Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Die Darstellung und Wahrnehmung von Olimpia bei E.T.A. Hoffmann 1
2.1 Die Beschreibung Olimpias 2
2.2 Nathanaels Wahrnehmung 2
2.3 Die Wahrnehmung Olimpias durch die Anderen 4
3. Die Darstellung und Wahrnehmung von Olimpia bei Dino Battaglia 5
3.1 Die künstlerische Darstellung Olimpias 6
3.2 Nathanaels Wahrnehmung 8
3.3 Die Wahrnehmung Olimpias durch die Anderen 10
4. Fazit 12
5. Literaturverzeichnis 13
1
1. Einleitung
Comics haben sich mit den Jahren zu einem Medium entwickelt, welches ernst zu nehmen ist und sogar einen literarischen Anspruch hat. Scott McCloud bezeichnet Comics als „zu räumlichen Sequenzen angeordnete, bildliche oder andere Zeichen, die Informationen vermitteln und/oder eine ästhetische Wirkung beim Betrachter erzeugen.“ 1
In den letzten Jahrzehnten sind zahlreiche Comic-Adaptionen zu Klassikern der deutschsprachigen Literatur erschienen. Die Vorlage kann dabei auf verschiedene Weise interpretiert werden, indem sich der Comic-Künstler entweder trotz meist notwendiger Kürzungen an die Vorlage hält und diese inhaltlich übernimmt oder dem Leser zusätzlich neue Sichtweisen eröffnet. Eine weitere Möglichkeit ist eine freie Interpretation, bei der lediglich die Idee eines Werkes aufgegriffen wird. 2 Diese Arbeit konzentriert sich auf einen Vergleich des Werkes „Der Sandmann“ von E.T.A. Hoffmann mit der 1990 erschienenen gleichnamigen Comic-Adaption von Dino Battaglia. Der Vergleich beschränkt sich auf die Darstellung der Figur Olimpia sowie ihre Wahrnehmung durch Nathanael und die restlichen Personen, sodass am Ende eine Beurteilung darüber erfolgt, wie stark sich der Comic-Künstler Dino Battaglia bei der Darstellung und Wahrnehmung Olimpias an der Vorlage von E.T.A. Hoffmann orientierte und inwiefern gegebene Abweichungen neue Interpretationsansätze im Comic zulassen.
2. Die Darstellung und Wahrnehmung von Olimpia bei E.T.A. Hoffmann
In E.T.A. Hoffmanns Erzählung „Der Sandmann“ gibt Professor Spalanzani die von ihm konstruierte Maschine Olimpia als seine Tochter aus. Die Darstellung und Wahrnehmung Olimpias wird dadurch komplex, dass die Personen in der Erzählung verschiedene Perspektiven einnehmen und damit Olimpia in ihrer Belebtheit geradezu gegensätzlich wahrnehmen. Die unterschiedlichen Sichtweisen werden im Folgenden genauer erläutert.
1 McCloud, Scott: Comics richtig lesen. Hamburg 2001, S. 17.
2 vgl. Herrmann, Maike: Literatur in Comic-Adaptionen. Ein aktueller Überblick. http://opus.bsz-
bw.de/hdms/volltexte/2003/253/pdf/Maike_Herrmann.pdf (20.08.2009).
2
2.1 Die Beschreibung Olimpias
Durch diverse Perspektivenverschiebungen ist eine objektive Beschreibung Olimpias nicht möglich. 3 Einige wenige Übereinstimmungen in der Wahrnehmung durch Nathanael und die anderen Personen sind jedoch vorhanden. Auf dem Ball erscheint Olimpia „sehr reich und geschmackvoll gekleidet“ und wird für ihr hübsches Gesicht und „ihren Wuchs“ von Nathanael als auch von den Gästen bewundert. Ihr unnatürlich wirkender Körper wird auf eine zu eng geschnürte Kleidung zurückgeführt und sie wird als talentierte Klavierspielerin und Sängerin beschrieben. 4 „Olimpia fehlt ein belebter Ausdruck des Blicks“ 5 , was auch Nathanael anfänglich so erscheint, bevor er in das Perspektiv blickt. Diese Beschreibungen informieren den Leser zwar über Olimpias äußeres Erscheinungsbild im Allgemeinen, jedoch erfolgt die Wahrnehmung, besonders bezüglich ihrer Belebtheit, durch die einzelnen Personen aufgrund „individueller wie subjektiver Beobachtungen.“ 6
Erst in der Szene, in der Olimpia im Kampf zwischen Coppelius und Spalanzani zerstört wird, erkennt der Leser und besonders Nathanael endgültig, dass es sich bei Olimpia um eine Puppe handelt. Sie wird nur noch als „Figur“, „Gerät“ und schließlich als „Puppe“ bezeichnet, die in Scherben auseinander fällt und deren Füße hölzern klappern. 7
In dieser Szene wird der Perspektivenwechsel bezüglich der Wahrnehmung ihrer Gestalt aufgehoben.
