1. Einleitung
In den internationalen Beziehungen spielte die Region des Nahen Ostens seit Jahrhunderten eine sehr wichtige Rolle. Eine noch wichtigere Rolle kam dieser Region zu, als Ende der 1960er Jahre deutlich wurde, das auf nicht absehbare Zeit die westlichen industrialisierten Länder und insbesondere die USA vom Öl eben dieser Region abhängig sein werden, denn in dieser Region befinden sich die größten Rohölreserven der Welt. Die strategische Bedeutung dieser Region wird zusätzlich hervorgehoben, da diese Region auch den Suez-Kanal beherbergt, der eine wichtige Verbindung zwischen Europa und Asien darstellt. 1 Diese strategische Lage macht diese Region zu einem Schnittpunkt der globalstrategischen Interessen der beiden Größmächte USA und UdSSR.
Bis zum Ausbruch des Sechs-Tage-Krieges verfolgten die Supermächte in der Region des Nahen Ostens unterschiedliche Interessen und Ziele. Die Nahostpolitik der Sowjetunion zeichnete sich dadurch aus, dass die Sowjets sich bemühten, die Südgrenze Russlands zu sichern, die sie kurzer Hand in den Nahen Osten verlegten, weil sie davon ausgingen, dass die Gebiete Südrusslands aus dieser Region leicht zu erreichen wären und im Falle einer militärischen Auseinandersetzung schnell besetzt werden könnten. 2 Ferner suchten sie nach Möglichkeit den westlichen Einfluss in dieser Region einzudämmen, dazu musste aber für eine umfangreiche militärische Infrastruktur gesorgt werden und so war es ein Teil ihrer Nahostpolitik Flotten- und Stützpunkte in arabischen Ländern zu errichten. Um diesen Zielen näher zu kommen bemühten sie sich um Schaffung von politisch nutzbaren Abhängigkeiten. So wurden einige Staaten der arabischen Welt von der Sowjetunion abhängig, da es die Sowjetunion verstand, Einfluss auf diese Staaten zu nehmen, in dem sie ihnen Wirtschaftshilfen gewährte und Waffen im großen Stil exportierte. 3 Die Nahostpolitik der USA drehte sich vor allem um den gesicherten Zugang zum Rohöl des Nahen Ostens, den sie so dringend für die Versorgung der nationalen Wirtschaft brauchten. Ferner sollte
1 vgl. Ulfkotte 1984, S. 2
2 vgl. Hunter 1969, Wie groß ist der sowjetische Einfluss auf den arabisch-israelischen Konflikt? (Online Version).
3 vgl. Ulfkotte 1984, S. 10
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das Überleben des Staates Israel gesichert werden und es wurde ein Schwerpunkt auf die Vermeidung einer Konfrontation mit der UdSSR gesetzt. Auf der anderen Seite hat sich im Nahen Osten einige Jahrzehnte vor dem Ausbruch des Sechs-Tage-Krieges ein Prozess der grenzenlosen Aufrüstung und Militarisierung begonnen, nachdem die Kolonialmächte ihre Herrschaft in den Ländern dieser Region beendeten und die Machtbefugnisse auf die neuen Machthaber dieser Nationalstaaten übertrugen. Dadurch wurde die Region aber nicht friedlicher, sondern die neu entstandenen Nationalstaaten begannen einen neuen Rüstungswettlauf untereinander. 4 Der Begierde nach Rüstungsgütern wurde auch von den größten Rüstungsexporteuren, der Sowjetunion, den Vereinigten Staaten, Frankreich und von Großbritannien im vollen Umfang entsprochen.
