Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Der BioRegio-Wettbewerb 3
2.1 Hintergrund und Ziele 3
2.2 Ablauf des Wettbewerbs 3
2.3 Stellung des BioRegio-Wettbewerbs innerhalb der deutschen Technologiepolitik 5
3. Theoretische Grundlagen 5
3.1 Berücksichtigung der geographischen Komponente und Förderung der Clusterbildung 5
3.2 Kooperationswettbewerb 7
3.3 Kritische Punkte 8
4. Analyse des BioRegio-Wettbewerbs 10
4.1 Überprüfung der Annahmen 10
4.2 Nachhaltige Wirkungen 11
5. Ausblick 16
Literaturverzeichnis 18
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1. Einleitung
Mit der BioRegio-Initiative beschritt das Bundesministerium für Bildung und Forschung einen neuen Weg in der Technologiepolitik, der in Deutschland und Europa mit großer Aufmerksamkeit verfolgt wurde. Ziel dieser Seminararbeit ist es, zunächst Hintergründe und theoretische Grundlagen des Förderprogramms darzulegen um daraufhin, mithilfe einer Analyse der Vorzüge und Nachteile sowie eines kurzen Ausblicks, die Basis für eine mögliche Bewertung zu schaffen.
2. Der BioRegio-Wettbewerb
2.1 Hintergrund und Ziele
Anfang der 90er Jahre sah sich die deutsche Technologiepolitik mit einem gravierenden Problem konfrontiert: der Biotechnologiesektor, dem große strategische Bedeutung als Schlüssel zum Wachstum einer wissensbasierten Volkswirtschaft zugeschrieben wurde, war schwach und im internationalen Vergleich, etwa mit den USA oder dem Vereinigten Königreich, quasi nicht sichtbar (Cooke 2001). Somit sah sich die Politik zum Handeln gezwungen. Am 9.Oktober 1995 veröffentlichte das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) die „Bekanntmachung über die Förderung BioRegio-Wettbewerb“ (BMBF 1995). Damit wurde ein neuartiges technologiepolitisches Instrumentarium geschaffen, das zum Ziel hatte, die deutsche Biotechnologie zur Nummer 1 in Europa zu machen. Um dieses ehrgeizige Vorhaben zu meistern wurden etliche mittelfristige Zwischenziele definiert: die Gründung neuer Firmen zu stimulieren, das Wachstum bestehender Unternehmen zu fördern sowie für eine ausreichende Ausstattung mit Risikokapital zu sorgen (BMBF 1997). Darüber hinaus wurde großer Wert darauf gelegt, Kooperationen zwischen Unternehmen, Universitäten und nicht-universitären Forschungsinstituten anzuregen, um die Arbeit an innovativen Technologien und Produkten effektiv aufzuteilen und die wirtschaftliche Verwertung wissenschaftlicher Erkenntnisse zu verbessern.
2.2 Ablauf des Wettbewerbs
Der BioRegio-Wettbewerb sah vor, dass sich Konsortien bestehend aus Organisationen des privaten und öffentlichen Sektors bilden, um gemeinsam Konzepte zur erfolgreichen Kommerzialisierung der Biotechnologie zu erarbeiten und somit eine „BioRegion“ zu formen. In diesen Ausarbeitungen sollten die gegenwärtigen und zukünftigen Stärken der regionalen Biotechnologie im Hinblick auf Forschung und Kommerzialisierung, mit einem Augenmerk auf möglichen Forschungsprojekten und Kooperationen zwischen den regionalen Marktteilnehmern herausgearbeitet werden. Diese Konzepte wurden dann einer, vom BMBF ernannten, unabhängigen und internationalen Jury, bestehend aus Vertretern der Forschung, der Industrie und der Gewerkschaften präsentiert, welche die Aufgabe hatte anhand eines detaillierten, vorher veröffentlichten Kriterienkatalogs 3 (Tabelle 1) Siegerregionen auszuwählen.
Tabelle 1: Kriterien, nach denen die BioRegio Modellregionen ausgewählt wurden
Quelle: (BMBF 1996)
Die Anzahl und interne Struktur der teilnehmenden Region war vom BMBF nicht beschränkt worden. Dies führte zur Beteiligung von 17 durchaus heterogenen Regionen mit einer Spannweite von individuellen Städten bis hin zu einem Verbund mehrerer Bundesländer.
