Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Besonderheiten der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) 3
Gesundheit heißt Gleichgewicht 3
Die philosophischen Grundlagen 4
Yin und Yang: die polaren Kräfte. 4
Die fünf Wandlungsphasen 6
Die Lebenskraft Qi 8
3. Wirkungsweise am Beispiel „Akupunktur“ 8
Die Meridiane und ihre Bedeutung 8
Das Nadelgefühl 9
Techniken 9
4. Andere Formen der Akupunktur 10
Ohr -Akupunktur und andere neue Methoden 10
Moxibustion 11
Akupressur 11
5. Akupunktur als wirkungsvolle Therapie? 11
GERAC - Studie zur Behandlung chronischer Kopfschmerzen 12
Der Placebo-Effekt 12
Die wissenschaftliche Wirkungsweise 13
5.3.1 Aktivierung von Schmerzkontrollmechanismen 13
5.3.2 Botenstoffe 13
5.3.3 Reflexwirkung 13
5.4. Vorteile und Risiken 14
6. Verbreitung und Akzeptanz in Deutschland 14
7. Fazit 16
8. Anhang 18
Umfrageergebnis 18
9. Literaturverzeichnis 19
Gedruckte Literatur 19
Literatur aus dem Internet 20
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1. Einleitung
In vielen Bereichen hat die westliche Medizin große Fortschritte erzielt, jedoch mit den vielen kleinen und chronischen Beschwerden wird sie oft nicht fertig. Die Schulmedizin basiert auf der Heilung von Veränderungen der Organe, Zellen und Gewebe. Heutzutage sind die vielen einzelnen Vorgänge im menschlichen Körper häufig bis auf ihre kleinsten Ebenen bekannt, doch ist es wie mit dem Wald und den Bäumen. Wenn man in den Wald hinein geht kann man die einzelnen Bäume und Äste besser erkennen, doch man verliert den ganzen Wald leicht aus den Augen. Hier setzt die traditionelle chinesische Medizin an. Sie baut auf vier Säulen auf, die den Menschen gesund halten sollen. Der Akupunktur, der Diätik, der Kräuterheilkunde und der Meditation. Auch wenn die TCM aus der Gesamtheit dieser Säulen besteht, möchte ich mich im Rahmen dieser Facharbeit besonders auf die Akupunktur konzentrieren, da diese Säule in Deutschland am bekanntesten ist.
2. Besonderheiten der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) 2.1. Gesundheit heißt Gleichgewicht
Der wichtigste Unterschied zwischen TCM und der westlichen Medizin ist, dass man bei uns nach einem Befund sucht, in der TCM jedoch nach dem Befinden fragt. In der TCM sieht man den Körper in seiner Ganzheit. 1 Körper, Seele und Geist sind untrennbar miteinander verbunden und beeinflussen sich gegenseitig. Viele Symptome entstehen aus einem komplizierten Zusammenspiel von Lebensweise, Ernährung, Stressfaktor und gesellschaftlichen Ansprüchen. Es reicht nicht aus, nur einen dieser Faktoren zu behandeln. Daher besteht die Grundlage der chinesischen Medizin darin, den Menschen im Gleichgewicht zu halten. Körperliche Gebrechen werden durch ein Ungleichgewicht ausgelöst, und um diese zu heilen, muss der Mensch wieder in den natürlichen Zustand der inneren Harmonie gebracht werden. Die chinesische Medizin vertraut hierbei jedoch nicht auf technische Geräte und starke Medikamente, wie es bei uns üblich ist, sondern auf die inneren Selbstheilungskräfte, die durch eine Kombination aus Vorbeugung und Therapie, Entspannung und Meditation sowie Ernährung und Bewegung angeregt werden sollen. 2
1 vgl.: Noll, Andreas A., Traditionelle Chinesische Medizin - Grundlagen, Methoden, Behandlung von
Beschwerden, in: GRÄFE UND UNZER VERLAG GmbH, München 2008, S. 10ff.
2 vgl.: Noll, Andreas A., Traditionelle Chinesische Medizin, S. 12f.
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Da nach der chinesischen Heilkunst der Körper ein Ganzes ist, wird auch bei der Anamnese nicht nur die betroffene Körperstelle untersucht, sondern mit einfachsten Methoden auch scheinbar gesunde Körperregionen, um sich ein Gesamtbild über die Erkrankung zu verschaffen. Beispielsweise gehört zu jeder Diagnose eines chinesischen Arztes eine eingehende Untersuchung von Urin, Puls und Zunge. 3 In der Zunge spiegeln sich alle Organe des Körpers wieder und durch Farbe, Feuchtigkeit und Belag gibt sie Auskunft über deren Zustand. Auch zur Behandlung werden nur einfachste Mittel wie Akupunkturnadeln, Massagen, Kräuter und Diäten benötigt, die im Gegensatz zu unseren Behandlungsmethoden kaum Nebenwirkungen aufweisen.
Die TCM verspricht für viele Krankheiten erfolgreiche Behandlungsideen, jedoch ist eine Kombination aus TCM und unserer Schulmedizin oft deutlich vielversprechender. So kann zum Beispiel nach einer Operation die Heilung durch Kräuter beschleunigt oder der Schmerz durch Akupunktur gelindert werden.