Die Sowjets begannen ihr aktives Engagement im Nahen Osten Mitte der 1950er Jahre und wollten um jeden Preis den Einfluss des Westens in dieser Region schwächen oder gar vollständig ausschalten. 5 Begünstigend kam hinzu, dass in dieser Region aufgrund der Kolonialvergangenheit der Westmächte starke antiwestliche Ressentiments vorhanden waren und die Sowjets nutzten diese Tatsache aus und füllten dieses Vakuum, indem sie in den arabischen Ländern Fuß fassten. Sie gewährten vielen arabischen Staaten umfassende Militärhilfen. Der Löwenanteil kam den Ländern Ägypten und Syrien zu. Neben Waffen und Waffensystemen wurde auch Militärpersonal für Aufbau und Schulung entsandt. Ferner übernahmen sowjetische Piloten sogar den Schutz des ägyptischen Kernlandes. 6 Dies führte zu einer Verschärfung des arabisch-israelischen Konfliktes, und die eigene Position im Nahen Osten wurde verbessert. Die USA konnten aber den Einflusszuwachs der UdSSR nicht hinnehmen und begannen pro-westlich orientierten arabischen Staaten Wirtschaftshilfen zu gewähren und insbesondere Israel ab Mitte der 1960er Jahren mit massiven Rüstungsexporten zu unterstützen, um im Nahen und Mittleren Osten und auf „globaler Ebene den Status quo zu
4 vgl. Linde 1983, S. 23 f.
5 vgl. Lindner 1971, S. 314
6 vgl. ebd., 314 f.
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behaupten und dem sowjetischen Anbiederungsversuchen in der arabischen Welt entgegenzutreten“. 7
Und so kommen Zweifel auf, ob vielleicht der arabisch-israelische Konflikt, der im Sechs-Tage-Krieg mündete, nicht vor allem den Supermächten von Nutzen war oder sogar gewünscht war, vor allem der Sowjetunion, die das Ziel verfolgte, die USA und ihren Verbündeten Israel in dieser Region machtpolitisch zu schwächen, um anschließend mehr Einfluss in dieser Region ausüben zu können. Es gilt in dieser Arbeit der zentralen Frage nachzugehen, ob es sich beim Sechs-Tage-Krieg um einen Stellvertreterkrieg der Supermächte handelte oder aber um einen regionalen Konflikt zwischen Israel und der arabischen Welt, der zum Sechs-Tage-Krieg führte und sich ohne Einflussnahme der Supermächte entwickelt hat.
2. Der Ursprung des israelisch-arabischen Krieges
Der Nahe Osten und die arabische Welt wurden nicht erst ab den 1960er Jahren von Kriegen und Konflikten erschüttert, sondern schon viele Jahrzehnte zuvor. Der größte und bis heute ungelöste Konflikt dieser Region ist der arabisch-israelische Konflikt. Allein zwischen 1948 und 1982 gab es fünf kriegerische Auseinandersetzungen mehrerer arabischer Staaten mit dem Staat Israel. Das Erstarken der pan-arabischen Einheitsbewegung führte dazu, dass die Araber dem Verhältnis zu Israel die größte Aufmerksamkeit schenkten und in der Folge bewirkte dies zahlreiche Umwälzungen in dieser Region. Der arabisch-israelische Konflikt wurde als Schicksalsfrage für sämtliche Araber angesehen. Dieser Schicksalsfrage bedienten sich auch viele politische Führer der jungen arabischen Staaten für ihre Interessen. Die Solidarität im Kampf gegen die Existenz des israelischen Staates wurde von diesen politischen Führern dazu gebraucht, um in machtpolitischen Kämpfen ihre eigene Position gegenüber ihren Rivalen zu verbessern. Die verbesserte Position wurde dazu benutzt, um sich als führende arabische Nationalisten zu profilieren. 8 Eine der schillernsten Persönlichkeiten, die ganz Arabien unter ägyptischer Vorherrschaft einigen wollte und die sich der Lösung der ara-
7 Ulfkotte1988, S. 27
8 vgl. Ulfkotte 1988, S. 3 ff.
