Vorwort
„Fast alle Sitten und Gebräuche der Ägypter sind der Lebensweise der anderen Menschen entgegengesetzt. […]Bei ihnen sitzen die Weiber zu Markte und handeln, die Männer aber sitzen zu Hause und weben.“ 1
So berichtet der griechische Historiker Heredot i von seiner Reise nach Ägypten im 5. Jahrhundert v.Chr.
Für ihn muss dies eine bedeutsame Erfahrung gewesen sein, da Ägypten das einzige Land der antiken Welt war, in dem Frauen als gleichberechtigt galten, d.h. Rechte und Freiheiten besaßen, von denen ihre griechischen und römischen Geschlechtsgenossinnen nur träumen konnten.
Fast frustrierend hingegen wirkt es, wenn man die heutige Situation in Ägypten betrachtet. bedenkt man, dass junge Frauen wieder Schleier tragen, der auch als Sinnbild der unterdrückten Frau verstanden wird und dieses Phänomen zunehmend im Trend liegt 2 , kann man heute kaum glauben, dass die ägyptische Frau in der Vergangenheit als frei und unabhängig angesehen wurde.
In der folgenden Seminararbeit möchte ich die Stellung der Frau, im Hinblick auf gesellschaftliche wie auch politische und religiöse Aspekte, untersuchen und unter anderem diese Fragen, die sich mir im Laufe der Zeit gestellt haben, beantworten. Wie waren die Beziehungen zwischen Männern und Frauen? Wie sah die Umwelt die Frauen? In welcher Form war die Ehe gestaltet? Wie sah die rechtliche Situation der Frau aus?
Kann man die Frau im alten Ägypten als Prototyp der emanzipierten Frau sehen, oder war sie doch nicht so frei, wie sie auf den ersten Blick gewesen zu sein schien.
1 Schulze, P.: Frauen im alten Ägypten. Selbstständigkeit und Gleichberechtigung im häuslichen und
öffentlichen Leben. Bastei Lübbe,1993 Bergisch Gladbach S. 9
2 El Ahl,Amira: Wie der Schleier Ägypten erobert, 28.5.2010
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,560220-2,00.html,
2
Inhaltsverzeichnis
Vorwort 2
1. Einleitung 4
1.1 Gesellschaft 4
2. Das Frauenbild 5
3. Soziale Stellung 7
3.1 Das Verhältnis zwischen Mann und Frau 7
3.2 Heirat, Hochzeit und Ehe 7
4. Rechtliche Stellung 10
5. Berufliche Stellung 10
6. Einfluss der griechisch-römischen Epoche 11
7. Politische Stellung 12
7.1 Die Königsgemahlin 12
7.2 Regentinnen 13
8. Religiöse Stellung 15
9. Fazit 16
10. Anhang
11. Literaturverzeichnis
3
1. Einleitung
Die in dieser Seminararbeit behandelte Zeitspanne beginnt mit dem Anbruch der dynastischen Epoche um 3000 v. Chr. und endet mit der Eroberung Ägyptens durch Alexander dem Großen im Jahr 332 v. Chr. ii
Es ist beachtlich, dass in einer Zeitspanne von über 2500 Jahren das „System“ der ägyptischen Gesellschaft sich nur minimal verändert hat. 3 Obwohl es Veränderungen gab, waren diese nicht tief einschneidend, sodass sich die alte Struktur überwiegend durch die gesamte dynastische Epoche durchgezogen hat.
Die Analyse der drei Reiche, im Hinblick auf politische Umstände, würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen. Allgemein kann man sagen, dass Ägypten meistens von offiziellen Pharaonen regiert wurde, obwohl es durchaus Zeiten der Fremdherrschaft und innerer Instabilität gab. 4
1.1 Gesellschaft
Um Aussagen zu einer bestimmten Gruppe in der Gesellschaft zu machen, muss man sich immer zuerst das System der jeweiligen Gesellschaft vor Auge führen. Für Ägypten galt die sog. „Gesellschaftspyramide“ dh. an erster Stelle stand der Pharao, der König, zugleich Gott gewordener Mensch und Repräsentant der Götter auf der Erde. Er war zugleich oberster Richter und Priester, sowie Oberhaupt der Armee und der Verwaltung. Weit unter ihm folgte die kleine Oberschicht, bestehend aus der Königsfamilie und anderen privilegierten Familien, sowie den Hohepriestern und hochrangigen Generälen und Beamten. Die Mittelschicht setzte sich zusammen aus gebildeten Schreibern und Buchhaltern, sowie den ungebildeten Handwerkern, Tischlern, Töpfern und Bildhauern. Am untersten Ende der Pyramide standen die Söldner und Bauern, die den größten Teil der Bevölkerung ausmachten.
