Ordnungsliebe. Es wurde weit in die Zukunft geplant, alles war wohl unzweideutigen Zusammenhang mit den Argumentationsfiguren seines überlegt, selten gab es Überraschungen. Sie arbeiteten viel und was sie Protestantismusaufsatzes zu bringen. Sie liegt vielmehr darin, überhaupt taten, taten sie gründlich. Verschwendung war ein der Sünde gleichgesetztes eine solche moralische Konnotation wahrnehmen und damit Vergehen, und jede nicht unbedingt nötige Ausgabe wurde als problematisieren zu können. Hier mit Weber zu denken, heißt nämlich auch, Verschwendung betrachtet. Die ökonomischen Früchte ihrer Arbeit zierten bestimmte Überzeugungen ihrer quasi naturwüchsigen Plausibilität zu eher ihr Sparkassenkonto, als dass sie das Leben meiner Großeltern entkleiden, sie als historische und also kontingente Phänomene zu komfortabler machten. Ihr Leben und Arbeiten trug ein „asketische betrachten. Gepräge“, wie Max Weber sagt. Schematisch, und wirklich nur schematisch gesprochen, ist seine Idee in etwa diese: Im Wertesystem des Protestantismus, insbesondere aber des
die historische Genese genau dieser Lebensführung zu erklären. Heute, Radikalität. Danach hat Gott noch vor der Schaffung der Welt einige mehr als einhundert Jahre nach ihrer Veröffentlichung, kann die klassische wenige Menschen zum ewigen Leben erwählt; diese Wenigen gehen nach Webersche Studie immernoch als hervorragende Hintergrundfolie für das ihrem diesseitigen Tod in jenseitige Herrlichkeit ein. Die Anderen aber, die Verständnis arbeitszentrierter Lebens- und Denkstile dienen. Als nicht erwählten Vielen, sind der Verdammnis preisgegeben, wobei die Hintergrundfolie wohlgemerkt, denn Max Webers Analyse ist eine besondere Dramatik in der doppelten Unfähigkeit des Menschen besteht, historische, sie nimmt bestimmte Einstellungen zu Arbeit und Erwerb in den den ihn betreffenden Urteilsspruch vorhersehen oder beeinflussen zu Blick, die heute nur noch in modifizierter, vielleicht rudimentärer Weise können. Nach der Weberschen Argumentation muss ein derart existieren. Der Habitus meiner Großeltern mag als Beispiel hierfür gelten. erbarmungsloser Glaube eine ungeheure psychische Spannung in den Ihrer ursprünglichen Form, vor allem aber ihrer gesellschaftlichen Gläubigen verursachen. Sie begegnen dieser Spannung, so Weber weiter, Sprengkraft nach, sieht Weber diese Einstellungen bereits zu seiner eigenen mit einer Flucht nach vorn, durch Praktizieren dessen, was er als Zeit nicht mehr wirken. Die Fruchtbarkeit der Weberschen Geschichte liegt „innerweltliche Askese“ bezeichnet. Kern dieses asketischen Habitus ist die demnach nicht unbedingt darin, die moralischen Konnotationen, die wir rational organisierte Zentrierung der gesamten Lebenspraxis auf die heute etwa in den Debatten um den Sozialstaat vorfinden, in einen völlig Berufsarbeit, flankiert von einem radikalen Verzicht auf Genuss und Sinnlichkeit. Damit werden die frühen protestantischen Strömungen zum Ursprung eines neuen Typus der Lebensführung, der dann in der 1 Max Weber: Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus. In: Ders.: Schriften zur
Argumentation Webers seinerseits eine katalysatorische Wirkung auf die Lesart würde einer unzulässigen Verknappung entsprechen und sich Entstehung des modernen Kapitalismus, und überhaupt der modernen überdem an den kaum noch fruchtbaren Schemata ausrichten, die Marx in westlichen Kultur entfaltet. einer völlig anderen historischen Situation, nämlich im Kampf gegen den Deutschen Idealismus, entwickelte. Webers Grundausrichtung lässt sich
ideellen Wurzeln der okzidentalen Moderne. Dass diese Wurzeln - nicht modernen Kapitalismus viele Faktoren eine Rolle spielten, nicht nur ideelle nur, aber doch eben zu bedeutenden Teilen - in den religiösen oder religiöse, sondern auch die sogenannten materiellen, steht für Weber Vorstellungen der frühen protestantischen Strömungen zu suchen seien, nicht in Zweifel. Und er weiß auch, dass in seinen Protestantismusstudien „nur der einen Seite der Kausalbeziehung nachgegangen“ 2 wird. Außerdem, setzt nun offensichtlich eine gewisse Heuristik voraus. Um so denken zu können, benötigt man ein Modell, in dem komplexe gesellschaftliche und das wird leider häufig übersehen, erklärt er hier nicht in erster Linie das Großverhältnisse aus bestimmten, in Teilbereichen der Gesellschaft Entstehen des Kapitalismus, sondern einer Lebensführung, die dem geglaubten Ideen emergieren können. Theoriegeschichtlich ist das insofern Kapitalismus erst den Weg geebnet hat. Die Arbeitsethik ist ein wichtiger interessant, als es sich hierbei scheinbar um die genaue Umkehrung dessen Teil dieser asketisch-rationalen