SELBSTBESTIMMTE MOTIVATION 2
dem Verhalten selbst her, d.h. die Tätigkeit solchen Situationen sind Personen gänzlich an sich wirkt motivierend. Konkret sind frei von Zwängen und tun nur das, was ihnen gefällt. 8 damit solche Aktionen wie die Suche nach Neuem, das Ausbauen und Anwenden von Zwischen diesen beiden Formen liegt die Kenntnissen, Lernen sowie spontanes extrinsische Motivation, welche durch persönliches Interesse gemeint. Internalisierung gekennzeichnet ist.
Weil solches Verhalten von innen heraus Damit sind Prozesse gemeint, in denen motiviert ist, gilt es als autonom reguliert Personen externe Einflüsse bzw. Regu bzw. selbstbestimmt. Daher wird auch von lierungen verinnerlichen. Dies ist in selbstbestimmter Motivation ge unterschiedlichem Maße möglich, so dass sprochen. sich hierbei vier Typen extrinsischer Motivation ableiten lassen.
EXTRINSISCHE MOTIVATION Wenn die Ursache für eine Handlung völlig außerhalb einer Person liegt, ist das Handeln external (von außen) reguliert Bei der extrinsischen Motivation liegt und besitzt daher das geringste Maß an der Antrieb einer bestimmten Handlung
AUTONOMIE. Das darauf basierende Verhalten außerhalb der Person. Die Motivation
wird als kontrolliert oder (vom Ich) speist sich aus einem Verhalten, mit dem ein
entfremdend empfunden. Typischerweise bestimmtes Resultat erzielt werden soll. Es
handelt es sich dabei um Situationen, in liegt also eine intstrumentelle Absicht vor,
denen Personen mit Belohnungen oder wobei eine gewisse Abhängigkeit zur Umwelt
Strafen konfrontiert sind; es wird zwar mit (außerhalb) besteht. Insofern sind extrin
einer bestimmten Absicht gehandelt, diese sisch motivierte Handlungen nicht mehr
ist aber von den äußeren Bedingungen autonom, sondern extern reguliert. Die
abhängig. 9
SDT geht davon aus, dass der Grad dieser Bei einer introjizierten Regulation sind Regulierung unterschiedlich sein kann und bestimmte externe Bedingungen „verinner sogar extrinsisch autonom reguliertes licht“, aber nicht vollständig akzeptiert. motiviertes Handeln denkbar ist. Aufgrund von Selbstachtung, Traditions empfinden oder eines schlechten Gewissens REGULIERUNGSTYPEN
können bestimmte Handlungen von innen heraus angestoßen werden, weshalb sie Die Motivation lässt sich nach der Selbstbe einen internen Kern besitzen. Diese
stimmtheit des Verhaltens, ihrem Ursprung Handlungen werden zwar nicht mehr als
und nach dem Typ der Regulierung kontrolliert oder entfremdend wahrgenom
unterscheiden. Es ergeben sich drei verschie men, erfolgen aber dennoch unter Druck
dene Motivationsarten. bzw. Zwang - einem inneren Zwang. Trotz Zunächst die sogenannte Amotivation. dieses inneren Zwangs wird die Ursache für Sie ist gekennzeichnet durch die gänzliche das Handeln außerhalb der eigenen Person Abwesenheit irgendwelcher Handlungsgesehen und empfunden. absichten, so dass hier auch keine Motiva Von identifizierter Regulierung ist zu
tion anzutreffen ist. Wenn überhaupt sprechen, wenn eine Person bestimmte
Handlungen stattfinden, sind sie entweder äußerliche Einflüsse als ein Handlungsziel
ziellos (z.B. dösen, tagträumen) oder ansieht und die entsprechende Handlung als
unkontrolliert (Rage). 7 Insofern ist weder persönlich wichtig einstuft. Solche
selbstbestimmtes Verhalten, noch Aktivitäten sind schon wesentlich auto
Regulierung möglich. Ursachen für solche nomer, da sie zu einem bestimmten Teil
Situationen liegen u.a. in einer mangelnden von Innen heraus angestoßen werden.
Kompetenz und in geringen Aussichten auf Bei der extrinsischen Motivation ist das Handlungserfolg begründet. höchste Maß an AUTONOMIE gegeben, wenn
Das andere Extrem ist die bereits identifizierte äußerliche Einflüsse oder
erwähnte intrinsische Motivation, bei Bedingungen vollständig verinnerlicht
der das größte Maß an Selbstbestimmtheit wurden. In diesem Fall wird von inte
bzw. AUTONOMIE anzutrefen ist. Weil der grierter Regulierung gesprochen.
