Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung 03
II. Überlegungen zum Quellentext 04
III. Die Witwe n in Konkurrenz zum Bischof 08
1. Die Zugangsvoraussetzungen zum Witwenstand 07
2.Die von Witwen ausgeübten Tätigkeiten 09
2.1 Die Lehre 09
2.2 Hausseelsorge, Bußübungen, Gebet und Krankenpflege 11
2.3 Die Taufe 13
IV. Die Diakonin 15
V. Zusammenfassung 17
Quellengrundlage S. 20
L i t e r a t u r S 2 0
2
I. Einleitung
Im Zentrum der Hausarbeit steht das Frauenbild in der Syrischen Didaskalie. Am Beispiel der Witwen soll exemplarisch untersucht werden, welche Rolle die Witwen in der Gemeinde einnahmen. In der griechisch - römischen Antike gehörten Witwen ohne familiären Rückhalt zu den schwächsten Gliedern der Gesellschaft. Obwohl es auch reiche Witwen gab, war die rechtliche und wirtschaftliche Situation der meisten Betroffenen unsicher. In den christlichen Gemeinden dagegen gab es eine geregelte Armenversorgung, bei der die Witwen die Mehrheit der Almosenempfänger stellten. Eine kleinere Gruppe unter ihnen bildete sogar einen eigenen hochangesehenen ordo mit Unterhaltsrecht. 1 Allerdings konnte im Verlauf der Beschäftigung mit dem Thema nicht in allen Punkten der Unterschied zwischen diesen beiden „Witwengruppen“ in den christlichen Gemeinden geklärt werden.
Bei der Syrischen Didaskalie handelt es sich um eine Kirchenordnung aus der ersten Hälfte des 3.Jahrhunderts. Sie gibt selbst als Entstehungsort Jerusalem an, wobei Anhaltspunkte vor-handen sind, die auf Syrien als Abfassungsort 2 hinweisen. Der Verfasser ist unbekannt. Der Text erhebt jedoch den Anspruch, das Werk der Apostel zu sein, wodurch sich seine Autorität begründet. Vom griechischen Original ist nur noch ein Fragment erhalten. Mühlsteiger führt aus, dass der Text dieser Kirchenordnung in mehreren Übersetzungen überliefert ist: zwei alte in lateinischer und syrischer sowie zwei jüngere in arabischer und äthiopischer Sprache. Etwa ein Fünftel des Gesamttextes ist dem AT und NT entnommen, hauptsächlich um die in der Ordnung vertretenen Standpunkte zu untermauern. Unter den verwendeten Quellen nehmen die Didache und die Briefe des Ignatius von Antiochien einen besonderen Platz ein. Eine Besonderheit der Syrischen Didaskalie ist es, dass aus keiner anderen altchristlichen Schrift auch nur annährend so viele Informationen über alle Seiten des Gemeindelebens zu erhalten sind. In den ersten drei Kapiteln werden Anweisungen für die Gestaltung des christlichen Lebens gegeben. Die folgenden Kapitel stellen die Verfassung der Gemeinde mit dem Bischof als alleinigem Oberhaupt dar. Davon beschäftigen sich das 14. und 15. Kapitel mit dem Witwen, denen damit gemessen am Gesamtumfang des Textes besondere Aufmerksamkeit zuteil wird.
Die wissenschaftliche Untersuchung der Situation der Frauen in den frühchristlichen Gemeinden steckt noch in den Anfängen, sodass die Auswahl an Literatur zu diesem Thema begrenzt
1 Betzler, Irmgard: Witwenschaft, in: Lexikon für Theologie und Kirche, Band 10, Freiburg 1986, Sp. 1262.
2 Mühlsteiger, Johannes: Didascalia Apostolorum, in: ders.: Kirchenordnungen. Anfänge kirchlicher Rechtsbildung. Berlin 2006. S. 101.