2.2. Die philosophischen Grundlagen 2.2.1. Yin und Yang: die polaren Kräfte
Durch den geschichtlichen Hintergrund der chinesischen Medizin ist diese deutlich stärker von traditionellen Glaubensinhalten geprägt als unsere Medizin. Dadurch entstand eine für uns oft schwer verständliche Vorstellung von wirkenden Kräften in unserem Körper. Nach daoistischer Philosophie geht man davon aus, dass die Natur ständig in Bewegung ist und zyklischen Abläufen folgt. 4 Das dualistische System von Yin und Yang repräsentiert hierbei symbolisch den „universellen Prozess einer sich dauernd verändernden Wirklichkeit“ 5 - das Dao. Sie bilden ein dynamisches Gebilde, in dem sich beide Seiten gegenseitig beeinflussen und ineinander übergehen. Es gibt also keinen endgültigen Zustand, sondern die Natur und alle ihre Elemente befinden sich in einem ständigen Wandel. Darüber hinaus stehen Yin und Yang für die polare Natur. Übersetzt bedeuten sie die sonnige (Yang) bzw. die schattige (Yin) Seite eines Berges. 6 Mit dieser Vorstellung kann man sich auch leicht denken, welche Eigenschaften mit den beiden Polen verbunden werden. Auf der sonnigen Bergseite ist es hell, warm und trocken, und es scheint sich überall etwas zu
3 vgl.: Noll, Andreas A., Traditionelle Chinesische Medizin, S. 71
4 vgl.: Brockmann, Anita & Meißner, Götz, Schnellkurs Alternative Medizin, in: DuMont Literatur
und Kunst Verlag, Köln 2006, Originalausgabe S. 42
5 vgl.: Noll, Andreas A., Traditionelle Chinesische Medizin, S. 24
6 vgl.: Wagner-Koch, Monika, Akupunktur - Eine praktische Einführung, S. 19
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bewegen. Auf der schattigen Bergseite ist es dunkler, kühl, feucht und recht still. Obwohl beide Seiten so unterschiedlich sind, gehören sie doch zum gleichen Berg. Viele Menschen neigen schnell dazu, die beiden Bergseiten zu bewerten, und halten so nach den Anforderungen unserer heutigen Gesellschaft das Yin durch seine ruhige und passive Art für negativer als das aktive und warme Yang. Doch in der chinesischen Philosophie wird diese Wertung gar nicht in Betracht gezogen. Ohne Schatten kann man Licht nicht als solches erkennen, und wir können Wärme nur an unserem Kälteempfinden messen. Für die Chinesen ist es von der jeweiligen Situation abhängig, welche Bergseite sie bevorzugen. Im Großen und Ganzen geht es jedoch nur darum, Yin und Yang in einem Zustand der Harmonie zu halten, denn ein Überwiegen einer Seite hat immer ein Ungleichgewicht in Körper, Seele und Geist zur Folge. Gesundheit heißt nach daoistischer Naturphilosophie innere Harmonie. Das bedeutet vor allem einen Ausgleich von Yin und Yang, da auch der menschliche Körper nach chinesischer Auffassung diesem dualen Prinzip unterworfen ist. Yin-Energie ernährt die Organe und besitzt außerdem eine beruhigende und kühlende Wirkung. In der Nacht ist sie besonders aktiv. Die Yang-Energie hingegen erwärmt und aktiviert unseren Körper. Sie ist für die Organfunktion zuständig. 7 Die chinesischen Ärzte haben ein Diagnostikschema der acht Leitkriterien 8 entwickelt, nach dem sich die Auswirkungen von Yin und Yang im Einzelnen auf unseren Körper beobachten ließen. Auf dieser Grundlage entwickelten sie ihren weiteren Behandlungsplan.
Zuerst unterscheidet man nach dem Yin- und Yang-Muster. 9 Im Yin-Zustand zeigen Menschen oft ein ruhiges, zurückhaltendes Verhalten. Sie denken viel nach und haben kalte, feuchte Hände. Darüber hinaus sind sie blass und wirken erschöpft. Im Yang-Zustand hingegen ist der Mensch voller Tatendrang und neigt zu hektischem Verhalten. Er ist sehr schnell reizbar und impulsiv.
Die zweite Ebene der acht Leitkriterien ist das Leere- und Fülle-Muster. Hierbei bedeutet Leere ein Mangel an Lebensenergie oder Substanz. Solche Menschen leiden an Krankheiten, die sie kraftlos machen. Ihr Puls ist schwach und dünn, die Atmung oberflächlich, und sie haben meist eine blasse Zunge mit dünnem Belag. Das Leere-
7 vgl.:Noll, Andreas A., Traditionelle Chinesische Medizin, S. 28
8 vgl.: Wagner-Koch, Dr. med. Monika, Akupunktur - Eine praktische Einführung, in: Wilhelm
Goldmann Verlag, München, Orginalausgabe 1998, S. 24ff.
9 vgl.: Wagner-Koch, Monika, Akupunktur - Eine praktische Einführung, S. 24
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Muster findet man häufig bei chronischen Krankheiten. Das Fülle-Muster bezeichnet hingegen eine Überfunktion. Es tritt häufig bei akuten Krankheiten auf. Die dritte Ebene der Leitkriterien ist das Kälte- und Hitze-Muster. 10 Vom Namen lässt sich ableiten, dass Menschen nach diesen Mustern ein erhöhtes Kälte- bzw. Wärmeempfinden verspüren können, allerdings bemerken nicht alle Patienten diese Temperaturunterschiede. Viele werden erst durch ihren Arzt darauf hingewiesen. Körperliche Hinweise sind blasses Gesicht und weißer Belag auf der Zunge bzw. gerötetes Gesicht und gelblicher Belag.
Die letzte Ebene der acht Leitkriterien ist das Innen- und Außen-Muster. Hiermit bezeichnen die Chinesen, wie schwer eine Krankheit den Organismus bereits geschädigt hat. Man kann es auch nach westlichem Verständnis als chronische Krankheit (Innen-Muster) oder akute Krankheit (Außen-Muster) betrachten.
