Inhaltsverzeichnis
I Einführung 1
II Definitionsansätze für die 2
fragmentierende Entwicklung
III Kontext Globalisierung 3
IV Theoretisches Grundgerüst 5
der fragmentierenden Entwicklung
V Fragmenttypen 8
VI Anwendung der Theorie auf die Praxis 10
VII Fazit/ Zusammenfassung 15
VIII Quellenverzeichnis
I Einführung
Die fragmentierende Entwicklung - Kehrseite der wirtschaftlichen Strömung der Globalisierung oder ein Denkwechsel zu Gunsten der Entwicklungsländer? Zu Beginn der 1990er Jahre setzte eine neue Theorie ein, die dem bisherigen Entwicklungsverständnis der ursprünglichen Theorien Rechnung trug. Das ursprüngliche so genannte First Age of Modernity vereinte die Ansätze der Modernisierungs- und Dependenztheorien (SCHOLZ 2005:56). Es bestand die Ansicht, dass die Entwicklungsländer in der Lage seien, im Sinne der nachhaltigen Entwicklung, zu den Industrieländern aufzuschließen und die Entwicklung aufzuholen. Weiterhin wurden Länder und Gesellschaften als ganzheitlich agierende Körperschaften gesehen, so dass kriteriale Einordnungen von Ländern (z.B. in die Weltbank, UN etc.) nie binnenspezifisch für ein Land erfolgten sondern stets im Sinne einer ganzen Einheit (SCHOLZ 2007b: 102).
Ein Blick auf die aktuelle Situation der Entwicklungsländer zeigt jedoch, dass die angewendeten Theorien und Ansätze der ersten Moderne (First Age of Modernity) nicht den erhofften Entwicklungsschub und die nachholende Entwicklung einhalten konnten. Zu sehr spiegelt das aktuelle entwicklungspolitische Bild mit zunehmender Kluft zwischen Industrie- und Entwicklungsländern sowie Armut, soziales Ungleichgewicht und Arbeitslosigkeit innerhalb der Entwicklungsländer die entgegengesetzte Intention wider. Ein weiterer neuer wirtschaftlicher Veränderungsrahmen wird zudem durch die Globalisierung dargestellt, die mit ihrer Initiierung zu Beginn der 1990er Jahre das zweite Zeitalter der Moderne (Second Age of Modernity) einleitete. Die zweite Moderne stellt die Theorie der fragmentierenden Entwicklung ins Zentrumeinen Ansatz, der keine lösungs- und ursachenansetzende Politik vertritt, sondern eine deklarative Position einnimmt und den Ansatz der ersten Moderne ersetzt. Die folgende Arbeit wird ihren Fokus auf die Theorie der fragmentierenden Entwicklung, insbesondere auf den Kontext der Globalisierung richten und einen Ansatz beschreiben, bei dem Länder nicht mehr als eine Einheit gesehen werden können.
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II Definitionsansätze der fragmentierenden Entwicklung
„Fragmentierung wird hier als Ausdruck für bruchhafte, sozio-ökonomische und/oder kulturell/politische Sonderung/Trennung von Individuen/Akteuren und/oder Akteursgruppen in räumlicher Dimension verstanden.“ (SCHOLZ 2006:220). Anhand dieser Definition wird deutlich, dass die Handlungsträger nicht auf ganzen Staaten/Akteursgruppen beruhen sondern auf einzelne Bruchstücke (Fragmente) innerhalb eines Landes und/oder einer Bevölkerungsgruppe. Der Begriff Fragmentierung steht damit für eine neue Unübersichtlichkeit des Zustandes der Welt, wie SCHOLZ es in einem seiner ersten Veröffentlichungen über diesen Ansatz beschreibt (vgl. SCHOLZ 2000:257). Bereits Ende der 1980er Jahre birgt die Fragmentierung eine negative Konnotation, in der sie als Weltzerfall beschrieben wird. Es folgten weitere Veröffentlichungen bis der Sozialwissenschaftler ULRICH MENZEL erstmals 1998 den Begriff Fragmentierung als Resultat der Globalisierung erläutert und auf die staatliche Zersplitterung aufmerksam macht (BOHLE 2007a:809, MENZEL 1998:46). Erst FRED SCHOLZ konzipierte 2002 die Theorie der fragmentierenden Entwicklung als einen Beitrag für die geographische Entwicklungsforschung, die insbesondere im Kontext der Globalisierung steht und die Entwicklung in Teilräumen verdeutlicht (BOHLE 2007a:809). Die Entwicklung findet nur in Teilräumen (Fragmenten) statt, die „…wiederum in schärfster Standortkonkurrenz mit unzähligen anderen Fragmenten rund um die Welt stehen.“ (SCHOLZ 2007a:20f.).
Die Ursache für die unterschiedliche Dynamik der Raumentwicklung wird mit den durch die Globalisierung einsetzenden Wettbewerbsstrukturen begründet (s. Kontext Globalisierung), bei denen nie ganze Handlungsträger/Einheiten teilhaben können (BOHLE 2007b:856).
Es sei hier noch einmal angemerkt, dass die Theorie der fragmentierenden Entwicklung eine rein deskriptive Funktion in Bezug auf die Entwicklungsrealität im Zeitalter der Globalisierung übernimmt und keine Lösungen, Ansätze oder Strategien zur Überwindung der Unterentwicklung anbietet.
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III Kontext Globalisierung
Bis in die 1980er Jahre bestand das weltweite ökonomische System aus einer Zweier-Gliederung zwischen einerseits den Rohstofflieferanten (Äquivalent zu den Entwicklungsländern) und den Produzenten von hochwertigen Massen- und Luxuswaren (Äquivalent zu den Industrieländern). Hierbei wurden beide Parteien als ganzheitlich agierende Handlungsträger gesehen (SCHOLZ 2007a:118). Mit dem Beginn der Globalisierung in den Anfängen der 1990er Jahre änderte sich das bisherige ökonomische Weltsystem grundlegend. Globalisierung führt danach zu zwei verschiedenen Positionen: Tabelle 1:
Übersicht über die zwei Positionen der Auswirkungen der Globalisierung (Eigenentwurf - Daten aus
SCHOLZ 2002:7)
Die Tabelle stellt zwei konträre Positionen über die Konsequenzen der Globalisierung dar. Die erste Position sieht den Globalisierungsprozess als eine Chance für die Entwicklungsländer an, ihre Rückständigkeit zu reduzieren und die Infrastruktur zu verbessern auf Grundlage eines homogenisierenden Prozesses, bei dem alle gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereiche gleichermaßen in den Weltmarkt involviert werden (SCHOLZ 2002:7).
Demgegenüber steht die Ansicht, dass die Globalisierung einen heterogenen Prozess darstelle, der zur Massenarmut, Verschärfung des Wohlstandgefälles sowie zur Ausgrenzung von ganzen Bevölkerungsgruppen führe. Diese zweite Position gilt
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Arbeit zitieren:
Martin Bastkowski, 2008, Theorie der fragmentierenden Entwicklung, München, GRIN Verlag GmbH
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