A. Einleitung
In der vorliegenden Hausarbeit wird ein Versuch unternommen das Gemälde von Edouard Manet »Das Frühstück im Freien« und das Kunstwerk von Giorgione »Ländliches Konzert« zu beschreiben. Es wir nicht auf die ikonografische Analyse eingegangen. Zum Schluss werden die beiden Werke auf ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede untersucht.
B. Bildbeschreibung der Gemälde von Edouard Manet
»Frühstück im Freien« und von Giorgione da
Castelfranco »Ländliches Konzert«
I. Edouard Manet »Das Frühstück im Freien«, 1863, Paris, Musée d`Orsay.
1. Hintergrund zum Gemälde
1863 nahm Manet an der Ausstellung im Salon der zurückgewiesenen Gemälde teil, wo sein Gemälde »Das Frühstück im Freien« das erste Mal zu sehen war. Vierzig Juroren des Salons haben das Gemälde abgelehnt mit gut der Hälfte der 5000 eingesandten Werke. Die Bourgeois verlangte keine wahrheitsgetreuen Darstellungen der Realität, sondern bevorzugte Lieblichkeit und Idealisierung in der Malerei. Nach diesen Gesichtspunkten wurden die Kunstwerke von der Jury ausgewählt. Die abgelehnten Künstler protestierten gegen diese Entscheidung und der Kaiser befiel den Zurückgewiesenen eine Möglichkeit zu geben, parallel zum offiziellen Salon ihre Werke in einem Salon der »Refusés« zeigen zu dürfen. Kaiser Napoleon III. war empört, als er 1863 Manets Gemälde zu Gesicht bekam. 1 Zu viele grelle Farben und noch dazu eine nackte Frau mit zwei bekleideten Herren. Die nackte Frau schaute den Betrachter des Gemäldes an und ihre Gestalt war nicht, diejenige einer schönen Dame. Für den ausgestreckten Mann rechts im Bild standen Manets Brüder Eugène und Gustave abwechselnd Modell. Manets späterer Schwager Ferdinand Leenhoff saß als Vorbild für den auf der linken Seite platzierten Mann. 2 Das Modell für die Frau im
1 Rose- Marie & Rainer, Hagen: Bildbefragungen. Meisterwerke im Detail. Band III. Köln 1997, S. 157-161.
2 Beatrix, Ahrens: Die Dejeuner-Malerei von Edouard Manet, Claude Monet und Pierre-Auguste Renoir. Untersuchung zur Darstellung von Mahlzeiten in der Zeit des französischen Imressionismus. Inaugural-
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Mittelgrund ist nicht bekannt, aber Antonin Proust sprach in seinen Souvenirs von einer kleinen Jüdin, die Manet zufällig entdeckt hatte. 3 Die dargestellte nackte Frau im Vordergrund ist Manets Lieblingsmodell Victorine Meurent. 4 Durch die Art und Weise wie sie sich im Gemälde selbst präsentiert, entstand ein Skandal, denn die Nacktheit der jungen Frau ist nicht an eine göttliche oder mythologische Person geknüpft, sondern stellt eine wirkliche Person dar. Die Idee zum »Frühstück im Freien«, erzählt Proust, sei dem Maler an einem schönen Sommertag gekommen. Die Gruppe hat sich am Seineufer in Argenteuil getroffen. »Frauen badeten, Manet blickte gebannt auf das Fleisch derjenigen, die aus dem Wasser stiegen. ›Es scheint‹, sagte er zu mir, ›dass ich einen Akt malen muss. Nun, ich werde ihnen einen Akt machen. Man wird mich verreißen. Soll man sagen, was man will!‹« 5 Manet war es bewusst, dass man ihn verdammen würde, weil er in seinem Gemälde nicht eine Venus zeigte, wie Cabanel, zu deren Wesen Nacktheit gehört. Manet nahm sich unter anderem Giorgiones Gemälde das »Ländliche Konzert« im Louvre zum Vorbild. 6 Giorgione zeigt zwei nackte Frauen mit bekleideten Kavalieren. Was die Figurenkomposition betrifft, übernahm Manet diese bei dem Stecher Marcantonio Raimondi, der in einem Kupferstich eine verlorengegangene Bildkomposition Raffaels darstellte. Der Stich mit dem Urteil des Paris zeigt in der rechten unteren Bildecke eine Dreiergruppe mit einer Nymphe und zwei Flußgöttern. 7 Nach Informationen von Tabarant ist »Das Frühstück im Freien« in Manets Atelier in der Rue Guyot entstanden. 8 Das Gemälde sollte ursprünglich ›La Partie carrée‹, die Zusammenkunft zu Viert heißen, für den Salon wurde das Kunstwerk in »Le bain« umbenannt, später als »Le déjeuner sur l’herbe« bekannt und meist mit »Frühstück im Freien« oder »Frühstück im Grünen« übersetzt. 9 Bis zum Jahr 1878 blieb das Werk in Manets Atelier, danach erwarb es Durand-Ruel und verkaufte das Gemälde an Faure. Zwanzig Jahre später gelangte es erneut in den Besitz von Durand-Ruel und er veräußerte das Kunstwerk im Jahr 1898 an Étienne Moreau-Nelaton. Nach seinem Tod
Dissertation. Ludwigshafen am Rhein 2006, S.59, http://www.freidok.uni-
freiburg.de/volltexte/3125/pdf/Diss_Freidok.pdf, [22.06.2010].
