“Little by little, business is enlarged with easy money. With the exhaustless reservoir of the Government of the United States furnishing easy money, the sales increase, the businesses enlarge, more new enterprises are started, the spirit of optimism pervades the community. Bankers are not free from it. They are human. The members of the Federal Reserve board will not be free of it. They are human... Everyone is making money. Everyone is growing rich. It goes up and up, the margin between costs and sales continually growing smaller as a result of the operation of inevitable laws, until finally someone whose judgment was bad, someone whose capacity for business was small, breaks; and as he falls he hits the next brick in the row, and then another, and then another, and down comes the whole structure.
That, sir, is no dream. That is the history of every movement of inflation since the world's business began, and it is the history of many a period in our own country. That is what happened to greater or less degree before the panic of 1837, of 1857, of 1873, of 1893 and of 1907. The precise formula which the students of economic movements have evolved to describe the reason for the crash following the universal process is that when credit exceeds the legitimate demands of the country the currency becomes suspected and gold leaves the country."
Elihu Root, US-amerikanischer Politiker und Friedensnobelpreisträger, 1913 (Paterson, 2009 [1993], 233)
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis I
1. Motivation und Hintergrund der Arbeit 1
2. Die österreichische Schule der Nationalökonomie 5
2.1 Der Kapitalmarkt 11
2.2 Die Produktionsmöglichkeitskurve 12
2.3 Die intertemporäre Produktionsstruktur 14
2.4 Verbindung der drei Bausteine Kapitalmarkt,
Produktionsm öglichkeitskurve und Produktionsstruktur 16
2.5 Nachhaltiges Wachstum 18
2.6 Veränderung der zeitlichen Präferenzen der Konsumenten 19
2.7 Aufschwung und Niedergang 22
2.8 Der Cantillon-Effekt 27
2.9 Kritik an der Österreichischen Konjunkturzyklustheorie 28
3. Anwendbarkeit der Österreichischen Konjunkturzyklustheorie
f ür ausgewählte Krisen 30
3.1 The Great Depression 30
3.2 Japans Bubble-Economy 35
3.3 Die Dotcom-Blase 36
3.4 Die Subprime-Krise 2007 41
4. Ergebnis 49
5. Ausblick 52
6. Literaturverzeichnis 54
Abbildungsverzeichnis:
Abb. 1 Der Kapitalmarkt Abb. 2 Die Produktionsmöglichkeitskurve Abb. 3
Abb. 5 Die Produktionsstruktur Abb. 6
Abb. 7 Die Verbindung der drei Bausteine untereinander Abb. 8 Nachhaltiges Wachstum bei unverändertem Zins Abb. 9 Verlagerung der Präferenzen der Konsumenten in die Zukunft Abb. 10
Abb. 11 Die Folgen künstlicher Kreditausweitung Abb. 12
1. Motivation und Hintergrund der Arbeit
Mit „Schwarzen Tagen“ bezeichnet man an der Börse jene Tage, die sich durch besondere Kursverluste auszeichnen. Solche Tage stehen meist am Beginn von Wirtschaftskrisen.
Im Verlauf des Jahres 2008 entwickelte sich eine Wirtschaftskrise, von der man zuerst annahm, dass sie sich auf ein kleines Immobiliensegment in Amerika beschränken würde (Leisinger 2007), die sich dann aber zur größten Finanzkrise seit dem Zweiten Weltkrieg entwickelte. Banken und Unternehmen wurden verstaatlicht, Leitzinssenkungen erlassen und Rettungspakete in Milliardenhöhe verabschiedet. Die Regierungen versuchten mit allen Mitteln, der Krise Herr zu werden. Derweil wird in den Medien die Schuldfrage diskutiert. Der Schuldige ist schnell gefunden: Der freie Markt hat versagt! Gierige Banker haben leichtfertig in riskante Finanzprodukte investiert und so eine weltweite Krise heraufbeschworen. Wie konnte das passieren? Wie ist es überhaupt möglich, dass so viele Banken rund um den Globus auf die gleiche, leichtfertige Weise spekulieren konnten? Wie ist es möglich, dass plötzlich all diesen Banken gleichzeitig die Insolvenz droht? Dabei kommt auch die Managervergütung zur Diskussion. Diese ist eher auf kurzfristigen Erfolg ausgelegt statt auf nachhaltiges Wachstum der betreffenden Unternehmen, und die Risikofreudigkeit liegt darin begründet. Auch wussten die Bankenvorstände, dass ihnen - im Falle einer drohenden Insolvenz - der Staat zur Hilfe eilen würde. In diesem Zusammenhang taucht der Begriff moral hazard in den Medien auf. Krugman (2009, 78) schreibt:
Der Begriff moral hazard stammt aus der Versicherungswirtschaft und bedeutet „Verführung zum Risiko“. Im allgemeinen Sinn wird er verwendet, um Situationen zu bezeichnen, in denen jemand ein Risiko eingeht, für das im Schadensfall nicht er selbst, sondern ein anderer gerade stehen muss.
Gier allein kann aber nach Aussage des US-amerikanischen
Wirtschaftshistorikers Thomas E. Woods nicht als Grund für die Entstehung der Krise angeführt werden. Er schreibt (2009, 2):
Blaming the crisis on “greed” is like blaming plane crashes on gravity.
1
Für den israelisch-amerikanischen Psychologen Daniel Kahneman sind Gier und Risikolust immanente Faktoren unseres kapitalistischen Systems:
2002 erhielt er zusammen mit Vernon L. Smith den Wirtschaftsnobelpreis für die Erweiterung der ökonomischen Theorie durch Erkenntnisse der Psychologie und die Begründung des neuen Forschungsgebiets Verhaltensökonomik.
Entgegen der klassischen ökonomischen Lehre, die den Menschen als immer rational handelnden Homo oeconomicus sieht, kommt Kahneman zu folgendem Ergebnis: Menschen jagen Gewinnen hinterher und ignorieren häufig die Risiken, in die sie sich dabei begeben - selbst wenn diese in keinem Verhältnis stehen. (Erben, Romeike, 2003, 45 ff.) Kahnemann sagt (2009):
Wenn die Wissenschaftler Ihnen erzählen, dass Sie sich absichern sollen oder dass Sie keine riskanten Papiere kaufen sollen - aber Sie wissen, dass alle Ihre Mitbewerber in diese Märkte investieren und daran verdienen, dann werden Sie Ihren Risikospezialisten nicht zuhören.
So kann möglicherweise erklärt werden, warum das Risikocontrolling der Banken all jene Insolvenzen bzw. Fast-Insolvenzen nicht verhindern konnte. Wenn Gier und Risikofreude aber Wirtschaftskrisen auslösen können, dann ist das kapitalistische System mit einem unzureichenden Ordnungsrahmen ausgestattet. Also muss die gegebene Regulierung des Bankensystems erweitert oder geändert werden.
Beck und Wienert (2009, 12) nennen neue Finanzprodukte, welche regulatorische Lücken ausnutzten, und menschliche Schwäche als Auslöser der Krise. Der Bankensektor schaffte Innovationen - neue, rentablere Wertpapiere mit scheinbar geringerem Risiko. Im Falle der aktuellen Wirtschaftskrise waren es hypothekengesicherte Wertpapiere, welche plötzlich reihenweise ausfielen und Banken rund um den Globus mit in den Abgrund rissen. Beck und Wienert (2009, 12) schreiben:
Die Regulierung war mit dieser Entwicklung naturgemäß überfordert, da sie stets nur bestehende Technologien und Methoden berücksichtigen kann, nicht aber Neuerungen - als Regulierer hinkt der Staat den Innovationen stets einen Schritt hinterher.
Regulatorische Maßnahmen können daher keinen sicheren Schutz vor Wirtschaftskrisen bieten. In den Medien wird auch die Politik der US-
2
amerikanischen Zentralbank, des sog. Federal Reserve Systems, kurz Fed für die Entstehung der Krise verantwortlich gemacht. Beck und Wienert (2009, 7) schreiben:
Eine Vorbedingung für das Entstehen der Finanzmarktkrise war, dass die Notenbanken, insbesondere die amerikanische Notenbank Fed (Federal Reserve), in den vergangenen zehn Jahren eine Politik extrem niedriger Zinsen betrieben.
Die Österreichische Schule erklärt die Entstehung des Konjunkturzyklus, also der Schwankungen im Auslastungsgrad der gesamtwirtschaftlichen
Produktionskapazität mit seinen Phasen Aufschwung, Abschwung, Rezession und evtl. Depression, als Folge von Kreditausweitung, also z.B. als Folge einer expansiven Geldpolitik. Von Mises (1948 [1998], 570) schreibt:
The wavelike movement affecting the economic system, the recurrence of periods of boom which are followed by periods of depression, is the unavoidable outcome of the attempts, repeated again and again, to lower the gross market rate of interest by means of credit expansion. There is no means of avoiding the final collapse of a boom brought about by credit expansion.
Vertretern der Österreichischen Konjunkturzyklustheorie ist es scheinbar lange vor anderen Wirtschaftswissenschaftlern möglich, Krisen vorauszusagen. Dies weckte das Interesse an diesem Thema für die vorliegende Arbeit. So warnte z.B. von Hayek Anfang 1929 vor einer sich anbahnenden größeren Wirtschaftskrise. Der US-amerikanische Ökonom und Vertreter der Österreichischen Schule Peter Schiff warnte im August 2006 vor einer schweren Rezession. 1 (2006a) Schiffs Buch Crash Proof: How to Profit From the Coming Economic Collapse erschien am 26. Februar 2007.
1 Siehe dazu auch Schiffs Rede anlässlich des Western Regional Mortgage Bankers Association Meeting 2006 (2006b)
3
Nach der Darstellung der Grundzüge dieser Theorie (zweites Kapitel) werden im dritten Kapitel dieser Arbeit die Weltwirtschaftskrise der dreißiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts, Japans Bubble-Economy, die Dotcom-Blase und die Subprime-Krise 2007 aus dem Blick dieser Theorie untersucht. Im Ergebnis wird die Frage beantwortet, ob sich die Theorie zur Erklärung der Krisen eignet. Der Ausblick liefert eine Betrachtung der gegenwärtigen globalen wirtschaftlichen Situation, auch im Hinblick auf die steigende Staatsverschuldung.
4
2. Die österreichische Schule der Nationalökonomie
Die Österreichische Konjunkturzyklustheorie ist eine kapitalbasierte
Wirtschaftstheorie. Sie erklärt das Auftreten von Konjunkturzyklen als unvermeidliche Konsequenz einer exzessiven Kreditvergabe durch Banken, welche z.B. auf expansive Zentralbankpolitik zurückzuführen ist. Wenn Leitzinsen für lange Zeit zu niedrig gehalten werden, führt dies schließlich zu übermäßiger Kreditvergabe, unverhältnismäßig hoher Verschuldung und Spekulationsblasen. Es entsteht ein gefährliches Ungleichgewicht zwischen vorhandenden Ersparnissen und getätigten Investitionen. (Polleit 2007)
Demnach ergibt sich der Konjunkturzyklus aufgrund von niedrigen Leitzinsen, wodurch die Kreditvergabe durch das Bankensystem angefacht wird. In einem Bankensystem mit partieller Reservepflicht bewirkt die ausgeweitete Kreditvergabe eine übermäßige Ausweitung der Geldversorgung. Dies führt in der Folge zu einem nicht aufrecht zu erhaltenden, kreditbedingten Boom, in dem ausgedehnte Fehlinvestitionen getätigt werden. Sinnvolle
Investitionsmöglichkeiten gehen schließlich zurück und es resultiert eine massive Fehlallokation von Ressourcen in Bereiche, die lediglich aufgrund der Geldmengenausweitung investitionsattraktiv erscheinen.
Die Kreditexpansion muss aufgrund steigender Inflation früher oder später eingeschränkt werden, dadurch setzt eine Korrektur ein. Letztendlich führt Kreditverknappung zum Platzen der Spekulationsblase bzw. zum Beginn der Rezession während der die Fehlinvestitionen des Booms beseitigt werden. Die freiwerdenden Ressourcen können dann einer sinnvolleren Verwendung zugeführt werden.
Carl Menger begründet die österreichische Konjunkturzyklustheorie in seiner Grundsätze der wirtschaftswissenschaftlichen Ideensammlung
Volkswirtschaftslehre (1871). Darin entwickelt er die Vorstellung eines mehrstufigen, zeitaufwändigen Produktionsprozesses. Nach Menger sind sog. Güter erster Ordnung solche Güter, die „[…] wir unmittelbar zur Befriedigung unserer Bedürfnisse zu verwenden vermögen, gleichwie die Getränke, die Kleidungsstücke, die Schmuckgegenstände u. dgl. m.“ Güter, welche nicht die Tauglichkeit besitzen, „[…] in unmittelbarer Weise menschliche Bedürfnisse zu befriedigen, doch zur Hervorbringung von Gütern erster Ordnung dienen und so in einen mittelbaren Kausal-Zusammenhang mit der Befriedigung menschlicher
5
Bedürfnisse gesetzt werden können […]“ stellen dementsprechend Güter höherer Ordnung dar.
Der Prozess, durch welchen die Güter höherer Ordnung stufenweise in solche niederer Ordnung umgestaltet und diese schließlich der Befriedigung menschlicher Bedürfnisse zugeführt werden, ist […] kein regelloser, sondern steht gleich allen übrigen Wandlungsprozessen unter den Gesetzen der Kausalität. (Menger 1871, 8 f)
Die Stufen des Produktionsprozesses stehen also in einem
Abhängigkeitsverhältnis mit ihren jeweils benachbarten Stufen. Güter höherer Ordnung, wie z.B. Rohstoffe, dienen zur Produktion von Gütern niederer Ordnung und somit schließlich zur Deckung des menschlichen Bedarfes. Der zukünftige Bedarf ist jedoch weitestgehend ungewiss. Die Umwandlung der Güter höherer Ordnung in Güter niedrigerer Ordnung setzt voraus, dass „wir zugleich über die komplementären Quantitäten der übrigen Güter höherer Ordnung zu verfügen in der Lage sind […]“ - dass also zu gegebener Zeit die benötigten Produktionsmittel zur Verfügung stehen. (Menger 1871, 40)
Eugen von Böhm-Bawerk erweitert Mengers Vorstellungen von einem zeitaufwändigen, kapitalabhängigen Produktionsprozess, der den Kerngedanken der Österreichischen Konjunkturzyklustheorie darstellt, in seinem Buch Kapital und Kapitalzins (1884). (Glasner, Garrison, 1997, 23)
Knut Wicksells Geldzins und Güterpreise (1898) erklärt volkswirtschaftliche Ungleichgewichte mit einem Auseinanderklaffen des sog. „natürlichen Zins“ und dem von den Banken festgelegten Zins und bildet die Basis für das österreichische Konzept der Kapitalfehlallokation während des Booms. Der Marktprozess, der diese Fehlallokation möglicherweise aufdeckt und dann den Aufschwung umkehrt, gleicht einem analogen Prozess, der von der British Currency School, einer Gruppe britischer Ökonomen, im achtzehnten Jahrhundert beschrieben wurde. (Glasner, Garrison, 1997, 23)
Nach Wicksell gleicht der Zinssatz die Nachfrage nach Ersparnissen dem Angebot von Ersparnissen auf dem Kapitalmarkt an. Wicksell nennt den resultierenden Zinssatz „natürlichen Zins“. In einer Volkswirtschaft, in der mit ungedecktem Geld bezahlt wird, weicht der resultierende „Geldzins“ von diesem natürlichen Zins ab, da die Versorgung mit Kapital nicht in ihrer natürlichen Form
6
stattfindet, sondern in der Form von Geld, dessen Menge durch die Banken verändert werden kann. (Wicksell 1898 [2006], 130 ff.)
Ludwig von Mises dehnt in seinem Buch Theorie des Geldes und der Umlaufsmittel (1912) Mengers Produktionsstufenlehre auf die Analyse der Geldwirtschaft aus und baut daraus die sog. Österreichische Konjunkturtheorie auf. In seinem Werk Nationalökonomie (1940) schreibt er:
Ein Rückblick auf die Wirtschaftsgeschichte des 19. Jahrhunderts kann heute feststellen, dass das Versagen des Liberalismus in der Bankfrage dem kapitalistischen System zum Verhängnis geworden ist. Dass die liberalen Politiker in diesem Punkte vor den volkstümlichen Irrtümern zurückgewichen sind, dass sie die doppelte Irrlehre, dass der Staat auf „billiges“ Geld und hohe Preise hinarbeiten müsse und dass man beides durch Kreditausweitung dauernd und ohne sonstige Nachteile erzielen könne, nicht auszurotten vermochten […] hat die schwerwiegendsten Folgen gehabt. (Mises, 1940, 404)
Durch die Kreditausweitung 1 erscheinen Projekte rentabel, welche sonst nicht rentabel wären. Dies führt zu einer Fehlallokation von Kapital.
