Inhaltsverzeichnis
1. Was sind Nahtod-Erlebnisse (NTEs)? 1
2. Mögliche Abläufe von NTEs 2
2.1 Die Nahtoderfahrung als Glücksgefühl 2
2.2 Die Nahtoderfahrung als Höllenerlebnis 2
2.3 Typische Merkmale von NTEs - nach Raymond A. Moody 3
2.4 Pamela Reynolds - Sind NTEs ein Beweis für das Leben nach dem Tod? 5
2.4.1 Die Operation 6
2.4.2 Das Nahtod-Erlebnis 7
2.4.3 Zwischenergebnis 8
3. Erklärungsansätze 9
3.1 Begriffsklärungen 10
3.1.1 Der Tod 10
3.1.2 Die Auferstehung 11
3.1.3 Das Leben nach dem Tod 12
3.2 Theologische Erklärungsansätze 13
3.2.1 Theologische Reaktionen 13
3.2.2 Hinweise auf ein Leben nach dem Tod? 14
4. Die Bedeutung von NTEs für den christlichen Glauben 15
4.1 Die Glaubwürdigkeit von NTEs. 15
4.2 Die Relevanz von NTEs für den christlichen Glauben 16
1. Was sind Nahtod-Erlebnisse (NTEs)?
Gibt es ein Leben nach dem Tod? Diese Frage stellen sich viele Menschen jeden Tag aufs Neue. Eindeutige Beweise gibt es bislang nicht - oder doch? Fest steht, dass die meisten Menschen Angst vor dem Tod haben und zu ihrer Beruhigung wissen möchten, ob und wie es nach dem Tod mit ihnen weitergeht.
Eine Nahtod-Erfahrung (NTE) 1 ist ein Phänomen, von dem Menschen berichten, die für eine bestimmte Zeit für klinisch tot gehalten wurden, allerdings ins Leben zurückkehrten und anschließend von ihren Erlebnissen berichteten. Dabei tauchen bei den Berichten verschiedener Betroffener zentrale Kennzeichen und Merkmale wieder auf, die im weiteren Verlauf dieser Arbeit besprochen werden sollen. Diese Nahtod-Berichte wurden in unterschiedlicher Weise interpretiert. So gibt es neben medizinischen oder psychologischen auch theologische Deutungsansätze. In dieser Arbeit soll der Schwerpunkt auf den theologischen Erklärungsversuchen liegen und die Frage nach der Bedeutung für den christlichen Glauben erörtert werden.
Zunächst sollen jedoch allgemeine Informationen über Nahtod-Erfahrungen geliefert und das Standartmodell nach Raymond Moody dargestellt werden. Ausgewählte Beispiel-Berichten heben hervor, dass die typischen Merkmale bei NTE unterschiedlich gedeutet werden können. Ein berühmter Fall soll Denkanstöße für die theologische Auswertung von NTE geben - Pam Reynolds, eine Lehrerin aus den USA, die sich auf Grund einer riskanten Operation an ihrem Gehirn in den Zustand des ,hypothermischen Herzstillstands’ 2 versetzen ließ und dabei eine NTE machte. Sie wurde vor allem durch die Reportage „Begegnung mit dem Tod“ der BBC bekannt. Ihr Fall gilt für viele Wissenschaftler als Beweis dafür, dass NTE nicht im Gehirn produziert werden und das Bewusstsein unabhängig vom Gehirn bestehen kann.
Außerdem soll erörtert werden, ob Gott den Menschen durch solche und ähnliche Erlebnisse ins Jenseits schauen lässt und ob durch NTEs beweisbar ist, dass es ein Leben nach dem Tod gibt. Dieser abschließenden Erörterung gehen theologische Erklärungsansätze und Reaktionen voraus. Auf eigenständige biologische oder neurologische Erklärungen für das Phänomen wird bewusst verzichtet, da sie im Verlauf der Arbeit an verschiedenen Stellen eingebunden werden.
1 Die Abkürzung NTE steht für Nahtod-Erlebnis und soll im weiteren Verlauf der Arbeit für den Begriff
im Singular verwendet werden. Die Abkürzung für den Plural soll „NTEs“ sein.
2 Hypothermie: Man spricht von Hypothermie, wenn der Körper unterkühlt ist und die Temperatur so
weit sinkt, dass es zum Verlust des Bewusstseins, dem Erlöschen der Reflexe und damit auch zum Erlö-
schen des Atemreflexes kommt. Folge sind Herzstillstand und Kammerflimmern.
