Abkürzungsverzeichnis
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1. Wasser für alle?
Schon vor Jahren stand für den ehemaligen UN-Generalsekretär Butros Butros Ghali fest: "Der nächste Krieg im Nahen Osten wird ein Wasserkrieg." 1 Aktuelle Entwicklungen scheinen diese Befürchtung zu bestätigen: türkische Baustellen an Euphrat und Tigris wurden mit Luftabwehrraketen bestückt, als Syrien und Irak die gigantischen Staudammbauten als Kriegsgrund bezeichnet haben. Und das, nachdem bereits im Sechs-Tage-Krieg eine Baustelle, mit der Jordanien einen Damm am Jamuk errichten wollte, von Israelis gestürmt wurde. Ähnlich verhält es auf dem afrikanischen Kontinent: auf die Ankündigung Äthiopiens, Dämme am Blauen Nil zu bauen, reagierte der damalige ägyptische Präsident Sadat mit der Ankündigung, die Baustellen zu bombardieren. 2
Bedrohungsszenarien wie diese sind es wohl auch, die Ismael Serageldin, den langjährigen Vizepräsidenten der Weltbank, zu seiner Aussage bewegten: „Die Kriege des 21. Jahrhunderts werden vor allem um Wasser, die Grundlage allen Lebens und Wirtschaftens, geführt werden.“ 3 Obwohl die düsteren Prognosen, die hauptsächlich in den frühen neunziger Jahren laut wurden, etwas abgeebbt sind, werden in Wissenschaft und Politik weiterhin „Wasserkriege“ beschworen. 4 Die Zeitschrift „Fortune“ spricht gar vom „Erdöl des 21. Jahrhunderts“; der Streit um dessen Vermarktung durch globale Konzerne sei bereits voll entbrannt. 5 Derartige Zukunftsszenarien scheinen gar nicht so weit hergeholt, bedenkt man die herausragende Bedeutung von Wasser als grundlegendes und lebensnotwendiges Element für die ökonomische und menschliche Entwicklung. Nicht nur die Trinkwasser- und Sanitärversorgung, sondern auch zahlreiche Wirtschaftssektoren wie Landwirtschaft, Industrie, Tourismus und Energieerzeugung sind von der Ressource abhängig. Aufgrund von überhöhtem Verbrauch, Verschmutzung und etlichen weiteren Faktoren wird dieses Gut jedoch zunehmend zur Mangelware. 6
Den Daten des United Nations World Water Development Report (WWDR) 7 zufolge verfügen etwa 1,2 Milliarden Menschen - das entspricht 19% der Weltbevölkerung - nicht über die für ein gesundes Leben notwendige Mindestmenge an sauberem Trinkwasser. Weitere 10% leben in Ländern mit chronischer Wasserknappheit. Gemäß UN-Prognosen werden 2025 bereits 40% der Weltbevölkerung von unterschiedlichen Graden des Wassermangels betroffen sein. 8 Ferner haben annähernd 2,4 Milliarden Menschen keinen gesicherten Zugang zu sanitären Einrichtungen. Jährlich sterben etwa 2,2 Millionen Menschen an Krankheiten, die
1 LAKOTTA 1998, S. 72.
2 Vgl. KLAPHAKE, SCHEUMANN 2001, S. 8.
3 Vgl. NUSCHELER 2005, S. 395.
4 Vlg. KIPPING, LINDEMANN 2005, S. 12.
5 Vgl. GREFE 2005, S. 27.
6 Vlg. SPILLER 2004, S. 1.
7 Der United Nations World Water Development Report wird alle drei Jahre im Rahmen des World Water Forums
veröffentlicht. Der Bericht aus dem Jahre 2003 gibt einen umfassenden Überblick über den Zustand der weltwei-