Das Merkmal der Kreditausweitungshausse liegt darin, dass die für die Erweiterung der Produktion erforderten Mengen [an Kapitalgütern] […] nicht anders beschafft werden können […] als indem man sie den [anderen] Beständen […] entzieht […]. (Mises, 1940, 509)
Letztendlich kann nur so weit investiert werden, wie auch reale Ressourcen zur Verfügung stehen. Während der Kreditausweitungshausse, wie von Mises den durch die Kreditausweitung hervorgerufenen Aufschwung nennt, steigen deshalb die Preise bestimmter Produktionsfaktoren. Das Fehlen der zum Abschluss der begonnenen Projekte erforderlichen Ressourcen bleibt den Unternehmern jedoch vorerst verborgen, da die Banken der Wirtschaft immer weiter Kreditmittel zur Verfügung stellen.
1 Eine Geldmengenausweitung durch die Zentralbank führt letztendlich dazu, dass vermehrt Kredite vergeben werden. Mises verwendet den Begriff „Kreditausweitung“. Im Folgenden werden beide Begriffe synonym verwendet. 7
Sie [die Unternehmer] sehen in dem Umstand, dass die Werke, die Produktionsmittel erzeugen, einen Auftragsbestand haben, der ihnen auf lange Zeit hinaus Beschäftigung sichert, ein günstiges Zeichen und erkennen nicht, dass die damit verbundene Hinausschiebung der Lieferungstermine den Mangel an den zur Durchführung ihrer Pläne erforderten Kapitalgütern anzeigt. (Mises, 1940, 512)
Die Kreditausweitung kann nicht ewig fortgesetzt werden. Schließlich müssen die Unternehmer ihre Geschäfte einschränken, da ihnen die zur Fortführung erforderlichen Geldmittel fehlen. Der Konjunkturaufschwung verwandelt sich in einen Abschwung.
„Aus institutionellen und massenpsychologischen Gründen vollzieht sich der Umschlag vom aufsteigenden zum absteigenden Ast der Konjunktur panikartig.“ (Mises, 1940, 512)
Durch die Höhe der Preise bzw. der Löhne, welche sich aus Angebot und Nachfrage ergeben, lenkt der Markt über Angebot und Nachfrage die Produktion derart, wie sie die Bedürfnisse der Verbraucher am besten zu befriedigen vermag. Durch die Ressourcenfehlallokation während des Aufschwungs wurde Kapital verbraucht, welches an anderer Stelle wirtschaftlicher hätte verwendet werden können. Der Überinvestition in verschiedenen Produktionszweigen steht eine Unterinvestition in anderen Produktionszweigen gegenüber. Die Reallokation der betreffenden Ressourcen benötigt Zeit, während der benötigte Produktionsanlagen nicht voll genutzt werden können. Der Weg zurück zu steigendem Wohlstand führt über sinkende Löhne und Sparen.
[…] die Massen müssen ihren Verbrauch einschränken, bis das durch Fehlleitung verschwendete Kapital wieder ersetzt wurde. Wenn man in den Anpassungsprozess durch neue Kreditausweitung eingreift, verzögert man ihn, wenn man nicht gar einen neuen Aufschwung mit allen seinen unausbleiblichen Folgen auslöst. (Mises, 1940, 526)
Friedrich August von Hayek baut von Mises Konjunkturtheorie durch sein Werk Preise und Produktion (1931) weiter aus. Im Februar 1929 warnte er vor einer sich anbahnenden größeren Wirtschaftskrise (Steele, 2001, 9). Für seine Arbeiten im Bereich der österreichischen Konjunkturtheorie bekam von Hayek gemeinsam mit dem Schweden Gunnar Myrdal 1974 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften.
8
Die Entstehung von Depressionen oder Rezessionen bzw. deren Verlängerung ist von Hayek zufolge nicht ausschließlich einer Politik der Kreditausweitung zuzuschreiben. Ihre Ursachen können auch in öffentlichen Ausgabenprogrammen oder Besteuerungssystemen gesucht werden:
Though I believe that recurring business depressions can only be explained by the operation of our monetary institutions, I do not believe that it is possible to explain in this way every stagnation of business. This applies in particular to the kind of prolonged depression through which some European countries are passing today. It would be easy to demonstrate […] that certain kinds of State action, by causing a shift in demand from producers' goods to consumers' goods, may cause a continued shrinking of the capitalist structure of production, and therefore prolonged stagnation. This may be true of increased public expenditure in general or of particular forms of taxation or particular forms of public expenditure. In such cases, of course, no tampering with the monetary system can help. Only a radical revision of public policy can provide the remedy. (Hayek, 1932 [1931], 128)
In unserer heutigen Welt ist ungedecktes Geld, sog. Fiat-Money als Zahlungsmittel selbstverständlich. Als Alternative kommt eine rohstoffgedeckte Währung, z.B. Gold, als Zahlungsmittel in Frage. Mit dem Bretton-Woods-Abkommen bestand zwischen 1944 und 1973 ein Währungssystem, das von dem durch einen Goldstandard definierten US-Dollar als Leitwährung geprägt war. Die US-Zentralbank verpflichtete sich damals, Dollarreserven jedes Mitgliedsstaates des Währungssystems auf Verlangen zum Kurs von 35 Dollar je Feinunze in Gold umzutauschen. Die Handelsüberschussländer bauten jedochwie heute China - zur Wechselkursstabilisierung Dollarreserven auf. Die festen Wechselkurse für die Währungen der Mitgliedsstaaten waren wegen unterschiedlichen Inflationsraten schließlich nicht mehr haltbar.
Vertreter der Österreichischen Schule fordern die Abkehr von ungedeckten Zahlungsmitteln und die Rückkehr zu einer rohstoffgedeckten Währung. Dadurch wird es den Finanzinstituten unmöglich gemacht, die Geldmenge derart zu variieren. Der Theorie zu Folge hätten damit auch die heftigen Konjunkturumschwünge, die das kapitalistische System scheinbar mit sich bringt, ein Ende.
Sachgeld konnte im bisherigen Verlaufe der Wirtschaftsgeschichte nie in dem Umfang vermehrt werden, in dem die Kreditausweitung oder die Vermehrung von Kredit- und Zeichengeld vorsichgehen kann. Die Vermehrung des Sachgeldes ging in der Regel langsamer vonstatten, ihre Begleiterscheinungen vollzogen sich weniger heftig und fielen weniger auf.
9
Die Konjunkturwellen, die sie brachten, waren länger, weil die Tendenzen, die die Sachgeldproduktion beherrschen, stetiger sind und Umschläge nicht mit jener Plötzlichkeit erfolgen, die ein Kennzeichen des Umschwungs in der Kreditpolitik ist. (Mises, 1940, 520)
Im Folgenden wird die Österreichische Konjunkturzyklustheorie in Anlehnung an Garrison (2001) beschrieben. Mit Hilfe der drei Bausteine Kapitalmarkt, Produktionsmöglichkeitskurve und Produktionsstruktur entwickelt er einen graphischen Rahmen, der sich eignet, den Marktprozess im Hinblick auf die intertemporäre Ressourcenallokation darzustellen. (Garrison, 2001, 34 ff.)
10
2.1 Der Kapitalmarkt
Der Kapitalmarkt bringt die Anbieter von Ersparnissen mit den Nachfragern dieser Ersparnisse, z.B. Unternehmen, welche Investitionen planen und dafür Kredit aufnehmen müssen, zusammen. Der Zinssatz auf dem Kapitalmarkt ist der Preis, den die Nachfrager für zusätzliches Kapital zahlen bzw. die Anbieter für ihr verliehenes Kapital erhalten. Der Kapitalmarkt koordiniert den
Produktionsprozess über die zeitlichen Präferenzen der Konsumenten, welche ihr Einkommen entweder für die Produkte ausgeben, die den Produktionsprozess verlassen, oder für Käufe in der Zukunft sparen sowie über die Produktionspläne der Unternehmer, die durch Ersatz- oder Neuinvestitionen die volkswirtschaftliche Produktionskapazität erhalten oder ausbauen können.
In einer geschlossenen Volkswirtschaft ohne Staatsaktivität bildet sich der Gleichgewichtszinssatz durch Angebot und Nachfrage an Kapital auf dem Kapitalmarkt. Wenn z.B. weniger Kapital verfügbar ist als Unternehmer nachfragen, um geplante Investitionen tätigen zu können, so steigt der Preis für Kapital, der durch den Zinssatz gegeben ist. Steigender Zins wiederum bedeutet einen erhöhten Anreiz zum Sparen und sinkende Kapitalnachfrage, da weniger Unternehmer bereit sind, Kapital zu diesem Preis nachzufragen. Der Gleichgewichtszins (i eq ) ist durch den Schnittpunkt der Spargeraden (S) mit der Investitionsgeraden (I) gegeben.
2.2 Die Produktionsmöglichkeitskurve
Die Produktionsmöglichkeitskurve wird in Lehrbüchern zur Erläuterung der Ressourcenknappheit herangezogen. Nach einem Beispiel von Samuelson können in einer Volkswirtschaft lediglich Kanonen und Butter produziert werden. Werden die volkswirtschaftlichen Ressourcen z.B. in Friedenszeiten vermehrt zur Produktion von Butter eingesetzt, so können zu dieser Zeit weniger Kanonen produziert werden, da für ihre Produktion weniger Ressourcen verbleiben. (Samuelson, Nordhaus, 1989, 27)
Wenn man vereinfacht annimmt, dass die für die Produktion eingesetzten Maschinen sehr leicht von der Produktion von Kanonen auf die Produktion von Butter umgestellt werden können und die in der Produktion tätigen Arbeiter sowohl in der Produktion des einen, als auch des anderen Gutes eingesetzt werden können, so kann man sich leicht vorstellen, dass die Produktionsmöglichkeiten in der beschriebenen Volkswirtschaft die Produktion von Butter und Kanonen in jedem gewünschten Verhältnis erlaubt. Die zu einem bestimmten Zeitpunkt bestehenden Kapazitäten sind jedoch begrenzt, denn aus der vermehrten Produktion des einen Gutes muss die verminderte Produktion des anderen Gutes folgen. Die gegenwärtige Nutzung der Kapazitäten wird durch einen Punkt auf der Produktionsmöglichkeitskurve dargestellt. Werden sie z.B. in Kriegszeiten vermehrt für die Produktion von Kanonen eingesetzt, so wandert dieser Punkt auf der Kurve entlang nach rechts unten.
Samuelsons Beispiel unterscheidet zwischen Butter und Kanonen. Es ist auf eine realistischere Volkswirtschaft übertragbar, in der die vorhandenen Ressourcen entweder vermehrt für die Produktion von Konsumgütern oder vermehrt für die Produktion von Investitionsgütern herangezogen werden können. Unter Investitionsgütern sind langlebige ökonomische Güter zu verstehen, Maschinen und Werkzeuge, wie sie in Unternehmen zur Herstellung und Weiterverarbeitung von Gütern genutzt werden. Konsumgüter dagegen sind für den privaten Ge- und
12
Verbrauch vorgesehen. Da sich auch Investitionsgüter mit der Zeit abnutzen und sie ausgetauscht werden müssen, gibt es einen Punkt auf der Produktionsmöglichkeitskurve, der einen Zustand darstellt, in dem die Menge der produzierten Investitionsgüter gerade ausreicht, um diese abgenutzten Maschinen zu ersetzen. Es ist denkbar, dass in der beschriebenen Volkswirtschaft zu einem Zeitpunkt mehr Produktionsmaschinen hergestellt werden, als es zum Austausch alter und abgenutzter Maschinen nötig wäre (t 0 ). Da diese Maschinen nun für die Produktion von Gütern zur Verfügung stehen, führt dies zu einer Ausweitung der Produktionskapazitäten. Dies wird durch eine Verschiebung der Produktionsmöglichkeitskurve nach außen dargestellt. Bei gleichbleibendem Verhältnis der Produktion von Konsum- und Investitionsgütern ergibt sich der neue Punkt (t 1 ).
Abb. 3: Die vermehrte Produktion von Investitionsgütern führt zur Ausweitung der Produktionskapazitäten
Genauso gut ist es möglich, dass sich die gedachte Volkswirtschaft derart auf die Produktion von Konsumgütern konzentriert, dass schließlich zu wenig Maschinen hergestellt werden, als es zum Austausch alter und abgenutzter Maschinen ausreichend wäre. Die Produktionskapazitäten in dieser Volkswirtschaft nehmen folglich ab, die Produktionsmöglichkeitskurve verschiebt sich nach innen.
Abb. 4: Die vermehrte Produktion von Konsumgütern führt zur Verminderung der Produktionskapazitäten
13
2.3 Die intertemporäre Produktionsstruktur
Die intertemporäre Produktionsstruktur stellt die gegebene volkswirtschaftliche Ressourcenallokation zu einem bestimmten Zeitpunkt dar. Garrison orientiert sich in seinen Ausführungen an von Hayek. In seinem Werk Preise und Produktion (1931) stellt von Hayek diese in Form eines rechtwinkligen Dreiecks dar.
In order to get a clear view of what is actually implied by these changes in the structure of production, it is useful to employ a schematic representation. For this purpose, I find it convenient to represent the successive applications of the original means of production which are needed to bring forth the output of consumers' goods accruing at any moment of time, by the hypotenuse of a right-angled triangle […] (Hayek, 1931 [1932], 38 f.)
Bei der Erzförderung wird z.B. Eisenerz gewonnen, während der Verhüttung entsteht daraus Stahl. Während der Produktion werden daraus fertige Produkte gewonnen, welche z.B. an einen Unterlieferanten verkauft und schließlich im Einzelhandel an Kunden weiterverkauft werden. Die horizontale Kathete des Dreiecks, welche aufgeteilt ist in die verschiedenen Produktionsstufen, entspricht einem Zeitstrahl, nämlich der Zeit, während der Produkte den Produktionsprozess durchlaufen. Man kann sich vorstellen, dass die Höhe der vertikalen Kathete den Wert des fertigen Produkts darstellt. Diese Kathete könnte aufgeteilt werden, indem man jeweils den Wertzuwachs, welchen das Produkt durch die Veredelung in den einzelnen Produktionsstufen erhält, subtrahiert.
14
Abb. 6: Die Produktionsstruktur trägt einem zeitaufwändigen Produktionsprozess Rechnung
Über diese Dreieckskonstruktion kann die Zeitdimension des
Produktionsprozesses mit der Wertdimension des Produktionsprozesses in Beziehung gesetzt werden. Die Theorie trägt einem zeitaufwändigen Produktionsprozess Rechnung. Die horizontale Kathete repräsentiert die einzelnen Stufen eines Produktionsprozesses, welche in der Gegenwart einem bestimmten Aufbau unterliegen. Diese Darstellung eignet sich gut, um einen Bezug zur volkswirtschaftlichen Kapitalstruktur, dem Aufbau der bei der Herstellung eines Guts beteiligten Produktionsmittel, herzustellen. Die im Beispiel genannten Produktionsstufen Erzförderung, Verhüttung usw. dienen lediglich der Darstellung. Allgemein sind auf der linken Seite des Dreiecks Investitionen auf lange Sicht angesiedelt, Projekte, deren Fertigstellung sehr zeitaufwändig ist. Solche Projekte werden bevorzugt getätigt, wenn die Zinsen niedrig sind, da sie dann gewinnträchtiger erscheinen. Z.B. kann man annehmen, dass der Bau eines neuen Einkaufszentrums von der Planung bis zur Fertigstellung mehrere Jahre in Anspruch nimmt. In dieser Zeit wirft das Projekt noch keinen Gewinn ab, sondern muss kreditfinanziert werden. Die Investitionsentscheidung ist daher sehr stark vom Zins abhängig. Auf der rechten Seite des Dreiecks sind Projekte angesiedelt, deren Fertigstellung in naher Zukunft absehbar ist. Die Rentabilität dieser Projekte ist eher von Nachfrageschwankungen abhängig.