Lebensführung. Und damit ein wichtiger handelt, was Karl Marx kaum mehr als fünfzig Jahre vorher in seiner Teil dessen, was Weber den „Geist des Kapitalismus“ nennt. Auseinandersetzung mit Hegel apodiktisch erklärt hatte: Nach dem Dieser „Geist“ hat nicht das geringste mit dem Hegelschen Begriff zu bekannten Marxschen Diktum bestimmt das Leben oder das Sein - und eben tun; er ist weder Movens einer Geschichtsteleologie noch tritt er als nur dieses - das Bewusstsein. Weber scheint aber im Gegenteil das autonomes historisches Subjekt in Erscheinung. Im Sinne der Weberschen gesellschaftlich-materielle Sein, den Kapitalismus nämlich, aus einem Methodologie handelt es sich vielmehr um eine vom Betrachter zu logisch und chronologisch vorgängigen Bewusstsein, nämlich aus Werten komponierende begriffliche Abstraktion, die einzig zum Zwecke des und Ideen herzuleiten. Hierin liegt einer der Hauptgründe, weshalb Weber Verstehens vorgenommen wird. Die besondere Leistung jener Abstraktion in marxistischen Diskursen stets mit Bann und Fluch belegt wurde. liegt nicht darin, das Handeln und Verhalten der konkreten Subjekte in Wenn sich die „Protestantische Ethik“ Webers nun zunächst wie ein mystifizierenden Notwendigkeitsbeziehungen aufzulösen, sondern in der Gegenentwurf zu Marxens „Deutscher Ideologie“ ließt, ist doch Vorsicht Rückführung gesellschaftlicher Praktiken auf die motivationalen Strukturen geboten, will man Weber einer eindeutigen Front in dem ohnehin längst nicht mehr aktuellen Idealismus-Materialismus-Streit zuordnen. Diese 2 Max Weber: Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie. Vorbemerkung. In: Ders.: Schriften
zur Soziologie, Stuttgart 1995, S. 328
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und die Legitimitätsvorstellungen dieser Subjekte. Indem die religiös wurde? - Was wäre also, wenn der Fischer noch einmal hinausfahren strukturierte Grammatik des Erwerbstriebs, des Arbeitenwollens im würde?
Gegensatz zum Arbeitenmüssen aufgedeckt wird, werden diese Phänomene dem historischen Verständnis zugänglich gemacht. „Sie würden sich spätestens in einem Jahr einen Motor kaufen können, in zwei Jahren ein zweites Boot, in drei oder vier Jahren vielleicht einen kleinen Kutter V haben, mit zwei Booten und dem Kutter würden Sie natürlich viel mehr fangeneines Tages würden Sie zwei Kutter haben, Sie würden...“, die Begeisterung Die Rede von Arbeitsmoral, Arbeitenwollen und asketischen verschlägt ihm für ein paar Augenblicke die Stimme, „Sie würden ein kleines Legitimitätsvorstellungen erinnert an eine interessante Geschichte, eine Kühlhaus bauen, vielleicht eine Räucherei, später eine Marinadenfabrik, mit Geschichte von Heinrich Böll. In dieser „Anekdote zur Senkung der einem eigenen Hubschrauber rundfliegen, die Fischschwärme ausmachen und Arbeitsmoral“ 3 trifft ein westlicher Tourist auf einen armen einheimischen Ihren Kuttern per Funk Anweisungen geben. Sie könnten die Lachsrechte Fischer. Der Fischer liegt in seinem Boot - und döst. In dem Gespräch der erwerben, ein Fischrestaurant eröffnen, den Hummer ohne Zwischenhändler beiden kristallisieren sich zwei, wie Weber sagen würde, „Idealtypen“ der direkt nach Paris exportieren - und dann...“ 4 Arbeitsgesinnung heraus. Tourist und Fischer stellen völlig entgegengesetzte Herangehensweisen an das Arbeiten dar. Es sind Das entbehrt eines gewissen Pathos nicht. Und im Leser muss Karikaturen, die in zugespitzter Weise gesellschaftliche Großverhältnisse schließlich die ernsthafte Frage entstehen: Wenn man ein eigenes illustrieren und sie durch Vereinfachung verständlich machen, also Fischrestaurant haben kann und die Lachsrechte und einen Hubschrauber -Idealtypen im Sinne Webers. Da ist der Fischer, der einen wunderbar für darf man dann tatenlos in der Sonne liegen? Darf man sich den verhießenen den Fischfang geeigneten Tag dösend verfaulenzt, weil er den nötigen Wohlstand, die materielle Sicherheit, die Perspektiven, die finanzielle Minimalertrag bereits eingefahren hat. Und da ist der Tourist, den die Freiheit, darf man sich all das entgehen lassen? Müsste der Fischer nicht Vorstellung von der verpassten Erwerbsgelegenheit tief betrübt: Muss nicht, sofort aufspringen und in unermüdlicher Arbeit nicht eher ruhen, als er wie das bekannte Sprichwort weiß, dem Vergnügen die Arbeit dieses Ziel erreicht hat? Es ist, als ob er sich das selbst schuldig wäre. vorausgehen? Und ist nicht die Schuldigkeit, die wir gegen das Arbeiten Müsste ihn nicht dasselbe schlechte Gewissen plagen, das den Langschläfer haben, erst dann abgegolten, wenn der maximale Ertrag erwirtschaftet nach Zwölf am Bäckerstand heimsucht?