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ist. Neben dem Quellentext selbst finden sich jedoch in jedem Buch, dass sich mit der Entwicklung der kirchlichen Ämter befasst, auch allgemeine Aussagen über die Witwen und Diakoninnen. Das aktuellste mir vorliegende Buch über Frauen in der frühen Kirche von Andrea Biernath 3 behandelt die Witwe und die Diakonin in der Syrischen Didaskalie mehr oder weniger am Rande, als einen Aspekt unter vielen. Ihr Interesse gilt der Frau im frühen Christentum. Wesentlich ertragreicher für das Thema war der Aufsatz von Charlotte Methuen. 4 Sie hat sehr tiefgreifende Untersuchungen zu den Witwen in der Syrischen Didaskalie vorgelegt. Unentbehrlich für diese Arbeit waren außerdem die Untersuchungen Georg Schöllgens über Professionalisierung und Ämterentwicklung 5 . Den Witwen ist darin ein eigenes Kapitel gewidmet. Sehr intensiv setzt sich Bonnie Bowman Thurston 6 mit dem Stand der Witwen in der frühen Kirche auseinander. Sie beleuchtet viele Aspekte dieses „Amtes“ aus einem neuen Blickwinkel und regt damit oft eine neue Auslegung frühchristlicher Texte zu diesem Thema an. Zu ganz neuen Einsichten kommt auch Cornelia Schlarb, die sich in ihrem Aufsatz mit den Witwen in der Syrischen Didaskalie beschäftigt. Angeregt durch einen Syrisch - Lektürekurs macht sie bei den philologischen Studien viele neue inhaltliche Beobachtungen. 7
II. Überlegungen zum Quellentext
Aus dem 3. Jahrhundert sind nur vereinzelte Quellen zu Gemeindeorganisation und Amt erhalten. Dabei wurden die einzelnen Schriften oft gezielt ausgewählt um ein bestimmtes Bild der Gemeinde zu zeichnen. So lassen sich nur punktuelle Aussagen zur Ämterentwicklung und Gemeindeorganisation treffen. Methuen sieht in der Syrischen Didaskalie eine Schrift, der es gelungen ist, sich als eine in das „katholische“ Konzept von Gemeindehierarchie passende Darstellung in die Tradition aufnehmen zu lassen, obwohl sie von ihrer Theologie her gesehen eher „nicht katholisch“ wirkt. 8
3 Biernath, Andrea: Missverstandene Gleichheit, Die Frau in der frühen Kirche zwischen Charisma und Amt, Stuttgart 2005.
4 Methuen, Charlotte: Die Autorität der Frauen in der Alten Kirche am Beispiel der Witwen in der Syrischen Didaskalie, in Siegele - Wenschkewitz, Leonore (Hrsg.): Frauen Gestalten Geschichte, Im Spannungsfeld zwischen Religion und Geschlecht, Hannover 1998, S. 9 - 32.
5 Schöllgen, Georg: Die Anfänge der Professionalisierung des Klerus und das kirchliche Amt in der Syrischen Didaskalie, Münster 1998.
6 Thurston, Bonnie Bowman: The widows: a women`s ministry in the early Church, Minneapolis 1989.
7 Schlarb, Cornelia: Die (un)gebändigte Witwe, Exegetische Überlegungen zur Entwicklung eines Frauenamtes in der Syrischen Didaskalia, in: Tamcke, Martin; Schwaigert, Wolfgang; Schlarb, Egbert (Hrsg.): Syrisches Christentum weltweit, Studien zur syrischen Kirchengeschichte, Festschrift Wolfgang Hage, Münster 1995.
8 Methuen, S. 31.
4
Wie schon in der Einleitung angeklungen, ist der Verfasser unbekannt und es lassen sich vom Text her schwer Rückschlüsse auf ihn ziehen. Die differenzierte Darstellung der äußeren Gemeindestruktur, die Bemühungen um die Glaubenseinheit der Gemeinde und die Absicht einer äußerlichen Einheitlichkeit in der Gemeindedisziplin legen die Vermutung nahe, dass der Autor selbst Bischof gewesen ist. 9 Sein Hauptinteresse galt jedenfalls ganz offensichtlich dem Bischofsamt. Die zahlreichen Anforderungen und Verhaltensregeln für den Bischof und das von der Gemeinde geforderte Verhalten ihm gegenüber zeichnen ein Idealbild, das so sicher nicht umsetzbar oder gar existent war. Vielmehr dürfte die proklamierte Zusammenfassung aller Kompetenzen in der Person des Bischofs eine Stärkung des Monepiskopats zum Ziel gehabt haben.