Die intertemporäre Produktionsstruktur ist das entscheidende Element der Darstellung innerhalb der Österreichischen Konjunkturzyklustheorie. Die Allokation von Kapital innerhalb dieser Produktionsstruktur macht schließlich den Unterschied zwischen einem nachhaltigen und einem nicht aufrecht zu erhaltenden Aufschwung aus. Aus diesem Grunde eignen sich volkswirtschaftliche Kennzahlen wie z.B. das Bruttoinlandsprodukt (BIP), das den Gesamtwert aller Güter angibt, die innerhalb eines Jahres innerhalb der 15
Landesgrenzen einer Volkswirtschaft hergestellt werden, nicht für eine Untersuchung nach dieser Theorie. Vielmehr müsste das BIP nach der Art der hergestellten Konsumgüter und hergestellten Investitionsgüter analysiert werden. Entscheidend wäre dann die Zusammensetzung der Investitionsgüter, welche letztendlich das Profil des volkswirtschaftlichen Kapitalstocks ausmachen. O’Driscoll und Rizzo schreiben (1996, 190):
Monetary shocks produce certain types of discoordination in markets. The process of adjusting to these shocks produces effects on aggregative variables. It is not possible, however, to analyze these effects in terms of a standard macrotheory. The level of aggregation necessarily obscures the economic phenomenon being studied. If one were, for instance, to aggregate heterogeneous capital goods into “capital,” the complex relationships among capital goods would be lost.
2.4 Verbindung der drei Bausteine Kapitalmarkt, Produktionsmöglichkeitskurve und Produktionsstruktur
Abb. 7: Die Verbindung der drei Bausteine untereinander (Garrison, 2001, 50)
Die drei Bausteine Kapitalmarkt, Produktionsmöglichkeitskurve und
Produktionsstruktur werden nun miteinander verbunden. Unter der Annahme, dass es sich um eine rein private Volkswirtschaft ohne öffentlichen Sektor handelt, kann der Kapitalmarkt mit der Produktionsmöglichkeitskurve über die Größe Investitionsgüter verbunden werden. Die Produktionsmöglichkeitskurve wird mit der Produktionsstruktur verbunden. Die rechte Seite des
16
Produktionsstrukturdreiecks stellt fertige Produkte dar. Die Steigung des Dreiecks korreliert derart mit dem Zinssatz, dass sich aus einem niedrigeren Zinssatz eine flachere Steigung ergeben würde.
In ihrer einfachsten Interpretation stellt Abb. 7 eine gedachte Volkswirtschaft dar, in der der Gleichgewichtszins Wicksells „natürlichem Zins“ entspricht. Die Nachfrage nach Ersparnissen für Investitionen ist dann dem Angebot von Ersparnissen durch Sparen gleich. In der Volkswirtschaft herrscht Vollbeschäftigung oder Arbeitslosigkeit in Höhe ihrer natürlichen Rate. Das Verhältnis zwischen Konsumgütern und Investitionsgütern auf der Produktionsmöglichkeitskurve ist derart, dass produzierte Investitionsgüter gerade ausreichen, um veraltete, verbrauchte Teile des Kapitalstocks zu ersetzen. Diese Investitionen werden so auf die Produktionsstufen verteilt, dass jede Stufe ihre Produktionskapazität aufrecht erhalten kann. Es gibt keine Nettoinvestitionen, d.h. keine Investitionen, welche die Produktionskapazität einer Stufe erhöhen. Die Einkommen werden in dieser Volkswirtschaft teilweise gespart und so der Finanzierung von Ersatzinvestitionen zugeführt. Der Rest wird für den Konsum der gegenwärtig produzierten Güter ausgegeben.
17
2.5 Nachhaltiges Wachstum
Abb. 8: Nachhaltiges Wachstum bei unverändertem Zins (Garrison, 2001, 54)
In der gedachten, in Abb 8 dargestellten Volkswirtschaft, werde mehr gespart und investiert als in Abb. 7, sodass die Höhe der getätigten Bruttoinvestitionen ausreicht, um Teile des verbrauchten Kapitalstocks zu ersetzen und darüber hinaus Neuinvestitionen zu tätigen. Dies führt folglich zu einer Ausweitung der Produktionskapazitäten und wird durch die Verschiebung der
Produktionsmöglichkeitskurve nach außen dargestellt. Bei gleichem Verhältnis zwischen Konsum- und Investitionsgütern wandert die Produktion von (t 0 ) nach (t 1 ). Die zeitlichen Präferenzen der Konsumenten haben sich nicht verändert, jedoch wachsen die Einkommen der Sparer durch die gesteigerte Produktion. Dadurch werden auch vermehrt Ersparnisse auf dem Kapitalmarkt angeboten. Die Unternehmen fragen vermehrt Ersparnisse nach, um den wachsenden Kapitalstock zu unterhalten und auszubauen. Bei gleichbleibendem Zins (i eq ) wird die Zunahme der angebotenen Ersparnisse bei gleichzeitig höherer Nachfrage nach Ersparnissen durch eine Rechtsverschiebung der beiden Geraden (I) und (S) auf dem Kapitalmarkt dargestellt. Mit wachsenden Produktionskapazitäten wird einer wachsenden und in der Zukunft höheren Konsumgüternachfrage Rechnung getragen.
Die Ressourcenallokation innerhalb der volkswirtschaftlichen Produktionsstruktur erfolgt nun dergestalt, dass sich lediglich die Größe, nicht jedoch das Profil der gegebenen Ressourcen verändert. Die vertikale Kathete des
Produktionsstrukturdreiecks verlängert sich, es werden nun mehr Konsumgüter
18
hergestellt. Die horizontale Kathete des Produktionsstrukturdreiecks verlängert sich ebenfalls, es werden mehr Investitionen getätigt. Der Zinssatz auf dem Kapitalmarkt hat bleibt unverändert, so auch die Steigung des Dreiecks.
Darüber hinaus führen der technische Fortschritt und die höhere Verfügbarkeit von Ressourcen zu einem nachhaltigen Wachstum der Produktionskapazitäten in einer Volkswirtschaft. (Garrison, 2001, 57 ff.)
2.6 Veränderung der zeitlichen Präferenzen der Konsumenten
Nach der österreichischen Sichtweise entsteht nachhaltiges Wachstum nicht als Folge einer auf ökonomisches Wachstum ausgerichteten Politik, sondern durch Sparen. Die zeitlichen Präferenzen der Konsumenten sind dabei in die Zukunft verlagert, Sparen bedeutet zwar Verzicht auf Konsum in der Gegenwart, jedoch auch die Absicht höheren Konsums in der Zukunft.
Abb. 9: Verlagerung der Präferenzen der Konsumenten in die Zukunft (Garrison, 2001, 62)
In Abb. 9 wird die erhöhte Sparneigung durch eine Verschiebung der Spargeraden auf dem Kapitalmarkt nach rechts dargestellt. Durch den fallenden Gleichgewichtszins von (i eq ) nach (i’ eq ) wird die Investitionstätigkeit in der zugrunde liegenden Volkswirtschaft angefacht. Dies impliziert aber auch eine Verringerung des gegenwärtigen Konsums. Die freiwerdenden Ressourcen können stattdessen für die Produktion von Investitionsgütern in Anspruch genommen werden. Die Volkswirtschaft befindet sich auf dem Wachstumspfad.
19
Es ist anzumerken, dass hier keine signifikante Veränderung der Einkommen stattfindet. Bei sinkendem Konsum ohne eine Zunahme der Investitionstätigkeit würden auch die Einkommen abnehmen und folglich auch der Zufluss von Ersparnissen auf dem Kapitalmarkt. 1
Nachdem sich die auf der Produktionsmöglichkeitskurve dargestellte Produktion zugunsten der Investitionsgüter hin verlagert hat, muss sich auch die vertikale Kathete des Produktionsstrukturdreiecks verkürzen. Das Dreieck weist nun, da der Zinssatz auf dem Kapitalmarkt gefallen ist, eine flachere Steigung auf. Da die gegenwärtige Nachfrage nach Konsumgütern sinkt, ergeben sich vor allem in den späten Stufen des Produktionsprozesses Überkapazitäten. Ressourcen, welche in diesem Teil der Produktionsstruktur gebunden waren, werden nun frei und können zu früheren Stufen des Produktionsprozesses hin verlagert werden. Dies geschieht, da die Zinsen niedrig sind. Es ergibt sich dadurch ein Umfeld, in dem bevorzugt Investitionen auf lange Sicht getätigt werden. (Hayek, 1947, 220 ff.) Die Veränderung der Ressourcenallokation wird durch eine Erweiterung des Produktionsstrukturdreiecks auf der linken Seite dargestellt.
1 Dies würde Keynes Paradoxon des Sparens bestätigen, nach dem erhöhte Sparneigung zu einer Verringerung der Einkommen führt und einen Abwärtsprozess in Gang setzt. (Garrison, 2001, 63)
20
Abb. 10: Die Veränderung der zeitlichen Präferenzen der Konsumenten steht im Einklang mit der Produktion von Gütern „höherer Ordnung“
Auch sind die Konsumenten bereit, länger auf die Fertigstellung der Konsumgüter zu warten. Der Produktionsprozess verlängert sich auf diese Weise insgesamt. Es kann daher z.B. vermehrt Forschung und Entwicklung betrieben werden. Mengers Güter erster Ordnung, also konsumtaugliche Güter (G1O in Abb. 10), sind auf der rechten Seite des Dreiecks anzusiedeln (Menger, 1871, 8 ff.). Die Veränderung der zeitlichen Präferenzen führt zur Produktion von Gütern „höherer Ordnung“. In der Abbildung erhält der fünfstufige Produktionsprozess eine weitere Stufe (G6O). Dort sind Forschung und Entwicklung aus dem Beispiel einzuordnen. Im Ergebnis wird aufgrund von höheren Produktionskapazitäten einer in Zukunft höheren Konsumgüternachfrage Rechnung getragen.
Durch die graphische Konstruktion wird eine Abnahme des gegenwärtigen Konsums und erhöhte Sparneigung beschrieben. Gleichzeitig werden die volkswirtschaftlichen Produktionskapazitäten ausgebaut. Nachhaltiges Wachstum bei unverändertem Zins wurde bereits beschrieben und in Abb. 8 graphisch dargestellt. Ein Zustand, welcher zwischen den beiden Darstellungen liegt, impliziert dagegen eher eine verringerte Wachstumsrate der
Konsumgüternachfrage als eine Abnahme derselben während des Restrukturierungsprozesses. Aus der Veränderung der zeitlichen Präferenzen der Konsumenten ergibt sich nachhaltiges Wachstum durch den Ausbau der volkswirtschaftlichen Produktionskapazitäten, einhergehend mit einer
Ausrichtung der Ressourcen auf wachsende und höhere Konsumgüternachfrage in der Zukunft.
21
2.7 Aufschwung und Niedergang
Ausschlaggebend aus der österreichischen Sichtweise ist die Ausrichtung der volkswirtschaftlichen Ressourcen auf die zeitlichen Präferenzen der Konsumenten über den Zinssatz. Nach dieser Konstruktion ist Wachstum nachhaltig, wenn innerhalb einer Volkswirtschaft die Spar- und Investitionsrate die Rate der Kapitalwertminderung übersteigt. Die Konstruktion eignet sich ebenso, um einen durch Kreditausweitung ausgelösten Aufschwung zu beschreiben und aufzuzeigen, warum Wachstum, welches in der Folge entsteht, nicht nachhaltig ist.
Abb. 11: Die Folgen künstlicher Kreditausweitung (Garrison, 2001, 69)
Abb. 11 stellt die volkswirtschaftlichen Auswirkungen einer Kreditausweitung dar, wie sie z.B. nach einer Leitzinssenkung oder einer Senkung der Mindestreserveverpflichtung der Banken erfolgt. Es wird dabei angenommen, dass die zeitlichen Präferenzen der Konsumenten sich nicht verändert haben. Zum Angebot an Ersparnissen (S) auf dem Kapitalmarkt werden jetzt noch die zusätzlichen Mittel durch die Kreditausweitung (¨MK) hinzuaddiert. In der Folge sinkt der Zinssatz auf dem Kapitalmarkt wie auch bei Abb. 9, in der jedoch eine Veränderung der zeitlichen Präferenzen der Konsumenten zu einem sinkenden Zins führt. Es entsteht durch die Kreditausweitung eine Divergenz zwischen dem sich ergebenden Marktzins und Wicksells „natürlichem Zins“. In der Volkswirtschaft, welche Abb. 9 zugrunde liegt, geht ein Ausbau der Produktionskapazitäten einher mit einer in Zukunft höheren Güternachfrage. In der Abb. 11 zugrunde liegenden Volkswirtschaft laufen diese beiden Größen
22
jedoch in verschiedene Richtungen. Während die Sparrate mit dem sich ergebenden Marktzins sinkt, werden Investitionen getätigt, welche den volkswirtschaftlichen Kapitalstock auf eine in Zukunft höhere
Konsumgüternachfrage ausrichten. Auf die Produktionsmöglichkeitskurve übertragen bedeutet dies eine Bewegung in Richtung Konsumgüterproduktion, welche sich aus der niedrigeren Sparrate beim „künstlichen“ Marktzins (i‘) ergibt, wie auch eine Bewegung in Richtung Investitionsgüterproduktion, die sich aus der höheren Investitionsneigung bei diesem Zins ergibt. Das Resultat ist eine Bewegung nach außen, in den Bereich außerhalb der gegebenen Produktionsmöglichkeitskurve.
Der Zustand, in welchem sich die gedachte Volkswirtschaft befindet, ist folglich vorübergehend und nicht dauerhaft aufrecht zu erhalten. Damit geht eine überzogene Ressourcenausnutzung einher und die Arbeitslosigkeit sinkt gegebenenfalls unter ihre „natürliche Rate“.
Garrison beschreibt die Bewegung in den Bereich außerhalb der gegebenen Produktionsmöglichkeitskurve als ein „Tauziehen“ zwischen Investoren und Konsumenten um Ressourcen. (Garrison, 2001, 71)
Da die Investoren stärker von den durch die Kreditausweitung zur Verfügung gestellten Mitteln profitieren, besteht eine Neigung in Richtung
Investitionsgüterproduktion. Würden die Mittel in entsprechender Höhe (z.B. als Transferleistungen) an die Konsumenten gegeben, so würde sich eine Bewegung nach außen in Richtung Konsumgüterproduktion ergeben. (Garrison, 2001, 75)
In Abb. 9 wird ein dauerhafter Kapitalrestrukturierungsprozess durch eine Änderung der zeitlichen Präferenzen ausgelöst. In der Abb. 11 zugrunde liegenden Volkswirtschaft ergeben sich zwei entgegengesetzt wirkende Restrukturierungsprozesse. Da Unternehmer Zugang zu Kapital zu einem günstigen Preis haben, setzt eine Investitionsneigung zu Projekten auf lange Sicht hin ein, welche in den frühen Stufen des Produktionsprozesses zu suchen sind. Dies wird durch eine Erweiterung der horizontalen Kathete des Produktionsstrukturdreiecks in Verbindung mit einer flacheren Steigung der Hypotenuse, gegeben durch den niedrigeren Zins, dargestellt. Von Mises stellt fest, dass dabei getätigte, übermäßige Investitionen als Fehlinvestitionen zu beschreiben sind:
23
Man geht so vor wie ein Baumeister, der mit einer begrenzten Menge an Baumaterial und Arbeit einen Bau aufführen will und sich dabei verrechnet hat. Man legt die Fundamente zu groß, verbraucht schon für die Fundamente den ganzen verfügbaren Bestand an Produktionsmitteln und kann dann nicht weiterbauen. Das ist nicht Überinvestition; man hat dabei nicht mehr verbaut, als man verbauen konnte; man hat das verfügbare Material falsch verwendet. (Mises, 1940, 510)
Gleichzeitig steigt, da die Sparneigung aufgrund der niedrigen Zinsen sinkt, vorübergehend die Nachfrage nach Konsumgütern. Dies wird durch eine Verlängerung der vertikalen Kathete in Verbindung mit einer steileren Steigung der Hypotenuse des Produktionsstrukturdreiecks dargestellt.
