Gliederung
1. Begriffserklärung „Sorglosigkeit“ 2
2. Forschungsmethode 4
3. Vorgehen der Erhebung 5
4. Liste der Themen der Studie 6
5. Vorgehen der Auswertung 7
6. Ergebnisteil der Studie und Interpretationsteil 7
6.1 Ergebnisse der Kunststudenten 9
6.2 Ergebnisse der BWL-Studenten 15
7. Zusammenfassung 19
8. Literatur 21
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1. Sorglosigkeit - eine Begriffserklärung
„Wenn man dauernd sagt, die Dinge würden einen schlechten Lauf nehmen, dann hat man gute Chancen, zum Propheten zu werden.“ Isaac Singer
Sorgloses Leben wird in der Alltagssprache häufig gleichgesetzt mit einem Leben ohne Sorgen - sprich ohne Problemen und negativen Gedanken. Nimmt man das Internet zu Hilfe und gibt den Begriff Sorglosigkeit in die Suchmaschine „Google“ ein, so lassen sich negativ-belastete Synonyme finden, wie Unachtsamkeit, Nachlässigkeit, Schlamperei, Achtlosigkeit, Gleichgültigkeit, Leichtsinn, Pflichtvergessenheit, Arglosigkeit, Fahrlässigkeit, Gedankenlosigkeit, Geistesabwesenheit, Unzuverlässigkeit und Verantwortungslosigkeit. Positive Ergebnisse zu Synonymen für Sorglosigkeit sind Unbekümmertheit und Unbeschwertheit. Um nun die Ergebnisse der Suchmaschine mithilfe der Theorie der gelernten Sorglosigkeit (nach Prof. D. Frey und S. Schulz-Hardt) erklären - beziehungsweise diese Begriffsentstehung deuten zu können, wird nun die Theorie vorgestellt, um die oben genannten Ergebnisse besser verstehen zu lernen. Die Theorie der gelernten Sorglosigkeit beschreibt das Phänomen, dass Menschen dazu neigen, bestehende Risiken zu ignorieren und gegebene Vorsichtmaßnahmen nicht zu berücksichtigen. Obwohl Menschen meist Gefahren in der Zukunft erkennen können und ihr Handeln kontrollieren und beeinflussen können, werden Gefahren ignoriert und aus dem Bewusstsein eliminiert. Durch die Erfahrung, dass irgendwie alles sich zum Guten wenden wird - ohne großen Aufwand, ist für viele Menschen ein Grund dafür mit zukünftigen Gefahren oder anstehenden Problemen sorglos umzugehen. Riskantes Verhalten ohne negativen Konsequenzen und die eben genannten Erfahrungen bilden die affektiv-kognitive Monopolhypothese auf Dauer aus. Im Zustand der Sorglosigkeit wird somit davon ausgegangen, dass negative Ereignisse für die Person selbst nicht eintreten und positive Ereignisse zwangsläufig, wie von selbst auftreten können. Wird die Sorglosigkeitshypothese häufig bestätigt, aufgrund von internaler und externaler Verursachung, so wird sie umso konstanter und änderungsresistenter. Neben Modellernprozessen durch Nachahmungsprozeduren und Beeinflussung durch Normen und Werten wird das sorglose Verhalten bestärkt und somit auch verstärkt - Draufgänger haben einen höheren Stellenwert in der Gesellschaft als eher ängstlichere Menschen.