3 Ahrens (2006), S.59.
4 Werner, Hoffmann: Edouard Manet. Das Frühstück im Atelier. Augenblicke des Nachdenkens. Frankfurt am Main 1987.
5 http://de.wikipedia.org/wiki/Das_Fr%C3%BChst%C3%BCck_im_Gr%C3%BCnen_(Manet),[17.06.201 0].
6 Hans, Körner: Anstößige Nacktheit. »Das Frühstück im Freien« und die »Olympia« von Edouard Manet. In: Karl Möseneder (Hrsg.): Streit um Bilder. Von Byzanz bis Duchamp. Berlin 1997, S.181-199.
7 Ganzer Absatz, Körner (1997), S.181-199.
8 Adolphe Tabarant, Manet et ses oeuvres, Paris 1947, S.61.
9 Ahrens(2006), S.59.
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vermachte Moreau-Nélaton seine Sammlung dem Staat. 1934 gelangte »Das Frühstück im Freien« in den Louvre und von dort in das Musée d’Orsay. 10
2. Beschreibung des Kunstwerkes
Das Gemälde ist von Edouard Manet, einem französischen Maler der von 1832 bis 1883 gelebt hat, und trägt den Titel »Frühstück im Freien«. Das Werk wird auf 1863 datiert. Der Künstler malte das Gemälde mit Ölfarben auf eine Leinwand. Die Maße sind 208 Zentimeter in die Breite und 264 Zentimeter in die Höhe. Das Kunstwerk befindet sich in Paris im Musée d`Orsay. 11 Der Künstler wählte das Querformat für die Darstellung seines Werkes. Es befindet sich keine Signatur auf der Maloberfläche. Das Gemälde wird dem neuen französischen Realismus zugeschrieben. Manet galt als Wegbereiter der Impressionisten.
Als erstes fällt der Blick des Betrachters auf die Dreiergruppe im Bildzentrum, die sich in der nähe eines Flusses niedergelassen hat. Die dargestellten Figuren sind lebensgroß. Die Gruppe besteht aus zwei elegant gekleideten Herren, die in der Lichtung eines Auwaldes mit einer völlig nackten Dame sitzen und picknicken. Links von der Mittelachse sitzt die Dame mit einem der Begleiter, dem gegenüber sich in der rechten Bildhälfte der Andere ausgestreckt hat. Die drei Figuren im Vordergrund bilden eine geschlossene Gruppe in Form eines Ovals. Die Gruppe wird von einer eigenen von vorne kommenden Lichtquelle bestrahlt. Oberhalb der Figurengruppe steht eine Frau in der Ferne gebückt im Wasser. Links von ihr ist ein Kahn an das Ufer angelegt, dass im Verhältnis zu ihr ziemlich klein erscheint. Während sie noch im kühlen Seinewasser steht, ruhen sich die Drei im Vordergrund aus und unterhalten sich in der Hitze des Nachmittags. Neben ihnen liegen die Reste eines Imbisses: ein Körbchen mit Kirschen, einem Brötchen und einem leeren Kristallflakon. Eine pyramidenförmige 12 Kompositionsfigur entsteht, wenn man die Figurengruppe im Vordergrund mit der weiblichen Figur im Mittelgrund zusammenschließt, an deren Spitze die Badende steht. Das Gesamtgeschehen wird wie von einem Rahmen durch die dunkelgrünen Laubbäume begrenzt. Im Hintergrund wird eine Wiese, Ackerland und Berge sichtbar. Der Himmel öffnet sich aus dem Dickicht der Äste nur langsam dem Betrachter.