2.2.2. Die fünf Wandlungsphasen
Das duale Prinzip von Yin und Yang wird durch das fünfgliedrige System der Wandlungsphasen ergänzt. Hierbei stehen die Elemente Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser durch permanente, zyklische Wechselwirkungen miteinander in Beziehung. Für die chinesische Medizin war und ist die Lehre der fünf Elemente ein wichtiger Leitfaden, da beispielsweise Hohlorgane, Sinnesorgane Körperschichten oder Emotionen innerhalb dieses Systems zugeordnet wurden. 11 Dem Holz wird das Hohlorgan Leber zugeordnet und das Sinnesorgan Auge. Auch unsere westlichen Ärzte kennen den Zusammenhang zwischen Leber und Auge, da sich eine Leberstörung meist zuerst an der Verfärbung des weißen Augapfels zeigt. Nach der chinesischen Philosophie rührt dieser Zusammenhang daher, dass das Holz auch für Dynamik (Jugend) steht und das Auge unser dynamischstes Sinnesorgan ist. 12 Außerdem konnte man durch die festgelegten Wechselwirkungen zwischen den Elementen und den ihnen zugeordneten Organen eine teilweise erstaunlich präzise Prognose über den Krankheitsverlauf anstellen. Ein Beispiel: Eine unbehandelte Nierenerkrankung (Wasser) führt zu einer Erkrankung des Herzens (Feuer). Arbeitet das Herz nicht richtig, werden die Lunge (Metall) sowie die Leber (Holz) und die Milz (Erde) angegriffen, bis ein Versagen der Niere (Wasser) zum Exodus führt. 13
10 vgl.: Wagner-Koch, Monika, Akupunktur - Eine praktische Einführung, S. 26
11 vgl.: Brockmann, Anita, Schnellkurs - Alternative Medizin, S. 42
12 vgl.: Wagner-Koch, Monika, Akupunktur - Eine praktische Einführung, S. 34
13 vgl.: Stahlhacke, R., Wege der Heilung & Erkenntnis - Akupunktur, S. 23
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Wie auch Yin und Yang müssen die fünf Elemente ständig im Gleichgewicht gehalten werden, um einen harmonischen und damit gesunden Ablauf in den Wandlungsphasen zu gewährleisten.
Es werden in der chinesischen Medizin verschiedene Möglichkeiten gegenseitiger Beeinflussung unterschieden. 14 Im gesunden Organismus unterscheidet man den Sheng-(Erzeugungs-)Zyklus und den Ke-(Kontroll-)Zyklus. Im Sheng-Zyklus beeinflusst das zuvorgegangene Element das nachfolgende. Bei den Jahreszeiten heißt das: War der Winter mild, werden die Pflanzen im Frühjahr gut gedeihen. Auch in der Behandlung von Krankheiten macht man sich diese Zusammenhänge zu Nutzen. Ist ein Element des Organismus geschwächt (z.B. Schwangerschaft -> Kind), muss das vorangegangene Element gestärkt werden (Mutter). Um das Gleichgewicht zu wahren, gibt es den Ke-Zyklus. Nach diesem Zyklus kontrolliert ein gesundes Element den Einfluss des übernächsten. Am Beispiel von Pflanzen sieht es so aus: Der Frühling (Holz) ist sehr heiß, die Pflanzen wachsen schnell und verdorren (Feuer). Dadurch wird der Zyklus unterbrochen, da sie keine Früchte mehr tragen und Saatgut für ein neues Wachstum liefern können. Um das zu verhindern, muss man mit Hilfe des Wassers das Feuer kontrollieren. Dadurch wird das Gleichgewicht gewahrt, und kein Element wird zu stark. In einem gestörten Organismus kann ein Element der Wandlungsphasen zu stark werden und damit rückläufig im so genannten Zyklus der Erschöpfung das vorangegangene Element schwächen oder im Zyklus der Verachtung das Element, das noch vor diesem liegt. So ist die Harmonie beeinträchtigt und der Mensch erkrankt. 15
Zwar spielt die Theorie der fünf Wandlungsphasen in den Lehrbüchern der TCM nur noch eine untergeordnete Rolle, allerdings ist sie für uns wichtig, um uns im chinesischen Medizinsystem orientieren zu können. 2.2.3. Die Lebenskraft Qi
Das Qi ist nach chinesischer Vorstellung die Lebensenergie. Sie umgibt uns und fließt in Leitbahnen, den Meridianen, durch unseren Körper. Das Qi erhalten wir zum einen als vorgeburtliches Qi von unseren Eltern und zum anderen durch Umwelteinflüsse wie Nahrung und Luft. 16 In unserem Körper gibt es verschiedene Formen des Qi. Das Blut (Xue-Qi), die Essenz (Jing-Qi) als Quelle des Lebens, oder
14 vgl.: Noll, Andreas A., Traditionelle Chinesische Medizin, S. 31f.
15 vgl.: Wagner-Koch, Monika, Akupunktur - Eine praktische Einführung, S. 50
16 vgl.: Noll, Andreas A., Traditionelle Chinesische Medizin, S. 48
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auch die Körperflüssigkeiten (Jinje-Qi) gehören zu diesen Formen. Eine Besonderheit, die nur der Mensch besitzt, ist das Shen-Qi, der Geist, womit unsere Fähigkeit zu denken gemeint ist. Die Speicherorgane (Zang) wie Lunge, Leber und Milz stellen das Qi zur Verfügung und lenken es. Die Hohlorgane (Fu) sind für den Transport des Qi von den Zang weg oder zu ihnen hin zuständig. 17 Etwa 200 v. Chr. wurde das chinesische Reich geeint und durch einen umfassendes Straßennetz verbunden. Dieses Netz-System ist auch im medizinischen Denken übernommen worden. So entwickelte man das Leitbahn-Netzwerk der Meridianen, die den Körper von oben nach unten und von innen nach außen mit der Lebensenergie versorgen sollten. Es gibt zwölf Hauptmeridiane, die den Körper versorgen. Diese werden im Allgemeinen bei der Akupunktur benutzt. 18
3. Wirkungsweise am Beispiel „Akupunktur“
Als Akupunktur wird die Behandlung mit Nadeln, die an bestimmten Punkten des Körpers eingestochen werden, bezeichnet. Sie ist auf fast jede Art der psychischen und physischen Erkrankungen zumindest in schmerzlindernder Weise anwendbar.
