- 2 - Einleitung
In dieser Ausarbeitung geht es vorwiegend um die Frage: Welche Aufgaben darf eine Frau aufgrund der Bibel in einer Kirche übernehmen und gibt es Aufgaben, die sie nicht übernehmen darf?
Die beiden folgenden Bibeltexte werden in der Regel bei der Klärung dieser Frage erwähnt:
- 1 Tim 2,12:
«Ich erlaube aber einer Frau nicht zu lehren, auch nicht über den Mann zu herrschen, sondern ich will, dass sie sich in der Stille halte.»
- 1 Kor 14,34:
«… sollen die Frauen in den Gemeinden schweigen, denn es wird ihnen nicht erlaubt, zu reden, sondern sie sollen sich unterordnen, wie auch das Gesetz sagt.»
Es ist nun unsere Aufgabe, herauszuarbeiten, was die Schreiber dieser Bibeltexte und damit Gott den damaligen Lesern sagen wollte. Ich nehme als Basisbibeltext 1 Tim 2,8-14. Aus diesem Basistext werde ich vier Aussagen je einzeln, jedoch auf gleiche Weise näher untersuchen, wobei sich auf den ersten Blick nur die dritte und vierte Aussage mit dem Thema «die Mitarbeit der Frau in der Kirche» beschäftigen. Aber dieser «Umweg» über die erste und die zweite Aussage wird uns enorm helfen, die dritte und die vierte Aussage besser zu verstehen.
- 3 - Vorabden gesamten Basisbibeltext und die entsprechende Aufgliederung in die vier Aussagen (rechts in den Kästchen), die wir einzeln untersuchen werden: 1 Tim 2,8-14:
8
Ich will nun, dass die Männer an jedem Ort beten, indem sie heilige Hände aufheben …,
9 ebenso, dass auch die
Frauen sich in würdiger Haltung mit Schamhaftigkeit und Sittsamkeit schmücken, nicht mit Haarflechten und Gold oder Perlen oder kostbarer Kleidung
10 sondern mit dem, was Frauen geziemt,
die sich zur Gottesfurcht bekennen, durch gute Werke
11 Eine Frau lerne in der Stille in aller Unterordnung 12 Ich erlaube aber einer Frau nicht zu lehren, auch nicht über den Mann zu herrschen, sondern ich will, dass sie sich in der Stille halte, 13 denn Adam wurde zuerst gebildet, danach Eva
14 und Adam wurde nicht betrogen, die Frau aber wurde betrogen und fiel in Über- tretung.
- 4 - 1.Aussage: Wie Männer beten sollen
Zuerst nochmals den Basisbibeltext 1 Tim 2,8:
«Ich will nun, dass die Männer an jedem Ort beten, indem sie heilige Hände aufheben ...»
Diese erste Aussage bietet uns die Möglichkeit zwei Arten der Auslegung nebeneinander hinzustellen und zu vergleichen
- erstens: eine «Buchstabenauslegung»
- zweitens: eine Auslegung, die versucht, das tatsächliche Anliegen des Bibeltextes verständlich zu machen
Eine Unterscheidung dieser beiden Arten der Auslegung wird ganz entscheidend sein, wenn wir später in diesen Unterlagen die Aussagen über die Frau in der Gemeinde bearbeiten werden. 1) «Buchstabenauslegung
- Das hier verwendete griechische Wort für Ort (topos) kann übersetzt werden mit
- Ort
- Stelle
- Stätte
- Platz
- Gegend
Laut einer «Buchstabenauslegung» muss ein Mann anhalten, wenn er an einen neuen Ort (Ortschaft), an eine neue Stelle, eine neue Stätte, einen neuen Platz oder in eine neue Gegend kommt, und sofort die Hände nach oben gerichtet beten, wenn er diesem Bibeltext voll gehorsam sein will, wobei nur diese eine Gebetshaltung mit nach oben ausgestreckten Händen akzeptiert wird. Dazu einige Fragen:
- Und wenn er mit dem Zug unterwegs ist? Der Zug kann doch nicht ständig anhalten, damit ich schnell mein Gebet verrichten kann.
- An welchen Orten, Stellen, Plätzen muss ich anhalten und beten?
- Und wie ist es, wenn ich die Hände nicht aufhebe beim Beten? Erhört mich Gott dann nicht?
