Huntingtons zentrale Argumente für den „Clash of Civilizations“ und die Widerlegungen
Inhalt
1. Hintergrund und Aufbau der Arbeit
2. Religion
2.1. Konfliktursachen in der Vergangenheit
2.2. Huntingtons einfaches Religionsverständnis
2.3. Religion als Hilfsmittel im Kulturkonflikt
3. Beziehungen zwischen den Staaten
3.1. Huntingtons „Bruchlinienkriege“
3.2. Anspruch und Einfluss der westlichen Kultur
3.3. Gegendarstellung zu Huntingtons Beziehungstheorie
4. Schlussbetrachtung
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Huntingtons zentrale Argumente für den „Clash of Civilizations“ und die Widerlegungen
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1 Hintergrund und Aufbau der Arbeit
In den Jahren des Kalten Krieges mit der bipolaren Teilung der Großmächte war die Erklärung der Internationalen Politik klar: Es ging grundsätzlich um Machterlangung, -aufteilung und Machterhalt. Nach dem Zusammenbruch des einen dieser beiden Blöcke wurden neue Erklärungsmuster und Theorien entwickelt, um die internationalen Beziehungen zu deuten.
Im Jahr 1993 veröffentlichte der Harvard-Politikwissenschaftler Samuel P. Huntington in der Zeitschrift „Foreign Affairs“ einen Aufsatz mit dem Titel „Clash of Civilizations?“. 1 Es geht für Huntington demnach an der Spitze um Kampf und Kultur. 2 Er entwickelte eine spektakuläre Theorie zur Beschreibung der internationalen Beziehungen mit der Mutmaßung, dass die zentrale und gefährlichste Dimension der kommenden globalen Politik der Konflikt zwischen Gruppen aus unterschiedlichen Zivilisationen sein wird. 3 Huntington: „It is my hypothesis that the fundamental source of conflict in this new world will not be primarily ideological or primarily economic. The great divisions among humankind and the dominating source of conflict will be cultural. Nation states will remain the most powerful actors in world affairs, but the principal conflicts of global politics will occur between nations and groups of different civilizations. The clash of civilizations will dominate global politics. The fault lines between civilizations will be the battle lines of the future“. 4
Huntingtons Thema gehört insbesondere auch nach den Ereignissen des 11. September 2001 zu den herausragenden Inhalten einer Betrachtung von Bedrohungsszenarien im 21.
1 Ein Fragezeichen im Originalaufsatz gehört zum Titel: Huntington, Samuel P., The Clash of Civilisations?,
in: Foreign Affairs, Summer 1993, S. 22 - 49
2 die Übersetzung „Kultur“ ist nicht exakt, treffender wäre das Wort „Kulturkreis“, der Verfasser
differenziert in dieser Arbeit
3 Huntington, Samuel P., Der Kampf der Kulturen. Die Neugestaltung der Weltpolitik im 21. Jahrhundert,
München Wien 1996
4 Deutsche Übersetzung der Kernaussage: „Meine These ist, dass die elementare Konfliktquelle in dieser
neuen Welt nicht in erster Linie ideologischer oder ökologischer Art sein wird. Die großen Konflikte, die die
Menschheit in Zukunft prägen und spalten werden, werden kultureller Art sein. Die Nationalstaaten werden
auf dem Feld der Weltpolitik die mächtigsten Akteure bleiben, aber die großen weltpolitischen Konflikte
werden zwischen Nationen und Gruppen ausbrechen, die unterschiedlichen Kulturen angehören. Der
Zusammenprall der Kulturen wird die Politik bestimmen. Die Verwerfungen zwischen den Kulturen werden
die Kampflinien der Zukunft sein.“ Huntington, Samuel P., The Clash of Civilisations?, in: Foreign Affairs,
Summer 1993, S. 22 - 49, S. 22
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Huntingtons zentrale Argumente für den „Clash of Civilizations“ und die Widerlegungen
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Jahrhundert. 5 Kann das Attentat islamischer Terroristen als westlich-islamischer Zivilisationskonflikt eingeordnet werden?
Ziel dieser Arbeit ist es, Huntingtons zentrale Argumente für den „Clash of Civilizations“ und die Widerlegungen zu veranschaulichen. Die Kritik reicht von brilliant, provokativ bis zu plakativ, unseriös und Mangel an Verantwortungs-bewusstsein. Diese Ausführung leistet eine differenzierte Analyse in fünf Abschnitten. Nach der Kurzdarstellung des Hintergrunds (Kapitel eins) geht es im Kapitel zwei zunächst darum, Huntingtons zentralen Begriff „Civilizations“ darzustellen, um die Arbeitsgrundlage für den Meinungsaustausch zu schaffen. Es dreht sich im Mittelpunkt um kollektive Identität der Völker. Der Verfasser gewichtet für die nachfolgende Auseinandersetzung die begriffliche Basis um Zivilisation und Identität als Vorlage für Konflikt und Desintegration hoch, weil er hier im Grunde das Drehkreuz der Themen-stellung ausmacht.