ten Süßwasserreserven; Vgl.: http://www.unesco.org/water/wwap/wwdr/
8 Vgl. NUSCHELER 2005, S. 393.
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als Folge von verschmutztem Trinkwasser und schlechten hygienischen Bedingungen auftreten. 9 Glaubt man den Schätzungen der Vereinten Nationen, so sind bis Mitte dieses Jahr-hunderts im schlimmsten Fall 7 Milliarden Menschen in 60 Ländern von Wasserknappheit betroffen. Selbst im besten Fall träfe es bei einer Weltbevölkerung von 9,2 Milliarden Menschen immer noch 2 Milliarden Menschen in 48 Ländern. 10
Wasserkrisen sind kein neues Phänomen; der große Unterschied zu früher ist allein, dass sie in der Vergangenheit regional begrenzt waren. Heute sind Wasserkrisen hingegen zunehmend in globale Prozesse involviert und damit Bestandteil eines weltweiten Beziehungsgeflechts. Wassermangel ist nicht nur ein gravierendes Entwicklungshemmnis, sondern birgt durchaus auch ein nicht zu unterschätzendes Konfliktpotenzial, das sich unter bestimmten Bedingungen zu einem globalen Sicherheitsrisiko entwickeln kann. Gerade, weil das Thema offensichtlich alle betrifft, dringt es zunehmend in das Bewusstsein der Menschen. Daher ist die Wasserkrise, nachdem sie 1977 zum ersten Mal im Mittelpunkt der weltweiten Debatte stand, in den vergangenen Jahrzehnten verstärkt auf die Agenda der internationalen Politik gerückt. Auf der internationalen Wasserkonferenz in Mar del Plata, Argentinien, erklärten die Vereinten Nationen die achtziger Jahre offiziell zur Wasserdekade. Deren bescheidenes Ziel: „Wasser für alle“. Da die ehrgeizigen Vorhaben jedoch bei Weitem nicht umgesetzt werden konnten, wurden in der Folgezeit immer wieder neue Konferenzen und Strategien ins Leben gerufen. Erst 2005 proklamierten die Vereinten Nationen erneut eine Wasserdekade mit dem Motto „Wasser für das Leben“, die Expo 2008 in Zaragoza, Spanien, beschäftigt sich mit dem Thema „Water and Sustainable Development“. 11
Alles weist darauf hin, dass es im größten Interesse der internationalen Politik liegt, die globale Wasserkrise zu überwinden. Aber worin ist dieses Engagement überhaupt begründet? Verantwortungsbewusstsein gegenüber den betroffenen Ländern? Oder sind es in erster Linie strategische Eigeninteressen? Zu untersuchen ist auch, wie die Wasserproblematik überhaupt zu einem globalen Problem werden konnte, unter welchen Bedingungen es letztendlich zu Konflikten oder gar Wasserkriegen kommen kann und wie diesen zu begegnen ist. Letzten Endes stellt sich auch die Frage: Gibt es überhaupt einen Weg aus der Wasserkrise?
2. Begriffsdefinitionen
Es gestaltet sich als durchaus schwierig, die in der Literatur z.T. sehr unterschiedlich verwendeten Begriffe „Wasserknappheit“ und „Wasserkrise“ korrekt zu definieren. Dennoch bestehen grobe Anhaltspunkte, anhand derer diese Zustände dargestellt und interpretiert werden können. Zunächst ist zu erwähnen, dass sich Wasserknappheit und -mangel jeweils
9 Vgl. SPILLER 2003, S. 1.
10 Vgl. GREFE 2005, S. 27.
11 Vgl. ebd.
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auf die Verknappung von Süßwasser beziehen. Meereswasser ist für die menschliche und ökonomische Entwicklung von geringer Bedeutung und ist damit auch nicht Gegenstand der Problematik.
