1. Einleitung
MOBBING ist rückblickend aus der Geschichte der Menschheit nicht weg zu denken. Überall wo Menschen aufeinander treffen kommt es zu Konflikten und Ungereimtheiten, die in vielen Fällen eskalieren und sich zu MOBBING entwickeln.
Schon in der Urzeit fühlte sich der Jäger, der ein kleineres Tier als der andere Jäger mit in die Höhle brachte, vom Anderen bloßgestellt. Die Vermutung liegt sehr nahe, dass der „Bloßgestellte“ bei nächster Gelegenheit versucht hat, mit allen ihm möglichen Mitteln sein Ansehen vor den Anderen wieder herzustellen. Sei es in der Familie, Schule, Mehrfamilienhäusern oder im Betrieb: MOBBING gibt es überall. Gerät man in einen Mobbingprozess, sei es als Täter, Opfer oder Beobachter, ist es schwer aus diesem herauszukommen oder ihn zu beenden. In dieser Arbeit beschäftige ich mich deshalb mit dem Thema MOBBING im Kontext von Jugendhilfe und Schule.
„MOBBING gibt es bei uns nicht“ ist von vielen Lehrern oder Schulleitern die Antwort, wenn Forscher MOBBING in Schulen untersuchen wollen. Exakte Zahlen über das Vorkommen von Mobbing in Schulen gibt es leider nicht. Dies liegt unter anderem an den verschiedenen Definitionen von MOBBING oder auch daran, dass sich nur ein geringer Teil der Bevölkerung darüber bewusst ist, wann die Grenze zwischen einem einzelnen oder mehreren Konflikten übertreten ist, es sich also um MOBBING handelt. Jedoch sind die Zahlen, die es über Mobbing gibt, erschreckend. Bei einer Online Umfrage hat das Zentrum für empirische und pädagogische Forschung der Universität Koblenz - Landau 2000 Schüler zum Thema MOBBING befragt. Das Ergebnis besagt, dass 40,5 Prozent der Schüler angab, von MOBBING betroffen zu sein. Nach einer Studie von Wissenschaftlern der Leuphana Universität in Lüneburg soll an weiterführenden Schulen fast jeder dritte Schüler (31,2%) in den der Studie vorangegangenen 3 Monaten Opfer eines Mobbingangriffs von einem Klassenkameraden gewesen sein. (vgl. Zeitschrift Pädagogik: 11/09, Kurzartikel: Mobbing Fast jeder dritte Schüler ist Opfer) Nach Ansicht der Wissenschaftler sind die Auswirkungen von MOBBING genauso schlimm wie die von Gewalt. Bedrängte Schüler haben demnach häufiger mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen als andere Schüler.
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Im ersten Teil der Arbeit ist es deshalb das Ziel, über MOBBING aufzuklären. Während den Recherchen zu meiner Arbeit bemerkte ich, dass sich der Begriff MOBBING viel zu sehr in die Umgangssprache eingebürgert hat und somit oft in einem falschen Kontext verwendet wird. Deshalb halte ich eine Aufklärung über MOBBING für sehr sinnvoll und wichtig. Des Weiteren werde ich versuchen, einen typischen Mobbingverlauf darzustellen und mögliche Ursachen sowie Einflussfaktoren, die in den Prozess mit einfließen, aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Außerdem ist mir persönlich wichtig, die von der Gesellschaft viel zu stark unterschätzten Auswirkungen von MOBBING auf das Opfer kurz darzustellen.
Im zweiten Teil der Arbeit werde ich nach Aufklärung über die Aufgaben und Tätigkeitsbereiche der Jugendhilfe und Schule versuchen, diese zuerst ein einen Kontext zu bringen. Ein weiteres Ziel ist es, zu klären, wie MOBBING erfolgreich präventiert und interveniert werden kann und wie dabei der Stand der Zusammenarbeit von Jugendhilfe und Schule in der Institution Schule ist. In diesem Zusammenhang werde ich zwei unterschiedliche Projekte vorstellen, bei denen bereits eine erfolgreiche Kooperation von Jugendhilfe und Schule im Bereich MOBBING gelungen ist.