Im Kapitel drei Universalität und Kulturmilieus will der Verfasser aus Huntingtons Ansatz den zentralen Vergesellschaftungsprozess an sich herausgreifen, um deutlicher zu erfahren, ob die Kulturmilieus heute in den Industriegesellschaften infolge der Globalisierung auseinander treiben und eine zunehmende Individualisierung der Lebensgewohnheiten an diese Stelle tritt.
Die Rückkehr der Religion als Machtinstrument und Mittel zur Heranbildung einer sozialen Identität und insbesondere die Bedeutung von fundamentalistischen Bewegungen im Kulturkonflikt wird im Kapitel vier besprochen, weil es sich aus Huntingtons Erläuterungen ergibt, dass der Brennpunkt seiner Einordnung die Zugehörigkeit zu Religionen ist.
Im Kapitel fünf Beziehungen zwischen den Staaten geht es darum, die Kernthesen Huntingtons („Bruchlinienkriege“, Anspruch und Einfluss der westlichen Kultur) als Hypothesen zugespitzt weiterhin einer zweiseitigen Betrachtung zuzuführen. Der Verfasser verzichtet weitgehend auf die methodische Diskussion, will beide Positionen bewusst inhaltlich heraus arbeiten. 6
5 neben anderen Bedrohungen, wie ABC-Waffen, Cyberterrorismus, religiösem Fundamentalismus,
Bevölkerungsentwicklung, Organisierter Kriminalität und den ökologischen Herausforderungen
6 Methodische Analyse nachzulesen auch bei Mohrs, Thomas/Kuhnt-Saptodewo, Sri, Interkulturalität als
Anpassung, Frankfurt am Main 2000, S. 57 - 75
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Huntingtons zentrale Argumente für den „Clash of Civilizations“ und die Widerlegungen
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2 Religion
Das generelle Wiedererstarken der Weltreligionen wurde allgemein nicht in diesem Ausmaß erwartet. Besonders Machtfülle und öffentliche Einflussnahme der konservativen und fundamentalistischen Ausprägungen überraschte.
Huntington rückt die Bedeutung der Religionen in den Mittelpunkt seiner Hypothese. 7 Der Verfasser blickt hierfür auf Konfliktursachen der Vergangenheit, stellt Huntingtons einfaches Religionsverständnis vor und schaut demgegenüber auf die Religion als Mittel, nicht Ursache im Kulturkonflikt.
2.1 Konfliktursachen in der Vergangenheit
Allerorts wird die Rückkehr der Religionen bescheinigt als „politische Kraft, Potential sozialer Identitätsbildung“. 8 Die Tatsache an sich ist unumstritten. Allerdings zeigen Studien der Konfliktursachen in der Geschichte, dass Konflikte nicht auf einen überlegenen Auslöser beschränkt werden können.
Harald Müller zählt auf: „territoriale Streitigkeiten; Konkurrenz um knappe Ressourcen; Wettbewerb um begehrte Märkte; Beutezüge; religiöser Eifer; ideologische Divergenzen; Ethnische/nationale Rivalitäten; das Sicherheitsdilemma, das Rüstungswettläufe hervorruft, die die Akteure zu einem Präventivschlag treiben können; Herrschaftsinteressen von Eliten und Führern in nichtdemokratischen Staaten“. 9
7 Huntington: „Ein elementares Merkmals von Kulturkreisen ist die Religion; die großen Religionen sind,
wie Christopher Dawson gesagt hat,
Zivilisationen ruhen>.“ Aus: Huntington, Samuel P., Der Kampf der Kulturen. Die Neugestaltung der
Weltpolitik im 21. Jahrhundert, München Wien 1996, S. 61
8 Riesebrodt, Martin, Die Rückkehr der Religionen, München 2000, S. 35
9 Müller, Harald, Das Zusammenleben der Kulturen, Frankfurt am Main 1998, 5. Auflage 2001, S. 73
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Arbeit zitieren:
Stefan Kuchenmeister, 2010, Huntingtons zentrale Argumente für den „Clash of Civilizations“ und die Widerlegungen , München, GRIN Verlag GmbH
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