Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung - Zielsetzung und Thema der Arbeit 1
2. Einordnung in das Gesamtwerk 2
3. Hintergrund der Entwicklung der Friedenskonzeption 3
4. Buch XIX - Buch der Friedenskonzeption 4
5. Die Konzeption des wahren Friedens bei Augustinus - XIX, 12/13 5
5.1 Kapitel 12: Das Streben nach Frieden als allgemeines Naturgesetz 5
5.2 Kapitel 13: Das Friedenskonzept von pax und ordo 7
5.2.1 Die große Pax-Tafel 8
5.2.2 Die einzelnen Glieder der Pax-Tafel 9
6. Sind alle menschlichen Friedensbemühungen vergeblich? 10
6.1 These: Der wahre Friede ist nur in der civitas Dei möglich 10
6.2 Gegenthese: Der wahre Friede ist auch in der civitas terrena möglich 12
7. Der augustinische Friede - Bewertung des Konzepts 13
1. Einleitung - Zielsetzung und Thema der Arbeit
Im allgemeinen Sprachgebrauch wird Frieden als Abwesenheit von störenden Faktoren oder sogar als Abwesenheit von Krieg und Gewalt definiert. Mit Frieden wird außerdem eine Situation bezeichnet, in der ohne gewaltvolle Mittel Konflikte gelöst werden können. In dieser Arbeit soll erarbeitet werden, was den wahren Frieden für Augustinus ausmacht.
„Der Begriff des Friedens - darüber herrscht Konsens in der Augustinusforschungist von zentraler Bedeutung für das Denken des Kirchenvaters.“ 1 Frieden ist das Ziel des gesamten christlichen Denkens und Handelns. Im Hintergrund der Entwicklung seiner F r i edenskonzeption steht die Einnahme Roms im Jahr 410 n. Chr. Dadurch schließt das Konzept politische Elemente ein, primär geht es dabei jedoch um die „Stadt Gottes“. Mehrfach weist Augustinus darauf hin, dass erst nach dem Tod ewiger und vollkommener Friede eintreten kann.
Nach der Einordnung in das Gesamtwerk und einigen wenigen Hintergrundinformationen geht es an die Untersuchung der Entwicklung des Friedensbegriffes in Buch XIX von De civitate Dei, bei der besonders die Pax-Tafel in Kapitel 13 gute Hinweise zur Aufschlüsselung der augustinischen Konzeption des wahren Friedens liefert. Daher steht dieses Kapitel neben dem zwölften Kapitel des neunzehnten Buches im Mittelpunkt dieser Arbeit. Daraus soll die Bestimmung des wahren Friedens für Augustinus erarbeitet werden.
Was bewegt den Kirchenvater zu seinem Konzept? Welche Elemente spielen eine Rolle? Was macht wahren Frieden für Augustinus aus? Ziel der Hausarbeit soll es sein, Antworten auf diese Fragen zu finden. Die so erarbeiteten Grundlagen sollen anschließend der Beantwortung der Frage nach dem Sinn des diesseitigen menschlichen Bemühens um das Erlangen wahren Friedens dienen. Sind die irdischen Friedensbemühungen der Menschen für das Erreichen eines wahren Friedens überhaupt relevant, wenn wahrer Friede erst jenseitig möglich ist? Die wissenschaftliche Arbeit schließt mit einer Bewertung dieses Konzeptes.
1 GEERLINGS, Wilhelm, De civitate Dei XIX als Buch der Augustinischen Friedenslehre, 211-234,
in: HORN, Christoph, Augustinus, De civitate Dei, Klassiker Auslegen Bd.11, Berlin: 1997, hier:
211, künftig zitiert: GEERLINGS, Friedenslehre.
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2. Einordnung in das Gesamtwerk
In De civitate Dei - „Vom Gottesstaat“ - geht es Augustinus um den Kampf der Menschen zwischen Unglaube und Glaube. Das Werk besteht aus 22 Büchern, die sich in zwei Hauptabschnitte teilen lassen. In den ersten zehn Büchern verteidigt Augustinus das Christentum gegen die Heiden und erörtert, warum es keinen Sinn macht, an heidnische Götter zu glauben. Der zweite Teil liefert neben einer ausführlichen Nacherzählung der Schöpfungsgeschichte die Bestimmung der beiden Staaten - Staat Gottes und irdischer Staat - und das Erreichen des ewigen Lebens bei Gott. Der Streit zwischen den beiden Staaten könne auf Erden nicht entschieden werden. Erst mit dem Jüngsten Gericht wird Gott endgültig entscheiden wer welcher Bürgerschaft angehören soll.
