Inhaltsverzeichnis
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Einleitung 2
I. Begriffsklärungen 3
II. Pashko Vasa 3
a. Das Gedicht 4
III. Konfessionen: Risiko für eine albanische Einheit? 5
a. Griechische Orthodoxie gegen die Rilindja-Bewegung 6
b. Moslem Türke 7
c. Die Bektaşi 8
IV. Naim Frashëri 9
a. Naim Frashëri s konfessionelles Konzept 10
V. Religiosität und religiöses Zusammenleben bei den Albanern 11
a. Phänomen Kryptochristentum 11
b. Gewohnheitsrecht 12
c. Religiöser Synkretismus 13
d. Verhandelbarkeit von Religion und Ethnie 14
e. Religion als Identität 15
Fazit 16
Literaturverzeichnis 17
1
Einleitung
Als Auswirkung einer Teilung zwischen Westrom und der byzantinischen Orthodoxie und der über 400 Jahre andauernden osmanischen Herrschaft, fand sich die albanische Bevölkerung, in 3 verschiedene Religionsrichtungen geteilt wieder: neben den zeitlich früheren Religionsrichtungen dem Katholizismus und der Orthodoxie, die sich in kleinen Bevölkerungsteilen halten konnten, war nun der Islam die Religion mit dem stärksten Anteil in der Bevölkerung. Diese Glaubensrichtungen unterstanden auch unterschiedlichen klerikalen Institutionen: dem Sultan, dem Patriarchat und dem Papst. Jede dieser drei Institutionen verfolgte ihre eigenen Interessen auf den albanischen Gebieten, und keine von ihnen unterstützte im 19. Jahrhundert eine albanische Unabhängigkeitsbewegung. Im Gegenteil, sie versuchten diese sogar zu bekämpfen. Religion stellte auf den ersten Blick einen trennenden Faktor in der albanischen Gesellschaft dar. Wie konnten diese überwunden werden und zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein albanischer Staat mit vier Konfessionen (als vierte Konfession wird in der Regel die Bektaşi-Sekte genannt) entstehen? Zum Problem wurde dies besonders, weil territoriale Ansprüche meist damit begründet wurden, dass die Ethnizität der Bewohner nach ihrer Religionszugehörigkeit zu bestimmen sei. Dieser Probleme waren sich schon zur Relindja-Zeit viele albanische Intellektuelle bewusst. Viele unter ihnen sahen in den unterschiedlichen Religionszugehörigkeiten Gefahren für das nationale Projekt. So glaubten die nationalen Architekten jener Zeit, dass es schwieriger sei die Bevölkerung auf eine albanisch-ethnische Zugehörigkeit zu fixieren. Darum bemühten sich viele, die religiöse Komponente in den Hintergrund treten zu lassen. Andere versuchten die Bevölkerung auf eine „vereinende“ Religion zu fokussieren. Dazu werde ich zwei Akteure der „Rilindja“- Bewegung und ihre Idee für eine Überwindung des konfessionellen Problems, wenn es denn ein solches gab, vorstellen und diskutieren. Anschließend werde ich meinen Blick auf die Bevölkerung richten und dabei auf ihren Umgang mit den unterschiedlichen Konfessionen näher eingehen. Dazu werde ich das Phänomen des Kryptochristentums vorstellen und den Synkretismus in der Bevölkerung beleuchten. Darüber hinaus werde ich das Stammesbewusstsein ins Blickfeld nehmen, um die Bedeutung der religiösen kräfte im Stammesleben der Albaner aufzuzeigen. Zum Schluss werde ich auf das Thema der Verhandelbarkeit von Identitäten eingehen. Während meiner Arbeit habe ich hauptsächlich die Texte von Peter Bartl, Karl Kasser und Johannes Faensen benutzt. Als Quellen dienten mir das Gedicht „oh moj Shqypni“ von Pashko Vasa und der in deutscher Sprache übersetzte Text „Fletore e Bektashinjet“ von Naim Frashëri.
2
I. Begriffsklärungen
Das Benutzen der Begriffe “albanisch“, “albanische Gebiete“ um das 19. Jahrhundert stellt die historische Analyse nicht nur in Frage sondern auch vor ein theoretisches Problem. Die Aussagen über Albanisch als etwas in sich Geschlossenes, können nicht universell gültig sein. Grenzziehungen in Grenzgebieten stellen sich für das 19. Jahrhundert als Unmöglichkeit heraus. Fluide Überschneidungen verschiedener Kulturen lassen es unmöglich erscheinen, ethnische Gruppen klar zu definieren (jedenfalls nicht in den Grenzgebieten). Genauso verhält es sich bezüglich der zeitlichen Eingrenzungen. Um dieses Problem zu lösen und den zwar flexiblen, aber notwendigen Rahmen für meine Arbeit zu schaffen habe ich mich entschlossen, einige Begrifflichkeiten, die ich in dieser Arbeit verwende, vorab zu klären, auch wenn diese zweifellos umstritten sein können.