Aber das ist nicht das Ende der Böllschen Geschichte. Die Aussicht auf ökonomische Prosperität beeindruckt den Fischer nämlich ganz und gar
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Heinrich Böll: Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral. In: Ders.: Werke. Romane und
4 Ebd. Erzählungen 4, Köln 1994, S. 268
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nicht. Stattdessen quittiert er die emphatische Rede mit der schlichten zufriedene Betrachten des Meeres gegenüber dem rastlos gewinnstrebenden Frage: „Was dann?“. - Ja, was eigentlich dann? Wohin führt die von dem Befischen desselben ausübt, und kaum jemand wird die Mühen des Touristen so leidenschaftlich vorgetragene Idee? Die Antwort des Touristen lebenslangen Frühaufstehens gegen die Freude der Ausschlafens ist wahrlich irritierend: „Dann können Sie beruhigt hier im Hafen sitzen, in eintauschen wollen, wenn hinter diesen Mühen nichts als der der Sonne dösen - und auf das herrliche Meer blicken.“ 5 Damit hat sich nun legitimatorische Abgrund klafft. Sicherlich, Mancher mag der aber die Emphase des Touristen in einem schlechten Zirkel verfangen, denn Selbsttäuschung zum Opfer fallen, und Mancher mag sich einfach weigern, genau das ist es ja, was der Fischer bereits tut. Wenn das nicht-mehr-Rechenschaft vor sich selbst abzulegen. Damit ist aber die Frage nach dem arbeiten-Müssen als imaginierter Endzweck eines arbeitsamen Lebens auch Warum keineswegs beantwortet; eher wird sie noch drängender. Außerdem ohne all den Aufwand erreichbar wäre, dann wäre dieser Lebensentwurf geht es hier nicht um die Lebenslügen Einzelner. Es handelt sich um die kaum mehr als eine irrationale Kuriosität. Jedenfalls solange, wie er nicht Frage nach dem Sinnfundament einer kollektiv geteilten Praxis, die über durch irgendeine andere Instanz mit subjektiver Bedeutung gesättigt würde. einen langen geschichtlichen Zeitraum das Selbstverständnis einer ganzen Es scheint fast, als ob der Tourist diese eigentliche Bedeutung irgendwie Kultur geprägt hat und die nun, wie es aussieht, zur bloßen Form vergessen hätte, als sei ihm der Sinn seines Handelns abhanden gekommen. degeneriert ist. Dieses Sinnfundament ist nach Max Weber ein religiöses, Sein Arbeiten, so scheint es, ist ganz und gar Sinn-los. Die Geschichte endet auf seinem Boden gedeiht jener kapitalistische Geist, dessen idealtypische denn auch, indem Böll seinen Touristen nachdenklich aus der Szene Illustration der Böllsche Tourist, das schlechte Gewissen des Langschläfers scheiden lässt und ihm die Worte nachschickt: „Früher hatte er auch einmal und schließlich das „Sich regen bringt Segen“ meiner Großeltern ist. geglaubt, er arbeite, um eines Tages nicht mehr arbeiten zu müssen, und es Weber präsentiert in seiner Protestantismusstudie einen weiteren blieb keine Spur von Mitleid mit dem ärmlich gekleideten Fischer in ihm Kronzeugen dieses Geistes, den amerikanischen Unabhängigkeitspolitiker zurück, nur ein wenig Neid.“ 6 und Wissenschaftler Benjamin Franklin. Dessen Programm klingt bekannt:
VI „Bedenke, dass Geld von zeugungskräftiger und fruchtbarer Natur ist. Geld kann Geld erzeugen und die Sprößlinge können noch mehr erzeugen und so fort. [...] Die beiden von Böll gezeichneten Figuren legen ein Konfliktfeld offen, Je mehr davon vorhanden ist, desto mehr erzeugt das Geld beim Umschlag, so das von den Selbstverständlichkeiten kollektiv geteilter Praktiken allzuleicht daß der Nutzen schneller und immer schneller steigt. Wer ein Mutterschwein verstellt wird. Kaum jemand wird die Verlockung leugnen, die das tötet, vernichtet dessen ganze Nachkommenschaft bis ins tausendste Glied. Wer
5 Ebd.
6 Ebd. S. 269
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Berufsmenschen in Reinform verkörpert: In selbstkontrollierter, planvoller oder verantwortungslos ist sein Handeln dadurch nicht. Nur fühlt er sich Zielstrebigkeit vermehrt er seinen Besitz, kontrolliert in ernsthafter offensichtlich nicht demselben Erwerbsinteresse, demselben Arbeitsethos Buchhaltermanier Einnahmen und Ausgaben und wägt dabei jeden Schritt verantwortlich, wie sein Gegenpart. Und es scheint, als ob er seinen eigenen rational ab. Die nötige Erholung gönnt er sich erst, wenn er den Zwecken, Zielen und Werten weniger entfremdet wäre. größtmöglichen Gewinn erwirtschaftet hat. In der Verwaltung seiner Würde man nun die Figur des Fischers als bloße Inkarnation einer Betriebsmittel ist er genügsam, seine Ausgaben beschränkt er auf das verloren gegangenen Natürlichkeit auffassen, würde man damit die unbedingt Nötige. Seine Genügsamkeit ist dabei von einer angespannten, interessante Chance verstreichen lassen, das kulturell tief verwurzelte stets nach vorne blickenden Art. Und eben diese Einstellung, dieses Arbeitsethos besser zu verstehen. Diese Figur dient hier nämlich weniger als Denken, Fühlen und Handeln ist es, was Weber den „Geist des Zeuge individueller oder gesellschaftlicher Utopien, sie soll nicht unbedingt Kapitalismus“ nennt. Aus ihm spricht weder Besitzgier, noch bloße zum Schwärmen über das einfache Leben und das nicht entfremdete Geschäftsklugheit, noch ist er Ausdruck einer persönlichen, vielleicht Arbeiten einladen. Sie übernimmt eher die Rolle eines wohlwollenden leidenschaftlichen Neigung. Im Gegenteil. Diese Geisteshaltung ist für Anklägers, indem sie dem arbeitszentrierten Lebensentwurf die Sinnfrage Weber nur insofern interessant, als sie die Qualität einer ethisch untersetzten vorlegt. Und sie verweist auf ein hedonistisches Prinzip, auf einen Wunsch Lebensmaxime besitzt, insofern sie also eine gewisse Macht über das nach Ruhe und Genuss, von dem man wohl annehmen kann, dass er in der Gewissen ausübt. Dieser Arbeitsethos verpflichtet, er bindet an die eigenen ein oder anderen Form jedem menschlichen Leben eignet. Mit dem finanziellen Interessen. Er erzeugt, ohne materielle Not und äußeren Zwang, hedonistischen Prinzip ist damit der strukturelle Gegenpart des Arbeitsethos das unbedingte Bedürfnis nach planvollem Erwerb. benannt, dasjenige, womit es das Gewissen mit seiner Forderung, „sich zu In der Böllschen Geschichte erscheint dasselbe Erwerbsbedürfnis in der regen“ aufnehmen können muss. Gleichzeitig entsteht die wichtige Frage, Rede des Touristen. Aber erst, indem Böll eine entgegengesetzte Figur ins aus welchen historischen Quellen das Arbeitsethos - als kulturelle Instanz, Spiel bringt, wird aus den vorher doch recht plausibel erscheinenden nicht als individuelles psychologisches Motiv - seine eindringliche Kraft Erwerbszielen ein legitimatorisches Problem: Der Fischer arbeitet gerade schöpfen konnte und in modifizierter Form vielleicht immernoch schöpft. soviel, wie er zum Halten seines Lebensstandards benötigt. Den Lohn seiner Der Geist des Kapitalismus, meint Webers Kollege Ernst Troetltsch, weise „eine dem natürlichen Trieb zum Genuß und zur Ruhe, zur Erwerbung der
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Weber: Protestantische Ethik, S. 339-340.