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Die Symptome der gelernten Sorglosigkeit, sind erstens die verringerte Motivation eventuelle Gefahren zu erkennen, beziehungsweise sie wahrzunehmen - dabei wird das internale Frühwarnsystem ausgeschaltet- zweitens, die verringerte Fähigkeit, die Gefahr zu entdecken - verringerte Fähigkeit Konsequenzen des eigenen Handels zu antizipierendrittens, die unkritische gehobene Stimmung - Steigerung bis hin zu Euphorie über die eigene Unverletzlichkeit und als letztes Symptom, die verkürzte Zeitperspektive - die Gegenwart wird fixiert und die Zukunft mit eventuellen Gefahren wird ausgeblendet und verdrängt. Die Konsequenzen gelernter Sorglosigkeit sind negativ behaftet. So entstehen meist verzögertes Lernen beziehungsweise fehlende Bereitschaft zur Verhaltensänderung, unangemessene waghalsige Handlungen und die Gefahr der Generalisierung auf ähnliche Bereiche. Vermeidung, Verleugnung und Verdrängung von Gefahreninformationen sind neben Überoptimismus, Kontrollillusion (eigene Einflussmöglichkeit wird überschätzt) und Alibihandlungen (minimalste Verhaltensveränderung, die der Gewissensberuhigung dienen, aber objektiv keinen längerfristigen Schutz bieten) Defensivstrategien zur Aufrechterhaltung der Sorglosigkeit. Um nun über den oben genannten Überoptimismus auf den Optimismus zu gelangen und ihn begrifflich erklären zu können, nehmen wir die von Scheier und Carver konzipierte Erklärung zur Hand. So ist der Optimismus eine generalisierte Erwartung, positive Handlungsergebnisse zu erzielen. Optimistische Erwartungen fördern die psychische und körperliche Adaptation im Umgang mit Stress und Krankheit, gleichzeitig bewirken sie generell Erfolg im Leben und eine bessere Gesundheit (Scheier & Carver, 1991; Seligman, 1991). In der Optimismus-Forschung werden zwei Arten von Optimismus unterschieden. Der Funktionale Optimismus als eine Art von Optimismus, bei dem positive Erwartungen immer noch einen gesunden Realitätsbezug aufweisen. Hier macht sich die Person Gedanken über die konkrete Realisierung der Handlungen und nimmt Warnsignale als solche wahr und kann auf diese Weise der Bewältigung kritischer Situationen dienen. Der Defensive Optimismus stellt Warnsignale in den Hintergrund. Defensive Optimisten erkennen Warnsignale und somit auch Gefahren nicht und glauben daran, dass alles irgendwie gut gehen wird. Sorglosigkeit geht mit defensivem Optimismus einher. Um Sorglosigkeit in einer Reihenfolge zum besseren Verständnis einzuordnen wird nun folgend eine Reihenfolge dargestellt: Exzessive Besorgnis/Selbstzweifel - Pessimismus - Milder Pessimismus - Funktionaler Optimismus - Unrealistischer/defensiver Optimismus - Sorglosigkeit
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Funktionaler Optimismus entsteht durch die Erfahrung mit angemessenem Aufwand Erfolg zu haben. Sorglosigkeit entsteht durch Erfahrung, Erfolge ohne Aufwand zu erzielen. Sorglosigkeit lässt sich in verschiedenen Bereichen finden. So gibt es sehr viele Studien und Forschungen zu Sorglosigkeit und Risikoeinschätzung am Arbeitsplatz, im Umweltbereich, Straßenverkehr, Sport, Finanzmarkt und im Gesundheitsbereich (AIDS, Suchtmittel etc.). Riskantes Verhalten und Sorglosigkeit sind in der Sozialpsychologie zwei eng miteinander verknüpfte Themenbereiche.
Nachdem nun die Theorie der gelernten Sorglosigkeit vorgestellt wurde, soll nun die Frage geklärt werden, ob BWL-Studenten oder Studenten der Kunst eher zu sorglosem Verhalten neigen, beziehungsweise wie sie sich selbst und ihre Zukunft sehen. Bei der Untersuchung sollen Unterschiede und Gemeinsamkeiten der unterschiedlichen Fach-Studenten analysiert werden, beziehungsweise die subjektive Perspektive im Vordergrund stehen, da man aufgrund der geringen Anzahl der Studenten letzten Endes nur über die subjektive Perspektive ein Ergebnis generieren kann und sich anhand der Interviews zwar Neigungen feststellen lassen, aber eine Generalisierung nicht möglich ist.