Im ersten Buch geht es vor allem um die Eroberung Roms durch die Goten unter der Führung Alarichs und um den Schaden, der dabei verursacht worden ist. Die folgenden Bücher beschreiben die Götterverehrung und Kultpraxis der Heiden und die Geschichte des Römischen Reiches. Besonders wichtig ist es Augustinus zu betonen, dass der christliche Gott dem heidnischen Götterhimmel überlegen ist. Weiter setzt sich Augustinus mit Platon und den Stoikern auseinander. Im zweiten Teil beginnt er mit einer Art Nacherzählung der biblischen Schöpfungsgeschichte und befasst sich im zwölften Buch mit der Frage nach bösen Engeln. Die Dreifaltigkeit Gottes, Tod, Sünde und Auferstehung, die verschiedenen Arten der Liebe - amor sui und amor Dei - und die Propheten des Alten Testaments werden ebenfalls vom Kirchenvater abgehandelt, bevor es schließlich in Buch XIX um Gerechtigkeit und die Bestimmung des wahren Friedens geht. Nach der Entwicklung seines Friedenskonzeptes handeln die letzten drei Bücher vom Jüngsten Gericht und dem Erlangen der ewigen Seligkeit bei Gott. Schon bei der Entwicklung seiner Friedenslehre spielt der eschatologische Aspekt eine große Rolle. Mit den noch näher zu betrachtenden Ausführungen in Buch XIX bereitet Augustinus auf die Thematik des Endgerichts und die des Endziels menschlichen Lebens vor. Dieses Thema erhält im letzten Teil dieser Arbeit besondere Berücksichtigung.
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3. Hintergrund der Entwicklung der Friedenskonzeption
Um die Entwicklung des augustinischen Friedenskonzeptes besser verstehen zu können, ist es hilfreich, kurz auf die Situation der frühen Christen im Römischen Reich einzugehen. In den ersten nachchristlichen Jahrhunderten war diese hauptsächlich von zwei Merkmalen geprägt. Zum einen waren die Christen eine unbeliebte Bewegung, die sich in einem Status der Duldung befand. Zum anderen hielten sie trotzdem an ihrer Überzeugung und ihrem Glauben fest, gingen keine Kompromisse mit den damaligen Herrschern ein und nahmen damit die soziale Ächtung in Kauf. 2 Christen hatten keinen Zugang zu politischer, wirtschaftlicher oder militärischer Macht. Sie lehnten den Götterhimmel und andere Gottheiten entschieden ab und hielten am absoluten Monotheismus fest, wodurch sie grundlegende Ordnungsvorstellungen des Römischen Staates durchkreuzten und als politisch gefährlich galten. Christen mussten sich aus vielen Bereichen des öffentlichen Lebens zurückziehen und sich oft unauffällig - etwa in der Nacht - treffen. Darüber hinaus wurde ihnen Desinteresse an Belangen von Staat und Gesellschaft und die Spaltung von Familien und Ehen durch ihre Mission vorgeworfen. Da sie den Militärdienst verweigerten und sich nicht am Kult beteiligten, galten sie als nutzlose Bürger. Dabei beteuerten sie stets den Respekt vor dem Kaiser und ihr Interesse am öffentlichen Wohl. Oft waren sie Übergriffen aus der Bevölkerung oder sogar gezielten Verfolgungen des Staates ausgesetzt. 3 Die konstantinische Zeit zu Beginn des vierten Jahrhunderts brachte schrittweise eine totale Umkehr der eben beschriebenen Merkmale. Das Christentum wurde mit dem Heidentum politisch gleichrangig und schließlich zur Staatsreligion. In den Lebensjahren Augustinus’ (354-430 n.Chr.) hatte die Kirche so bereits an Macht gewonnen. Unter Kaiser Constantius II. (337-361 n.Chr.) geriet das Heidentum unter Druck, die Kirche wurde mehr und mehr in das Staatssystem integriert und verlor so an Selbstständigkeit und F r e iheit. 4
Im Jahr 410 eroberten die Goten Rom und plünderten die Stadt. Es war das erste Mal seit über 1000 Jahren, dass Rom besiegt worden war. Die Heiden gaben dem Christentum die Schuld für diese Notlage, da ihr Gott allein die Stadt nicht schützen konnte, wohingegen die alten Götter Rom geschützt hätten.
2 Vgl. BROX, Norbert, Kirchengeschichte des Altertums, Düsseldorf: 2004, 42ff., künftig zitiert:
BROX, Kirchengeschichte.
3 Vgl. BROX, Kirchengeschichte, 48ff.
4 Vgl. BROX, Kirchengeschichte, 59ff.
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Arbeit zitieren:
Christian Wode, 2008, Die Bestimmung wahren Friedens für Aurelius Augustinus, München, GRIN Verlag GmbH
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