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bloßen Existenzmittel ganz entgegengesetzte Rastlosigkeit und unterdrückte Bevölkerungsgruppe immer einen Hang zum Erwerbsleben Grenzlosigkeit“ auf. Dieser Geist, so Troeltsch weiter, könne „nicht von oder, wie Weber sagt, zum „ökonomischen Rationalismus“ hatten. selbst mit den industriellen Erfindungen, den Entdeckungen und den Demgegenüber zeichneten katholische Bevölkerungsgruppen sich in keiner Handelsgewinnen“ gekommen sein. Dazu brauche es schon eine „die Natur politischen Konstellation durch besondere wirtschaftliche Aktivität aus. Den gewaltsam und systematisch unterdrückende ungeheure Geistesmacht“ 8 . Grund hierfür sucht Weber in der „dauernden inneren Eigenart“ der Konfessionen. Mit dieser inneren Eigenart soll es nach Weber auch zu tun
den neuen Wirtschaftsformen der frühen Neuzeit verberge sich vielleicht dabei die Lehre Calvins. Sie liefert mit der Idee von der Prädestination oder mehr, als die durch umgreifende Konkurrenz erzwungene Rationalisierung der Gnadenwahl die radikalste und charakteristischste Pointe innerhalb der im Verbund mit dem technologischen Fortschritt und den kolonialen reformierten Kirchen. Weber spricht in diesem Zusammenhang von einer Möglichkeiten in Übersee, wurde auch von Anderen verfolgt. Eine „inneren Verwandtschaft“ protestantischer Ideen und den sich Verbindung zwischen Protestantismus und dem Siegeszug des Kapitalismus entwickelnden kapitalistischen Bedürfnissen.
war auch bereits angedeutet worden. Die Webersche Analyse aber, in deren Diese Figur der „inneren“ oder „Wahlverwandtschaft“ spielt in der Mittelpunkt der calvinistische Prädestinationsglaube steht, sollte sich als die Überlegung eine zentrale Rolle. Sie geht davon aus, dass der moderne wirkmächtigste erweisen. Betriebskapitalismus, der ja keine simple Bedarfsdeckungswirtschaft, Weber beginnt seine Protestantismusstudie zunächst einmal mit einer sondern auf kontinuierliche Kapitalakkumulation ausgerichtet ist, und die Beobachtung: Der statistische Anteil der Protestanten an Kapitalbesitz und protestantischen Strömungen eine Art charakterliche Affinität zueinander Unternehmertum ist überproportional groß. Protestanten sind reicher als aufweisen. Für den Calvinismus, wie Weber ihn idealtypisch modelliert, Katholiken, sie sind besser ausgebildet, sie bekleiden eher leitende Posten wird das besonders deutlich: Der Webersche Calvinist ist ein und scheinen überhaupt eine Affinität für kaufmännische, technische und genussfeindlicher, arbeitsamer, kühl kalkulierender Mensch. Sein Leben ist bürokratische Tätigkeiten zu haben. Mit Vorliebe wählen sie moderne ganz auf Gott ausgerichtet - nur ist dieser Gott ein entfernter, kapitalistische Betriebe als Betätigungsfeld, während Katholiken eher dem unerreichbarer Despot. Sinn der menschlichen Existenz ist einzig die traditionellen Handwerk verbunden sind. Außerdem weist Weber auf die Verherrlichung der göttlichen Allmacht, darüber hinaus ist sie wertlos. Die historische Tatsache hin, dass Protestanten sowohl als dominante, wie als niederschmetternde Wirkung dieser radikalen Weltverachtung wird zusätzlich von dem Dogma der Prädestination verschärft: Jenen Wenigen,
8 Zit. nach Hartmut Lehmann: Max Webers „Protestantische Ethik“, Göttingen 1996, S. 10
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die nach ihrem leiblichen Tod in die Herrlichkeit eingehen, stehen all VIII
Diejenigen entgegen, deren Schicksal die ewige Verdammnis ist. Das Dramatische dieser Vorstellung liegt nun darin, dass der göttliche Wie lässt sich nun aber dieses Ineinandergreifen von Calvinismus und Ratschluss gleichermaßen als unergründlich wie unabänderlich vorgestellt frühem Kapitalismus vorstellen? Wie sollen religiöse Weltverachtung und wird. Was er auch tut, der Gläubige kann sich die Gnade des calvinistischen kapitalistischer Akkumultationseifer zusammen gehen? Die Antwort Max Gottes in keiner Weise verdienen. Ebenso wie er sie, wenn er sie denn Webers lautet: Durch innerweltliche Askese. Der springende Punkt seiner besitzt, nicht mehr verlieren kann. In keinem Fall aber kann der Gläubige Argumentation liegt nämlich darin, nicht weltablehnenden Rückzug aus dem sich seines Schicksals sicher sein, denn es gibt kein eindeutiges Kriterium, Leben, sondern im Gegenteil weltablehnende Beteiligung am Leben als den nach dem sich der Erwählte von dem nicht Erwählten unterscheiden ließe. dominanten Reflex der Gläubigen zu identifizieren. Indem mit der Weber glaubt nun, dass die Idee der radikalen Unfreiheit und Prädestinationslehre für jeden einzelnen Gläubigen die unausweichliche Wertlosigkeit des Menschen sich schließlich in eine tiefe Verunsicherung Frage