2) Eine Auslegung, die versucht, das tatsächliche Anliegen des Bibeltextes verständlich zu machen
- Wo beten:
- Gott will, dass auch Männer beten, nicht nur die Frauen. Und beten können wir überall und (an die damaligen Leser gerichtet) nicht nur im Tempel als einen festen Ort. Gott ist nahe allen, die ihn anrufen (Psalm 145,18), egal wo. Im Gespräch mit der Samariterin, die gegenüber Jesus erklärte, an welchen Orten ihre Väter Gott angebetet haben, sagt ihr Jesus, dass der Zugang zu Gott nicht an einen Ort gebunden ist, sondern dass Gott alle hört, die «den Vater im Geist und in der Wahrheit anbeten» (Joh 4,19-24), egal, an welchem Ort sie beten. Gott ist auch im stillen «Kämmerlein» bei uns und hört uns, wenn wir beten (Mt 6,6), obwohl das stille „Kämmerlein“ kein sakraler Ort im eigentlichen Sinn ist.
- Sie merken, mit dieser Auslegungsart, indem wir «die Bibel durch die Bibel» auslegen, kommen wir dem eigentlichen Anliegen eines Bibeltextes viel näher.
- 5 - - Wiebeten:
- Hier eine ausführlichere Zusammenstellung der verschiedenen Gebetshaltungen in der Bibel:
3) Anwendung dieser Auslegung auf unseren Basisbibeltext 1 Tim 2.8: «Ich will nun, dass die Männer an jedem Ort beten, indem sie heilige Hände aufheben …»
Aufgrund all der oben aufgelisteten Bibeltexte erkennen wir, dass es nicht nur das Gebet mit erhobenen Händen gab, sondern auch das Stehen vor Gott, die Augen zum Himmel gerichtet, Knien, usw. Folglich kann man aufgrund unseres Basisbibeltextes 1. Tim. 2,8 nicht sagen, dass Männer nur mit erhobenen Händen beten dürfen, wenn sie erhörlich beten wollen, obwohl in unserem Basisbibeltext 1. Tim 2,8 nur diese Form erwähnt wird. Übrigens kommt das Beten mit gefalteten Händen, wie wir es mehrheitlich gewohnt sind, in der Bibel überhaupt nicht vor. Trotzdem erhört Gott, weil es ihm eben um ein viel grösseres Anliegen geht als um eine äussere Haltung. Es geht ihm um ein Anliegen, das mit der «Buchstabenauslegung» gar nicht erfasst wird, sondern uns in eine gesetzliche, rein religiöse Sackgasse führt.
Anders gesagt: Wir müssen die Bibel durch die Bibel auslegen, wir müssen die Gesamtsicht der Bibel aufgrund der verschiedenen Bibeltexte und damit die tatsächliche Sicht von Gott herausarbeiten, auch dann, wenn es später in dieser Ausarbeitung um die Frage der Mitarbeit von Frauen in Gottes Gemeinde geht.
- 6 - 2.Aussage: Über das Kleiden und Schmucktragen
der Frauen
Wobei in dieser Ausarbeitung besonders das Tragen von Schmuck berücksichtigt wird. Zuerst wieder die entsprechende Stelle aus unserem Basisbibeltext 1 Tim 2,9: «… ebenso, dass auch die Frauen sich in würdiger Haltung mit Schamhaftigkeit und Sittsamkeit schmücken, nicht mit Haarflechten und Gold oder Perlen oder kostbarer Kleidung.»
1) Schmuck in direktem Zusammenhang mit Gott erwähnt:
- 2 Mo 28: In diesem ganzen Kapitel wird ausführlich das Priestergewand beschrieben, welches äusserst reich geschmückt war mit Gold, wertvollen Stoffen und Edelsteinen.
- 2 Mo 35,22: «Männer und Frauen holten bereitwillig ihre Spangen, Ohrringe, Ringe, Halsketten und anderen Goldschmuck als Gabe für den Herrn.»
- Weitere Bibeltexte: 4 Mo 31,50-52 / 2 Mo 32,35-33,6 2) Wie verschiedene Personen in der Bibel mit Schmuck umgingen:
- 1 Mo 41,42: «Pharao nahm den Siegelring mit dem königlichen Wappen von seinem Finger und steckte ihn Josef an. Dann gab er ihm kostbare Kleidung und legte eine goldene Kette um seinen Hals.»
- 1 Mo 24: Es geht hier um den Knecht, der Isaak eine Frau (die Rebekka) suchen musste. V. 22: «Als Rebekka die Kamele versorgt hatte, schenkte er ihr einen wertvollen, goldenen Nasenring, der 6 Gramm wog, und zwei goldene Armreife zu je 120 Gramm.» Vers 47: «Da schenkte ich ihr den Ring und die Armreife.»