Zunächst soll die Gliederung der Schrift näher betrachtet werden. Schon in der Überschrift werden die Apostel als Verfasser des Textes angegeben, um die unbedingte Gültigkeit der enthaltenen Normen zu untermauern. Die ersten drei Kapitel erfüllen eine einleitende Funktion, wobei sich im 2. Kapitel und 3. Kapitel allgemeine Verhaltensregeln für die Männer und für die Frauen finden. Auch für jedes kirchliche Amt neben dem des Bischofs werden genaue Anweisungen gegeben, nicht ohne den Vorrang des Bischofs herauszustellen. Mit dem Amt des Bischofs, seinen (Vor)rechten und Pflichten beschäftigen sich daher auch die meisten Kapitel. Als eine häufig verwendete „Klausel“ in den einzelnen Kapiteln findet sich immer wieder “tue nichts ohne den Bischof“ in dieser oder einer sinngleichen Wendung. Diese oft wiederholte Formulierung legt einmal mehr die Vermutung nahe, dass der Bischof in dieser Gemeinde noch nicht das unangefochtene Oberhaupt war. So kann die Didaskalie sicher auch als eine Art „Handbuch“ verstanden werden, dass dem Bischof Anweisungen für das richtige Handeln in bestimmten Situationen in der Gemeindearbeit und der Gemeindeleitung sowie im „richtigen“ Umgang mit bestimmten Gemeindemitgliedern geben sollte, um diesen angestrebten Zustand zu erreichen. Dass der Verfasser dem Stand der Witwen dabei gleich zwei Kapitel widmet, erhärtet die Vermutung, dass es sich bei den Witwen um eine Personengruppe handelte, die sich nicht in die von der Kirchenordnung angestrebte Gemeindehierarchie mit dem Bischof als Oberhaupt und alleinigen Gemeindeleiter eingliedern lassen wollte. Offensichtlich war dies kein exklusives Problem einer einzelnen Gemeinde, sondern ein allgemeines der sich profilierenden christlichen Gemeinden. Denn Georg Schöllgen stellte bei seinen Untersuchungen zu den Anfängen der Professionalisierung des Klerus fest, dass die Witwen in allen christlichen Texten der ersten drei Jahrhunderte nur im Zusammenhang mit Missständen und
9 Mühlsteiger, S. 107.
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Problemen auftauchen. Bei der Exegese des Textes der Syrischen Didaskalie weist er außerdem darauf hin, dass aufgrund der verwendeten syrischen und auch griechischen Begriffe nicht immer eindeutig zwischen den Witwen im allgemeinen und dem besonderen Stand der ordo - Witwen unterschieden werden kann. 10 Doch dürfte diese Tatsache für die Untersuchung des Frauenbildes vorerst wendiger relevant sein. Viel bedeutender ist der Einfluss der antiken Umwelt auf die sich entwickelnden christlichen Gemeinden. Wenn man die Anweisungen an die Männer mit denen an die Frauen vergleicht, wird deutlich, dass das Rollenbild der Geschlechter den Vorstellungen der römisch - griechischen Antike entsprach. Der Wirkungsbereich der Frau beschränkte sich im Wesentlichen auf das Haus, im sozialen und gesellschaftlichen Kontext bestimmte der Mann über ihre Angelegenheiten. Doch stellt sich das Umfeld der syrischen Gemeinden noch komplizierter dar. Denn es war geprägt von verschiedenen Kulturen mit unterschiedlichen gesellschaftlichen Normen. Dies betont auch Charlotte Methuen, wenn sie ausführt, welch einen wichtigen Faktor das kulturelle und soziale Umfeld der sich entwickelnden jungen Gemeinden darstellt. So hat der in der Syrischen Didaskalia bezeugte Prozess der Einführung einer hierarchischen Gemeindestruktur nicht nur theologische, sondern auch gesellschaftliche Ursachen. Die Tatsache, dass die Syrische Didaskalie ursprünglich in griechischer Sprache verfasst wurde, zeige die kulturelle Uneinheitlichkeit Syriens im 3. Jahrhundert. Dieses römische Grenzgebiet war politisch ständig in Bewegung und die zwei vorherrschenden Sprachen Syrisch und Griechisch dürften ganz unterschiedliche kulturelle Richtungen in sich bergen. Unterschiedliche gesellschaftliche Vorstellungen, nicht zuletzt bezüglich der Frauenrolle, dürften hier aufeinandergetroffen sein und auch die Kirche beeinflusst haben. Methuen führt weiter aus, dass obgleich die Syrische Didaskalie noch nicht die Assoziation von Frauen mit Häresie beinhalte, sie doch als Produkt einer Situation zu lesen sei, in der verschiedene Vorstellungen über die Rolle der Frau in der Gesellschaft und somit auch in der Kirche nebeneinander existiert haben. 11 Um sich in der Welt einzurichten, war es notwendig für die Kirche(n), sich der jeweiligen Umwelt mit den dort geltenden Normen anzupassen. Methuen führt hier als Beispiel Tertullian an, der sehr bemüht war seine Gemeinde mit der Übernahme der geltenden Normen in die Umwelt zu integrieren.
Damit, dass die christlichen Gemeinden von ihrer heidnischen Umwelt wahrgenommen und beobachtet wurden, fiel die Aufmerksamkeit natürlich auch insbesondere auf Christinnen, die Tätigkeitsbereiche außerhalb des Hauses beanspruchten. Dabei dürfte es sich meist um Frauen gehandelt haben, die frei waren von männlicher Vormundschaft, also zum einen um Jungfrau-
10 Schöllgen,S.147f..
11 Methuen, S. 30f.
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Arbeit zitieren:
Astrid Schwerhoff, 2010, Das Frauenbild in der Syrischen Didaskalie am Beispiel der Witwen, München, GRIN Verlag GmbH
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