nach dem eigenen Gnadenstatus aufgeworfen wurde, war die der Gläubigen übersetzt. Vor diesem Hintergrund drängt sich dann freilich seelsorgerische Praxis der calvinistischen Gemeinden unmittelbar betroffen. die Frage auf, wie sich ein derart extremes, das gesamte Leben Nicht die Theologie des Stifters war es, in der die Gläubigen ihre durchdringendes religiöses Dogma gegen die vergleichsweise komfortable Heilsgewissheit zurückgewannen, denn bei Calvin unterscheidet sich der katholische Lehre durchsetzen konnte. Hier bringt Weber die Idee der Erlöste in nichts von dem Verdammten. Es waren die Seelsorger, die zur ideellen Verwandtschaftlichkeit ins Spiel. Denn es waren die kapitalistisch Wiedereroberung der Certitudo salutis anleiteten: Zweifel an dem eigenen bereits weit entwickelten Gebiete, die Niederlande etwa, Schottland und Gnadenstand sollten die Ratsuchenden schlichtweg als Anfechtung des natürlich Genf, in denen der Calvinismus erbittert verteidigt und schließlich Teufels zurückzuweisen. Religiöse Selbstgewissheit wurde damit zum zur kirchlichen Orthodoxie erhoben wurde. Derartige Präferenzen, so die zentralen Ankerpunkt des Calvinismus nach Calvin. Das in letzter Webersche Argumentation, hätten sich keinesfalls ausgebildet, wenn nicht Konsequenz beharrende Vertrauen, das die Gläubigen aus dem Abgrund die kollektiven ökonomischen Praktiken dieser Gemeinwesen und die völliger Ungewissheit befreien sollte, wurde schließlich in den Rang einer kollektiven religiösen Praktiken des Calvinismus geradezu passgenau religiösen Pflicht erhoben. Hier sieht Weber nicht nur den Ursprung des ineinandergreifen würden. „stahlharten“ puritanischen Kaufmannstypus, sondern einen distinguierten Hinweis auf das wahlverwandtschaftliche Verhältnis zum Kapitalismus. Denn die calvinistischen Seelsorger empfahlen neben dieser Geisteshaltung auch das entsprechende Mittel, mit dem der Einzelne seine Erlösungsgewissheit zementieren konnte: Rastlose Berufsarbeit. Das Ideal
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des hart arbeitenden, ehrlichen, sparsamen Berufsmenschen wurde zur IX
Orientierungsadresse der religiösen Selbstvergewisserung. Das „Sich regen bringt Segen“ scheint also ein ganz wesentlicher Akzent Neben der Verachtung eines Diesseits, das nur als Illustration der dieser Heils- und Lebensauffassung zu sein. Im Zusammenhang mit der göttlichen Herrlichkeit überhaupt einen Wert besitzt, zeigt Weber ein calvinistischen Prädestination stimmt es freilich nur halb. Eine adäquatere weiteres konstitutives Element jener Askese auf: Die Ablehnung von Reformulierung könnte lauten: „Sich regen zeigt“ oder „offenbart Segen“. Mystik und Sakrament. Kein religiöses Ritual, keine sakramentale Der Kern der ursprünglichen Lehre Calvins lag schließlich in der Handlung, kein Priester und keine Kirche kann den calvinistischen Unfähigkeit des Menschen, das göttliche Urteil irgendwie beeinflussen zu Gläubigen seinem Heil näher bringen. Der Abgrund zwischen Gott und können. Und offensichtlich lässt sich eine solche Beeinflussung auch gar Welt ist unüberwindbar, für den Laien ebenso wie für den Geistlichen. Ein nicht sinnvoll denken, wenn Gott seine Wahl bereits vor Schaffung der Rückzug in die Mönchszelle kommt somit nicht in Betracht. Andererseits Welt, also längst vor der Geburt der Gnadesuchenden festgeschrieben hat. kann sich der Gläubige, der ja an sich selbst stets nach den Zeichen Der von Weber gezeichnete calvinistische Gläubige verdient sich nicht etwa göttlicher Erwähltheit suchen muss, auch nicht der Resignation hingeben. Er die Liebe Gottes, er vergewissert sich ihrer. Die Frage nach der eigenen muss Gott in und mit seinem weltlichen Tätigsein dienen und dabei hoffen, Erlösung wird somit weniger in dem Schluss von der Lebenspraxis auf das an diesem Tätigsein die göttlichen Heilszeichen zu entdecken. jenseitige Heil, sondern umgekehrt von diesem Heil auf die Lebenspraxis Das ist innerweltliche Askese. In ihr modelliert sich ein illusionsloses, beantwortet. So wird der Erfolg im Erwerbsgeschäft als sichtbares Zeichen sinnenfeindliches Individuum, das fest überzeugt ist von der Wertlosigkeit für die Gnade Gottes interpretiert. In den materiellen Früchten arbeitsamer alles Kreatürlichen und sich dennoch der Welt nicht entzieht. Pflichtbewusst Rastlosigkeit offenbart sich der Segen Gottes also bereits im Diesseits. lebt es das ihm verordnete Leben. Indem es weder von der Kirche, noch den Dabei war es durchaus erlaubt und sogar erwünscht, größere Mengen Sakramenten Hilfe erwartet, ist seine Askese innerweltlich. Indem es sich Kapital anzuhäufen. Nur sollte dieses Kapital tunlichst nicht zur selbst als wertlos vor Gott ansieht, ist seine