Einleitende Worte
Im Vertiefungsseminar ›Interventionskonzepte Sozialer Arbeit‹ habe ich mich mit der Methode Sokrates, dem maieutischen oder sokratischen Gespräch, beschäftigt. Das sokratische Gespräch stellt nicht nur eine Möglichkeit dar, Falsches aufzudecken und fraglos Gegebenes in neue Erkenntnisse zu überführen, sondern charakterisiert ebenso eine Verbindung von Theorie und Praxis. Im sokratischen Gespräch werden von konkreten Beispielen ausgehend induktive Schlüsse gezogen. Das zentrale Anliegen der Methode ist die Förderung des selbständigen Denkens und die Fähigkeit logischsachbezogenen Argumente zu formulieren. Vorausgesetzt ist das Vertrauen in die eigene Vernunft und das Ziel zu vernünftigen gemeinschaftlichen Lösungen zu gelangen.
1. Begriffsherleitung
1.1 Maieutik
Maieutik (griech. Hebammenkunst) oder Sokratische Methode nennt man die Methode der Wahrheitsfindung von Sokrates. Sokrates bringt seine Gesprächspartner mit dieser Kunst zum Zweifeln. Mit Hilfe der Maieutik ist Sokrates ist in der Lage, Falsches von Echtem zu unterscheiden. Das Sokratische Gespräch kann zwar keine Weisheit hervorbringen, den Seelen jedoch Hilfe leistet, sich dieser anzunähern. Die Grundidee der Maieutik ist, dass jemand einem anderen bei der Geburt von Gedanken hilft; die Anleitung zum logischen Selber-Denken, sowie das Ziel der gemeinsamen Erkenntnissuche (vgl. Kraimer, S. 10).
Sokrates Kunst besteht darin, dass er mit Hilfe geschickt gestellter Fragen und der erhaltenen Antworten, den Gesprächspartner zu wahrem Wissen führt (vgl. phillex.de/).
Grundvorstellungen der geistigen Hebammenkunst Maieutik ist das Selbstvertrauen in das eigene Denken, das rationale Argumentieren, das sich im Austausch von Gedanken vollzieht und der Verzicht auf Belehrungen, der Voraussetzung ist, neue Erkenntnisse ins Bewusstsein treten zu lassen (vgl. Kraimer, S. 3).
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1.2 Wahrheit
Häufig liegt im Begriff Wahrheit die Vorstellung zugrunde, dass es für jedes Ding eine ideale Gestalt gebe und dass ein Ding umso wahrer werde, je näher es diesem Ideal kommt. 1
Die klassischen Wahrheitstheorien sind die Übereinstimmungstheorien der Wahrheit, wonach etwas wahr ist, wenn es der Sache entspricht oder mit der Sache übereinstimmt. Die Konsensustheorie der Wahrheit von lat. consensus, Übereinstimmung, Einigkeit; auch intersubjektive Wahrheitstheorie genannt bestimmt Aussagen dann als wahr, wenn eine große Menge von Menschen unter idealen Kommunikationsbedingungen dieser Aussage allgemein zustimmen würde. Zu bedenken ist jedoch, dass die Übereinstimmung hierbei zwischen den vernünftigen Gesprächspartnern, nicht aber zwischen den Aussagen und der Wirklichkeit Besteht. Habermas verweist in seiner diskursiven Konsenstheorie auf die, im Diskurs notwendige ideale Sprechsituation, die durch die vier universalen Geltungsansprüche 2 erzielt wird und Grundlage ist, zu einem berechtigten Konsens zu gelangen (vgl. phillex.de/)
2. Zur Person Sokrates
Sokrates wurde so wird vermutet 469 v. Chr. geboren. Seinen Beruf als Bildhauer vernachlässigte er; viel interessanter war für ihn, das gesellschaftliche System durch geschickte Fragen ins Wanken zu bringen. Die Aufklärer des 18. Jahrhunderts sehen Sokrates als einer der Ihren an. Sein Vorgehen kann man als eine ganz bestimmte Art und Weise verstehen, herrschende Werte und Autoritäten, die diese Werte verkörperten, anzuzweifeln. Seine Methode wirkte irritierend und seine Fragen wurden von seinen Gegnern als Provokation und Angriff auf die Bestehende gesellschaftliche Ordnung in der Antike gedeutet. Er selbst vertrat sein Vorgehen jedoch als ein Hinterfragen aller Konventionen; an deren Stelle soll eine praktische Vernunft treten, um einen gemeinsamen Konsens der Menschen untereinander zu erzielen (vgl. Kniest 2003, S. 106).
Sokrates Geschicklichkeit lag darin, seinen Gesprächspartnern die Haltlosigkeit ihrer Überzeugungen bewusst zu machen; sie also zum Zweifeln zu bringen, ob ihr Urteil über das Gegebene tatsächlich begründet werden kann.
1 Vgl. z.B. Platon, Hegel oder Kierkegaard
2 Wahrheit, Wahrhaftigkeit, Gültigkeit,Verständlichkeit
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Ein letztes Mal vor seinem Tod, konnte er seine Überzeugungen und Fähigkeiten vor Gericht beweisen: in einem Prozess, in dem er selber angeklagt war, wurde ihm Gottlosigkeit vorgeworfen. Verteidigt hatte er sich in diesem Prozess nicht, vielmehr führte er seine Ironie 3 weiter und verdeutlichte seinen Gegner, dass diese - ebenso wenig wie er - wissen, was das Gute ist. Als das Göttlichste sah Sokrates das Beste an und in seinen Dialogen hatte er stets im Sinn, seine Gesprächspartner zum Guten hinzuführen. Sein Ziel war es, die Selbsttäuschung zu entlarven und Neues hervorzubringen, das auf vernunftgeleitetem Denken basiert; jedoch nicht als das einzig Wahre angesehen, sondern vielmehr als vorläufige Annahme verstanden wird.
3. Zur Methode von Sokrates
Die Sophisten 4 lehrten eine bestimmte Art der Gesprächsform, bei der Frage und Antwort im Zentrum stehen. Der Antwortende muss seine These verteidigen, die der Gegenüber jeweils mit Hilfe von Fragen zu widerlegen oder sogar ins Gegenteil zu verkehren versucht.
Die Widerlegungskunst wurde auch als kurze Rede, Widerspruchs- oder Streitredekunst und schließlich mit den Begriffen durchsprechen, zergliedern und auseinanderlegen bezeichnet. Im Kern geht es darum, einen Sachverhalt aus verschiedenen Perspektiven oder unter unterschiedlichen Gesichtspunkten zu betrachten und diese mit Hilfe von Argumenten zu beurteilen. Vorurteile sollen aufgedeckt und in Frage gestellt werden. (vgl. Kniest 2003, S. 29). Sokrates greift diese Methode auf und geht darüber hinaus: zentral bei Sokrates ist das hypothetische Vorgehen, das meint, dass eine Hypothese prinzipiell widerlegt werden kann, und somit nicht als Wissen oder gar als Wahrheit gilt. Die Annahmen werden stets auf ihre Handlungsfolgen hin geprüft. (vgl. Kniest 2003, S. 35 f.) Bedeutend bei Sokrates Methode ist die Erkenntnis des Nichtwissens.
3 Ironie bedeutet im Sokratischen Sinn das Irritieren des Gesprächspartners und das Hinführen zur
Selbsterfahrung des Nichtwissen
4 Unter Sophist verstand man in der Antike ›jemand, der weise macht‹; jemand der jemanden bildet
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Arbeit zitieren:
Sabine van Rissenbeck, 2006, Maieutik, München, GRIN Verlag GmbH
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