10 Ahrens (2006), S.58-60.
11 Karin Thomas, Fritz Seydel und Hubert Sowa (Hrsgg.): Kunst. Bildatlas. Stuttgart 2007, S. 126-127.
12 Körner (1997), S.181-199.
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Im Vordergrund sitzt die junge Frau, das Modell Victorine Meurent. Sie zeigt ihren Körper im Profil und sitzt aufrecht. Ihr linkes Bein hat sie angewinkelt und das Linke untergeschlagen. Der Bauch bildet eine Bauchfalte und ihre Brüste schauen unter dem Oberarm hervor. Sie stützt den Ellbogen ihres linken Armes am Knie ab. Dabei hat sie die Hand ans Kinn geführt und blickt den Betrachter des Gemäldes mit ihren dunklen Augen an. Sie zeigt sich nicht überrascht. Victorine’s Gesicht weist männliche Züge auf. Sie hat eine markante Nase und betonte Backenknochen sowie ein sehr bleiches Inkarnat. Ihre Augenbrauen sind kaum sichtbar, nur der Ansatz am Nasenbein ist zu erkennen. Die Lippen sind schmal und leicht rötlich. Ihr rotblondes Haar ist zu einer Hochsteckfrisur aufgetürmt und versteckt halb ihr rechtes Ohr. Sie ruht auf ihrem gerade eben abgelegten hellblauen Untergewand, ein blau-weiß schimmerndes Stück Stoff verdeckt ihr rechtes Bein, wobei ihr nackter Fuß noch zu bemerken ist. Der Restliche Stück Stoff dient ihr als Sitzdecke. Sie bildet die hellste Fläche im Gemälde, dadurch fällt der Blick des Betrachters wie von selbst auf sie. Sie stellt die Hauptperson im Bild dar, die durch ihre Nacktheit, aber noch mehr durch ihre Gestik und Haltung den Betrachter verführt und ihn dazu bringt sie nicht als eine idealisierte nackte Gottheit anzusehen, sondern als eine ausgezogene nackte Frau. Neben ihr sitzt in zurückgeneigter Haltung ein nach der neuesten Mode gekleideter junger Mann, Ferdinand Leenhoff 13 , mit einem braunen Jackett, einer schwarzen Krawatte und einer weißen Stoffhose. Das Jackett ist mit einem Knopf verschlossen und fällt leicht vom Körper ab. Sein Gesicht ist nach vorne gewand. Seine Beine sind ausgestreckt und die genaue Stellung ist nicht zu erkennen. Sein rechtes Bein ist ein wenig nach außen vom Körper angewinkelt. Die linke Hand legt er über das Knie und nur der Daumen und ein Drittel des Handrückens ist zu bemerken. Die rechte Hand ist auf den Boden abgestützt und blitzt halb hervor hinter Victorine’s Gesäß. Ferdinand hat kurzes gelocktes braunes Haar, einen Bart, der unter dem Kinn bis zum Haaransatz verläuft. Über der Oberlippe ist ein Schnurrbart und seine volle Unterlippe ist ein wenig nach außen gewölbt. Er blickt am Betrachter vorbei ins Leere und scheint über etwas nachzusinnen. Der Mann rechts von der Mittelachse, der sich als Gustave Manet 14 identifizieren lässt, hat sich nach hinten gelehnt und hat die rechte Hand in einem Zeigegestus erhoben. Mit dem linken Ellbogen stützt er sich auf dem Gras ab und hält einen kleinen Spazierstock in der linken Hand. Er hat einen dichten pechschwarzen Backenbart und leicht lockiges Haar, das unter der Quastenmütze hervorschaut. Sein Gesicht ist nur im Profil zu sehen.
14 Ahrens(2006),S.59.
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Arbeit zitieren:
Anna Levandovska, 2010, Beschreibung und Vergleich des Gemäldes von Edouard Manet "Das Frühstück im Freien" und des Kunstwerks von Giorgione "Das Ländliche Konzert", München, GRIN Verlag GmbH
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