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2. Begriffserklärung MOBBING bzw. Was ist MOBBING?
Auf eine gemeinsame Definition von MOBBING konnte sich die Wissenschaft bisher nicht einigen. So gibt es rund 50 verschiedene Definitionen von MOBBING. Im Kern beschreiben sie immer das Gleiche, nur gibt es verschiedene Ausführungen. Um das Phänomen MOBBING verstehen zu können, bedarf es einer ausführlichen Erklärung des Wortes. Da MOBBING vor allem in den Medien immer häufiger als Modewort benutzen wird, verliert es immer mehr seine eigentliche Bedeutung in der Gesellschaft. Die Gesellschaft beschreibt viele Handlungen oder Personen als MOBBING bzw. als Mobbende, obwohl oft ein ganz anderer Tatbestand vorliegt. Der Begriff MOBBING kommt aus der lateinischen Sprache und ist aus den Worten „mobile vulgus“, entstanden, was mit „wankelmütige Masse“ oder „aufgewiegelte Volksschar“ zu übersetzen ist. Das Wort selbst stammt aus dem englischen Sprachgebrauch „to mob (somebody)“ und ist mit, (jemanden) anpöbeln, (auf jemanden) stürzen, (jemanden) bedrängen zu übersetzen. Das Substantiv „mob“ bezeichnet eine Horde.
Anfang der Siebziger benutzt der Verhaltensforscher Konrad Lorenz (1903-1989) erstmals den Begriff MOBBING, um das aggressive Verhalten von Tiergruppen einem Eindringling gegenüber zu beschreiben. Der schwedische Arzt Peter Paul Heinemann greift diesen Begriff 1972 auf, um das feindselige Verhalten auf dem Schulhof von Schülern gegen Mitschüler zu beschreiben. Diese Angriffe können sogar soweit gehen, dass das betroffene Kind letztendlich Selbstmord begeht. (vgl. Leymann 2006: 14) Das Besondere am MOBBING ist der Umstand, dass in der Regel keine Anzeichen oder Provokationen von Seiten des Mobbingopfers vorliegen, die einen auslösenden Konflikt darstellen. Mobbingattacken werden meist geschickt durchgeführt, so dass die Umwelt von den Attacken oftmals nichts mitbekommt. In der Schule bemerken Lehrer Mobbinghandlungen oftmals nicht und Mobbingopfer können meist nicht objektiv nachweisen, dass sie Schikanen ausgesetzt sind. (vgl. Kerner 2009: 355)
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MOBBING - eine allgemeine Definition::
Heinz Leymann (1932-1999), ein in Schweden lebender deutschstämmiger Psychologe, führt Anfang der Achtziger den Begriff MOBBING ein, um eine schwere Form von Gewalt in der Arbeitswelt zu beschreiben. Das Wort MOBBING gewinnt im Deutschen zuerst im Kontext zur seelischen Gewalt am Arbeitsplatz an Bedeutung. Innerhalb kurzer Zeit bürgert es sich auch im Zusammenhang mit Schule ein, denn diese Form von Gewalt kommt auch dort besonders häufig vor. (vgl. Leymann 2006)
Alle weiteren Definitionen von MOBBING sind an die von Leymann angelehnt. Auch der norwegische Gewaltforscher Dan Olweus, der MOBBING als eine besondere Form von Gewalt unter Schülern beschreibt, hat sich an dieser Definition angelehnt.