3.1. Die Meridiane und ihre Bedeutung
Auf den Meridianen liegen die Akupunkturpunkte, durch die man das Qi beeinflussen kann. Man unterscheidet zwischen zwölf Hauptmeridianen und mehreren Nebenmeridianen. Auch diese Leitbahnen sind dem Prinzip von Yin und Yang unterworfen, so werden die Meridiane an der Innenseite der Extremitäten und an der Vorderseite des Rumpfes als Yang-Meridiane bezeichnet, die Bahnen auf Rücken und Außenseite der Extremitäten als Yin-Meridiane. 19 Zueinandergehörende Yin- und Yang-Meridiane bilden ein Meridianpaar, das besonders stark verbunden ist. In den Meridianen zirkuliert das Qi ähnlich wie bei uns im Blutkreislauf. Wird das Qi an einem gleichmäßigen Fluss gehindert, entsteht eine Disharmonie, und es kommt zu Krankheiten. Durch Akupunktur an so genannten Qi-Höhlen, die man sich als Vertiefungen über den Meridianen vorstellen kann, kann man den Fluss verlangsamen, verstärken oder auch umleiten. 20 Dadurch kommt es auch zu für uns meist unverständlichen Behandlungen wie einem Nadelstich am kleinen Zeh, wenn
17 vgl.: Wagner-Koch, Monika, Akupunktur - Eine praktische Einführung, S. 62
18 vgl.: Wagner-Koch, Monika, Akupunktur - Eine praktische Einführung, S. 59
19 vgl.: Wagner-Koch, Monika, Akupunktur - Eine praktische Einführung, S. 62f.
20 vgl.: Noll, Andreas A., Traditionelle Chinesische Medizin, S. 54
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wir über Nackenverspannungen klagen. Durch die Meridiane kann der Qi-Fluss so beeinflusst werden, dass diese Verspannung gelöst wird.
In der TCM variiert die Zahl der bekannten Akupunkturpunkte ständig, doch gibt es bereits nach dem ältesten Werk über Akupunktur dem „Klassiker des Gelben Kaisers“ mindestens 361 Punkte. 21
3.2. Das Nadelgefühl
Bei einer professionellen Akupunkturbehandlung wird die richtige Lage der Nadel immer durch das De-qi-Gefühl oder auch Nadelgefühl bestätigt. Dieses Gefühl wurde von mehreren Patienten als Wärme oder Kribbelgefühl bezeichnet, das sich vom Akupunkturpunkt aus ausbreitet. 22 Der Arzt bewegt nach dem Einstich die Nadel leicht zwischen Daumen und Zeigefinger, um, je nach erwünschtem Effekt, das Qi „anzulocken“ oder Stauungen zu lösen.
Für die therapeutische Wirkung der Akupunktur ist das Nadelgefühl unbedingt notwendig, denn „je stärker das Gefühl, desto besser die Heilungsaussichten.“ 23
3.3. Techniken
Ein erfahrener Akupunkteur arbeitet meist nur mit wenigen, gezielten Nadelstichen, nachdem er sich in einem gründlichen Gespräch mit Zugen-Puls-Diagnose ein Bild von der Energetik des Patienten gemacht hat.
Die Anzahl der Nadeln hat auch Einfluss auf ihre Wirkung. Je mehr Nadeln gestochen werden, desto größer ist die ableitende, beruhigende Wirkung. Wenige Nadeln wirken anregend oder kräftigend.
Bei sehr akuten Schmerzen wendet man allerdings eine Technik an, bei der der „Drache umzingelt“ wird. 24 Hierbei werden vergleichsweise viele Nadeln um die betroffene Stelle angesetzt, unabhängig davon, ob sich dort Meridiane befinden oder nicht. Allerdings ist dies der einzige Fall, bei dem Akupunkturpunkte abweichend von den Meridianen existieren.
In einer normalen Sitzung werden die Nadeln ca. 15 bis 30 Minuten belassen. Nur wenn es dem Patienten unangenehm wird, werden die Nadeln früher entfernt. Braucht ein Akupunkturpunkt zusätzliche Reize, werden auch sterile Dauernadeln
21 vgl.: Noll, Andreas A., Traditionelle Chinesische Medizin, S. 55
22 Befragung von Migränepatientin Annette Stegemann
23 vgl.: Noll, Andreas A., Traditionelle Chinesische Medizin, S. 108
24 vgl.: Brockmann, Anita, Schnellkurs - Alternative Medizin, S. 56
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oberflächlich in die Haut gestochen, die durch ein Pflaster abgeklebt mehrere Tage in der Haut verbleiben. 25 Dauernadelungen werden jedoch fast ausschließlich bei der Ohr-Akupunktur angewendet.
