Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
2 Einführendes zu Epikurs Philosophie 1
2.1 Historische Hintergründe und Implikationen 1
2.2 Grundannahmen 2
2.3 Lust und Schmerz 3
3 Weise Lebensführung 4
3.1 Das vierfache Heilmittel 4
3.1.1 Götter 4
3.1.2 Tod 5
3.1.3 Bedürfnisse 6
3.1.4 Schmerzen 7
3.2 Weitere Grundlagen 8
3.2.1 Gesellschaftlicher Rückzug 8
3.2.2 Freundschaft 8
3.2.3 Tugend 9
3.2.4 Vernunft 9
4 Abschließende Diskussion 10
4.1 Zusammenfassung 10
4.2 Anwendbarkeit in der Gegenwart 11
5 Literaturverzeichnis 12
1
1. Einleitung
Ein tief im Menschen verwurzeltes Anliegen ist die Suche nach Lebensglück und damit nach entsprechenden Methoden, um zu einem solchen zu gelangen. Im Europa des frühen 21. Jahrhunderts, in Zeiten der Globalisierung, Technologisierung, tiefgreifender Veränderung des Menschenbildes und damit einhergehender Verunsicherung auf allen Gebieten der Lebensumwelt, scheint diese Suche immer wichtiger zu werden. Als Halt in dieser schnelllebigen Zeit stehen dem Individuum hierzu zahlreiche religiöse Weltanschauungen mit starkem Jenseits-Bezug und oftmals apokalyptischen Prophezeiungen zur Verfügung. Um hier einen Gegenpol zu schaffen, erscheint es notwendig, auch von philosophischer Seite Konzepte zur richtigen Lebensführung zu liefern, die auf der Vernunft basieren, sich auf das Diesseits beziehen und allgemein vermittelbar sind. Vor 2500 Jahren in einer vergleichbaren Situation des Umbruchs gibt es in Athen mit Epikur einen Philosophen, der die Aufgabe der Philosophie vor allem in der Heilung der menschlichen Seele durch entsprechende philosophische Therapie sieht: „Leer ist die Rede jenes Philosophen, durch die kein einziges Leid eines Menschen geheilt wird. Denn wie die medizinische Kunst unnütz ist, wenn sie nicht die Krankheiten des Körpers heilt, so ist auch die Philosophie unnütz, wenn sie nicht das Leid der Seele beseitigt.“ 1 Mit klaren Worten, allgemein verständlich, weist Epikur seinen Anhängern den Weg zum glückseligen Leben und geht dabei stets als gutes Beispiel voran. Diese praktische Herangehensweise möchte ich aufgreifen und die Frage stellen, wie sich Epikur eine weise, erfüllte Lebensführung vorstellt. Hierzu werde ich zunächst den historischen Hintergrund der Entstehung epikureischer Philosophie beleuchten. Anschließend werde ich eine kurze Einführung in diejenigen Grundannahmen des naturphilosophischen Weltbilds Epikurs geben, die ich als Vorbedingung der ethischen Standpunkte verstehe. Daran anknüpfend werde ich grundlegende Begrifflichkeiten, wie Lust und Schmerz differenzieren. Im Hauptteil werde ich sodann die einzelnen Eckpfeiler weiser Lebensführung nach Epikur erläutern. Im abschließenden Teil werde ich zunächst eine Zusammenfassung der epikureischen Thesen abgeben und dann die Frage beant-worten, ob und in wie weit Epikurs Weisungen auch heute noch Daseinsberechtigung haben.
2. Einführendes zu Epikurs Philosophie
2.1 Historische Hintergründe und Implikationen
Epikur lebt und lehrt in einer Zeit des politischen und sozialen Umbruchs. Das Reich Alexander des Großen ist nach dessen Tod 323 v.u.Z. zerfallen, Athen militärisch entmachtet. Mehrere Machtzentren kämpfen um den Einfluss in Griechenland und Kleinasien, sind immer wieder in Kriege ver-
1 Long/Sedley, S.180, Fragment C
2
strickt. Es ist die Periode der Diadochenkämpfe, die gleichzeitig das Ende und den Untergang der klassischen Stadtstaaten, bis dahin geistiger und kultureller Lebensmittelpunkt der Griechen, bedeutet. Die mit derartigen politischen und sozialen Umwälzungen verbundene Unsicherheit prägen Epikur und dessen Zeitgenossen, die die Welt als schwer überschaubar und beängstigend empfinden. 2 Fühlte der Grieche sich bis dato in erster Linie als Staatsbürger und als Teil eines größeren Zusammenhangs, des Staates, wird dies zunehmend unmöglich. Dadurch findet eine Besinnung auf das Individuum und damit einhergehend eine Privatisierung der Werte statt. Aufgabe der Philosophie, speziell der Ethik, wird nun verstärkt die Suche nach dem Weg zur individuellen Glückseligkeit. In einem solchen politischen Klima findet Epikur in seinem Athener Garten mit seinen Ideen großen Zulauf, denn er greift gerade die neu entstehenden Fragen auf. Er leistet seinen Anhängern Hilfestellung bei der Frage, wie man mithilfe der richtigen Vorstellungen zur Glückseligkeit gelangen kann. Der Mensch kann ihm zufolge selbst definieren, ob er Glück empfindet oder nicht. Die eigene Empfindung, sprich Sinneswahrnehmung ist das Kriterium, da Glück eine rein subjektive