„Ein Schüler oder eine Schülerin ist Gewalt ausgesetzt oder wird gemobbt, wenn er oder sie wiederholt oder über längere Zeit den negativen Handlungen eines oder mehrerer anderer Schüler oder Schülerinnen ausgesetzt ist.“ (Olweus 2004: 22)
Negative Handlungen sind nach Olweus Handlungen, wenn ein Schüler einem Anderen absichtlich Verletzungen oder Unannehmlichkeiten zufügt. Darunter fallen Verletzungen, die durch verbale Handlungen zum Beispiel drohen, hänseln, spotten und beschimpfen oder durch Körperkontakt in Form von schlagen, stoßen, kneifen oder beispielsweise Festhalten stattfinden. Natürlich sind diese Verletzungen auch ohne verbale Handlungen und Körperkontakt möglich. Fratzen schneiden, gemeine Gesten, ausschließen aus Gruppen oder Ignorieren sind solche Verletzungen. Unter den Begriff MOBBING fallen diese negativen Handlungen, wenn sie systematisch oft und während einer längeren
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Zeit oftmals mit dem Ziel oder dem Effekt des Ausstoßes (aus der Schule oder einer Gruppe) geschehen und das Opfer diese Handlungen als diskriminierend empfindet. Wenn eine Person mindestens einmal pro Woche über einen Zeitraum von mehreren Wochen oder Monaten hinweg oben aufgeführte Übergriffe erfährt, kann nach Olweus von MOBBING gesprochen werden. (vgl. Olweus 2004: 22 ff.)
Es müssen also klare Grenzen zwischen „einem oder mehrerer Konflikte unter Schülern“ und MOBBING gezogen werden. Einzelne Konflikte, Beleidigungen oder Angriffe fallen demnach nicht unter den Mobbingbegriff. Ausschlaggebend ist beim MOBBING unter anderem das Machtgefälle, das sich zwischen Opfer und Täter einstellt. Am Anfang des MOBBING können die beteiligten Personen noch in einem gleichberechtigten Verhältnis stehen. Im Verlauf des MOBBINGS stellt sich dann aber das Machtverhältnis ein, indem die unterlegene Person, das Mobbingopfer, immer weiter hinab rutscht und sich kaum mehr wehren kann. Auch beim „Erfinden“ neuer Feindseligkeiten sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Mobbinghandlungen, egal welcher Art, haben für das Opfer nie einen positiven Effekt, sie schädigen das Opfer. (vgl. Olweus 2008:248, Jannan 2009: 26)
3. Der Mobbingverlauf
MOBBING ist ein Geschehensprozess. Bildhaft lässt er sich mit einer Perlenkette vergleichen. Stellt man sich vor, dass eine Perle eine Mobbinghandlung wäre, dann kann erst von MOBBING gesprochen werden, wenn die Zahl der Perlen steigt und mit einem Faden eine Kette bildet. Erst die vielen einzelnen Mobbinghandlungen sind die Bausteine für MOBBING. Das gemobbt wird liegt wie bereits erwähnt in der Regel nicht in der Verantwortung des Mobbingopfers. Mobbingtäter weisen besondere Persönlichkeitsstrukturen auf. Oft waren sie selbst einmal ein Mobbingopfer und / oder haben ein hohes Bedürfnis nach Macht und Anerkennung. Oft ist es auch Gruppenzugehörigkeit und Spaß, der sie zu Mobbingtäter macht. Wer Angriffen am wenigsten Widerstand entgegenbringt gilt als ein potenzielles Opfer. Bis ein geeignetes Opfer gefunden ist, bedarf es oft einiger Zeit, so dass in dieser Zeit
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auch andere Schüler Angriffe abbekommen. Durch diese Angriffe auf andere Schüler baut sich der Mobbingtäter schnell ein Machtzentrum auf. In seinem Umfeld sammeln sich einige Mittäter, welche die Pläne gut finden und auch Mobbingideen mitbringen. Je weiter sich die anderen Schüler vom sogenannten Machtzentrum entfernen, desto seltener werden sie zu Taten aufgefordert oder ermuntert. Es bilden sich innerhalb einer Gruppe verschiedene Rollen aus. Dazu zählen die Zuschauer, die Mitläufer, die Assistenten, der Mobbingtäter und das Mobbingopfer. So entwickelt sich eine gewisse Eigendynamik, die in der Regel nur mit Hilfe von Außenstehenden gebrochen werden kann. Hat sich so eine Eigendynamik entwickelt, kann man von der zweiten Phase des Mobbingverlaufs sprechen. Das Umfeld sieht weg, meist aus Furcht davor selbst zur Angriffsscheibe zu werden. Es kommt zur Isolation des Opfers. Das Mobbingopfer ist nun unter Beschuss der Mobbingtäter. Die psychische Verfassung des Opfers wird immer schlechter. Es verliert an Selbstvertrauen, macht mehr Fehler, Stresssymptome stellen sich ein. Die Mobbingtäter (in der Regel 1 - 3 Personen) fühlen sich durch das Opfer gestört und beobachten es immerzu, in der Hoffnung, es bei einem erneuten „Fehler“ ertappen zu können. Das Mobbingopfer sucht die Fehler bei sich und ist nicht mehr in der Lage, das MOBBING aus eigener Kraft zu beenden.
