1. EINLEITUNG 3
2. ABGRENZUNG ZU VERWANDTEN BEGRIFFEN 4
2.1 KASTE
4
2.2 STAND
5
2.3 KLASSE
6
2.4 SCHICHT
7
2.5 MILIEU
9
2.6 LEBENSSTIL
10
3. GESCHICHTE DER LEBENSSTILFORSCHUNG 11
4. DILEMMA DER LEBENSSTILFORSCHUNG 12
5. FREIE WÄHLBARKEIT DES LEBENSSTILS 13
6. DER DEUTSCHE SONDERWEG 14
7. WEGE AUS DEM DILEMMA NACH OTTE 15
8. FAZIT 16
9. LITERATUR 18
2
1. Einleitung
Lange Zeit wurde die Analyse der Sozialstruktur durch Klassen- und Schichtungsmodelle durchgeführt. Dabei wurde das Klassenmodell zur Erklärung der Herausbildung von Gruppen mit ungleichen Lebensbedingungen aus ihrer unterschiedlichen Stellung im Wirtschaftsprozess und den sich daraus ergebenden Herrschafts- und Konfliktkonstellationen herangezogen; Schichtungsmodelle halfen bei der Beschreibung der Struktur von sozialer Ungleichheit, indem die Struktur der sozialen Ungleichheit als ein vertikal abgestuftes Gefüge von Gruppierungen mit jeweils besseren oder schlechteren Lebensbedingungen abgebildet wurde. Die Lebensbedingungen stehen hierbei in einem mehr oder minder engem Zusammenhang mit der jeweiligen beruflichen Stellung.
Die Lebensstilforschung stellt die Lebensführung in den Mittelpunkt des Interesses, um ein akteurnäheres, erklärendes Verstehen des sozialen Handelns zu erlangen. Dabei wird davon ausgegangen, dass nicht eine Art von Handlungsbedingungen, z.B. die Klassenlage, die Ursache für die Lebensführung darstellt, sondern eine vielzahl von Lagemerkmalen. Diese Hausarbeit wird eine sehr grundlegende Gegenüberstellung der gängigen Begriffe der Ungleichheitsforschung bieten, bevor auf die Geschichte der Lebensstilforschung eingegangen wird. Hierbei wird vorerst der Schwerpunkt auf die Anfänge der Lebensstilforschung gelegt, bevor auf die besondere Entwicklung in Deutschland eingegangen wird und schließlich die aktuelle Lebensstilforschung aus der Sicht von Gunnar Otte, die er in der Abhandlung Hat die Lebensstilforschung eine Zukunft? (Otte 2005) beschreibt, kritisiert wird. Abgeschlossen wird diese Arbeit mit einer kritischen Bewertung der Vorschläge, die Otte zur Verbesserung der Lebensstilforschung macht. Auf die Analysemethoden der Lebensstilforschung wird in dieser Arbeit nur sehr begrenzt eingegangen, da alleine die Darstellung und Bewertung der einzelnen multivariaten Methoden eine Hausarbeit für sich wären.
Wenn im Weiteren nur eine Geschlechtsform genannt wird, sind in jedem Fall beide Geschlechter gleichberechtigt gemeint.
2. Abgrenzung zu verwandten Begriffen
Mit dem Begriff Lebensstil wird in der Soziologie versucht, Ungleichheit in der Gesellschaft und deren Sozialstruktur zu beschreiben. Da die Lebensstilforschung nicht der einzige Zweig der Soziologie ist und andere Erklärungsversuche teilweise ähnliche Ansätze verfolgen, werden im Folgenden einige Begriffe der Sozialstrukturanalyse erklärt und damit vom Begriff Lebensstil abgegrenzt. In diesem Abschnitt soll eine kurze Definition der Begriffe Kaste, Stand, Klasse, Schicht, Milieu und Lebensstil gegeben werden und dargestellt werden was der jeweilige Begriff zur Erklärung der Ungleichheit beitragen kann und wo seine Schwächen liegen. Die komplette Fülle der jeweiligen Begriffe kann hier jedoch nicht geleistet werden und es gibt auch schon verschiedene Nachschlagewerke, die die Begriffe in ihren unterschiedlichen Aspekten darstellen.
