Theorie der sozialen Systeme und Münchs Theorie der Kommunikationsgesellschaft haben einen je eigenen Blick auf die Strukturen und Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Teilsystemen der Gesellschaft. Dabei finden sich ähnliche Ansichten, aber auch unterschiedliche Schlussfolgerungen. Dieses Spannungsfeld zu erhellen ist Ziel der Hausarbeit.
Die „Gesellschaft“ erwartet, dass die Politik alle Probleme innerhalb des Staates löst. Das bezieht explizit die wirtschaftlichen Probleme mit ein. Um diese Probleme lösen zu können müsste die Politik aber faktischen Einfluss auf das Geschehen in der Wirtschaft haben. Die Frage, ob dies - in-
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Kann der Staat die Wirtschaft steuern? Ein Vergleich der Theorien von Niklas Luhmann und Richard Münch nerhalb beider Theorien - überhaupt möglich ist, will diese Hausarbeit be-antworten.
b. Begriffsbestimmungen
i. Politik
Politik wird verstanden als das gesellschaftliches Teilsystem, das allgemein - auch für die anderen Teilbereiche - bindende Entscheidungen trifft.
ii. Wirtschaft
Wirtschaft wird verstanden als gesellschaftliches Teilsystem, innerhalb dessen der Tausch von Gütern bzw. Geld vollzogen wird.
3. Niklas Luhmann
a. Soziale Systeme
Luhmans Systemtheorie umfasst die gesamte Gesellschaft. Diese ist funktional differenziert. Luhmann untergliedert sie in zahlreiche Teilsysteme, wie zum Beispiel Recht, Politik, Wirtschaft und Religion. Alle Teilsysteme stehen gleichberechtigt nebeneinander und jedes erfüllt eine ihm eigene Aufgabe für die Gesamtgesellschaft. Dabei wird streng unterschieden zwischen dem System und dessen jeweiliger Umwelt. „Kein Funktionssystem kann außerhalb seiner eigenen Grenzen operieren, kein Funktionssystem kann die Funktion eines anderen erfüllen.“ 1 Alle Teilsysteme - ebenso wie das soziale System insgesamt - sind geschlossen, selbstreferentiell und autopoietisch.
Das soziale System besteht nicht aus Menschen, sondern aus Kommunikation. Die Teilsysteme definieren sich durch Kommunikation in einem jeweils eigenen, binären Code. Durch diese Kommunikation erhalten die Systeme sich selbst. Eine Übersetzung des Codes ist nicht möglich, kein System kann in einem anderen als dem eigenen Code kommunizieren oder die Kommunikation eines anderen Systems verarbeiten. Im Code sind jeweils nur die Informationen enthalten, die für das System selbst Relevanz haben.
1 Luhmann, 1994, S. 321
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Kann der Staat die Wirtschaft steuern? Ein Vergleich der Theorien von Niklas Luhmann und Richard Münch Die Handlungen der Systeme sind trotzdem aufeinander abgestimmt, obwohl sie von sich aus nicht mit ihrer Umwelt in Interaktion treten können. Systeme sind prinzipiell geschlossen. Offen sind sie nur für strukturelle Kopplungen (und Organisationen, auf die in diesem Rahmen nicht eingegangen werden kann). Durch diese sind sie mit ihrer jeweiligen Umwelt (und den Menschen) verbunden. Strukturelle Kopplungen sind als Sensibilisierung für Informationen aus der Umwelt zu verstehen. Das System kann die Information zwar nicht direkt aufnehmen und verwerten, kann aber feststellen, dass ein Faktor Relevanz für den eigenen Code hat. Beispielsweise kann die Staatsverschuldung Relevanz für den Code „Macht“ in der Politik haben, obwohl die Zahl selbst zum Wirtschaftssystem gehört. Das System „Politik“ sensibilisiert sich selbst für diese Zahl, weil bei zu starker Verschuldung eine Konsequenz im eigenen Code „Macht“, etwa durch Abwahl der Regierung, zu erwarten ist.
