1. Einleitung
Die vorliegende Arbeit soll sich mit dem Themenbereich der kulturellen Heterogenität in Lerngruppen, also der kulturellen Verschiedenheit, befassen. Die daraus möglicherweise aufkommenden Schwierigkeiten aber auch die Chancen, die diese kulturelle Vielfalt im Schulalltag bieten, sollen dabei ansatzweise, dem Umfang der Arbeit gerecht, beschrieben und reflektiert werden. Dabei helfen dem Autor dieser Arbeit seine verschiedenen Praktika in unterschiedlichen Schulformen, die allesamt mit kultureller Heterogenität im Schulalltag zu tun hatten. Dabei sei auch anzumerken, dass eine besondere Fokussierung auf die Fächer Deutsch und Geschichte der eigenen Spezialisierung des Autors auf diese Fachbereiche geschuldet sind. Daraus ergibt sich allerdings die Möglichkeit, dem zeitgeschichtlichen Hintergrund der Gesamtsituation in stärkerem Maße Beachtung zu schenken. Zunächst wird auf den Begriff Migration eingegangen werden. Der Begriff an sich soll dabei zunächst definiert werden, um im Folgenden dann auf die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland angewendet werden zu können. Aus dieser geschichtlichen Darstellung soll dann die Grundlage für die weitere Arbeit gelegt sein, welche sich dann mit einem Beispiel befasst, dass ein grundlegendes Problem bei der Eingliederung von Kindern mit Migrationshintergrund in den Schulalltag erfassen soll. Diese Problematik bildet auch die Grundlage für einen kleinen Exkurs in den Themenbereich der Diagnostik im Sinne der Erfassung von Sprachkompetenzen bei Schülern des Vorschul- und Grundschulalters. Daraufhin soll die interkulturelle Pädagogik in ihrer Aufgabe und Funktion dargestellt werden. Dabei wird auch auf die Entwicklung der interkulturellen Kompetenz eingegangen werden.
Abschließend sollen die Möglichkeiten, die aus einer kulturell heterogenen Lerngruppe entstehen, dargestellt werden, um abschließend zu zeigen, dass kulturelle Heterogenität vielmehr eine Chance bedeutet als eine Problematik. Dazu werden verschiedene Anregungen für den Unterricht gegeben werden, die zeigen sollen, wie sich kulturelle Heterogenität direkt im Unterricht nutzen lässt und dabei die interkulturelle Kompetenz fördert. Aus dieser Arbeit kann dann durch die Reflektion der eigenen Erfahrungen und der weiteren Beschäftigung mit dem Thema Migration und kultureller Heterogenität sowie der interkulturellen Kompetenz eine gute Vorbereitung auf den späteren Beruf des Lehrers entstehen.
Im Umfang dieser Arbeit kann verständlicherweise nicht auf sämtliche Aspekte des Themenkomplex eingegangen werden. Diese Arbeit greift vielmehr einzelne Aspekte heraus Seite 3 von 27
und zeigt dadurch umso deutlicher die Bedeutung der kulturellen Heterogenität für das öffentliche Leben und die Schule an sich.
Denn im späteren Lehrerberuf ist die Beschäftigung mit der kulturellen Vielfalt in der eigenen Lerngruppe von größter Bedeutung und kann somit nicht früh genug als solche erkannt werden.
2. Migration - Eine Annäherung an den Begriff
Für die Verständlichkeit dieser Arbeit muss der Begriff Migration zunächst im Sinne der Bedeutung im Hinblick auf die Verwendung in dieser Arbeit geklärt werden. Das Wort Migration kommt in vielerlei Bereichen des Lebens in verschiedenen Bedeutungen vor und findet auch im wissenschaftlichen Bereich in mehrfacher Verbindung verschiedenste Anwendung. So befasst sich diese Arbeit weder mit der Anwendung des Begriffs in der Geologie in der er beispielsweise vorkommt noch mit der Bedeutung des Begriffes in der astronomischen Wissenschaft. Doch haben all diese Anwendungen in den verschiedensten Bereichen der Wissenschaft einen ähnlichen Grundkonsens. Vielfach findet das Wort Anwendung, um verschiedene Bewegungen von einem Ort zum anderen zu erklären. Das Wort „Migratio“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „Wanderung“ Dies zeigt, dass Migration vielfach auf ähnliche Vorgänge angewendet werden kann als eine Bewegung, die in den unterschiedlichsten Kontexten stattfinden kann.
So auch in der Soziologie, in der Migration bedeutet, dass jemand längerfristig seinen Wohnsitz in geographischem und sozialem Raum wechselt. Diese Bedeutung erhält in der Soziologie einen eigenen wissenschaftlichen Bereich, die Migrationssoziologie. Diese Vorgänge der Migration scheinen demnach eine besondere Wichtigkeit zu haben. Dabei ist nicht nur die Untersuchung unserer heutigen Zeit auf die Wanderungsbewegungen der Menschen in geographischer und sozialer Hinsicht Untersuchungsgegenstand der Migrationssoziologie. Die Wanderungsbewegungen der Menschheit scheinen sich in verschiedensten Epochen zu allen Zeiten abgespielt zu haben. Im Allgemeinen ist vielen Laien die Völkerwanderungsbewegung in der Spätantike ein Begriff, doch sind auch Wanderungsbewegungen in prähistorischer Zeit, also der Zeit vor der Existenz schriftlicher Quellen, bekannt.