Der US-amerikanische Ökonom Peter Schiff vergleicht den künstlich hergestellten Nachfrageboom mit einer Situation, in der ein Zirkus für einige Wochen in eine Stadt kommt. Da der Zirkus viele Besucher anzieht, erleben auch die lokalen Restaurants ein erhöhtes Aufkommen an Gästen. Ein Restaurantbesitzer, welcher fälschlicherweise schlussfolgert, dass der Boom andauern wird, stellt weiteres Personal ein und eröffnet sogar ein weiteres Lokal. Als der Zirkus die Stadt wieder verlässt, hat auch das höhere Besucheraufkommen ein Ende und der Restaurantbesitzer muss feststellen, dass er sich verkalkuliert hat. (Schiff, 2007, 88 f.)
Durch die Kreditausweitung wird der volkswirtschaftliche Kapitalstock auf Kosten der mittleren Stufen des Produktionsprozesses zu frühen Stufen (zinsempfindlich) und späten Stufen (nachfrageempfindlich) hin ausgebaut. Die Nachhaltigkeit der getätigten Investitionen ist jedoch gefährdet, da Ressourcen zunehmend knapp werden und auch die Kreditausweitung nicht unendlich fortgesetzt werden kann. Von Mises schreibt: „Sobald der Zustrom zusätzlichen Geldes versiegt, muss das ganze Gebäude der Konjunktur einstürzen.“ (Mises 1940, 512)
Bei steigendem Zins hin zum realen Zins (r), der sich nun auf dem Kapitalmarkt einstellt, erscheinen angefangene Projekte nicht mehr rentabel. Der Abbruch von Projekten führt zu einem Auftragsrückgang in der gesamten Volkswirtschaft und beendet schließlich den vorübergehenden Aufschwung. Da bei den während des Aufschwungs getätigten Investitionen eine Neigung hin zu Investitionsgütern bestand, führt auch der Abschwung über die ursprüngliche
Produktionsmöglichkeitskurve an einen Punkt, an dem das ursprüngliche
24
Verhältnis zwischen Konsum- und Investitionsgüterproduktion eine Neigung in Richtung Investitionsgüterproduktion aufweist.
Sparer sehen in der Folge zunehmend von einer Geldanlage auf dem Kapitalmarkt ab und halten lieber Kasse, da aufgrund der ökonomischen Situation eine erhöhte Unsicherheit bei Geldanlagen besteht. Auch die Investorengemeinde blickt mit weniger Vertrauen in die Zukunft. Die Volkswirtschaft bewegt sich auf einen Punkt zu, welcher sich links unterhalb der ursprünglichen Produktionsmöglichkeitskurve befindet und einen Zustand unvollständiger und unangemessener Ressourcennutzung beschreibt. Dazu schreibt Garrison:
That is, self-reversing changes in the capital structure give way to a selfaggravating downward spiral in both income and spending. This increase in liquidity preference - or even a seemingly fetishistic attitude toward liquidity - is not to be linked to some deep-seated psychological trait of mankind but rather is to be understood as risk aversion in the face of an economy-wide crisis. (Garrison, 2001, 75)
Garrison deutet damit auf die einst von Keynes verwendete Formulierung „fetish of liquidity“ (Keynes, 2003 [1935], 102) - überhöhte Geldhaltung aus massenpsychologischen Gründen. Keynes führt das Verhalten von Unternehmern und Anlegern letztendlich auf Instinkt (Keynes, 2003 [1935], 77, 103) und tierische Triebe 1 (Keynes, 2003 [1935], 105, 106) zurück.
1 animal spirits, z.B.: […] individual initiative will only be adequate when reasonable calculation is supplemented and supported by animal spirits, so that the thought of ultimate loss which often overtakes pioneers, as experience undoubtedly tells us and them, is put aside as a healthy man puts aside the expectation of death. (Keynes, 2003 [1935], 106) 25
Der Aufschwung hat zu einer systematischen Fehlallokation von Ressourcen geführt. Durch die Liquidation unrentabler Projekte werden diese Ressourcen wieder befreit. Über Anpassungsprozesse kann die ursprüngliche Produktionskapazität eventuell wieder hergestellt werden, doch muss aufgrund von Reibungseffekten ein unabwendbarer Verlust von Wohlstand hingenommen werden. (Garrison, 2001, 34 ff.)
Von Mises Beispiel des Baumeisters (Mises, 1940, 510) kann dazu weitergesponnen werden. Der gegebene Bestand an Baumaterial ist bereits weitgehend im Fundament eines zu groß angelegten Hauses verbaut. Um ein Haus zu bauen, welches dem verfügbaren Material entspricht, muss ein Teil des Fundaments abgerissen werden. Da dabei Materialverluste entstehen, muss das resultierende Gebäude schließlich kleiner werden, als es hätte werden können, wenn man den anfänglichen Bestand an Ziegeln richtig verwendet hätte.
26
2.8 Der Cantillon-Effekt
Bei einer künstlichen Kreditausweitung wurde im Beispiel davon ausgegangen, dass Unternehmer eher Zugang zu diesen Krediten haben als Privatpersonen. Verschiedene Parteien profitieren in unterschiedlichem Maße von der Kreditausweitung, je nachdem, wer Zugang zu diesen neuen Krediten hat. Die Geldmengenausweitung hat demnach eine Umverteilung von Vermögen zur Folge. Dieser Effekt wird nach dem irischen Bankier Richard Cantillon, der diesen Effekt erstmals beschrieb, Cantillon-Effekt genannt. Die Änderung der relativen Preise innerhalb der Produktionsstruktur, die dann zu deren Verzerrung führt, ist also davon abhängig, wer Zugang zu den Mitteln hat, die aus der Kreditausweitung entstehen, und wo derjenige diese investiert.
Der irische Bankier Richard Cantillon untersucht in seinem Werk Essai Sur la Nature du Commerce en Général (1732) den Prozess der Inflation am Beispiel neu entdeckter Gold- und Silberminen. 1 Inflation bedeutet in diesem Zusammenhang eine Ausweitung der Geldmenge.
1 Die betreffende Passage befindet sich im sechsten Kapitel des zweiten Teils des Originalwerks. Aus einer neueren englischen Übersetzung: “If the increase of hard money comes from gold and silver mines within the state, the owner of these mines, the entrepreneurs, the smelters, refiners, and all the other workers will increase their expenses in proportion to their profits. Their households will consume more meat, wine, or beer than before. They will become accustomed to wearing better clothes, having finer linens, and to having more ornate houses and other desirable goods. Consequently, they will give employment to several artisans who did not have that much work before and who, for the same reason, will increase their expenditures. All this increased expenditures on meat, wine, wool, etc. necessarily reduces the share of the other inhabitants in the state who do not participate at first in the wealth of the mines in question. The bargaining process of the market, with the demand for meat, wine, wool, etc. being stronger than usual, will not fail to increase their prices. These high prices will encourage farmers to employ more land to produce the following year, and these same farmers will profit from the increased prices and will increase their expenditure on their families like the others. Those who will suffer from these higher prices and increased consumption will be, first of all, the property owners, during the term of their leases, then their domestic servants and all the workmen or fixed wage earners who support their families on a salary. They all must diminish their expenditures in proportion to the new consumption, which will compel a large number of them to emigrate and to seek a living elsewhere. The property owners will dismiss many of them, and the rest will demand a wage increase in order to live as before. It is in this manner that a considerable increase of money from mines increases consumption and, by diminishing the number of inhabitants, greater expenditures result by those who remain.” (Cantillon, 2010 [1732], 149 f.) 27
2.9 Kritik an der Österreichischen Konjunkturzyklustheorie
Recessions are not necessary consequences of booms […] (Krugman, 1998)
Nach Krugman entsteht eine Rezession, wenn ein großer Teil des Privatsektors zur gleichen Zeit versucht, seine Liquiditätsreserven zu erhöhen. Die Lösung besteht seiner Ansicht nach einfach darin, die Liquiditätsversorgung auszuweiten. Wenn sich die Rezession ankündigt, gäben die Österreichischen Theorien ihren Anhängern die Möglichkeit, den gewissenhaften Ratschlag zu geben, dass die Fehlinvestitionen und faulen Kredite, welche während des Booms getätigt wurden, nun schmerzvoll bezahlt werden müssten, so Krugman. Hinter den österreichischen Theorien stehe demnach die Idee, dass Rezession der Preis eines jeden Booms sei, dass das Leiden der Wirtschaft während der Rezession die notwendige Bestrafung für die vorangegangenen Exzesse während des Aufschwungs darstelle. Diese Ansichten würden attraktive Argumente für ein „Moralspiel“ bereitstellen und hätten während der Weltwirtschaftskrise dazu beigetragen, die Krise zu verlängern und den Aufschwung hinauszuzögern, so Krugman (1998).
Kritiker der österreichischen Konjunkturtheorie wenden ein, dass die Theorie zwar die Entstehung von Konjunkturzyklen in einem Bankensystem mit Zentralbank zu erklären vermag, aber scheitert, wenn es darum geht, die Entstehung von Konjunkturzyklen in Zeiträumen vor der Einrichtung der Fed im Jahre 1913 zu erklären.
Zum Beispiel traten in den USA in den Jahren 1869, 1882, 1884, 1896, 1901, und 1907 schwere Markteinbrüche in der Größenordnung des Crashs von 1929 auf. Während dieser Krisen gab es in den Vereinigten Staaten noch keine Zentralbank. (Frank und Bernanke, 2007, 284)
Hafer beschreibt, wie die sog. „Panik von 1907“ zur Einrichtung der Fed führte. Durch die Bereitstellung von finanziellen Mitteln durch ein Bankenkonsortium um den New Yorker Bankier J. P. Morgan konnte die damalige Wirtschaftskrise vorübergehend unter Kontrolle gebracht werden. In der Folge wurden Forderungen nach einer Institution laut, die einerseits die Kreditvergabe durch das Bankensystem kontrolliert und andererseits in Krisenzeiten finanzielle Mittel bereitstellt, um für Stabilität zu sorgen. (Hafer, 2005, 293 ff.)
28
Befürworter der Fed merken an, dass Markteinbrüche seit dem Zweiten Weltkrieg milder geworden sind, was auf die stabilisierende Wirkung der Zentralbank zurückzuführen ist. (Frank und Bernanke, 2007, 284)
Woods erklärt in seinem Buch Meltdown (2009), dass die Markteinbrüche vor der Zeit der Fed durch verschiedene private Banken ausgelöst wurden, die Papiergeld herausgaben, das angeblich in Gold umtauschbar war, faktisch jedoch in der herausgegebenen Menge die Goldreserven dieser Banken bei weitem überschritt. (Woods, 2009, 88 ff.)
Die Allokation von Kapital innerhalb der Produktionsstruktur macht der Österreichischen Konjunkturzyklustheorie zufolge aus, ob ein Aufschwung nachhaltig ist oder nicht. Die gegebene Ressourcenallokation ist aufgrund der komplexen Zusammenhänge mit den verfügbaren volkswirtschaftlichen Daten kaum ausreichend genau analysierbar. Auch könnte das Ergebnis einer Analyse nicht als Grundlage für politische Entscheidungen dienen, da die Theorie ja aufzeigt, dass sich staatliche Interventionen im Allgemeinen störend auf den Wirtschaftskreislauf auswirken. Zu einem funktionierenden Wirtschaftskreislauf kann demnach ausschließlich ein funktionierender Marktprozess beitragen.
29
3. Anwendbarkeit der Österreichischen Konjunkturzyklustheorie für ausgewählte Krisen
3.1 The Great Depression
Am sogenannten „Schwarzen Donnerstag“, dem 24. Oktober 1929, platzte an der Wall Street eine gewaltige Spekulationsblase - und mit ihr der Traum von Reichtum und Wohlstand für viele. Jenes Datum steht als Symbol für das Ende einer Illusion, denn zwischen 1927 und 1929 boomte die Konjunktur in den westlichen Industrieländern. In dieser Zeit wuchs die US-Industrieproduktion um 25 Prozent. Allgemein war man der Meinung, dass Armut und Arbeitslosigkeit der Vergangenheit angehörten, und der damalige US-Präsident Hoover verkündete dass man dem endgültigen Sieg über die Armut näher als je zuvor in der Geschichte sei. Im Herbst 1929 aber stürzten überraschend die Kurse an der New Yorker Börse ein. Bereits einen Tag später, dem sogenannten „Schwarzen Freitag“ wurde auch Deutschland von der Welle erfasst. Die Folge waren der Bankrott unzähliger Unternehmen und Großbanken, Massenentlassungen und tiefe Rezession. Der folgenreichste Börsencrash des 20. Jahrhunderts markiert den Beginn der Weltwirtschaftskrise. Bis 1932 mussten tausende von Banken ihre Schalter schließen, fast 90 Prozent des US-Aktienvermögens verschwanden, und jeder vierte Amerikaner wurde arbeitslos. (Knappmann, 2004) Die Krise der dreißiger Jahre („Great Depression“) dauerte in den USA mehr oder weniger bis zum Zweiten Weltkrieg an (Krugman, 2009, 54).
Robbins findet die von der Krise am meisten betroffenen Industriezweige, der Österreichischen Konjunkturtheorie entsprechend, in den frühen Stufen des Produktionsprozesses:
It is well known, in fact, that this breakdown is most serious in the industries producing what are known as producers' goods; that is to say, the so-called constructional industries and the industries producing raw materials. In these industries the depression shows itself as a condition of over-production, a condition in which costs are higher than prices, a condition in which the supply coming forward is not taken up at profitable prices, a condition in which the businesses engaged in these lines of industry find that their earlier expectations are not justified by the state of the market, a condition in which earlier errors of anticipation are revealed. (Robbins, 1971 [1934], 30)
Demnach wurden in diesen Industriezweigen Investitionen getätigt, welche sich dann als unrentabel erwiesen. Robbins stellt in seinem Buch The Great
30
Depression (1934) die Frage, wie es möglich sein konnte, dass sich im Falle der damaligen Weltwirtschaftskrise die konjunkturelle Lage einer so großen Zahl von Unternehmen schlagartig änderte. Robbins fragt, ob die Ursache im Währungssystem gefunden werden kann:
Is it not probable that disturbances affecting many lines of industry at once will be found to have monetary causes? (Robbins, 1971 [1934], 16)
Woods begründet die Entstehung der Krise im Einklang mit der Österreichischen Konjunkturtheorie mit dem Ende eines nicht nachhaltigen Aufschwungs. Er führt dies zurück auf eine Ausweitung der Geldmenge um 55 Prozent zwischen 1921 und 1929. (Woods, 2009, 96)
Diese Geldmengenausweitung erfuhr die US-amerikanische Wirtschaft hauptsächlich in Form von Krediten für Unternehmen. Im Zuge der Industrialisierung erhöhte sich in diesen Jahren die Industrieproduktion deutlich. Da jedoch die US-Konsumgüterpreise sehr konstant blieben, spricht man heute von den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts als einer Zeit niedriger Inflation. Die damalige Aktienhausse entspricht dem künstlichen Schub innerhalb des Investitionsgütersektors. Auch der Boom im Immobiliensektor lässt sich letztendlich dieser Geldmengenausweitung zuordnen. Rothbart gibt eine Erhöhung der US-Geldmenge von lediglich 0,7 Prozent zwischen Ende 1928 und Mitte 1929 an (Rothbart, 2000 [1963], 162), demnach hatte die Geldmengenausweitung zu dieser Zeit ein Ende. Er schreibt:
The inflation of the 1920s was actually over by the end of 1928 […]. A great economy does not react instantaneously to change. Time, therefore, had to elapse before the end of inflation could reveal the widespread malinvestments in the economy, before the capital goods industries showed themselves to be overextended, etc. The turning point occurred about July, and it was in July that the great depression began. (Rothbart, 2000 [1963], 204)
Der Österreichischen Konjunkturtheorie zufolge musste die Konjunktur mit dem Ende der Geldmengenausweitung einbrechen. Auf den Märkten herrschte jedoch noch einige Zeit optimistische Stimmung. Der US-amerikanische Ökonom Irving Fisher sagte noch am 16. Oktober 1929, dass Aktienkurse ein scheinbar dauerhaft hohes Niveau erreicht hätten. (Thornton, 2006, 9)
31
Nachdem jedoch schon in den Vorwochen ein deutlicher Rückgang der zuvor jahrelang gestiegenen Aktienkurse verzeichnet worden war, brach am „Schwarzen Donnerstag“ schließlich Panik unter den Anlegern aus. Die Kurse brachen an diesem Tag zum ersten Mal seit langer Zeit schlagartig ein. An den beiden Tagen des 28. und 29. Oktobers 1929 verlor der Dow Jones Industrial Average dann noch einmal zusammen fast 25 % seines Wertes. (Thornton, 2006, 10)
Woods schreibt, dass die folgende Interventionspolitik Hoovers (31. US-Präsident von 1929 - 1933) mit öffentlichen Bauprojekten, Notkrediten für Firmen und weiteren inflationären Maßnahmen damals zu einer Verschlimmerung der Krise führte. Die Politik Roosevelts (32. US-Präsident bis 1945) verlängerte die Krise weiterhin: Da man fallende Preise für die Depression verantwortlich machte, wurden unter seiner Regierung Maßnahmen durchgeführt, welche die Preise künstlich auf einem hohen Level halten sollten. Dazu gehörte z.B. die Vernichtung agrikultureller Erzeugnisse wie von Getreide, Kartoffeln und auch Schweinen. Marode Unternehmen wurden im Zuge dieser Politik künstlich am Leben erhalten und auch die öffentlichen Bauprojekte konnten nichts zu einer Neuausrichtung der Wirtschaft auf die aktuellen Bedürfnisse der Konsumenten beitragen. (Woods, 2009, 99 f.) Wallis und Benjamin kommen zu dem Ergebnis, dass die öffentlichen Arbeitsplätze, welche im Zuge Roosevelts New Deal genannter Politik zusätzlich geschaffen wurden entsprechende Arbeitsplätze im Privatsektor entweder einfach ersetzten oder sogar zerstörten (Wallis und Benjamin 1981).