4. Formen der Akupunktur 4.1. Ohr-Akupunktur und andere neue Methoden
Nachdem das Wissen um die chinesische Heilkunst in den Westen gelangt ist, wurde sie auch hier überdacht und in einigen Punkten ergänzt. Eine dieser westlichen Ergänzungen ist die Ohr-Akupunktur, die in den 1950er Jahren durch den französischen Arzt Paul Nogier begründet wurde. Hierbei gibt es nicht einfache Akupunkturpunkte auf den Leitbahnen liegend, sondern das Ohr ist ein in sich abgeschlossenes Akupunktursystem. Im Ohr ist in Fötushaltung der gesamte Mensch abgebildet. Dadurch liegen auf sehr engem Raum über 100 Akupunkturpunkte zusammen. Die Akupunktur wirkt in diesem Falle jedoch nur, wenn die zu behandelnden Körperregionen wirklich geschädigt sind, denn in diesem Fall kann man durch ein spezielles Messgerät eine Veränderung des Hautwiderstandes feststellen und so gezielt die Nadel ansetzten. 26
Durch die moderne Technik hat man jedoch nicht nur die Akupunkturpunkte ergänzt, sondern auch die Werkzeuge wurden weiterentwickelt. Neben den klassischen Nadeln werden heute auch Laser, elektrische Impulse oder Magnetströme genutzt, um das Qi an den Akupunkturpunkten zu beeinflussen. 27
4.2. Moxibustion
Auf Chinesisch bedeutet Akupunktur Zhenjiu, was übersetzt soviel heißt wie „stechen und brennen“. Das kommt daher, dass die Behandlung mit der Nadel immer eng mit der Moxibustion zusammenhing. Moxibustion heißt die Erwärmung der Akupunkturpunkte durch Moxakraut. Dieses Kraut wird auf den Akupunkturpunkten oder in ihrer unmittelbaren Nähe angezündet. Eine andere Methode ist das Aufsetzen einer Moxakugel auf eine Akupunkturnadel. Dabei gelangt die Wärme über die Nadel zu den Meridianen. Die direkte Moxibustion wird bei uns eher selten angewendet, da hier glühende Moxawolle direkt in Kontakt mit der Haut gebracht
25 vgl.: Noll, Andreas A., Traditionelle Chinesische Medizin, S. 109
26 vgl.: Wagner-Koch, Monika, Akupunktur - Eine praktische Einführung, S. 136
27 vgl.: Wagner-Koch, Monika, Akupunktur - Eine praktische Einführung, S. 141f.
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wird, ohne Rücksicht auf entstehende Verbrennungen zu nehmen. Grundsätzlich wird Moxibustion gerne bei einer Yang-Schwäche eingesetzt, also Kältegefühlen oder Feuchtigkeit. Diese Therapie ist bis auf seltene Verbrennungen absolut nebenwirkungsfrei. Der einzige Nachteil besteht in dem sehr eigentümlichen Geruch des Moxakrautes. 28
4.3. Akupressur
Die Akupressur ist die manuelle Form der Akupunktur. Hierbei werden durch sanften Druck die Akupunkturpunkte stimuliert. Die Wirkung ist zwar nicht mit der Intensität der Akupunktur zu vergleichen, führt aber meist zu einer schnellen Besserung und ist vor allem auch von dem Patienten selbst praktizierbar. 29
5. Akupunktur als wirkungsvolle Therapie?
Die philosophische und nicht naturwissenschaftliche Grundlage der Akupunktur erschwert eine Akzeptanz durch die westliche Schulmedizin. Yin und Yang, die fünf Wandlungsphasen oder ein Qi, das durch nicht nachweisbare Meridiane fließen soll, wirken auf uns bestenfalls exotisch und die Heilkunst der Akupunktur wird daher schnell als „Hokus Pokus“ abgetan. Diese These wird durch den fehlenden wissenschaftlichen Nachweis der Meridiane noch unterstützt. Auch die Akupunkturpunkte haben keine erkennbare Beziehung zu anatomischen Strukturen wie Nervenbahnen oder ähnlichem. Allerdings weckten die offensichtliche Wirkung der Nadelungen das Interesse der westlichen Mediziner, und so gibt es heute mehrere umfangreiche Studien, die sich mit Wirkung und Nebenwirkungen der Akupunktur befassen und auch mit der Frage eines eventuellen Placebo-Effekts.
5.1. GERAC 30 - Studie zur Behandlung chronischer Kopfschmerzen An dieser bisher größten Akupunkturstudie nahmen weit mehr als 1000 Patienten teil, die in drei Gruppen eingeteilt wurden. Eine Gruppe erhielt die herkömmlichen Mittel gegen Kopfschmerzen, die zweite Gruppe wurde nach den Regeln der TCM, 10 bis 15 Akupunkturbehandlungen unterzogen, und die dritte Gruppe erhielt ebenfalls Akupunkturbehandlungen, jedoch nicht an den Leitlinien orientiert. Das Ergebnis zeigte, dass nur 27% der Patienten durch die schulmedizinische
28 vgl.: Noll, Andreas A., Traditionelle Chinesische Medizin, S. 117f.
29 vgl.: Wagner-Koch, Monika, Akupunktur - Eine praktische Einführung, S. 147
30 german acupuncture trials, bzw. deutsche Akupunkturstudien
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Standarttherapie eine Schmerzlinderung verspürten. Der Erfolg der TCM-Akupunktur war dagegen fast doppelt so groß. Darüber hinaus hatte diese Behandlung auch eine deutlich größere Langzeitwirkung als unsere Schulmedizin. Erstaunlich war jedoch, dass auch die willkürliche Akupunkturbehandlung eine deutlich bessere Wirkung erzielte als die Standarttherapie und nur wenige Prozente hinter der „wahren“ Akupunkturbehandlung zurückstand. 31 Das Ergebnis einer Knieschmerz-Studie der GERAC sah ähnlich aus. Hierbei zeigte sich bei 28% der Schulmedizinpatienten, bei 51% der TCM-Patienten und bei 48% der Scheinakupunkturpatienten eine Besserung. 32
5.2. Der Placebo-Effekt
Viele Wissenschaftler sahen in diesen Ergebnissen den Beweis für den Placebo-Effekt. Akupunktur sollte nur eine „eingebildete Heilung“ sein. Dies ist jedoch schwer nachzuweisen, da auch eine Behandlung an „falschen“ Akupunkturpunkte eine Behandlung ist. Ein reines Vortäuschen von Akupunktur „ist genau so wenig möglich wie eine Operation, Psychotherapie oder Massage vorzutäuschen ist“. Darüber hinaus gibt es aber auch andere Studien wie beispielsweise die Heidelberg-Studie, bei der die Wirkung der Akupunktur bei Asthma-Patienten nachgewiesen wurde, und in der ein deutlicher Wirkungsunterschied zwischen Verumbehandlung und Scheinbehandlung festgestellt werden konnte. 33 Wirklich wissenschaftlich erklären kann man den Erfolg der Scheinakupunktur nicht, aber Fakt ist, dass Akupunktur eine wirksame, nebenwirkungsarme Behandlungs-methode ist und daher eine durchaus sinnvolle Ergänzung zu unserer Schulmedizin.
