Inhaltsverzeichnis 2
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Empathie - ein Definitionsversuch 4
3 Warum Empathie für Lehrer wichtig ist 5
4 Eine Empathieschulung für Lehrkräfte 7
5 Grenzen der Empathischen Pädagogik 10
6 Konfrontative Pädagogik 11
6.1 Die Ursprünge 12
6.2 Die Theorie 12
6.3 Ein Beispiel: Die Trainingsraum-Methode 14
6.4 Kritik 16
7 Fazit 18
8 Literatur 20
1 Einleitung 3
1 Einleitung
26. April 2002: Im Erfurter Gutenberg-Gymnasium tötet ein 19-Jähriger binnen zehn Minuten 16 Menschen und sich selbst.
20. November 2006: Ein 18-jähriger Amokläufer verletzt in seiner ehemaligen Schule in Emsdetten 37 Menschen und nimmt sich danach selbst das Leben.
11. März 2009: Der 17-jährige Tim erschießt bei einem Amoklauf in Winnenden und auf seiner anschließenden Flucht ins 40 Kilometer entfernte Wendlingen insgesamt 15 Menschen.
17. September 2009: Bei einem Amoklauf an einem Gymnasium im bayerischen Ansbach werden zehn Schüler verletzt, darunter ein Mädchen schwer. Der Täter, ein 19-jähriger Schüler, wird von der Polizei festgenommen. (Chronik übernommen von Focus Online und gekürzt)
„Jedermann ist schuldig - mit Ausnahme des Kriminellen.“
(Gabriel Tarde, 1843-1904, französischer Soziologe)
Im Zuge der Diskussionen um Amokläufe an deutschen Schulen drängt sich immer wieder die Frage nach der richtigen Pädagogik auf. Vom radikalliberalen laissez-faire bis zum „Lob der Disziplin“, so der Titel eines Bestsellers von Bernhard Bueb, werden die verschiedensten Konzepte kontrovers diskutiert. Ich möchte diesen Essay „einer vergessenen Schlüsselvariable der Pädagogik“ (Liekam 2004) widmen - der Empathie. Mein Essay basiert auf folgenden Leitfragen: Brauchen wir Empathie in der Schulpädagogik? Können Lehrkräfte sich in Empathiekompetenz weiterbilden? Wie? Gibt es einen Punkt in der Schulpädagogik, ab dem Empathie alleine nicht mehr hilft?
Was ist konkret zu tun, wenn rein empathische Pädagogik an ihre Grenzen stößt?
2 Empathie - ein Definitionsversuch 4
Ich werde zunächst klären, was ich im Rahmen dieses Essays unter dem Empathiebegriff verstehe, um sodann auf die Wichtigkeit von Empathie in der Schulpädagogik einzugehen und ein konkretes Konzept zur Empathieschulung von Lehrkräften vorzustellen. Danach schließt sich die Frage nach den Grenzen rein empathischer Pädagogik an, was uns zum Gebiet der Konfrontativen Pädagogik führt. Abschließend soll ein Fazit gezogen werden.
2 Empathie - ein Definitionsversuch
Was ist Empathie? Ist es Mitgefühl? Einfühlungsvermögen? Beides? Oder noch viel mehr? Bis zum heutigen Tage gibt es keine einheitliche Definition von Empathie. Diese Tatsache zeigt auf, dass der Begriff, insbesondere wenn man ihn in einem wissenschaftlichen Kontext benutzen will, komplex und vielschichtig ist. Wer Empathie nur als subjektiven Einfühlungsvorgang erklärt, wird dem Begriff nicht gerecht. Stattdessen muss Empathie als „mehrfaktorielles Phänomen“ (Gassner 2006, 15) wahrgenommen werden. Ich möchte mich dem Empathiebegriff zunächst durch eine Abgrenzung nähern.