Soziale Mobilität trat selten auf 5 , was teilweise an der traditionellen Erziehungsweise der Ägypter lag. So war die Erziehung und Entwicklung junger Mädchen vorbestimmt. Jedes junge Mädchen sollte heiraten und Kinder gebären. Tradition und Ordnung spielte im alten Ägypten eine große Rolle und so akzeptiere jede/r ihre/seine Rolle, die er/sie in der
3 Tyldesley, J.: Töchter der Isis Die Frau im alten Ägypten, München, 1996, S.24
4 ders., a.a.O., S.17-22
5 ders., a.a.O., S.24
4
Gesellschaft zu spielen hatte. 6 Außerdem kam hinzu, dass die Führung eines Haushalts enorm viel Zeit beanspruchte und so zu einer „Vollzeitarbeit“ wurde, die es den Frauen unmöglich machte eine zeitraubende andere Arbeit auszuüben.
Das Quellenmaterial (Grabmalereien, Skulpturen, Literatur), welches ausschlaggebend für die Untersuchung einer antiken Kultur ist, lässt sich nur schwer auf die gesamte Bevölkerung übertragen, da man fast ausschließlich Fundstücke aus Tempeln und Grabstätten der Oberschicht entdeckt hat. iii
Erschwerend kommt hinzu, dass nur sehr wenige Frauen schreiben konnten, sodass das Quellenmaterial auf männlicher Sichtweise beruht und man selten persönliche Einblicke in das Leben einer Frau erhält. 7
2. Das Frauenbild
Das Frauenbild, welches man heute von der altägyptischen Frau hat, bezieht sich, wie bereits genannt, auf die Sichtweise der Männer. Hierbei kann man die Einstellung gegenüber der ägyptischen Frau aus zwei verschiedenen Sichtweisen betrachten: Einblicke bieten die Analyse der Kunst und die Untersuchung des Rechtssystems. Die wichtigste Funktion der Frauen, die in Grabgemälden dargestellt wurde, war die Rolle der Ehefrau, Mutter und Tochter. Folglich traten Frauen nur als Angehörige eines Mannes auf und blieben so in einer passiven und unterstützenden Nebenrolle dar.
6 ders., a.a.O., S.24
7 Tyldesley, Joyce: Töchter der Isis Die Frau im alten Ägypten, München S.38
8 ders., a.a.O., S.38
5
Ausnahme waren die Grabgemälde der ägyptischen Königinnen, welche sich auch allein abbilden ließen.
Jedoch zeigt gerade die Abbildung von Frauen in den Gräbern, wie sehr diese von ihren Ehemännern, Söhnen und Vätern geschätzt und verehrt wurden. In der Literatur begegnet einem das gleiche Problem und deshalb muss man davon ausgehen, dass auch die meiste Liebesprosa von Männern verfasst wurde, welche aber auch Aufschluss über die Einstellung der Männer gegenüber der Frau gibt.
„Bei deinem Anblick leuchten meine Augen, und ich dränge heran um dich, Geliebter ohnegleichen und Verführer meines Herzens, anzuschauen. Oh, würde das Glück dieser Stunde ewig währen! Seit ich mit dir geschlafen habe, ist mein Herz erwacht. Verlass mich nie!“
Liebeslied aus dem Neuen Reich 9
Auszüge aus Gedichten und Liedern zeigen, dass auch Mädchen und junge Frauen ihre erotischen Gefühle und Wünsche offen zum Ausdruck brachten. Auch erkennt man in diesem Ausschnitt des Gedichts die Einstellung der Ägypter zur Sexualität. Dass die Frau hier ihre sexuellen Bedürfnisse darstellt, verdeutlicht die Offenheit der ägyptischen Gesellschaft im Umgang mit Sexualität und es war normal, dass auch Frauen Männer begehren konnten und dies auch ausdrückten. Dieser lockere Umgang mit der Sexualität bzw. der offenen, ungebundenen Liebe zwischen zwei unverheirateten Personen wurde durchaus akzeptiert. 10 In der sonstigen Literatur tritt die Frau meist, wie auf den Gemälden, als Stütze des Mannes auf. In Malerei und Bildhauerei hingegen verkörperte sie die pflichtbewusste Ehefrau, Mutter und Tochter.
9 Tyldesley, Joyce: Töchter der Isis Die Frau im alten Ägypten, München S. 48
10 Schulze, Peter H.: Frauen im alten Ägypten. Selbstständigkeit und Gleichberechtigung im häuslichen und
öffentlichen Leben. Bastei Lübbe , Bergisch Gladbach, 1996 S. 64
6
Arbeit zitieren:
Benjamin Leibold, 2010, Frauen im alten Ägypten, München, GRIN Verlag GmbH
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