1
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 2
2 Einführung in die Bewusstseinsphilosophie 3
3 Eliminativer Materialismus. 5
3.1 Hintergrund 5
3.2 Thesen 6
3.3 Kritik und Diskussion 7
4 Abschließendes. 11
4.1 Zusammenfassung. 11
4.2 Resümee 12
Literaturverzeichnis 14
2
1 Einleitung
Was ist Bewusstsein? Diese in der Menschheitsgeschichte relativ neue Frage mit der sich die Philosophie seit Descartes beschäftigt, erfährt durch die Neurowissenschaften, die sich verstärkt der Erforschung dieses Phänomens widmen, eine völlig neue Entwicklung. Unklarheit herrscht darüber, ob die Reduktion des Bewusstseins auf neurologische Vorgänge möglich ist oder ob es sich dabei um etwas Unerforschliches handelt, etwas das keinen physikalischen Gesetzen unterliegt. Vor allem die Forschungsergebnisse, die die Hirnforschung liefert sind heute Grundlage für verschiedenartigste Interpretationen seitens der Philosophen, bzw. der Hirnforscher selbst. Die als „eliminativer Materialismus“ bezeichnete Position, die vor allem durch das Ehepaar Churchland in den 1980ern populär wurde, ist dabei auf Seiten der materialistischen Positionen die wohl radikalste. Sie geht noch über die Thesen der reduktiven Materialisten hinaus, die besagen, dass das menschliche Bewusstsein auf physikalische Grundlagen reduzierbar und die physikalische Welt somit in sich geschlossen ist. Für eine weitere, geistige Ebene bleibt in diesem Konzept kein Platz. Die philosophische Grundannahme der eliminativen Materialisten hingegen ist, dass das Bewusstsein, wie auch alle anderen mentalen Phänomene, sich nicht physikalisch erklären lassen werden. Hier stimmen Sie mit den Dualisten überein, die daraus ableiten, dass es neben dem Physikalischen notwendig auch Geistiges geben muss. Der eliminative Materialist zieht jedoch einen völlig anderen Schluss und behauptet, dass die vermeintliche Beziehung zwischen physikalischen und mentalen Zuständen einer Beziehung zwischen Existentem und Nicht-Existentem entspricht. Die Beschreibungsebene für mentale Zustände würde durch neue Erkenntnisse aus der Neurowissenschaft vollständig eliminiert und durch die korrekte Beschreibung von Gehirnzuständen ersetzt. 1
In dieser Arbeit möchte ich mich der Frage widmen, wie man zu solchen Annahmen kommen kann, in wie weit die daraus folgenden Schlüsse nachzuvollziehen sind und ob sie für die Lösung des Bewusstseinsproblems zielführend sind. Hierzu werde ich einführend die grundlegenden Fragestellungen der Bewusstseinsphilosophie darstellen. Sodann werde ich die Antworten, die der eliminative Materialismus auf diese Probleme findet, näher erläutern. Anschließend werden die Thesen einer Kritik unterzogen, nicht ohne dabei Erwiderungen auf diese Kritik Raum zu geben. Im abschließenden Teil werde ich dann, nach einer kurzen Zusammenfassung, ein Resümee ziehen.
1 Vgl. Metzinger 2006, S.177
3
2 Einführung in die Bewusstseinsphilosophie
Wenn auch das Phänomen Bewusstsein in der Philosophie eine lange Tradition hat, stellt es sich doch nach wie vor als unabgeschlossenes und schwer zugängliches Forschungsfeld dar. Durch die Ergebnisse der Neuro- und Kognitionswissenschaften gab es in den letzten 20 Jahren einen rasanten Anstieg des Interesses an einer seriösen Theorie des Bewusstseins. Wichtige Grundfragen, die die Bewusstseinsphilosophie heute beschäftigen und auf die ich im Folgenden eingehen möchte, sind diese: 1. Wie definiert man Bewusstsein? 2. ,,Wie ist in einem physikalischen Universum die Entstehung von Bewußtsein möglich?“ 2 3. Ist Bewusstsein grundsätzlich nachweisbar, bzw. was würde als Nachweis des Bewusstseins gelten?
Zu 1.: Bei der Definition des Begriffes wird zum Problem, dass dieser erst seit vergleichsweise kurzer Zeit zum Bestand unserer Sprache gehört und zudem eine vielfältige Bedeutung hat, die sich oftmals mit den Bedeutungen von ,,Seele" oder ,,Geist" deckt. Erschwerend kommt hinzu, dass es für "Bewusstsein" in vielen Sprachen kein Äquivalent gibt, so dass es auch kein einheitliches Phänomen bezeichnen kann. Lat. "conscientia" bedeutet zunächst einmal so viel wie "mitwissen" und ist ein philosophisches Kunstwort der Neuzeit. Vorschläge für (nicht unproblematische) Definitionen wären: Volle Herrschaft über die Sinne besitzen; sich der wahrnehmbaren Inhalte des menschlichen Denkens bewusst sein; Gesamtheit der Eindrücke, Gedanken, Überzeugungen und Gefühle. Ohne entsprechendes Kontextwissen kann man aufgrund der unterschiedlichen Interpretationen nicht verstehen, was ein Philosoph tatsächlich meint, wenn er von Bewusstsein spricht.