Ein häufig verwendeter, von hydrologischer Seite entwickelter Indikator der Wasserknappheit orientiert sich am Verhältnis Bevölkerung zu verfügbarer Wassermenge (demographische Dimension). Für diesen Indikator gilt folgende Faustregel: Wenn in einem Land mehr als 1.700 Kubikmeter pro Kopf und Jahr zur Verfügung stehen, liegen Knappheiten nur periodisch vor und treten zumeist lokal auf. Unter 1.000 Kubikmeter/Kopf/Jahr ist bereits die kritische Grenze erreicht, ab der Gesundheit und wirtschaftliche Entwicklung beeinträchtigt sind. Ein lebensbedrohendes Ausmaß erreicht die Wasserknappheit bei unter 500 Kubikmetern/Kopf/Jahr. 12 In der wissenschaftlichen Literatur wird eine Verfügbarkeit von unter 1.000 Kubikmetern erneuerbaren Süßwassers pro Person und Jahr häufig auch als chronischer Wassermangel bezeichnet. Bei weniger als 500 Kubikmetern kann von absolutem Wassermangel gesprochen werden. 13 Dieser Zustand des Wassermangels, oft einhergehend mit Wasserverschmutzung, wird auch als Wasserkrise bezeichnet. Wird in den Ländern des Nordens von einer Wasserkrise gesprochen, so ist damit in der Regel eine Krise der öffentlichen Finanzen und keine Wasserknappheit gemeint. Da die Auswirkungen im schlimmsten Fall Finanzierungsschwierigkeiten sind und die Grundversorgung der Bevölkerung in keinster Weise gefährdet ist, ist der Begriff Wasserkrise irreführend und wird in meiner Arbeit in diesem Zusammenhang auch nicht verwendet. 14
Gleichwohl können Statistiken nur in begrenztem Maße zur Konflikterkennung beitragen, da die Wasserknappheit unabhängig von der Trinkwasserknappheit in einem Land zu betrachten ist und somit nicht zwangsläufig eine Notsituation nach sich zieht. Aussagekräftiger ist in diesem Zusammenhang die sog. wasserbedingte Kritikalität (Anfälligkeit der Bevölkerung gegenüber Krisen). Diese ist in einer bestimmten Region als hoch einzustufen, wenn Wasserknappheit mit einem geringen Problemlösungspotenzial der Bevölkerung zusammenfällt. 15
Neben der Kompensationsfähigkeit von Mangelerscheinungen muss auch das Verbrauchsverhalten in den jeweiligen Regionen in die Betrachtung miteinbezogen werden. Wasserknappheit wird bei der demographischen Definition lediglich als ein Problem des Angebots und nicht der Nachfrage behandelt. Die VN-Kommission für nachhaltige Entwicklung (UNCSD) betrachtet Wasserknappheit deswegen in ihrer technischen Dimension und klassifiziert Länder entsprechend der Wassernachfrage. 16 Von einem mittleren bis hohen Wasser-
12 Vgl.KLAPHAKE, SCHEUMANN 2001, S. 3-4.
13 Vgl. WBGU 1998, S. 129.
14 Vgl. SPILLER 2004, S. 2.
15 Vgl. WBGU 2004, S. 68.
16 Vgl. United Nations Commission on Sustainable Development, Comprehensive assessment of the freshwater
resources of the world, Report of the Secretary-General, New York 1997.
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stress kann dementsprechend gesprochen werden, wenn die jährlich entnommene Menge 20% des gesamten erneuerbaren Süßwasservorrats überschreitet. Hoher Wasserstress wird bei über 40%iger Wasserentnahme erreicht. Der technischen Definition gemäß lebt damit rund ein Drittel der Bevölkerung in Ländern, die von mittlerem bis hohem sowie eindeutig hohem Wasserstress betroffen sind - eine deutliche Abweichung von den Ergebnissen des Wasserentwicklungsberichts (WWDR). 17
Zudem ist es methodisch umstritten, ganze Länder als wasserknapp einzustufen, da Wasserknappheit ein regional und saisonal äußerst unterschiedlich auftretendes Phänomen ist. Ein Beispiel hierfür ist das wasserreiche Brasilien, wo in manchen Gegenden dennoch eine starke Wasserknappheit vorliegt. Doch trotz der eingeschränkten Aussagekraft der Indikatoren weist alles darauf hin, dass der Anteil der von Wasserstress betroffenen Weltbevölkerung - unter der Bedingung, dass keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden - in den kommenden Jahren deutlich zunehmen wird (Vgl. Abb.1).
3. Betroffene Regionen
Der Zugang zu Wasser ist regional äußerst ungleich verteilt. Während in den meisten Ländern des Nordens Wasser in ausreichendem Maße verfügbar ist, leiden vor allem die Länder des Südens 18 unter Wasserknappheit. Kritische Gebiete sind aride und semiaride Regionen, die gleichzeitig zu den ärmsten Ländern der Welt zählen. In einem Dreieck, das sich von Tunesien bis nach Pakistan und in den Sudan erstreckt, ist der Wassermangel strukturell. 19 Insgesamt sind mehr als 30 Länder südlich der Sahara, Nordafrikas, des Nahen Ostens und Asiens von akuter Wasserknappheit bedroht (Vgl. Abb.2).
