INHALT
1. EINLEITUNG 3
2. UNTERSUCHUNG NÄHESPRACHLICHER PHÄNOMENE IM
H ÖRFUNKINTERVIEW 2
2.1 Hörfunk in Frankreich 2
2.1.1 Historische Entwicklung des französischen Rundfunksystems 2
2.1.2 Bedeutung und Funktion des Mediums 4
2.2 Radiosprache 5
2.2.1 Kommunikationstheoretischer Ansatz 5
2.2.2 Nähe und Distanz im Radio 7
2.2.3 Relation zur Standard-und Allgemeinsprache 9
2.3 Textsorte Radiointerview 10
2.3.1 Attraktivität für den Hörfunk 11
2.3.2 Kommunikationstheoretischer Ansatz 12
2.3.3 Textanalyse 13
2.3.4 Nähesprache vs. Radionorm? 16
3. ZUSAMMENFASSUNG UND SCHLUSSBETRACHTUNG 19
BIBLIOGRAPHIE 21
ANHANG 23
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1. EINLEITUNG
Zu Beginn des 20.Jahrhunderts besaß das Radio die Rolle eines média collectif, welches die Familie zum gemeinsamen Geschichtenhören um sich versammelte. Heute, zu Beginn des 21.Jahrhunderts, stellt das Radio meist nur eine Beschäftigung neben anderen Tätigkeiten wie Kochen oder Autofahren dar, welcher wir nur im geringen Maße unsere Konzentration widmen (cf. Mouriquand 1997: 80). Im Radio ist man sich dieser Tatsache bewusst und versucht die Aufmerksamkeit des Hörers durch die Verwendung einer Vielzahl von sprachlichen Mitteln zu erlangen. Denn im Vergleich zum Printmedium oder zum Fernsehen wird dem Hörer der Verstehensprozess weder durch Schrift noch durch Bilder erleichtert (cf. La Roche 2009: 18-19). Das Radio bedient sich jedoch nicht nur sprachlicher Mittel zur besseren Verständlichkeit, sondern schöpft auch aus dem breit gefächerten Repertoire verschiedene Textsorten, um das Programm so abwechslungsreich wie möglich zu gestalten und somit die Aufmerksamkeit des Hörers zu wecken. Eine solche Textsorte ist zum Beispiel das Hörfunkinterview, dessen Einsatz auf „une volonté de plus en plus grande de scénarisier l’actualité […]“ (Mouriquand 1997: 60) basiert. Auf Grund der internen Variationsbreite des Mediums ist es weniger sinnvoll von einer allgemeinen Radiosprache zu sprechen. Anstelle dessen sollte die einzelne Textsorte immer in Hinblick auf deren mediale Realisierung untersucht werden (cf. Lebsanft 2001: 295).
Die folgende Arbeit nimmt sich zum Ziel, die Textsorte Hörfunkinterview sowohl theoretisch als auch praktisch zu analysieren und dabei immer wieder Bezüge zur sprachexternen und -internen Beschaffenheit des Radios herzustellen. Im ersten Teil dieser Arbeit soll ein kurzer Einblick in die geschichtliche Entwicklung des französischen Hörfunksystems und in dessen Rolle und Funktion gegeben werden. Im zweiten Teil steht die durch das Radio publizierte Sprache im Vordergrund. Hierfür sollen zunächst die ihr zu Grunde liegenden Kommunikationsbedingungen beschrieben werden. Daraufhin wird auf die Merkmale der gesprochenen Sprache im Radio detailliert eingegangen, deren Kenntnis für die Untersuchung des Hörfunkinterviews von Nöten sein wird. Im letzten Teil soll das Hörfunkinterview zunächst theoretisch beschrieben werden, wobei die Frage nach der Attraktivität dieser Textsorte für den Hörfunk mit Hilfe der zuvor herausgestellten Fakten beantwortet werden soll. Das Hörfunkinterview wird dann praktisch an einem selbst gewählten Textkorpus untersucht. Diese Untersuchung findet unter der Fragestellung: „Inwieweit wird von nähesprachlichen Phänomenen im Hörfunkinterview Gebrauch gemacht?“ und „Welches Ziel wird damit verfolgt?“ statt. In der vorliegenden Arbeit sollen
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männliche Berufs- und Funktionsbezeichnungen wie Hörer, Sender, Empfänger usw. auch das weibliche Geschlecht mit einschließen.