2. Forschungsmethode
Um die Sichtweise der Studenten erheben zu können, wurde als Forschungsmethode die Form eines offenen, relativ unstrukturierten Interviews gewählt. Durch die offene Fragestellung soll dem Interviewten ein geringer Verbindlichkeitscharakter suggeriert werden. Da noch keine empirischen Vorlagen zu dieser Thematik vorliegen, wurde ein offenes und unstandardisiertes Verfahren gewählt, da auf Vorkenntnisse und Vorerfahrungen nicht zurückgegriffen werden konnte (was für ein standardisiertes Projekt unabdingbar ist). Die im Mittelpunkt stehende Forderung an die Methode war also, dass die Befragten ihre eigene Sichtweise aufzeigen konnten. „So interessiert sich eine qualitative Methodologie primär für das `Wie` dieser Zusammenhänge und deren innere Struktur, vor allem aus der Sicht der jeweils Betroffenen“ (Kiefl, Lamnek, 1984, S. 474). Deshalb ist Offenheit eine Notwendigkeit. Offenheit bedeutet hier, dass auf die befragte Person durch den Kommunikationsstil und die Fragenformulierung individuell eingegangen wird. Diese Forschung dient eher einer Hypothesengenerierung als einer Hypothesenprüfung. Die Offenheit der Antwortmöglichkeit ermöglicht dem Befragten eine eigene Detaillierungskontrolle der Antworten. Der nicht fixierte Ablauf der Befragung
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dieser Kommunikation soll eher einen Gesprächscharakter, als einen Interview-Charakter verkörpern. Die Strukturierung des Untersuchungsprozesses wurde den Befragten selbst übertragen, so dass das Gespräch eine ungezwungene Atmosphäre erhielt und die Befragten eher auch auf persönliche Themen eingehen wollten. Zu Beginn des Interviews wurden die Befragten gebeten, von ihrer studentischen Tätigkeit zu berichten. Zusätzlich wurde ein Themenkatalog entwickelt, der für Ausnahmefälle bereit stand.
3. Das Vorgehen bei der Erhebung
Vor Beginn des Interviews wurden Informationen über Verwendungszweck, Anonymität gegeben und zugesichert. Das Mitschreiben während des Gesprächsverlaufes wurde akzeptiert. Auf Tonband wurde aufgrund von Nichtakzeptanz seitens einiger Studenten verzichtet und somit nicht bei jeder Befragung verwendet. Der Grund für eher wenige wörtliche Zitate. Die Auswahl der Untersuchungspersonen war auf höhere Semesterzahl und Geschlecht fokussiert. So wurden jeweils 20 Studenten (jeweils 10 männliche und 10 weibliche dieser Fachrichtungen) ausgewählt und befragt. Dabei wurde im Vorfeld berücksichtigt und abgeklärt, ob sich die jeweiligen Studenten selbst für ihr Studium entschieden hatten, oder ob es eine Pflichtentscheidung war - was die Ergebnisse verzerren könnte.
So wurden 20 Studenten mit Eigenentscheidung über ihr Studium befragt. Die Studenten hatten bereits ihr Vordiplom abgeschlossen, beziehungsweise waren im höheren Semester (Kunst) - somit konnte sichergestellt werden, dass die 40 Studenten alle ihr Studium mehr oder weniger motiviert verfolgten und somit von ihrer Entscheidung des Studiums überzeugt waren. Warum gerade BWL und Kunst als Vergleich ausgesucht wurde, soll nun erklärt werden. BWL-Studenten haben das Ansehen innerhalb der Universität und innerhalb der Gesellschaft als zielstrebigste und karriereorientierteste Studenten mit Zukunftsaussichten, im Gegensatz zu den Kunststudenten - die eher als „brotlose Kunst“-Vertreter bezeichnet werden. BWL zu studieren bedeutet, dass man nach dem Studium voraussichtlich eher eine sichere Arbeitsstelle finden wird und die Wahrscheinlichkeit hoch ist, davon gut leben zu können. Im Gegensatz dazu scheinen die Kunststudenten eher eine unsichere Zukunft im späteren Arbeitsfeld zu haben. Es ist nicht sicher, ob man sich mit seiner Kunst „über Wasser halten“ kann. Die Studenten beider Fakultäten haben sich über ihr Studium vor Studienbeginn erkundigt und sich damit beschäftigt. Das
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Arbeit zitieren:
M.A. Patrizia Joos, 2009, Sorglosigkeit - Unterschiede zwischen Kunst- und BWL-Studenten erkennbar?, München, GRIN Verlag GmbH
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