Darüber hinaus liegt nicht nur eine regionale, sondern auch eine sozial äußerst ungleiche Verteilung der lebensnotwendigen Ressource vor. Auch in Ländern mit knappen Wasservorräten ist es nicht ungewöhnlich, dass der wohlhabendere Teil der Bevölkerung im wahrsten Sinne des Wortes im Wasser schwimmt, während die armen Bevölkerungsschichten kaum ihre Bedürfnisse decken können. 20 Gleichermaßen ist es möglich, dass Staaten wie Kuwait, Jemen, Oman, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate zwar zu den Regionen mit den geringsten Wasserverkommen der Erde zählen, wegen ihres Ölreichtums jedoch energieaufwändige Meerwasserentsalzungsanlagen betreiben oder fossiles Grundwasser an die Erdoberfläche pumpen können. 21 Der natürliche Wassermangel wird dadurch kompensiert, die wasserbedingte Kritikalität ist in diesen Ländern damit vergleichsweise niedrig.
17 Vgl. KLAPHAKE, SCHEUMANN 2001, S. 3-4.
18 Der Ausdruck „Länder des Südens“ wird in der Regel gleichbedeutend mit „Entwicklungsländer“ verwendet. Er
ist ein Sammelbegriff für Länder, deren (wirtschaftlich-technischer) Entwicklungsstand und der damit verbundene
(soziale) Lebensstandard (sehr) niedrig ist (Vgl. bpb Lexikon).
19 Vgl. GRESH, RADVANYI, REKACEWICZ, SAMARY, VIDAL 2006, S. 14.
20 Vgl. SPILLER 2003, S. 1.
21 Vgl. HOPP 2004, S. 77.
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4. Gründe für die Wasserkrise
Aufgrund von geringen Niederschlägen in Wüsten- und Trockengebieten sowie zeitlicher und räumlicher Ungleichverteilung von Niederschlägen besteht seit jeher eine natürliche Wasserknappheit. Dieser Zustand wird jedoch durch den Klimawandel und andere, von Menschen verursachte Faktoren, zunehmend verstärkt.
4.1. Übernutzung von Wasserressourcen durch die Landwirtschaft
Im Laufe des vergangenen halben Jahrhunderts hat sich der weltweite Wasserverbrauch, in erster Linie aufgrund des Anstiegs der Bewässerungslandwirtschaft, vervierfacht. In den Entwicklungsländern werden heute rund 20% des genutzten Wassers in Haushalten verbraucht; der Großteil - 70% des verfügbaren Wassers - wird auf künstlichen Anbauflächen eingesetzt. Dieser Trend scheint sich in Zukunft sogar noch zu verstärken: der Wasserbedarf für die Nahrungsmittelproduktion wird zwischen 2000 und 2030 in den Entwicklungsländern voraussichtlich um weitere 67% ansteigen. 22 Ein weiteres Problem ist, dass durch die mehrheitlich äußerst ineffizienten Bewässerungsmethoden und die veraltete Technik die Hälfte des Wassers verloren geht, bevor es überhaupt bei den Pflanzen ankommt. 23 Dabei steht die Notwendigkeit für arme Kleinbauern, mit dem Export von Feldfrüchten Devisen zu erwirtschaften, oft in traurigem Widerspruch dazu, dass deren Anbau ihre eigenen Lebensgrundlagen zerstört. Aufgrund von Hunger und Unterernährung wird intensivierte, wenig angepasste Landwirtschaft betrieben - in der Hoffnung, durch den Anbau von cash crops mehr Einkommen als bei der Produktion für den Lokalmarkt erwirtschaften zu können. Die Negativfolgen dieser nicht nachhaltigen Bewässerungslandwirtschaft sind - neben dem hohen Verbrauch von Wasser in Trinkwasserqualität - die Versalzung der Böden sowie die Belastung der Gewässer durch den Einsatz von großen Mengen an Düngemitteln und Pestiziden. 24 Durch den sich damit verstärkenden Druck auf die Wasserressourcen verschärfen sich die bestehenden Produktions- und Verteilungsprobleme noch weiter - ein Teufelskreis, aus dem die wenigsten Kleinbauern einen Ausweg finden. 25
4.2. Bevölkerungswachstum und Verstädterung
Neben der Landwirtschaft und der industriellen Produktion ist es das Bevölkerungswachstum, das mit am stärksten für die Wasserkrise verantwortlich gemacht wird. Durch die Verdreifachung der Weltbevölkerung im Laufe des letzten Jahrhunderts ist nicht nur die Zahl der Verbraucher angestiegen, sondern es hat sich gleichzeitig auch der weltweite Pro-Kopf-Verbrauch verdoppelt (Vgl. Abb.3). Hinzu kommt, dass durch die zunehmende Verstädterung