2. UNTERSUCHUNG NÄHESPRACHLICHER PHÄNOMENE IM HÖRFUNKINTERVIEW
Schwerpunkt dieser Arbeit ist die Analyse nähesprachlicher Elemente im Kontext Hörfunkinterview sowie das Herausarbeiten von Parallelen, die zwischen dem Anliegen von Radio und Radiointerview existieren. Die Charakterisierung des Mediums Radio ist dabei Ausgangspunkt für die Untersuchung.
2.1 Radio in Frankreich
„Sans la radio, la vie serait muette“
(Marcel Bleunstein-Blanchet, zit.: Eiche 2000: 5)
Das Zitat von Marcel Bleunstein-Blanchet beschreibt in einer etwas überspitzten Weise die Rolle des Radios in unserem alltäglichen Leben. In vielen Momenten, in denen wir uns einsam fühlen, schalten wir das Radio ein. Das Radio als unser täglicher Begleiter. War dies schon immer so?
2.1.1 Historische Entwicklung des französischen Hörfunksystems
Die Entstehung und Entwicklung des französischen Radios wurde sowohl durch technologische Fortschritte als auch durch wirtschaftliche und politische Einflüsse gesteuert. Technische Innovationen zum Ende des 19.Jahrhunderts führten zunächst zur Geburt des auditiven Mediums (cf. Helfrich 2006: 2263). Im Jahre 1922 wurde die erste Radiosendung von Paris über militärische Sendeanlagen übertragen. In den darauf folgenden Jahren steigt die Anzahl der in Frankreich existierenden Rundfunkgeräte stetig an. So werden im Jahre 1944 noch 5,1 Millionen und im Jahre 1980, bedingt durch die Entwicklung der Transistorenempfänger in den 60er Jahren, ganze 30 Millionen Geräte gezählt (cf. Albert 1996: 37-38). Trotz des Gesetzes décret du 23 mars, welches dem Staat eine Monopolstellung im Hörfunksystem zuspricht, existieren von 1945 bis 1981 neben den staatlichen Radiosendern auch die privaten stations phériques, welche aus dem Ausland in Frankreich empfangen werden konnten (cf. Helfrich 2006: 2263). Erst im Jahre 1981 im Zuge des Regierungswechsels und dem Amtsantritt des neuen Staatspräsidenten François Mitterrand
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wird dieses Monopol aufgelöst und eine Liberalisierung der audiovisuellen Medien herbeigeführt (cf. Eiche 2000: 14). In den folgenden drei Jahren gründeten sich über 1000 neue private Radiosender, welche auf dem UKW-Bereich für ein großes Chaos sorgten. Jedem dieser Sender wurde daraufhin 1984 ein Frequenzplatz zugeteilt (cf. Albert 1996: 46-47). Heute sind nur ein Dutzend dieser privaten Radiosender übrig geblieben, was einerseits auf die Konkurrenz untereinander und zu anderen Medien wie Fernsehen und Internet sowie auf die finanzielle Abhängigkeit durch Werbeeinnahmen zurückgeführt werden kann (cf. Levaï 1996: 117). Während das Fernsehen in den 50er Jahren zunehmend an Popularität gewann, versuchte man durch eine Programmumstellung zum Formatradio der sinkenden Zahl der Hörer entgegenzuwirken. Das Formatradio orientiert sich an der Hörerzielgruppe und definiert sich über eine bestimmte Mischung aus Wort und Musik, der Präsentationsart sowie über die Musikrichtung (cf. La Roche 1997: 215). In dieser Zeit wird ebenfalls ein immer stärkeres Auseinanderdriften von privaten und öffentlichen Sendern bemerkbar, wobei sich die privaten eher der Unterhaltungsfunktion bedienen und die öffentlich-rechtlichen Sender sich „als Bildungsradio“ verstehen (cf. Helfrich 2006: 2266). Auf die unterschiedlichen und gemeinsamen Funktionen der Radiosender soll im folgenden Kapitel ausführlich eingegangen werden.
2.1.2 Bedeutung und Funktion des Mediums
In dem Begriff „Bildungsradio“ verbirgt sich die Informationsfunktion des Radios, welche im Vergleich zur Anfangszeit nicht mehr von allen Radiosendern gleichermaßen Bedeutung zugemessen wird.
