Inhalt
1 Einleitung 2
2 Einwanderungsland Israel 4
3 Die Große Aliyah 4
3.1 Zusammensetzung der Gesamtgruppe der Einwanderer
aus der ehemaligen Sowjetunion
3.2. Bildungsstruktur der Einwanderer aus der ehemaligen
Sowjetunion 6
4 Auswirkungen der Großen Aliyah auf den Arbeitsmarkt, Löhne
und Beschäftigung der Israelis 7
4.1 Auswirkungen der Großen Aliyah auf den Arbeitsmarkt 7
4.2 Auswirkungen der Großen Aliyah auf die Beschäftigung und
L öhne der Israelis - Neoklassische Migrationstheorie 8
4.3 Unmittelbare Effekte der Zuwanderung auf Löhne und
Besch äftigung der Israelis 9
4.4 Langfristige Effekte der Zuwanderung auf die Löhne
und Beschäftigung der Israelis 11
5 Langer Weg der Integration - Die Perspektive aus der Sicht der
Einwanderer 12
6 Auswirkungen der Großen Aliyah auf die Wirtschaft Israels 13
6.1. Humankapital als die treibende Kraft für das nationale
Wirtschaftswachstum 15
6.2. Potenzialausnutzung des Humankapitals der Immigranten 15
6.3. Hightech-Brutkästen und neue Möglichkeiten für die Immigranten 16
6.4. Inkubatoren und ihr Prinzip 16
6.5. Der Militärdienst als Eintrittskarte in die High-Tech-Welt 18
6.6. Blühende Firmenlandschaften 19
7 Fazit 22
Literaturverzeichnis 24
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1. Einleitung
Das Ende des Kalten Krieges und der beginnende Nahost Friedensprozess bewirkten eine Kürzung des Verteidigungshaushaltes und eine Reduzierung der Truppenstärke der israelischen Armee. Als Folge dieser Entwicklung wurden zahlreiche militärische Entwicklungsprojekte eingestellt, wie das eines israelischen Kampfflugzeuges. Viele Rüstungsbetriebe mussten geschlossen werden und es wurden viele gut ausgebildete Ingenieure und Programmierer freigesetzt und suchten Arbeit. 1 Um die Potentiale dieser hoch qualifizierten Menschen nicht verloren gehen zu lassen, bemühte sich die Regierung gleichzeitig mit dem eingesparten Geld aus dem Rüstungssektor neue Industrien im Bereich der High-Tech-Technologie zu schaffen und die dafür erforderlichen günstigen politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen. 2 Als Folge der richtigen Umstrukturierungspolitik der Schlüsselindustrien entwickelte sich Israel seit den 1990er Jahren zur größten Hightech-Schmiede nach Silicon Valley, dem Zentrum der Informationstechnologiebranche in den USA. Im Verhältnis zur Größe der Bevölkerung hat Israel das Vorbild Silicon Valley längst hinter sich gelassen. Im „Silicon Wadi“ sind mehr als 5000 Unternehmen beheimatet, Tausende von ihnen sind Startups und jährlich werden nahezu 800 neue Hightech Unternehmen gegründet. 3 Nach Kanada ist Israel der am zweitstärksten repräsentierte Staat an den US-Börsen. 4 Doch diese traumhafte Entwicklung hin zu einer Hightech Nation wurde nicht von der Freisetzung der Potenziale aus der Rüstungsindustrie ermöglicht, es kam ein einschneidendes Ereignis Anfang der 1990er Jahre hinzu, das Israel und dessen Wirtschaft nachhaltig verändert hat. Israel erlebte die gewaltigste Immigrationswelle seit der Staatsgründung 1948. Beinahe eine Million Immigranten aus der Sowjetunion trafen in den 1990er Jahren in Israel ein, so dass die israelische Bevölkerung um beinah 20 Prozent innerhalb nur eines Jahrzehnts anwuchs. Die Immigranten waren gegenüber der einheimischen Bevölkerung außerordentlich gut ausgebildet. Über 60% von ihnen hatten eine Hochschule in der Sowjetunion besucht und 40% von ihnen besaßen einen Universitätsabschluss. Das kleine Land wurde förmlich mit zehntausenden Ingenieuren, Ärzten und Wissenschaftlern überschwemmt. 5
1 vgl. Alroi-Arloser 1999, Von Jaffa zu Java: Wie Israel zur Software-Superpower wurde (Online Version).