Empfindung ist. Die Schule Epikurs ist dabei vor allem praktizierende Lebensweise. Nicht unbedingt die Kenntnis philosophischer Gedankengebilde zeichnet die Anhänger Epikurs aus, sondern die Fähigkeit Epikurs Weisungen in jeder Situation des Lebens anwenden zu können. Im Zusammenleben in Epikurs Garten findet die propagierte Zurückgezogenheit, die gezielte Abwendung von öffentlichen Plätzen und dem damit verbundenen Streben nach Ruhm und Ehre ihren Ausdruck. Karl Marx schrieb zu Epikur (und den Stoikern) im historischen Kontext: „So war z.B. die epikureische, stoische Philosophie das Glück ihrer Zeit; so sucht der Nachtschmetterling, wenn die allgemeine Sonne untergegangen ist, das Lampenlicht des Privaten.“ 3
2.2 Grundannahmen
Epikur unterteilt sein weltanschauliches System in drei Bereiche: Physik (Naturphilosophie), Kanonik (Erkenntnislehre) und Ethik. Die Ethik, die Lehre vom zum Glück führenden Verhalten, ist als Kern und gleichzeitig Ziel des gesamten Systems zu sehen. Um die Ethik argumentativ zu begründen, bedarf es zunächst der richtigen Einordnung des Menschen in seine Lebenswelt. Da der Mensch ein Teil der Natur ist, muss sich daher die Ethik auf die Physik stützen. Der Ausarbeitung der Physik muss wiederum die Erforschung der Erkenntnis (Kanonik) vorangehen. 4 Epikurs Physik entstammt größtenteils Demokrits atomistischer Lehre und wird entsprechend seines ethischen Konzeptes angepasst. Mit ihrer Hilfe versucht er, die Welt auf materialistische Weise zu erklären und damit transzendente und metaphysische Annahmen zu reduzieren. Vom
2 vgl. Lotze, S.93 ff.
3 Marx/Engels, S.219
4 vgl. Long/Sedley, S. 6-7
3
Körperlichen zeigt er, dass es aus vergänglichen Zusammenballungen unvergänglicher Atome besteht. Die Seele, die den gesamten Körper durchströmt und ihren Hauptsitz im Herzen hat, ist körperlich und vergeht zusammen mit dem übrigen Körper. 5 Epikur sieht desweiteren keinerlei Anhaltspunkte dafür gegeben, dass die Erde speziell für den Menschen geschaffen wurde und ihm diese auf ewig gegeben ist. Die Kosmologie zeigt vielmehr, dass die menschliche Existenz höchst zufällig und weder einzigartig noch von Gotteshand geplant ist. 6 Auch bei der Kanonik bedient sich Epikur bei Demokrit, misst den Sinneswahrnehmungen jedoch weitaus mehr Bedeutung zu. Die Sinneswahrnehmungen stellen für Epikur neben Vorbegriffen und Gefühlen wichtigstes Wahrheitskriterium dar. Durch sie werden erst Wertungen möglich werden, außerhalb der eigenen Sinneswahrnehmung hingegen gibt es keine allgemein gültige Prädikate wie „gut“ und „schlecht“. 7
Während Epikurs ethische Prinzipien enorm ergiebig sind, bleibt er wissenschaftlich eindeutig unfruchtbarer. Die Beschäftigung mit Physik und Kanonik dient wohl lediglich der Legitimation der Ethik. „Wenn uns nicht die Vermutungen über die Himmelserscheinungen und die angstvollen Gedanken über den Tod, als ob er uns irgendetwas anginge, ferner die mangelnde Kenntnis der Grenzen von Schmerzen und Begierden belasteten, brauchten wir keine Naturphilosophie.“ 8 So erhebt auch die Theorie der Naturerklärung (Demystifikation von Natur und Mensch) keinen Anspruch auf die einzig richtige Analyse von Phänomenen, sondern allein der Umstand, dass plausible Erklärungen möglich sind, dient als Mittel zum Zweck des menschlichen Seelenfriedens.
2.3 Lust und Schmerz
Wie wir sehen, benutzt Epikur im Gegensatz zu seinen Vordenkern und Zeitgenossen die Körperlichkeit (subjektive Sinneswahrnehmungen) des Menschen als Ausgangspunkt für seine Ethik. Die Lust ist in der hedonistischen Lehre des Epikur als natürliche Empfindung das höchste Gut, Ursprung und Ziel eines glücklichen Lebens. Er begründet dies damit, dass jedes Wesen von Geburt an nach Lust strebt und es daher zur Natur des Menschen gehört, Lust empfinden zu wollen. „Jedes Lebewesen strebt, sobald es geboren ist, nach Lust und freut sich daran als an dem höchsten Gut, und es verschmäht andererseits Schmerz als das größte Übel und weist ihn von sich, soweit es dazu in der Lage ist“ 9 . Zwischen den Zuständen Lust und Schmerz gibt es keinen mittleren, neutralen Zu-stand. Der Lustbegriff ist negativ bestimmt, da er die höchste Lust, die katastematische (statische) Lust, im Sinne fortwährender Daseinslust, durch die dauerhafte Abwesenheit von körperlichen oder
5 Long/Sedley, S.77, Fragment B
6 ebd. S.69
7 vgl. ebd. S.102f.
8 Nickel, S. 126
9 Long/Sedley, S.131
Arbeit zitieren:
Bernd Harder, 2010, Lebensführung im Sinne Epikurs, München, GRIN Verlag GmbH
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