5.3. Die wissenschaftliche Wirkungsweise 5.3.1. Die Gate-Control-Theorie
Unser Gehirn kann nur eine begrenzte Zahl von „Schmerzmeldungen“ über das Nervensystem aufnehmen. Einige Nervenfasern sind empfindlicher als andere und leiten den Schmerz schneller an das Gehirn. Solche Nervenfasern liegen vor allem in der Haut. Sie können den Schmerz mit einer Geschwindigkeit von 430 km/h an das Gehirn weitergeben. Die Nervenfasern im Körperinneren sind dagegen fast 60-mal
31 vgl.: http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?src=suche&id=54176
32 vgl.: http://www.annals.org/content/145/1/12.full.pdf+html
33 vgl.: Wagner-Koch, Monika, Akupunktur - Eine praktische Einführung, S. 131
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langsamer. 34 Dieses Prinzip macht sich die Akupunktur zunutze. Durch den Einstich der Nadeln werden die schnell leitenden Nervenfasern der Haut aktiviert. Sie melden dem Gehirn diesen Reiz und blockieren damit vorübergehend die Schmerzwahrnehmung.
5.3.2. Botenstoffe
Eine weitere Erklärung für die Wirkung der Akupunktur ist das Aussenden von Botenstoffen. Durch die Behandlung werden die körpereigenen Schmerzmittel, die Endorphine freigesetzt. Dies ließ sich durch einen Versuch nachweisen, bei dem einem Patienten nach erfolgreicher Behandlung Naloxon verabreicht wird. Dies hemmt die Wirkung von Endorphinen. Nach wenigen Minuten war die durch Akupunktur erfolgte Schmerzlinderung wieder verflogen. 35
5.3.3. Reflexwirkung
Auch nach der westlichen Medizin können bestimmte Veränderungen der inneren Organe zu krankhaften Veränderungen auf der Körperoberfläche wie Verspannungen oder Durchblutungsstörungen führen. In der Akupunktur werden diese offenbar vorhandenen nervlichen Verbindungen genutzt, um umgekehrt Einfluss auf die inneren Organe zu nehmen. Darüber hinaus konnte man an der Privatuniversität Witten-Herdecke feststellen, dass unter den Akupunkturpunkten winzige Bündel von Gefäßen und Nerven aus dem darunter liegenden Gewebe an die Oberfläche traten und somit einen Zugriff auf das Körperinnere ermöglichen. 36
5.4. Vorteile und Risiken
Die westliche Medizin hat große Vorteile bei der Behandlung von substanziellen organischen Befunden. Die chinesische Medizin, im Besonderen die Akupunktur, kann jedoch Störungen beheben, die einer schweren organischen Störung jahrelang vorausgehen. Vor allem bei chronischen Kopfschmerzen,
Lendenwirbelsäulenerkrankungen und entzündlichen Gelenkerkrankungen konnte durch Akupunktur eine stärkere Besserung erreicht werden als durch die herkömmliche Schulmedizin. Und dabei traten kaum Nebenwirkungen auf. 37 Nur ein
34 vgl.: Wagner-Koch, Monika, Akupunktur - Eine praktische Einführung, S. 118f.
35 vgl.: Wagner-Koch, Monika, Akupunktur - Eine praktische Einführung, S. 121
36 vgl.: Wagner-Koch, Monika, Akupunktur - Eine praktische Einführung, S. 116
37 vgl.: Noll, Andreas A., Traditionelle Chinesische Medizin, S. 109
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Zehntel der Patienten aus der GERAC-Studie meldete Nebenwirkungen wie Blutergüsse oder leichte Blutungen. Schwere Nebenwirkungen waren extrem selten und auch oft nicht direkt mit der Behandlung in Verbindung zu bringen. 38 Vorraussetzung dafür ist natürlich eine fachgerechte Behandlung mit sterilen Nadeln und desinfizierter Haut.