2 vgl. Swirski 1999, S. 236
3 vgl. Gneuss 2007, S.4
4 vgl. Erich 1999, Die sibirischen Surfer (Online Version).
5 vgl. Cohen 2000, S. 8
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Bei all den vielen Assimilationsschwierigkeiten der Immigranten bewirkten sie im Verlauf der 1990er Jahre nachhaltige wirtschaftliche Veränderungen und das wirtschaftliche Antlitz Israels wurde auf lange Sicht grundlegend verändert. Das BIP des Landes erlebte hohe Zuwachsraten, die Zahl der Industrieunternehmen verdreifachte sich zwischen 1992 und 1998. 6 Aber auch die Regierung des Landes wusste die Potentiale der Einwanderer zu nutzen. Sie sorgte für die richtigen politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, unter denen sich die neuen Einwanderer optimal entfalten konnten. Der Staat sorgte für günstige staatliche Kredite, direkte Zuschüsse und Steuernachlässe für junge Unternehmen. 7 Mit diesen Maßnahmen war die Politik der Regierung ein voller Erfolg und Israel entwickelte sich in der Tat zu einer High-Tech-Nation.
Im Zentrum dieser Arbeit steht die Frage, welche Auswirkungen und Folgen die Große Aliyah der 1990er Jahre auf die Wirtschaft des Landes hatte. Im Einzelnen gilt es die Auswirkungen und Folgen der Großen Aliyah auf den Arbeitsmarkt, die Beschäftigung und die Löhne der israelischen Arbeitnehmer zu untersuchen, denn der relativ kleine Arbeitsmarkt und insbesondere die Löhne der Einheimischen blieben nicht unberührt, da kein Land auf der Welt dieser Größe unbemerkt hunderttausende Arbeitssuchende integrieren kann, ohne dass es Gewinner oder Verlierer gibt. Ferner müssen die Auswirkungen auf die Wirtschaft und den Hightech-Sektor in Israel untersucht werden, da es die israelische Wirtschaft ist, die langfristig von den gut gebildeten Immigranten profitiert und mit richtigen Rahmenbedingungen die Potenziale weiter optimiert.
6 vgl. Balke 2007, S. 163
7 vgl. Städeli 2008, S. 37
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2. Einwanderungsland Israel
Menschen, die nach Israel einwandern, unternehmen der offiziellen Sprachregelung zufolge eine „Auffahrt“. Mit "Aliyah" wird auf Hebräisch die Immigration umschrieben. 8 Israel bildet die größte Zufluchtsstätte für Juden. Mehr als drei Millionen jüdische Migranten aus Europa, Asien, Amerika, Afrika fanden bis heute in Israel ein neues Zuhause. Die gewaltigste und folgenreichste Aliyah-Welle seit der Staatsgründung 1948 erlebte das Land nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Addiert man jene Immigranten aus der Sowjetunion hinzu, die zu Beginn der siebziger Jahre eingetroffen waren, ergibt sich eine Zahl von einer runden Million jüdischer Neubürger russischer Herkunft - jeder fünfte Israeli stammt aus der ehemaligen UdSSR. 9 Ermöglicht wurde die Große Aliyah durch Israels Einwanderungspolitik, die vom Rückkehrrecht bestimmt ist und allen jüdischen Immigranten und seit 1970 auch ihren nicht jüdischen Angehörigen die Staatsbürgerschaft garantiert. Viele Staaten dieser Welt schränken die Zahl ihrer Einwanderer ein und geben hoch qualifizierten jungen Migrannten den Vorzug, israelische Einwanderungspolitik hingegen verfolgt die Politik, so viele jüdische Neueinwanderer wie möglich aufzunehmen und zwar unabhängig vom Alter, Bildungsniveau und der ethnischen Herkunft. 10 Durch viele kleine und große und insbesondere durch die Massen-Aliyah der neunziger Jahre wuchs die Bevölkerung Israels bis zum heutigen Tage auf mehr als sieben Millionen Menschen an.