Innerweltlichkeit asketisch. Befriedigung der eigenen Genusswünsche verwenden werden. Der Weber sieht in dieser Pointe des calvinistischen Glaubens einen gewaltigen „stahlharte“ Calvinist arbeitet und erwirbt eher für Gott, als für sich selbst, religionsgeschichtlichen Prozess - die „Entzauberung der Welt“ - vollendet, er ist eher Verwalter, als Eigentümer seines Gewinns. Und wie alles wobei er hier neben dem Calvinismus auch die anderen reformierten weltliche ist auch dieser Gewinn nur Mittel zur Verherrlichung Gottes. Das Kirchen namhaft macht. Unabhängig von der Prädestinationslehre Calvins, Geschäft wird zum asketischen Dienst, wobei Anwandlungen von Hochmut die von den anderen Reformatoren mehrheitlich abgelehnt wurde, ist allen und Gier die härtesten Prüfungen dieser innerweltlichen Askese sind. protestantischen Strömungen ein rationaler, mythologiefeindlicher Grundton eigen. Die Sakramente werden nahezu abgeschafft, das Sinnlich-
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Materielle wird entwertet. Auch der Arbeitspflichtgedanke, der zusammen großen geographischen Entdeckungen, die Freisetzung von Arbeitskräften mit dem ökonomischen Rationalismus den Geist des Kapitalismus formt, ist auf dem Lande und so weiter, um sich das weitläufige Gestrüpp kausaler in den anderen Strömungen ebenfalls zu finden. Luthers Berufskonzeption, und begünstigender Faktoren bei der Entstehung des Kapitalismus zu die den Beruf zur Berufung, die Arbeit vom Status des nur Notwendigen vergegenwärtigen. Und selbst einen argumentativen Schritt vorher, bei dem zum zentralen Lebensinhalt erhebt, kann als prominenter Beleg hierfür Zusammenhang von asketischem Protestantismus und kapitalistischem gelten. Geist, kann keine Rede von einer strengen kausalen
Abhängigkeitsbeziehung sein. Die asketisch-protestantischen Strömungen
jener Verflachung nicht entgangen, die Popularisierung und das kanonische Kapitalismus“ gilt also im Rahmen der Weberschen Argumentation kaum, Rezitieren in der inner- und außeruniversitären Lehre mit sich bringen. Den und wenn es gilt, dann nur unter dem strengen Vorbehalt der historischen knapp zweihundert Seiten starken Text auf die Behauptung zu reduzieren, Einzelfallprüfung.
der moderne Kapitalismus sei aus dem Protestantismus hervorgegangen, ist Wenn Weber hier, und übrigens auch an den meisten anderen Stellen freilich zu kurz gedacht. Angesichts dieses vielleicht naheliegenden, aber seines Werkes, einen sehr ausgeprägten Sinn für empirische eben doch schiefen Verständnisses, verdient das logische Schema der Differenzierungen zeigt, so muss seine Verknüpfung von Arbeitsethos und Weberschen Argumentationsfiguren besondere Beachtung: Die frühen den religiösen Überzeugungen bestimmter Gruppen jedoch nicht nur protestantischen Strömungen und insbesondere der Calvinismus werden empirisch inspiriert sein. Mindestens ebenso kann die von Heinrich Böll so nicht als Ursache des Kapitalismus selbst, sondern als Ursache, oder besser treffend nachgezeichnete Frage nach dem Warum jene Intuition nähren. als Nährboden des kapitalistischen Geistes gedacht - einer Figur, die Denn als Ort letzter Gründe ist Religion die genuine Adresse zwischen beiden Phänomenen vermittelt. Als Form der Lebensführung sinnkonstitutiver Probleme. Sieht man von ihrer historischen Konkurrentin, kommt dieser kapitalistische Geist zwar den sich entwickelnden der Philosophie, einmal ab - und für die frühe Neuzeit, die Zeit der kapitalistischen Wirtschaftsformen entgegen, fördert und forciert sie, er konfessionellen Polarisierung, ist das gar nicht anders möglich - so scheint spielt aber nicht die Rolle eines ersten Bewegers, der diese gerade sie der kollektiven und individuellen Praxis des rastlosen Arbeitens Wirtschaftsformen aus dem Nichts erschaffen haben sollte. Man denke nur jenes Sinnfundament bereiten zu können, das im Horizont bloßer an das rationale Recht, dem Weber einen so umfangreichen Raum in seinem Nützlichkeitsüberlegung niemals errichtet werden kann. Unter Werk beimisst, an den naturwissenschaftlich-technischen Fortschritt, die kapitalistischen Bedingungen mag Profit, das berühmte G‘ der Marxschen
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Formel „Geld - Ware - mehr Geld“, das dominante Ziel der ökonomischen noch nach dem kapitalistischen Geist, der sich mit dem „Sich regen bringt Subjekte sein; es kann aber nicht als deren Sinn fungieren. Und eben dieser Segen“ meiner Großeltern, dem Böllschen Touristen und - bis zu einem Sinn war es, dessen die noch embryonalen kapitalistischen gewissen Grad - auch dem schlechten Gewissen am Bäckerstand illustrieren Wirtschaftsformen in der frühen Neuzeit bedurften, um sich gegen die lässt.