2.2 Nathanaels Wahrnehmung
Nathanael sieht in Olimpia zunächst keine lebendige Person. Sein Blick stimmt mit dem der anderen Personen überein. So kommen ihm der Körper und die
3 vgl. Tabbert, Thomas T.: Die erleuchtete Maschine - Künstliche Menschen in E.T.A. Hoffmanns
„Der Sandmann“. Hamburg 2006, S. 96.
4 vgl. Hoffmann, E.T.A: Der Sandmann. In: Ders.: Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe
mit Einleitungen, Anmerkungen und Lesarten. hrsg. von Carl Georg von Maassen. Bd. 3:
Nachtstücke. München und Leipzig 1909, S. 31.
5 Vogel, Nikolai: E.T.A. Hoffmanns Erzählung „Der Sandmann“ als Interpretation der
Interpretation. Frankfurt am Main, Berlin, Bern [u.a.] 1998, S. 50.
6 Tabbert (2006), S. 96.
7 vgl. Hoffmann (1909), S. 37f.
3
Augen Olimpias starr und unlebendig vor. 8 Zu diesem Zeitpunkt erkennt Nathanael nichts Außergewöhnliches an ihr und schenkt ihr wenig Beachtung. Als Nathanael durch ein Perspektiv blickt, welches er kurz zuvor Coppola abkaufte, verändert sich seine Sichtweise. „Die Wahrnehmung Nathanaels ist erst wie ein Schöpfungsakt, der Olimpia zum Leben erweckt, dann als narzißtische Selbstspiegelung (in Olimpia) dargestellt.“ 9 Nathanael blickt also, wenn er Olimpia ansieht, nur sich selbst in die Augen und kommuniziert somit letzten Endes nur mit sich selbst. Mit dem Perspektiv nimmt er Olimpia als schönes Wesen sowie ihren glühenden Blick wahr 10 , wodurch er kaum in der Lage ist, seinen Blick von ihr abzuwenden. Später erscheint Olimpia ihrem Liebhaber auch ohne Perspektiv als Mensch. 11 Nathanael besitzt keinerlei Zweifel an der Lebensechtheit Olimpias, da ihre Augen stets lebendiger werden, wenn sie in die von Nathanael starrt.
Auf dem Ball bemerkt Nathanael beim Tanz mit Olimpia nur seine eigene Ungeschicklichkeit und erkennt nicht, dass sie diejenige ist, die unrhythmisch tanzt. 12 Völlig verblendet ignoriert Nathanael Anzeichen wie Olimpias eiskalte Körperteile, die in ihm innere Panik auslösen, und sieht in ihr ein wundersames Wesen, welches seine Liebe ohne jegliche Zweifel zu erwidern scheint, indem es ihm stets „voll Liebe und Sehnsucht“ entgegenblickt. Zudem charakterisiert er Olimpia im Gespräch mit Siegmund als tiefsinniges Geschöpf, das auch ohne viele Worte eine hohe Erkenntnis besitzt. Olimpia seufzt bloß immer die zwei Worte „Ach, Ach!“, was sie für Nathanael zu einer „herrlichen Zuhörerin“ macht, die ihn vollkommen versteht.
Immer wieder vergleicht Nathanael das Verhalten von Olimpia mit sich selbst. So betont er, dass Olimpia so spricht und sich so gibt, als käme es „aus seinem Innern selbst“. Nur mit ihrer Liebe kann er sich identifizieren und sich in ihr wiederfinden. Olimpia stellt für Nathanael letztlich nur einen Spiegel dar, der ihm zur Selbstprojektion verhilft.
Nathanael erfährt erst von Olimpias wahrer Identität als Maschine, als sie von Coppelius und Spalanzani auseinander gerissen wird. In dieser Szene identifiziert
8 Ebd., S. 27.
9 Hohoff, Ulrich: E.T.A. Hoffmann: Der Sandmann. Textkritik, Edition, Kommentar. Berlin und
New York 1988, S. 287.
10 vgl. Hoffmann (1909), S. 31.
11 vgl. Hohoff (1988), S. 297.
12 vgl. Gendolla, Peter: Die lebenden Maschinen. Zur Geschichte der Maschinenmenschen bei Jean
Paul, E.T.A. Hoffmann und Villiers de l'Isle Adam. Marburg/Lahn 1980, S. 164.
Arbeit zitieren:
Jennifer Vogt, 2009, Die Darstellung von Olimpia bei E.T.A. Hoffmann und Dino Battaglia, München, GRIN Verlag GmbH
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