Abgesehen von diesen Großereignissen mit Wanderungsbewegungen, die größere Gruppen von Menschen umfassten, sind auch die Wanderungen einzelner Personengruppen im Begriff Seite 4 von 27
der Migration eingefasst. Wann immer ein Mensch seinen angestammten Wohnsitz verlassen und sich in anderen Räumen niedergelassen hat, kann man von Migration sprechen. Im Sinne dieser Arbeit kann und soll allerdings nicht die Migrationsgeschichte aus prähistorischer Zeit, der großen Völkerwanderungen in der Spätantike oder die Bewegung der Menschen, die sich nach Amerika aufmachten, Verwendung finden. Diese Arbeit beschäftigt sich mit den Wanderungsbewegungen zur zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts in den Raum der Bundesrepublik Deutschland. Dabei spielt die eigentliche Bewegung weniger eine Rolle als vielmehr die Folgen dieser Wanderungsbewegungen, in diesem Sinne besser bezeichnet als Immigration.
2.1 Deutschland und seine Migrationsgeschichte
Wanderungsbewegungen sind wie bereits festgestellt immer schon ein Teil der Geschichte gewesen. Dabei unterscheidet man die Faktoren, die hinter dieser Bewegung stehen. So zeigen sich verschiedene Fachbegriffe, die hinter dem Ausgang der Wanderungsbewegungen stehen.
Die sogenannten „Push-Pull -Faktoren“, die „Zentrum-Peripherie-Strukturen“ und die „Kettenmigration“. Für das Verständnis der Migrationshintergründe in Deutschland ist eine kurze Erklärung der Begriffe notwendig (vgl. Pantazis, Vassilios , Der Geschichtsunterricht in der multikulturellen Gesellschaft, S.35).
Unter den „Push-Pull-Faktoren“ versteht man einerseits die „Push“ also Schub-Bewegung, wie andererseits die „Pull“ demnach Sog-Bewegung. Die Schub-Bewegungen liegen den jeweiligen Bedingungen im Herkunftsland zu Grunde, welche eine im Sinne des Wortes zu verstehende Schub-Bewegung der Menschen aus dem jeweiligen Land heraus bedeuten. Diese Bedingungen können in Form von sozialer Diskriminierung, einem Krieg, politischer Verfolgung oder aber plötzlich eintretender Naturkatastrophen vorkommen. Im Gegensatz dazu deutet die Sog-Bewegung auf die anziehende Wirkung der Bedingungen im Zielland an. Diese zeigen sich im Wohlstand, freiem Leben, großem Arbeitsangebot und entsprechender Löhne im Zielland (vgl. ebd. S.35).
Es liegt dabei nahe, dass die Push und Pull Faktoren in Verbindung auftreten können, wobei die wanderenden Personen einerseits aus ihrem Land flüchten und dabei der Anziehungskraft des gewünschten Ziellands hoffnungsvoll entgegen steuern.
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Die „Zentrum-Peripherie-Strukturen“ verstehen sich als ein Modell sozio-ökonomischen Ungleichgewichts, das dazu führt, dass es zu einer Wanderungsbewegungen führen kann. Dabei ist das Zentrum der Staat oder aber auch die Religion mit dem höheren ökonomischen Entwicklungsstand, wohingegen die Peripherie das gegenteilige Objekt dazu ist. Daraus kann dann eine Wanderungsbewegung entstehen. Dabei muss man beachten, dass auch in diesem Modell die „Push-Pull-Faktoren“ als Ursachen gelten können. Im Modell der „Kettenmigration“ ist die soziale Bindung zwischen den Menschen enthalten. In der Praxis sieht dieses Modell vor, dass eine Person aus einer Gruppe in eine fremde Region wandert, dort die Lebensbedingungen erkundet und bei einer positiven Situation im Zielland seine Familie, bzw. Freunde und Verwandte zu sich in das Zielland holt. Dabei kann es vorkommen, dass gleich mehrere einzelne Personen, meist die Familienväter, das Zielland gemeinsam mit anderen Einzelpersonen erkunden und später ihre Familien nachholen. Daraus ergibt sich die oftmals vorkommende hohe Konzentration von Einwanderern in bestimmten Ballungsgebieten (vgl. ebd. S.37).
Diese Modelle decken natürlich in dieser Erklärung nicht sämtliche Faktoren für jegliche Wanderungsbewegungen ab, doch bilden sie die Grundlage für die Migrationssituation in der Bundesrepublik Deutschland.