Nach verbreiteter Meinung wird Deflation, d.h. fallende Preise, für die nachhaltige Depression der dreißiger Jahre verantwortlich gemacht. Fallende Preise führten demnach zu einer merklichen Kaufzurückhaltung der Konsumenten, da diese mit weiter sinkenden Preisen rechnen konnten. Die sinkende Nachfrage wiederum bewirkte eine niedrigere Auslastung der Produktionskapazitäten und damit weiter sinkende Preise. Diesen Kreislauf bezeichnet man als Deflationsspirale. Diese Sichtweise wurde unter anderem von Friedman und Schwartz entwickelt. (Friedman, 2004, Bernanke, 2000) Atkeson und Kehoe untersuchen Zusammenhänge zwischen Inflation und Wachstumsraten von 17 Ländern über mehr als 100 Jahre. Sie kommen zu folgendem Ergebnis:
Deflation and depression do seem to have been linked during the 1930s. But in the rest of the data for 17 countries and more than 100 years, there is virtually no evidence of such a link. […] A broad historical look finds many
32
more periods of deflation with reasonable growth than with depression and many more periods of depression with inflation than with deflation. (Atkeson und Kehoe, 2004, 36 ff.)
Demnach scheint allgemein keinen Zusammenhang zwischen fallenden Preisen und Depression zu bestehen.
Auch nach Cole und Ohanian konnte die expansive Politik Roosevelts die Depression nicht beenden. Stattdessen trat die Erholung in den vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts ein, nachdem die beschriebenen Maßnahmen aufgegeben wurden. (Cole und Ohanian, 2004, 813 ff.)
Krugman schreibt (2008):
What saved the economy, and the New Deal, was the enormous public works project known as World War II, which finally provided a fiscal stimulus adequate to the economy’s needs.
Nach dieser Sichtweise wäre es dem Zweiten Weltkrieg zu verdanken, dass die US-amerikanische Wirtschaft schließlich den Weg zurück in Richtung Wohlstand finden konnte. Aus Sicht der Österreichischen Schule bedeutet Krieg jedoch immer die Zerstörung von Kapital und damit die Zerstörung von Wohlstand. Hazlitt schreibt:
There may be, it is true, offsetting factors. Technological discoveries and advances during a war may, for example, increase individual or national productivity at this point or that, and there may eventually be a net increase in overall productivity. Postwar demand will never reproduce the precise pattern of prewar demand. But such complications should not divert us from recognizing the basic truth that the wanton destruction of anything of real value is always a net loss, a misfortune, or a disaster, and whatever the offsetting considerations in a particular instance, can never be, on net balance, a boon or a blessing. (Hazlitt, 1979 [1946], 30)
Auch Woods schreibt, dass sich aus der Betrachtung der volkswirtschaftlichen Statistiken scheinbar eine Verbesserung des US-amerikanischen Wohlstands in der Zeit während des Krieges ergibt. Diese Zeit war jedoch tatsächlich eine Zeit schwindenden Wohlstands, da viele Güter staatlich rationiert wurden, ein Großteil des Kapitals in der Produktion von Kriegsgütern eingesetzt wurde und weniger Konsumgüter verfügbar waren. (Woods, 2007, 101 ff.)
33
Aufgrund des Krieges mussten jedoch marode Firmen und die nicht der wirtschaftlichen Erholung förderlichen Projekte wie z.B. die öffentlichen Bauprogramme aufgegeben werden. Hazlitt schreibt:
The war in short changed the postwar direction of effort; it changed the balance of industries; it changed the structure of industry. (Hazlitt, 1979 [1946], 27)
Aus der österreichischen Sichtweise ergibt sich im Falle der Great Depression ein Bild, nachdem Kreditausweitung einen nicht nachhaltigen Aufschwung ausgelöst hat. Der Konjunktureinbruch lässt sich mit dem Ende der Kreditausweitung in Verbindung bringen. Die Industriezweige, in denen sich dieser Einbruch am deutlichsten auswirkte, können entsprechen den frühen Stufen des Produktionsprozesses zugeordnet werden. Durch andauernde Intervention seitens des Staates wurde jene, aus Sicht der Österreichischen Konjunkturtheorie nötige Ressourcenreallokation verhindert, was zu einem Andauern der Krise führte. Die Ansicht, der Zweite Weltkrieg habe schließlich ein Ausgabenprogramm dargestellt, das groß genug war, um ausreichend Impuls zu liefern, um den „Motor der Konjunktur“ wieder zu starten und so die Zeit wirtschaftlicher Depression zu beenden, ist danach in Frage zu stellen.
34
3.2 Japans Bubble-Economy
In Japan platzte Anfang der 1990er Jahre eine Immobilienblase, dies löste eine schwere Wirtschaftskrise aus, die das wirtschaftliche Geschehen des Landes bis heute prägt. Japans Krise folgte auf eine Boomphase, die, wie Gorthmanns schreibt: „durch eine aggressive Kreditvergabepolitik [der Banken, d. Verf.] in Verbindung mit gelockerter geldpolitischer Haltung [seitens der Regierung, d. Verf.] gefördert wurde.“ (Gorthmanns, 2008, 17 f)
Auf die erheblich steigenden Aktien- und Immobilienpreise reagierte die Zentralbank schließlich mit einer Zinserhöhung, um ein Überhitzen der Wirtschaft zu verhindern. Dies führte jedoch in der Folge zu einem stärkeren Rückgang der Aktienpreise sowie zu einem Einbruch der Land- und Immobilienpreise. Es entstand schließlich eine Kreditklemme, da Banken sich bei der Kreditvergabe stark auf Immobilien als Sicherheit verlassen hatten und ihr Kreditangebot nun einschränkten. Dies hatte entsprechend negative Auswirkungen auf die Konjunktur. Um die Wirtschaft zu stimulieren, senkte die Bank of Japan ihren Diskontsatz von 6 Prozent auf 0,5 Prozent. Da man die Zinsen aufgrund der Nullzinsgrenze nicht weiter senken konnte, obwohl die Stimulierungsmaßnahmen nicht den gewünschten Effekt auf die Wirtschaft hatten, stand Japan nun vor einem Dilemma. Trotz der Nullzinspolitik und der expansiven Wirtschaftspolitik, mit der man versuchte, die Wirtschaft künstlich „wiederzubeleben“, konnte die Krise in Japan nicht bewältigt werden. Im Zuge der Konjunkturprogramme wurden überall in Japan neue Autobahnen und Brücken gebaut, obwohl der Platz im Land knapp ist. Unter anderem bekam die Stadt Kobe einen neuen Flughafen, der bis heute kaum ausgelastet ist, und regelmäßig wurden neue Flughäfen gebaut. (Frank, 2009, 25 ff.)
Trotzdem blieb das Wirtschaftswachstum in Japan schwach und die 1990er gelten für viele Japaner als „the lost decade“. (Callan und Ostry, 2003, 1 ff.)
Powell analysierte Japans Wirtschaftskrise Anfang der 90er Jahre mit Hilfe der Österreichischen Konjunkturzyklustheorie. Die japanische Wirtschaft hat demnach einen Konjunkturzyklus durchwandert, welcher sich auf
Kreditausweitung zurückführen lässt. Die anschließende Zinserhöhung beendete den Aufschwung und setzte den Korrekturprozess in Gang. Wiederholte staatliche Interventionen verhinderten jedoch die nötige Ressourcenreallokation und hielten Japans Wirtschaft davon ab, sich zu erholen. Powell kommt zu dem Ergebnis, dass Industriezweige, welche in den frühen Stufen des
35
Produktionsprozesses anzusiedeln sind, stärker von der Rezession betroffen waren als diejenigen, welche in späten Stufen des Produktionsprozesses anzusiedeln sind. Damit bestätigt er die Anwendbarkeit der Österreichischen Konjunkturtheorie auf diesen Fall.
The greatest malinvestments took place in capital-intensive industries in the earlier stages of production. For Japan’s economy to recover the government must stop intervening in the economy and allow the market process to realign the structure of production to match consumer preferences. (Powell, 2002, 49)
3.3 Die Dotcom-Blase
Im März des Jahres 2000 begannen an den weltweiten Börsen die Kurse von Aktien, die seit Jahren stetig gestiegen waren, plötzlich einzubrechen - die sog. Dotcom-Blase platzte. Auslöser für den vorausgegangenen Ansturm auf Aktien von Internetfirmen und Technologieunternehmen war z.B. der Börsengang von Netscape im Jahre 1995. Nachdem sich der Preis der Aktie des Browseranbieters am Tag des Börsengangs verdoppelte, wurde das Potential des aufkommenden Internets für die Anleger deutlich. In Verbindung mit den zu diesem Zeitpunkt niedrigen Zinsen in den Vereinigten Staaten führte dies zu einer Aktienhausse, welche jedoch ein Ende fand, als die Zinsen wieder erhöht wurden und sich abzeichnete, das die überbewerteten Unternehmen die Erwartungen der Anleger nicht erfüllen konnten. (Callahan, Garrison, 2003, 67 ff.)
Callahan und Garrison sehen die Verfolgung einer expansiven Politik in den USA, im Vorfeld der Wiederwahl von Präsident Clinton im November 1996 als Auslöser für die Dotcom-Blase. Garrison warnt, dass Versuche, die Konjunktur künstlich zu stimulieren, scheitern müssten:
The political rhetoric overlooks the fundamental issues of the very nature of economic growth. Is growth something that simply happens when the economy is left to its own devices? Or, is it something that a policy-maker does to the economy? Is the verb “to grow”, as used in economic debate, an intransitive verb or a transitive verb? Capital-based macroeconomics provides us with reasons for associating this fundamentally intransitive verb with sustainable growth and its transitive variant with unsustainable growth. That is, the economy grows, but attempts to grow it can be self-defeating. (Garrison, 2001, 35)
36
Das Ergebnis der statistischen Auswertung des Kurses des rage (DJIA Aver A) über 100 Jahre zeigt, dass der Aktienindex über di e 4 jährige Amt szeit der amerikanisc hen Präsid enten im Durchschnitt etwa 25 % zugelegt hat. (Speck, 2005, 10 ff.) Die Verteil ung von 7, 5 % in Wahljahren und 9,3 % in Vorw gegenüber wahljahren r lediglich 3,5 % in Nachwahljah ren und 2, 8 % in der Mitte des Zeitraums kan n als Bestätigung gesehen werden, dass die Politik Einf luss auf den Konjunkturzyklus nimmt, um etwa durch niedrige Arbeitslosenzahlen und gute Konjunkturd aten in Vorwahlja hren das Wahlergebnis zu beeinflussen.
es Dow Jones Industrial Average im Abb. 12.: Kurs de US-Wahlzyklus über einen Zeitraum von ungefähr 100 Jahren (Speck, 2005, 13)
Die Dotcom-Blase stellt a us Sicht der Österreichischen Konjunkturtheorie einen nicht nachhalti gen Aufschwung dar, mit niedriger Arbeitslosigkeit, boomender Wirtschaft und anschließendem Absturz (Callahan, Garrison, 2003, 67 ff.). Zur Funds Rat ie Federal te, also der tration wurd Illus den die US-Arbeitslosenquote, d r Zinssatz, zu dem sich die US-amerik anischen F inanzinstitute unterein ander Geld omposite Index, der U Nasdaq Co leihen, und der Kurs des Unternehmen aus dem Technologiesektor listet, in einem Diagramm dargestellt (A bb. 13).
37
Abb. 13.: Nasdaq, Fed Funds Rate und Arbeitslose als Prozent der Erwerbstätigen in den USA von 1995 bis 2002, Quellen: siehe Abbildungsverzeichnis
Die Arbeitslosenquote entwickelt sich spiegelbildlich zum Auslastungsgrad der wirtschaftlichen Produktionskapazität (Sinn, 2009, 25). Wenn keine Vollbeschäftigung herrscht, führen Steuersenkungen oder staatliche Ausgabenerhöhungen - also expansive Maßnahmen - tendenziell zu höherer Produktion und sinkender Arbeitslosigkeit, möglicherweise aber auch zu hoher Inflation (Samuelson und Nordhaus, 2007 [2005], 995).
Eine solche Politik wird verfolgt, um eine Volkswirtschaft aus einer Rezession zu steuern. Doch selbst bei Vollbeschäftigungsniveau ist es möglich, die Wirtschaft durch die beschriebenen Maßnahmen vorübergehend noch weiter zu stimulieren. Auf lange Sicht bringt dies jedoch gefährliche Nebenwirkungen mit sich. (Callahan, Garrison, 2003, 77) Makroökonomen nehmen an, dass die Zeitspanne, in der die Nettowirkung einer solchen Politik der Stimulierung überwiegend positiv ist, in etwa 18 Monate beträgt (Callahan, Garrison, 2003, 78, Samuelson und Nordhaus, 2007 [2005], 995).
Es gibt einen Betrag der Arbeitslosigkeit, die sogenannte „natürliche Rate der Arbeitslosigkeit“, welcher selbst bei Vollbeschäftigungsniveau der Wirtschaft gegeben ist. Dornbusch, Fischer und Startz schreiben (2003, 120):
Die natürliche Rate der Arbeitslosigkeit ist die Arbeitslosenquote, die wegen der normalen Friktionen des Arbeitsmarktes entsteht und dann gegeben ist,
38
wenn sich der Arbeitsmarkt im Gleichgewicht befindet […]. Laufende Schätzungen für die natürliche Rate in den USA ergeben eine Prozentzahl von 5,5 %.
Eine Arbeitslosenquote von unter 5 % in den Vereinigten Staaten deutet auf eine überhitzte Konjunktur hin (Callahan, Garrison, 2003, 74). Dieser Zustand bedeutet zwar eine möglichst hohe Auslastung der volkswirtschaftlichen Produktionskapazität und ist demnach ein besonders günstiger Zustand. Dabei ist jedoch gleichzeitig die Gefahr des Absturzes in eine Rezession am größten. (Korenjak, 1969, 313)
Im Zuge der Dotcom-Blase haussierten vor allem die Aktien von Unternehmen aus dem Hightech-Sektor, dies lässt sich eindrucksvoll am Kurs des Nasdaq Composite Index ablesen (Abb. 13). Die Fed begann ihre
Geldmengenausweitung durch Leitzinssenkungen im Vorfeld der Wiederwahl von Präsident Clinton.
Aufgrund einer drohenden Zahlungsunfähigkeit des Hedge-Fonds Long-Term Capital Management (LTCM) wurden die Leitzinsen ab Oktober 1998 weiterhin gesenkt, um einem befürchteten Zusammenbruch des globalen Finanzsystems entgegenzuwirken. Zusätzlich wirkte sich die Manipulation von Wechselkursen aus (Reverse Plaza Accord, Brenner, 2002, 5). Politische Verträge erlaubten es demnach, den Wert des Dollars gegenüber anderen Währungen künstlich hoch zu halten. Dadurch konnte die Geldmenge weiter ausgeweitet werden, ohne signifikante Auswirkungen auf das allgemeine Preisniveau. Das neu in Umlauf gebrachte Geld der Fed fand seinen Weg durch das Bankensystem hin zu Internet-Startup-Firmen (Cantillon-Effekt). Als spezifische Ressourcen, deren Preise während des Aufschwungs hochgetrieben wurden, sind z.B. Internet-Domain-Namen zu nennen. Auch die Löhne von Computerspezialisten wurden entsprechend hochgetrieben. (Callahan, Garrison, 2003, 67 ff.) Von Mises schreibt:
[…] um die Produktion bei den höheren Preisen fortzuführen, bedarf man grösserer Geldmittel, und diese kann man nur finden, wenn jene Umstände, die den Aufschwung ausgelöst haben, fortdauern (Mises, 1940, 503).