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2. Mögliche Abläufe von NTEs
Um einen ersten Eindruck von NTEs zu bekommen, sollen zu Beginn dieser Arbeit zwei ausgewählte Beispiele von Nahtod-Berichten vorgestellt werden. Diese Darstellung soll außerdem deutlich machen, dass bestimmte Merkmale bei NTEs immer wieder auftauchen. „Im Unterschied zu volkstümlichen Vorstellungen treten NTEs […] nicht nur dann auf, wenn eine Person schwer krank ist; sie kann auch bei recht Gesunden auftreten.“ 3 Trotzdem muss festgehalten werden, dass die Mehrzahl der NTEs bei Verlusten von Lebenszeichen auftreten, was auch folgende Beispiele verdeutlichen sollen.
2.1 Die Nahtoderfahrung als Glücksgefühl
Die am häufigsten berichtete Form von NTEs ist mit positiven Gefühlen und Erlebnissen verbunden. So auch bei Günther Düthorn aus Fürth, der infolge eines Luftangriffes während des Zweiten Weltkrieges ohnmächtig wurde. Nachbarn brachten den damals Sechsjährigen in ein Krankenhaus. Während er unter einem Sauerstoffzelt lag, hatte er sein NTE:
„Ich wusste nicht, ob ich träumte oder was da mit mir vorging. Ich lag in besagtem Sauerstoffzelt und schwebte plötzlich links oben im Zimmer an die Decke. Ärzte und Schwestern waren sich, wie ich beobachten konnte, über das Vorgehen anscheinend nicht einig. […] Plötzlich schwebte ich durch eine grau-schwarze Wolke, an deren Ende es auf einmal heller und heller wurde. Ich schwebte in einem von unaussprechlich schönem Weiß durchfluteten Raum. Er war anscheinend
unendlich, denn es gab weder Wände, noch Boden, noch Decke.“ 4 Weiter berichtete er von einer Lichtgestalt, mit der er sich unterhielt. „Ich fühlte mich geliebt und geborgen, angenommen, rundum glücklich. […] Auf einmal war ich wieder in meinem Körper und mir war sehr kalt. Kurz darauf bin ich eingeschlafen.“
2.2 Die Nahtoderfahrung als Höllenerlebnis
Seltener wird dagegen von negativen NTEs berichtet, bei denen Höllenqualen erlitten oder andere schlimme Erlebnisse gemacht wurden. So erinnert sich eine Frau: „[...] ich begann, in einen Tunnel gezogen zu werden. Es war ein schreckliches Erlebnis, weil alles, was ich sehen konnte Leute aus meiner Vergangenheit waren, Leute, die schon tot waren, die
3 WILLIAMS KE LLY, Emily; GREYSON, Bruce; STEVENSON, Ian: Beweisen Todesnäheerfahrungen
das Überleben der menschlichen Persönlichkeit nach dem Tod? (101-128). IN: KNOBLAUCH, Hubert:
Todesnähe, Interdisziplinäre Zugänge zu einem außergewöhnlichen Phänomen. Hier: 103. Künftig zi-
tiert: WILLIAMS KELLY, Todesnäheerfahrungen.
4 EWALD, Günter: Nahtoderfahrungen. Hinweise auf ein Leben nach dem Tod? 24f.
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mir irgendetwas getan oder gesagt haben, was mich in der einen oder anderen Weise verletzt hat. Sie lachten und schrieen, bis ich dachte, es nicht mehr aushalten zu können. Ich bat und bettelte, zurückgehen zu dürfen. Ich sah ein Licht am Ende des Tunnels, aber ich kam ihm niemals richtig
na he.“ 5
Anhand dieser Beispiele lassen sich viele der typischen, immer wiederkehrenden Merkmale von NTEs erkennen, die im nächsten Punkt näher beschrieben und erklärt werden.