b. Politik im sozialen System
Politik kommuniziert mittels des Codes „Regieren / Nicht regieren“. Als Teilsystem ist es zuständig für die Findung von allgemein bindenden Entscheidungen. Die Autopoiesis des Systems vollzieht sich in Macht, die dazugehörigen Operationen sind Entscheidungen. Das System erhält sich selbst durch die Machterhaltung. Daraus folgt, dass die Politik in erster Linie handelt, um ihre eigene Macht zu erhalten; Politiker entscheiden also, um weiter zu regieren, oder aber an die Regierung zu kommen. Die getroffenen Entscheidungen sorgen für die Notwendigkeit, immer neue Entscheidungen zu treffen. „Der Entscheidungsbedarf wächst und wächst ständig mit der Notwendigkeit, frühere Entscheidungen zu korrigieren.“ 2 Einer der Hauptgründe für diese beständige Korrekturnotwendigkeit ist, dass die Entscheidungen, die in der Politik getroffen werden, von den anderen Teilsystemen nicht mit der Intention der Politik aufgenommen, sondern nach dem eigenen Code verarbeiten werden. Daher kann die Politik niemals alle Folgen ihrer Entscheidungen in allen Teilsystemen absehen, sondern nur darauf hinarbeiten, spezifische Folgen herbeizuführen oder zu verhindern. So kann sie beispielsweise einen be-
2 Luhmann,2002, S. 137
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Kann der Staat die Wirtschaft steuern? Ein Vergleich der Theorien von Niklas Luhmann und Richard Münch stimmten Steuersatz senken, um einen Wirtschaftszweig zu subventionieren. Was aber diese Steuern innerhalb der Gesamtwirtschaft (oder anderen Teilsystemen) bewirken, kann dabei nicht vorausgesehen werden. Die Politik schreibt sich über Kausalitätsargumentationen Entwicklungen zu, die eigentlich nicht in ihren Zuständigkeitsbereich fallen, weil sie sich in anderen Teilsystemen abspielen. „Bei allen Diskussionen über politische „Steuerung“ stehen Kausalannahmen im Mittelpunkt.“ 3 Sie stellt ihre Handlungen dar, als hätten diese direkt zur dargestellten Konsequenz im anderen Teilsystem geführt. Diese Argumentation lässt sich zwar nachvollziehen, aber nicht be- oder widerlegen. Dieses Verhalten der Politik hat aber auch selbst eine Wirkung auf alle anderen Systeme: Durch die Selbstzuschreibungen der Politik - und seien sie noch so utopisch - wird eine Aura von Sicherheit erzeugt - etwa für Arbeitsplätze oder ökologische Entwicklungen. Diese Sicherheit ermöglicht es anderen Teilsystemen, zu operieren ohne durch diese Faktoren irritiert zu werden. Auch dies kann als Funktion der Politik gelten.
Gerade in der Öffentlichkeit erfüllt allein das „Reden von Ankurbelung der Wirtschaft, Sicherung des Standortes Deutschland, Beschaffung von Arbeitsplätzen eine wichtige Funktion (…); jedenfalls die, den Eindruck zu verbreiten, daß etwas getan wird und nicht einfach abgewartet wird, bis die Dinge sich von selber wenden.“ 4 Dennoch kommt es laut Luhmann „zu einer schleichenden Entwertung politischer Kommunikation. Die Ziele sind durch Motive (…) nicht zureichend gedeckt, und dann nimmt auch das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit des politischen Systems ab.“ 5
c. Wirtschaft im sozialen System
Die Wirtschaft kommuniziert mittels des Codes „Zahlung / nicht Zahlung“, das Kommunikationsmedium ist Geld. Wichtig ist hierbei, das auch die „nicht Zahlung“ als wirtschaftliche Operation gelten muss, nämlich als Zahlung, die hätte geleistet werden können, aber nicht geleistet wird. Wirtschaft orientiert sich an Knappheit - materieller wie zeitlicher. Diese Knappheit wird von der Wirtschaft selbst konstruiert und dann durch Zah-
3 Luhmann,2002, S. 109
4 Luhmann, 2002, S. 113
5 Luhmann, 2002, S. 168
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Arbeit zitieren:
Gefion Thürmer, 2010, Kann der Staat die Wirtschaft steuern?, München, GRIN Verlag GmbH
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