Inhaltsverzeichnis
1) Einleitung 2
2) Begriffseinordnung: Geschwisterbeziehung 2
3) Geschwisterforschung 4
4) Geschwister - ihre Beziehung zueinander 5
4.1.) Geschwister können voneinander profitieren 5
4.2.) Rivalität 6
4.3.) Eifersucht 7
4.4.) Abnabelung 8
5) Der Einfluss von Geschwistern auf die Entwicklung 8
5.1.) Begriffsklärung: Symmetrie und Asymmetrie 9
5.1.1.) Die Bedeutung von symmetrischen und asymmetrischen
Interaktionen für die kindliche Entwicklung 9
5.2.) Konsequenzen für Lernprozesse in Geschwisterbeziehungen 10
5.3.) Die emotionale Qualität von Geschwisterbeziehungen 11
5.4.) Unfreiwilligkeit der Beziehung und Konflikte 12
5.5.) Rolle von Konflikten für die soziale und kognitive Entwicklung 13
6.) Resümee 14
Literaturverzeichnis 16
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1.) Einleitung
Wer an Geschwister denkt, sieht vielleicht eine Kindheitsszene am Familientisch mit dem Bruder, erinnert sich an ein Geburtstagsgeschenk, das die ältere Schwester kürzlich zugeschickt hat, an einen schon lange zurückliegenden heftigen Streit über das längere Aufbleiben der kleinen Schwester oder an gemeinsame tolle Ferien am Meer mit den beiden Brüdern im eigenen Zelt.
Geschwisterbeziehungen sind die zeitlich ausgedehntesten Beziehungen im Leben eines Menschen. Man kann sich die Geschwister nicht aussuchen, man wird in ein Familiensystem hineingeboren und somit in die
Geschwisterbeziehung. Man kann die Beziehung zu seinen Geschwistern nicht einfach beenden. Sie bestehen auch dann noch, wenn unter Umständen die Kontakte auf ein Minimum beschränkt oder gar abgebrochen wurden. Durch das „Aufwachsen in einem Nest“ kann die Beziehung unter Geschwistern durch ein Höchstmaß an Intimität charakterisiert werden, das in keiner anderen Sozialbeziehung erreicht wird (vgl. Kasten 1993). Zwischen Geschwistern entwickeln sich mehr oder weniger ausgeprägte Verpflichtungen, einander zu helfen und sich zu solidarisieren, so beziehen sie z.B. gemeinsam Front gegen Dritte (gelegentlich auch gegen die eigenen Eltern) (vgl. www.phheidelberg.de). Typisch für die meisten Geschwisterbeziehungen ist aber eine tief verwurzelte Unregelmäßigkeit: auf der einen Seite positive Gefühle von Nähe, Zuneigung, Liebe und andererseits negative Gefühle wie Rivalität, Ablehnung und sogar Hass. Inwieweit sich die Geschwister untereinander verstehen, hängt, nach dem Forschungsstand von dem elterlichen Umgang ab. Die Geschwisterbeziehungen tragen zur Identitätsbildung bei und haben großen Einfluss darauf, wie wir uns später anderen Menschen gegenüber verhalten.
2.) Begriffseinordnung: Geschwisterbeziehung
Bevor der Begriff der Geschwisterbeziehung genauer positioniert werden kann, muss zunächst genau definiert werden, was man unter einer Geschwisterbeziehung versteht.
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Kasten definiert den Geschwisterbegriff folgendermaßen: „Mit dem Begriff „Geschwister“ bezeichnet man in den meisten Kulturen und
Sprachgemeinschaften Individuen, die über eine (zumindest) teilweise identische genetische Ausstattung verfügen, weil sie dieselbe Mutter / denselben Vater / dieselben Eltern haben“ (Kasten 1993, S. 8). Adoptivkinder, Pflegekinder und Stiefkinder, die wichtige Bereiche darstellen, werden zunächst ausgeblendet. obwohl sie die in ihrer Familie bestehenden
Geschwisterbeziehungen mit gleicher Qualität aufbauen können. Hierbei können Parallelen gezogen werden zu Kindern mit derselben biologischen Mutter bzw. demselben biologischen Vater. Auch Bank und Kahn beschreiben die Geschwisterbindung „als - intime wie öffentliche - Beziehung zwischen dem Selbst von zwei Geschwistern.... Die Bindung kann sowohl warm und positiv als auch negativ sein“ (Bank/ Kahn 1989, S. 21).