- Est 2,10-12: Königin Esther wurde in ein Frauenhaus des Schlosses Susa gebracht, um dort gepflegt zu werden. V. 12: «Wenn nun die Reihe an ein jedes der Mädchen kam, zum König Ahasveros hineinzugehen, nachdem es gemäss der Vorschrift für Frauen zwölf Monate lang behandelt worden war - denn so wurden die Tage ihrer Schönheitspflege voll, nämlich sechs Monate mit Myrrhenöl und sechs Monate mit Balsamölen und mit anderen Schönheitsmitteln für Frauen.»
- Psalm 45: Hier berichtet die Bibel über einen gottesfürchtigen, vorbildlichen König (V. 2-8). Von ihm steht geschrieben:
- dass Gott ihn gesegnet hat für ewig (V. 3)
- dass der König gottloses Treiben hasse (V. 8)
Nun lesen wir aber von exakt demselben König und seiner Braut auch folgendes:
- «Deine Kleider sind lauter Myrrhe, Aloe und Kassia = Duftstoffe, Parfums (V. 9)
- «In deinem Schmuck gehen Töchter vor Könige» (V. 10)
- «Die Braut steht zu deiner Rechten in Goldschmuck aus Ofir» (V. 10)
- «Die Königstochter ist mit Perlen geschmückt» (V. 14)
- «Sie ist mit goldenen Gewändern bekleidet» (V. 14)
Hld 1,10.11: « Deine Wangen sind lieblich mit den Kettchen und dein Hals mit den
- Perlenschnüren.Wir wollen dir goldene Kettchen machen mit kleinen silbernen Ku- geln. »
- 7 - 3)Schmuck in bildlichen Beschreibungen:
- Bräutigam und Braut in Jes 61,10: «Ich freue mich über den Herrn und juble laut über meinen Gott! Denn er hat mir seine Rettung und Hilfe geschenkt. Er hat mich damit bekleidet wie mit einem schützenden Mantel. Nun stehe ich da wie ein Bräutigam mit festlichem Turban, wie eine Braut im Hochzeitsschmuck.»
- Bräutigam und Braut in Offb 21,2: «Ich sah, wie die Stadt Gottes, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkam: festlich geschmückt wie eine Braut an ihrem Hochzeitstag.»
- Weitere Bibeltexte: Jes 49,18 / Jes 61,1-3 / Klgl 1,6 / Spr 1,8.9
4) Der falsche, sündige Umgang mit Schmuck:
- Hes 16,11-14: In diesem Text wird positiv beschrieben, wie Gott das Volk Israel schmückte (im bildlichen Sinn): «und schmückte dich mit Kleinoden und legte dir Spangen an deine Arme und eine Kette um deinen Hals und gab dir einen Ring an deine Nase und Ohrringe an deine Ohren und eine schöne Krone auf dein Haupt. So warst du geschmückt mit Gold und Silber und gekleidet mit kostbarer Leinwand, Seide und bunten Kleidern. Dein Ruhm erscholl unter den Völkern deiner Schönheit wegen, die vollkommen war durch den Schmuck, den ich dir angelegt hatte, spricht Gott der Herr.» Wir beobachten in diesen Versen, dass Gott grundsätzlich nichts gegen das Schmücken einwendet.
In den folgenden Bibelversen beschreibt Gott jedoch mit beeindruckenden Worten die Gefahren, den falschen, sündigen Umgang mit dem Schmücken: «Aber du verliessest dich auf deine Schönheit. Und weil du so gerühmt wurdest, triebst du Hurerei und botest dich jedem an, der vorüberging. Du nahmst auch dein schönes Geschmeide, das ich dir von meinem Gold und Silber gegeben hatte und machtest dir Götzenbilder daraus und triebst Hurerei mit ihnen.» (Hes 16,15.17)
- Jes 3,16-24: «So hat der Herr gesprochen: Weil die Töchter Zions stolz sind und gehen mit aufgerecktem Halse, mit lüsternen Augen, trippeln daher und tänzeln und haben kostbare Schuhe an ihren Füssen, deshalb wird der Herr den Scheitel der Töchter Zions kahl machen, und der Herr wird ihre Schläfe entblössen. Zu der Zeit wird der Herr den Schmuck an den kostbaren Schuhen wegnehmen und die Stirnbänder, die Spangen, die Ohrringe, die Armspangen, die Schleier, die Hauben, die Schrittkettchen, die Gürtel, die Riechfläschchen, die Amulette, die Fingerringe, die Nasenringe, die Feierkleider, die Mäntel, die Tücher, die Täschchen, die Spiegel, die Hemden, die Kopftücher, die Überwürfe. Und es wird Gestank statt Wohlgeruch sein und ein Strick statt eines Gürtels und eine Glatze statt lockigen Haars und statt des Prachtgewandes ein Sack, Brandmahl statt Schönheit.» In diesem Bibeltext ist vom abgefallenen, gottlosen (V. 11) Israel die Rede. Vom stolzen und «lüsternen» Israel (V. 16). Nach dieser «inneren Verarmung» bleibt bei ihnen bloss noch das Äussere. Nur noch das Äussere zählt bei ihnen. Und genau da setzt Gott mit Gericht an: «Zu dieser Zeit wird der Herr den Schmuck wegnehmen» (V. 18).