Für die Zuwanderung in die Bundesrepublik Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg können drei große Migrationsgruppen unterschieden werden. Zum Einen sind es die während der Zeit des zweiten Weltkriegs Vertriebenen und Flüchtlinge, die in großer Anzahl wieder nach Deutschland zurückgekehrten, zum Anderen wurden viele Migranten von der Arbeitssituation in Deutschland angezogen und fungierten als sogenannte Arbeitsmigranten. Dazu gab es noch die Asylsuchenden und aus verschiedenen Gründen flüchtenden Personen (vgl. ebd. S.37).
Für die erste Gruppe lässt sich die Wanderungsgeschichte im Zusammenhang des zweiten Weltkriegs sehen, wie auch im Zusammenhang zu den Wanderungsbewegungen im 18. und 19. Jahrhundert. Einerseits sind während der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland große Personengruppen vor der Verfolgung in andere Länder geflohen, dabei allerdings oftmals in weiter entfernte Regionen, aus denen sie dann nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs vielfach auch nicht zurückkamen. Andererseits spricht man in diesem Zusammenhang oftmals von der Rückkehr der Aussiedler und „eine[r] Art ´Rückwanderung` über Generationen hinweg“ (Bade 1997, S.23).
Damit sind Personengruppen gemeint, die bereits im 18 und 19 Jahrhundert aus den Regionen, die zu dem damaligen deutschen Reich bzw. Deutschland gehörten, in Seite 6 von 27
verschiedene Gebiete ausgewandert sind. Dazu zählen die Wanderungsbewegungen vieler Deutscher nach Osteuropa, in dessen Zusammenhang die „Siebenbürger Sachsen“ zu nennen sind, die sich in Rumänien und Ungarn ansiedelten, oder aber der „Banater Schwabe“, die im Kaukasus Fuß fassten. Ebenso wie die zur Mitte des 19. Jahrhunderts auswanderenden „Hollandgänger“, die aus dem westlichen Deutschland in große Städte Holland wie auch Frankreichs auswanderten. Die Faktoren für die damaligen Auswanderungsbewegungen sollen in diesem Zusammenhang nicht erläutert werden. Für die Zuwanderung nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland ist nur wichtig, dass viele Auswanderer zurückkamen. Diese Bewegung fand allerdings nicht nur in den ersten Jahren nach dem Krieg statt, sondern vollzog sich über viele Jahrzehnte hinweg. Dabei spielte später auch der Zusammenbruch des Sozialismus als Grund für die Rückkehr eine Rolle (vgl. Pantazis, S.38). Die Arbeitsmigranten spielen für die deutsche Nachkriegszeit eine bedeutende Rolle. So spricht man im Volksmund auch heute noch oft von den sogenannten „Gastarbeitern“. Grund für die Bewegung der Arbeitsmigranten war in erster Linie die aufkeimende Wirtschaftlage nach dem zweiten Weltkrieg. Man könnte es einfach damit beschreiben, dass das Wirtschaftswachstum der Nachkriegszeit einen derart hohen Bedarf an Arbeitskräften hatte, der nicht von der einheimischen Bevölkerung selbst gedeckt werden konnte. So ergab sich ein sehr anziehender Arbeitsmarkt, ganz im Sinne der Pull-Faktoren. Der Bedarf an Arbeitskräften sollte mit Anwerbungen aus verschiedenen Ländern gedeckt werden. Dabei schloss Deutschland Anwerbevereinbarungen mit Italien (1955), Spanien (1960), Griechenland (1960), Türkei (1961), Marokko (1963), Portugal (1964), Tunesien (1965) und dem ehemaligen Jugoslawien (1968). Die bloße Anzahl der Anwerbungsvereinbarungen zeigt den enormen Bedarf an Arbeitskräften zu dieser Zeit. Dabei ist im Übrigen nicht nur Deutschland betroffen gewesen, es war vielmehr ein Phänomen vieler westeuropäischer Staaten (vgl. ebd. S.39).
Im Jahr 1965 kamen etwa 1,2 Millionen Arbeitsmigranten nach Deutschland. Bereits zu dieser Zeit sprach man von sogenannten „Gastarbeitern“. Dieser Ausdruck impliziert die Ansicht, dass diese Arbeiter nach einiger Zeit in ihr eigenes Land zurückkehren. Dabei sollten sie wiederum von anderen Arbeitern ersetzt werden. In diesem Sinne gab es auch eine spezielle Arbeitserlaubnis und Aufenthaltserlaubnis, die für den befristeten Zeitraum galt. Doch kam es im Zuge der Ölkrise Anfang der 70er Jahre zu einem Anwerbestopp. Das Wirtschaftswachstum der vorigen Zeit stagnierte, und der Bedarf an Arbeitskräften wurde geringer.
Zu dieser Zeit kehrten zwar 11 Millionen Gastarbeiter wieder in ihre Heimat zurück, doch Seite 7 von 27
Arbeit zitieren:
Jörg Meurer, 2010, Migration und kulturelle Heterogenität in der Schule, München, GRIN Verlag GmbH
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