Über kurz oder lang fällt das Opfer durch Kranksein, Niedergeschlagenheit oder andere Symptomen auf. Das Opfer fällt bei den Lehrern auf, aber das Opfer hat kaum noch Kontakt zu anderen Menschen, so dass man ihm Glauben schenkt. Da Mobbing lebensbedrohlich sein kann, ist es wichtig schnell zu handeln, um das Opfer zu schützen. Ist diese letzte Phase erreicht, wird oft schon von einer lebensbedrohlichen Situation, in der sich das Opfer befindet, gesprochen. Hier helfen in der Regel nur noch ein Schulwechsel mit gegebenenfalls psychischen Maßnahmen zur Verarbeitung der Schikanen und ein Power Training zur Stärkung des Selbstbewusstseins des Opfers. (vgl. Stritzke 2009) Erfolgsversprechender ist es jedoch, präventive Maßnahmen oder Interventionen in der Anfangsphase des MOBBINGS einzuschalten, um rechtzeitig die Spirale des Mobbingverlaufes zu durchbrechen. Hier sollte die Schule außenstehende Professionelle einschalten, da diese eine objektive Rolle haben und somit Situationen besser einschätzen können und Probleme
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der Gruppe oder evtl. solche die in der gesamten Organisation Schule herrschen, schneller aufzudecken.
4. Ursachen und Einflussfaktoren von MOBBING
Es gibt bisher wenige empirische Beweise, welche die Hauptursachen von MOBBING belegen. Nicht zu bestreiten ist, dass die Ursachen für MOBBING neben der Schule auch im gesellschaftlichen und / oder familiären Bereich liegen. Die Wissenschaft hat sich jedoch auf vier Bereiche festgelegt, in denen die Ursachen zu finden sind:
- in der Schule
- in der Gruppe
- in der Persönlichkeit des Mobbingtäters
- in der Persönlichkeit des Mobbingopfers (vgl. Jannan 2009)
Alle vier Ursachen greifen ineinander über. Pauschal kann gesagt werden, dass es sich beim MOBBING um eine Machtdemonstration handelt. Mobbingtäter suchen sich oft Opfer aus Stufen, die unter der eigenen liegen, aus. Entgegen der weitläufigen Meinung in der Gesellschaft haben Studien ergeben, dass die sozioökonomischen Bedingungen keinen Einfluss auf die Entwicklung von Mobbingtätern haben. Nicht die Dauer, sondern das Maß der Zuwendung seitens der Eltern auf das Kind hat einen Einfluss auf das Verhalten der Kinder. Auch beim Wohnstandard gibt es keine Hinweise darauf, wo potentielle Mobbingtäter leben. (vgl. Jannan 2009: 35)
4.1 In der Schule
Für die Entstehung von MOBBING in der Schule sind das Schulklima und die Lernkultur mitentscheidend. Aus dem Bereich Schulklima wirken sich besonders negativ aus:
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Arbeit zitieren:
2010, Mobbing im Kontext von Jugendhilfe und Schule, München, GRIN Verlag GmbH
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Zeit heilt alle Wunden? Der pädagogische Umgang mit dem Phänomen der Ü...
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Bachelorarbeit, 83 Seiten
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