Quelle: (Dohse, Cluster-Based Technology Policy - The German Experience 2007)
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Im November 1996 hatte die Jury ihre Wahl getroffen: die Sieger des BioRegio-Wettbewerbs waren die BioRegion München, die BioRegion Rheinland (Städtenetzwerk Köln, Aachen, Düsseldorf und Wuppertal) und BioRegion Rhein-Neckar-Dreieck (Städtenetzwerk Heidelberg, Mannheim und Ludwigshafen). Darüber hinaus wurde die ostdeutsche BioRegion Jena für ihre spezifische Kernkompetenz im Bereich Bio-Instrumente mit einem Sondervotum bedacht (Müller 2002). Dieser Sieg brachte für die Gewinner mehrere Vorteile mit sich: zum einen öffentliche Fördergelder in Gesamthöhe von 90 Millionen € über die Zeitspanne von 5 Jahren - jeweils 25 Millionen € für die 3 Siegerregionen und 15 Millionen € für die BioRegion Jena - zum anderen die Bevorzugung bei der Verteilung der Mittel des „Biotechnologie 2000“ Programms des BMBF, die sich auf etwa 1,5 Milliarden € von 1997-2001 beliefen (Dohse, The changing role of the regions in German technology policy 2002).
2.3 Stellung des BioRegio-Wettbewerbs innerhalb der deutschen Technologiepolitik Die Technologiepolitik des BMBF ist innerhalb des BioRegio-Programms durch mehrere
Kernelemente bestimmt: die Einleitung eines Catching-up Prozesses mit dem Ziel internationale Wettbewerbsfähigkeit in einer Schlüsseltechnologie zu erreichen, die explizite Anerkennung der Regionen als aktive Teilnehmer am Innovationsprozess, damit einhergehend die Förderung der Clusterbildung und schließlich das klare Bekenntnis zum Wettbewerb der Regionen. Während das erste Ziel, das Erreichen internationaler Wettbewerbsfähigkeit in einer Schlüsseltechnologie, häufig Bestandteil deutscher und europäischer Politik war - man denke etwa an Airbus und die Europäische Weltraumorganisation - betritt das BMBF mit den anderen Aspekten technologiepolitisches Neuland und weicht von der bis dahin dominierenden Herangehensweise, die die regionale Dimension des Innovationsprozesses völlig ausblendet, ab. Damit kommt dem BioRegio-Wettbewerb eine Vorreiter- und Modellrolle innerhalb der deutschen und europäischen Politik zu, die sich auch in den zahlreichen Folgeprogrammen wie BioProfile und InnoRegio widerspiegelt. Diese herausragende Stellung wurde auch von der EU-Kommission gewürdigt: „The most significant change in [German] innovation policy making is probably the explicit recognition of (regional) clustering aspects in support programmes. Various new programmes address these issues … Common to all these approaches is the integration of the regional dimension based on regional competencies in the knowledge generation process (existing public and private R&D facilities), supportive public administrations, institutions for financing innovation (e.g. venture capital funds) and lead customers (e.g. chemical industry in the case of biotechnology).” (EU-Kommission 2000)
3. Theoretische Grundlagen
Die neuen Elemente deutscher Technologiepolitik, die im BioRegio-Wettbewerb erstmals vereint zum Tragen kamen, lassen sich mit Hilfe der neueren Forschung gut begründen.
3.1 Berücksichtigung der geographischen Komponente und Förderung der Clusterbildung
Der gewünschte technologische Wandel ist pfadabhängig, das heißt er basiert auf einer Reihe von Entscheidungen, die in der Vergangenheit getroffen wurden. Eine dieser Entscheidungen ist die Wahl der Ansiedlung von Innovationstätigkeiten. Die spätere Änderung dieser Entscheidung ist in den meisten Fällen mit erheblichen Kosten verbunden, was die Grundlage für die Einbeziehung einer geographischen Dimension in die Technologiepolitik liefert (Dohse, Cluster-Based Technology Policy -The German Experience 2007).