Die andauernde Geldmengenausweitung sorgte dafür, dass die entsprechenden Geldmittel weiterhin zur Verfügung standen. Um eine weitere Überhitzung der
39
Wirtschaft zu verhindern, wurden die Zinsen ab der zweiten Hälfte des Jahres 1999 schrittweise wieder erhöht. Im März des Jahres 2000 begannen dann die Aktienkurse zu sinken. Schließlich platzte die Spekulationsblase. Der Kurs des Nasdaq Composite Index sank im Verlauf des Jahres auf einen Stand der weniger als der Hälfte seines Höchststandes am Anfang des Jahres entsprach. Die Investitionen, die nach Ansicht der der Österreichischen Konjunkturzyklus-theorie Fehlinvestitionen entsprechen, können in den Internet-Startup-Firmen gefunden werden. Der Börsenwert der Unternehmen wurde durch die Mittel der Kreditausweitung künstlich hochgetrieben. Es war zumeist jedoch kein realer Gegenwert vorhanden. Der IT-Arbeitsmarkt, der aufgrund von Fachkräftemangel im Jahr 1999 sogar noch IT-Fachkräfte aus Indien angeworben hatte, erlebte binnen eines Jahres zunehmende Arbeitslosigkeit. IT-Fachkräfte eignen sich in diesem Falle als Beispiele für Ressourcen, deren spezifische Preise (Löhne) währen des Aufschwungs hochgetrieben wurden und welche schließlich frei wurden. Nach von Mises ist der nicht aufrecht zu erhaltende Aufschwung auf Fehlinvestitionen und übermäßigem Konsum zurückzuführen (1998 [1949], 559, 567, 575). Brenner untersucht die US-Sparrate bezüglich des letzten Punktes:
Between 1950 and 1992, the personal savings rate had never gone above 10.9 per cent and never fallen below 7.5 per cent, except in three isolated years. But, between 1992 and 2000, it plummeted from 8.7 per cent to -0.12 per cent (Brenner, 2002, 189).
Danach ist die Sparquote in den USA zwischen 1992 und 2000 extrem gesunken, was auf eine gestiegene Konsumgüternachfrage während dieser Zeit schließen lässt.
Ragnar Frisch (1933, 171) beschreibt den Konjukturzyklus durch die zwei Elemente Impuls (Triggert den Konjunkturzyklus) und Fortpflanzungsmechanismus. Nach der Österreichischen Theorie liefert die Kreditausweitung den Impuls, welcher schließlich den Aufschwung auslöst. Durch eine Änderung der relativen Preise innerhalb der Produktionsstruktur erscheinen plötzlich Projekte rentabel, welche unter normalen Umständen nicht rentabel erscheinen würden. Der Aufschwung schreitet dann in Form von Fehlinvestitionen und übermäßigem Konsum fort. Auch hier spielt die Kreditausweitung eine entscheidende Rolle. (Garrison, 2001, 68) Ohne die zusätzlichen Mittel der Fed wäre die Überbewertung von Internet-Startup-Firmen nicht möglich gewesen.
40
Die Österreichische Konjunkturzyklustheorie eignet sich also zur Untersuchung der Dotcom-Blase. Ihre Entstehung, das weitere Fortschreiten, sowie der Abschwung können mit ihrer Hilfe erklärt werden. Als spezifischer Industriezweig kann der High-Tech-Sektor genannt werden, in dem der Aufschwung stattfand. Während der Dotcom-Blase haussierten besonders Internet-Startup-Firmen. Dies ergibt sich aufgrund der Tatsache, dass das aufkommende Internet für die Anleger zu dieser Zeit besonders investitionsattraktiv erschien. Die Neigung der Investoren spielte also die entscheidende Rolle bei der Verteilung der Mittel und sorgte schließlich für den Aufschwung in diesem Industriezweig.
3.4 Die Subprime-Krise 2007
Auf das Platzen der Dotcom-Blase reagierte die Fed in den Vereinigten Staaten mit erneuten Leitzinssenkungen, um die sich anbahnende Rezession abzuwenden. Die US-amerikanische Geldpolitik schaffte damit, nach der Österreichischen Konjunkturtheorie, die Voraussetzungen für den nächsten nicht nachhaltigen Aufschwung. Beck und Wienert schreiben (2009, 7):
Ob bei schwacher Konjunktur (wie nach den Anschlägen vom 11. September 2001) oder bei Börsenturbulenzen (wie nach dem Zusammenbruch der „Dotcom-Blase“) - stets reagierte die Fed mit drastischer Senkung der Zentralbankzinsen. Es war ein Jahrzehnt des „billigen Geldes“ […].
Von einer Spekulationsblase spricht man, wenn sich der Wert eines Vermögenstitels immer weiter von dem Wert entfernt, der aufgrund der realen Wirtschaftsentwicklung zu erwarten wäre. Der Preis des Spekulationsobjektes wird in diesem Prozess anhaltend aufgewertet, so dass eine zunehmende Überbewertung entsteht. Getrieben wird dieser Prozess von den Erwartungen der Marktteilnehmer. Erwarten diese eine weitere Aufwertung, so ist es möglich, dass allein aufgrund dieser Erwartung der Preis tatsächlich weiter aufgewertet wird. (Dieckheuer, 2004, 330 ff.) Die Bildung einer Spekulationsblase im Immobiliensektor lässt sich zum Teil auf die traumatische Erinnerung an das Platzen der Dotcom-Blase im Jahre 2000 zurückführen. Da viele Spekulanten dabei Verluste gemacht hatten, ergab sich eine besondere Attraktivität der Immobilien als Geldanlage. Zusätzlich wurde vor allem in den Vereinigten Staaten der Besitz eines Eigenheimes politisch besonders propagiert und
41
gefördert. Der Zugang zu Krediten wurde erleichtert, womit sich erklären lässt, warum zunehmend Mittel in diesen Sektor flossen.
Viele der Hypothekenkredite wurden als Adjustable-Rate Mortgage (ARMs) vergeben - als Kredite mit variabler Rückzahlung. Die Höhe der Tilgungsraten war dabei meist am Anfang besonders niedrig (sog. „Teaser-Rates“) und attraktiv. Insbesondere ist die Höhe der Raten bei ARMs stark vom Marktzins abhängig. Wenn dieser steigt, steigt auch die Höhe der Tilgungsraten und es kann zum Payment-Shock kommen, wenn der Schuldner nicht mehr dazu in der Lage ist, den Zahlungen nachzukommen. (Federal Reserve Board, 2009, 20)
Das passierte massenhaft, nachdem die Fed im Juli 2004 allmählich begann, die Leitzinsen anzuheben, die seit Juni 2003 bei 1 Prozent notierten, auf schließlich 5,25 Prozent im Juni 2006. Durch die steigenden Zinsen konnten viele Eigenheimbesitzer ihren Zahlungen nicht mehr nachkommen und mussten ihre Häuser an die Banken zurückgeben. Da nun mehr und mehr Immobilien auf den Markt schwemmten, verlor der gesamte Markt an Wert und viele Hypothekenkredite waren nicht mehr ausreichend gesichert. Die spekulative Blase platzte, als deutlich wurde, dass Immobilienpreise nicht, wie viele angenommen hatten, immer nur steigen würden. Woods schreibt (2009, 23):
The explanation for the rise in foreclosures that makes sense of the available data involves people who bought houses on a speculative basis, betting that their prices would continue to increase. This category includes people who “flipped houses”, meaning they made various improvements to houses and then sought to resell them at a high profit. It also includes people who expected to make a profit by buying a house, waiting a short period of time, and reselling for a profit based on the house’s appreciation. In recent years speculative home buying has been estimated at about one-quarter of all home purchases. Both kinds of speculators would be attracted to the adjustable-rate mortgage, since they intend to unload their houses well before the teaser rate expires.
Demnach betrug zu dieser Zeit der Anteil der Hauskäufe aus spekulativen Gründen etwa 25 Prozent der Häuserkäufe insgesamt. Die Subprime-Krise verdankt ihren Namen den sogenannten Subprime-Mortgages:
Bei den Subprime-Mortgages handelte es sich konkret um Kredite, die einen Beleihungsgrad von mehr als 90 % aufwiesen, oder an Personen vergeben worden waren, bei denen der Schuldendienst bei über 45 % des Bruttoeinkommens lag und / oder keine saubere Kredithistorie aus früheren Geschäften bestand. (Sinn, 2009, 123)
42
In der Spätphase des US-amerikanischen Immobilienbooms wurden zunehmend Kredite an Schuldner vergeben, bei denen man die Rückzahlung offensichtlich in Frage stellen musste. Die Kreditvergabepraxis der Banken lässt sich darauf zurückführen, dass man die betreffenden Kredite nicht mehr, wie früher üblich, bis zum Ende der Rückzahlung in der Bilanz behalten musste. Die Entwicklung neuer Finanzinstrumente sorgte dafür, dass die Bank, welche diese Kredite vergeben hatte, sich derer vollständig entledigen konnte um sorglos neue Kreditschuldner zu suchen. Durch sog. „Verbriefung“ wurden Hypothekenkredite gebündelt und als verzinsliche, handelbare Wertpapiere an andere Banken weitergegeben. Die Bündelung der Kredite sollte das Ausfallrisiko minimieren, da man annahm, dass eventuell einzelne Schuldner ihrer Zahlungen säumig werden könnten, jedoch nicht ein größerer Teil gleichzeitig. Sog. „Strukturierung“ erlaubte die Aufteilung der Kreditpakete in verschiedene Risikoklassen, sog. Tranchen. Käufer der untersten Tranche trugen so beispielsweise das größte Risiko, wurden dafür jedoch auch mit der höchsten Rendite belohnt. Bevor es zum Ausfall von Wertpapieren der nächsthöheren Tranche kommen konnte, mussten zuerst alle Papiere der untersten Tranche ausfallen. Mit dieser Technik war es möglich, riskante Kredite in Wertpapiere zu verwandeln, die zu 97 Prozent als „sehr sicher“ oder „sicher“ eingestuft werden konnten. (Beck und Wienert, 2009, 9)
Thirty years ago, if you get a mortgage, you went to the bank and that bank frisked you pretty good before giving you the money, because the bank expected you to pay the bank back. And then we came up with one of these great financial innovations called securitization, which does do a lot of good. Under securitization, a mortgage lender lends money to a lot of people and does not expect to be repaid by them, but bundles up the right to be repaid by them and sells it to a lot of other people. (Frank, B., 2009)
Verbriefung (englisch: Securitization) bedeutet die Schaffung von handelbaren Wertpapieren aus Forderungen. Die zunehmend aggressive Kreditvergabepraxis der Banken lässt sich also damit begründen, dass sie diese Wertpapiere, und mit ihnen auch das Risiko, weiterverkaufen konnten. Die Spekulation mit den, aus der Verbriefung und Strukturierung der Hypothekenkredite hervorgegangenen Wertpapieren, sog. CDOs - Collateralized Debt Obligations -, führte schließlich zu einer gefährlichen weltweiten Verstrickung des Bankensystems in diesen Markt (Sinn, 2009, 131 ff.).
43
Zwischen 2004 und 2007 erlebte die Weltwirtschaft einen Aufschwung mit Wachstumsraten von etwa 5 Prozent pro Jahr. Vergleichbares Wachstum hatte es seit den 1970er Jahren nicht mehr gegeben. (Sinn, 2009, 19) Die USA erlebte zu dieser Zeit einen kreditfinanzierten Boom, der durch steigende Importe und sinkende Exporte charakterisiert war. Die Vereinigten Staaten bezahlten für importierte Waren letztendlich mit US-amerikanischen Staatsanleihen. Es ergab sich ein Zustrom an Waren und Kapital zugleich. Die Zinsen konnten niedrig gehalten werden, da die Preise auf einem niedrigen Niveau verblieben. Gleichzeitig stiegen dadurch die Preise von Vermögenstiteln wie Aktien und Immobilien. (Beck und Wienert, 2009, 9)
Das Platzen der Immobilienblase bedeutete schließlich das Ende dieses Booms. Nachdem die Immobilienpreise nachgaben, verloren auch die verbrieften Hypotheken aus dem Subprime-Segment deutlich an Wert. Schließlich brach der Markt für Hypothekenpapiere zusammen, da niemand mehr diese Papiere kaufen wollte und ihre Besitzer sie um jeden Preis loswerden wollten. Die Banken, welche die Papiere in ihrem Portfolio hatten, kamen in Schwierigkeiten. Das Ausmaß der internationalen Verstrickung in diesen Markt ist immens, insgesamt wurden 83 Banken im Verlauf des Jahres 2008 insolvent bzw. mussten verstaatlicht werden (Sinn, 2009, 83).
Reinhard und Rogoff führen den Crash des Weltfinanzsystems 2007 - 2008 darauf zurück, dass viele Finanzinstitute außerhalb des regulierten Bankensektors ihre illiquiden - also auf lange Sicht ausgelegten - Investitionen mit kurzfristigen Geldern finanziert hatten (Reinhard und Rogoff, 2009, 145). So hatten viele Banken langfristige Kreditverbriefungen gekauft und diese mit kurzfristigen Einlagen ihrer Kunden finanziert. Die Rentabilität dieser sog. „Fristentransformation“ liegt darin begründet, dass die Zinsen bei langfristigen Krediten in der Regel deutlich höher sind als bei kurzfristigen Einlagen. Die Bank erwirtschaftet ihren Gewinn also durch das Ausnutzen dieser Zinsdifferenz. Einige Finanzinstitute hatten diese Geschäfte ausgelagert, also von speziell zu diesem Zweck gegründeten Gesellschaften, sog. Special Purpose Vehicles, durchführen lassen. Dadurch war es ihnen möglich die Regulierung des Bankensektors zu umgehen, vor allem bezüglich der Eigenkapitalunterlegung. Diese Regulierung begrenzt die Höhe der Kredite, die eine Bank aufnehmen kann, um damit z.B. festverzinsliche Wertpapiere zu kaufen. Die Zweckgesellschaften unterlagen dieser Regelung jedoch nicht. Sie konnten höhere Kredite aufnehmen, was durch die entstehende Hebelwirkung, sog.
44
Leverage, letztendlich zu einer höheren Eigenkapitalrendite führte. Da die Banken „[…] ihren Zweckgesellschaften hohe Kreditlinien für mögliche Liquiditätsausfälle eingeräumt hatten, die nun in Anspruch genommen wurden, wurden [… die] Banken illiquide und von ihren Zweckgesellschaften mit in den Abgrund gerissen.“ (Beck und Wienert, 2009, 10)
Die Fristentransformation macht Banken außerdem verwundbar für Bank Runs, d.h. für den Fall, dass viele oder alle Einleger der Bank innerhalb von kurzer Zeit ihre Einlagen abheben wollen. Da sie den Großteil ihres Kapitals langfristig investiert hat, kann sie für gewöhnlich nur einen Teil kurzfristig bereitstellen. So ist es möglich, dass das Gerücht, eine Bank hätte Zahlungsschwierigkeiten und könne womöglich die Einlagen ihrer Kunden nicht zurückzahlen, zu einer sog. „selbsterfüllenden Prophezeiung“ wird, wenn sie aufgrund des großen Ansturms wirklich in Zahlungsschwierigkeiten gerät. Von Mises schreibt:
Aber jede Bank, die Umlaufsmittel ausgibt, muss ihre Zahlungen einstellen, wenn jedermann Noten zur Einwechslung zu präsentieren oder Kassenführungsguthaben zurückzuziehen beginnt. Der Panik steht sie machtlos gegenüber. Kein System und keine Politik kann ihr in solchen Augenblicken Hilfe gewahren. Das liegt im Wesen des Umlaufsmittels, das sie zur Zahlung einer Geldsumme verpflichtet, über die sie nicht verfügen kann. (1912, 374)
Da in der Folge eine Krise entstehen kann, die sich möglicherweise - wegen der Verstrickung der Institute untereinander - auch auf weitere Banken ausbreitet, greifen Regierungen meist ein. Z.B. können staatliche Garantien Bank Runs verhindern, wenn die Bankkunden dadurch wieder auf die Rückzahlung ihrer Einlagen vertrauen können.