6. Verbreitung und Akzeptanz in Deutschland
Seit dem Ende der Kulturrevolution in den 1970er Jahren hat sich China dem Westen immer mehr geöffnet, dadurch war der Weg für die Verbreitung der traditionellen chinesischen Medizin frei. In China selbst hatte man sie erst unter Mao Zedong wieder entdeckt, und nun erregt sie seit ca. 30 Jahren immer mehr Aufmerksamkeit in Deutschland. 39 Vor allem die schmerzhemmende und schmerzlindernde Wirkung der Akupunktur war für viele Menschen erstaunlich. Allerdings lehnten viele Ärzte und Wissenschaftler die Akupunktur grundsätzlich ab, als sie von den philosophischen Grundlagen, von Yin und Yang und der Energetik des Körpers hörten, da diese nicht wissenschaftlich nachweisbar sind. Auch wenn durch mehrere Studien die Wirkung der Akupunktur und anderer chinesischer Heilmethoden nachgewiesen ist, fällt es den westlichen Medizinern immer noch schwer, die chinesische Medizin nicht abwertend gegenüber der Schulmedizin zu betrachten. Das Interesse von Patientenseite ist allerdings ausgesprochen hoch. Nach einer selbst durchgeführten Umfrage wären von 100 Befragten ca. 87% bereit, sich einer Akupunktur oder einer anderen chinesischen Behandlungsmethode zu unterziehen, und ganze 61% waren sich sicher, dadurch eine positive Wirkung erzielen zu können. Im letzten Jahr wurden fast zwei Millionen Patienten mit Akupunktur behandelt. Prof. Paul U. Unschuld stellt allerdings die These auf, dass dieses wachsende Interesse nicht allein von den medizinischen Erfolgen dieses Heilverfahrens herrührt, sondern vor allem an dem Interesse an diesem „neuen“, naturnahen und exotischen Heilverfahren. 40 Von den gesetzlichen Krankenkassen werden TCM-Behandlungen bis jetzt nicht unterstützt. Einzige Ausnahme bildet nach einem Beschluss der GBA 41 die Akupunktur zumindest bei chronischen Rücken- und Knieschmerzen. In Form eines vier-jährigen Modellvorhabens, hat sie
38 vgl.: http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?src=suche&id=54176
39 vgl.: http://www.dgtcm.de/index.php?option=com_content&task=view&id=69&Itemid=98
40 vgl.: http://www.akupunktur-aktuell.de/fb0024_1.htm
41 Der Gemeinsame Bundesausschuss bestimmt in Form von Richtlinien den Leistungskatalog der
Gesetzlichen Krankenversicherung
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auch eine Zeit lang die Behandlung von Kopfschmerzen unterstützt, diese wurden allerdings nach Ablauf der vier Jahre nicht in die Kassenleistung übernommen. 42 Allerdings steht die Kassenleistung für Akupunkturbehandlungen immer wieder zur Diskussion und es gibt ständig Erweiterungen solcher Modellvorhaben bei denen sich ein paar Krankenkassen zusammenschließen um in einer Art Projekt die Finanzierung der Akupunkturbehandlungen zu ermöglichen. 43 Mittlerweile entdecken auch immer mehr Ärzte die Akupunktur, allerdings meist ohne die philosophischen Grundbegriffe in ihre Behandlung mit einzubeziehen. Fragt man heute einen Patienten, ob der Arzt beim Anamnesegespräch vom Fluss des Qi oder von einem Überschuss an Holz-Energie gesprochen hat, wird man meist nur fragend angeschaut. Nichtsdestotrotz bieten heute 40 - 50.000 Ärzte in Deutschland die chinesische Behandlungsmethode an. An vielen Universitäten kann man ein ca. 350 Stunden umfassendes Fortbildungsseminar mit abschließender Prüfung belegen und sich dann Akupunkteur nennen. Besonders in den Bereichen Orthopädie, Gynäkologie und Anästhesie ist die Akupunktur verbreitet, da sie hier die größten Wirkungen erzielt. 44 Wichtig für den Erfolg der Akupunktur wäre es einen Qualitätsstandard festzulegen. Zwar plädieren Patienten gerne dafür, dass Akupunktur eine Kassenleistung wird, allerdings würde dadurch auch das direkte Verhältnis vom Patienten zum behandelnden Arzt anonymisiert werden, da dieser nicht mehr direkt honorisiert wird. Würde Akupunktur eine Kassenleistung werden, würden viele Ärzte auch ohne fundierte Ausbildung diese Leistung anbieten und dadurch wahrscheinlich mehr Schaden anrichten als helfen. 45
42 vgl.: http://www.akupunktur-aktuell.de/fb0024_1.htm
43 durch einen vergleich der verschiedenen Beschlüsse, vgl. : http://www.g-
ba.de/institution/sys/suche/?search-query=akupunktur
44 vgl.: http://www.akupunktur-aktuell.de/fb0024_1.htm
45 vgl.: http://www.akupunktur-aktuell.de/fb0024_1.htm
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7. Fazit
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Akupunktur eine, vor allem in der Schmerztherapie, wirksame Therapie ist, die allerdings aufgrund ihrer eher philosophischen Grundlagen bei uns wahrscheinlich niemals vollkommen akzeptiert werden wird. Unsere Schuldmedizin kann durch sie ergänzt, aber nicht ersetzt werden. Bei meiner Umfrage ist mir aufgefallen, dass vor allem ältere Personen eine eher negative Einstellung gegenüber der Akupunktur haben, während junge Menschen dieser alternativen Heilmethode offener gegenüber-stehen. Allerdings vertraute die Mehrheit der alternativen Medizin nicht so sehr, dass er sich ausschließlich durch Akupuntur behandeln lassen würde. Ich denke, das deutet auf die wirkliche Akzeptanz der TCM in Deutschland hin. Wir sind zwar offen gegenüber den alternativen Heilmethoden, besonders wenn wir zuvor von der Schulmedizin enttäuscht wurden, jedoch fällt es den meisten Menschen immer noch sehr schwer, sich mit dem Gedanken anzufreunden, nur durch „ein paar Nadelpiekse“ geheilt