Ebenso ist unumstritten, dass mit Fortschreiten der Globalisierung mehr und mehr Inputfaktoren universell verfügbar werden. Folglich nehmen ortsgebundene Faktoren, deren Verlagerung mit
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prohibitiv hohen Kosten verbunden wäre, eine immer größere Rolle in der Bestimmung der Wettbewerbsvorteile ein. Standorte werden hauptsächlich durch ihre „untraded interdependencies“ charakterisiert: Konventionen, informelle Regeln und Verhaltensweisen, die das Vorgehen der Wirtschaftssubjekte in einem Zustand der Unsicherheit bestimmen und koordinieren (Storper 1995). Insbesondere politische Initiativen können diese regionalen „untraded interdependencies“ beeinflussen und damit die globale Wettbewerbsfähigkeit der Innovationsstandorte steigern. Eine weitere Argumentationslinie beschreibt die Vorteilhaftigkeit der Agglomeration von Innovationstätigkeiten (Porter 1998). Die Clusterbildung bietet für die Teilnehmer zahlreiche Vorteile, die sich stimulierend auf die Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten auswirken. Zu den wichtigsten gehören: die Vereinfachung persönlicher Kontakte innerhalb eines Clusters, das Auftreten positiver externer Effekte, ein direkter Zugang zu privaten und öffentlichen Forschungsinstitutionen sowie Zugriff auf einen spezialisierten Arbeits- und Dienstleistungsmarkt. All diese Faktoren vereinfachen die Entstehung und Verbreitung von Wissen (knowledge-spillover) und tragen damit zur Steigerung der Innovationleistung des Clusters bei. Untermauert wird diese Theorie durch Studien, die besagen, dass die Qualität der Innovation innerhalb eines Clusters nur zu einem geringen Teil durch die Größe oder Ausstattung des Clusters bestimmt wird, sondern vor allem durch die Tiefe und das Ausmaß der Interaktion zwischen den Akteuren (van der Linde 2003). Darüber hinaus wirken sich solch enge Beziehungen auf die Motivation und die gegenseitige Beurteilung der Akteure eines Clusters aus: „Peer pressure, pride and the desire to look good in the community spur executives to outdo one another“ (Porter 1998).
Der Bildung von Clustern, die für alle Beteiligten gewinnbringend sind, stehen jedoch einige Hürden gegenüber. Es besteht ex-ante eine Unsicherheit über den Erfolg der Zusammenarbeit. Bei dem Versuch die Gefahr durch opportunistisches und egoistisches Verhalten ausgenutzt zu werden zu reduzieren treten Transaktionskosten auf. Diese entstehen etwa bei der Suche nach einem passenden Partner, dem Aufbau einer gemeinsamen Schnittstelle oder bei Maßnahmen, die die Reputation und das gegenseitige Vertrauen steigern sollen. Hinzu kommt, dass Innovation häufig auf hoch spezialisierte Inputs angewiesen ist, welche selten innerhalb eines großen Markts gehandelt werden. Dadurch wird die Suche weiter erschwert und der Anbieter der gesuchten Leistung erlangt einen Verhandlungsvorteil, der sich in höheren Kosten für den Leistungssuchenden niederschlägt. Somit kommt es nicht - mehr oder weniger automatisch - zu einer Clusterbildung, sondern erst nachdem die Schwelle der anfänglichen Transaktionskosten genommen wurde. Daraus leitet sich für die Technologiepolitik die Möglichkeit ab, solche formellen und informellen Beziehungen zu fördern und dadurch die Kooperationsschwelle zu senken. Es kann der Versuch unternommen werden nachhaltige regionale Innovationssyteme aufzubauen. Dies sind Systeme mit gemeinsamer Ordnung, die auf gegenseitiger Verständigung, Vertrauen und dem Vorherrschen von wechselseitigen Beziehungen innerhalb der regionalen Innovationsgemeinschaft basieren (Cooke, Introduction: origins of the concept 1998). Die Region selbst wird hierbei als Ort kollektiven technologischen Lernens charakterisiert und technologische Kompetenz als ein in der Region entwickeltes und verwurzeltes Gut betrachtet (Braczyk und Heidenreich 1998).
Es hat sich gezeigt, dass die Unterschiede zwischen einzelnen Regionen zu groß sind, als dass man eine einheitliche, für alle optimale Art der Arbeitsteilung finden und anwenden könnte (Tödtling und Trippl 2005). Das selbstorganisierte Vorgehen ermöglicht eine Konzeptentwicklung von unten nach oben, wodurch sichergestellt werden kann, dass auf die Bedürfnisse der potentiellen Teilnehmer des Innovationsnetzwerks optimal eingegangen wird. Die Politik vermeidet dadurch auch die Probleme,
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Arbeit zitieren:
Tim Roth, 2010, BioRegio - Hintergründe und theoretische Grundlagen des Förderprogramms, München, GRIN Verlag GmbH
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