Der Staat eilte den Banken zur Hilfe, falls sie in Schwierigkeiten kamen. So wurden gescheiterte Banken notverstaatlicht bzw. stand ihnen im Falle einer Liquiditätskrise die Zentralbank als sog. „lender of last resort“, also als „Kreditgeber der letzten Zuflucht“, mit Notkrediten zur Verfügung.
Im Zuge der Subprime-Krise 2007 kam das Argument auf, Banken würden den „too big to fail“ - Gedanken - dass sie also zu groß seien, als dass man sie untergehen lassen könne - bewusst ausnutzen, um ihre Risiken zu steigern, in der Sicherheit, dass der Staat, wenn nötig, eingreifen würde. In Deutschland kam in diesem Zusammenhang das Wort „systemrelevant“ in die Medien. Der damalige Finanzminister der Vereinigten Staaten, Henry Paulson, sagte in einer 45
Rede am 2 Juli 2008, dass Markteilnehmer nicht mehr auf Hilfe seitens der Regierung hoffen könnten:
For market discipline to be effective it is imperative that market participants not have the expectation that lending from the Fed, or any other government support, is readily available [...]. For market discipline to constrain risk effectively, financial institutions must be allowed to fail. (Paulson, 2008a)
Auch die 1850 gegründete Investmentbank Lehman Brothers muss im Laufe des Jahres 2008 Abschreibungen in bedrohlicher Höhe melden. Nachdem klar wurde, dass es keine staatliche Rückendeckung bei einer Übernahme geben würde zogen Kaufinteressenten ihr Interesse an Lehman Brothers zurück und die Bank musste am 15. September 2008 Insolvenz beantragen.
Die Nachricht, dass die US-Regierung Lehman Brothers ihre Hilfe verweigert hatte, löste panikartige Wertpapierverkäufe an den Börsen aus und führte zu einer Kreditklemme. Niemand wusste, welche Papiere die anderen Banken in ihren Büchern führten und ob sie robust genug waren, die Krise zu überstehen. Die Banken bekamen Angst, dass sie die Gelder, die sie anderen Banken liehen, nicht zurückbekommen würden. Beck und Wienert schreiben (2009, 11):
Um sich gegen Illiquidität und Insolvenz zu schützen, reduzierten die Banken das Verhältnis von Einlagen (Fremdkapital) und Eigenkapital, also den Hebel. Dies geschah vor allem durch die Rückführung von Krediten und die Reduktion des Fremdkapitals […]. Je stärker die Eigenkapitaldecke der Banken schrumpfte, umso mehr reduzierten die Banken auch ihre Kreditvergabe.
Die Kreditklemme erreichte damit die Wirtschaft außerhalb des Finanzsektors. Obwohl die Leitzinsen dramatisch gesenkt wurden - in den USA notieren sie seit November 2008 bei Null Prozent - wurde es für Unternehmen zunehmend schwieriger, Kreditgeber zu finde. Das führte dazu, dass ganze Projekte gestoppt oder abgebrochen werden mussten und Unternehmen in
Zahlungsschwierigkeiten gerieten. In diesem Zusammenhang wurde oft davon gesprochen, dass die Krise die sog. „Realwirtschaft“ erreicht hatte. Mit dem Begriff ist der Teil der Gesamtwirtschaft gemeint, der nicht zum Bankensektor zählt. Auch für Konsumenten wurde es schwieriger, Kredite zu bekommen, was sich verstärkend auf die Verkaufseinbrüche auswirkte, die sich aus der Besorgnis der Menschen, bezüglich ihrer wirtschaftlichen Situation in der Zukunft ergaben.
46
Banken rund um Globus waren in den Handel mit den Hypothekenpapieren verwickelt und ähnliche Probleme traten in allen wichtigen Wirtschaftsregionen der Welt zeitgleich auf.
Nachdem sich die Lage an den Finanzmärkten dramatisch zugespitzt hatte, ändert die Politik erneut ihren Kurs. Am 3. Oktober 2008 unterschrieb Präsident George W. Bush ein Rettungspaket in Höhe von 700 Milliarden Dollar, das bereits am 19. September des Jahres, dem Freitag der Woche der Lehman-Insolvenz, von Finanzminister Henry Paulson und US-Notenbankchef Ben Bernanke vorgelegt wurde. Es sah im Kern vor, dass der Staat in Not geratenen Banken faule Kredite abkaufen würde.
Auch die Europäische Zentralbank EZB senkte ihre Leitzinsen, um die Wirtschaft zu stimulieren und das Bankensystem zur Vergabe von Krediten anzuregen. In Deutschland versuchte man die Wirtschaft durch die beiden Konjunkturpakete zusätzlich anzuregen.
Zusammenfassend ist zu sagen, dass es sich bei der Subprime-Krise 2007 in erster Linie um eine Bankenkrise handelt. Die Entstehung der Krise lässt sich jedoch auf Kreditausweitung zurückführen. Zumindest in den Vereinigten Staaten können daneben auch Anzeichen übermäßigen Konsums gefunden werden. Der damalige US-Finanzminister Paulson sagte in einer Rede (2008b):
[…] as a result, millions of Americans cannot find affordable financing for their basic credit needs. And credit card rates are climbing, making it more expensive for families to finance everyday purchases. The Federal Reserve and the Treasury last week announced an aggressive program to support the normalization of credit markets and the availability of affordable consumer credit to support economic recovery.
Die Regierung der USA propagiert also, dass ihre Bürger die täglichen Einkäufe auf Kredit tätigen.
Die Krise lässt sich in das Schema der Österreichischen Konjunkturzyklustheorie einordnen, sofern daneben noch Anzeichen für Kapitalfehlallokation mit Schwerpunkt in den frühen Stufen des Produktionsprozesses zu finden sind.
Zwischen 2004 und 2007 erlebte die Weltwirtschaft einen Aufschwung mit Wachstumsraten wie es sie seit den 1970er Jahren nicht mehr gegeben hatte
47
(Sinn, 2009, 19). Dies lässt vermuten, dass aufgrund des niedrigen relativen Preises für Kapital entsprechende Fehlinvestitionen getätigt wurden.
Eine Fehlleitung von Kapital fand offensichtlich im Immobiliensektor statt. In diesem Sektor wurden für spekulative Zwecke Häuser gebaut, dies führte zum Einsatz von Kapital in der Baubranche. Der Weg der durch die Kreditausweitung geschaffenen Mittel beginnt bei den Banken und führt von den Hauskäufern über die Baubranche zu den angrenzenden Branchen (Cantillon-Effekt).
Die Häuserkäufe aus spekulativen Gründen in den USA wurden kurz vor der Krise auf einen Anteil in Höhe von etwa 25 Prozent geschätzt. Durch die steigende Nachfrage wurden Immobilien zunehmend überbewertet. Die Bildung einer Spekulationsblase im Immobiliensektor, wurde durch die expansive Politik der amerikanischen Zentralbank Fed ermöglicht. Zusätzlich wirkten sich der Einfluss einer eigenheimförderlichen Politik und die Förderung der Spekulation durch die Schaffung neuer, scheinbar risikoloser Finanzprodukte aus.
Als die Fed 2006 die Leitzinsen erhöhte, konnten viele Eigenheimbesitzer ihre Hypotheken nicht mehr bedienen, was eine Korrektur des Immobilienmarktes auslöste. Der Versuch, die Kreditausweitung einzuschränken, löste die Krise aus. Die Krise begann bei den Eigenheimbesitzern, erfasste dann die Banken und wurde von dort auf Unternehmen außerhalb des Bankensektors übertragen.
Es fand jedoch, wie beim Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000, nur eine vorübergehende Einschränkung der Kreditausweitung statt. Expansive Maßnahmen wie beispielsweise die Konjunkturpakete und erneute Leitzinssenkungen verhindern aus Sicht der Österreichischen Konjunkturzyklus-theorie die Reallokation von Ressourcen in Richtung einer produktiveren Verwendung. Demnach schafft man auf diese Weise die Voraussetzungen, die zu einer Verlängerung der Krise beitragen bzw. welche die nächste Krise hervorzurufen. Rothbart schreibt (2000, 185):
If government wishes to alleviate, rather than aggravate, a depression, its only course is laissez - faire - to leave the economy alone. Only if there is no interference, direct or threatened, with prices, wage rates, and business liquidation will the necessary adjustment proceed with smooth dispatch. Any propping up of shaky positions postpones liquidation and aggravates unsound conditions.
48
4. Ergebnis
Die in dieser Arbeit betrachteten Wirtschaftskrisen wurden aus der Perspektive der Österreichischen Konjunkturzyklustheorie erklärt. In allen vier Fällen ging der Krise eine Kreditausweitung voraus. Der Abschwung konnte jeweils mit dem Ende dieser Kreditausweitung in Zusammenhang gebracht werden.
In den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts wurden von John Maynard Keynes expansive Maßnahmen zur Überwindung von Konjunkturflauten empfohlen. Keynes war davon überzeugt, dass der freie Markt nicht ohne staatliche Eingriffe funktionieren könne. Die keynesianischen Theorien sind seitdem zu einem festen Bestandteil der Volkswirtschaftslehre geworden. So soll der Staat in der Krise, z.B. durch öffentliche Bauprojekte für Beschäftigung sorgen. Dies erhöhe die gesamtwirtschaftliche Nachfrage und stabilisiere damit die Auftragslage der Unternehmen. (Sinn, 2009, 230 f.) Der keynesianisch inspirierte Autor Paul Krugman schreibt:
Rezessionen lassen sich einfach dadurch bekämpfen, dass man Geld druckt - der Rest ergibt sich in der Regel von allein (2009, 30).
Eine Ausweitung der Geldmenge führt dazu, dass der Preis des Geldes, der Zinssatz, sinkt. Dies führt dazu, dass Unternehmer vermehrt investieren. Auch dadurch entstehen Arbeitsplätze und die private Nachfrage erhöht sich. In Bankensystemen mit Zentralbank kann die Politik die Höhe der Zinsen beeinflussen, um damit z.B. wirtschaftliches Wachstum anzuregen. Erklärtes Ziel der Europäischen Zentralbank EZB, wie auch der US-amerikanischen Zentralbank Fed, ist dabei die Gewährleistung der Preisstabilität (Europäische Zentralbank, 2008, 8; Federal Reserve System, 2005, 16). Eine Ausweitung der Geldmenge über das Maß der Produktion hinaus bedeutet letztendlich immer ein Steigen der Preise (Inflation). Die Preise von Gütern in einer Volkswirtschaft sind jedoch von weiteren Faktoren abhängig, so dass es möglich ist, die Geldmenge in gewissen Grenzen auszuweiten. Gesellschaftlich wird dies im Allgemeinen nicht weiter hinterfragt.
Vertreter der Österreichischen Schule verstehen unter Inflation eine Ausweitung der Geldmenge. Die Veränderung der Preise ist das Ergebnis der Inflation. Man spricht von Kreditausweitung, da neu geschaffenes Geld in Form von Krediten in Umlauf gebracht wird. Auch aus Blick der Österreichischen Konjunkturzyklus- 49
theorie führt das Herabsetzen der Zinsen dazu, dass vermehrt Investitionen getätigt werden. Im Gegensatz zur keynesianischen Sichtweise spielt der Zinssatz in der kapitalorientierten österreichischen Schule jedoch eine weitere wichtige Rolle. Der Zinssatz koordiniert die Investitionen. Ist er zu niedrig, kann sich eine Verzerrung im Profil des volkswirtschaftlichen Kapitalstocks ergeben und getätigte Investitionen stellen sich später als Fehlinvestitionen heraus. Das künstliche Herabsetzen der Zinsen führt dazu, dass vermehrt Kredite in Anspruch genommen werden. Es werden damit Investitionen getätigt und es entsteht ein Aufschwung. Dieser ist aber zum Scheitern verurteilt, sobald die Zinsen wieder angehoben werden. Wirtschaftskrisen lassen sich aus Sicht der Österreichischen Konjunkturzyklustheorie auf Kreditausweitung zurückführen.
Auch in ihren Maßnahmen zur Krisenbewältigung steht die keynesianische Sichtweise in Kontrast zur Sichtweise der Österreichischen Schule. Keynes führt die Krise auf Angst und Pessimismus in den Reihen der Investoren und Unternehmer zurück. Der Konkurs von vielen Unternehmen zur gleichen Zeit könnte demnach zu Massenarbeitslosigkeit und Angstsparen führen. Die Effekte verstärken sich schließlich selbst, was eine Depression zur Folge haben kann. Aus dieser Sichtweise kann der Staat helfen, in dem er Arbeitsplätze erhält und versucht, das Vertrauen wiederherzustellen.
Die Österreichische Konjunkturzyklustheorie begründet die Krise damit, dass getätigte Fehlinvestitionen sichtbar werden. Aus der kapitalorientierten Sichtweise müssen diese Fehlinvestitionen liquidiert werden, um darin gebundene Ressourcen zu befreien und einer produktiveren Verwendung zuzuführen. Die politische Praxis, Unternehmen z.B. mit Notkrediten zu helfen, trägt demnach dazu bei, unrentable und zum Untergang verurteilte Unternehmungen zu erhalten. In diesem Zusammenhang ist genau das der Weg, der zum Andauern der Krise führt.
Politiker betreiben häufig eine Politik, die ihnen bei den nächsten Wahlen ein Maximum an Wählerstimmen verspricht. Auch in diesem Punkt führt jedes Verhalten, das sich an einer der beiden Sichtweisen orientiert, zu jeweils gegensätzlichen Ergebnissen. Die keynesianischen Theorien geben Politikern die nötigen Argumente, um populäre Rettungsmaßnahmen zu rechtfertigen. Die österreichische Alternative, marode Unternehmen untergehen zu lassen, wird in der Politik verständlicherweise weniger Anklang finden.
50
In Kreisen der Politik versucht man die Verantwortung für die Subprime-Krise 2007 von sich zu weisen. Bernanke sagte beim Annual Meeting of the American Economic Association 2010:
The relationship between the stance of monetary policy and house price appreciation across countries is quite weak […]. However, the relationship is statistically insignificant and economically weak; moreover, monetary policy differences explain only about 5 percent of the variability in house price appreciation across countries […]. (Bernanke, 2010)
Demnach würde kein Zusammenhang zwischen den Immobilienpreisen und der Geldpolitik bestehen. Stattdessen führt er die Krise auf Regulationslücken zurück:
The crisis revealed not only weaknesses in regulators’ oversight of financial institutions, but also, more fundamentally, important gaps in the architecture of financial regulation around the world. (Bernanke, 2010)
Rothbart sieht die Schuld für die Weltwirtschaftskrise der dreißiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts nicht in den Wirkungsmechanismen des freien Marktes. Es scheint, als hätte er, auch was die aktuelle Krise betrifft, recht behalten:
The guilt for the Great Depression must, at long last, be lifted from the shoulders of the free-market economy, and placed where it properly belongs: at the doors of politicians, bureaucrats, and the mass of “enlightened” economists. And in any other depression, past or future, the story will be the same. (Rothbart, 2000 [1963], 337)
51
5. Ausblick
Reinhard und Rogoff fanden durch Analyse von Datensätzen ab 1800 heraus, dass Staatsschulden in den 3 Jahren, die einer Bankenkrise folgen, um durchschnittlich 86 % steigen. Direkte und indirekte Kosten sind schließlich um ein Vielfaches höher als die Kosten, die alleine durch die Bankenrettung entstehen. Dabei sind die Größenordnungen in betroffenen Schwellenländern mit denen in betroffenen entwickelten Volkswirtschaften vergleichbar. Die Gesamtkosten hängen von einer Vielzahl von politischen und ökonomischen Faktoren ab, besonders von der politischen Antwort und von der Schwere des anfänglichen Schocks, welcher normalerweise die Krise auslöst. (Reinhard und Rogoff, 2009, 142)
Für das Jahr 2009 verzeichnete die Bundesrepublik Deutschland die höchste Neuverschuldung in ihrer Geschichte. Auch 2010 soll der expansive Kurs beibehalten werden. Durch staatliche Programme versucht man weiterhin, die rezessionsbedingte Konjunkturflaute zu überwinden. Gleichzeitig sollen Steuerentlastungen, welche den Bürgern zugute kommen, den privaten Konsum stabilisieren. Auch die Unternehmensbesteuerung wurde gesenkt.