Zu 2.: Wir Menschen sind Teil der physischen Welt und unterliegen deren Gesetzmäßigkeiten, erleben uns selbst aber als über die physikalischen Gegebenheiten hinauswachsende geistige Wesen, die Wünsche, Gedanken und Absichten haben, während (andere) physische Dinge, im Gegensatz zu uns, diese geistigen Fähigkeiten nicht zu besitzen scheinen. Unsere Intuition lässt uns also glauben, wir könnten klar zwischen physischen und mentalen Zuständen differenzieren. Daraus leitet sich folgende Annahme ab: A. „Mentale Zustände scheinen prinzipiell anderer Art zu sein, als physische Zustände“, sind also als nicht-physische Phänomene zu bezeichnen. Unser Erleben in der Welt erscheint uns als eine wechselseitige Kausalrelation zwischen diesen beiden Zuständen. Diese Wechselbeziehung ist im alltäglichen Leben beobachtbar: So schreien wir vor Schmerzen auf, Lachen bei Belustigung, bekommen Magenschmerzen bei Stress. Auch mentale Ereignisse scheinen also Ursachen von Verhalten zu sein, was uns zu einer weiteren Annahme führt: B. „Mentale Phänomene sind im Bereich physischer Phänomene kausal wirksam.“ Annahme A und B scheinen uns selbstverständlich gegeben, die Beobachtungen der
2 Metzinger 1996, S.15
4
naturwissenschaftlichen Disziplinen führen jedoch noch zu einer weiteren Annahme: C. „Der Bereich physischer Phänomene ist kausal geschlossen“, woraus folgt, dass auch das menschliche Verhalten dem kausal geschlossenen physischen Geschehen entspricht, somit jedes physikalisch messbare Verhalten auch eine solche Ursache haben muss. Intuitiv würden wir wohl allen drei Annahmen zustimmen, jedoch ergibt sich daraus ein Trilemma 3 , denn:
„Zwei von […] [den Sätzen] implizieren jeweils die Falschheit des dritten: Wenn mentale Phänomene nicht-physische Phänomene sind und wenn es mentale Verursachung gibt, dann kann der Bereich physischer Phänomene nicht kausal geschlossen sein. Wenn er jedoch kausal geschlossen ist und wenn mentale Phänomene nichtphysische Phänomene sind, dann kann es allem Anschein zum Trotz keine mentale Verursachung geben. Und wenn es sie trotz der kausalen Geschlossenheit der physischen Welt
gibt, dann kann es nicht sein, daß mentale Phänomene nicht-physische Phänomene sind.“ 4 Dieses Trilemma lässt sich nicht lösen, sondern ist aufzulösen, in dem einer der drei Sätze aufgegeben wird. Die verschiedenen Standpunkte innerhalb der philosophischen Positionen zu dem Bieri-Trilemma (bzw. dem Leib-Seele-Problem) haben hier die unterschiedlichsten Ansätze - und mit ihnen unlösbare Probleme. Ein Dualist beispielsweise möchte Prämisse A und B unbedingt erhalten, kann als wissenschaftlich aufgeklärter Mensch jedoch nicht ernsthaft gegen Prämisse C argumentieren. Ein materialistischer Ansatz ist augenscheinlich die bessere Variante zur Lösung des Problems, jedoch stellt sich auch hier die Frage, wie Phänomene wie das Bewusstsein materialistisch reduziert werden könnten, da hierfür zunächst einmal die physische Ursache für sie gefunden werden müsste.
Zu 3.: Studien lassen vermuten, dass Bewusstsein als ein synchroner, oszillierender Nervenimpuls existiert, der eine aberwitzig große Anzahl von Nervenzellen umfasst. Das Bewusstsein stellt sich als Neurobewusstsein dar, als physisches Phänomen, dass im Gehirn lokalisiert ist, wobei nach wie vor Unklarheit über Ort und Struktur herrscht. Die Forschung beschränkt sich bei der Suche hauptsächlich auf visuelle „awareness“, also die Schnittstelle von Wahrnehmung und Bewusstsein. Was würde jedoch als „Entdeckung“ des Bewusstseins gelten? Eine direkte Beobachtung des arbeitenden Netzwerkes? Bildgebenden Verfahren, wie EEG und MEG gelingt es (noch) nicht, Bewusstsein wirklich sichtbar zu machen, es bleibt aber prinzipiell vorstellbar. Es ist aber auch ebenso gut vorstellbar, dass Phänomene wie das menschliche Bewusstsein niemals bis ins letzte Detail geklärt werden können. Gerade die eigene Erlebnisqualität, die konstitutiv für unser Bewusstsein ist, würde dann durch neurowissenschaftliche Forschung nie erklärbar sein. Hierfür plädieren u.a. die Dualisten, die das Gehirn und all seine Vorgänge nur als biologische Grundlage, sozusagen als Bühne für das Mentale betrachten und auf eine Wechselwirkung von Mentalem und Physischem beharren. Aber auf diese Möglichkeit weisen
3 Hierbei handelt es sich um das Bieri-Trilemma. Zitiert nach: Bieri 1997, S.5f.
4 Ebd. S.6
Arbeit zitieren:
Bernd Harder, 2010, Eliminativer Materialismus in der Bewusstseinsphilosophie, München, GRIN Verlag GmbH
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