22 Vgl. HOUDRET 2008, S. 3.
23 Vgl. NUSCHELER 2005, S. 394.
24 Vgl. GREFE 2005, S. 27.
25 Vgl. WBGU 2004, S. 68.
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und Konzentration der Bevölkerung in Megastädten die Situation zusätzlich verschärft wird: nicht nur der private Wasserbedarf hat sich erhöht, sondern auch die Verschmutzung durch häusliche und industrielle Abwässer tragen zur allgemeinen Verknappung bei. Statistiken zufolge werden nur etwa 5% der weltweiten Abwässer gereinigt, der Rest gelangt ungeklärt in die Natur. 26 Die Tatsache, dass die Slums der Megastädte die größten Wachstumsraten aufweisen, brachte die Vereinten Nationen zu der Voraussage, dass 2030 mehr als die Hälfte der Einwohner in Armenvierteln leben und keinerlei Zugang zu Wasserversorgung und zu sanitären Einrichtungen haben werden. Ein weiteres Problem der anwachsenden Bevölkerung und Verstädterung ist die Verschwendung von Wasser. Diese ist zum einen auf undichte Leitungen, zum anderen auf einen übermäßigen Verbrauch, der mit dem gestiegenen allgemeinen Lebensstandard zusammenhängt, zurückzuführen. 27 Vorwürfen zufolge sei das Wasser in vielen Ländern zu einem selbstverständlichen „Gemeinschaftsgut“ geworden, dessen Bereitstellung als öffentliche Aufgabe gesehen werde und dessen Wert daher missachtet würde. 28
4.3. Infrastruktur
Wie bereits angesprochen, stellt in vielen Ländern des Südens die fehlende bzw. unzulängliche Infrastruktur ein ernsthaftes Problem für die Wasserversorgung dar. Es mangelt dabei nicht nur am Zugang zu Brunnen oder an intakten Leitungen, sondern häufig auch an Kläranlagen für die Wasseraufbereitung. Aufgrund fehlender finanzieller Mittel wird es den betroffenen Ländern wohl in absehbarer Zeit nur schwer gelingen, eine zufriedenstellende Wasser-versorgung aufzubauen. 29 Darüber hinaus wird oft das Missmanagement von großen Wasserinfrastrukturmaßnahmen, wie Flussregulierungen, Stauseen oder Kanälen für die Verschärfung der Lage verantwortlich gemacht. Einen Großteil der Schuld daran trägt die künstliche Bewässerung sowie die Energieerzeugung, aufgrund derer die genannten Infrastrukturmaßnehmen hauptsächlich getätigt werden. 30
5. Problematik der Wasserkrise
5.1. Entwicklungshemmnis
Wasserknappheit sollte aber nicht nur als Konfliktherd ernst genommen werden - ebenso tiefgreifend wirkt die Tatsache, dass die Wasserkrise eine der größten globalen Armutsursachen darstellt. „Über die Ressource Wasser werden Gewinner und Verlierer aussortiert 31 “, so
26 Vgl. SPILLER 2003, S. 2.
27 Vgl. GRESH, RADVANYI, REKACEWICZ, SAMARY, VIDAL 2006, S. 14.
28 Vgl. SPILLER 2003, S. 2.
29 Vgl. GEYER, GORSBOTH 2006, S. 1.
30 Vgl. WBGU 2004, S. 68.
31 WUPPERTAL INSITUT 2005, zit. nach GREFE 2005, S. 27.
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Milena Cornely, 2008, Wasserpolitik als Teil der globalen Entwicklungspolitik , München, GRIN Verlag GmbH
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