Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung
2. Kurzer geschichtlicher Überblick der Hermeneutik von Hermes bis
Hans -Georg Gadamer
2.1 Antike bis zum Mittelalter
2.2 Sechzehntes bis achtzehntes Jahrhundert
2.3 Neunzehntes und zwanzigstes Jahrhundert
3. Der Hermeneutische Zirkel
3.1 Der Hermeneutische Zirkel I
3.2 Der hermeneutische Zirkel II
4. Hermeneutische Differenz - Differenzen im Verstehen zwischen
Frau B. und den medizinischen Interaktionspartnern an zwei
konkreten Beispielen:
4.1. „Ja, wie das alles war, das weiß ich überhaupt nicht. Es hat
gehei ßen: Heute geht´s fort´ “ (Interview P05, Zeilen 160-179)
(Höhmann et al. 1998)
4.2 „Ja, wie das alles war, das weiß ich überhaupt nicht. Es hat
gehei ßen:’ Heute geht´s fort´ “ (Interview P05, Zeilen 160-179)
(Höhmann et al. 1998)
5. Ist Elementares Verstehen im Hinblick auf den Leidensweg von
Frau B. ausreichend?
6. Verstehen verändert sich Dilthey vs. Gadamer
7. Literaturverzeichnis
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1. Einleitung
Hermeneutik ist die Lehre vom Verstehen. Um Verstehen zu können, muss man die Vielfältigkeit der Phänomene beachten, bei denen es etwas zu verstehen gibt (Jung 2001, S.7). Dabei macht es natürlich einen großen Unterschied, ob man eine fremde Sprache, ein technisches Gerät, ein großes literarisches Werk oder eine menschliche Geste verstehen will.
In der folgenden Arbeit soll der authentische Fall der Frau B. aus hermeneutischer Sicht einmal näher betrachtet werden und unter Umständen auch hermeneutische Differenzen aufzeigen. Um die Hermeneutik dennoch auch historisch einordnen zu können, ist es zunächst einmal wichtig, einen kurzen geschichtlichen Ablauf aufzuzeigen, um die Lehre des Verstehens auf den Fall der Frau B. anzuwenden. Bereits im historischen Überblick werden verschiedene Strömungen der Hermeneutik deutlich, die abschließend durch Wilhelm Dilthey uns Hans-Georg Gadamer, die zu den bedeutendsten Hermeneutikern vergangener Tage zählten, einmal besonders herausgearbeitet werden sollen.
2. Kurzer Geschichtlicher Überblick der Hermeneutik von
Hermes bis Hans-Georg Gadamer
2.1 Antike bis zum Mittelalter
Im alten Griechenland wurde die hermeneutische Reflexion besonders durch Epen, Mythen und Gedichtzyklen Homers (8. Jahrhundert v. Chr.) und Hesiods (7. Jahrhundert v. Chr.) angeregt. Da diese Texte zum Teil sowohl moralisch als auch theologisch anstößig waren, galt es ein Verfahren zu entwickeln, um die Wahrheit und Geltung der identitätsstifteten Texte durch Interpretation zu retten (Jung 2001, S.32). Nahm man die Worte Homers oder Hesiods wörtlich, dann kam es darauf an, zwischen den Worten und ihrem zunächst verborgenen Sinn zu differenzieren (Jung 2001, S.32).
Hermes, der unter anderem als Götterbote galt, hatte in der griechischen Mythologie die wichtige Aufgabe des Vermittelns inne. Er hatte den Menschen, die das „Sterbliche“ verkörperten, Entscheidungen und Botschaften der Götterwelt, die als unsterblich galten, zu überbringen und damit eine Verbindung zwischen Göttern und Menschen zu schaffen.
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„Hermeneia ist im Griechischen zunächst die Fähigkeit, sich auszudrücken, dann auch die Ausdrucksweise und schließlich die Auslegekunst“ (Grübel et al. 2005, S.72).
Das Wort „hermeneutike“ findet sich zuerst bei Platon an drei Stellen wieder (Seiffert 1992, S.17). Die Hermeneutik ist als Deutungslehre ein „Kind“ der griechischen Philosophie (Grübel et al. 2005, S.72).
Aristoteles und Platon hatten dennoch unterschiedliche Ansätze der Hermeneutik. Aristoteles ging davon aus, das Texte zunächst eine logische Grammatik beinhalten, denn einer Deutungslehre Ansatz bieten. Trotzdem gestand er sich ein, dass gesprochenes und geschriebenes Wort Gedanken und Eindrücke symbolisieren (Weidemann 1994 in Grübel et al. 2005, S. 72). Platon dagegen schließt von der Struktur der Sprache auf die Bauformen des Denkens. Damit wird ein Gegensatz deutlich, der die Kultur Europas von der Antike bis in die jüngste Sprachphilosophie begleitet. Laut Aristoteles bestimmt das Denken das Sprechen. Platon setzt dem entgegen, dass das Sprechen das Denken prägt (Grübel et al. 2005, S. 72). Im weiteren Verlauf der Jahrhunderte fand die Hermeneutik verstärkt Anwendung in der Theologie (in Form der Bibelexegese) und in der Jurisprudenz (Auslegung großer Gesetzeswerke). Ein wichtiger Unterschied sei herausgearbeitet. Die Theologen gehen dabei von einem feststehenden Grundtext in Form der Bibel aus, auf den nicht immer wieder hingewiesen werden muss, wo hingegen die Juristen eine grundsätzliche Bewegung in der Gesetzgebung und dementsprechend auch in den Gesetzestexten sehen. Ausgangspunkt für die juristische Hermeneutik sind bis heute die großen Gesetzeswerke des oströmischen Kaisers Justinian I. (482-565 n. Chr.) (Seiffert 1992, S.20).
2.2 Sechzehntes bis achtzehntes Jahrhundert
Viele Worte die ihren Ursprung im Griechischen hatten, fanden sofort Zugang zur lateinischen Literatur des Mittelalters, nicht so bei dem Wort „Hermeneutik“. Seiffert schreibt von vielen Anwendungen in der Praxis, wie der „Kunst der Interpretation“ oder den „Sinnstufen in der Auslegung“, die aber keine Bezeichnung als selbständige Methode für das Auslegen darstellten. Trotzdem war die Hermeneutik nach wie vor stark von der Theologie und damit mit der Auslegung der heiligen Schrift beeinflusst. Die Philosophen dieser Zeit, wie Laurentius Humphrey (1527-1590) aus Oxford oder auch Johann Martin Chladenius (1710-1759), versuchten, die stark theologie-
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Dirk Roscher, 2010, Ohne "Vorwissen" ist kein Wissen möglich , München, GRIN Verlag GmbH
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