Alle Bezeichnungen wie albanisch, Albaner, beziehen sich auf die albanischsprechende Bevölkerung zu jener Zeit, die auch so in der Literatur bezeichnet werden. Albanische Gebiete: erstrecken sich auf die albanischsprachigen Gebiete in der Rilindja-Zeit (Albanien, Kosovo, Epirus, Teile Mazedoniens, Teile Montenegros). Rilindja-Zeit: erstreckt sich um die Zeit von 1878-1912.
II. Pashko Vasa
Pashko Vasa wurde am 17. September 1825 in Shkodra geboren. In seiner Heimatstadt wurde er auch Vasa Pascha Shkodrani genannt und gab bei vielen schriftlichen Veröffentlichungen seinen Namen mit Wassa Effendi an. 1 Vasa entstammte einer katholischen Familie und befasste sich unter anderem mit der konfessionellen Spaltung des albanischen Volkes. Es ist nicht bekannt, ob er eine Schule besucht hat, obwohl er über ausgezeichnete Sprachkenntnisse und über ein umfassendes Wissen verfügte. 2 Schriftliche Publikationen auf Französisch und Italienisch sind erhalten. Darüber hinaus sprach er Serbokroatisch, Türkisch, Englisch und Arabisch. Auf Grund dieser Sprachkenntnisse machte er Karriere im türkischen Verwaltungsdienst.
1 Vgl. Faensen, Johannes: Die albanische Nationalbewegung. Berlin 1980, S. 148.
2 Ebd. S
3
Vasa war auf zahlreichen Reisen unter anderem als Übersetzer unterwegs und beteiligte sich als Offizier im venezianischen Generalstab bei Kämpfen in Marghera 1849. Mit seinen fremdsprachigen Veröffentlichungen versuchte er die europäische Öffentlichkeit mit Land und Volk der Albaner bekannter zu machen. 3 Die bekannteste Publikation, die1879 in Paris in französischer Sprache und in Berlin in deutscher Sprache erschien, sollte wohl diesem Ziel dienen. Der deutsche Titel lautet: „ Albanien und die Albanesen. Eine historisch-kritische Studie von Wassa Effendi, Beamter der Kaiserlich Türkischen Regierung, Christlich-Albanischer Nationalität“. In diesem Schriftstück versucht Vasa einen Abriss der Geschichte wiederzugeben: von den Pelasgern, die damals für die Vorfahren der Albaner gehalten wurden, bis zu seiner Zeit. 4 Vasa beteiligte sich schon früh in verschiedenen Initiativen, die sich für albanische Autonomiebestrebungen engagierten und nahm dabei zentrale Positionen ein. 1883 wurde Pashko Vasa zum Gouverneur des Libanon ernannt, jedoch unterstütze er die albanische Rilindja-Bewegung weiterhin. 5 Am 29. Juni 1892 verstarb Vasa in Beirut.
a. Das Gedicht
In albanischer Sprache sind nur 3 Schriften von Vasa bekannt. Sein Ruhm in Albanien gründet sich zweifellos auf dem Gedicht: „O moj Shqypni“ 6 (Oh du Albanien). Dieses Gedicht stammt ungefähr aus den Jahren 1878/79 und wurde als Flugblatt verbreitet. 7 Es wurde in Albanien zu einem der populärsten Liedertexte, und Bartl beschreibt es sogar als eine Art Nationalhymne in der Rilindja- Zeit. 8 Die Verse beschreiben die Lage Albaniens in teils traurigem, teils beklagendem und teils aufforderndem Ton. Vasa entwirft ein niederschmetterndes Bild der aktuellen Situation, in der sich Albanien befindet. Desweiteren beklagt er den Werteverfall und den Bruch der „Besa“ (Treueschwur). Er weist auf die Spaltung des Landes hin, sowohl religiös gesehen als auch, bedingt durch die Streitereien, untereinander:
3 Vgl. Bartl, Peter: Albanien. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Regensburg 1995, S. 145.
4 Ebd. S. 145.
5 Faensen 1980, S. 151.
6 Vasa, Pashko: “O moj Shqypni. Übers. ins Englische von Robert Elsie“.
http://www.albanianliterature.net/authors_classical/vasa_poetry.html. (26.Nov.2009)
7 Ebd. S. 150.
8 Bartl 1995, S. 146.
4
Arbeit zitieren:
Petrit Sopniqi, 2009, Das Konfessionsproblem bei den Albanern während der albanischen Unabhängigkeitsbewegung (1878 - 1912), München, GRIN Verlag GmbH
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