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bisch-israelischen Frage angenommen hat, war der ägyptische Präsident Nasser. Wild stürzte er sich auf die Lösung der arabisch-israelischen Frage. Für ihn war die zionistische Gefahr zu einer Priorität geworden und ihr galt es die volle Energie zu widmen. Einige Staaten der unmittelbaren Nachbarschaft zu Israel, wie Syrien oder Jordanien, waren sehr von Nassers Charisma hingerissen, weil sie unmittelbar an den Staat Israel angrenzten und Israel für sie eine Gefahr darstellte. 9 In der Phase vor dem Sechs-Tage-Krieg sprachen sich neben Nasser auch die Führer der anderen arabischen Staaten für eine Nichtanerkennung des israelischen Existenzrechtes aus und boykottierten Israels Wirtschaft mit einem Wirtschaftsboykott. Auf kriegerische aktive Mittel verzichteten die arabischen Staaten jedoch weitgehend und führten einen politischen Stellungskrieg gegen Israel. An aktive militärische Auseinandersetzungen mit Israel war von ihrer Seite aus noch nicht zu denken, da sie im Begriff waren, einen Pan-Arabismus zu entwickeln und sich untereinander nicht einig waren. Sie verwendeten die größten Ressourcen auf die Erneuerung der politischen und sozialen Machtposition auf arabischem Terrain und waren so lediglich am politischen Kampf gegen Israel interessiert. 10
Nasser, nur einer der politischen Häupter des Nahen Ostens, übernahm die Rolle des „Führers“ und dirigierte die arabischen Staaten im Kampf gegen Israel. Sein kluges strategisches Denken erlaubte ihm das Ausnutzen des Pan-Arabismus und der anti-israelischen Einstellung der arabischen Bevölkerung gegen den jüdischen Staat, und er bekräftigte mit klugen politischen Zügen die Rolle Ägyptens als führende Nation in der Arabischen Liga und als Führer Ägyptens seine Position an der obersten Stelle der arabischen Welt. 11 Um seine Führerschaft weiter zu stärken, wurde unverzüglich der Schuldige für das Stocken des Pan-Arabismus gefunden, der Erzfeind Israel und die aus der Sicht der Araber hinter Israel stehende westliche Welt, insbesondere die USA, die ihre Interessen in der Region verfolgten und der panarabischen Idee entgegenarbeiteten. Und nichts einte besser als der gemeinsame Feind und der damit verbundene Wille zur Vernichtung desselben,
9 vgl. Hunter 1969, S.13
10 vgl. Ulfkotte 1988, S. 4 f.
11 vgl. Ulfkotte 1988, S. 27 f.
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in diesem Fall Israels, der die Unabhängigkeit der arabischen Staatenwelt bedrohte. 12 Und so vergingen die 1960er Jahre damit, dass die verfeindeten Lager Israel und die arabischen Staaten ihre Waffendepots mit neuen Waffen füllten und ihre Armeen nach dem neuesten Stand der Technik ausrüsteten. Insbesondere stachen neben Israel Ägypten und Syrien hervor, die massiv aufrüsteten. Ab Mitte der 1960er Jahre gesellte sich zu den massiven Aufrüstungsbemühungen und dem stillen Konflikt der Lager noch eine Krisenperiode dazu, die wenig später in die Eskalationsphase umschlug. Eine Art Eigendynamik entwickelte sich in Folge eines Konflikts zwischen Israel und Syrien, in dem es um zunächst um Wasserentnahme aus dem Jordan ging. 13 Dieser Vorfall gab dem links-baathistischen Regime in Damaskus den Vor-wand um ab 1966 verschärfte Konfrontationen mit Israel zu suchen. 14
3. Der Sechs-Tage-Krieg
Der Beschuss israelischer Siedlungen von den Golanhöhen nahm ab 1966 an Intensität zu. Ab 1967 wurden die israelisch-syrischen Schlagabtausche ausgeweitet und mündeten in offenen Artillerie- und Luftgefechten. 15 Auf-grund des 1966 von Ägypten und Syrien unterzeichneten Verteidigungsabkommens und der daraus resultierenden Pflicht Ägyptens, war Nasser gezwungen Syrien militärisch beizustehen. Ab diesen Augenblick begann eine nicht mehr aufzuhaltende Eigendynamik der Eskalationsphase, die in den Sechs-Tage-Krieg überging und mit einem überwältigenden Sieg der Israelis endete.
4. Die Bilanz des Sechs-Tage-Krieges
Beim Präventivschlag der Israelis gegen Syrien, Ägypten und Jordanien wurde der Großteil der gegnerischen Flugzeuge und Panzer zerstört. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass es sich bei dem von den Israelis zerstörten und erbeuteten Kriegsgerät um Ausrüstung sowjetischer Bauart handelte, die
12 vgl. ebd., S. 28
13 vgl. Dayan 1981, S. 224
14 vgl. Ulfkotte 1988, S. 29
15 vgl. Creveld 2002, Krieg im Nahen Osten: Ein Szenario (Online Version).
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Arbeit zitieren:
Maxim Kimerling, 2010, Israel: Der Sechs-Tage-Krieg 1967, München, GRIN Verlag GmbH
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