Toutes les enquêtes montrent que cette dernière n’est plus majoritairement un média d’information […]. Les auditeurs que privilégient l’information en font un usage « cultivé » c’est-à-dire fréquent et à durée plutôt brève […]. Devant la concurrence de la télévision en la matière, il devenait indispensable de jouer une nouvelle carte : soit renforcer les sessions d’information avec davantage d’analyses et de commentaires soit « devenir le signal qui se déclenche instantanément, quelques minutes après l’événement » (Rieffel 1996 : 126-127)
Der öffentlich-rechtliche Radiosender France Info entschied sich damals für die zweite Strategie, indem er auf eine fortlaufende Berichterstattung setzte (cf. Rieffel 1996: 127). Viele private Radiosender hingegen distanzieren sich zunehmend von dieser Informationsfunktion, welche in Konkurrenz zum Fernsehen steht und bevorzugen die aus Amerika stammende Form des infotainment, welche die Funktionen Information und Unterhaltung miteinander vereint (cf. Eiche 2000: 21). Trotz der unterschiedlichen Formen der Informationsvermittlung
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und der Konkurrenz zu anderen Medien rückt das Medium Radio aber dennoch nicht von seinem Status als primärer Informationsvermittler ab: „De tous les pays européens, c’est sans doute en France que l’information radiophique […] a la plus grande influence sur l’opinion et résiste le mieux à la concurrence de la presse écrite et de la télévision (Albert 19996: 40)“. Die bedeutende Stellung des Radios in Frankreich wird auch in Anbetracht der Zahlen und Fakten deutlich: mehr als drei Viertel der Franzosen hören pro Tag ungefähr drei Stunden Radio, wobei hier hinzugefügt werden muss, dass dieser Konsum auch passiv, neben dem Ausführen anderer Tätigkeiten, geschehen kann (cf. Levaii 1996: 118). Des Weiteren zeigt eine Statistik aus den 80er Jahren, dass von 1000 Einwohnern in Frankreich 840 in Besitz eines Radios, 375 in Besitz eines Fernsehers waren und nur 176 Einwohner täglich eine Zeitung kauften (cf. Eiche 2000: 13-14). Das Erfolgskonzept der letzten Jahre ist in der Umgestaltung des Radios zum persönlichen Medium zu finden. Während die privaten und öffentlichen Sender sich auf eine Hörerzielgruppe spezialisieren, suchen sie gleichzeitig die Nähe zu den Hörern. Ausgehend von der Idee, dass der Radiokonsum meist unter Ausschluss der Öffentlichkeit geschieht, wie zum Beispiel im Auto auf dem Weg zur Arbeit, und der Hörer bzw. die Hörerin somit das Radio als ein individuelles Medium wahrnimmt, findet eine Verschiebung vom „l’instrument de masse à l’individu“ (Levaï 1996: 120) statt. Diese Verschiebung ist sowohl bei der Programmgestaltung, also bei der Wahl der Textsorte, als auch durch die dabei verwendeten sprachlichen Merkmale erkennbar (cf. Levaï 1996: 120-121). Dieser Aspekt wird an vielen Stellen dieser Arbeit erneut aufgegriffen und kann demzufolge als Leitfaden dieser Arbeit verstanden werden.
2.2 Radiosprache
Um Radiosprache in deren Beschaffenheit zu untersuchen, ist zunächst eine Analyse der für diesen Kommunikationstyp konstitutiven Faktoren von Nöten. Im folgenden Abschnitt gilt es, die gesprochene Sprache im Radio mit Hilfe des Modells von Koch/Oesterreicher näher zu untersuchen.
2.2.1 Kommunikationstheoretischer Ansatz
In Anlehnung an die im Jahre 1948 entworfene Kommunikationsformel von Harold D. Lasswell: „Who says what in which channel to whom with what effect?“ lassen sich die elementaren Variablen der Massenkommunikation herausstellen: Kommunikator (Who), Nachricht (What), Medium (In which channel), Rezipient (Whom) und die durch die
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Arbeit zitieren:
Cindy Darius, 2009, Untersuchung nähesprachlicher Phänomene im Hörfunkinterview, München, GRIN Verlag GmbH
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