Empathie ist nicht gleichzusetzen mit Sympathie. Mitgefühl tritt zwar in beiden Fällen auf, aber aus unterschiedlichen Ursachen. Laut einer Studie von Robert Katz finden bei sympathisierenden Menschen stets Rückerinnerungen an eigene Erlebnisse statt (vgl. Katz 1963). Paralleles Erleben von Betrachter und Betrachtetem ruft im sympathisierenden Betrachter Mitgefühl hervor. Bei der Empathie hingegen entsteht Mitgefühl nicht notwendigerweise aus analogen Erlebnissen, sondern aus dem Versuch heraus, sich in die betrachtete Person einzufühlen (vgl. Gassner 2006, 17) und nachzuvollziehen, wie es ihr geht. Empathie ist also zunächst nur ein einseitiger Prozess. Sympathie hingegen impliziert stets eine zweiseitige Beziehung. Der sympathisierende Betrachter zeigt Mitleid und Anteilnahme, worüber sich der Betroffene freut. Diese Freude des Betroffenen ist wiederum ein positives Feedback für den Sympathisierenden. Empathie kann prinzipiell ohne Feedback stattfinden, wobei auch bei empathischen Prozessen oft Zweiseitigkeit gegeben ist. „Im empathischen Dialog [wird dann] die Eigenverantwortlichkeit des Einzelnen in den Mittelpunkt gestellt“ (Gassner 2006, 17). Der Förderung von Eigenverant-wortlichkeit kommt eine Schlüsselrolle in der empathischen Pädagogik zu, wie sich in diesem Essay noch zeigen wird. Halten wir in Anlehnung an Mertens (1993)
3 Warum Empathie für Lehrer wichtig ist 5
zunächst fest: Sympathie ist ein Fühlen mit einer Person. Empathie ist ein Gefühlswissen hinsichtlich eines emotionalen Zustands einer Person, wobei keine Gefühlsverschmelzung stattfindet.
Nach diesen Erkenntnissen lässt sich ein Definitionsversuch wagen: Empathie ist demnach eine „positive eigenständige Handlungskompetenz“ (Gassner 2006, 25), die Mitgefühl und Einfühlungsvermögen verbindet und die nachvollziehen will, wie es dem Anderen geht. Überdies gehen empathische Dialoge einher mit Eigenver-antwortlichkeit.
3 Warum Empathie für Lehrer wichtig ist
Nachdem geklärt wurde, wie sich Empathie im Rahmen dieses Essays definiert, ist es an der Zeit, die Sinnfrage zu stellen. Wozu braucht ein Lehrer Empathie? Geht es nicht auch ohne?
Unabhängig vom Bezug zur Institution Schule gilt: Empathie bewirkt „prosoziale Fühl-, Denk- und Handlungsweisen“, welche die „Grundlage für eine friedliche Koexistenz“ (Gassner 2006, 318) von Menschen bilden. Prosozial handle ich, wenn ich meinen Mitmenschen freiwillig etwas Gutes tue. Ein Beispiel: Ich helfe einer älteren Dame in die Straßenbahn. Oder ich biete ihr in der Bahn meinen Sitzplatz an. Meine Beweggründe für mein Verhalten in der beschriebenen Situation lassen sich mit Empathie erklären. Ich stelle aufgrund meiner Empathiekompetenz fest, dass die Frau Hilfe möchte. Das Beispiel zeigt: in ganz alltäglichen Situationen ist Empathiekompetenz von großer Bedeutung für das zwischenmenschliche Zusammenleben. 1
Des Weiteren sind unsoziale Verhaltensmuster wie „Selbstbezogenheit, […] Intoleranz, Destruktion oder Rücksichtslosigkeit“ (Gassner 2006, 319) der Empathie fremd. Die Konsequenz muss also lauten: Erziehung der Kinder zu mehr Empathie. 2 Gassner geht sogar so weit, zu behaupten: „Die Erziehung des Kindes zur
1 Prosoziales Verhalten gründet allerdings nicht ausnahmslos immer auf Empathie. Auch Normen können eine Rolle
spielen. Auf mein Beispiel mit der älteren Dame und der Straßenbahn bezogen bedeutet das: Möglicherweise helfe ich
der Dame gar nicht aus empathischer Kompetenz, sondern nur weil es die Gesellschaft (in diesem Fall die Mitreisen-den) von mir erwartet. Wenn ich nicht helfe, verachtet mich die Gesellschaft. Also helfe ich, um selbst in einem guten
Licht zu erscheinen (und nicht etwa aufgrund von Empathie).