3. Die Große Aliyah
In der Phase des kalten Krieges und insbesondere nach dem Zusammenbruch der UdSSR Ende der 1980er Jahre emigrierten ca. 1, 8 Millionen russische Juden und ihre nichtjüdischen Familienmitglieder in zwei großen Wellen. Zwischen 1970 und 1988 gab es die erste Welle mit 350 Tausend Personen. Die zweite große Welle begann Ende der 1980er Jahre und dauerte bis zum Jahr 2000 mit über 1,5 Millionen Personen. Ein neues Zuhause fanden die Emigranten aus der UdSSR in Israel (über 1 Million), in den USA (ca. 400 Tausend), in Deutschland (ca. 130 Tausend bis zum Jahr 2000) und in Kanada (ca. 30 Tausend). 11 Somit entfiel der größte Teil der Emigranten auf Israel. Allerdings muss hierbei erwähnt werden, dass Israel bei vielen Auswande-
8 vgl.Veser 2000, Deutschland und Israel - lehawdil (Online Version).
9 vgl. ebd.
10 vgl. Cohen/Haberfeld/Kogan 2008, S. 187
11 vgl. ebd.
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rern nicht das attraktivste Ziel darstellte, weil die Region Nahost nicht unbedingt für friedliches Zusammenleben der Völker bekannt ist. Es gab wesentlich attraktivere und wirtschaftliche prosperierende Zielländer wie Deutschland und USA/Kanada. Im Vergleich zu Deutschland und den Vereinigten Staaten gab es in Israel jedoch keine Einreisebeschränkungen. In Deutschland gab es komplexe Bewerbungsprozesse und langjährige Wartezeit auf Visaerteilung und in den USA gab es seit 1990 eine Einschränkung der Aufnahme von jüdischen Auswanderern aus der UdSSR. Die Einschränkung belief sich auf jährlich 50 Tausend Personen. 12 Dadurch blieben den jüdischen Auswanderern andere Länder versperrt und Israel wurde zur neuen Heimat auserwählt.
Im Verlauf der 1990er Jahre wuchs die israelische Bevölkerung um beinahe 20 Prozent, der Anteil der jüdischen Bevölkerung gar um 24 Prozent. Im Jahr 1989 kamen insgesamt 10 Tausend Immigranten aus der UdSSR in Israel an. Im Jahr 1990 waren es bereits 199 Tausend und im Jahr 1991 176 Tausend. Danach ging die Zahl der Einwanderer auf 70 bis 80 Tausend Personen pro Jahr bis zum Jahr 1998 zurück. Ab dem Jahr 1998 lag die Zahl der Immigranten aus der ehemaligen Sowjetunion konstant bei ca. 50 Tausend Personen jährlich. In den 1980er Jahren betrug die jährliche Zuwachsrate der jüdischen Bevölkerung zwischen 1.4 und 1.8 Prozent. In den Jahren 1990 und 1991 10 Prozent. 13 Dieser Bevölkerungszuwachs ist selten von einem anderen Land erreicht worden.
3.1 Zusammensetzung der Gesamtgruppe der Einwanderer aus der ehemaligen UdSSR
Die russischen Juden 14 waren als Gesamtgruppe keineswegs homogen zusammengesetzt. Ca. 600 Tausend Personen kamen aus Russland und der Ukraine. 200 Tausend kamen aus Zentralasien und dem Kaukasus. Ferner lebten viele Juden im europäischen Teil der UdSSR in Mischehen, sodass sich unter den Einwanderern ca. 20 % Familienangehörige befinden, die nicht jüdisch im Sinne der Halacha sind. 15 Die russische Sprache und Kultur ist also das einzige Bindeglied zwischen den russichen Juden aus dem Baltikum, der Ukraine, Russland, dem Kaukasus, Buchara, Usbekistan
12 vgl. Locher 2000, S. 1 ff.