Handlungsursprung innerhalb der Person liegt, gelten solche Handlungen als intrinsisch bzw. innerlich reguliert. In
© 2010 Sebastian Thieme, V. 2.1
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Damit lassen sich also zwei Formen BEURTEILUNG selbstbestimmten Handelns ausmachen. Zum einen selbstbestimmtes intrinsisch Nachdem die Bedürfnisse und Formen der motiviertes Vehalten, welches durch Motivation vorgestellt wurden, bedarf es
Interesse, Freude und innerer Zufriedenheit noch einiger Ausführungen zu bestimmten
getragen wird. Zum anderen selbstbe Zusammenhängen und Erkenntnissen.
stimmtes extrinsisch motiviertes Ver
So geht intrinsisch motiviertes Streben halten, das sich durch die vollständige
nach KOMPETENZ mit einem gewissen Grad an „Verinnerlichung“ externer Begebenheiten
AUTONOMIE einher - intrinsische Motivation auszeichnet. Zu beachten ist, dass dieses
erfordert, dass KOMPETENZ als selbstbestimmt Verhalten trotz „Verinnerlichung“ immer
wahrgenommen und erlebt wird. Ferner ist noch extrinsisch ist, weil den Handlungen
es für die intrinsische Motivation förderlich, immer noch instrumentelle Absichten
wenn ein nach KOMPETENZ strebendes zugrunde liegen; es sollen bestimmte
Verhalten sozial eingebettet ist, was letztlich (externe) Resultate erzielt werden - die
wiederum auf das Bedürfnis nach
Handlungen sind also nicht Selbstzweck.
VERBUNDENHEIT verweist. Die intrinsische Motivation ist daher um so höher, je
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befriedigt werden und die externe Motiva
VERWENDETE LITERATUR
tion zu einem gewissen Grad
fremdbestimmt
ist. Letztlich wirken sich solche Ver
DECI/RYAN
haltensanpassungen dann negativ auf Lebenswille, Integrität und Gesundheit aus. 11
Zum Schluss sei noch darauf hingewiesen, dass der weiter oben bereits vorgestellte Internalisierungsprozess, d.h. die Ver-DECI/RYAN (2000), „The 'What' and 'Why' of innerlichung von externen Einflüssen, zwar
in bestimmten Stufen dargestellt wurde. Es aber nicht zwangsläufig erforderlich ist, alle diese Stufen nacheinander durchlaufen zu müssen. Allerdings gilt: Je stärker die RYAN/DECI
Internalisierung fortgeschritten ist, desto größer ist die Wirksamkeit und
AUTONOMIE
des Verhaltens, das geistige Wohlbefinden und die
VERBUNDENHEIT
mit dem sozialen Umfeld. ZUSAMMENFASSUNG WIKIPEDIA (2006), Selbstimmungstheorie der
Die
Self-Determination-Theory
geht von den drei psychologischen Grundbedürfnissen
KOMPETENZ, AUTONOMIE
und (sozialen)
VERBUNDENHEIT
aus, die alle ständig genährt werden müssen (Wachstums-
bedürfnisse). Wenneine Person innere Ziele verfolgt, wie etwa Zufriedenheit oder Spaß bei der Erfüllung einer Arbeit, dann wird von intrinsischer Motivation gesprochen. Sind Tätigkeiten darauf ausge richtet, ein von außen vorgegebenes Ziel zu erreichen, wie etwa die Entlohnung einer Arbeit, dann gelten diese als extrinsisch (von außen) motiviert. Weil es sich bei intrinsischer Motivation um eigene Ziele handelt, die sich jeder selbst setzen kann, sind solche Handlungen autonom oder selbstbestimmt. Wegen der Abhängigkeit von äußeren Zielen ist extrinsisch motivier tes Handeln eigentlich nicht autonom. Die SDT geht jedoch davon aus, dass Aktivitäten in unterschiedlichem Maße von externen Zielen abhängig sein können und unter scheidet dieses Handeln entsprechend. Über die „Verinnerlichung“ externer Ziele lässt so auch ein Zustand erklären, indem auto nom motiviertes extrinsisches Han deln möglich ist.
Probleme bereitet es, wenn extern gesetzte Anreize die intrinsische Motivation untergraben oder schwächen können (Verdrängungseffekt). Denn langfristig ist intrinsische Motivation für das geistige Wohlbefinden einer Person notwendig.
Vgl. DECI/RYAN (1993: 230 f.) sowie WIKIPEDIA (2006, 11
Stichwort: Selbstimmungstheorie der Motivation).
© 2010 Sebastian Thieme, V. 2.1
Arbeit zitieren:
Diplom-Volkswirt Sebastian Thieme, 2006, Selbstbestimmte Motivation, München, GRIN Verlag GmbH
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