2.3 Typische Merkmale von NTEs - nach Raymond A. Moody
An diesem Beispiel lassen sich bestimmte Erfahrungen bei Nahtoderlebnissen festmachen, die allgemein bekannt sind und immer wieder als typische Kennzeichen auftauchen. Die folgenden Ausführungen gehen auf den Amerikaner Raymond Moody zurück, der in den 70er Jahren etwa 150 Menschen befragte, die eine NTE gemacht haben. Diese kamen überwiegend „[…] aus einem jüdisch-christlichen gefärbten Milieu.“ 6 Sein Ergebnis veröffentlichte er in seinem Buch „Leben nach dem Tod“ im Jahr 1975. Au s der Auswertung dieser Untersuchung resultiert ein Standartmodell, das im Wesentlichen folgende immer wiederkehrende Hauptmerkmale aufweist: Das Verlassen des eigenen Körpers, ein Gefühl umfassenden Wissens, ein Tunnelerlebnis, bei dem man Lichtgestalten oder einem Lichtwesen begegnet, ein Rückblick auf das eigene Leben wie in einem Film, Gefühle vollkommener Zufriedenheit und Schmerzlosigkeit, ein Aufstieg in den Himmel und schließlich die oft als unangenehm empfundene Rückkehr in den eigenen physischen Körper. Diese Standart-Merkmale sind um weitere ergänzt worden und werden nun kurz erläutert:
Auffallend oft wird von einer außerkörperlichen Erfahrung berichtet. Menschen, die eine NTE machen, sehen sich oft von außen selbst in einem schwebenden Zustand über dem eigenen physischen Körper. Dabei erleben sie ein Gefühl von Leichtigkeit und Schmerzfreiheit und fühlen sich vollkommen glücklich. Es ist ebenfalls möglich, dass sie sich in einem zweiten Körper befinden, der dem eigenen normalen Körper ähnlich ist. Dieser zweite Körper ist vollkommen gesund und es ist ihm möglich, durch Personen oder Wände ohne Widerstand hindurchzugehen. „Viele derjenigen, die eine solche Erfahrung machten, kamen […] zu dem Schluß, daß OBEs (Anm. d. Verf.: außerkörper- 5 Internetseite:www.nahtod.de. Zuletzt besucht am 05.08.2008.
6 MOODY, Raymond A.: Nachgedanken über das Leben nach dem Tod, 107. Künftig zitiert: MOODY,
Leben nach dem Tod.
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liche Erfahrungen) ein Beweis dafür sind, daß der Geist auch außerhalb des Körpers funktionieren und deswegen auch den Tod überleben kann.“ 7 Bei diesem Austreten aus dem eigenen Körper beobachten sie die gesamte Umgebungsei es am Unfallort oder im Operationssaal - und können alle Gespräche und sogar die Gedanken aller Anwesenden wahrnehmen. Dabei ist es ihnen jedoch nicht möglich, sich bemerkbar zu machen oder mit anderen Personen zu kommunizieren. Doch ist diese Erfahrung gar nicht so außergewöhnlich, wie man im ersten Moment vermuten könnte. Das menschliche Gehirn ist ganz einfach in der Lage, diesen Zustand zu denken. So ist die bloße Vorstellung, sich selbst aus der Erinnerung heraus bei einer bestimmten Tätigkeit von außen zu beobachten, nichts Besonderes und kann auch ohne NTE vorkommen.
Bei vielen NTE läuft das bisherige Leben wie in einem Film vor dem geistigen Auge noch einmal ab. In diesem Lebensrückblick können sogar längst vergessene Erlebnisse wieder auftauchen.
In einer Art Tunnelerlebnis sehen sich die betroffenen Personen oft in einem langen Gang stehen oder gehen. Am Ende dieses Tunnels leuchtet ein helles Licht, das heller ist als alles, was je zuvor gesehen wurde. Trotzdem blendet es nicht. Gerade in diesem Lichttunnel ist ein besonders starkes Gefühl von Geborgenheit zu spüren. Viele Betroffene berichten darüber hinaus davon, dass sie durch diesen Tunnel in eine paradiesische Landschaft gezogen werden.
Es ist ebenfalls möglich, einer so genannten Lichtgestalt zu begegnen. Diese kann völlig fremd aber auch eine Person aus der eigenen Familie oder dem Freundeskreis sein, die bereits gestorben ist. Die Gestalt führt den Betroffenen durch eine Art neue Welt, die ebenfalls ein Gefühl von vollkommener Glückseligkeit ausstrahlt. Eine Erklärung für das Treffen bekannter Verstorbener könnte Folgendes sein: „[…] Menschen, die glauben, sterben zu müssen, hoffen oder erwarten eher, mit vertrauten schon Verstorbenen zusammenzutreffen. So könnten die Visionen auch ein entschiedener Versuch sein, die Angst vor dem anstehenden Tod zu verringern […].“ 8
Über den Zustand vollkommener Zufriedenheit und Harmonie hinaus erleben manche Personen, dass ihnen der Zugang zu allem Wissen möglich ist. Dieses Wissen, in dem die Antworten auf alle Fragen des Lebens liegen, geht bei der Rückkehr in den eigenen Körper wieder verloren.
7 WILLIAMS KELLY, Todesnäheerfahrungen, 104.
8 WILLIAMS KELLY, Todesnäheerfahrungen, 107.
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Arbeit zitieren:
Christian Wode, 2008, Nur eine Täuschung unseres Gehirns?, München, GRIN Verlag GmbH
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