2 Wobei sich hier keineswegs nur Lehrer angesprochen fühlen sollten. Vielmehr sind auch die Eltern und das gesamte
soziale Umfeld des Kindes in die Pflicht zu nehmen.
3 Warum Empathie für Lehrer wichtig ist 6
Empathiefähigkeit ist zugleich eine Erziehung zur Lebensfähigkeit eines Menschen“ (Gassner 2006, 320). Die Schule bietet sich in ganz besonderem Maße zum Lehren von Empathie an, „da hier individuelles und soziales Lernen in einem sehr engen Zusammenspiel stattfindet“ (Gassner 2006, 321). Betrachten wir nun einmal die Schule in ihrer Funktion als erziehende Institution genauer. Die Kernaufgabe eines Lehrers ist das Vermitteln von Wissen. Dies geschieht jedoch nicht durch Zauberei, sondern auf der Grundlage permanenter Lehrer-Schüler-Interaktionen. Meine eigene Erfahrung als Schüler und Nachhilfelehrer hat mir gezeigt, dass mangelnde Empathie des Lehrers die Lernatmosphäre erheblich beeinträchtigt, da die Schüler sich zum einen nicht verstanden fühlen und zum anderen die Situation zu ihren Gunsten ausnutzen können. „Mangelnder empathischer Umgang muss den Schülern zwangsläufig signalisieren, dass der Lehrer ihr Verhalten nicht hinreichend einschätzen beziehungsweise deuten kann, was ihn den Schülern immer bis zu einem gewissen Grad ausliefert“ (Liekam 2004, 184). Wenn der Lehrer auf diese Problematik mit gesteigerter Strenge reagiert, verschlechtert sich sein Verhältnis zu den Schülern noch weiter und er kann seiner Kernaufgabe immer weniger gerecht werden, da der Rahmen der gegenseitigen Kooperation wegbricht. Wenn die Schüler sich hingegen verstanden fühlen und ihr Lehrer sich ihnen empathisch zeigt, sind sie viel eher bereit, offen über Probleme im Schulalltag zu sprechen. In diesem Zusammenhang hat es sich an meiner alten Schule bewährt, dass die Schüler der Unter-, Mittel- und Oberstufe jeweils jedes Schuljahr aufs Neue einen Vertrauenslehrer für ihre Stufe wählen. Dieser hat dann eine wöchentlich stattfindende Sprechstunde, in der die Schüler ihm ihr Leid im Schulalltag klagen können. Das Angebot wird insbesondere von Schülern genutzt, die sich von einem anderen Lehrer ungerecht behandelt fühlen, sich aber nicht trauen, mit dem betreffenden Lehrer direkt darüber zu sprechen. In solchen Fällen fungiert der Vertrauenslehrer als Mittler, der das Leid und die Anliegen des Schülers anonym an den betreffenden Lehrer weiterleitet. Grundvoraussetzung für das Funktionieren dieses Systems ist selbstverständlich die Empathiefähigkeit des Vertrauenslehrers. „Funktionierende Interaktion zwischen Lehrern und Schülern steht und fällt mit der Frage empathischer Kompetenz“ (Liekam 2004, 184).
Arbeit zitieren:
Michael Eisler, 2009, Empathie und Konfrontation, München, GRIN Verlag GmbH
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