„traditionellen Bedürfnisse“ überkommener Lebensführung (und natürlich Weber spricht in diesem Zusammenhang von dem „Entweichen“ des ihren strukturellen Gegenspieler: das hedonistische Prinzip) durchzusetzen. kapitalistischen Geistes, wobei leider im Dunkeln bleibt, wie man sich Die ungeheure Durchschlagskraft des kapitalistischen Geistes leitet sich diesen Vorgang vorzustellen habe. Entledigt sich der voll entwickelte also - historisch - von der Autorität letztbegründender religiöser Werte her. Kapitalismus einfach einer Stütze, die ihm zu Anfang wohl gute Dienste Für den Calvinismus kommt freilich ein wichtiger Aspekt hinzu: Im geleistet, nunmehr aber ihre Funktion verloren hat? Oder handelt es sich um Rahmen des Prädestinationsglaubens sind es ja nicht nur Werte, nach denen eine Art dialektischer Entwicklung, an deren Ende eine voll emanzipierte die Gläubigen ihr Leben ausrichten, sondern vor allem auch die Furcht. ökonomische Rationalität die eigenen Wurzeln eliminiert? Weber deutet Religion erscheint hier also als Quelle eines doppelten motivationalen beide Möglichkeiten an. Zentral ist aber, dass er in dem Erwerbsbetrieb Impetus; sie fungiert als Ort letzter Gründe, d.i. als Sinngebungsinstanz, seiner Zeit ein mechanisches, erzwungenes und letztenendes degeneriertes aber auch und vor allem als Ort letzter Ängste. Der von Weber gezeichnete Sichverhalten erblickt, das der Sinnhaftigkeit ganz und gar entbehrt. Und kapitalistische Geist wurzelt demnach in beidem: positiv in dem Wert des obwohl in den Äußerungen Benjamin Franklins, jenes Kronzeugen des gottgefälligen Lebens und negativ in der Angst vor der Verdammnis. Arbeitsethos, kapitalistischer Geist in geradezu idealtypischer Reinheit präsent ist, sieht Weber schon hier den eigentlichen Sinn „abgestorben“.
machen: Es handelt sich bei Max Weber um eine Geschichte über die „Entweichungsszenario“ äußerst vital, nur kann er eben keinerlei Auskunft Entstehung, nicht über die Erhaltung des Kapitalismus. Weber stellt sich über die wesentliche Frage nach dem Warum geben - ein Dilemma, in dem den Kapitalismus seiner eigenen Zeit als eine Art selbstlaufenden sich, wie Weber nebenbei bemerkt, auch Franklin selbst befand. Automatismus vor, ein Perpetuum mobile, das einer Befeuerung durch Vor diesem Hintergrund nimmt sich dann die Webersche Rede vom irgendwelche Ideen, Vorstellungen oder Werte nicht mehr bedarf. Das Wirtschaftsbetrieb seiner Zeit wahrlich unheilvoll aus: „'Fachmenschen ökonomische „Gehäuse“ fragt weder nach jenem Sinnfundament, das in der ohne Geist, Genussmenschen ohne Herz: dieses Nichts bildet sich ein, eine Weberschen Studie im asketischen Protestantismus ausgemacht wurde,
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vorher nie erreichte Stufe des Menschentums erstiegen zu haben'“ 9 . Es ist, eigentümlichen Wachstumspathos verpflichtet, das das kontinuierlichals wollte Weber dem dramatisch gezeichneten Auftritt von innerweltlicher rationale Erwerbsleben befeuert.