Dieser Bibeltext verurteilt den Schmuck nicht grundsätzlich, sondern ihren gottlosen Umgang damit, ihren gottlosen Lebensstil. Falls jemand aus diesem Text trotzdem den Schluss ziehen will, dass Gott grundsätzlich gegen Schmuck ist, muss er
- 8 - konsequenterweiseauch gegen Gürtel, Riechfläschchen (Parfum), Fingerringe, Handtaschen, Spiegel, Hemden, Kopftücher, lockiges Haar usw. sein, denn diese werden in diesem Bibeltext ebenfalls erwähnt!
- Weitere Bibeltexte: Hos 2,15 / Hes 23,1-49 / 2 Kön 9,30 5) Auswertung:
- Wenn wir das gemeinsame Urteil der verschiedenen Bibeltexte zum Thema «Schmuck» zusammenfassen, stellen wir fest: Gott hat grundsätzlich nichts gegen Schmuck einzuwenden. Gott selber tritt als «Schmückender» auf. Er gebraucht in verschiedenen Bibelstellen den Schmuck als Bild, und dies primär im positiven Sinn.
- Verschiedene Menschen der Bibel, die im Zusammenhang mit Schmuck erwähnt werden, lässt Gottes Wort ohne Kritik stehen. Im Zusammenhang mit anderen Personen wird aber auch auf die Gefahr des Schmuckes aufmerksam gemacht. Schmuck könne zum Gottesersatz (Götzen) werden, wobei dadurch der «innere Schmuck» (das Leben als Christ mit den entsprechenden Geistesfrüchten, Gal 5,22) verkümmere. Wo dies der Fall ist, stellt sich Gott völlig gegen den Schmuck. Aber diese ablehnende Haltung nimmt Gott auch anderen Bereichen gegenüber ein. So kann er sich z. B. ganz gegen das Opfern, das Beten, den Gottesdienst und den Gemeindegesang aussprechen, wenn er merkt, dass die innere Haltung der Betenden, Opfernden und Singenden nicht auf Gott ausgerichtet ist (vgl. Hos 8,13 / Jes 1,11 / Amos 5,21-24). Trotz dieser Bibelstellen wäre es falsch, das Beten und Singen zu verwerfen, denn im gesamtbiblischen Zusammenhang erkennt man eindeutig, dass hier vom Missbrauch, jedoch nicht vom richtigen Gebrauch die Rede ist. Genau gleich müssen wir auch mit dem Bereich Schmuck umgehen, wenn wir ein ausgewogenes, biblisches Urteil darüber abgeben wollen. Auch Schmuck gehört wie viele andere Themen (Gebet, Singen, Geld, Fähigkeiten, natürliche Schönheit usw.) zu den Bereichen, die wir verantwortungsvoll gebrauchen oder auch missbrauchen können.
6) Anwendung dieser Auswertung auf unseren Basisbibeltext 1 Tim 2.9:
«… ebenso, dass auch die Frauen sich in würdiger Haltung mit Schamhaftigkeit und Sittsamkeit schmücken, nicht mit Haarflechten und Gold oder Perlen oder kostbarer Kleidung»
- Aufgrund der breiten biblischen Untersuchung, die ich oben präsentierte, können wir sagen, dass hier in 1 Tim 2,9 nicht ein generelles Verbot gegen das Frisieren, gegen Schmuck und schöne Kleider ausgesprochen wird, sondern gegen einen Missbrauch, gegen einen sündigen, stolzen, eingebildeten, götzendienerischen Umgang mit Schmuck und Kleidung.
- Erneut halte ich fest: Wir müssen die Bibel durch die Bibel auslegen. Wir müssen die Gesamtsicht der Bibel aufgrund der verschiedenen Bibeltexte zu einem Thema herausarbeiten, um die tatsächliche Sicht von Gott zu erkennen. Wir müssen das tun, wenn es um die Frage von Schmuck geht, und wir müssen dasselbe tun, wenn es um Aussagen bezüglich der Frau und ihrer Mitarbeit geht, die in unserem Basisbibeltext nun gleich als nächste Aussage folgt.
Arbeit zitieren:
Christen René, 2006, Die Mitarbeit der Frau in der Kirche / Gemeinde, München, GRIN Verlag GmbH
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