Im folgenden Verlauf soll die Definition des Begriffs Geschwisterbeziehungen genauer erfolgen. Geschwisterbeziehungen gehören zum einen zu den innerfamiliären Beziehungen und zum Anderen muss die Geschwisterbeziehung von den Eltern-Kind-Beziehungen und von der Ehepartner-Beziehung abgegrenzt werden. Weiter sind
Geschwisterbeziehungen von extrafamilialen Beziehungen, wie zum Beispiel Peerbeziehungen abzugrenzen. Im Familiensystem selbst kann von zwei Arten von Beziehungen ausgegangen werden: die vertikale Beziehung des Kindes zu den Eltern, welche Kinder aufschauen und die Eltern als Autoritätsperson wahrnehmen lässt, und die gleichgestellte Beziehung der Geschwister untereinander.
Die Geschwisterbeziehungen gehören, wie die Elternbeziehung, zu den sogenannten Primärbeziehungen. Die Geschwisterbeziehung ist nicht nur eine der längsten Sozialbeziehungen eines Menschen sondern hat zudem eine große Bedeutung für die Entwicklung des Kindes. Beispielsweise lernen Geschwister von klein auf den Umgang mit altersnahen Personen. Im Umgang mit diesen erlernen sie wichtige soziale Kompetenzen wie Teilen, die Bedürfnisse anderer zu akzeptieren, mit Frustration umzugehen etc. In Bezug auf die Eltern-Kind-Beziehung besitzt die Beziehung der Geschwister
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untereinander ein hohes Potential. Die Einflüsse der Eltern, auf die Kinder lassen sich in hohem Maße mildern und relativieren (vgl. Unzner 1990).
3.) Geschwisterforschung
Geschwisterbeziehungen wurden von den Human- und Sozialwissenschaften lange Jahrzehnte kaum behandelt. Während sich die Kunst und Literatur schon sehr lange und intensiv mit Geschwisterbeziehungen beschäftigt hat, so zum Beispiel zahlreiche Märchen (Hänsel und Gretel, Brüderchen und Schwesterchen) in denen Geschwistern eine herausragende Bedeutung zukommt, dauerte es in der Wissenschaft einige Zeit, bis man begann, sich mit der Geschwisterbeziehung näher auseinander zu setzen (vgl. Unzner 1990).
Alfred Adler beschäftigte sich im 20. Jahrhundert, als einer der Ersten, mit dem Thema der Geschwisterbeziehungen. Er betrachtete dieses Thema im Rahmen seiner Individualpsychologie, systematisch mit der
Geschwisterthematik. Die Geschwisterbeziehungen stellen nur einen Aspekt seiner Individualpsychologie dar. Dennoch wird er auch heute noch von vielen Forschern als Vater der Geschwisterkonstellationsforschung angesehen. Adler interessierte bei seinen tiefenpsychologischen Forschungen vor allem die den Lebensstil prägende Wirkung der Stellung eines Kindes in seiner Geschwisterreihe. Mit Adlers Arbeiten war der Grundstein für die heute als traditionell bezeichnete Geschwisterkonstellationsforschung gelegt, deren zentrale Annahme darin besteht, dass sich die Geschwisterkonstellation einer Familie (z.B. Geburtsrangplatz) nachhaltig auf die Entwicklung der einzelnen Kinder auswirkt und diese dadurch dauerhaft geprägt werden (vgl. Kasten 1998).
In den meisten früheren Untersuchungen standen somit vordergründige Effekte strukturell einfacher Variablen (z.B. Position in Geschwisterreihe) im Mittelpunkt des Interesses, da man, angelehnt an Adlers Überlegungen, davon ausging, dass diese Effekte auf das Individuum ausüben und wesentlich die Persönlichkeitsentwicklung prägen. Neuere Arbeiten beschäftigen sich eher mit der Frage, über welche Unterschiede im elterlichen Verhalten oder im Verhalten der Geschwister zueinander Strukturmerkmale vermittelt werden. Somit richtet
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Arbeit zitieren:
Silke Egemann, 2007, Jugend und Liebe – Sozialwissenschaftliche Konzepte und Theorien juveniler Intimität im Vergleich, München, GRIN Verlag GmbH
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