Askese und kapitalistischem Geist einen ebenso dramatischen Abgang Kapitalistischer Geist ohne Sinnfundament, darin besteht also das folgen lassen. Die Dogmen Calvins mögen unmenschlich, der Webersche Szenario des Absterbens. Im Gegensatz dazu ist mit der These kapitalistische Geist mag maßlos gewesen sein - das „unentrinnbare des Entweichens das Verschwinden des kapitalistischen Geistes selbst Gehäuse“ aber, das nun in geist- und herzlosem Regime alles Leben seinem angesprochen. Demnach ist es nicht mehr leidenschaftliches Commitment, Funktionsdiktat unterordnet, ist geradezu totalitär. Der religiös inspirierte das die ökonomischen Subjekte an ihr Tätigsein bindet, sondern der Zwang Berufsmensch, ebenso wie das kapitalistisch durchgeistete Erwerbssubjekt bloßer Marktimperative. Diese letzte These nun ist es, die, würde sie in hatten das Arbeiten zum zentralen Lebensinhalt, zum Definiens ihrer selbst konsequenter und hinreichend radikaler Form weitergeführt, das Webersche gemacht. Ihre Lebensführung entsprang einem tief empfundenen Wollen. Projekt der verstehenden Soziologie in eine systemtheoretische Matrix Dieses Wollen ist, so die Webersche These, dem schlichten Müssen überführen und ihr schließlich ganz den Garaus machen müsste. Wenn gewichen. nämlich tatsächlich in den Wirtschaftssubjekten keine Spur jenes „subjektiv gemeinten Sinns“ mehr auszumachen wäre, der im Zentrum von Webers
gegenwärtiger Instanzen kollektiven Lebens und Arbeitens fruchtbar wissenschaftlichen Verstehen entzogen und nur noch einem ursächlichen machen, ist eine letzte analytische Unterscheidung nötig, mit der die Erklären zugänglich, das gegenüber den Bewusstseinslagen der beteiligten abschließende Diagnose der Protestantismusstudie in zwei verschiedene Subjekte indifferent bleibt und bleiben muss. Ebenen gegliedert wird: in ein „Absterbensszenario“ und in ein Sicherlich, das ist nicht mehr die These Webers. Und recht eigentlich „Entweichungsszenario“. Wie Weber an den Äußerungen Benjamin handelt es sich bei der Vorstellung einer völlig entseelten Franklins zeigt, bedarf der kapitalistische Geist einer Unterfütterung durch Wirtschaftsmaschinerie, die nicht nur des Ideellen nicht bedarf, sondern es robuste Wertideen nicht unbedingt. Sind jene Sinnimpulse, aus denen er regelrecht zermürbt, auch mehr um die Andeutung einer Möglichkeit. Eine sich ursprünglich gespeist hatte, nicht mehr vorhanden, so können die von andere Alternative läge etwa, wie Weber en passant feststellt, in dem diesem Geist durchdrungenen Subjekte zwar keine reichhaltige Auskunft Einzug eines neuen, allerdings noch nicht auszumachenden Geistes. Mit mehr über das Warum ihres Tuns geben. Dennoch bleiben sie dem dem Entweichunsszenario ist aber bereits ein Bild gezeichnet, in dem einerseits die Mehrzahl der Individuen keine ideellen Ausdeutung ihres
9 Weber: Protestantische Ethik, S. 355
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Tätigseins mehr vornimmt und in dem andererseits der ökonomische ausstrahlen. Nicht nur spricht aus der Böllschen Figur kapitalistischer Geist Gesamtzusammenhang dies auch nicht mehr fordert. in idealtypischer Schärfe, dieser kapitalistische Geist erscheint uns auch zunächst völlig überzeugend. Es erscheint uns so überzeugend, dass Böll
Blick in die sozial- und arbeitspolitischen Kontroversen unserer Zeit eines Es mag nun dahingestellt bleiben, ob es sich bei solchen Phänomenen Besseren belehren. Von einem Arbeitsethos, wie ich es bei meinen tatsächlich um Modifikationen desselben Geistes handelt, den Weber in Großeltern erleben konnte, ist hier zwar nirgends ernstlich die Rede, und seiner berühmten Studie präsentiert, oder ob die Ähnlichkeiten dieser freilich würde der säkulare Charakter dieser Diskurse jeden Bezug auf ideellen Konfigurationen auch relevante Brüche und Dissonanzen derartige letzte Gründe verstellen, die in den Habitus meiner Großeltern aufweisen. Festzustehen scheint aber, dass sowohl die mit dem Arbeiten noch merklich eingeschrieben waren. Dass es aber Fragen der Arbeitsmoral, zusammenhängenden kollektiven Praktiken, als auch deren Reflexion in den und eben keineswegs nur Fragen der politökonomischen Machbarkeit sind, unterschiedlichen öffentlichen Diskursen einen aufschlussreichen die hier verhandelt werden, davon zeugen bei weitem nicht nur die Zusammenhang zu arbeitsmoralischen Wertideen aufweisen. Gerade in den Programme der konservativen und liberalen Parteien. aktuellen Debatten um den Sozialstaat, die Transformation der Wenn also das Webersche Absterbensszenario nicht weiter auf seine Arbeitsgesellschaft und natürlich die Weltwirtschaftskrise schärft die Plausibilität befragt werden muss, steht es mit dem Entweichungsszenario Webersche Perspektive den Blick auf diese Zusammenhänge. Immer dann, wahrscheinlich etwas anders. Eine Webersche Perspektive, die den wenn Fragen des Arbeitens und Erwerbens im Gewand von kapitalistischen Geist als Wegbereiter und ideellen Antrieb der frühen Gewissensfragen auftreten, immer dann, wenn es nicht bloße Notwendigkeit kapitalistischen Entwicklung postuliert, wird heute sowohl in den ist, die zu ökonomischer Aktivität anleiten, sondern offene oder verdeckte öffentlichen Debatten, als auch in den dominanten Praktiken des moralische Intuitionen - immer dann mag die Webersche Geschichte an das Wirtschaftens einen reichen Pool interessanter Legitimitätsvorstellungen Gewordensein und die Kontingenz dieser Wertideen erinnern. Und sie mag und Wertideen vorfinden. Es scheint nicht besonders fernliegend, diese daran erinnern, dass sich die überkommenen kollektiven Dispositionen, die Vorstellungen analytisch zu einem ökonomischen „Geist“ zu verdichten, der wir für das Arbeiten und Erwerben ohne Zweifel haben, vielleicht allzu der Weberschen Konstruktion nicht unähnlich ist. Überaus aufschlussreich widerstandslos in ökonomische Herrschaftsverhältnisse umsetzen lassenscheinen bereits das Pathos und die intuitive Überzeugungskraft zu sein, die Eine Erkenntnis, von der sicherlich nicht nur manch mittäglicher Gutendie Rede des Böllschen Touristen vor der lakonischen Reaktion des Fischer Morgen-Sager profitieren kann.
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Arbeit zitieren:
Markus Dressel, 2010, Max Weber und das schlechte Gewissen, München, GRIN Verlag GmbH
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