13 vgl. Neuman 1999, S.15
14 Die „russischen Juden“ ist ein stark vereinfachender Terminus für alle jüdischen Immigranten aus der früheren UdSSR.
15 vgl. Glöckner 2008, Russische Juden in Israel (Online Version).
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und anderen Regionen der ehemaligen UdSSR. 16 Im Großen und Ganzen lässt sich über die Gesamtgruppe Folgendes sagen: „Als Bevölkerungsgruppe sind sie nicht reich und nicht arm, sie verfügen nicht über ein ausgeprägtes jüdisches Bewusstsein (…) sie sind keine kämpferischen Falken und keine weißen Tauben“ 17 .
3. 2 Bildungsstruktur der Einwanderer aus ehemaligen UdSSR
Die israelische Gesellschaft war Einwanderungswellen gewohnt, da diese junge, gut ausgebildete Menschen ins Land brachte. Noch im Jahre 1948 waren 10% der jüdischen männlichen Bevölkerung in Israel akademisch ausgebildet. Immerhin war diese Zahl höher als in den USA der gleichen Zeit. 18 Seit den 50er Jahren hat sich das Land allerdings stark gewandelt und die Zahl der gebildeten Menschen mit diversen Abschlüssen höherer Schulen stieg langsam von Jahr zu Jahr. Doch in den 1970er Jahren und insbesondere in den 1990er Jahren gab es eine gravierende Veränderung in der israelischen Gesellschaft. Mit den russischen Juden kamen sehr viele hervorragend ausgebildete Menschen. Ihr besonders hervorstechendes Merkmal ist ihr extrem hoher Bildungsgrad. Die russischen Juden haben eine längere Schulbildung als die Israelis vorzuweisen. Ferner besuchten über 60% der Immigranten eine Hochschule in der Sowjetunion und 40 % von ihnen haben einen Universitätsabschluss. Auf der israelischen Seite besuchten etwa 30% der Israelis eine Hochschule und 12% von ihnen hat einen Universitätsabschluss. 19 Unter den 258 Tausend russischen Juden, die in den Jahren 1990 und 1993 nach Israel kamen, waren 57 Tausend Ingenieure und 12 Tausend Ärzte. Ferner, im direkten Vergleich dazu, gab es in Israel bis zum Jahr 1989 ca. 30 Tausend Ingenieure und ca. 15 Tausend Ärzte. 20 21 Insgesamt waren unter den Einwanderern der 1990er Jahre ca. 15% Ingenieure und Architekten, 7 % Physiker, 18% Personen in technischen Berufen und 8% Geschäftsleute, 22 40 Tausend waren Lehrer und 25 Tausend Krankenschwestern, hinzu kamen weitere 13 Tausend Wissenschaftler. 23 Ferner war ein signifikantes Phänomen zu beobachten. Die Immigration sowjetischer Juden trug dazu bei, dass mehr als 70% der Israelis im Alter von 25 bis 64 Jahren ein Abitur besaßen und 35% eine Hochschule besuchten. Ferner besa-
16 vgl.Timm 2003, S. 41
17 ebd., S. 42
18 vgl. Neuman 1999, S. 17 f.
19 vgl. Cohen 2000, S. 8
20 15 Tausend eingewanderte Ärzte sowie 25 Tausend Krankenschwestern und -Pfleger sorgten dafür, dass Israel heute über eines der dichtesten medizinischen Versorgungssysteme weltweit verfügt. 21 vgl. Cohen 2000, S. 8
22 vgl. Neuman 1999, S. 21
23 vgl. Glöckner 2008, a.a.O.
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Arbeit zitieren:
Maxim Kimerling, 2010, Große Aliyah (Alijah), München, GRIN Verlag GmbH
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