zu werden. Von den Befragten, die bereits durch Akupunktur behandelt wurden, ist keiner von sich aus zu einem Heilpraktiker gegangen. Alle wurden entweder durch die Empfehlung von Bekannten oder durch die Überweisung eines Arztes, der selbst nicht mehr weiter wusste, auf die Akupunktur aufmerksam. Ich persönlich muss gestehen, dass ich ebenfalls, obwohl ich mich eingehend mit dem Hintergrund, der Wirkungsweise und den in Deutschland üblichen Behandlungsmethoden der TCM beschäftigt habe, nicht auf die praktischen Heilmethoden zurückgreifen würde, sondern eher unserer „Medikamenten-Medizin“ vertrauen würde. Denn ich bin wie die meisten westlichen Menschen zu sehr an den Gedanken gewöhnt, die Vorgänge in unserem Körper zu kennen. Die immer noch nur auf Theorien basierende erforschte Wirkungsweise der Akupunktur ist immer noch zu abstrakt, um wirklich Vertrauen zu wecken. Ich denke allerdings, dass die philosophischen Gedanken der TCM durchaus eine positive Wirkung beim Patienten erzielen können. Im ältesten Werk über TCM, dem Buch des Gelben Kaisers heißt, es: „Medizin nach dem Beginn einer Krankheit anzuwenden…, das ist, als … schmiede [man] Waffen erst, wenn die Schlacht bereits begonnen hat.“ Ich glaube, nach diesem Grundsatz ist die TCM eine durchaus wirkungsvolle Heilmethode, denn allein durch eingehende Beschäftigung mit den Grundsätzen von Jin und Jang sowie den fünf Wandlungsphasen beginnt man, die eigene Lebensweise zu überdenken. Eine Legende besagt, dass man im alten China den Arzt nur so lange
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bezahlt hat, wie man gesund war. Sobald man krank wurde, musste der Arzt kostenlos arbeiten. Ich denke, es ist fraglich, ob das wirklich der Wahrheit entsprach, aber es verdeutlicht die Denkweise der alten Chinesen, eine Denkweise, die uns heute häufig fehlt. Man muss sich durch eine gesunde Lebensweise, d.h. ausgewogene Ernährung, ausreichend Bewegung und Stressvermeidung gesund halten und Krankheiten vorbeugen. Ist man erst einmal krank, ist es schon zu spät. Ich möchte diese Facharbeit mit einer Empfehlung abschließen, die ich auf einer chinesischen Teepackung gefunden habe und die in meinen Augen die chinesischen Gedanken der Prävention von Krankheiten veranschaulicht:
Weniger Alkohol - mehr Tee Weniger Fleisch - mehr Gemüse Weniger Salz - mehr Essig Weniger Zucker - mehr Obst Weniger Essen - mehr Kauen Weniger Worte - mehr Taten Weniger Habgier - mehr Großzügigkeit Weniger Sorgen - mehr Schlaf Weniger Fahren - mehr Laufen Weniger Ärger - mehr Lachen
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8. Anhang
8.1 Umfrageergebnis
Umfrage zum Thema Akupunktur (bei 100 befragten Personen)
1.1. Haben Sie sich schon mal durch Akupunktur behandeln lassen? - 13%
1.2. Wenn ja, sind Sie von sich aus zu einem Akupunkteur gegangen? - 0%
2.1. Würden Sie sich grundsätzlich einer Akupunkturbehandlung unterziehen? - 87% (überwiegend junge Befragte)
2.2. Wenn ja, denken Sie, Sie könnten dadurch eine dauerhaft positive Wirkung erzielen? - 61%
3. Würden Sie sich ausschließlich durch Akupunktur behandeln lassen, wenn auch schulmedizinische Behandlungsmethoden möglich sind? - 1%
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9. Literaturverzeichnis 9.1. Gedruckte Literatur
Bischoff, Dr. med. Hans-Peter, Manuelle Medizin - Chriotherapie bis Osteopathie, in: Heinrich Hugendubel Verlag, Kreuzlingen/München 2005, Originalausgabe
Brockmann, Anita und Meißner, Götz, Schnellkurs Alternative Medizin, in: DuMont Literatur und Kunst Verlag, Köln 2006, Originalausgabe
Noll, Andreas A., Traditionelle Chinesische Medizin - Grundlagen, Methoden, Behandlung von Beschwerden, in: GRÄFE UND UNZER VERLAG GmbH, München 2008, 1. Auflage
Röcker, Anita Elisabeth, Atlas der ganzheitlichen Heilens - Meridiane, Akupunktur-und Akupressurpunkte, Chakras, Handreflexpunkte, Zahntabelle,
Wirbelsäulensegment-Diagnostik u.a., in: W. Ludwig Buchverlag GmbH & Co. , KG, München, 2. Auflage 1998
Wagner-Koch, Dr. med. Monika, Akupunktur - Eine praktische Einführung, in: Wilhelm Goldmann Verlag, München, Orginalausgabe 1998
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9.2. Literatur aus dem Internet
Annals of Internal Medicin,
[URL: http://www.annals.org/content/145/1/12.full.pdf+html, Stand 16.02.2010]
Deutsche Ärzteblatt,
[URL: http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?src=suche&id=54176, Stand 16.02.2010]
Deutsche Gesellschaft für traditionelle chinesische Medizin, [URL: http://www.dgtcm.de/index.php?option=com_content&task=view&id=69&Itemid=9 8, Stand 16.02.2010]
Deutsche Zeitschrift für Akupunktur, [URL:
http://elsevier.isoftmedia.de/inhalt.php?/lan~ger/site~journalg/journal~4/name~3_05/ article~5810121.html, Stand 16.02.2010]
German acupuncture trials, deutsche Akupunkturstudien, [URL: http://www.gerac.de/de_index_publikationen.htm, Stand 16.02.2010]
Innovations report, Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft, [URL: http://www.innovations-report.de/html/berichte/studien/bericht-25038.html, Stand 16.02.2010]
Stux, Dr. Gabriel, Akupunktur-aktuell, [URL: http://www.akupunktur-aktuell.de , Stand 16.02.2010]
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Arbeit zitieren:
Bibiane Simons, 2010, Traditionelle Chinesische Medizin am Beispiel von Akupunktur, München, GRIN Verlag GmbH
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