(Bundesministerium der Finanzen, Monatsbericht Januar 2010) Durch die steigenden Schulden wird die Rechnung von der gegenwärtigen auf die künftige Generation der Steuerzahler übertragen. Spätestens sie werden mit der Schuldenlast konfrontiert sein, deren Begleichung man jetzt mit allen Mitteln ausweichen will.
Drucken die Zentralbanken weiterhin im aktuellen Umfang Geld, wird die Inflation unweigerlich zunehmen und den Wert des Geldes schmälern. Durch die Verringerung des Wertes der Ersparnisse und der Schulden wird Inflation zu einer Steuer auf das Kapital der Sparer zugunsten der Schuldner. Wenn die Regierung eine Rezession vermeiden will, indem sie den Preis des Geldes senkt und Unternehmungen mit geringer Rentabilität am Leben erhält, führt dies zu einer steigenden Verschuldung bei einer sinkenden Gesamtrentabilität der Wirtschaft. Sparer werden schließlich Anlagemöglichkeiten in einem Währungsraum mit geringerer Inflation bevorzugen, sobald sie sich der sinkenden Rentabilität ihrer Geldanlage bewusst werden. Resultierende Kapitalflucht beschleunigt den Verfall einer Währung, wie auch das aktuelle Beispiel Griechenland zeigt.
52
Auch die Vereinigten Staaten verzeichnen zurzeit ein Rekorddefizit. Im Falle des US-Dollars ist tatsächlich auch ein großer Teil des Bargelds außerhalb der Vereinigten Staaten im Umlauf. Vor allem in Ländern, in denen es in der Vergangenheit keine stabile Währung gab, wird es als inoffizielles Zahlungsmittel verwendet oder als Sparguthaben gehalten. Bei schwindendem Vertrauen in den US-Dollar ist es möglich, dass ein Großteil dieses Geldes plötzlich umgetauscht wird. Dies hätte einen starken inflationären Schub zur Folge. (Calleo, 1992, 34 ff.) Genauso könnte auch der Umtausch eines großen Teils der ausgegebenen amerikanischen Staatsanleihen zu einer plötzlichen, starken Entwertung des Dollars führen (Müller, 2009, 61). Krugman hält dies für unwahrscheinlich:
Staatliche Schuldverschreibungen der Vereinigten Staaten sind absolut sicher, nicht weil die USA das verantwortungsbewussteste Land der Erde sind, sondern weil eine Welt, in der der amerikanische Staat in die Knie ginge, eine Welt wäre, in der alles andere auch zusammenbräche (2009, 200)
Steigende Verschuldung und steigende Inflation können zum Zusammenbruch führen, wenn die Situation außer Kontrolle gerät (Cagan, 1979, 55 ff.). Hyperinflation endet meistens in einer Währungsreform, dabei werden dann alle Schulden, aber auch alle Ersparnisse gelöscht. Wenn eine Regierung dies verhindern will, muss die Zentralbank früher oder später reagieren und die Zinsen anheben. Zwangsläufig führt dies dazu, dass all jene Unternehmen, die durch künstlich billiges Geld am Leben erhalten wurden, insolvent werden. Die Sorge über mögliche Zahlungsunfähigkeit der Schuldner führt dann zur Kreditverknappung, der reale Zinssatz steigt und die Rezession, der man versuchte auszuweichen, tritt ein. Der politische Druck auf eine Regierung ist deshalb hoch und man wird versuchen, das Anheben der Zinsen möglichst lange hinauszuzögern bzw. sehr schnell wieder zu beenden. (Calleo, 1992, 38 ff.)
Wegen des globalen Charakters der aktuellen Krise betreiben die meisten Zentralbanken der Länder der Welt zurzeit eine ähnliche Politik. Nach der Österreichischen Schule könnte damit der Keim zu einem neuen künstlichen Boom mit anschließendem Zusammenbruch gelegt werden.
53
6. Literaturverzeichnis
Atkeson, A., Kehoe, P. J., 2004, Deflation and Depression: Is There and Empirical Link?, American Economic Review, Papers and Proceedings 94, May 2004, S. 99 - 103
Beck, H., Wienert, H., 2009, Anatomie der Weltwirtschaftskrise: Ursachen und Schuldige, Das Parlament; Beilage der Zeitschrift „Aus Politik und Zeitgeschichte“, Nr. 20, 11.05.2009, S. 7 - 12
Bernanke, B. S., 2000, Essays on the Great Depression, Princeton University Press, Princeton
Bernanke, B. S., 2010, Monetary Policy and the Housing Bubble, Speech at the Annual Meeting of the American Economic Association, Atlanta, Georgia, 03.01.2010; http://www.federalreserve.gov/newsevents/speech/ bernanke20100103a.htm, abgerufen am 20.01.2009
Brenner, R., 2002, The Boom and the Bubble: The US in the World Economy, Verso, London
Bundesministerium der Finanzen, Januar 2010, Monatsbericht des BMF, S. 4 ff.; http://www.bundesfinanzministerium.de/nn_91648/sid_333E5B36F35E9004EE60CEAE3 268D6FC/nsc_true/DE/BMF__Startseite/Aktuelles/Monatsbericht__des__BMF/2010/01/in halt/Monatsbericht-Januar-2010,templateId=raw,property=publicationFile.pdf, abgerufen am 16.02.2010
Cagan, P., 1979, Persistent Inflation: Historic and Political Essays, Columbia University Press, West Sussex
Callahan, G., Garrison, R., 2003, Does Austrian Business Cycle Theory help explain the Dot-com boom and bust?, The Quarterly Journal of Austrian Economics Vol. 6, No. 2, 2003, S. 67 - 98
Callen, T., Ostry, J. D., 2003, Japan's lost decade: policies for economic revival, International Monetary Fund, Washington D. C.
Calleo, D. P., 1992, The Bancrupting of America, Avon Books, New York
54
Cantillon, R., 2010 (1732), An Essay on the Nature of Commerce, A New English Translation by Chantal Saucier, Edited by Mark Thornton; http://mises.org/journals/scholar/essay_commerce_cantillon.pdf, abgerufen am 04.04.2010
Cole, H. L., Ohanian, L. E., August 2004, New Deal Policies and the Persistence of the Great Depression: A General Equilibrium Analysis, Journal of Political Economy, Vol. 112, S. 779 - 816
Dieckheuer, G., 2004, Internationale Wirtschaftsbeziehungen, Oldenbourg Wissenschaftsverlag GmbH, München
Dornbusch,R., Fischer, S., Startz, R., 2003, Makroökonomik, Oldenbourg Wissenschaftsverlag GmbH, München
Erben, R., Romeike, F., 2003, Allein auf Stürmischer See: Risikomanagement für Einsteiger, Wiley-VCH GmbH & Co. KGaA, Weinheim
Europäische Zentralbank, 2008, Durchführung der Geldpolitik im Euro-Währungsgebiet, November 2008;
http://www.bundesbank.de/download/ezb/publikationen/ezb_publication_geldpolit ik_08.pdf, abgerufen am 10.04.2010
Federal Reserve Board, 2009, Consumer Handbook on Adjustable-Rate Mortgages; http://www.federalreserve.gov/Pubs/arms/armsbrochure.pdf, abgerufen am 08.02.2010
Federal Reserve System, 2005, The Federal Reserve System - Purposes and Functions, Ninth Edition, 06.2005;
http://www.federalreserve.gov/pf/pdf/pf_complete.pdf, abgerufen am 10.04.2010
Frank, B., 2008, Interview with Congressman Barney Frank, Dezember 2008; Frontline: Inside the Meltdown, DVD, 2009, einsehbar unter: http://www.pbs.org/wgbh/pages/frontline/meltdown/interviews/frank.html, abgerufen am 19.01.2010
Frank, S., 2009, Die Weltvernichtungsmaschine, Conte-Verlag, Saarbrücken
Frank, R. H., Bernanke, B. S., 2007, Principles of Macroeconomics, McGraw-Hill, New York
55
Friedman, M., 2004, Reflections on A Monetary History, The Cato Journal 23 (Winter 2004), S. 349; http://www.cato.org/pubs/journal/cj23n3/cj23n3-1.pdf, abgerufen am 05.04.2010
Frisch, R., 1967 (1933), Propagation Problems and Impulse Problems in Dynamic Economies, in Allen, G., (Editor), Economic Assays in Honour of Gustav Cassel, Frank Cass and Company Ltd., London
Garrison, R. W., 2001, Time and Money, Routledge, New York
Glasner, D., Garrison, R., 1997, Business Cycles and Depressions, Garland Publishing, New York
Gorthmanns, R., 2008, Geldpolitik und Vermögenspreise, Igel Verlag GmbH, Hamburg
Hafer, R. W., 2005, The Federal Reserve System: an encyclopedia, Greenwood Press, Westport
Hayek, F. A., 1932 (1931), Prices and Production, Augustus M. Kelly, New York
Hayek, F. A., 1947, Individualism and Economic Order, The University of Chicago Press, Chicago
Hazlitt, H., 1979 (1946), Economics in One Lesson, Three Rivers Press, New York
Kahneman, D., 28.01.2009 im Interview mit FOCUS-Online-Chefredakteur Jochen Wegner; http://www.focus.de/digital/multimedia/dld-2009/ nobelpreistraeger-kahneman-die-menschen-denken-kurzfristig_vid_8973.html, abgerufen am 24.01.2010
Keynes, J. M., 2003 (1935), The General Theory of Employment, Interest and Money, Project Gutenberg of Australia eBook
Knappmann, L., 22.10.2004, Börsencrash 1929... und dann sprang er aus dem Fenster, Manager-Magazin; www.manager-magazin.de/geld/artikel/ 0,2828,324425,00.html, abgerufen am 08.02.2010
Korenjak, F., 1969, Konjunktur - Geld- und Entwicklungstheorie, Duncker und Humbolt, Berlin
56
Krugman, P., 04.12.1998, The Hangover Theory - Are recessions the inevitable payback for good times?, Slate Online Magazine, abgerufen am 06.01.2010; www.slate.com/id/9593
Krugman, P., 10.11.2008, Franklin Delano Obama?, The New York Times; http://www.nytimes.com/2008/11/10/opinion/10krugman.html, abgerufen am 02.04.2010
Krugman, P., 2009, Die neue Weltwirtschaftskrise, Campus Verlag, Frankfurt am Main
Leisinger, C., 24.07.2007, Immobilienkrise - noch ist sie nicht ausgestanden, FAZ.net;
http://www.faz.net/s/Rub645F7F43865344D198A672E313F3D2C3/Doc~EF56AF 95470BE4B39B3C7171449730B62~ATpl~Ecommon~Sspezial.html, abgerufen am 29.01.2010
Menger, C., 1871, Grundsätze der Volkswirtschaftslehre, Wilhelm Braumüller, Wien
Mises, L. von, 1912, Theorie des Geldes und der Umlaufsmittel, Duncker und Humbolt, München
Mises, L. von, 1940, Nationalökonomie - Theorie des Handelns und Wirtschaftens, Editions Union, Genf
Mises, L. von, 1998 (1949), Human Action, Ludwig von Mises Institute, Auburn, Alabama
Müller, D., 2009, Crashkurs, Droemer Verlag, München
O’Driscoll, G. P., Rizzo, M. J., 1996 (1985), The Economics of Time and Ignorance, Routeledge, New York
Paterson, I., 2009 (1993), The god of the machine, Transaction Publishers, New Jersey
Paulson, H., (2008a), Rede am 2.07.2008, Remarks on the U.S., the World Economy and Markets; http://www.ustreas.gov/press/releases/hp1064.htm, abgerufen am 03.02.2010
57
Paulson, H., (2008b), Rede am 1.12.2008, Remarks on the U.S. Economy and Financial System; http://www.ustreas.gov/press/releases/hp1301.htm, abgerufen am 31.03.2010
Polleit, T., 13.12.2007, Manipulating the Interest Rate: a Recipe for Disaster; Ludwig von Mises Institute, Auburn, Alabama; http://mises.org/story/2810, abgerufen am 07.01.2010
Powell, B., 2002, Explaining Japan’s Recession, Quarterly Journal of Austrian Economics, Vol. 5, Nr. 2, S. 35 - 50
Reinhard, C. M., Rogoff, K. S., 2009, This time is different - Eight Centuries of Financial Folly, Princeton University Press, Princeton, New Yersey
Robbins, L., 1971 (1934), The Great Depression, Books for Libraries Press, New York
Rothbart, M., 2000 (1963), Americas Great Depression, Ludwig von Mises Institute, Auburn, Alabama
Samuelson, P. A., Nordhaus, W. D., 1989, Macroeconomics: a version of Economics, McGraw-Hill, New York
Samuelson, P. A., Nordhaus, W. D., 2007 (2005), Volkswirtschaftslehre: Das internationale Standardwerk der Makro- und Mikroökonomie, mi-Fachverlag, Lanzberg am Lech
Schiff, P. D., 2006a, Kudlow & Company on CNBC, 28.08.2006; http://www.youtube.com/watch?v=LfascZSTU4o, abgerufen am 04.04.2010
Schiff, P. D., 2006b, Rede zum Western Regional Mortgage Bankers Association Meeting 2006, 13.11.2006; http://www.youtube.com/watch?v=jj8rMwdQf6k, abgerufen am 04.04.2006
Schiff, P. D., 2007, Crash Proof: How to Profit from the Coming Economic Collapse, John Wiley & Sons, Hoboken, New Yersey
Schiff, P. D., 2009, Why the Meltdown Should Have Surprised No One, The Henry Hazlitt Memorial Lecture, Ludwig von Mises Institute, Auburn, Alabama, 13.03.2009; http://mises.org/media/2998
Sinn, H.-W., 2009, Kasino Kapitalismus, Ullstein Verlag, Berlin
58
Speck, D., 2005, Seasonality, Trader’s Magazine, May 2005, S. 10-15; http://www.seasonalcharts.com/img/ZUTEXTEN/saisonalitaet_e.pdf, abgerufen am 04.04.2010
Steele, G. R., 2001, Keynes and Hayek, Routeledge, New York
Thornton, M., 2006, Mises vs. Fisher on Money, Method, and Prediction: The Case of the Great Depression, Ludwig von Mises Institute, Auburn, Alabama; http://mises.org/journals/scholar/Thornton16.pdf, abgerufen am 22.04.2010
Wallis, J. J., Benjamin, D. K., 1981, Public Relief and Private Employment in the Great Depression, The Journal of Economic History, 41 (March 1981), S. 97-102
Wicksell, J. G. K., 1898 (2006),Geldzins und Güterpreise, Finanzbuch Verlag, München
Woods, T. E. Jr., 2007, 33 Questions about American History You’re Not Supposed to Ask, Regnery Publishing Inc., Washinghton D.C.
Woods, T. E. Jr., 2009, Meltdown: A Free-Market Look at Why the Stock Market Collapsed, the Economy Tanked, and Government Bailouts Will Make Things Worse, Regnery Publishing Inc., Washinghton D.C.
59
Arbeit zitieren:
Philipp Gebhardt, 2010, Schwarze Tage an den Börsen und staatliche Intervention, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Die bilanzielle Abbildung von variablen Anschaffungskosten der Beteili...
(insbes. bei sog. "Earn O...
Seminararbeit, 39 Seiten
IFRS 3 (2008) - major changes and implications
BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern
Bachelorarbeit, 21 Seiten
Geplante Änderungen zur Goodwillbilanzierung nach IFRS 3
BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern
Seminararbeit, 22 Seiten
Goodwillbilanzierung nach IFRS
Eine kritische Würdigung aktue...
BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern
Seminararbeit, 24 Seiten
Geowissenschaften / Geographie - Wirtschaftsgeographie
Seminararbeit, 18 Seiten
Ursachen und Verlauf der Weltwirtschaftskrise 1929 - 1933 unter besond...
BWL - Wirtschafts- und Sozialgeschichte
Hausarbeit, 13 Seiten
BWL - Sonstiges: neuer Titel erschienen: Schwarze Tage an den Börsen und staatliche Intervention
Philipp Gebhardt hat einen neuen Text hochgeladen
Tage Frid Teaches Woodworking: A Step-By-Step Guide to Essential Woodw...
Tage Frid, Peter Chapman
0 Kommentare