2.1 Kaste
Kaste (Wortursprung im Portug.: casta = unvermischt, rein - ist vom lat. Wort castis = keusch abzuleiten) bezeichnet die Gliederung der Gesellschaft nach der die Zugehörigkeit zu einer Kaste durch die Geburt bestimmt ist. Das Verlassen einer Kaste ist ausgeschlossen und Heirat ist nur innerhalb der Kaste möglich. Die Mitglieder der Kasten verbleiben folglich ihr gesamtes Leben in einer Kaste, mitunter weil die sozialen Unterschiede zwischen den einzelnen Kasten groß sind und als unüberwindbar gelten.
Durch die Zugehörigkeit zu einer Kaste werden Lebensumstände, Privilegien, Pflichten und Ansehen bestimmt. Sie bestimmt also in extremer Weise das Handeln, die Berufszugehörigkeit und den Status der Mitglieder. Gleichzeitig wird das Kastensystem nicht als sozioökonomisches Faktum betrachtet, sondern ist für die Mitglieder von Kastengesellschaften Teil eines "überweltlichen Ganzen" (Thieme 2003, 165) und Ausdruck der Wiedergeburt, da durch die Wiedergeburt die Geburt in eine andere Kaste möglich ist. Der religiöse Glaube erklärt und legitimiert somit das Kastensystem und trägt zur Unveränderbarkeit des Systems bei.
In westlichen Gesellschaften kann man nicht von Kastengesellschaften sprechen. In der Literatur wird immer wieder Indien als Beispiel für eine Kastengesellschaft angegeben, aber
auch hier kann nur noch schwerlich von einer Kastengesellschaft gesprochen werden, da sich im Laufe der Zeit die vier Hauptkasten (Priester-Kaste der Brahmanen; Krieger- und Herrscherkaste der Kschatrija oder Rajanja; Händler-, Bauern- und Handwerker-Kaste der Waischja und die Diener-Kaste der Schaudra) mittlerweile in über 3.000 Unterkasten unterteilen haben und somit in einem so hohen Maße diversifiziert haben, das die Vermutung nahe liegt, dass die neuen Kasten sich dadurch gebildet haben, dass ihre Mitglieder nicht mehr in das alte Kastenschema reingepasst haben. Ein weiteres Zeichen für die Auflösung der Kastengesellschaft in Indien ist die zunehmende Partizipation am gesellschaftlichen Leben der Parias. So können diese mittlerweile Volksvertreter werden und sind nicht per se als aus der Gesellschaft ausgegrenzt. Letztlich haben sowohl westliche Einflüsse als auch andere Religionen zu einer veränderten Form der Ungleichheit im indischen Kastensystem geführt. Ob der Begriff Kaste für die Ungleichheitsforschung von Nutzen sein kann, ist umstritten: Zwar kann die extreme Abgeschlossenheit von einzelnen Statusgruppen innerhalb einer Gesellschaft erklärt werden, jedoch wird bei der Verwendung des Begriffes zumeist die Legitimation für die Mitgliedschaft (Zugehörigkeit durch Geburt, religiösen Glauben) in einer Kaste vernachlässig und ist damit nicht immer trennscharf für die Soziologie zu gebrauchen. (vgl. Thieme 2002; 2003)
2.2 Stand
Mit Stand bezeichnet man eine Figuration, deren Angehörige hinsichtlich ihres Berufs, ihrer Rechte und Pflichten sowie ihrer gesamten Lebensumstände strengen sozialen Zwängen unterworfen sind. Dies kann nicht nur bestimmte Privilegien mit sich bringen, sondern auch eine spezifische Mentalität der Angehörigen eines bestimmten Standes. Wie bei einer Kaste, werden die Individuen in einen Stand hinein geboren, daher können Ständegesellschaften als Abstammungsgesellschaften gelten. Jedoch sind in einer Ständegesellschaft Ausnahmen möglich, ohne, wie bei einer Kastengesellschaft, als schutz-und rechtlos zu gelten. Unehrenhafte und Vogelfreie gab aber auch in ständischen Gesellschaften. Die Figuration der Unterständischen hat zum Teil ein Drittel der Bevölkerung ausgemacht und bestand aus Angehörigen sogenannter unehrenhafter Berufe, wie Abdecker oder Henker, aber auch Tagelöhner, Bettler oder Angehörigen fremder Religionen. Ein Aufstieg in einen höheren Stand ist durch Berufung eines Angehörigen des höheren Standes möglich und ein Abstieg ist durch unstandesgemäßes, also dem Normenkodex des Standes
Arbeit zitieren:
Patrick Dennert, 2007, Hat die Lebensstilforschung eine Zukunft?, München, GRIN Verlag GmbH
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